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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
hippe bis hippenbübisch (Bd. 10, Sp. 1552 bis 1553)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) hippe, f. messer von sichelartiger gestalt für gärtner und winzer: schlag an mit deiner scharfen hippen, und schneite die drauben auf erden, denn ire beer sind reif. offenb. 14, 18; mit .. grabstickeln, eggezinken, gerthauen, hippen, pickeln (unter gärtnerszeug). Garg. 183b; auch gar nichts bei mir, nicht mahl meine hippe. Fr. Müller 3, 293;

der reben reife tracht
erfordert hipp und presz.
A. Gryphius 1698 2, 261,

nach der oben angeführten bibelstelle; dieselbe, da in ihr der engel des todes mit einer hippe versehen aufgeführt wird, scheint den anlasz gegeben zu haben, dasz dichter, aber erst des 18. jahrh., den tod mit der hippe erscheinen lassen:

drohend schwang er seine hippe.
Lessing 1, 64;

der böse tod
mit seiner fürchterlichen hîppe.
Gotter 1, 369;

zum nackten schädel ward sein kopf,
sein körper zum gerippe
mit stundenglas und hippe.
Bürger 15b.

hippe steht neben dem gleichbedeutenden häpe sp. 471, happe sp. 472, heppe, hepe sp. 999, als eine mitteldeutsche, speziell obersächsische form, die Luther, wie er bei dergleichen technischen ausdrücken zu thun pflegte, wol der volkssprache entnahm, und die durch seine autorität eingang auch in die edlere schriftsprache fand.
 
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hippe, f. ziege. vergl. unten unter hipplein.
 
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hippeheppe: unter hazardspielen werden verboten hippeheppe oder das grosze loos, leibrente, rothe jacke, Marianchen, seifensieders, neunfächtig. weimar. regierungsblatt 1865, s. 358. das ablautspielende wort erinnert an das ähnliche hippen happen für haben, erhalten in einem unechten Neidhartschen liede:

frouwe, daʒ wil ich iu gippen gappen (geben).
'herre, daʒ sult ir iu hippen happen.' xlv, 28 Haupt.

[Bd. 10, Sp. 1553]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) hippel, m. penis. Vilmar 170. Nemnich wb. wol mit dem nächstfolgenden verbum zusammenhängend.
 
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hippelfasz, hippelmann, s. unten hippenfasz, hippenmann.
 
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hippeln, verb. sich zappelnd fortbewegen, der düringischen volkssprache angehörig und in bezug auf kinder und junge mädchen gebraucht: sich, wo hippelts hin, das lose säckgen. Filidor d. vermeinte prinz s. 8. Stieler 856 führt auf hüppelen, tripudiare, im zusammenhange mit dem gleichbedeutenden hoppen.
 
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hippen, verb. schmähen, lästern:

das schafft, du bist ir (der heil. schrift) nit geübt,
allein zu hippen dir geliebt.
Schade sat. u. pasqu. 3, 123, 36;

auch in aushippen, ausschelten, ausschmähen:

es hippet einer den andern usz
wie frouwen in eim hurenhusz.
Eckstein concil 824;

vergl. theil 1 sp. 887 und ausholhippen sp. 888; hessisch aushiepen, verspotten, verhöhnen, zumal öffentlich. Vilmar 171. die nähere erklärung des wortes wird bei holhippen gegeben werden.
 
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hippenbäcker, n.: hüppenbacher crustularii. Maaler 232b.
 
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hippenbube, m. knabe der hippen auf straszen und in wirts- und badehäusern feil trug und seine waare durch lauten ruf anpries (vergl. oben hip): euch ist der schilt ausgehenkt, kehrt hie ein, hie wirdt gut wein geschenkt: was lasset ir lang den hypenbuben vergebens schreien? Garg. 17b. Wie diese knaben der niedersten volksklasse angehörten, daher noch in Hessen hippenbube einen untergeordneten, zu den allergeringsten diensten gebrauchten und als caput vile, hudel, behandelten knaben bezeichnet (Vilmar 171), so waren sie bei der ausübung ihres geschäfts dem spott und höhnischen bemerkungen der wirtshausgäste ausgesetzt: in der trunkenen litanei wird ein solcher knabe angeredet: hui hipenbub, stürz das vasz umb, versuch unseren sauren trunk, horcha buba wechsel hie den kreuzer, butz mir die bir, du butzst wol, gebst ein guten goldschmid, machest sauber arbeit u. s. w. Garg. 87b. ihrerseits aber vergalten sie solche neckereien durch ein ausgibiges mundwerk, das sie ebenso wie ihr sonstiges betragen (sie führten namentlich würfel bei sich und spielten mit den gästen, vgl. auch unten unter hippenjunge, hipplein und hippler) im 16. jahrh. sprichwörtlich machte: was von einem theologo geschrieben wird, sol dermaszen lauten, das meniglich der das lese, mög verstehen, das ein theologus solchs geschrieben habe, in meinung die warheit zu suchen, nicht ein hippenbub, der allein die leute vermutet zu schmehen. Eck bei Luther 1, 147b; si rasseln und spilen wie die hippenbben. Schade sat. u. pasqu. 3, 64, 19;

sie reiben einander selber usz
recht wie die hippenbben im badhus. 2, 165, 10;

richten einandern also ausz
wie hippenbuben vor dem hausz.
Fischart dicht. 2, 374, 1690 Kurz;

hurnwirdt und würfeltrager,
hieppenbuben, lugensager.
Murner narrenbeschw. 675 Scheible;

das wort schmutzkolb und hippenbub. luth. narr 1290.


 
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hippenbuben, verb. wie ein hippenbube lästern: nun hastu doch den frumen künig wol uszgericht und gehippenbbt. Murner bei Schade sat. 2, 345;

wer auf lutherisch predigen sol,
der schelt die münch und pfaffen wol,
und hüppenbb auch iederman
so sicht man, das er lutherisch kan. luth. narr. 3819.


 
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hippenbübisch, adj. nach art eines hippenbuben, schmähsüchtig, verlästernd: als ich itzt auf sein vergifte hippenbübische schrift drei mal geantwort habe. Eck bei Luther 1, 163a.