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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gertel bis gerter (Bd. 5, Sp. 3745 bis 3746)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gertel, m. schweizerisch
1) wie gerte 6 und gerter 1, falx putatoria, der gertel, böum darmit z erhauwen, ein hagmässer Maaler 170d, hippe oder kleines handbeil mit einer langen schneide, reiser (gerten) u. s. w. wegzuschneiden oder zu zerhacken, dimin. gertli Stalder 1, 441, vgl. schweiz. id. 2, 443. Seiler 133b: so mag ainer mit ainem gertel houwen, das er holtz hab zu siner notdurfft ze brennend. weisth. 1, 142 (Zürich, von 1473); hout er ain stumpen mit dem gertel, ist die buosz 6 θ. 5, 161 (St. Gallen, von 1468); mit gerteln, bindmessern, hagmessern .. und anderm gartnerszeug. Garg. 183b (339 Sch.); immer hatt' ich einen gertel oder eine kleine axt bei mir, und fällte junge tännchen. armer mann im Tockenb. 16. gertel und gerter gehören zum verb. gerten 5, wie schlegel zu schlagen. das werkzeug ist von verschiedener grösze und länge, z. b. wird der handgertel mit zwei händen, der stûdengertel zur herstellung von reisigbündeln mit einer hand geführt, während der wümmergertel ein winzermesser zum abschneiden (wimmen) der trauben ist.
2) böser junge, schlingel, vom werkzeug auf den menschen übertragen, wie flegel, hegel. schweiz. id. a. a. o.
3) gertel oder gerter, der antheil eines bürgers am gemeindewald, eig. der mann selbst, der mit seinem gertel (1) auszog, um den seinem hause gebührenden antheil zu beziehen. schweiz. id. 2, 444 (von 1318, 1493, 1510), so zerfällt die gemeindewaldung von Zollikon bei Zürich in 11 beilen, jede beile hat 8—10 gertel.
 
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gertelkraut, n. artemisia abrotanum Pritzel-Jessen 42a. Weber öcon. lex. 192a, girtelkraut, girtler Schm.2 1, 943. s. DWB gertel, DWB gertenkraut, DWB gertwurz.
 
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gertelwasser, n. der heilkräftige aufgusz des gertelkrauts: von gertelwasser. versehung eines menschen 138b.
 
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gerten, f.
1) eine krankheit der männer: der manen sichtumb die da haist dy gerten (gärten). Schm.2 1, 941, vgl. DWB gerte II, 4.
2) name zweier kräuter, satureja Dief. 514b, abrotanum Schm.2 1, 941. s. DWB gertel, DWB gertelkraut, DWB gertwurz, garthagen.
3) s. DWB gerste 1, e.
 
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gerten, verb. , s. DWB gärten sp. 1401.
1) ahd. kertin, gertên, impellere, stimulare Graff 4, 256, zu gart, stimulus.
2) mit gerten schlagen, s. DWB gerte I, 2 und II, 2, n:

das einer förcht man werd jn girten.
Greg. Wickgram Obsopei kunst zu trinken 3, v. 122.


3) gerten, die gerten binden, palmare Maaler 170d; nass. die bogreben anbinden Kehrein 160. s. DWB gerte II, 2, b.
4) rebschosse, 'steckhölzer' pflanzen. schweiz. id. 2, 442 (v. 1670). s. DWB gerte II, 1.
5) kleines holz hauen, reisig abschneiden. ebenda (von 1408, 1529). vgl. DWB gerte II, 2, a.
6) part. gegertet, von rauchfängen alter bauart (gertchemi), aus gerten oder tannästen geflochten, die mit lehm ausgestrichen sind. ebenda, s. DWB gerte II, 2, a.
 
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gertengestäude, n. virgultum Henisch 1523, gertengestaud Aler 910b.
 
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gertenhand, f. die rechte hand des reiters, welche die reitgerte hält Röhrig techn. wb. 282a.
 
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gertenholz, n.
1) junger holzbestand, so lange er untenher von ästen noch nicht gereinigt ist, besonders bei nadelholz Weber öcon. lex. 192a.
2) das feste und schöne holz der Schleichera diversifolia Mothes ill. baulex. 2, 395.
 
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gertenkraut, n.
1) eine gattung doldentragender gewächse im südlichen Europa und orient, birkwurzel, rutenkraut Krünitz 17, 440: gertenkraut, steckenkraut, thapsia, ferula petraea Henisch 1523, narthex, ferula, 'siehet aus wie fenchel' Frisch 1, 321c; das persianische gertenkraut, ferula asa foetida Krünitz 17, 442; das syrische gertenkraut, bubon galbanum Nemnich 1, 690.
2) die stabwurz, artemisia abrotanum Schm.2 1, 943. Krünitz 17, 442. s. DWB gertel, DWB gertelkraut, DWB gerten, gertwurz.

[Bd. 5, Sp. 3746]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gertenstreich, m. streich, schlag mit der gerte Ludwig 748, vgl. mhd. gertenslac Lexer 1, 888.
 
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gerter, m. schweizerisch, vom verb. gerten 5 abgeleitet.
1) wie gerte 6 und gertel 1, hippe in gestalt eines starken, langen, breitschneidigen, vorn gekrümmten messers zum abschneiden und zerhacken von reisig schweiz. id. 2, 443, ahd. gertari, kertari, rebemeʒʒer, biduvium Graff 4, 256, gerter, virgarium voc. opt. 22b, getar (sic) voc. 1482 m 1a, gerter, hagmesser, dumaria falx Dasyp. E 5d: (dem kellerer sollen aus der hinterlassenschaft zufallen) alli die geschliffin waffen untz an ainen gerter, den sol er der frowen laszen, das si stubenholtz damit how. weisth. 1, 106; howt er ainen stumpen mit der agx, da ist die buosz drü schilling pfening, und mit dem gerter sechs pfening. 221 (von 1469); wer nit alle jar die nüwlich wachsenden dörn mit dem gerter meistret, der msz lyden, dasz sy jm ze lezt den ganzen bann yn nemend. Zwingli 1, 365.
2) gerter, holzhauer schweiz. id. a. a. o.
3) der antheil eines bürgers am wald der gemeinde, s. das masc. gertel 3.