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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bis ibel (Bd. 10, Sp. 2003 bis 2016)
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[Bd. 10, Sp. 2003]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) I , der höchste unter den vocalen, nimmt im griechischen, lateinischen und deutschen alphabet die neunte, im gothischen die zehnte stelle ein, wie sich aus seinem werth als zahlzeichen ergibt. in dem nordischen runenalphabete steht sein zeichen an neunter, in dem erweiterten angelsächsisch - gothischen runenalphabete an elfter stelle.
Der ilaut, von dessen geschichte im folgenden zu handeln ist, wird von Ickelsamer A 6a b in naiver weise beschrieben. nachdem er angegeben, wie das e hervorgebracht wird, sagt er: also auch das i, allein mit engerer beschlieszung der zene, die sich geneuer berieren, und ist fast der laut des kirrens der seu, wenn mans (man sie) sticht oder würget.
A. Geschichte des lautes.
I. Kurzes i.
1) in der stammsilbe. abgesehen von dialectischer aussprache hat sich die kürze des lautes vor einfacher muta oder liquida nur in den einsilbigen partikeln in in (im) und mit cum, in dem pronominalen adv. hin illuc und in bin sum erhalten. häufiger hat ein ihm folgender, von keiner weiteren consonanz begleiteter harter reibelaut (ch, s, sz, sch) seine kürze gewahrt, vgl. ich ego; mich me; sichel falx; kichererbse cicer; bis usque ad; wissen scire; isz ede; biszchen offula; fisch piscis; tische mensae; zwischen inter. gewöhnlich aber folgt dem kurzen i mehrfache consonanz, die doch nicht hindert dasz es in einzelnen fällen gedehnt und demgemäsz bezeichnet wird, vgl. z. b. gebiert parit, mhd. gebirt; stiehlst furaris, mhd. stilst.
Wie kurzes a und u zu den drei grund- oder urvocalen gehörend, aus denen sich die reiche fülle der indo-europäischen vocale entwickelt haben mag, ist doch das i auf dem gebiet der deutschen sprachen nur in den seltensten fällen ursprünglich d. h. mit indogermanischem (altindischem) i identisch, und meist das ergebnis verschiedenartiger lautveränderungen.
a) 'ursprünglich' wird man das kurze i der stammsilbe nur dá nennen dürfen, wo auch die urverwandten sprachen es darbieten oder darauf deuten. dies ist z. b. der fall in wissen scire, mhd. wiʒʒen, ahd. wizzan, goth. vitan, kslav. viděti, lat. videre, griech. ἰδεῖν, sskr. védmi cognosco, von wz. vid; mist stercus, mhd. ahd. mist, goth. maíhstus, lat. mingo, mejo, griech. ὀμιχέω, sskr. méhâmi, von wz. mih; bitter amarus, mhd. bitter, ahd. bittar, goth. baítrs, mit beiszen, mhd. bîʒen, ahd. bîzan, goth. beitan aus der germanischen wurzel bit = lat. fid (in fidi, findo), sskr. bhid (in bhinádmi findo) entsprungen; be-zicht-igen arguere, ahd. mhd. bî-ziht criminatio, goth. ga-taíhan varþ ἀπηγγέλη, lat. dico, griech. δίκη, δείκνυμι, sskr. diçâmi monstro, von wz. diç. und so liegt im allgemeinen kurzes i als ursprünglicher stamm- oder wurzelvocal in denjenigen verben nebst ihren ableitungen vor, die in der heutigen sprache stark verblieben, ei zum praesensvocal, i oder dessen durch ie bezeichnete dehnung im sing. und plur. praeteriti, sowie im conj. praet. und im particip des praet. haben, wie in beisze mordeo, bisz, bissen, gebissen; leide patior, litt, litten, gelitten; pfeifen tibia canere; reiten equitare; reiszen scindere; scheiszen cacare; schleichen repere; schleifen acuere; schmeiszen percutere; schneiden secare; schreiten incedere; streichen mulcere; streiten pugnare; weichen cedere; oder in bleibe maneo, blieb, blieben, geblieben; gedeihe proficio, gedich, gediehen, gediehen; leihen mutuari; meiden vitare; reiben fricare; scheinen lucere; schreien clamare; schreiben scribere; schweigen tacere; speien spuere; steigen scandere; treiben agere; verweisen, besser verweiszen vituperare; zeihen arguere.
b) in den meisten fällen aber ist germanisches kurzes i, mag es im nhd. kurz geblieben sein oder dehnung erfahren haben, welche graphisch bald durch einfaches i (vgl. mir), bald durch ie (vgl. viel), bald durch ih (vgl. ihr), bald durch ieh (vgl. stiehlt) ausgedrückt wird, ergebnis einer schwächung des indogermanischen a, wobei, was die graeco-italischen, die slavischen und selbst die germanischen sprachen lehren, der vocal e, seltener o, als mittelstufe anzunehmen ist. über diese spaltung des alten alautes vgl. G. Curtius ber. d. k. sächs. ges. d. w. 16, 9 ff. vergleicht man nämlich

[Bd. 10, Sp. 2004]


hinsichtlich des alautes das griechische, lateinische und deutsche miteinander, so erscheint er in denselben wörtern bisweilen noch in allen drei sprachen, z. b. in griech. δάκρυ, lat. lacruma, goth. tagr, ahd. zahar, nhd. zähre; griech. πατήρ, lat. pater, goth. fadar, ahd. fatar, nhd. vater; sskr. áǵras, griech. ἀγρός, lat. ager, goth. akrs, ahd. ahhar, nhd. acker; sskr. dáçâmi 'beisze', griech. δάκνω, goth. tahja 'reisze', aholld. tangher 'bijtende op de tonghe' (Kilian 662b), ahd. zangar 'beiszend, scharf' (Fick vergl. w.2 1, 85), ahd. zâhi (G. Curtius grundz.4 132), nhd. zähe und zach.
Viel häufiger treffen wir jedoch an stelle eines ursprünglichen a im deutschen ein i oder u an, während im griechischen und lateinischen sich ein e oder o dafür darbietet. man vergleiche sskr. átti (aus ad-ti), gr. ἔδει, lat. edit, goth. fra-ïtiþ, ahd. izzit, nhd. isset, iszt; sskr. sádas 'sitzung', zend. hadhis 'sitz', gr. ἕδος, lat. sedere, goth. sitan, ahd. sizzan, nhd. sitzen; sskr. ahám, gr. ἐγών, lat. ego, goth. ik, ahd. ih, nhd. ich; sskr. ásti, zend. açti, gr. ἐστί, lat. est, altbulg. jestĭ, lit. ésti, goth. und hochd. ist; sskr. sáptan (vedisch saptán), zend. haptan, gr. ἑπτά, lat. septem, goth. ahd. sibun, mhd. siben, nhd. sieben; sskr. paçús, lat. pecu, altpreusz. peku, goth. faíhu, ahd. fihu, nhd. vieh; sskr. wz. var 'wählen', váras 'wunsch', gr. βόλομαι, βούλομαι, lat. volo, velle, kslav. volja 'wille', goth. vilja, ahd. willo, nhd. wille; altpers. parus, sskr. purus, gr. πολύς, goth. ahd. filu, nhd. viel. überhaupt gehören diejenigen in der stammsilbe kurzes oder aus kurzem gedehntes i darbietenden nhd. wörter, besonders aber die verbalformen hierher, welche awurzeln entsprungen, aus noch unerklärten gründen die in rede stehende lautabschwächung erfahren haben. erkennbar aber sind die hierher gehörigen starken verba dáran, dasz der singularis ihres praeteriti den alten wurzelvocal a in der stammsilbe aufweist, dessen ursprüngliche kürze freilich sich nur vor zwiefacher, die wurzel schlieszender consonanz (zuweilen mit verdumpfung zu kurzem o) erhalten hat, vor einfacher consonanz dagegen zu langem a oder dessen verdumpfung, d. h. zu langem o geworden ist. als resultat einer schwächung von a ist daher jedes i (graphisch auch ie und ieh) zu betrachten, das in der conjugation der gedachten verba oder in der stammsilbe ihrer ableitungen erscheint. es fallen, nach ihrem wurzelauslaut geordnet, der bald in einfacher muta oder spirans, bald in einfacher liquida, bald in doppelter liquida oder liquida cum muta oder spirans cum muta besteht, hierher die verba: liegen (nhd. wz. lag) jacere; bitten (nhd. wz. bat) precari; sitzen (nhd. wz. sasz) sedere; geben dare; weben texere; treffen (nhd. wz. traf) icere; pflegen solere; wägen pendere; wiegen pondus habere; brechen frangere; sprechen loqui; stechen pungere; geschehen fieri; sehen videre; erschrecken (nhd. wz. schrak) terreri; lesen legere; essen edere; fressen vorare; vergessen oblivisci; messen metiri; treten calcare; ferner befehlen iubere, empfehlen commendare; (hehlen celare); stehlen furari; nehmen prehendere; gebären parere; scheren tondere; schwären suppurare; dann (bellen latrare); quellen emergi; schwellen tumescere; glimmen gliscere; klimmen eniti; schwimmen natare; beginnen incipere; rinnen fluere; sinnen meditari; spinnen nere; gewinnen lucrari; wirren turbare; ferner helfen juvare; (melken mulgere); gelten pretium habere; schelten objurgare; schmelzen dilabi; verderben perire; sterben mori; werben ambire; werden fieri; werfen jacere; bergen abscondere, servare; binden ligare; finden invenire; (schinden glubere); winden volvere; schwinden tabescere; (dingen conducere); gelingen succedere; klingen sonare; schlingen plectere (schlingen vorare ist aus schlinden entstanden, vgl. schlund gula); ringen luctari; dringen instare; springen rumpi, salire; singen canere; schwingen vibrare; zwingen cogere; sinken sidere, cadere; stinken foetere; trinken bibere; endlich dreschen triturare; löschen exstingui; fechten pugnare; flechten nectere; und bersten dirumpi.
c) mit dieser schwächung eines ursprünglichen a hängt die erscheinung der sogenannten 'brechung' aufs engste zusammen, über welche 3, 1 ff. gesprochen worden ist. nur wird 'gebrochenes' hd.

[Bd. 10, Sp. 2005]


ë, goth.nach Scherers ausführungen (zur gesch. d. d. spr. 7 ff. u. anderwärts) nicht mehr so aufzufassen sein, dasz es, was die ältere sprache betrift, ein i voraussetzt und aus diesem entsprungen wäre. vergleicht man freilich z. b. unser hëlfe adjuvo, hilfst, hilft, mit mhd. hilfe, hilfest, hilfet, ahd. hilfu, hilfis, hilfit, goth. hilpa, hilpis, hilpiþ, so steht die priorität der iformen in diesem fall unzweifelhaft fest; hëlfe musz als ergebnis beliebter gleichmacherei nach analogie der gebrochenen formen von hëlfen betrachtet werden, wie denn mundartlich selbst die 2. sing. imperat. von dieser brechung ergriffen wird und man z. b. in frankfurtwiesbadener gegend auch in den besseren kreisen ësz, bübche, ësz für isz vernimmt und sëh mal für sieh mal weit verbreitet ist, was Fischart auch schreibt:

seh an, wie ich geplaget bin. flöhh. (Sch.) 773.


Anders dagegen verhält es sich mit dem älteren hd. ë und goth. aí, wenn sie an stelle von ursprünglichem a in wurzelhafter silbe sich finden und in bestimmter lage das reiner articulierte i ihren platz einnehmen lassen. stimmt zu altindischem bhárâmi fero, bhárâmas ferimus goth. baíra, baíram, ahd. biru, bëramês, mhd. bir, bërn, nhd. ge-bähre, ge-bähren, so lehrt das entsprechende griech. φέρω, φέρο-μεν (-μες), lat. fero, ferimus, dasz die den gebrochenen laut darbietenden deutschen formen baíra, baíram, bëramês, bërn dem ursprünglichen näher stehen als das reiner articulierte ahd. biru und mhd. bir, da man bei annahme des umgekehrten verhältnisses die alterthümlichkeit des althochdeutschen über die des gothischen, lateinischen und griechischen erheben würde und goth. baíra als aus bira, lat. fero aus firo, griech. φέρω aus φίρω entsprungen ansehen müste. das gesetz der brechung, wonach goth. i vor h oder r zu aí, ahd. i vor flexivischem a (ê, ô) zu ë getrübt erscheint, scheint also dahin aufzufassen, dasz es ursprünglich nicht einen gebrochenen laut (ë) hervorrief, sondern den schon vorhandenen schützte, ihn hinderte, sich zu i zu verdünnen. weshalb jedoch das nicht so geschützte ahd. ë, gothzu i ward, ist zur zeit noch ein räthsel, ein räthsel, warum wir nicht gëbt (für gabt), sondern gibt dat, nicht hëlft (für halft), sondern hilft adiuvat sprechen. die lösung desselben dürfte innerhalb der germanischen sprachen gar nicht zu finden sein, zumal das gothische alle auskunft verweigert und jüngere durch assimilation bewirkte vocalschöpfungen hierbei nicht in frage kommen.
d) ergebnis einer regressiven vocalischen assimilation aber ist es, wenn wir gebirge (ahd. gibirgi) neben bërg (ahd. bërg), gefilde (ahd. gifildi) neben fëld (ahd. fëld), gewitter (ahd. giwitiri) neben wëtter (ahd. wëtar), geschwister neben schwëster, (gedehntes) feder neben gefieder sprechen, indem das ë des ahd. bërg, fëld, wëtar bei bildung der collectiva gibirgi, gifildi, giwitiri durch einflusz des auslautenden i der ableitung in i gewandelt wurde; wie denn ähnliche assimilation bei entwickelung von irden und irdisch aus erde vorliegt, was die entsprechenden ahd. formen irdîn, irdisc, ërda beweisen. dem gegenüber ist es zu beachten, dasz sowol das ableitende als das flexivische ahd. î, i und j da, wo es 'umlaut' zeugt, zwar das a der vorhergehenden silbe sich assimilierend beeinfluszt, gestî gäste aus gastî, grebir gräber aus grabir, gibenti compactio aus bant vinculum, menigî multitudo aus managî entspringen läszt, dabei aber stehen bleibt und das durch umlaut entstandene nicht noch in i verwandelt. und dieses verhalten des ahd. bewahrt unsere schriftsprache noch.
In den mundarten freilich hat das zu i verdünnte e, gleichviel welches ursprungs es ist, allmählich bedeutenden raum gewonnen, was die von Weinhold alem. gr. § 21. 82. 115, bair. gr. § 18 gegebenen beispiele für das süddeutsche reichlich belegen. hier nur eine kleine lese. auf alem. gebiet begegnet z. b. ahd. pinimant für pinëmant auferunt, kelirnêta für kelërnêta dtscebat, rigenôt für rëgenôt pluit, farwihsalit für farwëhsalit commutat, herebirga für herebërga mansio, miniscun für mniscun homines; mhd. willen für wëllen velint, gewirbe für gewërbe, lidec für lëdec, verwihseln für verwëhseln, vrimiden für vrmeden alienis, wirme für wrme calor, gewilbe für gewlbe fornix; nhd. allgemeingeltend britt für brĕt, erkirnen für erkernen enucleare Keisersberg pred. teutsch 89d, gegenwirtig praesens ebend. 98a, schwirmen schwärmen Weckherlin 3. auf bair.-österr. gebiet findet sich z. b. amhd. minnisken für mnnisken homines, mhd. schinkel für schënkel crus, twirhlingen für twërhlingen inimice, sigeln für sëgeln vela dare, misse für mësse missa, swiren für swrn jurare, wirme für wrme calor; nhd. allgemeingeltend schmirz für schmerz, glirnig für gelernig gelehrig (auch bei H. Sachs), stingel neben stengel, wie schon im ahd.; H. Sachs schreibt schwirmen, schwürmen, schwermen, schwärmen (vgl.

[Bd. 10, Sp. 2006]


R. Köhler vier dialoge, zu 71, 5) und ingedirme für ingedärme intestina (Gödeke u. Tittmann 1, 19, 31). auf mitteldeutschem gebiet, wo namentlich altes a diesem wandel ausgesetzt scheint, lesen wir bei dem Südfranken Otfried 1, 9, 36:

allaz thaz gibirgi inti allo thia burgi
ioh dales ebonoti, so wis iz allaz lobonti.

für wis = was 'fuit' hat die pfälzer und freis. hs. wes, vgl. 1, 5, 37. 2, 7, 16; andere beispiele sind: hirtzog (frankf. hs. des schwanr. Konr. v. Wirzb., 14. jh.) v. 3. 71; verdirben corrumpere: enthyrben exheredare. 315; hirte durus. 554. 1054. 1060; geplitz 'albernes geschwätz' im Alsfelder passionsspiel 4910 = mhd. geplätze; das mirk ich Uhland 86; in Luthers bibelübersetzung, ausg. von 1545, findet sich neben häufigerem gewesser aquae gewisser 1 Mos. 7, 24. 8, 7 und bei Zesen steht dasselbe: (regenwasser und geschmolzener schnee verursachen) solches gewaltiggrosze gewisser. Assenat (1679) 38; da er (der Nil) seinen ursprung aus so vielem herzuflieszendem gewisser gewinnet. 40; ähnliches bei Mathesius: ach gott, lasz dirs geklagt sein, wis (was) sihet man zebrechligkeit und greuliche feil (fehl) und schandmal an leuten! Sar. 202b, und ebenda: ach, wis werden schlimmer und schicketer (ist schrickicht 'rimosus' gemeint?) gleser formirt, die ir lebenlang kein kraden (geraden) tritt thun! 203a; auch gelirnig schreibt er 33a; vorherschend galt in Deutschland vom 15. bis ins 18. jh. hinein küris für kürass, s. 5, 2809; sehr verbreitet ist nĭseln 'durch die nase reden'. Reinwald 1, 109; schmittern neben schmettern frangere führt Stieler 1876 auf; in mittelrheinischer und niederdeutscher gegend gilt missing für messing. Schambach wb. 136a; und auch das niedersächs. iller für aller in illerbeste, illererste, illermeiste (Schütze 2, 190) ist hierher zu ziehn.
Haben alle diese i in unsere schriftsprache keinen eingang gefunden, so hat doch volles bürgerrecht erlangt das ebenfalls hierher gehörende, erst im 18. jh. durchdringende wichsen für wächsen 'mit wachs bestreichen, wachsglanz geben'; ferner trichter, niederd. und mitteld. trechter, trehter, spät-ahd. trahtære aus mittellat. tractarius 'heber'; ebenso gitter cancelli, das erst in der zweiten hälfte des 15. jh. in Nürnberger schriftwerken vorzukommen scheint (vgl. Lexer mhd. hwb. 1, 1025. Diefenbach 94b) und wohl aus dem älteren hd. getter, geter = mhd. gater (ahd. cataro? Hattemer dm. 1, 215a) unmittelbar hervorgieng; in allgemeiner geltung ist ferner ursprünglich md. hippe falx, mhd. und mniederd. hepe, ahd. hepa, heppa u. a. (s. 42, 471. 472. 999. 1552), wie denn auch das auf afranz. harnas beruhende mhd. harnasch seit dem 15. jh. immer allgemeiner zu harnisch geworden ist (s. 42, 488). beachtenswerth ist, dasz bei den meisten dieser vocalverdünnungen benachbarte liquidae, mehr noch reibelaute wie w, ch, s, sch oder das zusammenwirken beider den wandel des vocals begünstigt oder herbeigeführt haben.
2) in ableitungen, zusammensetzungen und in der flexion.
a) in den ableitungssuffixen ich, icht, ig, igen, in, ing, ling, isch, ist, nis hat sich das reiner articulierte i entweder für trübere vocale der älteren sprachperioden endgiltig eingestellt oder setzt sich als alter laut einfach fort: vgl. z. b. kranich, mhd. kranech, ahd. chranih, chranuh, chranoh; habicht aus habich, mhd. habech, ahd. habuh; röhricht 'rohrdickicht' aus röhrich, mhd. rôrich, rôrech, rôrach, ahd. rôrahi; thöricht, mhd. tôreht, tôroht, tôraht; blutig, mhd. bluotic, bluotec, ahd. pluotac, alts. blôdag; mächtig, mhd. mehtic, mehtec, ahd. mahtîc, goth. mahteigs; heiligen sanctificare, mhd. heiligen, heilgen, ahd. heiligôn, heilegôn, heilagôn; be-schuldigen, mhd. schuldigen, schuldegen, ahd. sculdîgôn; königin, mhd. künigin, küniginne, künigîn u. a., ahd. kuningin, kuninginna; pfenning, pfennig, mhd. phenninc, phennic, ahd. phantinc, phending, phenning, phennig (Tatian); jüngling, mhd. jungelinc, ahd. jungeling; irdisch, mhd. irdisch, irdesch, ahd. irdisc; die volle form des superlativsuffixes -ist nur in dem substantivischen obrist erhalten; finsternis, gefängnis, mhd. vinsternisse, gevancnisse, -vencnisse, -nüsse, -nusse, ahd. finstarnessi, finstarnissi. mehr über diese ableitungssuffixe an ihrer alphabetischen stelle.
b) in eigentlichen nominalzusammensetzungen hat sich stammhaftes, das declinationsthema ursprünglich auslautendes, kurzes scharfes i nur in bräutigam und nachtigall erhalten. bräutigam, ahd. brûtigomo, mhd. briutegome, mmd. brûdegam, brûdgam, mundartlich, wenn es überhaupt vom volke gebraucht wird, im süden und norden stark gekürzt (vgl. kärnt. präuggàm, ndsächs. brögam, sieb.-sächs. brégem), verdankt die erhaltung seines i nicht Luthers feder, da er, wie Dietz lehrt, gewöhnlich breutgam schreibt. auch Fischart schwankt zwischen beiden formen: bräutigam

[Bd. 10, Sp. 2007]


bienenk. (1581) 23b, präutigam ehezb. (Sch.) 413, bräutgam ebend. 445, der Schwabe Weckherlin 457 hat ohne umlaut brautigam; Maaler 227c verzeichnet breütigam, Golius (1582) 108 dagegen breutgam; W. Spangenberg hat breutigam fangbr. C vb; Opitz 2, 75. 83. 85. 87 braucht beide formen, wie auch Hoffmannswaldau getr. sch. 204, hochzg. 36; Fleming, wie es scheint, nur die gekürzte, Günther beide, aber bräutgam apostrophiert. Stieler 225 führt breutigam und breutgam auf, Rädlein nur noch bräutigam, wie auch Steinbach, Frisch, Adelung, während auffallender weise Schottel 655 nur breutgam kennt, was er nicht zu erklären weisz. in der that wird auch heute der themavocal mehr blosz geschrieben als in gewöhnlicher rede vernommen, wogegen er in nachtigall ziemlich rein gesprochen zu werden pflegt.
nachtigall, ahd. nahtigala und nahtagala, alts. nahtigala, mhd. gewöhnlich nahtegale, nahtegal, daneben auch nahtigale, nahtigal, hat ebenso wie bräutigam kämpfend den themavocal zu behaupten gehabt. obwohl die gloss. des 15. jh. (vgl. Diefenbach 235b. 340a) die mhd. formen bewahren, so wird a. a. o. und 10b doch auch nachtgalle, nachtgall verzeichnet, welche letztere form im vocab. inc. teuton. o 3b und von Maaler 300b als alleinige aufgeführt wird. gleichwohl scheint nachtigall im verlauf des 16. jh. in die schriftsprache eingang gefunden zu haben: H. Sachs (Göz) 4, 33 preist die Wittembergisch nachtigal, und Luther selbst, in dessen bibelübersetzung das wort nicht vorkommt, hat es in einem briefe (leseb. 31, 170) und gewis öfter; im Simplicissimus (b. 1, cap. 7) beginnt der einsiedel sein schönes lied mit den worten 'komm, trost der nacht, o nachtigall' und so nur die iform gewähren Schottel 267, Rädlein und Frisch. überall durchgedrungen war sie trotzdem noch nicht, da Frischens zeitgenosse Steinbach (1, 615. 2, 99) nur nachtegall aufführt.
c) flexivisches (tonloses) i. als im verlauf des 11. jahrh. die vollen ahd. vocale in den tonlosen silben gleichmäszig zu e sich abzuschleifen begannen, zeigte sich in oberdeutschen wie mitteldeutschen hss. dafür auch i, vgl. z. b. unsir noster, giheiligit sanctificatus, tiufilis diaboli; nur mit dem unterschiede, dasz dieses tonlose i in mitteldeutschen denkmälern dieser zeit, z. b. dem Annoliede und in no xxxiv-xxxvii der von Müllenhoff u. Scherer herausg. denkm. (vgl. deren vorr. xxvii) von anfang an bis ins 15. jh. ein übergewicht behauptete. weiterhin findet sich tonloses i für e auch noch in Luthers älteren, bis etwa zum jahre 1525 verfaszten schriften (vgl. Dietz 1, viii), von welchem zeitpunct ab, was wenigstens die bibelübersetzung betrift, er e dafür eingesetzt hat. hatte er ehedem geschrieben: offinbart, vbir, vbirhand, Christis (Christi), eynis, edlisz nobile (leseb. 31, 87), geystis, gottis, golltis oder goltis, grassis oder grasis, guttis, haltist, helltist oder heltist u. a., so schrieb er nun: offenbart, vber, vberhand, Christes, eynes, geistes, gottes, goldes, grases, gutes, haltest, heltest; vgl. Luthers bibelübersetzung von Bindseil th. 7, xliv ff. und Opitz spr. L. 13 ff.
3) ein wort über i als ergebnis einer kürzung.
In der grammatik 13, 217 wird gelehrt, dasz trotz der neigung unserer sprache, den ursprünglichen kürzen abbruch zu thun, sich auch einige fälle ereignen, in welchen umgekehrt die organische länge kürzung erleidet; zur begründung dieser behauptung werden beispielsweise mhd. jâmer, râche, iemer, muoter mit nhd. jammer, răche, immer, mutter verglichen. es ist jedoch damit viel mehr auf die gleichmäszig durchgedrungene schreibung dieser wörter hingewiesen als einheitliche aussprache derselben gemeint, da ja ein und dasselbe wort (z. b. gut, mhd. guot) in Deutschlands norden langen vocal, im süden diphthongischen, in Mitteldeutschland kurzen erhalten kann und erhält.
Faszt man die fälle ins auge, in denen mhd. î sich im verlauf der zeit gekürzt zu haben scheint, so können etwa die mit -lich und -rich, ahd. -lîh und -rîh(hi) gebildeten zusammensetzungen, wie glücklich, sicherlich, Dietrich, Friedrich, Heinrich, Ulrich, Richard angeführt werden, wiewohl schon mhd. dichter, z. b. Walther und Hartmann (vgl. Lachmann zu Iwein v. 5522) hinsichtlich der quantität des vocals schwankten und unser gleich, mhd. gelîch, sowie der eigenname Reichard, ahd. Rîhhart schwanken zwischen gelîch und gelich, zwischen Rîchard und Richard voraussetzt. vgl. was über langes i im eingang gesagt wird.
Ebensowenig ist über die kürzung des diphthongen ie in dirne, licht, nicht, immer, nimmer u. a. chronologisch etwas sicheres zu sagen, da in einzelnen dieser wörter bereits in guter mhd. zeit die vocalquantität nicht mehr feststand. wenn Wolfram im Parzival imer (331, 12) und nimer (359, 11) metrisch einsilbig als hebung verwendet, so deutet das doch wohl ebenso auf

[Bd. 10, Sp. 2008]


bereits eingetretene kürze des diphthongen, wie sein reimen von lieht auf giht und geschiht die volle diphthongische aussprache des ie zweifelhaft macht. wenn aber nach drei jahrhunderten Maaler yemer, niemer und liecht aufstellt, Luther (weish. Sal. 18, 4. ev. Matth. 6, 22) ebenfalls liecht schreibt (was noch Rädlein allein verzeichnet), so spricht dies wieder gegen die kürze des vocals. und wenn Luther, abgesehen von gelegentlichem dyrne, dirne schreibt, Maaler nur dirn und dirnli aufstellt, so beweist dies doch nichts für damals überall geltende kürze des i, da H. Sachs 1, 479c diern auf frn 'führen' reimt.
Bei alledem musz die schriftsprache auf einheitliche schreibung dringen, sowenig diese die mannigfaltigkeit des lautes wiederzugeben vermag.
4) i mit ü (u) und ö (o) sich berührend.
Lässige aussprache des ü hat in mehreren fällen i dafür eintreten lassen, das sich z. b. in findling, gimpel, kissen, kitt, spitzfindig u. a. festgesetzt hat, während die mehrzahl dieser 'unechten' i, welche unsere litteratur aufweist, durch verständige schreibung wieder über bord geworfen wurden. gewöhnlich sind es auf den vocal folgende liquidae oder reibelaute, welche dem ilaut stelle verschafften. da lesen wir z. b. abtrinnig discedens. Ulenberg psalt. 268; brinnlein fonticulus. H. Sachs (G.-T.) 2, 4, 14; winschen optare. Uhland 704; fricht fructus. H. Sachs a. a. o. 2, 4, 36; gewinnsichtigkeit 'gewinnsucht'. Simpl. schr. (K.) 3, 95, 22; glick fortuna. Calixt. u. Mel. A vib; sich verdricken se compingere. H. Sachs a. a. o. 2, 2, 10; hipsch lepidus. Weckherlin 403, und viele andere. mitunter entspricht dieses i mhd. ü, nhd. ö oder o, vgl. kinge reges. H. Sachs a. a. o. 2, 2, 631; minnich monachi. 2, 2, 504; tricknet siccat. Uhland 52; firt (fürt, furt, fort) prorsum. H. Sachs a. a. o. 2, 2, 466; firm, furm, form mensura. Diefenbach 356b, u. dgl. im einklang mit diesen lautverhältnissen gestatten sich Opitz und Fleming, letzterer, wie A. Tscherning unvorgr. bed. 80 annimmt, es Opitz nachthuend, reime wie nimt : kömt (O. 1, 44. 2, 162. 3, 72; Fl. [1642] 109. Lapp. 1, 508), sinnen : können (O. 1, 348), hinnen : können (Fl. 562), spinnt: gönnt (O. 2, 206) u. a. da nun Fleming (Lapp. 1, 463) können und künnen, ebenso a. a. o. 1, 499 gönnen und günnen sprach, Opitz (2, 186. 180) sonnen auf brunnen, komme auf verstumme, Fleming (Lapp. 1, 468. 156) sonnen auf brunnen, geschwommen auf summen reimt, und beide dichter selbstverständlich sich reime wie gründen : finden (O. 2, 205), gründen : winden (Fl. 205) erlauben, so ist auch ihr auf i gereimtes, an ü anklingendes, auf altes u hinweisendes ö nicht eben befremdlich.
In einigen wörtern schwankt ü und i: hilfe, hülfe; gebirge, gebürge; wirken, würken; giltig, gültig; sprichwort, sprüchwort, und oft wird die frage aufgeworfen, wie man sie 'richtig' zu schreiben habe. mit recht bemerkt Rumpelt d. gr. 1, 224 darüber, dasz jenes schwanken einerseits auf einer (irrigen) etymologischen analogie, andrerseits auf einem phonetischen gesetz beruhe. das i als allein berechtigt vertheidigt, wer nicht weisz, dasz die jenen wörtern zu grunde liegenden verba innerhalb ihrer conjugation neben i auch den ülaut (und diesen viel häufiger und kräftiger) entwickelt haben; und das ü nimmt in schutz, wer sich lediglich an die aussprache hält, da bei der starken assimilation, welche die liquidae, besonders l, r mit folgender consonanz auf vorangehende helle vocale üben und diese zu dunkelen (u, ü) machen, in der that jeder, selbst der vertheidiger des i, wenn er sich nicht zwang anthut, jene wörter mit ü spricht.
5) i (î) in ablautenden schallnachahmungen, tautologien, spielnamen u. dgl.
Die eigenthümliche neigung unserer sprache zur reichsten entfaltung des ablauts, wobei der dreiklang i, a, u eine bedeutende rolle spielt, zeigt uns, dasz eine grosze menge gleiches oder ähnliches bedeutender wörter zu einander in ablautverhältnis stehn, wofür angeführt werden mögen: bimmeln, bammeln, bummeln; blabbern, blubbern br. wb.; flickern, flackern, fluckern br. wb.; flinkern, flunkern; gitter, gatter; gnistern, gnastern; hippeln, huppeln; kibbeln, kabbeln; kisten, kasten; klicken, klacken; klippern, klappern; klitschen, klatschen; knicken, knacken; knickern, knackern; knirren, knarren, knurren; knistern, knastern; knîtschen, knâtschen, knûtschen; knittern, knattern; kribbeln, krabbeln; kritzen, kratzen; quiken, quacken br. wb.; rimpeln, rumpeln runzeln br. wb.; rippeln, rappeln, ruppeln Reinwald 1, 129. Frommann 2, 192; risch, rasch; schlicker- und schlackerwetter; schlampe, schlumpe; schlipper- und schlappermilch; schnippen, schnappen; schwippen, schwappen; snicken, snacken schluchzen br. wb.; snippsk, snappsk naseweis, beiszig. br. wb.; sticheln, stacheln; tippen,

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tappen; titschen, tatschen; trippeln, trappeln; zwicken, zwacken.
Wie nun viele dieser wörter auf schallnachahmung beruhen, so waltet doch der ablaut vornehmlich in schallnachahmenden interjectionen, die lebendig gebraucht mehr gesprochen als geschrieben werden; so für den glockenklang in bim! bam! bum! die kinder singen:

bimbam bámbau
die glocke läutet zu Spandau.
Simrock kinderb. 70;

bum bam,
die glock ist krank. 87;

vgl. Garg. 93b (Sch. 163): da giengen die glocken an: prim! pram!; für den schall eines brechenden dinges: krick! krack! Göthe 14, 281; eines auffallenden: klipp! klapp!; vom schusz: piff! paff! puff!; vom schlag auf nasses oder weiches: pitsch(e)! patsch(e)! Bernd d. spr. in P. 210, vgl. Fromm. 2, 236; für das geräusch von stoffen, die eilig zusammengerafft und weggerissen werden: rips! raps! br. wb.; Rädlein 741b; auch grips! graps! Fromm. 5, 460; die zerrissen werden: rîtsch! râtsch! oder riz! raz! Bernd 235; für das geklapper der holzschuhe: schnip! schnap! Brant narrensch. 44, 10; für den schlag der uhr: tick! tack!; für die gebrochene linie des blitzstrahls: zick! zack! Wieland (beleg bei Campe).
Sie wachsen aber auch zu éinem worte zusammen (manche sind selbständig gar nicht nachzuweisen), das dann, zwischen interjection und substantiv die mitte haltend, theils collectivbegriffe bezeichnet, wie: fixfax gaukelei, blendwerk; grigelgragel undeutliches gemurmel br. wb.; klimperklamper geklimper; klingklang geklinge, geklingel; klippklapp eintöniges geklapper; klitschklatsch geschwätz, klatsch; krikelkrakel schlechtes geschreibe; krimskrams gerümpel, geschwätz; mischmasch, miskmask gemisch br. wb.; pinkepank gehämmer br. wb.; piterpater geplapper br. wb.; quitschquatsch sinnlose worte; singsang gesinge; snicksnack geschwätz; visevase = snicksnack br. wb. 1, 397; wirrwarr gewirre; wischwasch, wischiwaschi gewäsch, geschwätz Bernd 354; theils personen, thiere, gegenstände, z. b. meister fickfack der henker (s. 3, 1619); gîgâk die gans Fromm. 2, 415, aber auch die langgewachsene person Regel ruhl. m. 194 [vgl. weder gicks noch gacks wissen. Stieler, Rädlein; (wir) mügen weder guck noch gack. Murner schelmenz. (1788) 82 ]; und die im br. wb. verzeichneten: himphamp gebrechliches werkzeug; hinkhank der unentschlossene; nisenase der naseweis; pinkepank der schmidt; quiksquaks der lebhafte, wankelmüthige; slikslak der plauderhafte; zieskezaaske die schmeichelnde, tändelhafte u. a. auch an so gebildeten verben fehlt es nicht. abgesehen von denen die einzelnen der genannten substantiva zur seite stehen, wie hinkhanken, nisenasen, findet sich z. b. gripsgrapsen an sich reiszen; nirtnarren närren; plikplacken wiederholentlich nicht zusammen schieszen (vom unregelmäszigen salvenfeuer der soldaten); snirtsnarten oft farzen; tirtarren unaufhörlich necken; wigelwageln hin und herschwanken, u. a., alle im br. wb.
Endlich aber waltet das in rede stehende ablautverhältnis in spielnamen und kinderreimen. ein bretspiel mit würfeln, das französische trictrac, hiesz dickedak, dickedäcket (s. 2, 1079); klipklap spielen verzeichnet Schottel 1346; ein kartenspiel snipsnapsnur wird im br. wb. 4, 881 beschrieben; und im einklang mit dem kinderspielreim (Frommann 2, 230):

pinka, panka,
schmidt is kranka ...

schreibt Becherer newe thür. chron. (1601) 482: (als beide grafen) von Münzer selber gar spitzige drauwbriefe empfangen hatten, dasz er sie mit seinen bauren besuchen und pinck panck auf Nimrods ambosz, das ist, der grafen köpfe spielen wolte, wölten sie im zuvorkommen.
Für die kinderreime genügt es auf Simrock zu verweisen. in seinem kinderbuch wimmelt es von: bickebackeneie, billi balli, dippe dappe, fimmelti fammelti, hicke hacke, lirum larum, rische rasche, sige sage, tri tra trull u. dgl. m.
II. Langes i.
Nur in vereinzelten fällen ist unser langes i fortsetzung des mhd. ahd. î, welches spurweis bereits im 12. jahrh., wenn nicht früher, und zwar zuerst auf steierisch-österreichischem gebiet, bald auch in Baiern als kurzes i mit einem dem a sich nähernden, unsicher, ob vor- oder nachschlagenden laute gesprochen wurde und demgemäsz in hss. bald durch ie, bald durch ei oder ei gegeben wird (vergl. litt. centralbl. 1868, 977 ff.). allmählich aber setzte für diese diphthongische auflösung des î, nachdem der früher unbestimmte beilaut deutlicher geworden war und als e vor i

[Bd. 10, Sp. 2010]


erklang, die schreibung ei sich fest (vgl. Scherer z. GDS. 27), woneben freilich noch in der zweiten hälfte des 13. jahrh. das î bei baierisch-österreichischen dichtern stand hielt, während in den urkunden dieser zeit der neue vocal schon regel ist, ohne doch î ganz verdrängen zu können; vgl. Weinhold bair. gr. § 78. so in die werdende reichssprache dringend verschaffte sich der neue vocal nebst andern veränderungen im vocalismus durch den einflusz der böhmischen hof- und kanzleisprache schon im 14. und beginnenden 15. jh. auch in schriftwerken mitteldeutscher landschaften östlich der Elbe geltung, während gleichzeitig im westlichen Mitteldeutschland der alte landübliche vocalismus, also auch î, die herschaft behielt (vergl. Müllenhoff u. Scherer denkm.2 vorr. xxix ff.). gleichwohl drang auch in diesen gegenden der neue vocal frühzeitiger durch als es auf alemannischem gebiet der fall war. wie spät er hier in die schriftsprache allgemein aufnahme fand, lehrt Weinhold alem. gr. § 57. 99. 131. Luthers geläutertes mitteldeutsch, an die vorhandene sprache der kursächsischen, der kaiserlichen kanzlei sich anlehnend, verdrängte endlich alles dialectische aus litteratur und schriftgebrauch, mithin auch das alte î, das doch in den meisten deutschen mundarten fortlebt und bald mit gröszerer bald geringerer consequenz vom volke gesprochen wird.
Fehlt also unserer schriftsprache ein 'organisches' î, so hat sie 1) durch dehnung der mhd. kürze sich die länge geschaffen. 2) sie hat das î, welches als verengung des diphthongen ie in mitteldeutschen denkmälern aus dem ende des 11., anfang des 12. jh., derartig dasz dînôn, hîlt, vîr, wî u. a. für dienôn, hielt, vier, wie geschrieben wird, auftaucht und bis auf Luthers zeit, der selbst z. b. noch hilt für hielt schrieb, fürs mitteldeutsche charakteristisch ist, in Mittel- und Norddeutschland dem laut nach bewahrt, während die schrift es seinem ursprung und der süddeutschen aussprache gemäsz diphthongisch behandelt, es durch ie bezeichnet. 3) ähnlich verfährt die sprache mit demjenigen ie, das schon früh im ahd. für kurzes i sich hier und da einstellt (vgl. Weinhold alem. gr. § 63), besonders aber in gedichten des 12. jh., denen eine gewisse neigung zum nd. dialect beizulegen ist (vgl. gr. 13, 163), erscheint, in der mhd. kunstsprache nur ausnahmsweise platz findet, dagegen im mitteldeutschen mehr und mehr raum gewinnt und von hier aus ins nhd. gekommen ist. es wird als einfache länge behandelt, 'unzerzogen', wie Logau in der vorrede zum dritten tausend seiner sinngedichte sich ausdrückt, ausgesprochen, auch im süden nicht anders (vgl. Schmid schwäb. wb. 297), aber ie geschrieben.
Demnächst ist an beispielen zu zeigen, wie der ursprung unseres langen ilautes und seine schriftliche wiedergabe durch i, ih, ie, ieh sich zu einander verhalten.
1) einfaches i empfangen
a) für mhd. i: biber fiber; dir tibi; igel erinaceus; mir mihi; wider contra; wir nos. auszerdem zum theil schon im mhd. vorhandene fremdwörter, wie bibel biblia; bisam moschus; fibel abecedarium; fiber fibra; mime mimus; mine cuniculus u. a.
b) für mhd. î: die mit win, mhd. wîn (wine) amicus, zusammengesetzten eigennamen, wie Alwin, Edwin, Ortwin u. dergl.; auch andere, z. b. Isegrim, Wigand.
2) dehnendes ih, von noch geringerem umfang, erhalten für mhd. i : ihm ei; ihn eum; ihnen iis; ihr ei, vos, suus.
3) ie erhalten
a) für mhd. î (ein seltener fall): versiegen exarescere, woneben Stieler 1661 allein zu erwartendes verseigen verzeichnet (vermischung mit siech, siechen scheint versiegen durchgesetzt zu haben); friedhof coemeterium, wohl auf friede pax gedeutet, während goth. freidjan schonen, ahd. vrîten ut delicias fovere zu grunde liegt (s. 41, 123), dessen î sich in dem zustimmenden eigennamen Freithof regelrecht aufgelöst hat.
b) für mhd. i (md. ie): bieder probus; biene apis; gebiert parit; bliebe remaneret; gediegen solidus; diele asser; dieser hic; fiedel fidula; gefieder pluma; friede pax; giebel summitas; gier cupido; glied membrum; kiel caulis pennae; kiel zwiebel des lauches; kies arena; kiesel calculus; augenlied palpebra; lieferblut cruor coagulatus (vgl. Lessing 8, 299); liegen jacere; liesest legis; miede caveret; nieder deorsum; riebe fricaret; riege series, ordo; riegel pessulus; riese gigas; geschieht fit; schiel limis spectans; schiene luceret; schiene ocrea; schmiede officina ferraria; schmieden cudere; schriebe scriberet; schwiege taceret; schwiegermutter socrus; sieb cribrum; sieben cribrare; sieben septem; siedeln sedem parare, habere; einsiedler eremita; sieg victoria; siegel sigillum; siegeln signare; siegen vincere; sieht videt; spiel ludus; spielen ludere; gespiel socius;

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spiesz veru; stiefel ocrea; stiege scanderet; stieglitz carduelis; stiel caulis, manubrium; striegel strigilis; trieb impulsio; triebe ageret; vieh pecus; viel multum; wiebel curculio granarius; wiede lignum tortum; wiedehopf upupa; wieder iterum; wiege pendo; wiege cunae; wiegen cunas movere; langwierig longinquus; wiese pratum; wiesel mustela; ungeziefer bestiolae graves; ziege capra; zieger seracium; ziel scopus; zielen collineare; ziemt decet; ziemer tergum cervi; ziemlich modicus; zwie-, in zwiefach duplex u. a.; zwiebel cepulla; zwiesel furca.
c) für mhd. i, d. h. scheinbar für mhd. ei (ê), welches noch im ältern nhd., z. b. bei Luther, stand gehalten hatte, die praeterita: blieb mansit, mhd. beleip; gedieh profecit, mhd. gedêch; lieh mutuatus est, mhd. lêch; mied cavit, mhd. meit; rieb fricuit, mhd. reip; schien luxit, mhd. schein; schrie clamavit, mhd. schrei, schrê; schrieb scripsit, mhd. schreip; schwieg tacuit, mhd. sweic; spie spuit, mhd. spei, spê; trieb egit, mhd. treip; verwies obiecit, mhd. verweiʒ; zieh arguit, mhd. zêch. bei allen diesen drang das kurze mhd. i des plur. praet. (vgl. bliben, schinen u. s. w.), nhd. zu î gedehnt und durch ie bezeichnet, in den sing. praet. und stellte sich an den platz des alten ei (ê); wie ja überall in der heutigen sprache im sing. und plur. praet. der starken verba, mit ausnahme von werden, gleicher vocal in der stammsilbe angetroffen wird, gewöhnlich aber der vocal des sing. praet. den des plur. verdrängt hat.
d) für mhd. ie, und zwar
α) für 'gebrochenes' mhd. ie (md. î) = ahd. ie, io (ia), iu: biegen flectere; bier cerevisia; bieten offerre; dieb fur; dienen servire; dienst servitus; Dietrich; verdrieszen pigere; fliege musca; fliegen volare; fliehen fugere; flieszen fluere; friedel amator; frieren frigere; gieszen fundere; griesz sabulum; kiel navis; kiesen eligere; knie genu; kriechen repere; lieb carus, gratus; liebe amo, amor; lied carmen; verlieren perdere; niere ren; niesen sternutare; niet clavulus; nieten clavulo figere; genieszen uti; nieszbrauch usus; pfrieme subula; riechen olere, odorari; riemen lorum; riet carex; schieben trudere; schier mox; schieszen jaculari; schlieszen claudere; schmiegen contrahere; siech aegrotus; sieden coquere; spiesz hasta; sprieszen pullulare; stieben pulverem suscitare; stief privignus; stier taurus; tief profundus; tier bestia; triefen stillare; zieche stragulum; ziehen trahere; zierde decus. an umfang hat dieses ie im nhd. dadurch gewonnen, dasz bei den hierher fallenden starken verben die brechung auch in den sing. praes. ind. und imperat. eindrang. sagte man mhd.:
sg. biute biutest biutet, pl. bieten bietet bietent, imp. biut, so lauten die nhd. formen:
biete bietest bietet, bieten bietet bieten, biete.
β) für mhd. ie, welches auf ahd. theils aus altem ê (e) hervorgegangenen ea, ia, ie, theils altem eo entsprungenen io (iu), ie beruht, die ursprünglich reduplicierten praeterita: blies flavi, briet assavi; fiel cecidi; fieng cepi; gieng ivi; hieb cecidi; hielt tenui; hieng pependi; lief cucurri; liesz sivi; rief vocavi; rieth consului; schied separavi; schlief dormivi; stiesz tutudi.
γ) für mhd. ie in fremdwörtern die folgenden: brief litterae, ahd. briaf, lat. breve; fieber, ahd. fiebar, lat. febris; Grieche, ahd. Crêh, Creah, Kriach, Kriecho, lat. Graecus; priester, ahd. prḙstaṙ priestar, altfranz. prov. prestre; spiegel, ahd. spiagal, lat. speculum; ziegel, ahd. zeagal, ziagal, lat. tegula. die ahd. formen zeigen, dasz hier dieselbe auflösung eines ursprünglichen e wie in den unter β aufgeführten praeteritis vorliegt. auf die quantität des fremden e ward bei der herübernahme keine rücksicht genommen. im romanischen dieselbe auflösung, vgl. fr. brief, fièvre; it. brieve; sp. fiebre, Griego.
δ) für mhd. ie = ahd. ê (e): hier hic, goth. hêr, ahd. hêr, hear, hiar, hier (hîr Tat. 91, 2); miethe merces, ahd. mêta, meata, miata. auch hier hat sich auflösung eines alten e ereignet, dessen quantität im ahd., wenn man die alts. ags. fries. formen beider wörter vergleicht, nicht festzustellen ist.
ε) für mhd. ie = ahd. io, eo: nie nunquam, ahd. nio, neo (niêo), alts. nêo, nio, goth. ni aiv; wie quomodo, ahd. uuio, huueo, uueo (uuiêo), alts. hwiu, hweo, hwî, vgl. goth. hvaiva und hvê.
ζ) für mhd. ie = goth. i-ô: vier quattuor, ahd. fior, goth. fidvôr.
e) für mhd. iu, ahd. iu: die haec (fem. u. neutr.); sie ea (fem. u. neutr.). für mhd. ie, ahd. ia, iê, iô: die hanc, hi, hae; sie eam, ii, eae.
f) für mhd. üe (uo): mieder thorax. wie sich in diesem fall e für mhd. üe festgesetzt hat, so findet sich im 15. 16. jahrh.

[Bd. 10, Sp. 2012]


vielfach: fiegen für mhd. vüegen, fieren für vüeren, gietlich für güetlich, hieten für hüeten, mieszen für müeʒen, mieszigkeit für müeʒecheit, schliege für slüege, siesz für süeʒe, und viele andere.
g) für mhd. ahd. ei in leif, leip, leib 'reliquiae, progenies': die damit zusammengesetzten eigennamen, wie Dietlieb, mhd. Dietleip; Friedlieb, mhd. Fridleip (Biterolf 5073); Ortlieb, ahd. Ortleip. dasz der zweite bestandtheil dieser namen frühzeitig nicht mehr verstanden, daher umgedeutet und durch lieb 'carus' ersetzt wurde, lehrt auszer Ortliep in den Nibelungen und Frideliep bei Neidhart 39, 20 der name Ruodlieb im Eckenliede 82, 6 und dem lat. ged. des 11. jahrh., wofür in der Thidrekssaga des 13. jahrh. cap. 40 Roseleif, Rozeleif, Rutseleif (= altnord. Hrôdsleifr?) steht.
h) zahlreiche auf ie auslautende, dem französischen entlehnte substantiva, wofür beispiele zu geben nicht nöthig scheint.
4) ieh erhalten für mhd. (md.) i: befiehlst jubes, befiehlt jubet; empfiehlst commendas, empfiehlt commendat; stiehlst furaris, stiehlt furatur.
B. Verhältnis des i zum j. hierüber wird unter j gesprochen.
C. Das schriftzeichen.
In den runenalphabeten wird kürze wie länge des ilautes durch l bezeichnet. der Gothe Vulfila, bei seiner schrifterfindung theils an die runen theils an die griechische und lateinische schriftentwickelung anknüpfend, gibt die kürze durch I, die länge nach der griechischen diphthongischen schreibung durch ΕΙ denn ει wie auszusprechen war damals in Griechenland längst allgemein üblich. nicht minder beruht es auf griechischem vorbild, wenn anlautendes oder silbenbeginnendes oder zwischen vocalen stehendes i in den gothischen handschriften zwei puncte erhält: , da schon in der ältesten griechischen uncialschrift iota auch mit diesen diakritischen puncten bald selten bald häufiger versehen wird, welche nicht diäretisch sind, auch wenn sie häufiger da vorkommen, wo iota zwischen vocalen steht. vgl. Wattenbach anl. z. griech. pal., autogr. 11.
Die lateinisch redende und schreibende kirche brachte uns mit dem christenthum und der römischen cultur die lateinische schrift. rücksichtlich des izeichens und seiner behandlung sei hier nur soviel bemerkt, dasz es in der majuskel bald beibehalten: I, bald nach oben verlängert, bald unter die zeile nach links sich krümmend gezogen wurde und in dieser gestalt, jedoch noch geschwungener und sonst verändert, zur bezeichnung des i- wie des jodlautes, welcher letztere heute zur unterscheidung von I durch J bezeichnet wird, in die druckschrift übergieng und endlich die gestalt I erhielt.
Was die minuskel betrift, so ward das i bis zum 11. jahrh. ohne bestrichelung oder punctierung geschrieben. erst damals begann man zusammentreffende istriche mit accenten zu bezeichnen, um verwechselungen vorzubeuten: í, ín, uí. ein frühes beispiel dafür gewähren die genetive bonifacíí, antoníí, coníí in der im königl. archive zu Berlin befindlichen hs. der Freckenhorster heberolle; vgl. Heyne kl. altniederd. denkm. 79. schon im 12. jh. erscheint das strichlein zuweilen auch über dem einzelnen í daneben aber kommen immer noch i ohne bestrichelung häufig vor und nicht selten sind in älteren hss. dergleichen striche später nachgetragen worden. aus dem strichlein ward weiterhin der längst übliche punct, doch finden sich puncte über dem i, wie Wattenbach anl. zur lat. pal., autogr. 8 bemerkt, wohl kaum vor 1350.
i, dem der punct, das 'tüpfchen' fehlt, ist uns ein bedeutungsloser strich. erst durch punctierung wird es ein buchstab, etwas wirkliches, ganzes und pflegt daher in bildlicher rede jenachdem auf mangelhaftes oder vollständiges, vollendetes bezogen zu werden: der sonnenschein hob die localfarben blendend hervor, und die schattenseiten waren so licht, dasz sie verhältnismäszig wieder zu lichtern hätten dienen können. ein gleiches galt von den widerscheinen des meergrünen wassers. alles war hell in hell gemahlt, so dasz die schäumende welle und die blitzlichter darauf nöthig waren, um die tüpfchen aufs i zu setzen. Göthe 27, 135; Ludwig Philipp kokettierte mit dem bürgerlichen oberrock und dem unvermeidlichen regenschirme, damit bei seinem 'bürgerkönigthume' auch das tüpfelchen auf dem i nicht fehle. Riehl bürgerl. ges. (1861) 249; Homunculus in Göthes Faust (41, 111. Hempel 13, 74) strebt, ein gedanke, nach verwirklichung, leiblichkeit, ganzheit und sagt daher beim scheiden zu Wagner:

indessen ich ein stückchen welt durchwandre,
entdeck ich wol das tüpfchen auf das i.

[Bd. 10, Sp. 2013]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) i, ih, ie,y,ye . die aufstellung dieser mit ei sich berührenden, im plattdeutschen überall dafür eintretenden interjection (gr. 3, 301) wird durch den umstand erschwert, dasz unsere sogenannte deutsche druckschrift I und J nicht zu unterscheiden vermag. es bleibt daher nicht selten zweifelhaft, ob Ie als langes i oder als je zu fassen ist, welches letztere theils aus der diphthongischen schreibung der interjection durch verlegung des tons von i auf e sich entwickeln konnte (Steinbach 1, 809 hält diese aussprache des ie für sächsisch), theils aber auch als geschwächtes ja aufgefaszt werden kann. s. das erste je. besonders tritt diese unsicherheit ein, sobald die interjection sich mit nun verbindet, wo dann i nun, je nun, ja nun in ihrer bedeutung sich nahe berühren oder zusammenfallen.
Vieldeutig wie ei, doch mehr der niederen rede als der schriftsprache angehörend, wird i von den älteren lexicographen und grammatikern, soweit sie es überhaupt aufstellen, verschieden erklärt. bei Diefenbach 197a entspricht es lat. eia, Maaler 509b verzeichnet y als 'indignantis particula', Schottel 667, wo man es antreffen sollte, führt es nicht auf, Stieler 883 nur nebenbei in verbindung mit freilich: ie freilich 'maxime'. auch bei Rädlein und Frisch fehlt die interjection, dagegen gibt ihr Steinbach 1, 801 die bedeutung des lat. eheu, hem und führt als beispiel an: ie! das hätte ich nicht gemeint 'hem! hoc non putassem'.
Mhd. scheint î, obwohl belege kaum vorhanden sind, ausdrücke des unwillens und der verwunderung gesteigert zu haben. darauf deutet eine stelle bei Hugo v. Trimberg:

swer aller sprâche kraft wil haben,
der merke mit vlîʒe fünf puochstaben.
die sint sô wirdic und sô schœne
daʒ alle wort und alleʒ gedœne
nâch in gestimmet müeʒe sîn,
des heiʒet man sie die stimmerîn.
a hebt und endet des mannes leben,
e dem wîbes namen ist gegeben,
i tratzes (trotzes) und auch wunders pfligt,
u von im selber niht vil wigt,
o schricket, ruofet, wünschet, wundert. Renner 22188.

demgemäsz wendet Gottfried v. Straszburg unwilliges, verwunderndes î in der frage an:

Tristan sprach 'merzî (gnade), bele Isôt!'
'î, übeler man', sprach Isôt, 'î,
unde vorderst dû merzî?
merzî gehœret niht ze dir'. Tristan 10206.


Nhd. findet die interjection dieselbe verwendung, doch färbt sie dabei in mannigfaltiger abstufung bald entschiedener bald leiser den gedanken und wird, was ihren gebrauch betrift, in folgenden fällen und lagen angetroffen.
1) gern tritt i vor den vocativ, um den anruf hervorzuheben: i lieber gott! i du gerechter himmel!; ie du diebischer kopf! hast du den dreck denn gar müssen vergessen? A. Gryphius Pet. Squ. 17; ie du tausend-engel, machstu meinen heutigen traum wahr? Chr. Weise polit. redn. (1679) 359; Jud. ie du schöner eidam! Phil. ie du freundlicher schwiegervater! maulaffe 43; ie herze frau gevatterin, wer wird sich denn flugs darauf besinnen? Schlampampe krankh. u. tod (1696) 2; ie du einfältiger tropf, wilstu mir nichts mehr sagen? 51; ie Anton, Anton, das ist ja eben der brief aus Berlin, welchen ich erwarte. Lessing 1, 296; ie Peter, so könntest du uns einen groszen dienst thun. 2, 394; ie du verdammter hundsfott von einem poeten! 2, 406; Laura. ie herr vater — Wumsh. ie jungfer tochter, schweig sie doch! 1, 379; ie herr wirth, wen bringen sie uns denn da? 1, 539 (Minna v. Barnh. 2, 8); ie mann, sagt ich, sei doch nicht arg! Miller Siegw. 1, 45. auch kann der ausruf über dritte personen ein solches i erhalten: i der seltsame mann!; Schlamp. (meine töchter) sprechen, sie müssen welche von adel sein, und solten sie kein hembde auf dem leibe behalten. Camill. ie die närrische dinger! Schlampampe krankh. u. tod 10.
2) vermöge der analogie zwischen vocativ und imperativ tritt auch vor den letztern die interjection, mitunter von so begleitet: y lasz dir dz schnöd gält (geld) nit so lieb sein! Maaler 509b; ie sich (sieh) doch! es verlohnte sich .. Chr. Weise erzn. 228; ie fahre, galgenvogel, fahre und schmeisz da ehrlicher leute kinder um! Schlampampe leben 95;

st! siehst du, sprach das licht, dort die raquete steigen?
ie denkt doch! ie wie hoch! wahrhaftig, das läszt schön!
Stoppe neue fabeln (1740) 1, 87;

O. u. F. kost ihn (den wein) selbst! St. ie reicht nur her! Gotter 3, 485; ie so gehe und komme mir nimmermehr vor

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meine augen wieder, du gottloses kind! Schlamp. kr. u. tod 21; ie so zweifle, du verzweifelter zweifler! Lessing 1, 493. und ebenso kann i vor den optativ treten: y behüt uns got! waʒ sagen ir nun? Ulenspiegel (Lapp.) 133.
3) alle fragwörter können denselben nachdruck erhalten: i wer kommt uns da entgegen?; i wer wirds denn dém auf die nase binden? Kotzebue dram. sp. 2, 51; i was soll ich dir mehr sagen, potz schlapperment! newe zeitung von Berlin (1614), s. histor. genealog. kalender (1821) 18; ie was zum henker? bistu es denn oder bist du es nicht? Schlampampe kr. u. tod 25; ie was schadet es, wenn er auch was schuldig ist? Lessing 2, 402; ie! sprach sein freund, was fehlt dir? Göckingk 2, 204; i warum nicht gar?; ie wie so? ie wie denn so? Schlampampe leb. 96; mir? ie wofür denn? hab ichs nicht recht gemacht? Gotter 3, 323.
Doch wird auch ohne diese wörter frage und ausruf durch i hervorgehoben:

ach leben, bistu todt? ie kann denn gott sich enden,
der anfang anfangslos, das end ohn end und wenden?
Fleming 12 (Lapp. 1, 24);

ihr ganz vergälltes volk, ihr gar verstockter sinnen,
noch thierischer als thier, ie werdet ihr nur künnen
erkennen eure schuld? 13 (Lapp. 1, 25);

M. Loll. verstehet ihr euch aufs calendermachen, so sehet doch, ob der monde scheinen wird. P. ie sollte ich das nicht können! lustig, lustig, ihr herren! der mond wird gewiss scheinen, wenn wir spilen werden. A. Gryphius P. Squenz 6 (1, 722); ie schämet ihr euch denn nicht für dem könige? 23; ie ist das nicht eine plappertasche, die Camille? Schlampampe krankh. u. tod 42; ie sollten sie denn den kleinen mann nicht kennen? Lessing 1, 255.
4) an dieses frage und ausruf begleitende i reiht sich dasjenige, welches behauptungen, berichtigungen, zugeständnissen, bekräftigungen nachdruck gibt: i ja wohl, das ist so! i das versteht sich!; der junker fragte Hansen ganz ernstlich, ob es nicht wahr wäre? ie ja, junker, freilich ist es wahr. gepflückte finken (1667) 281; 'das buch hat den prinzessinnen recht wohl gefallen'. ie ja! das buch ist ganz gut. Rabener 6, 222; Joh. ein atheist ist nichts weiter, als ein mensch, der keinen gott glaubt. Mart. keinen gott? ie, das ist ja noch viel ärger. Lessing 1, 413; ie, das ist ja gar, mit ehren zu melden, ein betrieger. 1, 496; was? was? mein vetter? ie, dem sein schiff ist ja untergegangen, madame. 2, 384; die frau doctorin und ich brachten sie in einer kutsche nach hause? 'in einer kutsche! warum?' .. ie, sie lag ja in einer ohnmacht, die arme frau! Engel (Lor. Stark) 12, 296; sie scheinen, lieber freund, den sinn meines gedichts (sagt W.) gefaszt zu haben, es hat sie fast zu sehr angegriffen. nehmen sies nicht übel, sagte H., dasz ich meinen empfindungen so freien lauf lasse. i (erwidert W.), es ist ja auszerordentlich schmeichelhaft für mich! Tieck schr. 15, 239; ie da hätte ich mich doch zu tode geschämet! Schlampampe krankh. u. tod 5; Cyr. o, mein einig zahn! vertragen wir uns lieber in der güte mit einander! Sempron. ie, meinethalben! was haben wir auch sonsten vor? A. Gryphius Horribilicr. (1665) 84;

erster jäger. was? der blitz!
das ist ja die Gustel aus Blasewitz.
marketenderin. i freilich! und er ist wohl gar, musjö,
der lange Peter von Itzehö?
Schiller 321a.


Ebenso aber auch ablehnungen und leugnungen:

bistu derjenig geist, der hie herumb sol sein,
so mach dich fluchs (flugs) von mir zur tiefen höll hinein! echo. ie nein!
Hanmanns anmerkungen 199;

'hm!' fiel ihr jener in die rede,
'wenn dirs an geld gebricht' —
ie, das nicht! doch ...
Göckingk 3, 83.

ablehnung liegt auch in den formelhaften ellipsen: i bewahre! i behüte! i lieber gar!, und ironisch zu nehmen ist: i das wäre schön! = das könnte mir gefallen, daraus wird nichts! oder auf fragen wie: du meinst, ich würde morgen damit fertig? die antwort i já doch! = keineswegs, das ist gar nicht möglich!
5) besonders wirksam leitet unwilliges i verwünschungen und flüche ein: i zum donnerwetter! i hols der teufel!; ie der verfluchte brief! Lessing 1, 287; ie verflucht! 2, 389; ie verflucht! schrie er, wenn hat jemals eine fee diejenigen, die sie in ihren schutz genommen hat, .. halb todt prügeln lassen? Wieland 12, 14; ie zum henker! so warten sie noch

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einen augenblick! Lessing 2, 368; ie zum henker, schrie Pedrillo, indem er sich von ihm los risz, sind sies, herr? reitet sie denn der teufel, dasz sie mich mit aller gewalt erdrosseln wollen? pestilenz! man ist ja seines lebens nicht bei euer gnaden sicher! wie? was ist das? rief don Sylvio ganz bestürzt, bist du es Pedrillo? ie zum wetter! wer soll ich sonst sein? Wieland 11, 185.
6) i in ausdrücken der verwunderung, des staunens, der befriedigung und freude. manche der bisher aufgeführten belege hätten für diesen fall gespart werden können. doch sollen hier nur beispiele gegeben werden, in denen die ebengenannte anwendung der interjection besonders hervortritt: Vansen. willst du einen aufruhr erregen, wenn sie ihn (Egmont) gefangen nehmen? Jetter. ah! Vansen. wollt ihr eure rippen für ihn wagen? Soest. eh! Vansen (sie nachäffend). ih! oh! uh! verwundert euch durchs ganze alphabet. Göthe 8, 244; D. sie war so krank. W. ah! D. höchst gefährlich krank. W. eh! D. wir fürchteten einige tage für ihr leben. W. ih! Klinger 9, 123; L. ergebenster diener, herr Riepel .. R. i! hat man doch lange nicht die ehre gehabt, sie zu sehen. J. Chr. Barth galante ethica (1748) 118; ie, guten morgen, herr don Sylvio, schrie ihm dieser entgegen, sobald er ihn erblickte, leben sie auch noch? Wieland 12, 329; ie, unvermuthete freude! herr Paul Werner! willkommen bei uns, willkommen! Lessing 1, 549;

nun ein knikschen! — i!
wie mirs kracht im knie!
L. Ph. Hahn ged. 53.

formelhafte wendungen, welche hierher gehören, sind: i der tausend! i sehen sie mal! i guck einer! u. dergl. zuweilen gesellt sich nein zu diesem i, um erstaunen oder freude des sprechenden, der was er sieht oder hört unglaublich findet, noch mehr hervorzuheben: i nein! was du sagst!; ie nei! ie nei! ie, ie, ie was schüne leute hots hie, ie nei! A. Gryphius gel. dornrose (1661) 8, vgl. Palm 51, 1. auch leitet i antworten auf fragen ein, die der befragte seltsam findet, da sie sich für ihn von selbst beantworten: Lelio. wenn du als freund an mir handeln wolltest, so würdest du mir lieber einen rath geben, wie ich etwan diese unglückliche heirath hintertreiben könnte. Klit. wie so? Lelio. ie, meine erbschaft geht damit zum teufel. Lessing 2, 398; Selt. Lisette, lasz uns doch auch von unsrer sache etwas reden. Lis. was ist das vor eine sache? Selt. ie, unsre sache — Lis. ich weisz nicht, was sie wollen. Selt. ie närrchen — Lis. ha! ha! aus dem närrchen merke ich bald was es sein soll. 2, 439; 'nun, wovon denn?' ie, vom kloster und dergleichen. Miller Siegw. 1, 25.
7) weniger bestimmt ist die bedeutung von i, wenn es mit nu oder nun verbunden wird, wobei, was schon erwähnt wurde, vermischung mit je nun und ja nun eintritt und nicht zu entscheiden ist, ob i nun oder je nun vorliegt. im allgemeinen kann sich so ausdrücken, wer zurückhaltend redet oder, 'da die sache nun einmal so liegt', widerstrebend etwas einräumt, hingehen läszt oder auf etwas eingeht. auf dieses zurückhaltende i beziehen sich auch wohl Logaus verse (1, 7, 57), wenn er mit ähnlichem vocalspiel wie H. v. Trimberg sagt:

a ist derer die nicht wollen.
e ist derer die nicht sollen.
i ist derer die da zagen.
o ist derer die da klagen.
u ist derer die da plagen.

zurückhaltung liegt in dem ausdruck in folgenden stellen: Maskarill. sein väterliches haus war ihm zu grosz — zu klein, zu leer — zu enge. Anselmo. zu grosz, zu klein; zu leer, zu enge. was heiszt denn das? Maskarill. ie nun! sie werden es von ihm selbst besser hören können, wie das alles ist. Lessing 1, 493; ew. gnaden kennen den meister Erich nicht? (lächelnd und verschämt) i nu — das ist so zu sagen die karbatsche. Kotzebue dram. sp. 2, 141. einräumung, hingehenlassen in diesen: ye nu, wein (sagt die mutter zum kinde) das dich der teufel holen müste. Ulenspiegel 142; ie nu, wenn es so sein sol. Chr. Weise comöd. 327; frau Oront. gefangen waren sie! so ein unvernünftiger mann; wenn man ihm einen finger giebt, nimmt er die ganze hand! Ohldinn. ie nu — wie gott will. frau Oront. behüts gott! sie werden doch das nicht thun! Lessing 2, 390. bisweilen tritt dabei der widerspruch stärker hervor, so dasz i nun soviel wie ich gebe das zu, entgegne aber bedeutet: Mich. St. ohne das (ohne glück) kann man nicht einmal ein guter spitzbube sein. Mart. Kr. ie nu, wenn ichs beim lichte besehe, so sind wir kaum dadurch auf ein paar tage länger dem stricke entgangen. Lessing 1, 304;

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ich warf dem Mison vor, dasz ihn so viele hassen!
'ie nun! wen lieb ich denn?' sprach Mison ganz gelassen. 1, 13;

und eine frau ist ohnedem ein lamm.
'ein lamm? du magst die weiber kennen'.
ie nun, man kann sie doch in so weit lämmer nennen,
als sie von selbst ins feuer rennen. 1, 117;

i nu, damals war ich auch in sie verliebt. Kotzebue dram. sp. 2, 198. baare ablehnung aber liegt darin, wenn nu (nun) verdoppelt wird: ie nu nu, das todtschlagen kömmt doch nicht an uns. Chr. Weise comöd. 195, während i nu ja! (Lessing 2, 389) i nun ja! i nu freilich! i nun freilich! (Kotzebue dram. sp. 3, 195) je nach der beziehung beharren auf der eigenen meinung oder billigung der entgegenstehenden anzeigt.
 
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i, anruf an pferde, stehen zu bleiben (rheinisch). Kehrein 1, 206.
 
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i, s. ich,
 
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i, s. in und ein (3, 140).
 
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i, s. DWB je.
 
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ia, auch ya,yah geschrieben, das schreien des esels, ruditus: als Ulenspiegel nn mit dem rector und etlichen magistri kam, da legt er seinem schüler (dem esel) ein nüw buch für. so bald er das in der kripfen fande, da warf er bald die bletter hin und her, den habern schen; als er nüt fand, da begund er mit lauter stim z schrein: i. a. i. a. da sprach Ulenspiegel: 'sehen, lieber herr, die zwen vocal i und a, die kan er ietzund; ich hoff, er sol noch gt werden'. Ulenspiegel (Lapp.) 41. im sprichwort heiszt es: wenn der esel zur mühle kommt, so sagt er i-a. Simrock deutsche sprichw. (2. aufl.) 2176. auch bildlich wird es gebraucht: als ein wahrer esel friszt er (der recensent) die disteln die um meinen garten wachsen, nagt an der hecke die ihn vor solchen thieren verzäunt und schreit denn sein critisches i! a! ob er nicht etwa dem herrn in seiner laube bedeuten möchte, ich bin auch da. Göthe und Werther (2. aufl.) 117. der esel selbst kann so heiszen:

zieht ein esel über Rhein,
kommt ein i-a wieder heim.
Simrock d. sprichw. 2193.

vgl. chika, gigag, hika, iha, ihha, ika.
 
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iahen, yahen, iahnen, verb. wie ein esel schreien; lat. rudere, griech. ὀγκᾶσθαι, ital. ragghiare, ragliare, franz. braire, engl. to hee-haw, to bray:

statt den menschen in den thieren
zu verlieren,
findest du ihn klar darin
und belebst als wahrer dichter
schaf- und säuisches gelichter
mit gesinnung wie mit sinn.
auch der esel kommt zu ehren
und yaht uns weise lehren.
das, was Büffon nur begonnen,
kommt durch Tischbein an die sonnen.
Göthe (an Tischbein) 2, 168;

bis der vorderste (esel) stillstand und fürchterlich zu iahnen anfing. Stolberg 10, 282.
Ahd. amhd. sagte man luon. Hattemer 1, 261b;

der wilde esel luot niht vil,
wan sô er eʒʒen wil.
Karajan deutsche sprachd. 83;

mhd. lüejen, lüen u. a., gurren, brieschen (vgl. Stalder 1, 225):

die nahtegal dicke müet
swâ ein esel od ohse lüet. Vrîd. 142, 10;

der esel gurret ûf den wân,
er wænet wol gesungen hân. 140, 7;

eʒ wænet manger singen wol,
des stimme hert ist unde hol,
und brieschet als der esel tuot.
Boner 82, 53.

im 15. jahrhundert begegnet vom schreien des esels bülken und lüzen. altdeutsche blätter 1, 152; Maaler 121a. 182d. 212a verzeichnet gigagen, hanen (s. 42, 431), rüchlen (vgl. Frisch 2, 123c), Diefenbach 502c auszer diesen noch geiren, kirren, ranken, welches letztere an das osnabrückische ransken (Strodtmann 179) erinnert; Stieler 594 führt gigagen, Rädlein igagen und ygaen auf.
 
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ib, ibe, f. 1) taxus baccata, eibe. Diefenbach 283b; Nemnich. 2) hedera, epheu. Diefenbach 194c, s. 3, 678.
 
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ibaum, m. was ibenbaum, eibenbaum: ybaum oder förchenholz. Stumpf schweiz. chron. bei Frisch 1, 485b.
 
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ibel, s. DWB übel.