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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bis kabbes (Bd. 11, Sp. 1 bis 7)
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[Bd. 11, Sp. 1]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) K , der harte stumme kehllaut, die gutturale tenuis; sie nimmt, wie ähnlich die beiden andern tenues P und T an ihrer stelle, zwischen der media G und der aspirata CH, ihren genossen im kehlbereich, die mitte ein, so dasz sie unter umständen mit éinem schritte in jedes von beiden übergehn oder daraus entstehn kann. genauer läszt sich von dieser ordnung sagen, dasz K über seinen beiden kehlgenossen steht, es übertrifft sie an härte und dichte, daher an haltbarkeit und geschichtlicher dauer.
1) vom buchstaben K im verhältnis zu C, seinem nebenbuhler von der einführung der lat. schrift her, s. 2, 601. ahd. findet sich noch vielfach, zum theil vorherschend (Weinhold alem. gramm. § 205) geschrieben corn, couf, corb, clingan, cneht, cropf u. dgl., nach maszgabe des lat. musters; das K gewann aber immer mehr boden, offenbar unter dem einflusz der vordringenden aussprache des lat. c vor e, i als z (vgl. noch kaiser, keller, kicher, kirsche), hat jedoch den nebenbuhler nie ganz verdrängen können, wie doch bei den Nordländern geschah (ältere hss., um 1300, haben auch da coma, ec, scein, sciði u. s. w., s. Möbius Edda s. 257 ff.). die Angelsachsen schrieben durchaus c für k (daher noch engl. corn, can, cliff, craft, aber knight, kiss, kettle, ags. cniht, cyss, cetel kessel), d. h. sie erhielten das lat. alphabet noch vor dem beginn des übergangs des c in z; findet sich doch ahd. z. b. nuʒcerno nuszkern Graff 4, 494, arcennit 433, becennest 435. noch in den mhd. handschriften ist clage, cleine, clingen, craft, cranz sehr beliebt, in manchen herschend, nicht anders noch im 15. 16. jh., wie der voc. incip. teut. sämtliche wörter mit kl- unter C hat; im auslaut, wie sac, stoc, tac, genuoc ist mhd. das c entschieden vor k bevorzugt. nhd. erhielten sich creuz, crone, clar, closter, clause, cappe, cammer, cobolt, selbst cörper (Frisch) und solche wörter bis ins 18. jh. beliebt, bei denen man an das latein denken konnte; selbst in cranz, caldaunen (Frisch), weil es wie fremd klang. auch blieb das c im ch und ck, 'zehâ' und 'zekâ'. wodurch erhielt sich charfreitag, churfüzarst u. dgl. so lange?
2) in der lautverschiebung (s. 1, 1049) hat
a) das hd. K, wie P, das schicksal gehabt, an den ihm zukommenden stellen nicht durchdringen zu können oder wieder davon verdrängt zu werden; s. darüber G, das an seine stelle trat.
b) das wirkliche und herschende hd. k dagegen steht ebenso an der stelle der aspirata ch, die ebenso an ihren orten nicht durchaus durchdringen oder sich halten konnte; es gelang ihr nur im inlaut und auslaut (s. 2, 610), z. b. gr. στίζω, στίγμα, lat. instigare : goth. stiks stich : hd. stechen; gr. στλεγγίς und στεργίς streicheisen (stamm στρεγ), lat. strigilis (vgl. strigmentum, stringo) : goth. striks strich (streikan nicht erhalten) : ahd. strîchan, nhd. streichen; μέγας, stamm μεγαλ : goth. mikils : mhd. michel grosz; lat. vigere, vigil : goth. vakan : ahd. wachôn, nhd. wachen (aber wacker munter, ahd. wachar); vgl. DWB buche, DWB bach, DWB bauch, brechen, dach.
c) im anlaut dagegen entspricht nun hd. K auswärtigem G, gothischem K, z. b. kranich : lat. grus, gr. γέρανος, litt. gérwinis; kahl : slav. gol; kalt (goth. kalds) : lat. gelidus; kauen : gr. γεύομαι; kosten : lat. gustare; korn : lat. granum; kleben, kleister : gr. γλία, lat. glus, gluten. im ahd. jedoch heiszt es wirklich chranuh, chalo, chalt, chiuwan, chostôn, chlëbên u. s. w. (auch khind, khumen u. dgl.), obwol nicht durchgängig; und das lebt in ununterbrochener fortsetzung in alem. mundart, in der Schweiz, im Breisgau und Sundgau, chraft, chrût kraut, chlöpfe, chlingle, châ kann, chô kommen, chopf, chorb, chalb, chüel, chind

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u. s. w., das ch durchaus als kehllaut wie in machen, ein laut der an dieser stelle den übrigen Deutschen meist ungemein schwer oder unmöglich ist zu sprechen, *) er erscheint ihnen als überaus rauh und unschön, während ihn doch auch die Griechen hatten in χέω, χάος, χώρα, χλωρός, χράομαι u. s. w. **) aber das ahd. alem. chind, chraft stimmt zu gemeinhd. machen, suchen, während kind, kraft vielmehr mit nd. maken, söken, engl. make, seek stimmen. übrigens hat sich dies ch auch im bair. (östr.) gebiet noch ziemlich lange erhalten, z. b. bechom bekam 15. jh. Schm. 2, 297, bechöm 299, âchampt 301, lateinchünner 307, chonschaft 306; im 14. jh. selbst kchu kuh, kchert geschrieben, fundgr. 1, 333. 335.
d) schwankend sind k und echtes ch in stellungen wie in werk (: gr. ἔργον), das mhd. meist schon ebenso, aber auch werch lautet und so noch bair. (wirchen : kirchen Behaim Wiener 27, 32), und selbst mitteld. z. b. in meiszn. scharwerchen erhalten, vgl. mitteld. kalch für kalk, marcht markt, freilich palatal gesprochen. noch Haller schreibt march (1777) 93. 126. 148. 212.
e) in alten fremdwörtern trat k (c, qu) zuerst auf die nächste stufe, als ch, gieng aber in derselben weise wie das heimische echte ch gern auf k zurück; also im inlaut zwar kicher, cicer, kochen coquere, (cocere), küche coquina, im auslaut der wurzel kelch, kirche (vgl. vorhin kalch, marcht), im anlaut aber in denselben allen k, ahd. dagegen chirihha, chuhhina, chohhôn, chichera, doch auch schon mit k, c. noch das staket ward meiszn. richtig zu stachêt, es scheint aus nl. staecket Kil. übernommen. noch im 16. jh. auch chronich Garg. 23a.
f) eigen ist, dasz dagegen fremdes k auch zu g ward, und zwar gerade oberd. und in alten wörtern, z. b. ahd. garra neben carra und charra carrus, nhd. karren, ahd. gustir neben kustor custos, mhd. guster, nhd. küster, und so in vielen die md. und nd. k haben, s. mehr G, 5.
g) geradezu merkwürdig aber ist, dasz auch in heimischen wörtern nicht selten einem md. nd. k ein oberd. g entspricht, so dasz die regel der lautverschiebung da auf den kopf gestellt scheint. so heiszt der kibitz, nd. kiwît oberd. geibitz, mhd. gîbiz; der kukuk (md. nd.) oberd. guggauch; krabbeln (altn. krabla) oberd. meist grappeln; kichern ist mhd. gickeln, schweiz. gigeren; dem md. kippe, kippen entspricht schweiz. gimpfe, gempfen u. ä.; kitzeln ist tirol. gitzlen; die glocke heiszt nd. und oft md. klocke; das glucken der henne nd. md. klucken (auch engl. mit tenuis); gackern nd. kakeln, engl. cackle; nd. kickskacks, kikelkakel geschwätz östr. gigasgagas; gaukeln, mhd. gougelen heiszt nd. kôchelen, md. kôkeln; gucken nd. kiken. mögen davon nicht wenig fälle nur in verschiedener auffassung des ohrs oder verschiedner aussprache ihren grund haben, so dasz nd. k und oberd. g denselben laut meinen, wie das bei kukuk : guggauch, bei kacken (s. d.) : oberd. gäggen gewisz der fall ist, ***) und *) die Westfalen, Niederrheiner, Niederländer haben etwas nah verwandtes in ihrem gutturalen gh für anlautend g, ghanz, ghut, ghrosz u. s. w. auch im munde der gebildeten. **) man geht ihm freilich da meist aus dem wege, und spricht jeo, jora, jloros oder kloros, kraomai. merkwürdig dasz auch im alem. gebiete sich ausweichung dieses ch in palatales g (oder j) zeigt, im Vorarlberg und obern Algäu: jomm! für chomm komm hörte ich im äuszern Walserthal, auch majje, hôj für machen, hoch das., ajj! dojj ach, doch sang eine sängerin aus Feldkirch, eine andere in Oberstorf, ganz wie im mitteld. ich, weichen, oder auch mit merkwürdig vorschlagendem guttural: machje. ***) schweiz. G klingt oft so hart, oder noch härter, als 'der K der Deutschen', besonders in Freiburg und Wallis. Stalder 1, 28, wie der echte Schweizer geschriebnes k gern als ch spricht. daher wo k gesprochen werden soll, dort gern gg geschrieben wird, z. b. ferggen 3, 1530 (auch gk), zängg, zänggisch Zwingli in Wackern. leseb. 3, 1, 270. 268, und oft bei Stalder.

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wie z. b. auf éiner seite Frisius 167a gichlen und kichlen cachinnari schreibt: immer bleiben fälle genug übrig, um anzunehmen, dasz sich spurweise in den lautstufen eine bewegung zeigt, die auszer der lautverschiebungsregel steht und deren art noch zu ergründen ist. am auffallendsten in kitz, altn. dän. engl. kid zicklein im verhältnis zu geisz, altn. geit u. s. w., wol auch in schweiz. giden gleich kitzeln. vgl. auch saugen, ahd. sûgan (lat. sugere) : engl. suck, ags. sûcan.
h) auch auswärtiger verwandtschaft gegenüber zeigen sich spuren vom ausbleiben der lautverschiebung. man vergleiche DWB kachen (kichern u. a.) laut lachen : lat. cachinnari, gr. καχάζω, skr. kakh; krähe, krack krähe, rabe : gr. κόραξ, lat. corvus, skr. kâravas u. a.; krächzen : lat. crocire, gr. κρώζω, slav. krakati u. a.; krachen : gr. κράζω ἔκραγον schreien, κρίζω ἔκρικον krachen; klucken (glucken) : gr. κλώζω (lat. glocio); klagen (eig. schreien), klingen : gr. κλάζω, lat. clango, slav. kliknti kragen hals (der schreiende) : slav. krk. das sind lauter fälle, wo ein lauter ton bezeichnet ist, entgieng das kach- kr- (kl-) deshalb der verschiebung, um im einklang mit dem darin einmal niedergelegten naturlaut zu bleiben? so ist es ja klar bei kukuk : κόκκυξ, cuculus, skr. kôkilas, wo niemand meinen wird, die Deutschen hätten den namen des vogels etwa von den Griechen geholt. doch auch bei andern wörtern liegt der verdacht ausbleibender verschiebung vor; so bei kurz : lat. curtus, das in betracht des ags. scort, engl. short doch wol als heimisch anzusprechen ist; bei korb : corbis, kessel : catinus, kiste (vgl. DWB kasten) : cista, bei denen eine entlehnung gleichfalls zweifelhaft ist.
3) entstehung des hd. K aus andern lauten.
a) es entstand öfter aus altem qu d. i. ku (vgl. z. b. lat. cum aus quum, cur aus quare), wobei das u zuweilen auf den folg. vocal wirkt; so in keck, urspr. queck, erkücken erquicken, in kirre, goth. quvaírrus, in koth, älter kât aus quât, in kommen, ahd. quëman, in köder, koder, kütte quitte, kindlein quentlein, kolster qualster, kotemper quatember, kärtlein quärtlein, koste queste, kone, keden, kilt, kiel quell, sant Kürin Quirin.
b) oberd. k im anlaut entsteht zuweilen aus geh-, z. b. kalter aus gehalter behälter, indem die vorsilbe ge nach oberd. neigung ihr e verliert, g'halter, ghalter, das h aber wie in das g übergehend dies auf die nächste stufe hebt; so keien für geheien, kören gehören, kôrsam gehorsam (auch mitteld. 'korschamer diener!'), kand ohne mühe Stald. 2, 84, wol aus gehand behende; und sol man den (käs) kalten unz sant Margrethen tag. weisth. 1, 356, gehalten bewahren, oherrh.;

die königin kiesz von ihm viel golds,
wer ihn umbrecht.
Körners hist. volksl. 206,

gehiesz versprach; schwäb. selbst kanzfeur Johannisfeuer (j als g gesprochen) Meier sagen aus Schwaben s. 426. so schon mhd. békart W. Grimms roseng. 839 für béghart, pentekeit wälsch. gast 8173. 80 für behendekeit. Ähnlich ist es wenn bei bloszem ausfall des e jenes ge- zu k wird: selkrät seelgerät Vintler bei Haupt 9, 91; krat gerad Uhland volksl. 654; krems gerems, gitter; knôt eilfertig Stalder 1, 460, mhd. genôte; Kreut bair. ortsname, d. i. gereute. dasselbe ist es mit xin Zwingli in Wackern. leseb. 3, 1, 236. 237. 242. 250 für gesîn gewesen; auch xottens gesottenes u. dgl. findet sich. ebenso schon in ahd. zeit quinnen gewinnen u. ä., s. Weinhold alem. gr. s. 185 anm.
c) aus angleichung in Norkau, wie z. b. Aventin schreibt (Norckew S. Frank weltb.) für Nordgau, genauer Nortgau, daraus Norggau, dann aus gg k; so Soncköw Lenz Schwabenkrieg 107a. 111b u. ö., Sundgäu, Sungkow 14. jh., s. Weinhold al. gr. s. 178 (vgl. 184. 121. 117); Stuekert, Stuckert Stuttgart (alt Stuotgart) allgemein dort zu lande. so schon mhd. Blîkêr aus Blîdgêr. es ist meist d t, das dieser angleichung unterliegt (vgl. DWB epper 3, 679), die noch heute in der oberd. sprache allgemein als gesetz herscht (z. b. gobbewahre schon im Voigtlande, Henneberg, wie in der Schweiz), das k selbst nur selten, wie in spettakel spektakel im obern Algäu, auch b, p selten, wie in Algäu (für Alggäu), alt Alpgöu, Albgöu.
d) von k für g im auslaute s. DWB G 2.
e) manche k sind aus g mit ursprünglich folgendem j entstanden, so in henken aus ahd. hengjan (hangen machen), in klenken zu klingen, klang, also gj in k verdichtet. ch mit so folgendem j aber wird zu ck, so in wecken von wach, decken von dach,

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becke bäcker von bachen backen, also ck als steigerung von ch, wie k von g. der Schweizer spricht diess ck aus chj gern kch aus, z. b. erdrükche Stald. 1, 30 (wie in Βάκχος), welches kch denn völlig stimmt zu dem pf in schlüpfen u. ä. vor dem t des praet. und seines part. aber hielt sich das ch nach mhd. weise (weil das j da ursprünglich nicht eintrat) noch im 16. jh. oft, z. b. verstricht verstrickt reichstagsabsch. Augsb. 1500 B 2a (verstrickt 7b), doch auch contrecht D 4a (contrect das.), da ch vor t überhaupt beliebt war, vgl. gebenedicht Haupt 8, 251 14. jh.
4) aussprache und wechsel mit andern lauten.
a) die aussprache schwankt mundartlich zwischen härterm g, k und kh. ein reines unvermischtes k, wie es z. b. die Franzosen, Italiener, Engländer in den silben ca, co sprechen, ist nicht häufig zu hören; man hört es z. b. in manchen theilen Norddeutschlands, wie im Hildesheimischen. das was man meist für echtes k hält und verlangt, ist genau gehört vielmehr kh oder k'h, wenigstens im anlaut: k'halt, k'hind, k'hugel (wie gleicherweise t'hapfer, p'hassen). Schmeller mundarten s. 105 meldet diese aussprache als bair. und 'wol in ganz Hochdeutschland', und wünscht sie durch die reine ersetzt. Rud. v. Raumer hat aber erwiesen, dasz diesz kh wahrsch. die mhd. aussprache war. in bair. östr. schrift der ältern zeit wie noch im 17. jh., ist anlautend kh beliebt, auch ausl. z. b. peckh becke; auch alem. in alter wie späterer zeit, s. Weinhold al. gr. s. 186. 188, wo aber meist ch damit gemeint sein mag, z. b. in unpuakkhic illiteratus Graff 3, 34 (von puach buch, literae). Der vorwurf den man den Leipzigern und ihren nächsten nachbarn macht, dasz sie statt k durchaus g sprächen, ist genauer so zu fassen, dasz dort weder reines g noch reines k eigentlich heimisch sind, sondern ein merkwürdiges mittelding von beiden; vor l r n beherscht übrigens diese verwischung von g und k ganz Mitteldeutschland und auch Oberdeutschland groszentheils (Schmeller a. a. o. klagt darüber als bair.), so dasz z. b. glas und klasse, gnade und knabe, greis und kreis im anlaut nicht zu unterscheiden sind; auch aus Niederösterreich gibt Castelli nur glaiwln kläubeln, gnaippn kneipe, grpfn krapfen u. s. w. die unterscheidung kann man in Norddeutschland lernen.
b) eine andere merkwürdige ausartung der aussprache ist erwähnenswerth, umsprung in ein anderes organ vor l und n (wie beim G, s. dort 3, g): tlê klee, tlug klug, tnecht knecht Schmeller mund. Bayerns s. 107 als fränk., vgl. Frommann mund. 2, 497. 4, 257 (im Fichtelgebirge), siebenbürgisch 5, 368; die unart herscht auch im Erzgebirge, wo sogar vor n das k (und g) mit diesem zu kng wird: kngecht, kngabe, nasal gesprochen.
c) überaus merkwürdig ist ein seltner wechsel von k mit z, so in zerfzettel für kerf- oder kerbzettel Stieler 2625; nd. heiszt der käfer zever und das zerf sieht nd. aus. es erinnert an das schicksal des anlaut. k (g) im fries., wo keke kinnbacken zu ziake, tzake wird, kerl zu tzerl, kerke kirche zu tziurike, sziurke, kise käse zu tzise u. s. w. (genge zu genze), und an ähnlichen übergang von gutturalen vor e, i in quetschlaute im schwed., engl., in roman. u. a. sprachen, im slav. lit. in reine zischlaute. aber reines z für k, so unvermittelt (es findet sich keine spur eines durchgangs etwa durch kj-, wie engl. kind gesprochen wird kjeind, neugr. καί kjä, doch vgl. Weinhold al. gr. s. 193, und G 3, f) und selbst auf hd. gebiete! denn in Grieshabers pred. 1, 149 steht gezúrzerot (Weinhold s. 147), in der Nibel. hs. A 753, 3 zurzewile, in C 753, 3 zverzewilen für kürzewîlen, in einer hs. des 13. jh. von der sele spiegel zurz, zurzlich, zazer ketzer (Mones anz. 8, 492. 4, 366, u gewiss als ü gemeint, wie a als ä); die beispiele zeigen freilich alle im beginn der nächsten silbe ein z, das auf den der vorigen zurückwirkte (wie etwa in dem häufig zu hörenden schwischen für zwischen). vgl. aber auch ahd. zuirnstein für quirnstein u. ä., s. gramm. 12, 196. gesch. d. d. spr. 383, vgl. 991. s. auch kenden.
5) schreibung. c für k s. unter 1, ch und g, gg unter 2, kh unter 4, a; hier noch etwas von CK.
a) diesz zeichen für kk, das schon die ahd. schrift kennt und die mhd. vorwiegend vor kk braucht, hat in der nhd. zeit wiederholt anfechtung erfahren als ungeschickt oder undeutsch. schon im 16. jh. von seiten des P. Melissus, der schikken, lokken, zukker schreibt (s. Harsdörfer bei Schottel haubtsprache 206); im 17. jh. schreiben so Zesen, Betulius, Schottel u. a., und noch im 18. jh. wiederholen sich die versuche, z. b. in Hallers gedichten 1734 glük, selbst zurüke, blike, ebenso in Kleists frühling Zürich 1754, S. Geszners schriften 1770, von Gottsched verurtheilt (sprachkunst 1762 s. 89. 53). der vorbericht zum bremisch-nieders. wörterb. 1767 6b z. b.: die gekünstelten ck und tz sind in kk und zz verwandelt (beim schreiben des nd.), obwohl es vielen

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im hochdeutschen eine unnöthige rebellion zu seyn scheint, welche man gegen die Obersachsen eben so wenig, als die gänzliche auslassung des verlängernden h durchsetzen wird. Klopstock in der gelehrtenrep. 1774 entfernte die ck im auslaut: zurück, geschmak, auch drükt, entdekt, in dem fragm. über sprache und dichtkunst 1779 verlangt (s. 199) und schreibt er auch blikken, drükken (aber beidemal Klopstock auf d. titel). das fand denn eine zeit lang anklang, besonders der vereinfachte auslaut; es haben ihn Göthe im Werther 1774. 1775 (blik, zurük, auch bakken, ausdrukken, brieflich aber nicht, es scheint willkür der Leipz. druckerei), Bürger in den ged. 1778 (nicht mehr 1789), Schiller in der anthologie, in den räubern (nicht durchgeführt von der druckerei), im Fiesco 1783 (auch bliken, brüke, froloken, ebenso brieflich bis 1787), Engel in der mimik 1785, dann, als es schon wieder zurücktrat, noch J. Paul, der mit vereinfachung überhaupt gründlich durchgriff, im jubelsenior und dem Kampanerthal 1797 (frak, schikte, knikern, wie wil, kan, sol, ros, narheit, fals, schrit, ofnen, Ifland), in den palingenesien 1798 (glükke, lokken), in den flegeljahren 1804, liesz es aber später auch. der einfache auslaut, der der aussprache allein entspricht (daher mhd. stoc oder stok, gen. stockes), wäre wol zu empfehlen. ck haben im in- und auslaut auch die Engländer und Schweden, die Dänen und Niederländer aber kk, k. den klang des ck gibt übrigens am genauesten die schreibung gk die früher vorkommt, z. b. bligken Merswin 113, digke 48, stogk weisth. 2, 214 14. jh., egken fastn. sp. 461 15. jh., trugksesz Soltau 447 16. jh. (vgl. Stalder 1, 30).
b) ein misbrauch des ck für k, aus der zeit her wo man die feder gern voll nahm, besonders mit consonanten, also werck, wolcke, danck, paucke, gauckeln, im 16. 17. jh., schon im 14. jh. beginnend (z. b. folcke Merswin 113, funcke bei Tauler leseb. 855, 2, wercke 856, 6), hat sich fortgesetzt bis ins 18. jh.; diesz ck ist der beurtheilung seltner wörter und der landschaftlichen aussprache nachtheilig, da kürze oder länge des vocals dabei nicht zu erkennen ist. das mhd. hâke, heute wieder haken, ist in jener zeit hacken; das mitteld. kockeln, köckeln, kockelwerk 16. jh. meint nach der heutigen aussprache kôkeln, kœkeln. Gottsched, der nachher diesz ck wie tz für z bekämpfte (sprachkunst 1762 s. 53. 716), hat es selbst noch in den vernünft. tadlerinnen 1725, in den oden der deutschen gesellsch. 1728, nicht mehr 1738, wie Hagedorns fabeln 1738. noch Bodmer und Breitinger schreiben düncken, würckung u. s. w. in den crit. betracht. über die poet. gemählde der dichter 1741, aber Bodmer in den crit. briefen 1746 werk, stark; doch hielt es sich in seltnern wörtern, z. b. Lessing, der es in den schriften 1753 nicht mehr hat, schreibt doch noch eckel, Göthe 41, 86 räckeln, wo die aussprache mit ê, æ ist; gûken, spûken wie die mitteld. aussprache meist lautet, schreiben noch jetzt auch mitteldeutsche schriftsteller lieber mit ck. übrigens findet es sich sogar im anlaut, z. b. ckrafft Haupt 9, 345 16. jh., und schon viel früher, s. Weinhold al. gramm. s. 187; es war wie das ältere cz für z (vgl. Soltau 2, 402) einmal zu einem geläufigen federzug geworden. so hat Göthe handschriftlich von Danck, Funcke u. dgl. nie gelassen.
6) endlich sei es gestattet, einer merkwürdigen erscheinung hier zu erwähnen, die nicht das K allein betrifft. der kibitz, nd. kiwit, heiszt nd. auch piwit und tiwit, also neben einander k- p- t-, die gleichen stufen der drei lautarten einander vertretend, wie in τέτταρες : äol. πέσσυρες, osk. petora : litt. keturi; staar : ahd. sprâ staar (gr. ψάρ) : böhm. škořec; alts. crano : altn. trani kranich; ahd. tâha dohle : câha (s. DWB kachel krähe); mhd. schræjen : spræjen (3, 1603), vgl. dial. schritzen gleich spritzen (papeln gleich kakeln? plappern gleich klappern u. a.?); vgl. Curtius griech. etym. 2, 42 ff. 265 ff. Diese erscheinung nun, eine uralte bewegung in den consonanten, welche die der lautverschiebung kreuzend durchschneidet, und während jene einem schritt vorwärts gleicht, einem sprung zur seite zu vergleichen ist, zeigt sich im gebiet der deutschen sprachen besonders entwickelt im auslaut der stämme und wurzeln, sie ist geradezu ein wichtiger behelf bei der aus- und weiterbildung der wurzeln. man betrachte nur folgende worte für schlaff, nd. slap : engl. slack (ags. sleac, isl. slakr) : mnd. dän. slat, oder mhd. slaf : mhd. slach : schweiz. bair. schlasz, das auf mhd. slaʒ schlieszen läszt. ferner kriechen : nd. krûpen, ags. creópan; kichern cachinnari, auch kickern : kittern dass. : nd. gibbeln, nrh. giffeln dass.; puffen : pochen : mhd. bôʒen; saugen : saufen, eig. schlürfen, engl. suck : sup; goth. aúhns ofen : hd. ofen (s. 3, 1581); schief : mhd. schiec dass. (mhd. wb. 2, 2, 108b); krapp rabe : krack dass.; schnattern garrire : schnäppern : nd. snacken; bair. zaufen sich zurückziehen :

[Bd. 11, Sp. 6]


thür. zauchen dass. (: zaudern?); nd. gâpen gaffen : md. gâken dass., engl. dial. gaup : gauk dass.; vgl. engl. gap hiatus : dial. gat dass.; schweiz. gabeln gaukeln : gageln dass.; mhd. schelch schief : schelb dass. Maaler 349b; fach : faʒ, fahen : fassen (s. 3, 1358); flach : ahd. flaʒ, engl. flat (3, 1698); schnauze : bair. schnaupe dass.; schnuppern : nd. snückern dass.; schleife traha : ahd. sleicha, bair. schlaike dass. : schlitten; ags. slîdan labi : ahd. slîfan : slîhhan, altengl. slike slide, vgl. ags. slider lubricus : slifer dass. Haupt 9, 405 : engl. slick, slicker glatt; ahd. slîʒan spalten : mnd. slippen, ags. slîfan dass. : engl. dial. slike dass.; streichen : streifen (vgl. nd. strêpeln streicheln Schambach); helgol. pik penis : pîp dass. Frommann 3, 29b; ficke tasche : rhein. foppe dass., engl. fob; foppen : oberpf. focken dass.; knüppel : knüttel : knüchel dass. Stieler 998, denn knopf : knoten : knochen (knocke) stehn wahrscheinlich in demselben verhältnisse; krächse reff : krätze dass. : krepse dass.; strumpf 'truncus' : strunk : bair. strunz dass.; stumpf : ags. stunt, bair. stunz; runzeln : rumpfen dass. : runken Diefenb. gloss. corrugare, vgl. nl. wronkel ruga Kil., ags. vrincle : mnd. rimpe, mhd. rimpf, und engl. crinkle : crimple dass.; flampen schlendern : flanken dass., vgl. DWB schlampen : schlenkern : schlendern (3, 1721); lunge : dial. lumpe dass.; engl. dial. quamp : quank still. besonders ist dieser wechsel in reiner ableitung thätig: der vielnamige knorpel heiszt u. a. knospel, knostel, ferner krospel, krostel, kruskel (kärnt. Lexer 168); brospe knospe heiszt auch broste (s. u.knospe); flistern auch flispern; zirpen auch cirken (2, 627); von knorre abgeleitet erscheinen knorpel, knorchel, knorz u. a.; knascheln knirschen heiszt auch knaspeln, knasteln; knistern auch knispern, mnd. gniskern, und so in vielen fällen, vgl. schon ahd. forscôn und forspôn forschen (4, 1), ags. dväscan und ahd. duespan löschen (3, 1583), ags. hosc (engl. hoax) und hosp spott Haupt 11, 415.
Wurden hier nur proben gegeben, wo die bedeutung auch nach der theilung der formen dieselbe blieb, so wächst der vorrat der fälle, wenn man dabei, wie natürlich, eine geringere oder gröszere unterscheidung der bed. nach der trennung zuläszt; denn die sprache in ein und demselben lebenskreise leidet nicht gern überflüssige wörter, und es ist an sich denkbar, dasz diese abwandelung der wurzeln im auslaut von haus aus meist einer abwandelung der bedeutung diente (z. b. fliegen : flieszen? stupfen : stoszen : stechen?), wo sie nicht blosz im dienste der spaltung der mundarten stand. bei mehrern fällen ist übrigens noch erkennbar, dasz den im auslaut mittelst des consonantenreichthums abgewandelten wurzeln (auch l, m, n, r, s, w helfen nämlich dabei) eine wurzelform mit blosz vocalischem oder sonst leichterem auslaut vorausgieng (s. z. b. kleiben, gaffen, gähnen, knochen), vgl. 3, 1358. 1793 unten. da nun eben diese erscheinung zu sehr das ansehen nicht eines launenhaften überspringens, eines ursprünglichen versprechens gleichsam, sondern einer uralten gesetzmäszigen abwandelung hat, nenne ich sie, wo ein name nötig ist, auslautwandel der wurzel. weitere beispiele s. besonders u. kracke, klapf, klunker, krampf, kranz, klatzen, krapfe, kratzen, krätze korb, knappen, klettern, klint, kaupeln, kopp.
 
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kaa, f. hütte, verschlag, s. DWB kaue.
 
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kaak, kaar, s. DWB kak, DWB kar.
 
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kaat, s. DWB koth.
 
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kabache, kabacke, f. nordd., altes baufälliges haus, westf. götting. märk. schles. kabáche, westpreusz. kabácke: wofür bin ich hieher in des schulmeisters seine alte kabache gezogen? Immermann Münchh. 3, 123 (224), vgl. 114. auch schlechte schenke, brantweinkneipe, so liefl. kabacke Hupel: hier (in Nowa Derebna) war denn neben einer kabacke auch ein traiteur. Seume mein sommer 1805 s. 137; du bist nicht mehr in einer gaunerkabache. Alexis Dor. 1, 145. aus Ruszland schon bei Ad. Olearius 3, 6: als ich 1643 zu Naugard (Nowgorod) im lübeckischen hofe nicht fern von einer kabak meine herberge hatte. Wackern. leseb. 3, 1, 680, brantweinschenke, russ. kabak'' m. es scheint aber dorthin nach obigem erst aus dem nd. gekommen und stimmt im stamm zu kabane, kabuse, in der bed. auch zu frz. cabaret kneipe, ostfries. kabuffe f. baufälliges haus, holst. kabuff schlechtes zimmer, westf. kaficke. vgl. auch koben, käfter, kiffe, kaue.
 
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kabale, s. DWB cabale. zum ursprung aus kabbala, das man wol als pl. ansah, noch: (die folge wäre) das man der juden kabalen und thalmud ... also wol müszt annemmen als die fünf bücher Mosis. Fischart bien. 1588 29b; dasz das judenthum mit iren kabala die rechte stifterin ... aller ceremonien der h. röm. kirchen ist. 55a; ausz dem cabala der jüdischen rabinen. 59b.

[Bd. 11, Sp. 7]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) kabalieren, franz. cabaler: kaum war er (Hume) auf dem festen lande, so kabalierte man schon in den ersten kotterien, um ihn ... an sich zu ziehn. Sturz 1, 115;

neue töne und manieren (in der 'zauberflöte'),
welch ein meisterstück!
nur die verse kabalieren
gegen die musik.
Haug epigr. 4, 37.


 
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kabane, f. camera Stieler 911, hütte, verschlag: er sasz in seiner kaban' in einen klumpen gefaltet. Ramler einleit. in die schön. wiss. 1, 222. frz. cabane, it. capanna, schon bei Isidor capanna; gleichbed. kymr. caban m., dim. von cab, s. Diez 86. dazu cabinet. vgl. DWB kabache.
 
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kabbelei, f. hader, gezänk: hiebei erinnere ich mich einer kleinen kabbelei, die er (Stein) in Dresden nach tisch einmal mit Schön hatte. Arndt wanderungen 175; neckerei und kabbelei. 188.
 
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kabbeln , nordd.
1) hadern, zanken, auch refl.:

(frau, die) wenn dirs früh im magen wabbelt,
kirschbrantwein schenkt, und wenig kabbelt.
Voss 6, 137 (4, 123);

wôr öm (man) söck hârtaget (rauft), kabbelt on schleit
on glîk den hungen on katten begeit.
Simon Dach, Anke van Tharaw v. 13;

es waren kindereien, worüber wir uns gekabbelt haben. Arndt erinn. 133; doch muszten sie sich im gespräch immer streiten und kabbeln. wander. 188. osnabr. kawweln, auch kawwen, hamb. kabbauen; s. weiter kibbeln, auch kampeln 4. ostfries. kabbeln ist nur schwatzen, faseln Stürenburg 100a, vgl. DWB kafeln 3.
2) bildl. das wasser kabbelt, wirft wellen. Schütze holst. id.; seemännisch die see kabbelt, auch 'geht kabbel', wenn die wellen gegen einander laufen, bei plötzlich umspringendem winde, daher kabbelsee genannt (vgl. DWB klopfsee). so nnl. kabbelen von starkem wellenschlag (bei Kilian nur 'vomere'), ostfries. vom klingenden anspülen der wellen. kabbelung, brandung u. ä.
 
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kabbes, kabbis, s. kabisz.