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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bis ebenbaum (Bd. 3, Sp. 1 bis 13)
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[Bd. 3, Sp. 1]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) E , ein unursprünglicher, darum auch schwankender, unbestimmter vocal, der in unsrer sprache allzusehr um sich gegriffen und ihren wollaut beeinträchtigt hat. wenn im gothischen sechs, zehn, zwölf silben hintereinander das reine, kräftige a zeigen, z. b. afar tvans dagans; vas manna habands ahman; ahak atgaggandan ana ina, drängt bei uns in eben so viele sich das dünne, blasse e. schon mhd. sind wörter wie edele, betelete, begegenen, gemegenet, erdenete unselten, phrasen wie dem lebene ergeben; der werlde gewerldet wesen; des engels bete entwerte; regenender nebel; eʒ enwelle denne der engel beʒʒer wesen; allere dere ende dere erde und in dem mere verrene häufen den mageren laut. heute aber findet sich ohne mühe zusammen: recht eben gelegene stelle; er segnete den genesenen elenden menschen; eben erst errettete er den edlen, den rechten erben Eberhart; dem nebenmenschen ehre geben; des engen weges gelegenes ende entnehmen; des menschengeschlechtes ende erleben; vergebens, er endete erst den letzten jenner. solche eintönigkeit ist kaum in andern zungen möglich, war auch der deutschen ehmals fremd. wahr ist, gemindert und ermäszigt wird sie durch tonfall und durch vielfach abweichende färbung der verschiednen elaute, was dem auge zu verschwimmen scheint, scheidet sich in der aussprache. umgekehrt hat die schrift häufig zu viel unterscheidungsmittel unfolgerichtig angewandt, wodurch schreibung und aussprache noch verworrener geworden sind. einen undeutschen erkennen wir vor allem daran, dasz er der abstufungen unseres e selten mächtig ist. hinzutritt, dasz der abstand des mhd. î von ei uns verloren gieng und beide in einförmiges ei verschwommen.
Ickelsamer A 6a lehrt das e, wie das a, mit dem athem und niedergedruckter zunge aussprechen, er sagt, disen laut geben die geisz und schaf in irem geschrei; das kann aber blosz auf ein breites ä bezogen werden, wie die gr. βληχή weist, wenn schon wir das geblök mit ö ausdrücken.
Unbetontem e können alle möglichen vocale, kurze wie lange zu grunde liegen, ohne dasz ihr unterschied irgend nachklingt; die folgende betrachtung hat es nur mit dem betonten laut zu thun.
Er ist wesentlich aus zwei alten lauten, dem a oder i entsprungen und darauf beruht seine hauptverschiedenheit. beiden e müssen vermittelnde diphthongische laute vorangegangen sein, die sich durch ai und ia ausdrücken: nachtretendes i lautete den vocal a in e um, nachtretendes a brach das i in ë, folglich stehen e und ë einander gerade entgegen, was auf die aussprache einwirken muste. in der des e ist ein nachhall von dünnem a, in der des ë einer von dünnem i, deshalb habe ich für letzteres den doppelpunct eingeführt, er zeigt den gebrochnen ilaut an, seinen gegensatz durch etwas anderes als das blosze e hervorzuheben wäre unnöthig. *)
Diesen unterschied zwischen e und ë erkennen alle mhd. dichter an, indem sie beide nicht aufeinander reimen, ein paar ausnahmen abgerechnet; gramm. 1, 132—140 steht die ausführung des ganzen verhalts. aus unsrer heutigen, die reinheit *) man trägt scheu diese nothwendige verschiedenheit des e und ë in den ausgaben ahd. und mhd. denkmäler zu bezeichnen, blieben nicht einzelne fälle noch ungesichert, ich würde auf unterscheidung dringen, wenigstens der grammatik wird sie unentbehrlich. es scheint bequem, mag auch bei ersten drucken geboten sein, je älter eine hs. ist, sie genau wiederzugeben, die schärfere lautbestimmung verleiht etwas buntes; dann aber müste auch dem meistens mangelnden circumflex der länge entsagt werden, in gothischem text enträth man seiner leicht, nur dasz ein der sprachvergleichung wünschenswerthes ebenmasz der bezeichnungen damit verloren geht. wie von der vernachlässigung des e und ë denke ich von der des z und ʒ. sprachen wilder völker, selbst deutsche volksmundarten darzustellen, gestattet man die scheckigste übermäszigste lautbezeichnung, an althergebrachten sprachen soll der oft mangelhaften niederschrift kein haar gekrümmt werden. der mittelweg schiene einzuschlagen, dasz man jedem wesentlichen, durchgreifenden laut auch gegen ungenaue urkunden sein recht verschafte, damit das bessere künftig einmal hergebracht werde, hat man es zuvor zu beginnen. wer sich die elende heutige schreibung gefallen läszt und fromm an ihr festhält, den müssen auch sorgfältige aufstellungen der ahd. mhd. regel stören, warum sollten ihm mängel oder unarten der alten schreiber geringere autorität sein als der in den letzten jahrhunderten?

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der reime wenig beachtenden dichtkunst kann für den richtigen laut nichts entnommen werden, die aussprache hat jedoch den unterschied vielfach bewahrt. man halte wörter wie heben, legen, überlegen perpendere, regen movere, bewegen incitare zu andern wie eben, geben, gelegen positus, überlegen superior, regen pluvia, wegen viis; jene sind umgelautet, diese gebrochen, kein mund, kein ohr wird sie hochdeutsch vermischen. alle der reihe heben sind aus a, alle der reihe eben aus i entsprossen, legen ist das goth. lagjan, gelegen ist galigan. Es fällt schwer das lautverhältnis anders als durch vergleichung auszudrücken, beide vocale klingen dünn und kurz, das erste e gedämpft, das zweite etwas kräftiger, im umlaut erscheint die macht des vocals geschwächt, die brechung hat sie ihm mehr gelassen; da laut und farbe einander innig berühren, liesze sich sagen, dasz in e blau dem weisz, in ë weisz dem gelb zutrete. den ganzen unterschied wird die reinere mhd. sicherer als die oft verdorbne nhd. aussprache bewähren.
Gefährdet hat diese vor allem verunstaltender schreibgebrauch; auszer dem einfachen e sehen wir das dehnzeichen eh, die verdoppelung ee und die umlautbezeichnung ä, ja ö angewandt, wiederum dem ä zuweilen gedehntes äh verliehen.
1) einfaches e haben
α) für mhd. e: hebe tollo; flegel tribula; frevel protervia; fege mundo; gegen contra; lege pono; rege incito; bewege moveo; schlegel tudes; hechel pecten lini; edel nobilis; rede sermo; esel asinus; elle ulna; geselle socius; schnellen protrudere; schwelle limen; schwellen inflare; stellen ponere; schwemme diluo; henne gallina; kenne nosco; nenne nomino; renne cursito; tenne area; becker panificus; blecke nudo; decke tego; hecke sepes; ecke angulus; lecke lambo; recke extendo; schrecke terreo; schmecke gusto; schnecke cochlea; stecke figo; wecke evigilo; steppe acu pingo; bette lectus; kette catena; klette lappa; lette argilla; rette servo; vetter patruus; wette sponsio; betzel calantica; bletze sarcio; ergetze rependo; hetze venor; letze laedo; netze rete; netze rigo; pfetze vellico; quetsche quasso; setze pono; wetze acuo; besser melior; essich acetum; Hesse Chattus; elb genius; Elbe n. fl.; held heros; eltern parentes; schmelze liquefacio; stelze fulcrum; welsch gallicus; gerbe paro corium; verderbe perdo; erbe heres; herbst autumnus; werbe exsequor; mergel argilla; merke noto; werder insula; merz martius; kerze lucerna; fremde peregrinus; hemde indusium; emsig assiduus; enge angustus; engel angelus; hengst equus; menge multitudo; menge misceo; senge aduro; sprenge spargo; stengel caulis; enkel nepos; schenke pincerna; schenkel femur; senke mergo; schlenkere motito; bendel ligamen; behende agilis; ellend exsul, miser; sende mitto; verschwende perdo; wende verto; mensch homo; lenz ver; hecht lucius; beste optimus; nestel vitta; fest firmus.

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β) für mhd. ë: schel strabus; her huc; schere tondeo; bebe tremo; eben planus; eber aper; gebe dono; lebe vivo; leber hepar; nebel nebula; rebe vitis; strebe nitor; schwebe vagor; schwefel sulphur; tref ictus; degen gladius; gelegen positus; pflege soleo; regen pluvia; segel velum; steg via; weg via; fleck macula; zweck cuneus; becher poculum; blech bractea; breche frango; Lech n. fl.; pech pix; spreche loquor; steche pungo; frech protervus; zeche ordo; heher pica glandaria; geschehen fieri; sehen videre; zehen decem; leder corium; ledig vacuus; feder penna; gebet oratio; bret asser; meth mulsum; trete calco; wetter tempestas; des, dessen; es id; wes, wessen cujus; besen scopa; lese lego; genese sanor; wesen essentia; belle latro; fell cutis; hell clarus; quelle fons; quelle scaturio; schnell celer; schwelle turgeo; welle unda; ebbe recessus maris; neffe nepos; treffe ferio; schmer adeps; sper hasta; queck vivus; speck lardum; esse edo; esse fumarium; vergesse obliviscor; messe metior; gesessen sede locatus; sessel sella; helm galea; schelm nequam; selb ipse; gelb flavus; helfe juvo; welf catulus; befehle für befelche jubeo; feld campus; geld pecunia; vergelte rependo; selten rarus; schelte increpo; welt mundus; zelt tentorium; pelz pellis; schmelze liquefio; fels saxum; perle margarita; Bern n. urbis; fern longinquus; gern lubenter; stern stella; verderbe pereo; kerbe incisura; scherbe testa; werbe operor; werfe jacio; berg mons; berge celo; zwerg nanus; werk opus; zwerch obliquus; erde terra; herde grex; herd focus; werde fio; Berta n. pr.; schwert ensis; werth dignus; herz cor; schmerz dolor; ferse calx; gerste hordeum; senf sinapi; knecht servus; recht jus, justus; schlecht pravus; specht picus; fechte pugno; flechte plecto; sechs sex; wechsel vices; gestern heri; nest nidus; schwester soror.
γ) für mhd. æ in schere forfex; schwer gravis; selig beatus.
δ) für mhd. ê in echt = êhaft.
2) dehnendes eh ist von beschränktem umfang und erscheint (auszer in weh malum, ehe conjugium und sehen videre) lediglich vor liquiden,
α) für mhd. e: sehe video; dehne tendo; sehne desidero; wehre defendo; zehre consumo.
β) für mhd. ë: hehle celo; kehle gula; mehl farina; stehle furor; nehme capio; entbehre careo.
γ) für mhd. æ in fehlen, genehm und mehr libenter. s. unter DWB eben adv. 9.
δ) für mhd. ê in eh, ehe, weh, ehre, hehr, kehren, lehren und sehr, mehr magis.
3) ä wird geschrieben
α) für mhd. e: quäle crucio; schälen cutem exuere; schälchen scutella; gräme maerorem offero; grämlich morosus; dänisch danicus; stäbe baculi; schläge ictus; nägel ungues; mägde ancillae; täglich diurnus; erträglich ferendus; bäche rivi; dächer tecta; lächle subrideo; lächerlich ridiculus; schwäche debilito; ähre spica; fädmen filum immittere; pfäde semitae; schädel cranium; blätter folia; glätte laevitas; stätte locus; gläser vitra; hämmern malleare; kämmen pectere; schwämme fungi; tännen abiegnus; äffe ludibrio habeo; äpfel poma; näpfe patellae; donnerkläpfe tonitrua; säcke sacci; geschmäcke gustus; sächelchen recula; ätze cibo, rodo; plätze loci; schätze thesauri; älter senior, fälteln plicare, bälge folles; schälke veteratores; bänke scamna; schwänke nugae; tränke potu reficio; brände titiones; hände manus; wände parietes; kränze serta; tänze choreae; kräfte vires; schäfte scapi; wächsern cereus; wächst crescit; sächsisch saxonicus; gäste hospites. schon 1, 4 wurde angemerkt, dasz fühlbarer umlaut die schreibung ä erlangte, ungefühlter dem alten e treu blieb.
β) seltner für mhd. ë: bär ursus; gebären parere; schämen pudore affici; rächen ulcisci; erwägen perpendere; dämmern dilucescere; käfer scarabaeus. die Schweizer, zumal Maaler verwenden dies ä weit häufiger und schreiben äber aper, läben, läsen, wäsen u. s. w.
4) äh nur einigemal, wie eh vor liquiden.
α) für mhd. e: wählen eligere; zählen numerare; fährt proficiscitur; nähren nutrire; lähmen debilitare; zähmen domare; zähne dentes.
β) für mhd. ë: gähren fermentescere; währen praestare, durare; gewähren concedere.
5) ö nur für mhd. e, nicht für ë: schwören jurare; zwölf duodecim; hölle inferi, orcus; schöpfer creator; schöffe scabinus; löffel cochlear; blöken balare; blöcken nudare; kröte bufo; göttling = mhd. getelinc, alts. gaduling; löschen exstinguere;

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ergötzen oblectare. im 16. 17 jh. häufiger, man schrieb auch böck pistor, böre bacca, mör mare, mönsch homo, doch ist erlöschen exstingui = lëschen.
6) doppelt ee, gleichfalls selten: klee, see, schnee; beere bacca; heer exercitus; meer mare; beet area. dies ee wurde dem für mhd. langes æ in leer, scheere gebrauchten nachgeahmt. schweer wich bald der schreibung schwer, obschon hier das ee erträglicher wäre als in heer und meer. neben heer dauert die alte einfache kürze in herberge und herzog. vgl. EE.
Jedem sprachkenner leuchtet ein, dasz die unter 2—6 aufgeführten schreibweisen fehler waren und wo möglich zu verwerfen sind, nur die erste bleiben darf, woraus wieder einstimmung mit dem mhd. und ursprünglichen lautverhalt entspringen und dann die klarheit vieler wortformen nicht länger schmählich getrübt erscheinen würde. denn so widrig die schwankende, unsichere schreibung selbst ist, verwöhnt sie auch das auge und wirkt schädlich auf die aussprache. vom ö in hölle werden glaubenseifrige theologen nimmer lassen wollen, und doch schrieb Luther durchgehends helle; gewöhnte man sich helle und hëlle (concentus, claritas), wie mhd. geschah, zu schreiben und zu sprechen, so wäre hier alles in ordnung und der anklang an die heidnische todesgöttin offenbar. wozu nutzt heer oder hör von her zu sondern, da sich her und hër (huc) auf dieselbe weise scheiden? ä würde noch eher für ë als für e taugen; statt e geschrieben hat es geradezu die echte aussprache verderbt, unzählichemal sieht man händen, wänden: wenden, enden gereimt, Schiller sagt von Tells pfeil 544b

entränn er jetzo kraftlos meinen händen,
ich habe keinen zweiten zu versenden,

und manche leser werden sich anstrengen senden anders zu sprechen als händen, das doch ganz denselben vocal hören lassen musz. hier ist der reim nicht falsch, sondern die schreibung. In schlecht (vgl. schlicht) und geschlecht (ahd. gislahti) war schon die mhd. aussprache verdorben, aber einem groszen haufen von unsern ä kam die gute aussprache des rechten e abhanden, z. b. älter sollte nicht anders lauten als eltern, wächst nicht wie wechsel, ja zuweilen verkehren sich beide laute, z. b. wenn sechs ein e, sächsisch ë erhält.
Wie ahd. einigemal ei für e vorkommt (gramm. 1, 107) z. b. steiphim passibus, eincho agricola, einti finis, pflegt die schwäbische mundart e und i vor ng, nd oft gleich auszusprechen, selbst Schiller hat 217a menge : dinge; 1b menschen : wünschen (für winschen) gereimt. ganz aber widerstrebt es dem hochdeutschen e = ë in a überzugehen, wie plattdeutsch bare ursus, garste hordeum begegnen.
Von der betonung ist hier keine ausführliche rede, doch zu sagen
1) das mhd. gefühl der quantität in vorletzter silbe hat sich verloren, also auch jeder unterschied zwischen schwinden und haften des e der letzten silbe. statt des mhd. weln, wërn, finden, wërfen heiszt es mit überall bleibendem e: wählen, währen, finden, werfen, nur die dritte person des sg. und zweite des pl. pflegt das e aufzugeben, dem mhd. stil stilst stilt pl. stëln stëlt stëlnt entgegen steht nhd. stehle stiehlst stiehlt stehlen stehlt stehlen; in nehme nimmst nimmt nehmen nehmt nehmen sicherte die überladne schreibung mindestens den kurzen vocal i der zweiten und dritten sg. schlieszt die wurzel auf d oder t, so haftet auch in 3 sg., 2 pl. das e der letzten silbe: meidet, findet, waltet, schaltet, doch heiszt es gilt, hält für giltet, hältet, aber in 2 pl. geltet, haltet.
2) die schwachen praeterita stoszen das e vor dem te aus, erscheinen also zweisilbig: dehnte, zähmte, nannte, heilte, salbte; nur wurzeln auf d oder t hegen es: ladete, schadete, hütete, flutete, röthete.
3) verba auf el und er weichen ab von denen auf em und en. wandle wandelst wandelt pl. wandeln wandelt wandeln; wandre wanderst wandert wandern wandert wandern; widme widmest widmet widmen widmet widmen; ebne ebnest ebnet ebnen ebnet ebnen; d. h. erstere werfen das e vor dem l und r nur in 1 sg. ab, letztere aber vor m und l durchgehends. jene behalten es in allen übrigen personen und unterdrücken dann das e der flexion, während vor m und n das e der ableitung nirgends, das der flexion immer dauert. Hiernach sind flexionen der subst. und

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adj. auf el er em en nicht zu beurtheilen, denn wir sagen sowol hügel hügels dat. pl. hügeln; acker ackers äckern, als athem athems, segen segens, auch lieber ebene planities als ebne. adjectiva schwacher form setzen überall der edle, magre, ebne; des edlen magren ebnen u. s. w.
4) dennoch ist unsre poesie und selbst prosa so unfrei nicht geworden, dasz sie nicht den umständen nach das ausgefallne e oft herstellen, das haftende, wo es ihr besonders zusagt, ausstoszen dürfte. die mhd. verhältnisse wirken vielfach nach, kein stiehlest, nimmest, gibest wäre statthaft, eher schon fährest und unbedenklich dehnest, nennest, heilest, liebest, salbest; schwerer dehnete, nährete als tobete, salbete. der conjunctivflexion wohnt noch neigung bei, das e der flexion zu hegen, dem liebst amas steht entgegen liebest ames, wie dem liebt amat nothwendig liebe amet. wer wird nicht im reim auf den andren auch setzen wandren und in gleichem fall wandlen statt wandern wandeln? wer nicht zwischen magren und magern, üblen und übeln können abwechseln? wiederum kann die volle form mit beiden e: begegenen, segenen, wo es noth thäte, zulässig sein. man hat nur zu beachten was regel sei und was ausnahme.
 
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eb ,
1. an, num, heute ob. diese dem goth. iba, ibai, ahd. ipu, ags. gif, engl. if, altn. ef entsprechende gestalt der conjunction findet sich bereits mhd. hin und wieder. Parz. 527, 27 liest G ebe, ohne zweifel öfter noch;

eb er den ersterben muoʒ. Ls. 1, 439.

daʒ ist eb du müssest sterben und von hinnen faren. Keisersb. bilger 147b; du weist nit, eb der tod kümpt u. dich nimpt. 147c u. s. w. vgl. DWB ob.
2) eb priusquam, für eh. Tobler 160b:

hett ich mir dtorheit weren lan,
eb si ins haar mir hette gnistert. trag. Joh. A 2.


 
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ebbe, f. recessus maris, gegensatz der flut, kommt goth. ahd. selbst mhd. nicht vor und, was mehr auffällt, ist auch den altn. denkmälern unbekannt, die dafür fiara (eigentlich littus, trockner strand) gebrauchen. ags. aber gilt das m. se ebba, gen. þäs ebban (gramm. 3, 384); fries. gleichfalls ebba, im ganzen sg. unverändert; nnl. eb gen. ebbe f., kein mnl. beispiel stiesz mir auf; dän. ebbe, schwed. ebb. das wort scheint von Sachsen und Friesen ausgegangen sich weiter verbreitet zu haben. ahd. dürfte man ëppo oder ëppâ, goth. ibja, ibjô vermuten. wurzelhaft musz es mit eben planus, wie aequor, mare placidum, mit aequus nah verwandt sein. ags. ëbba steht zwar von ëfen ab, doch reicht auch häbban, goth. haban an heafan, goth. hafjan, da die begriffe des habens und hebens sich berühren, ebba aus ebia, häbban aus häbian hervorgieng. auszer ebba begegnet ags. nepflôd, engl. neap, aestus maris languidior. für eine so groszartige naturerscheinung ziemt es sich namen fremder sprachen anzugeben: lapp. fierva, deutlich altn. fiara; finn. vuoksi gegenüber luode flut; est. möön gegenüber tous flut; ir. traigh, trachant, gal. traghadh; welsch trai, armor. treach scheint wieder strand, von dem das meer gewichen ist; gr. ἀνάῥοια, ἄμπωτις gegenüber πλημμυρίς oder ῥαχία, ῥηχίη flut; mlat. malina gegenüber ledo oder liduna (Ducange 4, 58. 59), obgleich einige die bedeutung umkehren und liduna für die kleine, malina für die grosze brandung nehmen, ledo mahnt ans finn. luode; lett. behgums ablauf, paisums flut; russ. otliv'' ebbe, priliv'' flut = abgusz und zugusz; poln. odléw und przypływ; böhm. odtok und přitok = recessus und accessus. das goth. garunjô πλημμύρα Luc. 6, 48 ist zuströmung, flut, aber nicht gerade vom meer gesagt.
Ebbe und flut werden häufig, wie abströmen und zuströmen auf andere gegenstände angewandt:

das fräulein schien ihn drum noch mehr zu lieben,
wenn eben ebb in ihrem blute war.
Gökingk 2, 179;

ebb und flut der atmosphäre
denk sichs jeder wie er kann.
Göthe 4, 387;

nach kurzen ebben überflutete die menge von zeit zu zeit das haus. 17, 249; abschied von der ebbe und windstille des lebens, von der kindlichen jugend. J. Paul Tit. 2, 100;

was bebt meine seele
plötzlich in die ebbe des gesangs zurück.
F. L. Stolberg 1, 130;

denn ist es ebb im schatz, wie öfters ist,
so zieht ihr eure schleusen auf: schieszt vor.
Lessing 2, 209;

die hohe flut des reichthums ist zerflossen
und tiefe ebbe ist in deinem schatz.
Schiller 453a;

[Bd. 3, Sp. 6]


weil seine finanzen sich damals in der niedrigsten ebbe befanden. Wieland 6, 181; bei ihm ist immer ebbe im beutel.
 
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ebben, recedere, ahd. eppan, ebban: firebbita deferbuerat indignatio Graff 1, 74; altn. fiara: fiarar, mare recedit; ags. ebbian:

lago ebbade sveart under svegle,
mare recessit nigrum sub caelo. Cœdm. 85, 12;

dän. ebbe: det begynder at ebbe; nnl. ebben: het ebt sterk; de zee begint te ebben; mhd. eppen: der sê undit und eppit sêre als daʒ mer tuot. Leyser pred. 68, 18. nhd. es wurd eben mittler zeit, interea recesserat mare. Hans Stade;

das wasser fällt, es ebbt.
Brockes 6, 584;

doch, o der wunder!
an dem bergstrom, wo zum grab er
ebbt, war im siebenten zehnt
meines lebens der lenz jüngling.
Klopstock 2, 168;

des geistes flutstrom ebbet nach und nach.
Göthe 12, 43;

im kerker ränk und spaltungen der groszen,
die ebben mit dem mond und fluten:
in a walld prison, packs and sects of great ones,
that ebb and flow by the moon. k. Lear 5, 3;

das menschliche geschlecht ebbte und flutete. Hippel 6, 8;
 
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ebbenflut, f. aestus recedens:

die eppenflut im weiten meer
hin ab leuft und kömpt wider her.
Lobwasser Joh. enthauptung D 7.


 
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ebbestrom, m. dasselbe: die kraft des ebbestroms.
 
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ebbezeit, f. engl. ebbing, ebbe and tide.
 
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eben , planus, aequus, aequalis, goth. ibns, ahd. ëpan, mhd. ëben, alts. ebhan, mnl. nnl. even, ags. efen, engl. even, altn. iafn, dän. jevn, schw. jemn; dem lat. aequus, aequalis, it. uguale, sp. igual, fr. égal verwandt, wie equus dem ἵππος, oder aqua, goth. ahva, ahd. aha in alten flusznamen affa lautet, ja man könnte ἴσος heranziehen. für unser deutsches wort habe ich wb. 1, 6. 22 eine wurzel iban af êbun gesucht, der viele wörter, namentlich alte partikeln zufallen, gerade wie wir eben auch noch partikelhaft erkennen, vgl. eben adv. und neben; doch die erste sinnliche bedeutung dieser wurzel läszt sich vielleicht entwickeln. eben und planus enthalten den begrif des flachen, vorhin wurde auch ebbe und aequor auf das flache, ruhige meer, das nicht mehr brandende (ahd. ëbanôtî meres, aequor. Graff 1, 98) bezogen; die ebbe ist eine nachlassende, sanftere bewegung als die flut und geht über in μαλακία, windstille. lat. hiesz die ans ufer kommende welle venilia, die weichende salacia und salacia mag wieder ebbe ausdrücken. in ab ist das weichende, sich lösende gelegen, in abend der weichende tag, eben scheint das glatte, ausgeglichne flache. wie also, wenn iban complanare und ibns aus dem part. ibans complanatus zu deuten wäre? das gäbe die klarste auslegung seines ableitenden N.
1) die sinnliche vorstellung eben, πεδινός dauert noch heute fort. das ebne land ist das flache, platte im gegensatz zum gebirge; da funden sie ein eben land. 1 Mos. 11, 2; mit allem ebnen felde. Jos. 13, 16; die sinds die uber den Jordan giengen im ersten monden, da er vol war an beiden ufern, das alle gründe eben waren. 1 chron. 13, 15; ein ebner weg, einer der sich auf flachem boden erstreckt, nicht über berge und durch tiefen, aber auch ein fahrbar gemachter, eine chaussee; der weg ist schnureben, schnurgerade; ich wil fur dir her gehen und alle höcker eben machen. Es. 45, 2; einen boden so eben machen, dasz man darauf kugeln müste (kegeln könnte). Reinhard Werth. ded. 2, 184; ein eben spil, rechter tanz und gemähete wiese. Schmeller 1, 11; haareben sagt so viel als haarscharf, glatt wie ein haar; die sache ist nicht ganz eben, liegt nicht im gleichgewicht, ist nicht im reinen; seine lebensbahn war stets eben; ebner erde, zu ebner erde wohnen, unten parterre, ohne dasz man treppen zu steigen hat; alle berge eben tragen (abtragen). Schuppius 1684 s. 562;

weh unsers groszen herzenlaid!
uns ist auf dem feld als getraid
verbrent herumb im ganzen raum,
die mandel und die ölbaum,
und darzu auch die weinreben:
ist als verbrennet gleich und eben.
H. Sachs III. 1, 51c,

alles ist zu grund und boden verbrannt, dasz es nun eine frucht- und baumlose fläche bildet; die heiden werden Jerusalem den boden eben machen. Reiszner Jerus. 2, 162a. Aus ahd. in ëpan, mhd. en ëben, ags. on efen d. h. in planum gieng unsere praeposition neben hervor, unter welcher mehr davon zu sagen sein wird.

[Bd. 3, Sp. 7]



2) da der schnurebne weg ein gerader ist, hat eben auch den sinn von rectus und par, mathematisch ausgedrückt, eben ist geradlinig, directus. eben gerade an der zal gleich, par. voc. theut. 1482 f 5a. 'eben oder uneben zu rathen' steht in Joh. Pet. Schmidt fastelabendsamlungen s. 158 als kinderspiel, das was sonst grad oder ungrad (so bei Fischart no 152), paar oder unpaar, franz. pair et impaire heiszt, lat. ludere par inpar. Horat. sat. 2. 3, 248; man sagt auch ort oder eben, engl. odd or even. Schmeller 1, 11. selten ist, sagt Lessing 10, 175, ein hoher springer ein guter ebner tänzer; meint er einen der sich gerad hält?

was ist mein armes leben,
beim sanct Apoll!
wenn ich so steif und eben
eindunsen soll?
Overbeck ged. 79;

sei mein retter, halt mich eben (aufrecht),
wenn ich sinke, sei mein stab.
P. Gerhard 30, 10;

das ich mein oren spitzt so eben,
als wöll man mir ein eefrow geben.
Murner geuchm. 6.

d. i. so gerade auf in die höhe reckte.
3) unter den abstracten bedeutungen will ich die von satis magnus, ziemlich grosz, ziemlich voranstellen: es müste mir aber ein eben stedlin sein, das zwölf oder fünfzehen deudsche meilen in der ringmauer hette. Luther 3, 216;

da warn vil hund, die in anzannten,
im zuletst den korb entrissen,
denn ir war sunst ein ebner stosz (ziemlicher haufe)
und waren im auch viel zu grosz.
B. Waldis 3, 89;

ist nit mehr denn ein ebner steinworf. 3, 92;

bracht ein stück fleisch, war eben grosz. 4, 49;

er blieb bestehn, die magd ansach
ein ebne weil, darnach er sprach. 4, 67;

ein ebne weil daselben sasz. 4, 75.

ziemlich lange, eine gute weile, wie wir heute sagen.
4) hieran reiht sich der noch häufigere sinn von aptus, conveniens, par. mhd.

unz er ze rosse wart eben. Pilatus 169,

geschickt ein pferd zu besteigen, einem pferde gewachsen war. nhd. es sei denn zeit und eben (passend). Luther 3, 19;

ein kranz sol sie mir machen
aus rechtem wolgemt,
den solt du machen eben (zierlich, passend). bergreien 38;

nein, es ist gar recht und eben.
Logau 2, 43, 57;

meistens aber mit beigefügtem dativ der person, in der meinung von ist mir recht gelegen, gefällt mir, franz. me convient:

es komt mir gar uneben. Hätzlerin 46a;

eh dasz der vater kam ins grab,
dem sohn ein reiche frauen gab,
dem ritter wars nit eben.
Haupt 6, 60;

singer, du hast mir ein frag aufgeben,
die gfellt mir wol und ist mir eben.
Uhland 11;

er ist der Metzen eben. 340;

dein alt groschen sein mir eben. fastn. sp. 110, 23;

'darumb gib mir dein tochterlein'.
'sie ist dir eben, das wil ich jehen'. 111, 26;

mach mir das gut und darzu eben. 192, 22;

drumb ist er dir und deinem sun eben. 515, 21;

ein fursprech sei euch hie erlaupt,
der euch auch tüglich sei und eben. 704, 21;

ein solcher dienst wer mir auch eben. 732, 29;

so wil ich zwen lang tutten her schwingen,
die wil ich noch heur eim schefer geben,
die werden im zu zwainen sackpfeifen eben. 738, 33;

so waisz ich ain, der mir ist eben. 750, 19;

gond ir ouch selber zu dem pflug,
lugend welcher üch sig eben.
Körner volksl. 60;

die stadt soltens ufgeben,
es war ine noch nit eben.
Soltau 414;

ieder redt was im eben ist.
Brant narrensch. 110, 20;

ein priester soll führen ein englisch leben,
so wird er gott und der welt eben.
(presbyter angelicam dignetur ducere vitam,
sic erit acceptus plebibus atque deo).
Gartneri dict. prov. 98a;

es ist mir noch nit eben.
H. Sachs I, 525a;

'her wirt, wolt ir uns herbrig geben?'
'habt ir geld, so seid ir eben'. III. 1, 238b;

da kumbt des königs ochsenhirt,
der zu dem handel eben wirt. III. 2, 224b;

'den wil ich zu eim man euch geben'.
'nein, nein, mein jüngling ist mir eben'. III. 3, 52d;

[Bd. 3, Sp. 8]


und also lange der den ätheim im buiche hette, so mag er das sine verkeufen, versetzen, versleifen ader dragen sunder imands indrag war ime eben ist. weisth. 1, 604; dede er abir den merkern nit recht und ebin (gefiele ihnen nicht was er thäte), sie mochten einen andern setzen. 1, 513; nim was dir eben ist. Fortunatus 7b; gedacht, er möcht kein ursach haben, die ihm als eben wer als diese. buch d. liebe 87b; es ist dir nu wol gelegen und eben, und uns zeit, das du selbs komest, denn gott gibt nicht gnade, es sei denn zeit und im eben. Luther 1, 37b; auch möcht man auserwelet brot verstehen, das es ein sonderlich, eigen, und allein uns gottes kindern eben und geben. 1, 80a; es musz aber ein bischof sein ein unstreflich man, der nur ein weib habe, wacker, sittig, züchtig, gern herbergen, gern predigen, nicht ein weinseufer, nicht ein schelter, nicht schendlichs geniesz süchtig, sondern iederman eben, unstreitig, nicht geizig. 2, 122a, frei nach Titus 1, 7 wozu man Luthers genaue verdeutschung halte; darumb sagt Paulus, schicket euch in die zeit und macht euch eben iedermann. 4, 128b, auch dies stimmt nicht ganz zu Röm. 12, 11; ist euch solcher mein rat nicht eben. 8, 95a; itzund wolt ir, so mirs nicht eben ist. Luthers br. 5, 257; das ist auch dem nehesten eben. Mich. Neander bed. 36b; das war aber jenem nicht eben. Kirchhof wendunm. 104b; ihr möget freien wen ir wolt, wann es mir wird eben und gelegen sein, so wil ich auch freien. Melander jocos. 2 no 474; es würde ihnen kaum eben sein, wenn sie ihre güter und bequemlichkeiten verlassen solten. Scriver seelensch. 1, 456;

ich was meim herren ein eben man,
da ich die schelmenstück hat than.
Murners schelmenz. 17b;

dem mehrer theil war solchs nicht eben.
Er. Alberus 68;

ja wol, es ist mir noch nicht eben. 161b;

den gänsen gehört haberstro,
ein wolf ist ihn zum predger eben,
bringt sie zuletzt umb leib und leben. ganskönig 8b;

bier zu saufen sei in nicht eben.
Ayrer fastn. 103a;

es sei uns ganz und gar nicht eben,
dasz wir ihm unser tochter geben. 209a;

den beiden buhlern war disz spiel gerecht und eben,
sie konten ihre lieb hier zu verstehen geben.
Werders Ar. 7. 21, 5;

Fannia meint, hurenleben
sei ihr mehr als ehstand eben.
Logau 1, 82, 34;

Dulcicola liebt ihren mann, denkt nicht nach ihm zu leben,
zu sterben endlich unter ihm, nicht vor ihm, wär ihr eben. 2, 90, 62;

jungfern, wann man euch soll kaufen, müst ihr geld zugeben,
die nichts zugibt bleibt wol sitzen, ist niemanden eben. 3, 26, 15;

Euclio fand in der bibel, gebet so wird euch gegeben.
wird gegeben, war ihm lieblich, gebet, war ihm gar nicht eben. 3, 141, 25;

in dem leben wohnet sterben, in dem sterben wohnet leben,
lasse dir das sterben lieben, du dem leben nur ist eben. 3, 236, 104;

salz im tode, salz im leben
ist dem hering immer eben. 3, 250, 180.


5) par, aequus wird unmittelbar aequalis, ἴσος, schon die Gothen, während ihnen das starke ibns πεδινός ausdrückte, setzten das schwache ibna für ἴσος, eben entspricht also der bedeutung von gleich, und was wir heute die gleiche sache, dieselbe, die nemliche nennen, hiesz ehmals auch die ebne, so wie der ebne boden auch der gleiche ist. ebensoviel sagt was gleichviel.

das wirt mir ein ebne sach. Theuerd. 34, 11;

so nimpt ers für ein eben sach.
Murner luth. narr 3399;

o das ist mir ein eben ding. 3979,

entweder gleichviel, einerlei oder auch mit dem nebensinn des eignen, seltsamen, wie Chr. Weise sich ausdrückt: allein es ist eine ebene sache mit ihm gewesen. kl. leute 48; er ist darin sehr eben = genau, eigensinnig (s. Frisch 1, 213c). dieser schriftsteller hat öfter: ein eben thun für einerlei: mit holzungen ists auch ein eben thun (nicht anders). erzn. 94; es ist ein eben thun um die furcht und um die freude. 371; um den groszsprecher. 398; ein eben thun mit narrenspossen. freim. redn. 838. Luther sagt: sie haben auch sprüche der schrift mit der vernunft irem sinn eben gemacht (ausgeglichen). 3, 459; hette in gott nicht so eben (gleich) abmalen lassen. 4, 43a; weil er im lande sitzet musz er sich inen eben machen. 4, 117a; auf ebene (gleiche) weis. Fischart ehz. 37. eben machen, verebnen drückt auch aus bezahlen, jetzt sind wir eben = quitt, einander nichts mehr schuldig.

[Bd. 3, Sp. 9]


meinstu, dasz dem christenleben
beides ähnlich sei und eben?
Logau 1, 185, 74,

wo doch eben sowol gleich als angemessen, schicklich bedeuten könnte. wenn es späterhin bei Kant heiszt: einen gedanken klar und eben machen. 8, 98; sich den vorwurf seiner betrachtung klar und eben machen. 8, 14 meint das verebnen, ausgleichen, klar und plan machen. der ehrliche ebene mann bei Göthe 33, 85 soll doch einen einfachen, schlichten bezeichnen? viele der nachher folgenden zusammensetzungen mit eben haben den sinn von gleich. s. DWB uneben, DWB nicht uneben.
Von allen erörterten bedeutungen dauert heute nur die erste und letzte fort, die zweite, dritte und vierte sind erloschen.
 
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eben, adv. ahd. ëpano, mhd. ëbene, nnl. even, die nordischen sprachen bilden es nicht einfach. goth. wäre zu erwarten ibnaba. die bedeutungen sollten eigentlich schritt halten mit denen des adj., gehen aber oft feiner aus,
1) dem sinnlichen planus entspräche plane, man sagt: er hat eben gezielt, eben getroffen; das ich den satan so eben getroffen und nicht gefeilet habe. Luther 3, 438; du must eben aus, eben fort gehen, gerade aus; das mädchen geht eben, mit langsamem, leisem tritt. mhd.

ir ros in giengen ëbene. Nib. 72, 4;

ir schif gienc ouch ëbene. 369, 4;

ir ros stuonden ëbene. 369, 3;

sîn ros truoc in ëbene. 887, 2;

dô sluogen die vil müeden vil manegen swinden slac
den von Bechelâren, der ëben und tiefe wac. 2147, 1.

einem eben treten müssen, bedeutet rücksichten auf ihn nehmen. Meistens aber gewinnt dies plane die bedeutung accurate, proprie:

des bedenket iuch vil ëbene. Nib. 404, 4;

vor dem tische mir eben wart (warte mir sorgfältig auf),
so bistu mir liebe und zart. Dioclet. 7613;

vernempt mich eben! ring 1, 4;

meine wort die sült ir gar eben behalten. fastn. 762, 3;

will eben wissen bei einem har,
wie es stäts get das ganze jar.
Schwarzenberg 120, 1;

darumb beschreibt er in diesen worten gar eben die art der gnaden gegen die art der natur. Luther 3, 25; da sehen wir, wie fein und eben die propheten reden können. 3, 234; auf dem selben schlosz mag man gar eben sehen das land Galaad. Frank weltb. 171b; z den er auch sagt, das si gar eben solten vermerken das land, wie fruchtbar es wer. 174b;

wie er sein ros ersah und gar zu eben kant.
Werders Ariost 1, 51;

o held, sagt sie, als sie die sache nun gar eben
verstanden hett. 2, 60;

sie läuft und weisz nicht eben,
woher und wohin aus.
Fleming 106;

er hat von kindheit auf gar eben war genommen,
dasz ohn die weisheit nicht zum rechten ziel zu kommen.
Rompler 110.

merk eben! sagte man sonst für nota bene.
2) eben, apte, accurate erscheint seltner als das adj.: woltest du es wol einem apotheker zu gut halten, wenn er einen oder zween gran einer gefährlichen und gewaltsamen arznei zu viel gäbe, mit dem vorwand, man könnte es so eben (genau) nicht haben? Scriver selenschatz 1, 404;

Heinz Mist, sie fugt mir gar eben. fastn. sp. 112, 2;

o mutter, ihr seid euch gar eben von der erd,
mir aber gar zu früh, ach gar zu früh entgangen.
Gryphius 2, 306;

doch das schwäbische eaba drückt ganz gewöhnlich recte, convenienter aus. Maaler 95d hat eben ja, scilicet.
3) wie eben par, eben pariter, aeque.

wir wërfen ëben alle.
Karajan denkm. 3, 23;

si vielen ëben alle
drî tage volle,
sô diche sô der rëgen tuot. 42, 9;

si muosen ëben alle
dulten die helle. 42, 11;

er fuorte si ëben alle
hin in die hêren zelle. 43, 6;

des hiesz er im ein löffel geben.
die andern sprachen: und uns eben! ring 35c, 32;

ach gesell, was sagstu mir?
mir ist eben als dir. fastn. sp. 622, 22;

mit zweien wunden eben tief.
H. Sachs III. 2, 39a;

eine rede, so zur unzeit geschicht, reimet sich eben wie ein seitenspiel, wenn einer trawrig ist, wer einen narren leret, der flicket scherben zusamen, und thut eben als wenn man

[Bd. 3, Sp. 10]


einen aus einem tiefen schlafe weckt. Sirach 22, 6. 7; die zeit ist ein groszes werth, eben als ein angenehmer gast. pers. baumg. 9, 5; mein wesen oder nicht wesen ist beinahe eben eines. 10, 1;

bin ich unten oder oben,
es gilt alles eben viel.
Opitz 2, 185;

eine reizet eben wie die andern.
Göthe 1, 218;

du dich im schwung überschlägst und nach dem tödtlichen sprunge
wieder stehest und läufst, eben ob nichts wär geschehn. 1, 361;

ihr tauget eben alle nichts,
warum sollt ich was taugen? 4, 324;

unterwegs sah sie sich hier und da um, eben als wenn sie Werthers begleitung vermiste. 16, 150. in der Schweiz sagt man dem tüfel eba arbeiten für teufelmäszig arbeiten. in den meisten dieser stellen könnte eben mit gleich wechseln, und pariter ac ist uns eben als oder gleich als. Göthes eben alle begegnet jenem mhd. eben alle, pariter omnes, meint aber nempe, scilicet. man schreibt oft zusammensetzend ebentief, ebenviel.
4) wie wir gleich, sogleich von der zeit verwenden drückt uns auch eben und so eben das augenblicklich geschehne oder geschehende, momentane aus. schon mhd.

ouch was Prünhilt ëben ze tische gegân. Nib. 565, 4;

nhd. Piso, der, wie ich höre, eben bei dir sein soll. Ew. v. Kleist 1, 169; eben fing ich an mein herz zu erheben. Lessing 2, 135; eben kömmt die gräfin an. 2, 162;

da komm ich zu ihm, eben dasz er schach
gespielt mit seiner schwester 2, 257;

so eben ist er in Madrid und wartet
nur auf den öffentlichen tag, sich zu
den füszen seines oberherrn zu werfen.
Schiller 276a;

es knistert eben,
als wärs ein weiberschuh.
Göthe 7, 65;

denk ich doch eben, ich rede mit Josua oder mit Moses. 40, 287;

eben schien sich ein neues verhältnis anknüpfen zu wollen. 21, 38; allein sie geht nicht etwa in ihre gemächer, sondern gerade die treppe hinunter in ihre wägen und ich finde mich eben allein auf der strasze. 48, 183; Wild ist eben so wunderlich, so auszerordentlich freudig, fährt herum, reicht nach dem himmel als wollte er ihn herunterziehen. Klingers theat. 2, 309. wir sagen: er schläft eben; er will eben sterben; ich wollte eben sagen; eben ist er fort; eben wollte ich mich schlafen legen; eben bin ich damit fertig geworden; ich bin eben erst aufgestanden; bin eben noch darüber. man halte hierzu das gr. ἔρχομαι λέξων, franz. je vais dire, sp. voy á decir; it. è a dormire, è por uscire, sp. está á dormir, está por salir, will eben ausgehen. wie diese feineren verbalausdrücke unser eben ersetzen hilft, kann es auch zum praet. gefügt einigermaszen den gr. aorist erreichen. fürs futurum brauchen wir es kaum, doch hört man in Niederdeutschland: geh eben hin! thu das so eben! wo uns üblich ist: geh jetzt, eben jetzt, jetzt eben, geh gleich hin, thu das sogleich! bemerkenswerth steht das ags. efne, efne svâ, efne nû öfter für ecce, ecce nunc, also auf das gegenwärtige einlenkend.
5) dem adj. eben stand die vorstellung des geraden, directen zu, nicht anders unserm adv., und noch viel häufiger, die von gerade recte, directe mit gelinderen nebenbedeutungen. da nun auch gerade, gerade jetzt, nunc ipsum zeitlich gewendet wird, fällt auf das zuletzt abgehandelte eben = actutum hiermit volles licht. es versteht sich, dasz in einzelnen fällen fast nicht gesagt werden kann, ob man plane, pariter, actutum oder directe auszulegen habe. hier eine auswahl von beispielen für eben = gerade. eben am selben tage gieng Noah in den kasten. 1 Mos. 7, 13; eben am tage der versünunge. 3 Mos. 25, 9; sie zogen aus ... und begruben eben die erste geburt, die der herr unter inen geschlagen hatte (vulg. nur sepelientibus primogenitos). 4 Mos. 33, 4; und es begab sich eben, das das selbe feld war des Boas. Ruth 2, 3; und da ich des morgens aufstund meinen son zu seugen, sihe da war er tod, aber am morgen sahe ich in eben an und sihe, es war nicht mein son. 1 kön. 3, 21; als der könig eben sasz im thor. Jer. 38, 7; eben im fünften jar, nachdem Jojachin war gefangen weggefüret. Ez. 1, 2; es ist eben das thier das ich sahe am wasser Chebar. 10, 15; denn eben mit dem masz, da ir mit messet, wird man euch wider messen. Luc. 6, 38; da sahe in ein magd sitzen bei dem liecht und sahe eben auf in. 22, 56, wo der text ἀτενίσασα αὐτῷ, vulg. et eum fuisset intuita;

[Bd. 3, Sp. 11]


dieweil du eben auch Jann heiszt,
hast gleich eben wie ich ein kleid.
Ayrer fastn. 117a

wird ein gelehrter nicht die kunst zu werke legen,
so wird er eben sein wie wolken ohne regen. arab. sprichw. 52;

eben darum bind ich dich.
Günther 912;

von diesen werkzeugen ist es unstreitig, dasz sie, eben wie die marmorsäge, eigentlich selbst nicht schneiden, sondern nur zu schneiden scheinen. Lessing 8, 93; Schickard konnte arabisch genug, um ein türkisches manuscript von dieser art so eben (so ziemlich? nachgerade?) zu lesen. 9, 66; nach funfzig jahren war das, was Vulcanius und Morellus für das gedicht des Paulus Silentiarius gethan hatten, so völlig vergessen, dasz zwei der gröszten französischen gelehrten das nemliche gedicht noch für ein wahres räthsel ansahen, dessen auflösung der eine nur eben zu errathen wagte. 9, 107; ja was noch mehr, gleich unter dem explicit haben noch eben folgende zwei verse raum gefunden. 9, 186; was der heilige geist nun noch dabei thun will oder kann, das steht freilich bei ihm: aber wahrlich wenn er auch nichts dabei thun will, so ist es eben das. 9, 292; ich habe dich in der kirche geglaubt. 'eben da!' (là même, gerade da). 2, 135;

half ihm doch kein weh und ach,
must es eben leiden.
Göthe 1, 17;

und warum fingst du eben mich? 1, 18;

kinder der klugheit, o habet die narren
eben zum narren auch, wie sichs gehört. 1, 143;

was dem enkel so wie dem ahn frommt,
darüber hat man viel geträumet,
aber worauf eben alles ankommt,
das wird vom lehrer gewöhnlich versäumet. 2, 264;

auf Michael sinds eben drei jahre. 10, 135;

das ernste kommt euch eben wild und düster vor. 11, 244;

es ist doch eben so warm nicht drausz. 12, 142;

als wärens eben pfifferling. 12, 146;

und trägt sie eben in éinem lauf
zum schämel den Olymp hinauf. 13, 4;

wir waren bethört eben ganz und gar. 13, 59;

kehrt eben alles drüber und drunter. 13, 60;

es ist eben eine von den neuesten erfindungen. 14, 12; da geh ich eben des abends hin und frage ihn, obs auch was taugt. 14, 84; es sind eben vier, ein wagen voll. 14, 243; da mir das herz immer ein biszchen aufgeht, wenn ich sie sehe, blieb ich eben. 16, 104; und so haben sonne und mond, eben wie der menschengeist, hier ein ganz anderes geschäft als anderer orten. 27, 272; ich bin in einer recht wunderlichen lage und will mich eben zusammen nehmen. 29, 106;

das alles kennst und singst du heut,
und singst es morgen eben. 5, 43;

sage, mutter, bist dus eben? (bist dus auch?) 41, 298;

ich habe über diese sache niemals nachgedacht, sondern sie eben so gut sein lassen. Göthe an Schiller 530; da ich die miserable jahrszeit und witterung in allen nerven spüre und mich nun so eben hinhalte. Schiller an Göthe 243. eben! ja eben! ja freilich, wenn man eines andern rede bestätigt.
6) ein solches eben (wie auch gerade) verbindet sich zumal, wenn verneint wird, mit nicht oder kein: eben nicht, nicht eben, das eben nicht, eben doch nicht; freust du dich darauf? eben nicht sehr; verhält es sich so? nicht eben ganz; das war eben nicht klug von ihm; sonst stecken sie (die füchse) eben nicht so viel im baue, es sei dann stürmisch regenwetter. Döbel 1, 38a; Lisette spricht so albern eben nicht. Lessing 1, 224; das will ich eben nicht behaupten. 1, 307;

weisz man doch eben nicht stets, was er sich dachte, der schalk.
Göthe 1, 365;

da brauch ich nicht eben
tief ins wasser zu tauchen. 40, 101;

der fels hinab zerschellend
liesz eben auch keine spur. 3, 288;

und wenn der morgen kam, ging eben keiner hin. 7, 44;

es brauchts nicht eben just, dasz einer tapfer ist. 7, 62;

kann euch nicht eben ganz verstehen. 12, 96;

er war verreist und kam eben nicht wieder. 10, 135; ein neues, eben nicht erfreuliches verhältnis. 21, 38; traf er euch zu hause? nicht eben, ich war sonst bei guten cameraden. 42, 290; man denke doch nicht, dasz man das schon an der propaedeutik des berühmten Wolf habe und hier also nicht eben ein ganz neues feld einzuschlagen sei. Kant 4, 7; wer damit begabt ist, ist darum eben noch nicht ein weiser. 10, 280. die verneinung wird durch das beigefügte eben (wie

[Bd. 3, Sp. 12]


durch gerade, völlig, ganz) gemildert und diese adv. häufen sich auch gern: nicht eben ganz, nicht eben just, nicht eben völlig.
7) vor demonstrativen erreicht ein solches eben die vorstellung selb oder selbst, lat. idem. eben der, eben dieser = gerade der, gerade dieser ist uns der selbe, dieser selbst; eben die, elle même, sie selbst, die nemliche. Lessing 1, 468. 2, 124; eben da = daselbst (vergl. DWB allda 1, 215); eben dahin = nach demselben orte; ich beweise es eben dadurch, damit = dadurch, damit selbst. oft aber verstärkt sich der ausdruck durch beide mittel: eben derselbe, eben daselbst. das vorhin angezogne eben auf ihn. Luc. 22, 56 läszt sich nehmen: auf ihn selbst, und noch deutlicher heiszt es Luc. 6, 38: denn eben mit dem masze, da ir mit messet, wird man euch wider messen, eadem mensura, τῷ γὰρ αὐτῷ μέτρω. eben die salbe, die er an den thieren zu gebrauchen pflegte. pers. rosenth. 7, 14; eben zu der zeit da ich als eine junge frau hierher zog. Göthe 10, 135. es kann auch vor persönliche pronomina treten: ich eben, du eben, er eben = ich selbst, du, er selbst. statt einer und derselbe findet sich einer und eben der: als wenn alles gift nur aus einer und eben der kröte spritzte. Schiller 150b; an einem und eben dem tage werden Bertha und Genua frei sein. 152a.
8) nicht selten mindert sich die bedeutung des eben noch stärker und gewinnt fast den sinn einer enclitischen partikel, wie mhd. eht, nhd. halt in die rede eingeworfen wird. einzelne der folgenden stellen mögen freilich, je nachdem man sie ansieht, eben = gerade (unter 5) enthalten, ich leite die schwächere bedeutung von diesem gerade ab.

es ist eben ein spruch der sieben weisen.
Göthe 2, 264;

was eben wahr ist aller orten,
das sag ich mit ungescheuten worten. 2, 265;

eh nun! heiraten wir eben! 2, 272;

wer ist der kluge, wer ist der thor?
wir sind eben sämtlich als wie zuvor. 3, 296;

und wie wir eben menschen sind,
wir schlafen sämtlich auf vulkanen. 3, 296;

dafür gibt man wieder niemand recht,
machts eben gut, machts eben schlecht. 4, 321;

man musz es eben sein lassen, es geht doch nicht. 7, 135; des engelherzens, das eben alle welt mit einem liebevollen blick ansieht. 7, 139; man wird eben keine stunde froh. 8, 208; nun der würde kommen, und würde eben auch zu thun finden. 8, 219;

will sie sich nicht bequemen,
so müszt ihrs eben nehmen,
will einer nicht vom ort,
so jagt ihn grade fort. 10, 217;

genug, ich bin der neue eben überall. 11, 239;

und mir gefällt es hier für diesmal, lasz uns eben bleiben. 11, 292;

wie fangen wir das an? wir gehen eben fort. 12, 91;

mein guter herr, ihr seht die sachen,
wie man die sachen eben sieht. 12, 91;

du bist doch nun einmal eine hur,
so seis auch eben recht. 12, 196;

was will denn der auf unserm ball?
ei, der ist eben überall. 12, 216;

läszt sich die krankheit nicht kurieren,
musz man sie eben mit hofnung schmieren. 13, 9;

liebe kinder, das orakel ist eben ein orakel. 14, 6; man liesz eben von beiden seiten alles so fort gewähren. 17, 326; ich glaube eben, dasz ich darum in dich vernarrt bin. 18, 212; ich musz es eben bezahlen, dasz ich eine Deutsche bin. 19, 130; es ist eben, als wenn ihr eine freiredoute gäbt, es können alle stände daran theil nehmen. 20, 307; ein armer junge, der sich eben brauchen und misbrauchen liesz, wie es das spiel mit sich brachte. 21, 38; er hat eben immer gemacht, was andre zu machen wünschten. 27, 162; du must dich eben in geduld fassen. 22, 207;

denn sie sind leicht zu verdauen, man schluckt sie nur eben hinunter. 40, 121,

wo wir auch sagen: nur so hinunter, wie auch anderemal eben durch so oder nur vertreten, oder damit verknüpft werden mag. verschiedentlich braucht Göthe eben in zwei oder drei ganz abweichenden bedeutungen, z. b. 21, 38. Unter den volksmundarten scheint dieser enclitische gebrauch vorzüglich der schwäbischen geläufig: i bin eaba so frei zu saga, ear moant eaba so, mar muasz eaba vil zahla.
9) ein der conjunction so voraus gehendes eben ist getrennt zu schreiben, nicht mit ihr zusammenzusetzen.

[Bd. 3, Sp. 13]



a) eben so ist similiter, eben so als, tam quam: er ist eben so gelehrt als bescheiden; du hassest mich eben so als du ihn liebst. ohne das eben folgt wie: er ist so gelehrt wie bescheiden; du hassest mich so wie du ihn liebst; besser auch ohne so: wie du ihn liebst. das umgedrehte so eben gilt von der zeit: so eben öfnet sich die thür, commodo aperitur foris.
b) man schrieb 'eben so mehr' nicht etwa statt des heutigen um so mehr, eo magis, sondern in der bedeutung von eben so gern, worin deutlich das alte 'alsô mære' (mhd. wb. 2, 69a) enthalten ist: und wer daran zweivelt, der mag eben so mehr auch zweiveln an dem evangelium, obs gottes wort sei. Luther 6, 103b; denn wozu durften wir der mühe, das wir uns solten unterwinden zu predigen, wo nichts denn ein vergeblicher loser und unnützer thant were? eben so mehr schwiegen wir still und lieszen predigstuel mit der tauf, sacrament und schrift stehen. 6, 226a; denn wo kein ander leben sein solt, was wolt jemand predigen oder zur predigt gehen? eben so mehr liesz er gottes wort gar anstehen, wie die andern thun, die nichts uberal gleuben. 6, 245a; wenn es bei diesem leben solt bleiben, so liesze man eben so mehr taufe und alles anstehen. 6, 246a; er wird ein bettler, musz ein pfarherr werden? eben so mehr lass ich in ein handwerk lernen. 8, 240; eben so mehr wil ich gute rugsame tage haben. 8, 295b; eben so mehr behielte ich sie (die tausend gulden) bei mir. br. 2, 658; ich wil e. f. gn. eben so mehr bei zeit dürre heraus sagen was ich denke. 3, 473; derwegen da man in je wolt teutsch haben, hab ich in eben so mehr in teutsch wöllen verkleiden, als das ich einen ungeschickteren schneider müst drüber leiden. Garg. 16b; eben so mehr in die höll getrabt als gegangen. 100b; weil es nun musz gestorben sein, will ich eben so mehr heut als übermorgen sterben, sprach ein alter frommer bischof. Otho krankentrost 10. dies eben so mehr, mähr lebt noch heute in der Schweiz (Stald. 2, 192) und begegnet öfter bei Jer. Gotthelf. auch bairisch (Schm. 2, 607), vgl. das kärntnische leisimar (Frommann 3, 311).
c) eben so viel. man sagt, 'das ist ja nur eben so viel' von einer kahlen entschuldigung.
d) eben so wenig.
 
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ebenalt, coaetaneus. ebenalter, gleich alter. voc. theut. 1482 fa. ahd. ëpanalt. Graff 1, 196.
 
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ebenbaum, m. ebenus.