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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bis jächer (Bd. 10, Sp. 2185 bis 2199)
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[Bd. 10, Sp. 2185]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) J Während das gothische alphabet für den halbvocal j an 15. stelle ein eigenes zeichen geschaffen hatte, drückten noch die viel späteren ober- und niederdeutschen, sowie nordischen handschriften, die das lateinische alphabet angenommen, nach dessen brauche j durch i mit aus, soweit sie nicht auch g dafür verwendeten. erst seit dem 15. jahrhundert läszt sich der gebrauch eines eigenen buchstabs für den halbvocal in den anfängen nachweisen, und zwar zunächst nur für die minuskelschrift. die entwickelung jedoch dieses buchstabs fällt viel früher, gehört bereits der minuta erecta des 9. oder 10. jahrhunderts an, und vollzieht sich, indem im gegensatz zu dem ein wort anfangenden vocal i, den man hoch hinauf zu ziehen liebte, ein schlieszendes i, wenn es in der verbindung ii (als wortendung oder auch als zahlzeichen) stand, vom schreibenden etwas herunter gezogen ward; wobei aber selbstverständlich der lautwert des zeichens sich nicht änderte.
Von den alten grammatikern hatte namentlich Priscian (I, 17 Herz) hervorgehoben, dasz die beiden zeichen i und u, obwol man sie je nur mit éinem namen benenne und unter éiner figur darstelle, doch sowol vocale als consonanten ausdrückten und also verschiedenen wert hätten. die deutsche grammatik, die sich seit dem 16. jahrh. nach dem vorbilde der alten entwickelte, betonte daher gleichfalls die doppelte natur, namentlich des i, so schon Ickelsamer: das i vorm a, e, o, u, für ein g, hie umb der behenden zsamenlaufung willen der vocalen, lautet es vast als sei dʒ i ein g. L iija, und ebenso spätere (Ölinger 1573 s. 14. 15. Clajus 1578 s. 2-5). der letztere namentlich dringt a. a. o. darauf für den halbvocal das zeichen j regelmäszig zu verwenden. eine solche verwendung ist allerdings schon viel früher vorhanden, aber es dauert lange, bis sie zur regelmäszigkeit durchdringt. denn wenn sie auch schon die drucke seit dem ende des 15. jahrh. zeigen (das narrenschiff gibt jagen, jger, jamer, juchtzet, judenspyesz u. a., Keisersbergs bilgerschaft von 1512 dagegen noch ioch, iugent, die iungen kind u. a.), so verwenden sie doch auch willkürlich j für anlautendes i, namentlich in einer reihe pronominaler oder praepositionaler bildungen, in denen es dann durch das ganze 16. jahrh. bleibt: bei Brant jm ihm, jn ihn, jr ihr, jn in, jnhar einher, jch neben ich; bei Luther jm ihm, jn ihn, jr ihr, jrer ihrer, wogegen immer ich, in in, dafür aber auch jtzt für ietzt jetzt, jglich für ieglich jeglich; bei S. Frank jn ihn gegen in in, jm ihm gegen im im, jr ihr; Fischart jn, jnen, jm, jr, jren, auch die praep. in erscheint gelegentlich als jnn; in Zinkgrefs apophthegmen 1626 und 1631 und in den meisten büchern um diese zeit ist durchgängig, selbst in der ausgabe von Schuppius schriften 1663, hier allerdings nur noch gelegentlich, jhm, jhn, jhnen, jhr gedruckt, diese worte als letzte zeugen des unterschiedslosen gebrauchs von i und j; im letzten viertel des 17. jahrh. ist die beregte schreibung verschwunden.
Im gegensatz zur minuskel ist die majuskel spät gebildet worden, im lateinischen alphabet kaum vor dem 17. jahrh., im deutschen ist sie theilweise auch heute noch nicht durchgedrungen, so dasz derselbe grosze buchstab für I wie für J gilt. damit in zusammenhange steht der in wörterbüchern bis ins 18. jahrh. allgemein herschende, aber auch jetzt noch nicht ganz aufgegebene brauch, die mit J anlautenden deutschen wörter einfach unter I einzuordnen.
Für das neue zeichen wird der griechische name des vocals angenommen. Ulfilas bereits überträgt Matth. 5, 18 ἰῶτα durch jôta; dann aber ist der name für lange zeit aus dem deutschen wieder verschwunden, so dasz er in der beregten bibelstelle z. b. weder in Behaims evangelienbuche, noch bei Luther erscheint. welcher deutsche grammatiker den namen aus dem griechischen aufs neue für den halbvocal entlehnt, ist noch zu ermitteln, bei Schottel ist er vollkommen eingebürgert: wann das i im anfange der wörter wird gefunden, also, dasz ein selblautender drauf folget, alsdann wird es also j, geschrieben, und hat die wirkung eines jods, als jahr, joch, jemand. haubtspr. 213. Stieler kurze lehrschrift von d. hocht. sprachk. s. 5 schreibt jot.
Das anlautende j erweiterte sein gebiet dadurch, dasz ihm eine anzahl ursprünglicher g, zunächst in der aussprache, theilweise

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auch in der schreibung zufielen, wie theil 41, 1107-1109 hervorgehoben ist. belege für diese schreibung bieten neben mitteldeutschen quellen in Oberdeutschland namentlich die Nürnberger (vgl. Weinhold bair. gramm. s. 197) und noch bei H. Sachs:

weil nu disz kindelein ist worn
in unser jagenwart (gegenwart) geborn. 3, 2, 24d;

die moderne schriftsprache hat von diesem gebrauche noch die schreibung jäh, jach, neben gäh, gach behalten, ferner die koseform des eigennamens Georg als Jörg, Jörge, wie schon im 16. jahrh.: etlich schreiben Jörg (für Georg). Helber teutsch. syllabierbüchl. (1593) s. 12; auszerdem das mehr mundartlichniederdeutsche jappen schnappen, das zu gaffen (theil 41, 1136) gehört; im 18. jahrh. schreiben norddeutsche schriftsteller auch noch jähnen; ebenso begegnet jeck, jäck (Frisch 1, 481c) für geck, vgl. unten s. v. jeck; dagegen ist mundartlich echtes j in g übergegangen (41, 1109), und auch hiervon hat die schriftsprache proben, so in gäten für ursprüngliches jäten; gären für jären, welche letztere schreibung Stieler noch bringt aber verwirft; in gäscht und gischt, während das landschaftliche (oberdeutsche) jast seinen ursprünglichen laut bewahrt; im 18. jh. schrieb man noch das richtige jauner für heutiges gauner; wogegen wieder das zu dieser zeit erscheinende gauche für jauche heute verschwunden ist.
Anlautendes j war ahd. in jâmar jammer, jënêr jener landschaftlich abgefallen (âmar, ënêr alemannisch), was auch noch mhd. sich findet; heute bietet der alemannische dialekt nur noch änen, äne, änet für mhd. jënent jenseits, als fortsetzung des zu dieser zeit schon hier gewöhnlichen enent, ennent, vgl. th. 3, sp. 468, wo auch ein alem. ens für jenes aus dem 15. jahrh. belegt ist; der bairische dialekt enhalb, jenseits, ferner ent jenseits, in manichfachen zusammensetzungen und weiterbildungen bewahrt (Schm. 1, 92 Fromm.); wozu noch böhmerwäldisches o für jo = ja kommt (sp. 1197). die schriftsprache hat keine wortformen mit gewichenem anlautenden j.
Dagegen ist in der neuern spriftsprache die verbindung je aus ehemaligem ie geworden in je, jeder, jeglich, jemand, jetzt u. ähnl., an den betreffenden stellen wird untersucht, seit welcher zeit. immer, mhd. iemer hat sich von dieser gruppe getrennt, indem es den ursprünglichen diphthongen vocalisch verkürzte. der consonantierung des j in diesen fällen steht zur seite, wenn das fremde hyacinthus, mit verlust des anlautes, ahd. mhd. als jâchant, jachant, jôchant herübergenommen wird, oder mit mehr anlehnung an die fremde form, jacinct (Dief. 282b), jacink (voc. inc. theut. k 7a), jacinth (Maaler 233d) lautet, oder in gleicher weise der stadtname Hierosolyma zu Jerusalem sich gestaltet.
Das inlautende j mochte in alter zeit einen vocalischeren klang haben als das anlautende, beweis dafür ist, dasz es vielfach neben i auch durch e gegeben wird, vgl. ahd. suntea, peccata, gen. plur. sunteônô, dat. sunteôm peccatis, minneôt amat neben minnia caritas, redea ratio und radia, redia, dem goth. raþjô entsprechend; eben so alts. hêleand heiland neben hêliand, minnea und minnia, hellea und hellia hölle und reichliche andere beispiele, ags. seltener mêceas die schwerter, sêcean suchen (goth. sôkjan), þeccean brennen, während hier öfter auch inlautendes j durch g gegeben wird, z. b. in nergan neben nerian und nerean retten, vergan neben verian vertheidigen. am häufigsten freilich ist es, namentlich im ahd., seit dem 9. jahrh. inlautend gewichen, theils einfach verschwunden, wo schon consonantenverbindung bestand (wie goth. sandjan ahd. sentan, senten), theils dem vorhergehenden vocal assimiliert (goth. hausjan, ahd. hôrran); im mhd. besteht inlautendes j noch nach langem vocale, wie in früeje früh, vgl. ahd. fruoja praecoquae (uvae); blüejen, ahd. bluojan, bluojen; mæjen mähen; næjen nähen, ahd. nâjo sarcio; müeje mühe, müejen mühen; dræjen drehen, ahd. drêjo torno u. a., wofür doch auch, und zwar schon seit ahd. zeit, formen ohne j in gebrauch sind, und je später, desto allgemeiner werden; das j in diesen formen hat sich im nhd. in h umgesetzt, vgl. darüber oben sp. 4. aber der alemannische dialekt hält zum theil noch an dem alten laute, so namentlich in früeje, blüeje (blühen),

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während in neie nähen, dreie drehen, meie mähen vocalisierung des j und damit schaffung eines diphthongen eingetreten ist, soweit nicht auch hier das elsässische formen wie näije nähen, mäije mähen u. a. bewahrt hat (vgl. Weinhold alem. gramm. s. 192). im bairischen sprachgebiete hält die Tiroler und Kärntner mundart jenes j besonders fest: drâjen, mâjen, nâjen, blüejen (bair. gramm. 197). immerhin ist, wenigstens im alemannischen, die aussprache eine dem vocale sehr nahe, daher auch Hebel vocalische schreibung durchführt:

hen sie mi nit verstochen, und in der büttene brüeihet? 1, 148?

wer e rüeihig gwüsse het,
schlof sanft und wohl! 157.


Welche wirkungen ein solches früher vorhandenes inlautendes j, gleich dem i, auf einen ihm vorhergehenden vocal äuszert, lehrt die grammatik.
Unechte inlautende j, die für g stehen, zeigen quellen früher jahrhunderte nicht unhäufig, wie 41, sp. 1107 ausgeführt wird; der späteren geschlossenen schriftsprache sind sie fremd, wenn auch niederd. und mitteld. mundarten die palatale aussprache des g nicht aufgegeben haben.
Auslautendes j ist überhaupt im deutschen niemals geduldet worden; es gieng in den ihm nächst liegenden vocal i über, der bald schwächung zu e erfuhr, auch später ganz abfiel. im nhd. zeigen veraltete formen wie bette, netze, ahd. petti, netzi noch den alten ausläufer dieses j. dasz der alemannische dialekt selbst im auslaut j duldet, in wörtern wie blüej, brüej, früej, rüej, verzeichnet Weinhold a. a. o., wozu fälle des unechten j für g treten, wie wenn im Elsasz und in Niederschwaben wäj, kenij, wenij, lustij, berj, Stroszburj gesprochen wird (ebenda s. 181). doch hört man im ersteren falle, wie beim inlautenden j, mehr vocalischen laut, früej z. b. klingt wie früei, wie auch Hebel schreibt:

und wenn bis früeih der tag verwacht. 1, 137;

vgl. DWB doch ischs mer, sie heigen o müeih und noth. 130.


 
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ja, part. affirmantis.
A. Form.
goth. ja und betheuernd jai; alts. jâ; ags. geâ und jâ (Leo ags. gloss. 553) neben dem erweiterten gese, gyse, woraus sich engl. yes entwickelt hat; fries. gê, jê; altnord. jâ; schwed. dän. ja und jo; ahd. jâ; mhd. jâ, verstärkt auch als jârâ, jâriâ mit eingeschobenem r erscheinend (Lexer handwörterb. 1, 1472 fg.); nhd. wird das wort theils kurz theils lang gesprochen, lang meist bei nachdrücklicher bejahung; dialekte ändern hier nach begriffsunterschieden den vocal, und wie beispielsweise schweizerischkurze, indifferente zustimmung, ferner zweifel, frage und ausruf: jä, jetzt hätte ich es bald vergessen! J. Gotthelf Uli der knecht 54, jô aber die affirmation mit nachdruck bezeichnet und die verbindung jä jô im sinne des schriftdeutschen nun ja oder auch ja wol steht, so hat im ostfriesischen nach der schattierung der bedeutung sogar eine fünffache schattierung des vocals statt: ja, einfache bejahung; jà, nachdenkliche oder nachdrückliche bestätigung, anzeige der dienstbereitschaft; jè, einwilligung, beipflichtung, geständnis, hindeutung auf selbstverständliches u. s. w.; jo einschärfung,hinweisung auf die bestätigung des selbstgesagten durch die aussage eines andern. Fromm. 4, 129. vgl. auch unter je und jo.
Dasz die partikel ja ein vom demonstrativstamme ja gebildetes neutrum sei, wie goth. hva was vom entsprechenden fragstamme, und also eigentlich 'dieses' bedeute, darauf weist Bopp vergl. gramm. 2 (1870) s. 204 hin. als mit ihr identisch müssen wir die conjunction ansehen, die im alts. theils als ja und theils als ge (auch in der verschmelzung jak aus ja ôk und auch), im ags. als ge, und auch einigemale im ahd. als ja (Müllenhoff u. Scherer 442) erscheint, und von der das goth. jah, ahd. mhd. und noch nhd. jah und joh (s. d.) weitergebildet ist.
B. Verwendung.
I. ja, als eine affirmationspartikel, ohne enge einfügung in den satzverband.
1) zustimmende antwort auf eine frage, behauptung oder forderung geben wir durch einfaches ja: Thom. ist sie zu hause? Jery. ja! Göthe 11, 14;

'meinestu sô?' vrouwe, jâ. Iwein 1805.

es heiszt ja sagen, sprechen, antworten: da sagt der meister z Ulenspiegel: sich das hus dar gegenuber, da die hohen fenster seind, da gang yn .. Ulenspiegel sagt ja. Ulensp. 74, s. 109 Lappenb.; und Jhesus sprach zu jnen, gleubt ir, das ich euch solchs thun kan? da sprachen sie zu im, herr ja.

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Matth. 9, 28; er antwortet aber und sprach, herr, ja. 21, 30; darnach fragt der erzbischof von Cölln die fürsten, ob sie im (dem kaiser) wolten trew und gehorsam sein. darauf sagten sie ja. Becherer newe thür. chron. (1601) 464; aber wie ist es, herr Anton, haben sie mich auch noch lieb? .. wird es ihnen denn so sauer, ja! darauf zu sagen? Gellert 3, 338;

er sprach ze Lemberslinde:
welt ir Gotelinde
êlîchen nemen, sô sprechet jâ. Helmbrecht 1513;

Faust. ist jemand hier? Sorge. die frage fordert ja!
Göthe 41, 314.

ja nicken, lächeln, wenn entweder die partikel mit begleitendem nicken oder lächeln gesprochen oder auch nur durch solches ausgedrückt wird: gern oder ungern zu allem ja zu nicken. Wieland 25, 172; darauf nickte er ja. J. Paul leb. Fibels 17;

als stünd in seiner capelle
der würdige pfaffe schon da
und fragte: wollt ihr einander?
wir aber lächelten: ja!
Göthe 1, 104.

ja sprechen, sagen, für zustimmen, einwilligung geben, schlieszt sich diesem gebrauche an: die unwissenden heiszen mich ir liecht, und gott spricht ja dazu, es sei also. Luther 5, 176a; folge mir darinn, heirathe nicht. ich habe dich zu lieb, als dasz ich zu deinem unglücke ja sagen sollte. Lessing 1, 343; zu allem ja sagen, in alles willigen;

wenn ich denn zu einer andern kumm,
so pin ich auch nit gern ain stumm,
und clag ir haimlich meinn geprechen,
als lang, pis sie mir ja wirt sprechen. fastn. sp. 771, 20;

(der höchste) spreche ferner ja zu unsern hohen sachen.
P. Fleming;

und treiben sie dich, gegen mich zu ziehn,
so sagst du ja, und bleibst gefesselt stehn.
Schiller Wallensteins tod 2, 1;

dieses leise auftreten, dieses schmiegen und biegen, diesz jasagen, streicheln und schmeicheln. Göthe 19, 167.
2) das einfache ja wird durch beisätze verstärkt.
a) indem die zustimmung noch durch einen begleitenden satz erläutert wird:

'welt ir alleʒ taʒ ich wil?'
jâ, michn dunkets niht ze vil. Iwein 2292;

sehent ir nun das ich euch wor gesagt hab? si sprach, ja, es ist also. Keisersberg sünd. d. m. 47b; da hiesz der meister Ulenspiegeln die schermesser schleifen. Ulenspiegel sprach: ja, gern. Ulensp. 74, s. 110 Lappenb.; und sprach zu ir, sitz nider, trink und sei frölich .. und Judith antwortet, ja herr, ich wil frölich sein. Jud. 12, 18; Raguel sprach zu inen, kennet ir Tobiam meinen bruder? sie sprachen, ja wir kennen in wol. Tob. 7, 5; Jhesus spricht zu ir .. gleubestu das? sie spricht zu im, herr, ja, ich gleube das du bist Christus. Joh. 11, 27; Thomas. ist das euer haus? Bätely. ja, da wohn ich mit meinem vater. Göthe 11, 16;

Illo. (die menschen) finden sich in ein verhasztes müssen
weit besser als in eine bittre wahl.
Questenb. ja, das ist wahr! die wahl spart uns der fürst.
Schiller Piccol. 1, 2;

notar. ei, sitzt er da?
Eulensp. dort sitzt er, ja.
Kotzebue dram. sp. 2, 305.


b) mhd. ward statt eines solchen erläuternden satzes nur ein einführendes pronomen gesetzt, weiteres der ergänzung überlassen:

dô sprach er: heiʒt ir Lûnete?
sî sprach: herre, jâ ich.
Hartmann Iwein 4211;

nu gevellet mir dîn rede wol.
'entriwen unde tuot sî sô?'
jâ sî zwâre alsô. 1. büchl. 1172.

auch noch nhd.: Einsid. ich frage nicht hiernach, sondern ob du das vater unser kanst? Simpl. ja ich. Simpl. 1, 31 Kurz; und, mit bloszer zufügung eines hilfsverbums: Einsid. hat sie ihn niemals anderst genennet? Simpl. ja, sie hat. 30.
c) anders ist, wenn ein schon in der frage ausdrücklich hervorgehobenes pronomen in der antwort aufgenommen wird:

mann. so wil ich dir dein maul zerschlagn.
frau. wem, mir? mann. ja, dir.
frau. da bhüt dich der teufel darvor.
mann. schweig, oder ich schmeisz dich ans ohr.
frau. wen, mich? mann. ja, dich.
H. Sachs 1, 480b;

oder ein anderer satztheil: bist du immer dieser überzeugung gewesen? ja, immer;

hat diesz sich wirklich zugetragen?
'ja, wirklich. glaub es auf mein wort.'
Gellert 1, 229;

oder wenn in nachdrücklicher rede ein solches satzglied zweimal gesetzt und durch ja verbunden wird: dich, ja dich suchen wir;

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doch so wars! ja so!
Göthe 5, 203,

bevor die schuh verbraucht,
womit sie meines vaters leiche folgte,
wie Niobe, ganz thränen — sie, ja sie! Shakesp. Hamlet 1, 2;

(those shoes) with which she follow'd my poor father's body,
like Niobe, all tears — why she, even she.

in solchem sinne findet sich auch die partikel in volksmäszigen liederstrophen häufig:

von im kan ich nit weichen, ja weichen. Garg. 98a;

es ritt ein herr und auch sein knecht
wol über die heide, die was schlecht,
ja schlecht.
Uhland volksl. 207;

ach Venus, du vil schönes bilt!
wie hast du mich gebunden, ja gebunden?
J. Ayrer 412c (2072, 5 Keller).


d) die partikel wird mehrfach gesetzt, entweder zum zeichen nachdrücklicher bejahung:

du sprichest iemer neinâ nein,
neinâ neinâ neinâ nein:
daʒ brichet mir mîn herze enzwein.
maht du doch etswan sprechen jâ?
jâ jâ jâ jâ jâ jâ jâ?
daʒ lît mir an dem herzen nâ. minnes. frühl. 137, 25;

welches alles sie mit zehnfachen ja ja beantwortete. polit. stockf. 346; Lisette. nun, wissen sie denn noch nicht genug? der kapitän in der breiten strasze .. Peter. ja, ja. ganz recht. eben der. Lessing 2, 293; Th. ei wir können ja die büchse aufmachen. M. ja ja, das können wir. Kotzebue dram. sp. 2, 87; ja ja ja! du hast vollkommen recht. 133; 'bist du es?' ja ja. 250; M. also in vollem ernst? Mr. ja doch, ja. 322;

ja, ja, ja, ja, und ist das war,
es hat mich wol gedaucht das jar,
du habst die magd lieber denn mich.
H. Sachs 1, 479d;

Buttler. es ist schon lebhaft hier, ich sehs. Isol. ja, ja,
die kirchen selber liegen voll soldaten.
Schiller Piccol. 1, 1;

bei der selbstbeantwortung einer frage:

sagt mir an,
es sind noch protestanten in der stadt? (bürgermeister stutzt).
ja, ja. ich weisz es. Wallenst. tod 4, 3;

oder auch, wenn die bejahung eine widerwillige oder zögernde ist: ach ja! ja! erwiederte mr. Schlicht. Engel Lorenz Stark cap. 27; H. noch ein augenblickchen, herr Israel! J. nu ja! ja! bin ich denn etwa schon weggegangen? diamant 100; 'mir scheint er (der diamant) viel feuer zu haben'. nu ja! ja! wie ihro gnaden sagen. ebenda;

Sal. und welch
ein weises glück, das eine solche that
zum besten eines solchen mannes ausschlug.
templ. ja, ja! Sal. so kalt?
Lessing 2, 309.


e) dem ja treten begleitende partikeln zu; so in den die affirmation verstärkenden verbindungen ja wol, ja gewis, ja fürwahr, ja freilich (schweizerisch als recht gewöhnliche bejahung jô frîli), in der alten sprache auch sicherjâ: und sprach: wellent ir tuon, daʒ ich iuch rôte, iuch bekoment alle iuwer bienen deste baʒ. siu sprach: jô wol, gerne. Germ. 3, 414, 7; 'gloubis du diz?' si sprach z ime: sicherjâ herre. Behaims evang.-buch, Joh. 11, 27; ja furwar, das muste man .. lassen gut sein. Luther 8, 4b; Socr. glaubest du nun, dasz es dieser ursachen halber geschehe. Cebes. ja freilich. Hoffmannswaldau sterb. Socr. 100; Valer. gewisz nicht. Wumsh. gewisz ja. Lessing 1, 354; baron. und schändlich ist es, wenn man treue heuchelt. Henr. ja wohl, ja wohl! Kotzebue dram. sp. 2, 178; ja wahrlich scilicet Stieler 873;

knecht. sag hat er dich nit hart getrücket?
d. kranke. ja freilich; nun bin ich erquicket.
H. Sachs 1, 467d;

klosterbruder. (er) war
wohl sonst ein lieber herr. Nathan. ja wohl! ja wohl!
dem ich so viel, so viel zu danken habe!
Lessing 2, 322;

auch verstärkendes ja da:

hôrst, was ich dir han gesäit?
ja da, antwürt sey ym do. ring 15a, 35;

ferner in den verbindungen nun ja, ja doch, die mehr zögernd, einschränkend oder ungern bejahen: ja doch imo Stieler 873; herr Cramer ist ein groszer und verehrungswürdiger mann. nun ja; und er soll es auch bleiben. aber ... Lessing 6, 237; er faszt ihre hände, blick in blick: 'Lucinde, sind sie mein?' sie versetzte: nun ja doch! Göthe 21, 162; nun ja, ins teufels namen! Kotzebue dram. sp. 2, 341; nun ja, ich hatte nichts dagegen. 3, 205;

ich hab ihm blos den fall ganz allgemein
erzählt, um seine meinung zu vernehmen.
auch das hätt unterbleiben können: ja doch!
Lessing 2, 340;

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nun ja! ich lieb ihn, halt ihn werth; was aber
hat das mit meiner tochter hand zu schaffen?
Schiller Wallensteins tod 3, 4.

endlich mit interjectionen, ach, o, ei, i verbunden, in welchen fällen der bei der bejahung hervortretende gemütsantheil schärfer hervorgehoben wird: i ja doch, man hat auch ein herz. Kotzebue dram. sp. 2, 199; F. ist endlich dein brummbär fort? E. o ja! 267; ach gott ja! ich will verdammt groszmütig sein. 341;

'ich hab zu hoch gefaren, ich musz mich nu tucken.'
ei ja, lieber herr, so gehet es den die got verachten.
Schade sat. u. pasqu. 1, 62, 260;

sagts, wollt ihr, oder nicht? denn itzt sind wir noch da:
die bauren lächelten. ach ja, herr amtmann, ja!
Gellert 1, 208.


3) ja, ohne dasz es die antwort auf eine entsprechende frage oder behauptung bildete, leitet vielmehr einen satz ein, indem es auf den betreffenden gedanken nachdrücklich hinweist und ihn gleichsam gegen etwaige zweifel im voraus sicher stellt: ja du wirst mit deinen augen deine lust sehen, und schawen, wie es den gottlosen vergolten wird. ps. 91, 8; ja der herr sprach zu mir, zeuch hin auf in dis land. Jes. 36, 10; ja, poliert nu die pfeile wol und rüstet die schilde. Jer. 51, 12; ja, im glauben wil ich mich mit dir verloben. Hos. 2, 20; denn der tag ist nahe, ja des herrn tag ist nahe, ein finstrer tag. Hes. 30, 3; wir wissen von keinem zank noch streit. des einen verlangen ist stets auch des andern wille gewesen. ja, mein englisches weibchen. Lessing 2, 388; schön, allerliebst! ja, so lasz ich mirs gefallen. Göthe 11, 282;

ja was er pfeift, das mstu tanzn.
Schmelzl verl. sohn 28b;

ja, du verzeihest dem, den seine sünden kränken.
Gellert 2, 105;

ja! sie sinds, die dunkeln linden.
Göthe 41, 297;

ja, Max. nicht eher wollt ich dirs eröffnen,
als bis des handelns stunde würde schlagen.
Schiller Wallensteins tod 2, 2;

ja, wer durchs leben gehet ohne wunsch,
sich jeden zweck versagen kann, der wohnt
im leichten feuer mit dem salamander,
und hält sich rein im reinen element. ebenda.


4) so namentlich auch einen entschlusz nach längerer überlegung, eine sicher auftauchende erinnerung, auch den abschlusz eines urtheils oder einer meinung anzeigend, und hier oft nachdrücklich doppelt gesetzt: und können gehn! ja, ja; das ist das ende vom liede. Lessing 2, 147; schwören sie! nein, schwören sie nicht ... oder ja, schwören sie nur. 169; wenn ichs nur wieder zusammenbringe. von der wirtschaft ihres vaters, glaub ich, war gleich zuerst die rede; ja! ja! Engel Lorenz Stark cap. 33; ich übergebe sie der obrigkeit, dem weltlichen arme. ja, ja, ich thue es. Gellert 3, 236; niederd. de eene (der philosophen) heet Demokritus, de andre — sü, dat weet ek sülvest ball nich meer; ja, ja! Heraklitus heet he. Sackmanns pred. 67;

ist das nicht Cicero? rief einer unter ihnen,
ja, ja, er ists; o das ist schön!
Gellert 1, 237;

ja, spricht Damöt, ich musz es selber sagen,
dasz ich nicht wenig strafbar bin. 110;

ja, spricht es (das kind) zu sich selbst, wenn es die gabel wäre,
die hab ich lange nicht so lieb,
so liesz ich sie mit freuden liegen. 288;

ja, wenn ich unvorsichtig wäre,
da freilich schnitte mich die scheere. ebenda;

wer hat die redlichkeit erhoben,
ohn unsre väter mit zu loben?
ja, ja, die trunken wacker wein,
wie konnten sie nicht redlich sein?
Lessing 1, 87;

ja, ja! er hat schon recht der patriarch! 2, 296;

ich könnte mit
dir zanken ... ja das könnt ich. 308;

so ein erster wink
kann unterwegens wenigstens nicht schaden.
ja, ja! nur zu! itzt oder nie! nur zu! 329;

ja, ja, im ganzen, da sitzt die macht!
Schiller Wallenst. lager, 11. auftr.;

ja, laszt uns abrede nehmen, hört! ebenda;

zwar! — ja wohl — nichts dauert ewig — vielleicht soll dieses eben der weg sein, den die vorsicht ausersehen, dem ganzen jetzigen schema der freimaurerei ein ende zu machen. Lessing 10, 296; Theodor. es (das geld) kommt von ihm, herr. meister Riff. ja, herr, leugne er nur nicht. Kotzebue dram. sp. 2, 87.
5) ja begleitet auch nur einen zweifel, einwurf, ein bedenken: Ulenspiegel sprach: ja, waʒ sol ich aber bachen? Ulensp. 19,

[Bd. 10, Sp. 2191]


s. 25 Lappenb.; ja solt gott gesagt haben, ir solt nicht essen von allerlei bewme im garten? 1 Mos. 3, 1; ja, solt ich das blut nicht foddern von ewren henden? 2 Sam. 4, 11; ja lieber mensch, wer bistu denn, das du mit gott rechten wilt? Röm. 9, 20; du sprichst, ja ich kan nit alwegen fliehen. Keisersberg baum d. sel. 7b; ja sprichstu, die zeit wird einem so lang, ist es dann nicht besser, dasz man spiele, als dasz man sich doll und voll saufe? Schuppius 199; ja wann die schöne gestalt der menschen beschaffen wären, wie der Israeliter ihre kleider, .. wären solche gesichterkrämer noch in etwas zu entschuldigen. Abr. a S. Clara Judas (1686) 1, 127; mahlt er (Homer) uns, auszer den goldnen nägeln, nun auch das holz, den geschnitzten knopf? ja, wenn die beschreibung in eine heraldik sollte, damit einmal in den folgenden zeiten ein anderes genau darnach gemacht werden könne! Lessing 6, 467; Metzler. seit wann hat denn der Götz wieder händel mit dem bischof von Bamberg? es hiesz ja, alles wäre vertragen und geschlichtet. Sievers. ja, vertrag du mit dem pfaffen! Göthe 8, 6; ich maasz und zeichnete und schnitt die hölzer zu, auf fusz und zoll hatte ich alles abgepaszt; ja, als es nun an das zusammenfügen und leimen gehen sollte, war alles verkehrt. Immermann Münchh. 1, 628;

ja, schont ich nicht erbarer leut,
ich wolt dir wol dein bosheit vertreibn.
H. Sachs 1, 480b;

Sal. ich bin stets
ein freund gewesen von geschichtchen, gut
erzählt. Nath. ja, gut erzählen, das ist nun
wohl eben meine sache nicht.
Lessing 2, 276;

denken
auch zwei, drei nachbarn überein, und halten
in ihren gränzen ordnung; ja, so schützt
gleich im gebirg ein andrer herr die schelmen.
Göthe 10, 243.

in diesem sinne kann ja selbst mit nein verbunden werden: ja nein, daraus wird nichts!; älter ja wol nein: 'du bist der wolf, und wilst mich fressen!' ei ja wol nein, mein sohn, sagte er, sei zu frieden, ich frisz dich nicht! Simpl. 1, 27 Kurz; mein herr fragte: was thät die jungfer dabei? schämte sie sich nicht? ja wol nein, herr! sagte ich, sie hub den rock auf. 123; so dörfte sich wol der leser einbilden, ich hätte etwas ungebührliches begangen. ja wol nein! 334.
6) es gibt erlaubnis, wie etwa immerhin:

die erste sprach behende:
ja, lächle nur auf mich!
ich gebe dir frühes ende
durch einer spindel stich.
Uhland ged. 402.


7) fragendes ja, mit dem bestätigung einer vorausgehenden frage oder behauptung gefordert wird: und was? diese blätter hätten sie gelesen gehabt, herr pastor, ganz gelesen gehabt, als sie das 71ste mal dieses jahr in ihr horn stieszen? — ja? Lessing 10, 169;

Daja. kommt! kommt! ich weisz ein fenster,
aus dem wir sie bemerken können. Recha. ja? 2, 245;

tempelh. ich bin zum Saladin
gerufen. patriarch. ja? 304;

doch wie? wärs ungeheurer männerstolz,
der nur, sich desto süszer zu ergetzen,
die blödigkeit als larve brauchte? ja?
Schiller don Carlos 2, 8.


8) ja, nur mehr noch als ausruf, vgl. gramm. 3, 290:

dô sprach der verchwunde: jâ ir bœsen zagen,
waʒ helfent mîniu dienest, sîd ir mich habet erslagen? Nib. 930, 1;

do huob er an ein anders gschräy:
ja, mein lieber herr, seyt irs?
ich bkant euch nicht, vergebt mirs! ring 9d, 42;

ich ker mich nit an eur dro ..
ja ich trag auch ain gneiten
hie an meiner seiten,
den will ich laszen fegen. fastn. sp. 426, 24;

als je (s. d.):

einr hiesz don, der ander signor,
je gott, wie giengen die kerl empor,
einr ritt stattlich, der ander fuhr.
Weller lieder des 30 jähr. kriegs 256.


9) ironisches ja ist häufig: und sein weib sprach zu im, heltestu noch fest an deiner frömkeit? ja, segene gott und stirb. Hiob 2, 9; und redten wider gott und sprachen, ja gott solt wol können einen tisch bereiten in der wüsten? ps. 78, 19; wafür, fragt Gargantua, sprecht ir dise gezeitbettlin? ja fragt, sprach der mönch, für den bloen husten. Garg. 249b; o ja! ja! ich werde ihr noch obendrein gute worte geben müssen. Engel diamant 118; hätte ich etwa sagen sollen, dasz Diodor und Polyän spätere schriftsteller wären, als Nepos? ..

[Bd. 10, Sp. 2192]


dasz auch sie von der zweideutigkeit des lateinischen ausdrucks verführt worden? ei nun ja, das wäre wahrscheinlich genug! Lessing 8, 119; ei ja doch, da würde es heiszen, das alberne ding will schon heirathen. Kotzebue dram. sp. 2, 189;

aus groszem mitleiden und betrübnis sprach er das:
nu wolt ich dasz got im himel wer gestorben!
ei lieber ja, so weren seiner erlichen anschlege nicht so viel verdorben.
Schade sat. u. pasqu. 1, 64, 319;

was meint ihr, dasz geschah?
Fell starb am stich? — ei ja doch, ja!
der skorpion verreckte.
Lessing 1, 17:

F. am ersten war ja so nicht viel.
M. o ja, dem herrn ist alles kinderspiel.
Göthe 12, 146;

derhalben haltet in ehren solchen xerxischen kopf, der alle seine kriegsleut im ganzen heer von 100000 wuszt mit iren besonderen namen zu nennen: ja wers glaubt. Garg. 63a; sie (die bauern) werden ja mit jemand freundschaft halten (solte einer wol gedenken), aber ja gix! es bleibet darbei, rustici wollen weder mit blutsfreunden noch muthsfreunden zu thun haben. baurenst. lasterpr. 174; 'wann du nn .. ein weib nimbst.' ja wol weip. Hutten 4, 110; wie meint er wohl, herr Till, dasz die leute den hieszen? 'wie? einen tiefsinnigen kopf.' ja, es hat sich wohl! einen narren! Engel phil. f. d. welt 16; mhd.

owê wie tuont die friunde sô?
jâ friunt! waʒ ich von friunden sage!
Walther 55, 3.


10) ehrliche schlichte rede braucht für eine versicherung nicht mehr wie ja und nein: ewer rede aber sei ja, ja, nein, nein, was drüber ist, das ist vom ubel. Matth. 5, 37; wie goth.: sijaiþ-þan vaúrd izvar: ja, ja; nê, nê; und alts.:

queðe jâ ef it sî,geha thes thâr wâr is,
queðe nên ef it nis,lâte im ginôgî an thiu. Heliand 1523;

wie dieses auch von einem Schweizer bawren (erzählt wird), der die tag seines lebens nicht viel bei andern leuten, denn in den rauhen gebirgen, hinbracht, und mit dem viehe umbgangen, darumb keiner arglistigen aufsetzigkeit anderst, denn nein und ja gewohnet hett. Kirchhof wendunm. 263a;

da ja und nein im brauche gieng,
da stand es mit der welt nicht so gering.
Lehmann bei
Lessing 11, 672;

es stecket ja im linken, im rechten backen nein;
ja-nein, das will bei hofe vermischet immer sein.
Logau 2, 61, 40 (hofe-stellungen);

vgl. mhd.: sun, zwei wort êrent wol den man
der sich wil êren mit den zwein
sô daʒ er si behalten kan.
daʒ eine ist jâ, daʒ ander nein.
wie zieret golt den edelen stein?
alsô tuont wâriu wort den lîp. Winsbeke 52, 4.


11) aber das kurze ja und nein gilt auch als energischer ausdruck des willens:

wer nit kan sprechen ja und nein
und pflegen rat umb grosz und klein
der hab den schaden im allein.
Brant narrensch. 8 überschr.


12) die partikel ja wird als substantiv behandelt:

swes munt mich triegen wil, der habe sîn lachen dâ:
von dem næm ich ein wâreʒ nein für zwei gelogeniu jâ.
Walther 30, 18;

dem also slipfic ist der sin,
swâ er sîn jâ geheiʒen hât,
daʒ er sîn nein dâ schrenket în. Winsbeke 52, 9;

nein und jaes hastu alin gewalt.
Altswert 113, 21;

wir sin wankel mit unsern sachen. waʒ des morgens ja ist, daʒ ist des abends nein. Janssen Frankf. reichscorr. 1, 76 (von 1400); bei mir ist ja, ja, und nein ist nein. 2 Cor. 1, 17 (ἵνα ᾖ παρ' ἐμοὶ τὸ ναὶ ναὶ καὶ τὸ ο ο; goth. ei sijai at mis þata ja ja jah þata nê nê); ehe man zuschlägt und sein ja von sich gibt. Kirchhof mil. disc. 58; dann wie das ja und nein, also ist auch das sagen und sein unterschieden. Simpl. 1 (1713) 5; darauf ihm denn Wilhelm mit einem sehr lebhaften ja antwortete. Göthe 18, 288;

mein herze steht bei ja, wenn alles schwert auf nein.
Fleming 631;

dem geist ich mich mit ja verpflicht.
Philander 1, 438;

lebt lang und wohl! der himmel sage
zu meinem wunsch sein würkend ja.
Haller (1768) 107;

ich gebe nicht mein ja, dasz es geschehe.
Göthe 9, 174.

das ja bei verlöbnis und heirat (vgl.jawort): ach wie sauer wurde mir das ja. gott sei dank, dasz es heraus ist. Lessing 2, 390; er wurde von einer Engländerin gepflegt, die ihm ihre

[Bd. 10, Sp. 2193]


liebe gestand und aus dankbarkeit sein ja erhielt. Andersen Bärtel Thorwaldsen s. 50;

wohledler gönner, dein vergnügen
blüht jetzo durch ein holdes ja.
Günther 150;

an dem tag, da er, gefragt vor dem altare,
ihr durch ein seufzend ja! sein zärtlich herz erklärt.
Gellert 1, 181;

wird mich und sie ihr schnelles ja beglücken.
Lessing 1, 122;

wie kann der priester segnen, wenn das ja
der holden braut nicht aus dem herzen quillt?
Göthe 9, 376;

das erste ja der liebe.
Uhland ged. 397.


13) in verbindung mit dem gegensatze: bei ja und nein, kürze der rede anzeigend:

und sucht nach möglichkeit
mit plattem scherz und gutem wein
den gast vergnügt zu machen.
alleindér bleibt bei ja und nein.
Wieland 18, 333;

als zeichen kurzer, schlichter versicherung (vgl. oben 10), wie engl. by yea and no, vgl. auch yea-and-nay-man als beiname der quäker:

ich will einst, bei ja und nein!
vor dem zapfen sterben.
Bürger 50a;

dann schwuren wir herzlich, bei ja und bei nein,
im leben und tode getreu uns zu sein. 59a.

aber auch zeitkürze malend: mich wundert, .. dasz man hier so viel worte verlieren mag, da der ganze handel in ja und nein entschieden sein könnte. Wieland 19, 325; der hirt zog sein hirtenmesser aus der tasche und auf ja und nein lag der kopf des riesen auf der erde. Vernaleken kinder- und hausm. 125;

sein thier, ein eselein
von feenart,
bracht ihn in ja und nein
an einen wald.
Wieland 18, 310.


14) ja und amen, nach der bibelsprache: denn alle gottes verheiszung sind ja in im, und sind amen in im. 2 Cor. 1, 20 (ὅσαι γὰρ ἐπαγγελίαι θεοῦ, ἐν αὐτῷ τὸ ναὶ καὶ ἐν αὐτῷ τὸ ἀμήν; goth. hvaiva managa gahaita guþs, in imma þata ja, duþþe jah þaírh ina amên); alles dieses war bei dem vater ja und amen. polit. stockf. 343;

wann Weinholdens herzens-wuntsch solte ja und amen sein,
würde zwar nicht alles gold, wie dem Midas, aber wein.
Logau 2, 220, 61;

erfreuet euch wenn da drauszen .. eine natur liegt, die ja und amen zu allem sagt, was ihr in euch selbst gefunden habt. Göthe 44, 247.
15) in anschlusz an die letztere verbindung (13) heiszt es das ist ja (das ist gewis), verstärkt das ist ja und wahr, ja und gewis: das gott auch eine verheiszung dazu gethan, und zugesagt hat, das es sol ja und gewis sein, was wir bitten. Luther 4, 415a; denn wo irgend ein fromer christ bittet, lieber vater, las doch deinen willen geschehen, so spricht er droben, ja liebes kind, es sol ja sein und geschehen, dem teufel und aller welt zu trotz. 416a; das ist ja deutlich geredt, das unser bitten, suchen, anklopfen, solle nicht umb sonst sein, sondern alles gewis und eitel ja sein. 8, 324b; er hat heiszen beten und bitten, und verheiszen es sol erhöret und ja sein. 325a; der glaub eigentlich oder fides proprie dicta ist, wenn mir mein herz, und der heilig geist im herzen sagt, die verheiszung gottes ist war und ja. J. Jonas ebenda 6, 395b; da hatt ich aber einen guten anschlag, der war nicht mehr denn auch ja und gewisz. Götz v. B. 81; es ist ja und die wahrheit. Petr. 109a; bringt nachfolgende meinung klagend für, sagt dieselbige ja und wahr. Ayrer proc. 1, 4;

es heiszt ein krankheit plexia,
die kann ich heilen, das ist ja.
E. Alberus 131.


II. ja als conjunction oder adverb eng in den satzverband eingefügt.
1) betheuernd oder nachdrücklich hinweisend (vgl. oben I, 2, a), mit änderung der wortfolge: ahd. iâ ist er (truhten) iemer. Notker 2, 42a Hattemer; mhd.

sî sprach: jâ ist mir kunt
sîn name nû vor maneger stunt. Iwein 2109;

und noch nhd.:

ja äsz ich also gern!
die kelber hör ich rörn,
dasz ich von hunger schier lieg tod. fastn. sp. 436, 17;

selbst bei Rückert, aber hier alterthümelnd:

ja hoff ich dort die augen aufzuschlagen
frei gegen dich,
zu geben antwort allen deinen fragen. ges. ged. 1, 330

[Bd. 10, Sp. 2194]


sonst nur noch in der verbindung ja wol in ähnlicher stellung verharrend: wer hatte sie die affen so kennen gelehrt? ja wohl sind sie hämisch. Lessing 2, 149;

tempelh. was gibts denn? so geheimnisvoll, was ists?
Nathan. ja wohl betrift es ein geheimnis, was
mich zu euch bringt. 290.


2) bei nachdrücklichen ermahnungen, wie um dieselben gleichsam von vorn herein gegen einspruch zu sichern: wollen wir nu des vaters kinder sein, so solten wir ja solch hoch exempel uns lassen bewegen, das wir auch also lebten. Luther 5, 394a; schreibe ja! und benim mir diese falsche meinung von dir. Lessing 12, 2; so lassen sie mich es ja bald hören, dasz sie deren (freundschaft) noch empfinden. 394; nimm es ja (das geld), sonst machst du dich verdächtig. Schiller neffe als onkel 2, 10;

wir haben kurze (wenig) zeit. thut die versehung ja,
dasz uns sonst mangle nichts, als was da nicht ist da.
P. Fleming 169;

mich treibt der eifer gottes lediglich.
was ich zu viel thu, thu ich ihm. das wolle
doch ja der herr erwägen.
Lessing 2, 304.

in negativen sätzen: sie sprachen aber, ja nicht auf das fest, das nicht ein aufruhr im volke werde. Marc. 14, 2; das ir von uns ja keinen schaden irgent inne nemet. 2 Cor. 7, 9; darumb reizet er uns von solcher blödigkeit und gedanken, das wir ja keinen zweivel haben, sondern nur getrost und kecklich hinan gehen. Luther 5, 437b; alhie vergleicht man sich auch eigentlich der kennbinden oder feldzeichens, mit fürsichtigkeit dasz ja der farben keine dran sei, so die feinde zum zeichen tragen. Kirchhof mil. disc. 85; zum andern, das wir auch verleugnen und lassen das ungöttliche wesen, die zeitlichen güter, unser herz ja nicht daran hengen, sondern im herrn besitzen als geliehene güter. Val. Weigel 343 Opel; wir solten ihm aber ja keine nase drehen. Felsenb. 4, 270; so musz der biblische theolog ja nicht auf die natur .., sondern auf die gnade rechnen. Kant 1, 218; itzt halten sie länger sich nicht auf. ja nicht länger! Lessing 2, 167; vielmehr soll man, je bittrer der kelch ist, eine desto süszere miene machen, damit ja der gelassene zuschauer nicht durch irgend eine grimmasse beleidigt werde. Göthe 48, 10;

du (gott) wolst in disz alles vergleichen,
und von mir ja nicht ferren weichen.
Lobwasser psalm. (1595) 28a,

so bitt ich trauter herre mein,
wolt ja zu lang nicht auszen sein.
P. Rebhun bei
Tittmann schausp. 1, 39, 239;

und dasz die alte
schwiegermutter weisheit
das zarte seelchen
ja nicht beleidge!
Göthe 2, 62.

auch in erzählenden sätzen, in denen ein vorsatz, oder eine nachdrückliche erwägung referiert wird: fallen auf die knie, damit sie ja ihren schlamp ausbreiten können. Schiller räub. 1, 2;

heucheln, schmeicheln und liebreden dem bapst,
dasz sie durchs bapsts privilegien bleiben für ungestraft,
und ja nicht erkant werden under iren decklach.
Schade sat. u. pasqu. 1, 6, 167;

ist gleich mancher nicht der klügste, dennoch kan ihm etwas gelten,
dasz ihn ja für keinen narren, kluge pflegen nie zu schelten.
Logau 2, 125, 32.


3) die ältere sprache verwendet ja auch als füllende partikel, von der bedeutung der nachdrücklichen hinweisung aus: morgens raum mir daʒ haus, ich wil dich nit lenger haben, du bist ein betrogner schalk, wa du ja harkummest. Ulensp. 64, s. 94 Lappenb.; findet sichs denn, das sie ja nicht zu im wil. Luther 4, 471b;

das er da auf der grüne
ja vor im gestrecket lag. Eckenl. 235 Schade;

dann ja nach got, dem herrn, ist mir
kein lieber ding auf erd, denn ir.
P. Rebhun bei
Tittmann schausp. 1, 38, 221;

'gebt ein batzen, ich nem in an,
das ir ein gut new jar müszt han.'
er sprach: du bittest ja zu viel.
B. Waldis Esop 2, 75, 13;

ist sie so lang ein junkfraw gsein,
und darz auch ja ein begein.
Murner luth. narr 4617 Kurz;

zum letsten ist desz maisters (des alchymisten) glück,
ja das im mangelt noch ain stück.
sölchs musz er holen über feldt.
Schwarzenberg 120b;

[Bd. 10, Sp. 2195]



gleich wi der man dem nagel tht (den er aus der wand reiszen will),
verscht der teüfel waîchen mt.
und aller maist mit dem begint,
ja den er leisz und wankel fint. 121c;

darümb ist mir der adel gt,
ja das ich hab ain thummen mt. 135a;

drümb ist es wol ain grosze klag,
ya wer sich selbst der witz beraibt,
und ainem vollen narren glaibt. 144c;

zu dir (dem gelde) sen all mein sinn gestalt,
ya wi ich dich gewinn und bhalt. 145a;

dein dienst gen gott endtlichen stell,
ja wer kain himel noch kain hell (wäre auch himmel und hölle nicht);
das du gott dienest durch sein gt. 155d;

herr hauptmann seind nun on sorgen,
solt ich warten bisz morn an morgen,
so wil ich sagen und gen zverstan,
ja wenn der fürst wöl auf die ban. spil wie mann die narren um einem beschweeren soll (1554) A 7b.

gerade als were die ganze welt gewis und sicher, das sie selbs gleubig und eitel heiligthum, und nicht, ja so grosze buben weren für gott. Luther 4, 328a; das heiszt duch (lies doch) ja zu mal, eine grobe, grosze unverschampte unkeuschheit angemutet. 8, 4b.
4) dem hervorhebenden nahe steht das steigernde ja eines nachsatzes: der selbig herzog Albrecht .. hielt kostlichen, fürstlichen, ja wol küniglichen hoff. G. v. Ehingen 7; da würgt man durch einander jung und alt, man und weib, kinder und jungfrawen, ja auch die kinder in der wiegen. 2 Macc. 5, 13; Christus ist hie, der gestorben ist, ja viel mehr, der auch auferwecket ist. Röm. 8, 34; also gibt gott der ganzen welt teglich leib und leben, und allerlei notdurft .. seinen feinden, so wol als freunden, ja es regnet wol am meisten in einen wüsten wilden wald und wasser, da es gar kein nütz ist, und leszt seer sperlich regen, da frome leut wonen, ja er gibt den bösesten buben, die besten königreich, land und leut, gelt und gut, den fromen aber kaum das liebe brot zu essen. Luther 5, 393b; also, das du dich müssest schemen, wenn du die sonne ansihest, .. ja auch für einem blümlin oder baumblat auf dem feld. 394a; denn das wort gottes ist das heiligthum uber alle heiligthum, ja das einige das wir christen wissen und haben. 4, 394a; häfen, von auszen bemalet mit lächerlichen, gecklichen, ja oft erschrecklichen höw- und graszteufeln. Garg. 18a; du (mohr, der du dich weisz zu waschen glaubst) wirst doch darvon nicht weisz werden, ja in ewigkeit keine weisze haut bekommen. Lokmans fab. 17; denen setzte mein mann und was noch bei ihm war, mit blosem degen nach, ja sie gaben auch feuer drauf. Simpl. 3, 139 Kurz; sie kommen ihm abscheulich, ja wie thiere und ungeheuer vor. Göthe 8, 229; das gefühl von beiden wechselte augenblicklich mit einander ab, ja durchkreuzte sich aufs innigste, so dasz sie sich nicht anders zu helfen wuszte, als dasz sie immer wieder das nächste mit antheil, ja mit leidenschaft ergriff. 17, 306; dasz alles was Eduarden besonders lieb war, auch ihre sorgfalt am stärksten an sich zog, läszt sich denken; ja warum sollte sie nicht hoffen, dasz er selbst nun bald wieder kommen, dasz er die fürsorgliche dienstlichkeit, die sie dem abwesenden geleistet, dankbar gegenwärtig bemerken werde? ebenda; (Ottilie die) ihren blick wegwenden durfte ja muszte von dem was sie nicht sehen mochte und sollte. 319; wir dürfen ihn mit ruhe, ja mit behagen von uns wegscheiden lassen. 166; die neigung, ja die leidenschaft des jungen mannes. 169; im besitz einer person, die er so sehr liebte, ja verehrte. 18, 12; setzte sich zu ihm, ja man dürfte beinah sagen, auf ihn. 211; sie liesz mit bitten nicht ab, ja unvermuthet schlang sie ihren arm um seinen hals. ebenda; wie grosz war sein erstaunen, ja sein schrecken. 306; niemand entsetzt sich vor diesem falschen, ja gotteslästerlichen spruch; ja man glaubt etwas weises und unwiderlegliches gesagt zu haben. 48, 10; diese .. suchen sich solche begriffe zu bilden, welche unverwüstlich sind, ja durch die betrachtung des vergänglichen nicht aufgehoben, sondern vielmehr bestätigt werden. weil aber hierin wirklich etwas übermenschliches liegt, so werden solche personen gewöhnlich für unmenschen gehalten, für gott- und weltlose; ja man weisz nicht, was man ihnen alles für hörner und klauen andichten soll. 11; die reine mathematik ist nicht grob, verglichen mit der angewandten; ja sie ist vielmehr zarter und zuverlässiger. 54, 276.

[Bd. 10, Sp. 2196]



5) durch ja wird, in verschiedenen fügungen, ein gegensatz ausgedrückt (worauf das letztgegebene beispiel leitet); so dasz es an den sinn von aber, sondern rührt: was solch regiment thue, das stellet uns viel jar daher in die augen, mit teglichen exempeln das edelste, ja nu mals (jetzt) das elendeste land auf erden, Italia. Luther 6, 160b; die Saracenen heiszens mit sonderm hohen namen elesalem, ein heilsam gesetz gottes, ja viel mehr, wie gesagt, ein mördrisch und wütig gesetz. 8, 25b; summa, es ist nicht auszuzelen, was gott alle stund und augenblick durch die sonne für wolthat gibt, ja wo ist jemand, der solchs erkennet, oder dafür danket? 5, 393b;

nicht wellen, nein. ja, berge sinds zu nennen,
die du uns hast mit sturme vorgeschützt.
Fleming 103.

im sinne von doch: zwo oder drei meilen, aufs wenigst ja ein meil. Luther 4, 451b; weil du ja in die welt gehen willst, so gehe jedermann mit freundlichkeit und höfligkeit unter augen. Schuppius 229; so wäre es ja wahr, was mir Just gesagt hat? Lessing 1, 551;

die weils dann ja nicht anders kan
gesein, und müsset schlechts daran (ihr müszt fortziehen).
P. Rebhun bei
Tittmann schausp. 1, 39, 239.

im ersten satzgliede wie zwar, allerdings: wer das nit tht der überkumpt, ja ein wissen, aber ein unnütz, das nichts bessert. S. Frank chron. 416b; gottes werk .. sind ja vollkomen, aber .. Luther 4, 2a; in einem folgenden satzgliede auch steigernd, wie gar, selbst: wird es on zweivel nicht ein unnötige, oder ja unnütze und leichtfertige sache gewesen sein. 451b;

dasz sie durchs bapsts privilegien bleiben frei ungestraft,
und ja nicht erkant werden under iren decklach,
ja solten sie Christum noch eins nageln ans creuze.
Schade sat. u. pasqu. 1, 6, 168;

ein schönes thor und giebel
steht an den häusern übel,
drinn alles ohngefehr
steht, oder ist ja leer.
Logau 2, 114, 77

Adams erstes hosen-tuch waren blätter von den feigen:
sünde, macht sich immer recht, oder wil sich ja verschweigen. 3, 30, 40.


6) ja in bedingungssätzen, wo es, wie doch oder überhaupt, eine behauptung abschwächt, mäszigt, vermittelt: wenn regierungen sich ja mit angelegenheiten der gelehrten zu befassen gut finden. Kant 2, 28; und wenn euer todtes heer ja gegen sie vordrang, so flogen sie auf ihren schnellen rossen davon, und tödteten sogar im fliehn. Klopstock 8, 191; über diesen (stein) aber wird noch gestritten, ob er den alten überhaupt bekannt gewesen. und kannten sie ihn ja, so kannten sie ihn doch nur als eine art des amethysts oder berylls. Lessing 8, 79; was beweiset nun diese aufschneiderei hier für unsern verfasser? wenn sie ja etwas beweiset, so beweiset sie gerade das gegentheil. 11, 121; seine chmaligen freunde, die ätherischen geister, wenn sie ja noch einigen zutritt bei ihm hatten, muszten sich gefallen lassen, die gestalt der schönen Danae anzunehmen, um vorgelassen zu werden. Wieland 1, 283 (236);

hilft aber jemand ja, so ist doch sein vermögen
viel minder noch als nichts, wenn gott nicht ist zugegen.
Opitz 3, 278;

Udus seuft den ganzen tag, wann er drüber wird besprochen,
spricht er: einen halben tag hab ich mich am durst gerochen,
drauf den andern halben tag pfleg ich zuvor an zu saufen,
wann mich ja des durstes trotz wolte wieder überlaufen.
Logau 3, 205, 86;

warum gebarest du, ewigkeit, ihn? und muszt er ja werden,
warum ward er nicht finster und traurig, der ewigen nacht gleich?
Klopstock 3, 100 (Mess. 2, 803);

fängt ja der wind in norden an zu keifen:
wohl! eine kluge maus hat mehr als nur ein loch.
Gökingk 2, 138;

doch war an wissenschaft, an rechtem sinn
ihr keine beider töchter jemals gleich;
und soll sich eine ja mit ihr vergleichen,
so hat Lucretia gewis das recht.
Göthe 9, 105;

ihr sollt entscheiden, wenn mich ja zu Rom
die freunde nicht vollkommen überzeugen. 212.


7) ja in einem behauptungssatze, und hier im gegensatz zu 6 unbetont, weist auf etwas allbekanntes, als sicher angenommenes hin: er wird ja mein heil sein, denn es kompt kein heuchler fur in. Hiob 13, 16; es ist doch ja unter der heiden götzen keiner, der regen künd geben, .. du bist doch ja der herr unser gott, auf den wir hoffen. Jer. 14, 22; es würde mir lieb sein, wenn sie das manuscript Herdern schickten, denn es soll ja nach unsern statuten, noch in mehrere hände. Schiller

[Bd. 10, Sp. 2197]


an Göthe 1, 22; hierher wol auch ein eigenes ja bei J. Paul: er verstand mehr wissenschaften als der ganze hof, und ja mehr sprachen, bis sogar auf die stimmen der nachtigall und des hahns. Hesp. 1, 65 (wenn hier nicht ja = sogar und zu no. 4 gehörig);

du (Jesus) bist ja umb unsernt willen mensch geborn.
Schade sat. u. pasqu. 1, 1;

hier gehn wier oft, und schauen mit erblassen
dein rasen an, du schaumichter Hirkan ...
dein falscher grund der seichten und der tiefen
hat uns ja oft angst, bleich und nasz gemacht,
du lieszest uns ja redlich wohl vertriefen.
Fleming 103;

erdenke mir ein späschen!
du bist ja sonst so fein.
Bürger 5a;

der gute kaiser schwebt in groszen sorgen,
du kennst ihn ja.
Göthe 41, 260;

der vorsatz ist ja der erinnrung knecht,
stark von geburt, doch bald durch zeit geschwächt. Shakesp. Hamlet 3, 2;

es kann ja nicht immer so bleiben
hier unter dem wechselnden mond.
Kotzebue;

noch steigt in jedem dörflein ja
dein heilig haus empor.
Uhland ged. 10.

in verbindung mit einer erinnerung, einem einwurf, zweifel, bedenken: Juda sprach, sie habs ir, sie kan uns doch ja nicht schande nachsagen. 1 Mos. 28, 23; kan auch, ehe denn ein land die wehe kriegt, ein volk zu gleich geborn werden? nu hat doch ja Zion ire kinder on die wehe geboren. Jes. 66, 8; so hängt ja aber die ganze metaphysik wiederum nur an einem angel, da es vorher zwei sein sollten. Kant 3, 329; aber der vetter ist ja noch nicht hier. Schiller neffe als onkel 1, 9; warum sollt ich ihn nicht kennen! ich war ja immer der postillon des gnädigen herrn. 1, 11; das kann ja nicht ewig dauern. Kotzebue dram. sp. 2, 198; jetzt bin ich ja auf einmal ein wackerer mann. 333; er setzt mir ja das messer an die kehle. 341;

so kriegte ja der groszknecht, der mir pflügt,
beinah so viel, als der gelehrte kriegt,
der das besorgt, was mir am herzen liegt.
die kinder nützen ihn ja durch ihr ganzes leben.
Gellert 1, 229;

doch was man ist, und was
man sein musz in der welt, das paszt ja wohl
nicht immer.
Lessing 2, 335;

laszt ihr zum mindsten den genusz
des süszen wahns! er schaut aus seinen hellen augen
sie ja so sprechend an.
Wieland 23, 115 (Ob. 8, 77);

wie kann ich zum weibe dich nehmen?
ich bin ja entsprossen aus adligem blut.
nur gleiches zu gleichem gesellet sich gut;
sonst müszte mein stamm ja sich schämen.
Bürger 61b;

wachtm. meinst du, man hab uns ohne grund
heute die doppelte löhnung gegeben,
nur dasz wir flott und lustig leben?
tromp. die herzogin kommt ja heute herein
mit dem fürstlichen fräulein — wachtm. das ist nur der schein.
Schiller Wallenst. lager, 2. auftr.;

in andern fügungen ist ja nicht viel mehr als bloszes füllwort geworden, immerhin so dasz die bedeutung des offenkundigen, allbekannten noch nachklingt: aber menschen sind doch ja gar nichts. ps. 62, 10; da ist er frölich worden und gesprochen, ey das verstehe ich ja. Agricola sprichw. no. 379 in der auslegung; es scheint ja, als wenn sie ihn vor einen abscheu aller welt hielten. Lessing 12, 7; wissen sie aber gar nichts gewisses vor mich, so ist es ja besser, dasz ich hier bleibe. 10; es musz ihr ja gleich viel sein, ob ich hier oder da mein glück finde. 11; das übrige wird er mit der zeit ja wohl aufklären. Göthe an Schiller 1, 5;

das hab ich ja wol leiden müssen.
H. Sachs 1, 471a;

drumb die weils (weil sie) ja nicht vermage
das sie mir mit geld abtrage
solche schuld, so bitt ich sere ...
P. Rebhun bei
Tittmann schausp. 1, 45, 93;

sie bekömmt wol meines gleichen,
und auch ihres gleichen ich.
weil sie ja verdringet mich,
so will ich ihr gerne weichen.
Fleming 497;

es sind gebete drinn.wir nennens ein
brevier.das, dacht ich, kann ein christenmensch
ja wohl nicht brauchen.
Lessing 2, 326;

Saladin. reit ihm doch entgegen.
mameluk. das werd ich ja wohl thun! 331;

arm närrchen, versetzt er, das thut mir ja leid!
wir wollens am alten schon rächen!
Bürger 61b.


8) ja, bei vergleichungen, im sinne von eben: so bald Lucifer diese zeitung kriegte, erschrack er anfänglich ja so sehr,

[Bd. 10, Sp. 2198]


als heftig er den menschen solche glückseligkeit miszgönnet. Simpl. 2, 128 Kurz;

wer hundert jährig stirbet,
verweset ja so bald, als der so jung verdirbet.
P. Fleming 129;

fürwahr, den klugen feind musz man für schädlich halten;
doch ja so sehr den dummen freund.
Hagedorn 2, 38.


9) ja, distributiv für je: und der gemach waren auf jglicher seiten drei, .. ja eins so weit als das ander. Hes. 40, 10; und forne an den gemachen, waren raum auf beiden seiten, ja einer ellen, aber die gemach waren ja sechs ellen. 12; (ihr sollt geben) ja ein lamb von zweihundert schafen. 45, 15; er sprach aber zu seinen jüngern, lasset sie sich setzen bei schichten, ja funfzig und funfzig. Luc. 9, 14; darnach sondert der herr ander siebenzig aus, und sandte sie, ja zween und zween, fur im her. 10, 1; denn so stehet der text, septem et septem infusoria pro lucernis, das ist, ja sieben und sieben kellen zu den lampen. Luther 4, 262a; ja ein woch zwen pfenning kompt ein jar sechs batzen. Fischart groszm. 66.
 
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jaaffe, m. affe der zu allem ja sagt: es seind (es gibt) jaaffen, schmeichler, kutzenstreicher, niemands widerstreiten in zorn (aiunt aio, negant nego). Keisersberg irrig schaf 23a.
 
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jabruder, m. für einen der zu allem ja sagt, keine eigene meinung vertritt. vgl. DWB jaherr.
 
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jach, adj. und adv. schnell, heftig, nebenform zu gach (theil 41, 1125) und gähe, gäh, gäch (ebenda 1144), sowie zu jähe (s. dort).
1) als adv., schnell, rasch, mit ungestüm, von heftigen oder stürzenden bewegungen; häufig seit dem vorigen jahrhundert bei dichtern norddeutscher heimat, später erst auch bei süddeutschen:

doch jach, wie windeswirbel fährt,
und rührig laub und staub empört,
ward seiner lebensgeister
verzweiflungsmuth nun meister.
Bürger 52b;

und jach durchzuckte sie weh auf weh. 62a;

jach fahren tausend höllenhunde,
laut angehetzt, empor vom schlunde. 71b;

jach erhebst du dich von meiner seite. 99b;

rasselnd stürzt er; herbei sprang jach der glänzende Aias. 228b;

wie bebt des waldstroms brücke,
der tosend sich ergeuszt,
und bäum und felsenstücke
jach in die tiefe reiszt.
Matthisson ged. 129;

sie sprengte jach davon.
Joh. Friedr. Kind gedichte;

bringt ihm ein falscher tritt gefahr,
und vom gerüste stürzt er jach.
Platen 60;

da plötzlich wankt und weicht von seinem tritt
ein stein und reiszt ihn jach zum abgrund mit.
Lenau Faust 10;

und an der morschen schwelle
da fiel das fräulein jach (: stach).
Uhland ged. 406;

da jach kommt leben in den stein!
Freiligrath glaubensb. 168;

so schafft er sich und seinem volke noth,
bis jach ein heer vor seinem zelte scharrte,
bis ihm sein England wild die stirne bot. 278;

als ausruf:

doch schalkhaft sprach
ein dirnchen: jach!
dort fliegt sie; tapp ihr nach!
Voss 5, 278.


2) älter aber als adj., vornehmlich in bezug auf seelisches, verlangen, begierden: jach, vehemens, celer. voc. inc. theut. k 7a; jach, jäh praeceps, inconsideratus Schottel 1340; affecten gehören zum gefühl, so fern es, vor der überlegung vorhergehend, diese selbst unmöglich oder schwerer macht. daher heiszt der affect jäh oder jach. Kant 5, 235; deine wangen machen, dasz mein jaches lippenpaar sich sehnt das grübgen zu ergänzen. Wiedemann juni 52;

weil unterdessen meint der könig von Circassen,
Angelica sei fortgerennt auf dieser straszen,
und sieht Orlando jetzt und Ferrau heisz und jach
in ihrer schlacht, so rennt er diesem wege nach.
D. v. d. Werder 12, 51, 3;

gewöhnlich nur in der verbindung jach sein, während jäh attributiv gebraucht wird: die anschlege eins endelichen (cogitationes robusti vulg.) bringen überflusz, wer aber allzu jach ist, wird mangeln. spr. Sal. 21, 5;

und war der herzog nicht so jach (wäre der herzog nicht so flink gewesen),
er sandt ihm seine waffe nach.
A. v. Droste-Hülshoff ged. (1873) 420;

zu, auf, mit etwas jach sein: ir füsze sind jach blut zu vergieszen. Luther 3, 531b; jach zum zorn sein, praecipitem in iracundiam ferri Stieler 876;

[Bd. 10, Sp. 2199]


und sei mit fordern nicht zu jach.
B. Ringwald laut. warh. 119;

(die augen) die sonst send jach,
zu sehen nach
allen üppichen sachen!
J. Ayrer 429b (2190, 18 Keller);

dem guten folg ich auch gar faul und langsam nach,
aufs bös ich aber bin geschwinde frisch und jach.
D. v. d. Werder Ariost 9, 2, 4.

am häufigsten aber unpersönlich, mir ist, wird jach: so wird inen so jach nach dem reich gottes und seiner hülf, das sie gleich mit gewalt hinzu dringen und reiszen es zu sich. Luther 1, 437a; das .. inen jach ist zum raube, wenn sie hungern. 3, 234a; also ist den schwermern auch so jach nach der deutelei und gleichnis, das sie dafür nichts bedenken können. 476a; findet sichs denn das sie ja nicht zu im wil, so sol uns nicht so jach nach ir sein. 4, 471b; uns sei so bange und jach nach irem concilio. 8, 214b; warumb ist denn vielen so jach gen hof. Kirchhof wendunm. 56a; aber ihm war so jach zur thür hinausz. 138b;

z Christo hien sei jedem jach.
Murner schelmenzunft 41b;

bei Rückert noch:

dem vater und dem bräutigam wards allen beiden jach. 435.


 
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jach, f. für jähe, eile, schnelligkeit (s. d.): zur weltlichen narung ist jederman (dat.) jtzt jach und eile mit seinen kindern. Luther 4, 440a;

darumb wolauf mit eil und jach,
wer mit uns wil der kumb hernach.
H. Sachs 3, 3, 3a.


 
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jach, conj. auch, für joch (s. d.): wo aber das durch einig ursach, wie die jach were, zwuschen der zeit nit entscheiden wirde. urk. Max. 40.
 
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jäch, s. unter jähe.
 
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jäch, jäche, interj.:

komm her, und lasz dich loben,
jäch, evoe.
Opitz 3, 78;

recht, eleleu; jaha, jüch, jäche! (: wache). 81.


 
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jächen, verb. fugare, pellere, propellere, in fugam vertere, conjicere, dare, bei Stieler 876; sich mit einander jächen, cursu contendere. ebenda; jächen, propellere, in fugam vertere Steinbach 1, 802. es kann zuerst aus wörterb. des 15. jahrh. belegt werden: fugare jächen, jechen Dief. 250a, und ist vornehmlich ostmitteldeutsch: desgleichen hat er den Carlstad .. hin und her in der welt gejecht. Luther 5, 489b; solch zeter und blutgeschrei erreget Cain sein gewissen, und jechet in, das im die ganze welt zu enge war. Mathes. hist. von Jesu Christo 1, 62. noch heute düringisch, meisznisch, schlesisch, in den bedeutungen sowol haschen, von kindern: die kinder jächen sich auf dem hofe, als auch scheuchen: jäche den hund fort; er hat die hühner aus dem garten gejächt.
 
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jächer, m. eilender, sich überstürzender, hastender: ein jächer gibt keinen guten jäger. Schottel 1125b; vgl. nachher jachern. bei Stieler aber, nach dem vorhergehenden verbum jächen, ist jächer fugans, expulsor 876.