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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
kötter bis kotz (Bd. 11, Sp. 1899 bis 1900)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) kötter, kötterei, s. DWB köter, DWB köterei.
 
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kotter, m. enges schlechtes haus, ein bair. östr. wort.
1) es lebt auch dort nur noch in resten, beschränkt auf einzelne bestimmte anwendungen.
a) östr. käfich, gefängnis. Höfer 2, 160: fort mit dir kerl in kotter hinein! Abr. a S. Clara etwas für alle 1711 2, 219. so auch tirolisch.
b) bair. vom narrenhäuschen: gleichwie selten ist ein marktfleck ohne kotter oder narrenhäusel. Conlin narrenwelt 5, 338. s. Schmeller 2, 344 und kötterlein.
c) in Kärnten für hundehütte, sodasz das wort auch in seiner heimat keine wahre einheit mehr hat. doch salzburg., tirol. auch noch stube, wohnung überhaupt, aber nur verächtlich, wie es eben das schicksal alternder worte ist.
2) dieser thatbestand weist aber auf sehr hohes alter. auch finden sich vielleicht spuren auszer dem bair.-östr. gebiete in folg.: in der Zips in Nordungarn ketterhäuschen, rundes haus auf rädern, zum drehen, als ehrenstrafe für mägde wegen geringer vergehen, s. Schröer 69a (zur sache s. DWB drehhäuschen und unter kacken sp. 15 Schiller). derselbe bringt vom Neusiedlersee gatter m. gleich kotter 1, b, und aus Tirol Schöpf 336 ebenso katter, nebengebäude am hause für gerätschaften, auch kammer zu ebener erde. auch in Schlesien eine spur, kodder hundehütte: niemand liesz dich (hund) aus deinem häszlichen kodder. Holtei drei gesch. von menschen u. thieren 2, 185. Es ist offenbar eine alte weiterbildung von dem uralten kote häuschen, bedeutsam durch sein erscheinen auf hd. boden, s. dort III, 1, a.
 
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kotter, m. triparius, fartor. Twingers voc. bei Scherz 821, der es aus Straszburg im 15. jh. belegt: Hans Gutfar der kotter; bei Dief. 226a steht auch ein nd. oder rhein. kuter fartor aus dem

[Bd. 11, Sp. 1900]


15. jh.; s. kottfleisch und kottler. Eigen bei Scherz, auch aus Twinger, kotter vespillo.
 
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kötterlein, n. demin. zu kotter häuschen, bair. vom narrenhäuschen (s. dort 1, b), narrenkötterlein, unter der aufsicht einer kötterleinmutter Schm. 2, 344:

wolan, wolan, wir wöllen ihn,
wie uns befolchen, führen hin
in der unsinnigen kötterlein. J. Bidermann Cenodoxus, übers. v.
Joach. Michel (München 1635) 28,

ebend. 26 ketterl, in der volksmäszigen form.
 
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kottfleisch, n. tripa. voc. th. 1482 r 2b, in der gemma gemm. Str. 1518 tripa, pletzer, sulz, kotfleisch, in einem rhein. voc. des 15. jh. omasum, kotfleis Mones anz. 7, 163, es ist wol was sonst kuttelfleck heiszt, fleisch aus der wamme, sächs. wellfleisch, das beste von der schlachtschüssel: wer ein woche gut leben haben will, der nem (thu) ein sau ab, so hat er kotfleisch ze essen. Keisersb. narrensch. 144a; an dem morgen früh, ee das du dich hast errüspert und der koder (schleim) noch in dir ligt, so mustu kutlen und kotfleisch zu morgen essen. brös. 1, 42b; wöllicher ein wochen wil gut leben (var. l. will haben), der nehm ein saw ab, so hat er kotfleisch und auch würst zu essen. Pauli sch. u. e. cap. 39 (96b); so ist ir saw wol feiszt, da mögen sie frei die nachbauren zum kotfleisch laden und mit dem groszen löffel aufschöpfen. Fischart bien. 205a (226a); auf hochzeiten, mezigerkeufen und fürnemlich bei dem kottfleisch, da geht es wie bei Nabals schafscheren ordenlich zu, da würstelirt man, sawmagirt man u. s. w. Garg. 48a (75); fleischdärm, eingehacktes und allerlei kdreckottfleisch. 81a (Sch. 139 kühdreck, kottfleisch) unter allerlei herrlichkeiten des schlachtfestes, das nach der vorigen stelle und dem folgenden schlechtweg kottfleisch genannt war. s. auch DWB kottler, von der zugehörigkeit unter kuttel. nrh. erscheint dafür kotz in kotzmart, kuttelmarkt, kotzmänger, kuttelverkäufer. Aachener mundart 124, vgl. DWB kotzenmenger und DWB kütz.
 
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kottfleischgast, m. schlachtfestgast, ergibt sich aus folg.: ir (der hausfrau) täglich und feirtäglich, ja fasttäglich, ostertäglich und kottfleischgästlich teller. Garg. 74b (127).
 
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kottler, m. kottler oder metzler, tutenarius. voc. theut. 1482 r 2b. 7b (in der gemma gemm. tucetarius, wurstmacher, s.tucetum, gehacktes fleisch, wurst Dief. 600c). der hausschlächter hiesz wol so, wie küter. s. DWB kuttel, DWB kuttler, auch kotter.
 
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kottler, m. der blauspecht, spechtmeise. Nemnich. wie er vom gebrauch des lehms beim nestbau der kleiber heiszt möchte auch diesz vielmehr kothler sein, s. DWB kötheln, DWB köthen.
 
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kottun, für kattun, auffallender weise schon im 14. jh., bei Walther v. Rheinau, wie mir Bech nachweist; da wird 31, 26 ff. neben flachs, wolle, bisse (byssus), phellor, sîden genannt: cottun în gestôʒen zwir (zweimal gefärbt?), mit fischblut rot gefärbt. danach ist das wort schon damals von den Niederlanden den Rhein hinauf gekommen.
 
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kotz, in flüchen, verhüllend für gotts, wie botz, potz 2, 279, grott Fromm. 4, 462, scheint aber erst neuer:

hu, Schweizer, kotz kreuz, zeuch von leder.
Weckherlin 526.

kotz wetter u. a. bei Grübel, kotz mord u. a. Schmidt westerw. id. 85, kotzôchel (gotts hagel) deutschböhm. Fromm. 2, 32, kotz maurnsapperment nürnb. 6, 265, vgl. Stöbers reiche sammlung ähnlicher flüche aus dem Elsasz das. 2, 501 ff.; dasz ich in die gehrt jungferer kotzjahmerlich verschameririert bin. Schwabe tintenf. 58, für gottsjämmerlich. ähnlich engl. by cock, bei gott, altengl. cocks bones.
 
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kotz, m.
1) auswurf, gekotztes, westerw. Schmidt 85, auf der Eifel Schmitz 227b (s. kotzen):

ein bach von kotz er do vergosz,
ein see von wst do von ihm flosz.
Wickgram kunst zu trinken (Freib. 1537) 3, L 1b.


2) der husten, westerw. u. a.; auch in Thüringen, Sachsen sagt man er hat den kotz, einen kurzen husten. bei Steinbach 1, 921 kotze fem.; vgl. mnd. snauekute catarrhus Dief. 106b. vergl. kätzen.