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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bis fabeldichtung (Bd. 3, Sp. 1209 bis 1214)
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[Bd. 3, Sp. 1209]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) F seiner gestalt nach digamma (doppeltes g), welches semitischem vau, also der spirans v gleich gesprochen wurde, wie auch lat. v häufig für gv, goth. q, ags. cv steht (vivus für guivus, goth. qius, venire für guenire, goth. qiman, ags. cveman), inlautendes goth. gg, ggv gern dem v entspricht (triggvs, bliggvan = ahd. triuwi, pliuwan; tuggô für tuggvô = lat. lingua, dingua). welschem gw zur seite findet sich irisches f und beide drücken lat. v aus (gwin, fionn, vinum). it. guardare, guanto, fr. garder, gant ist unser warten und mlat. wantus, altn. vöttr und die Langobarden sagten Guodan für Vôden, Wuotan, Odin; goth. Vulfila kommt geschrieben vor Gulphilas, Ulphilas; goth. mavi entsprang aus magvi und hneivan, hnaivjan ist ahd. hnîgan, hneigan. die consonanz v war unmittelbar geflossen aus vocalischem u, neben solcher spirans empfiengen lateinisches, danach auch goth. wie überhaupt deutsches f stand und bedeutung der aspirata, während irisches f die spirans festhielt. die Römer trugen zwar bedenken in übernommnen gr. wörtern φ durch f zu bezeichnen, lieber setzten sie ph dafür, umgekehrt gaben die Griechen lat. f durch ihr φ, wie auch in urgemeinschaftlichen wörtern beider sprachen f und φ zusammenfallen (fero φέρω, folium φύλλον). auf consonantischen stufen rühren aspirata und spirans dicht aneinander, ch an h, th an s, folglich auch ph an v; leicht hatte statt des vernehmbaren anhauchs eine verengung sich geltend gemacht, wofür die einfachen zeichen χ θ φ eingeführt wurden, hin und wieder mag die aussprache einen unterschied gefühlt haben zwischen voller und enger aspirata, so dasz sie den spiranten bald abstand, bald in sie überlief. alle diese andeutungen lassen genug ahnen, dasz sich f und v vielfach vertreten.
Unser deutsches F erscheint in mehr als einer lage, am gewöhnlichsten
1) in der lautverschiebung P F F, wo classischem p nicht nur goth. sondern auch hochd. f gegenüber stehn, tenuis schob sich in verengter asp. und stockte dann, genau wie classisches k sich in goth. und ahd. h umsetzte; denn nur in der lingualreihe ergieng der lautwandel ungestört t th d, wohingegen die gutturalen k h h statt k ch g, die labialen p f f anstatt p ph b darbieten. in diesen beiden sehen wir goth. der hd. stufe begegnen, überall aber, wenn zwei stufen, die von einander sein sollten, zusammenfallen, gebricht etwas am verschieben. hier folgen beispiele für anlaut, inlaut und auslaut: pater, goth. fadar, ahd. fatar; palma, alts. folma, ahd. folma; skr. patra, πτερόν, ags. feðer, ahd. fëdara; skr. pâtra, theca, vagina, goth. fôdr, nhd. futter; paucus, goth. faus gen. favis, ahd. fôh; pecus, goth. faihu, ahd. fihu; πέντε, πέμπε, goth. fimf; piscis, goth. fisks, ahd. fisc; πῆνος, goth. fana, ahd. fano; πολύς, goth. filus, ahd. filu; porro, goth. fairra, ahd. fërro; porca, ahd. furichâ; πῶλος, pullus, goth. fula, ahd. folo; sl. pjast, ahd. fûst, nhd. faust; πούς, pes, goth. fôtus, ahd. fuoʒ; πῦρ, ahd. fiuri, nhd. feuer; plenus, goth. fulls, ahd. fol; pulex, ahd. flôh; sl. pluk, polk, ags. folc, ahd. folch; vulpes, goth. vulfs, ahd. wolf; πνέω, ahd. fnihu, praet. fnah; πορθμός, ags. fyrd, ahd. furt; primus, goth. fruma; goth. þarf, þaurfta, ahd. darf, durfta; capio, goth. hafja, ahd. hefu, heffu. diesen stand des lauts halten goth. ags. alts. fries. altnord. mundart, nur dasz goth. und alts. inlaut in b schwankt; hochdeutsche denkmäler weichen in v aus und es entspringt
2) die formel P F V, die allerdings jenem theoretischen p ph b näher tritt, da sich aus b leicht aspiriertes bh und dann v entfaltete. dies hd. v gleicht zwar dem inlautenden goth. b, erscheint aber auch anlautend und vertritt alle unter 1 angeführten f. weder die goth., noch ags. und altn. sprache konnten es entwickeln, da ihnen einfaches v die reine spirans ausdrückte; doch ahd., sobald w = doppeltes v aufkam, liesz sich das einfache anders verwenden und wir finden es auf dem platz der im organismus der verschiebung dem b angewiesenen dritten stufe, wie umgedreht manche organische w zu b werden (bas für was, beip für weib, vgl. 1, 1054, 8a). genauere forschung hat erst ort, zeit und regel dieses hochd. v für f festzustellen, die ältesten alamannischen glossen geben es noch nicht, bei K. und T. brechen nur einzelne v sparsam hervor und f bleibt die regel, in den monseeschen

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glossen und bei N. wird aber v häufig und wechselt mit f, welchem wechsel auch eine verschiedenheit der aussprache zum grund liegen musz, wie namentlich aus Notkers gesetz, das die anlaute nach den vorangehenden auslauten bestimmt (gramm. 1, 130. GDS. 256. 257), sicher folgt. denn schreibt er daʒ fure, ioh folletân, aber dero vinstri, er verleidôt gerade wie daʒ pant, ioh ketân, dero belgo, er begibet, so kann ihm f nur härter als v, wie p härter als b gelautet haben. auf ähnliche weise mischen sich mhd. f mit v und jene notkersche regel scheint hin und wieder nachzuzucken, z. b. in sô vriunt nâch friunden tuot. Nib. 1654, 2; dës frumten si. 2151, 4; ouch fuort. 896, 1; mînen vriunden. 1390, 3; mîne vrouwen. 1391, 2; obschon gleichfalls dô fuorte steht 898, 4; so dasz sich die feinere aussprache bald erhalten bald verwischt zu haben scheint. man wählte das f vorzüglich gern, wenn ein u folgte und setzte für neben vor, wie schon die mons. gl. vora und furi schreiben, doch schwankt auch diese unterscheidung. den ahd. und mhd. verhalt sollten eigne abhandlungen erörtern, hier fassen wir eigentlich nur den nhd. ins auge und gewahren, dasz f wieder die oberhand erlangt hat, von dem v nur überreste bleiben und immer mehr abnehmen. bei Dasypodius findet sich noch vast, vatter, veld, velg, ver, vest, vich, vier, vil, visch, vleisz, vogel, volgen, volk, voll, von, vor, vorder; bei Maaler väch oder vich pecus, vähe captus, neben fahen, väld campus, vast, vatter, vels, vest, vetter, vier, vil, visch, vogel, volgen, volk, voll, völle, voppen, vor, vorder, vorne; zwischen väszle und fäszle ist er selbst unsicher. ob man damals zu Straszburg und Zürich diese v merklich anders aussprach als die menge der f anlaute? auch Stieler behält vast, vater, vech bunt, vehme, ver, vest, vetter, vieh, viel, vier, vogel, volk, voll, vor. davon behaupten sich heute nur vater, vetter, ver, vieh, viel, vier, vogel, volk, voll, von, vor, vorder, vorne, ohne dasz die aussprache im geringsten von dem laut abweicht, den wir dem f geben. mein vorschlag 1, vorr. lxii uns dieser wenigen reste völlig zu entäuszern mag annoch zu keck sein, weil sich darunter gerade sehr häufig gebrauchte wörter befinden, durch deren abgeänderte schreibung der sprachgebrauch gewaltig gestört würde und sie sind auch, wie wir sahen, zeugen dessen, was vor alters galt; allein sie verhüllen uns jetzt den zusammenhang einzelner wortgeschlechter und nöthigen fülle und voll, für und vor unter zwei buchstaben von einander zu sprengen. wissen doch mhd. glossare nicht, ob sie diese anlaute unter f oder v zusammenwerfen sollen.
bedeutsam bleibt der durchgreifende, aufrecht erhaltne bestand dieser anlautenden v im niederländischen dialect und die beobachtung einer verschiedenheit der aussprache. v in vallen, visch klingt einem Niederländer anders als f in den lehnwörtern fakkel, fijn, das v ist sanfter, das f härter, aber minder weich ist v als w. bereits alle mnl. werke befolgen den unterschied zwischen v und f, ja sie lassen auch das notkersche gesetz spüren, wenn sie neben veld, volk schreiben tfeld, tfolk. im alts. Heliand waltet, wie ags. fries. nord., nur f, kein v, umgekehrt gewährt die heberolle von Freckenhorst schon viele v, die von Werden sogar nichts als v. im nd. schwanken bis auf heutigen tag v und f nach hd. weise, ohne dasz die aussprache verschiedenheit empfindet.
beispiele des inlauts: goth. afar, post, ahd. avar, mhd. aver und aber; goth. afar posteritas, dat. us afar, e progenie; alts. abharo, ags. eafera proles; ahd. avarâ pyramis, statua; ahd. hraban, corvus, daneben auch ravan, ags. hräfen, engl. raven, mhd. raben, nnl. raaf pl. raven; ahd. ovan fornax, mhd. oven, nhd. ofen; ahd. havan, olla, mhd. haven, nhd. hafen; lat. aper, ags. eofor, nhd. eber; lat. caper, ags. häfer, altn. hafr, ahd. etwa habar, havar; goth. ainlif, pl. ainlibeis, ahd. einlif, pl. einlivî (oben sp. 109); tvalif, duodecim, pl. tvalibeis, ahd. zuelif, pl. zuelivî; goth. vulfs, vulfis, ahd. wolf, wolves; goth. fimf quinque, ahd. fimf, finf, pl. finvî, nhd. fünf, fünfe. die letzten wörter zeigen, dasz kein hochd. auslaut auf v stattfindet, sondern nur f steht. schwer aber fällt es diese inlaute und die aus b entspringenden voneinander zu sondern. tadelhaft schreibt man hafer für haber, elf für elb, da doch niemand kalb oder halb in kalf, half verändern würde.

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3) B P F, ganz abweichend von den beiden vorigen verschiebungen, hinter welchen classische tenuis lag und der goth. asp. auch hd. asp. entsprach; hier aber wird classische med. zu goth. ten. und hd. aspirata. dort hatte der anlaut die meisten beispiele, hier fällt der anlaut völlig aus, d. h. so wenig echt goth. wörter mit p beginnen, entspricht dem lat. oder gr. b ein echthochdeutsches, das auf f anlautete. alle hochdeutschen f anlaute sind immer den gothischen gleich und gehören unter 1. abgesehn vom mangel des anlauts, den erst weitere forschungen über das lat. und gr. b aufhellen können, wird nach dieser dritten formel völlig regelrecht geschoben und b p f steht parallel dem d t th und g k ch. beispiele: goth. iup, ahd. ûf, nhd. auf; ags. heope, ahd. hiofâ, mhd. hiefe rubus; lit. dubbus, lett. dohbis, goth. diups, ahd. tiuf, nhd. tief; ags. sceap, engl. sheep, ahd. scâf, nhd. schaf; goth. hups, hupis, coxa (für cobsa?), ahd. huf, nhd. hüfte; ir. abhal pomum, lit. obolys, altn. epli, ahd. affal, apfal, epfili; goth. slêpan, ahd. slâfan, nhd. schlafen; goth. vêpn, ahd. wâfan arma, nhd. waffen; reipus, ags. râpe, engl. rope, nhd. reif circulus; alts. rîpi maturus, ahd. rîfi, nhd. reif; altn. drepa, ahd. trëfan, nhd. treffen; lit. grěbti, graibyti, goth. greipan, ahd. krîfan, nhd. greifen; lat. sebum, ags. sâpe, ahd. seifâ; goth. hlaupan, ags. hleápan, ahd. hloufan, nhd. laufen; goth. kaupatjan schlagen, ahd. choufan, nhd. kaufen d. i. kaufschlagen; altn. driupa, ahd. triofan, nhd. triefen; lit. gělbeti, goth. hilpan, ahd. hëlfan; lat. cannabis, ahd. hanof, nhd. hanf; lat. turba, goth. þaurp, ahd. dorf; ags. scearp, alts. scarp, ahd. scarf, sarf, nhd. scharf; goth. vairpan, ags. veorpan, ahd. wërfan; lat. sorbere, goth. supôn, ahd. sûfan.
4) berührungen zwischen labialen und lingualen laufen zurück in hohes alterthum, man gedenke, um weit auszuholen, an skr. dhûma, gr. θυμός, ahd. toum, lat. fumus, an skr. Trita, zend. Thraêtaonas, pers. Feridun, an taran, κεραυνός, perun, fairguni, an τέττορες, fidvôr, vier und an das russ. f für th, Feodor, Afanasja = Theodor, Athanasia. lat. fera, aeol. φήρ, gr. θήρ und fortgeschoben goth. dius, ahd. tior, mhd. tier, nhd. thier; lat. fores, gr. θύρα, goth. daurô, ahd. turi, mhd. tür, nhd. thür; aeol. οὖφαρ, gr. οὖθαρ, lat. uber, altn. jufr, nhd. euter (sp. 1197); goth. þlaihan, ahd. flëhan; goth. þliuhan, ahd. fliohan, nhd. fliehen (vgl. biegen, fugere 1, 1814); þlauhs, fuga, flucht; goth. þrafstjan solari, ags. frêfrian, alts. fruofrian, fruobrian, ahd. fluobarôn; goth. þlaqus mollis, lat. flaccus, flaccidus; ahd. dinstar caliginosus, mhd. dinster, ahd. finstar, nhd. finster; finn. pimeä, altn. dimmr, ags. dim, ahd. timbar; goth. þvasts firmus, ahd. festi, nhd. fest; ags. þäcele und fäcele fax, fackel; altn. þengill und fengill; altn. þiöl, þiel lima, ags. feol, ahd. fihala, nhd. feile u. s. w.
5) F in fremden wörtern. einige haben sehr frühen eingang gefunden, wie goth. faskja; ahd. fachala fackel, falcho falke, fidula fiedel fidicula, fiebar febris, fîga ficus, fîra feier feriae, fenstar fenestra, flasca flasche, forst nemus, fruht fructus. mhd. auch valsch falsch falsus, vasant fasan phasianus, flamme. nhd. endlich fabel, familie, fatal, fibel, floskel, flöte, flotte u. a. m. viele sind aber in pf aufzuschlagen.
6) FF. unsere sprache hält kein masz in verdoppelung weder der vocale noch consonanten, sie ist dadurch breit und schleppend geworden. bald soll damit länge, bald kürze oder gröszere deutlichkeit ausgedrückt sein, wir sind in die üble gewohnheit geraten unnöthige zeichen zu häufen. eine der ärgsten doppelungen ist nun die des f, das ja aus ph hervorgegangen schon, wenn es einfach steht, einen starken laut ertönen läszt. im 15 jh. begegnet sogar anlautendes ff oder auch an dessen statt fh, doch haben beide wenig eingang gefunden, desto öfter galt und setzte es sich fest in und auslautend. griff, schiff nehmen sich aus, wie wenn man ihh, mihh, siehh anstatt ich, mich, sieh schriebe, oder wie das noch anstöszigere ss in den auslauten ross für ros und dass, gross für dasz, grosz. dasz ahd. und mhd. scif, schif geschrieben steht, kümmert die seit dem 14. 15 jh. aufgekommnen pfleger und hüter des unkrauts der doppelung nicht; zwar nach langem vocal und nach liquiden hat man heute das ff fahren lassen und setzt schaf, auf, wolf, dorf, doch in zahllosen eigennamen wuchert z. b. Hauff, Kauffmann, Wolff, Dorff, als ständen namen auszerhalb dem allgemeinen schreibgesetz. beweises bedarf es nicht, dasz der kurze vocal auch vor einfachem consonantauslaut richtig gesprochen werde. die Engländer unterscheiden ihre partikeln of und off, in der ersten sprechen sie das f gelinder, in der zweiten das ff stärker aus, jenes ungefähr gleich dem nl. anlautenden v, das andere gleich dem nl. f. ags. sind doch beide dasselbe of, wofür der wunderliche verfasser des Ormulum umgedreht jedesmal off setzt.

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sonst aber mangelt es an engl. partikeln nicht, die für von einander abweichende bedeutungen dennoch einförmig geschrieben werden und in unzähligen wörtern erreicht die schrift die manigfalte bedeutung nicht. wie man die russischen namen Popov, Chrulev und eine menge solcher auf deutsch darzustellen habe, ob so oder Popow Chrulew? Popof Chrulef? Popoff Chruleff? weisz zur stunde niemand; nur das erste scheint das rechte, der feine dem auslaut gebührende schwung bleibt unausdrückbar.
inlautend kann man sich nach kurzem vocal ff gefallen lassen, weil die doppelconsonanz sich auf zwei silben vertheilt, d. h. af-fen, schif-fen gesprochen wird, denn die silbentrennung aff-en, schiff-en ist höchst verwerflich, ein lebendig sprechender will niemals abstammung oder wurzel, immer nur den natürlichen laut erfassen. hingegen musz hel-fen, dür-fen ausgesprochen, also helfen, dürfen geschrieben werden.
7) PH ist eine organische bezeichnung des F, wie schon die Römer gr. φ in ph auflösten, doch mit dem laute ihres eignen f, oder nicht fern davon, aussprachen. darum konnten auch Italiener und Spanier sich wieder zum gebrauch des heimischen einfachen f in griech. wörtern wenden, ohne dasz die eingewohnte aussprache anders geworden wäre. Böhmen, Polen setzen dann ebenfalls das ihnen sonst unübliche f. wenn nun ahd. häufig ph statt f, da die mönche lat. ph eingeführt hatten, vorkommt, so läszt sich hier noch weniger bezweifeln, dasz beide buchstaben gleich lauteten, in den meisten fällen mindestens. wir sehen phentinc, phlanza, phruonta, sciph, aphul neben fentinc, flanza, fruonta, scif, afful. ausnahmsweise scheint sich aber das p mit dem h nicht sowol zu mischen, als ihm vorzuschlagen, woraus eine in pf übergehende aussprache entsprang. namentlich mochte sie den inlauten zustehen, wo sich aus af-fules ap-hules leicht ap-fules bildete. mhd. wird dies ph selten, nhd. begegnet es nur in griechischen wörtern wie philosoph, philomele u. s. w. mit f laut.
8) PF, ein zusammengesetzter laut, kein einfacher, auch den Griechen in wörtern wie Σαπφώ bekannt, womit in andern reihen Βάκχος, Ματθαῖος parallel laufen. ahd. entspricht pf dem cch und tz, welche alle drei dem hochdeutschen dialect characteristisch eigen sind. inlautend scheinen sie gern bei nachfolgendem i aufzutreten, cch hat sich in der schriftsprache wieder verloren, tz ist im anlaut und auslaut z geworden, dauert aber inlautend fort, pf bleibt im anlaut, inlaut und auslaut häufig und belebt unsere sprache. die anlaute werden an ihrer alphabetischen stelle aufgeführt, beispiele des inlauts und auslauts geben apfel klapf napf zapf gipfel wipfel zipfel kopf topf tropfe zopf schöpfen zupfen hüpfen, ampfer dampf kampf stampf dämpfen kämpfen glimpf schimpf zimpferlich dumpf klumpfe kumpf rumpf schrumpfen strumpf stumpf sumpf rümpfen stümpfen u. a. m. wir würden diese frischen pf ungern gegen das einfache f oder p entbehren. in empfangen, empfinden für entfangen, entfinden und allen solchen hat f den wandel des ent in emp verursacht, man spreche und theile em-pfangen, em-pfinden, so wie klo-pfen, tro-pfen, däm-pfen, schim-pfen, denn pf ist enger verwachsen als ff. meines wissens haben lediglich die Böhmen unser pfî, pfui! in ihrem pfa, pfuj! nachgeahmt, die Polen sagen fe, fa!, doch kommt auch pfe vor, die Russen tfy! die Littauer czui (sprich tschui)! lat. nur fi und phy! schw. daen. fy!
9) von älteren grammatikern wird einigemal versucht in die natur des lautes einzudringen. Ickelsamer gramm. B 1a drückt sich aus: das f wird geblasen durch die zene auf die undern lebtzen (lefzen) gelegt und stimmet wie nasz oder grün holz am feüre seüt. dieses sieden (fervere, bullire) würde ebenwol das pfeisen, zischen des bratenden apfels, also s oder z bezeichnen. physiologische untersuchungen, wenn sie allgemein und im zusammenhang angestellt werden, können zu glücklichem aufschlusz führen, im einzelnen vermögen sie nichts und belehren gar nicht über die stufen und den wechsel des lauts in einer besonderen mundart. bei Ölinger gramm. 11 heiszt es: littera f profertur naturaliter, sed apud nostrates propter abusum prope nihil differt ab v consonante, tam pronunciando quam scribendo. exemplum: das macht ine vast schwach, das er stets fast (fastet) und nichts isset. differentia ex usu et origine vocabulorum discenda est. dasz die aussprache in dem anlaut der wörter fast und fasten keinen unterschied macht war eine bekannte sache.
10) man pflegte schon vor alters lügen durch 'fliegen ohne f' auszudrücken, dazu gehört aber, dasz man auch wie mhd. liegen, ahd. liogan schreibe und nicht nach heutiger weise lügen. unser liegen jacere statt ligen zog erst den fehler lügen nach sich:

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behöne keine guten mann
und fleug nicht ohne f,
das man dich nicht mit einer kann
als einen spötter treff (d. i. treffe).
Ringwald tr. Eckhart O 8b,

dasz man dir nicht eine bierkanne an den kopf werfe;

dasz ich pfleg ohn ein f zu fliegen.
Weckherlin 829.


11) etwas aus dem ff thun, spielen, geigen bezieht sich auf das zeichen ff in der musik für fortissimo und will sagen: mit nachdruck ausführen. schläge aus dem ff (efef), tüchtige. Tobler 178c. den juristen ist aber die abkürzung ff für digesta aus einem durchstrichnen D entsprungen, das wie ff aussah.
 
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fabel, f. fabula, it. favola und umgestellt fiaba, sp. habla, fabla, fr. fable scheint bei uns seit dem 15 jh. recht in gang gekommen, Steinhöwel hat es im dec. 19, 11. 39, 6 und noch öfter, Diefenbach führt es aus der gemma gemmarum 1518 an und schon in dem älteren fastnachtspiel von Elslin Tragdenknaben heiszt es 892, 29:

das sind doch wunderselzam sachen,
der wilden fablen musz ich lachen;

mhd. belege folgen unter 3, doch Stricker und Boner bedienen sich keiner andern als der deutschen ausdrücke bîspël, bîschaft, mære.
1) rede, geschwätz der leute: ich wurd iederman z einer fabel. Nic. von Wyle 53, 17; und Israel wird ein sprichwort und fabel sein unter allen völkern (eritque Israel in proverbium et fabulam). 1 kön. 9, 7; und werde es zum sprichwort geben und zur fabel unter allen völkern. 2 chron. 7, 20; das sie sollen zu schanden werden, zum sprichwort, zur fabel und zum fluch an allen orten, dahin ich sie verstoszen werde. Jer. 24, 9; sie soll die fabel von ganz Wien werden. Klinger 1, 473.
2) erdichtung, im gegensatz der wahrheit: und werden die ohren von der wahrheit wenden und sich zu den fabeln kehren. 2 Tim. 4, 4, goth. af sunjai hausein afvandjand, iþ du spillam gavandjand sik;

der letzte tag in ihrem bunde,
der letzte kus von ihrem munde
nahm, wie der erste sie noch ein.
sie starben. wenn? wie kannst du fragen?
acht tage nach den hochzeittagen,
sonst würden dies nur fabeln sein.
Gellert 1, 146;

jede erdichtung, womit der poet eine gewisse absicht verbindet, heiszt eine fabel. Lessing 5, 358; die aufgabe sei fabel oder geschichte. Göthe 38, 16;

dieses ist der sinn des gesangs, in welchem der dichter
fabel und wahrheit gemischt. 40, 229;

aufrichtig ist die wahre Melpomene,
sie kündigt nichts als eine fabel an,
und weisz durch tiefe wahrheit zu entzücken,
die falsche stellt sich wahr um zu berücken.
Schiller 100a;

es sind eitle fabeln, unwahrheiten, lügen; die sache ist nichts als fabel; er tischte uns eine pure fabel auf.
3) besonders aber eine schon umgehende, niedergesetzte dichtung,
a) das märchen, μῦθος. mhd.

fabeln, zale und spël.
Herbort 3150;

die fabelen, die hier under sint,
die sol ich wërfen an den wint. Trist. 463, 29;

als ëʒ diu welsche fabele hât. Flore 6814;

diu fabel an dem buoche. krone 18113;

swaʒ mir ie diu fabel bôt. 18179;

als diu fabel seit. 22202;

daʒ iu dar an iht benëm
mîn unmuoʒ dër fabeln sage. 23217;

nhd. auch nicht acht haben auf die fabeln, μηδὲ προσέχειν μύθοις, goth. niþþan atsaihvaina spillê. 1 Tim. 1, 4; und nicht achten auf die jüdischen fabeln, μὴ προσέχοντες ἰουδαϊκοῖς μύθοις, goth. ni atsaihvandans judaiviskaizê spillê. Tit. 1, 14; der ungeistlichen aber und altvettelschen fabeln entschlahe dich, τοὺς δὲ βεβήλους καὶ γραώδεις μύθους παραιτοῦ, vulg. ineptas autem et aniles fabulas devita, goth. þô usveihôna svê usalþanaizô spilla bivandei. 1 Tim. 4, 7;

die fabel ist der liebe heimatswelt,
gern wohnt sie unter feen, talismanen,
glaubt gern an götter, weil sie göttlich ist.
Schiller 348a.


b) die griechische sage, mythologie: in der zeit der fabel oder der heroischen geschichte. Winkelmann 2, 452; bekannte bilder aus der fabel. 2, 477; die vorstellungen der griech. künstler waren aus ihrer eigenen fabel und heldengeschichte genommen. 3, iv; die geschichte der Herakliden grenzet noch mit der fabel.

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3, xxvii; werke die von der fabel und von der heldengeschichte handeln. 3, xxxi; eine untergottheit der fabel. Kant 6, 9.
c) die aesopische fabel, thierfabel, ἀπόλογος. fabeln und erzählungen. Gellert 1, 37; nachricht von alten deutschen fabeln. 1, 5; fabeln. drei bücher. Lessing 1, 130; ich erzehlte eine blosze fabel, aus der du selbst die lehre gezogen. ebenda; ich hatte mich bei keiner gattung von gedichten länger verweilet als bei der fabel. 5, 356; die fabel musz eine lehre enthalten, denn

die fabel, die nicht lehrt, kehrt sich in leere dünste,
und füllt das haupt mit rauch.das sind der Perser künste.
Lichtwers fabeln. 1775, 141;

feierlich leg ich indessen dem publicum das gelübd ab, keine zeile fabel mehr zu schreiben oder aufzulegen, es müste denn die wenige quintessenz von diesen sein. Burmanns fabeln vorrede; neue originalfabeln und erzählende dichtungen von August Doyé. Berlin 1856.
4) die handlung, der factische inhalt eines schauspiels heiszt die fabel des stücks und schon bei den Römern fabula: Menedemus mit dem rechen, von welchem die fabel als von dem, der sich selbst krütziget (heauton timorumenos), den namen genummen hat. Terenz von 1499, 84b; die fabel des stücks ist anziehend, aber die darstellung verunglückt. in solchem sinn redet man von einer tragischen fabel als dem gehalt des trauerspiels.
 
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fabelart, m. gerro, nugator, gleichsam fabelhart, pappelhart, nach dem franz. babillard von Fischart gebildet: ir waffelarten, babeler und babelarten, fabelarten und fabeler. Garg. 17b.
 
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fabelaue, f. fabelberühmte, in der fabel gefeierte aue, vgl. DWB fabelland:

schön ists von Aetnas haupt des meeres plan
voll grüner eiland und die fabelauen
Siciliens und Strombolis vulkan
beglänzt von Phoebus erstem strahl zu schauen.
Matthisson 11 (81).


 
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fabelauslegung, f. expositio fabulae. Stieler 1114.
 
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fabelbuch, n. fabularum liber:

aus einem alten fabelbuche,
(der titelbogen fehlt daran,
sonst führt ichs meinen lesern an),
aus dem ich mich raths zu erholen suche,
wenn ich selbst nichts erfinden kann.
Gellert 1, 214;

ich will doch sehn, ob mir mein trauter Gellert mehr beruhigung geben wird. fürwahr, dieses fabelbuch ist und bleibt doch, wie das liebe tägliche brot, schmackhaft und gesund zugleich, alle essen davon, niemand wird es überdrüssig, jedermann kehrt mit appetit zu ihm zurück. Kretschmann der alte böse general 52;

hexe. sinn und verstand verlier ich schier,
seh ich den junker satan wieder hier!
Meph. den namen, weib, verbitt ich mir.
hexe. warum, was hat er euch gethan?
Meph. er ist schon lang ins fabelbuch geschrieben,
allein die menschen sind nichts besser dran,
den bösen sind sie los, die bösen sind geblieben.
Göthe 12, 128.


 
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fabelbuhler, m. amator fabularum, nugarum, fabelliebhaber: dieweil sie (Jesuiten) doch zu Dillingen gleichmäszige grillen anno 1571 in des Gregorii magni vier büchern der gespräch von erscheinung der welschen seelen, so von dem eiferigen fabelbuler Adam Wallaser nach verteutscht worden, haben lassen trucken. Fischart bienenk. 215a.
 
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fabelchen, n. fabella, Henisch 995: können sie mir denn auch epische gedichte, tragödien, satyren und fabelchen machen lehren? Weisze lustsp. 1, 91; wenn es ein fäbelchen wäre, so würden beide jungfer schwestern noch eher unsern lieben freunden ein geneigtes ohr gönnen. dessen kinderfreund 4, 145;

dies fabelchen führt gold im munde:
'weicht aus dem recensentenhunde!'
Bürger 32b.


 
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fabeldeutung, f. affabulatio, epimythium. Stieler 309.
 
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fabeldichter, m. fabularum auctor.
 
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fabeldichtung, f.