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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
dock bis döckelen (Bd. 2, Sp. 1208 bis 1213)
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[Bd. 2, Sp. 1208]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) dock, m. der dück est certa species piscium in Danubio Abraham a. S. Clara. die docken in der Altmühl zu fangen ist durch die anspach. fischordnung von 1733 verboten; s. Schmeller 1, 357. in einer beschreibung der rheinfische (Simrock Rheinland 280) wird die forelle herzog genannt, weil sie rothe flecken auf der haut hat, sollte daher die französische benennung duc gekommen sein?
 
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dock, m. geflecht von schmalen streifen aus dünnem, mit seidenfäden durchzogenen gold- oder silberblatt. sechzehntens soll empfangen die mutter gottes vom guten rath sechs neue maibüschel von gold und silber dock Pfarrer Tröstegotts testament in Buchers werken 4, 281. zween hilzine engel welche die kron ab unser frauen in einer guldin pind oder dokh halten. zwei von guldem dokh gemachte sternhiet mit langen spitzen und radiis, ein von guldem stuckh ausgeschnites underschirzel, mit silbern dokh eingefaszt und gut silbern schnierln premt von seidenstikher arbeit, als von harschniern, gulden und silbern dokh gestikhten rösln Anordnung zur fronleichnams-procession von 1580 in Westenrieders beiträgen 5, 124. 160. 164. 169; s. Schmeller 1, 356. vergl. DWB docke 4.
 
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döckchen, n. wie döcklein dimin. von docke, püpchen. da heiszts recht 'von auszen beglissen! sie geht wie ein döckchen und ist doch so nackigt dasz' — Chr. Fel. Weisze Komische opern (1768) 2, 174. Eva in der ungestörten blüte weiblicher schönheit und gebaut wie ein döckchen Thümmel Reise 4, 92. s. weihnachtsdöckchen. uneigentlich sagt man in Thüringen und Sachsen für ein gebind garn, weil es wie eine puppe aussieht, ein döckchen garn, s. DWB docke 4.
 
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döckchenzwirn, m. der feinste döckchen- und lotzwirn fila neta subtilissima Stieler 2663. s. dockeleinsflachs.
 
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docke, f. pl. docken, hat mehrere, scheinbar weit von einander abstehende bedeutungen.
1. puppe, lat. pupa, pupula, franz. poupée, was man jetzt lieber gebraucht, nachbildung eines kindes vom wickelkind und wiegenkind bis zu dem erwachsenen. meist sind es weibliche figuren die man kleinen mädchen zum spielen gibt. doch wurden der dattermann (s. oben) und hampelmann, reiter, soldaten, pferde und dergleichen, die man knaben schenkt, auch docken genannt: in den Prager glossen (Haupts zeitschrift 3, 476b) findet sich tochâ simulacrum puerorum, dem latein. pupulus entsprechend, und in Schwaben sagt man dockenmann, dockenhansel Schmid 130, auch dockengaul 131. ebenso wird bei glieder- oder drahtpuppen kein unterschied zwischen männlichen und weiblichen gemacht, wiewol das französische marionette ein dimin. von Marie ist, also ursprünglich eine weibliche bezeichnet. man macht die docken aus holz, wachs, aus gewickelten ausgestopften lappen mit zierlicher kleidung, oder aus irgend einem andern geeigneten stoff wie aus zucker, kuchenteich, zumal aus pfefferkuchenteich, pfeffertocke Bernd Deutsche sprache in Posen 207. man macht puppen die sich bewegen, die glieder ausstrecken, die augen öffnen, schreien. die sitte geht in uralte zeiten zurück, die Ägyptier hatten puppen (Revue archéologique 2. livr. 12), bei den Indiern werden solche aus elfenbein in einem ihrer ältesten werke erwähnt (Schlegel Indische bibliothek 1, 139), die Griechen hatten ἀγάλματα νευρόσπαστα bewegliche gliederpuppen, die römischen mädchen spielten damit und opferten sie, wenn sie erwachsen waren, der Venus. simulacra de pannis werden in dem indiculus superstitionum erwähnt: man könnte darin bilder von kleinen geistern sehen, von elben, alraunen, welche glück brachten, geneigt und hilfreich waren. vielleicht gehört hierher die Hollepöpel, wovon Eccard (Francia orient. 1, 436) bei erklärung des indiculus spricht, ein kindergespenst, das man in Franken kennt und das sich, wie Hollepeter, auf die frau Holda zu beziehen scheint; s. Deutsche mythologie 473. dazu kommt dasz in der Schweiz (Stalder 1, 287) der alp (incubus) tocki doggi, toggeli doggeli heiszt, dann auch der schmetterling, den wir als ein elbisches wesen kennen; vergl. Deutsche mythol. s. 789. ja die weitere, in der Schweiz geltende bedeutung von einem häszlichen menschen mit zerrissener kleidung läszt sich daraus erklären, dasz der alp auch häszlich gedacht wird und das zerlumpte kleid einer puppe zugehören kann. das ahd. tochâ (Graff 5, 364) und das mhd. tocke bis zum 14ten jahrhundert kommt nur in der bedeutung von puppe vor. in dem 15ten jahrh. und in der folgezeit schreiben einige dock, wie Gemma gemmarum, Alberus Nov. diction. U iij und Dasypod. 315b. dock, tock Vocab. theut. von 1482 fia und gg 5b. dock, docke Stieler 322. daneben auch docken, tocken Vocab. von 1445

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und von 1470 bei Diefenbach 218, auch Vocab. incipiens teut. x 4. bair. dockng und docke Schmeller 1, 356. östreich. dockn Castelli 111. in der Schweiz docke Stalder 1, 286 und die zusammensetzung tockababa (dockenbarbara) Tobler 141. Frisch 2, 375a hat tocke und docke, auch Steinbach 1, 279. 2, 819. jetzt schreibt man nur docke. niederd. dokke Brem. wörterb. 1, 222. schwed. docka. dän. dukke.

des burcgrâven tohterlîn
diu sprach 'nu saget mir, frouwe mîn,
wes habt ir im (dem gast) ze gebne wân?
sît daz wir niht wan tocken hân,
sîn die mîne iht schœner baz,
die gebt im âne mînen haz:
dâ wirt vil wênec nâch gestriten' Parzival 372, 15—21.

er drucktez kint wol gevar
als ein tockn an sîne brust 395, 23.

daz kint sprach 'liebez veterlîn, nu heiz mir gewinnen
mîn schrîn vollen tocken, swenn ich zuo mîner muomen var von hinnen
Wolframs Titurel 30. Jüng. Tit. 655.

kumt mir minn, wie sol ich minne getriuten?
muoz ich si behalten bî den tocken? 64. Jüng. Tit. 697.

mîner tohter tocke
ist unnâch (bei weitem nicht) sô schœne
Wolframs Wilhelm 33, 24.

Friderûn als ein tocke
spranc in ir reidem locke
Neidhart 52, 4 Ben.

dû (Bêaflôr) wære noch in der jugende,
daz man dich mit den tocken
billîch noch solde locken Mai 176, 1.

dô wart si liehte des enein
daz sie im seite mære
wie schœne ir locke wære
Rudolfs Wilh. v. Orlens 3801.

ir zwô niht wâren træge, sie lernten [rîchiu wort ze] sprechen wilde.
diu dritte was ze kleine ze solher kunste,
den tocken truoc si holden muot mit gunste Jüng. Tit. 468.

daz ich dich, herre, wâgete nâch kindes tocken ziere,
durch reht mich des betrâgete 1203.

alsam diu kinder spilent mit den tocken 1370.

des ein kleiniu tocke
bedarf, daz wart nit funden keiner genze 3480.

ist er alsam (unerschrocken) in strîte,
sô fürht er einen man wol sam ein tocken (gar nicht) 5560.

die jungen knappen zuo uns locken,
die füegenz uns baz dan tôte tocken Renner 12489.

und ein alter jud hat getragen ein eingewickelte tocken, und vorn daran ein guldins plech. da täten die juden die tocken auf und wolten sie der kunigin zu küssen haben gegeben, sie wolt aber nicht Westenrieder Beiträge 3, 128 zum jahr 1476. diese sind nicht bischove sondern götzen, tocken, larven und wunder des zorns gottes Luther 2, 19a. das ir (fürsten) euch selbs fr eitel tocken und puppen haltet 4, 441a. als eine braut zur hochzeit, oder eine tocke zum hohen fest gezieret 5, 209b. und mit den gülden spielen wie die megde mit den tocken 5, 412b. unseren kindischen docken gottesdienst, dasz wir eben mit gott und sein heiligen spilen, wie die kinder mit iren docken und poppen S. Frank Chronik 200. und was ists wunder, dasz die weiber so fein wissen mit ihren ehegetrauten umbzugehn, demnach sie es doch von jugend auf mit docken und puppen spilsweis also gewohnen dasz sie nachgehends in der ehe auch solche poppenspiel mit ihren ehegepareten üben Fischart Garg. 74a. wie Mose im anfang des sechsten capitels meldet, da kram und tock, schaub und rock, braut und breutigam in der sindflut zu grunde sank Mathesius. kinderspiel und kurzweil, docken und dergleichen Junius 233b.

das sie nicht müszig auf der dieln
umblaufen und der tocken spiln
Ringw. l. w. 289.

ich musz zu meiner mutter laufen,
die wird mir ein schön docken kaufen:
mit derselben ich spilen musz
Ayrer Opus theatr. trag. 250b.

für tocken specerei, für nadeln helfenbein
(bringt man aus Indien)
P. Fleming Poet. Wälder.

dein titel stellt uns vor
dasz du, wie du dich schreibst, nur eine dock und thor.
Gryph. 2, 474.

die aus tragantzeuch gemachte docken Comenius Orbis pictus 2, 416. wächsene bilder, kleine götzle Henisch 721. mit den docken spielen pupis lusitare, sc. illis oblectari, ut solent infantes das. das mensch (mädchen) spielt noch mit docken Stieler 323. gedrechselte docken pupae torno elaboratae Steinbach 1, 279.

doch laszt euch auch nicht bei der tocke
und schon im flügelkleide frein
Günther 439.

und nimmt man andern theils ein dreizehnjährig kind,
so sieht man dasz ihr oft die tocken lieber sind 468.

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den kindern hält mans gern zu gute
die ohne klügre einsicht sind,
wenn ihre hand mit steiferm muthe
geputzte docken lieb gewinnt
Stoppe.

und alles ruft 'er sitzt zu pferd wie eine docke' so steif, fest.
Kotzebue Dramat. spiele 8, 133.

die buben haben lust zu reiten und zu kriegen,
die mädchen zu docken und zu wiegen
Simrock Sprichwörter nr. 1369.

in Östreich sagt man die ist aufgeputzt wie eine docke Castelli 111; auch in Thüringen. in Schwaben wies döckle ausm laden Schmid 130. niederd. se is so wakker as ene dokke, dat is ene regte dokke vam kinde, dat kind sut uut as ene dokke so artig, so hübsch Brem. wörterb. 1, 222. sprichwörtlich ist die redensart eine docke ist nicht ein kind nicht wirklich ein kind, nur ein schein, eine teuschung.

ein biderbe herre gedenken sol,
swenne man im sprichet wol,
'ist aber wâr daʒ ener (jener) seit?
liugt aver er, sô sî im leit
daz in der lôser (der falsche schmeichler) triegen wil
mit sô getânem tocken spil (nichtigen vorspiegelungen):
wan dar nâch zeiner andern frist,
swenner von im komen ist,
sô erzeiget er vil wol
daz man niht wænen sol
daz ein tocke ein kint sî.
daz erzeigt er wol dâ bî
daz er die tocken birget gar (die verstellung aufgibt)
und saget danne für wâr
daz ener sî ein bœse wiht Wälscher gast 3601—3615.

mit den docken, der docken spielen wird nicht blosz in eigentlichem sinn genommen, es heiszt auch etwas leichtes, geringes thun, wobei kein ernst ist.

nu het ouch vil der mâsen
diu veste Oransche enphangen
mit würfen und mit mangen
und von den drîbocken.
sine spilten niht der tocken:
ez galt ze bêder sît daz lebn
Wolframs Wilh. 222, 14—19.

so auch ein spiel mit docken was nichtig ist, keinen werth hat.

der werlde freude ist ein tocken spil
Türleins Wilhelm 16a.

swaz ieman under harnasch kan gestrîten,
daz ist ein spil mit tocken Jüng. Titurel 1548.

wie dirre strît ein spil der tocken wære 4533.

mit einem der docken spielen sich gegen jemand verstellen, ihn äffen, listig, mit falschheit behandeln.

als der tocken spilt der Walh mit tiutschen fürsten
Sigeher MS. 2, 220a.

fleischlich gelust kan uns zuo locken
und spilt als lange mit uns der tocken Renner 9783.

ich glaub sie sind nit wol bei sinnen,
wölns die stat (Jericho) mit trometen gwinnen:
sie spielen nur mit uns der docken
H. Sachs 3. 1, 26b.

unzüchtige bedeutung hat das wort in einem lied das dem Neidhart beigelegt wird, doch nicht von ihm herrührt,

und sie gar schôn wart scherzen mit mîner tocken. MSHag. 3, 308b.

was heiszt es aber in folgender stelle?

frouwe, ich habe iuch beide offenlîch und tougen
al dâ her gebeten umb iuwer minne,
nu slâhent iuwer tocken in diu ougen,
sît ir hânt gegen mir sô herte sinne
Buwenburg MS. 2, 180b.

laszt euern hasz an euern docken aus?
2. junges mädchen, puella, puellula. eine puppe gilt für etwas artiges, hübsches, zierliches, daher konnte docke leicht von einem jungen mädchen gesagt werden, das man loben wollte, und so bezeichnet es in der Schweiz ein solches niedlich aufgeputztes Stalder 1, 286. in der zweiten hälfte des 13ten jahrhunderts, wo diese übertragung zuerst vorkommt, war docke ein sehr rühmlicher ausdruck, jetzt wird er nur 'halb scherzhaft, auch fast geringschätzig gebraucht.

dô hiez mich zuo dem grâle ein tocke wunschelbernde. Jüng. Tit. 5169, 1.

Hug v. Langenstein redet die hl. Martina an

dû himelischiu tocke 24b.

Pâraklisen, die bluomen tocken,
sach man dâ ûf sitzen
Joh. v. Würzb. Wilh. v. Östreich 45a.

den (helm) het der sælden tocke
in ir schôʒ gesetzet 63b.

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bildlich in einem lied, das dem Neidhart fälschlich beigelegt wird,

o Rînstrôm, swer dich hât erkant,
du bist der fröuden tocke MSHag. 3, 308a.

traute schöne tocke,
du liebst mir mit dem zipfel
an dem rocke
Wolkensteiner 62, 1.

so, du vil liebe docke,
wes leistu hie bei dem knechte
in deinem roten rocke Fastnachtsp. 488, 11.

denn das weib ist eine hübsche tocke anzusehen Luther 4, 269a. so haben sie sich one zweifel herfür gebutzet, das sie auch hingangen sein, wie hernach zu Davidis zeiten die gottlose welt rühmet, wie die ausgebutzten tocken Mathesius Sarepta 9a. wie denn vil patriarchen söne sich der weltpracht und augenlust verfüren lieszen, da sie nach der welt schönen tocken sich umbsahen 10a. es hilft auch die schönen tocken nicht, das sie iren hals ausgestreckt haben wie die hirschen, und mit euglein um sich geworfen 10b.

im inren gmach wonts kunigs zarte dok,
bekleid mit guldnem rok
Melissus Psalme T 7a.

und in dem augenblick verschwunden
vor mir die auserwelten docken die neun musen.
H. Sachs 2. 2, 53b.

ein schöne docke
pranget mit ihrem rocke,
kann einen wol zum trunk locken.
ist ein guter wein in einem grünen glas
Henisch 721.

gott grüsz mir die im grünen rock
die schönst und allerfreundlichst dock.
Hoffmann Gesellschaftslieder 7.

gott schütz mir die im braunen rock,
weil sie mir ist die liebste dock 20.

auserwehlte docke 42.

der edle saft vom rebenstock,
die musik und ein schöne dock
freuen des menschen leben 126.

die töchter saszen und näheten, zu denen sprach Vulpia (die mutter) 'stehet auf, ihr docken, und empfanget mir disen herrn' Ettner Unwürd. doctor 333.

ist ihm nicht mehr vergönnt zu küssen eine docke
die ihre freche stirn mit thürmen (hohem haarputz) überhäuft,
so thuts ihm ja so wohl, wenn er nach einer greift
mit schlecht geflochtnem haar und aufgeschürztem rocke.
Caniz 113.

was man gratien genannt,
sind blosz verführungsdocken
Günther 312.

schone
söhne
und die docken,
die am rocken
fein abspinnen
und die zeit mit kunst gewinnen
Rabner bei
Gellert 5, 90.

zerbrichst du sie, die schöne docke,
so nimm die oberhälfte dir
Lessing 1, 211.

(es würde) kein horn die neubegier
der geschminkten bleichen docken
haus für haus ans fenster locken
Gökingk 3, 65.

s. DWB döckel und in zusammensetzungen engeldocke. gaukeldocke. pfefferd. polsterd. putzd. sommerd. wünscheld.
3. ein meist walzenförmiges stück, ein klotz, zapfen, eine kleine seule, gewöhnlich von holz; vergl. Schmeller 1, 356. in dieser bedeutung kommt das wort zuerst gegen die mitte des 14ten jahrhunderts bei Jeroschin vor

ouch wart er andersît gewar
daz der blîdin meister steic
und ûf in die hôhe kreic
zu bezzirne ich weiz nicht waz;
und als er ûf die tocken saz,
Heinrîch nam sîn gemerke
von des armbrostis sterke,
und mit einem pfile bant
zu der blîdin im di hant s. 233.

nähere bestimmungen erhält es in technischen bedeutungen, die Frisch 2, 375a zum theil zusammenstellt.
a. in bergwerken heiszen docken die hölzer welche an beiden seiten der trift d. h. des baumes hangen, der quer durch die spindel geht, welche in der mitte des göpels aufgerichtet ist und zum umtreiben einen schwung gibt; vergl. Frisch 1, 340a. 2, 375a. 384a.
b. in schmelzhütten zwei hölzerne seulen, zwischen welchen der schmel des eblasebalgs auf und nieder kann bewegt werden.
c. bei den drechslern sind docken oder dockenspindeln zwei eiserne seulchen am drehstuhle, zwischen welchen das holz, oder was man sonst drechseln will, eingespannt wird.

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d. bei den strumpfwirkern die beiden eisernen stützen, welche auf den beiden balken des strumpfwirkerstuhls hinterwärts eingelassen sind Campe.
e. bei den schreinern die starken stücke holz zu den seiten der gestühle, franz. mandrin, engl. manderil; vergl. hohldocke. dockenstöcke.
f. bei messerschmieden ein dünnes, vierseitiges eisen in dem amboszklotz mit einem loch, die messerklingen einzunehmen, wenn man den absatz daran schlagen will Adelung 1, 1508.
g. schlosser nennen stücke gestähltes eisen von mancherlei gestalt welche sie in den schraubstock spannen, um allerlei zierraten darauf auszutiefen, nicht nur untersätze sondern auch docken Adelung.
h. an leiterwagen das starke kurze holz das unten in der achse oder in einer eigenen rungschale steckt, und woran sich die wagenleiter lehnt, das bockholz, die runge, wagenrunge, in Süddeutschland die leiste, die stammleiste, in Östreich die küpf Adelung.
i. seulchen, stollen, figuren an einem geländer, geländerdocken, zumal bei treppen, franz. balustres. s. DWB dockengeländer.
k. zapfen, schlegel in den fischteichen, obturamentum piscinae, epistomium canalis quo aquae effluunt Frisch. die docken ziehen fauces emissarii aperire, obturamentum emissarii excutere Henisch 721.
l. brustwarze, zitze, papilla. dock puppa oder buff oder duttenspitz Voc. theut. 1482 fia. pupa ein dock, bup Dasypod. 199b. dock, buff, docken, poppe, duttenspitz rusticano Henisch 721. der pl. buben ist schon oben (2, 461) durch mammae erklärt. in der Schweiz ist puff buff ein durch kunst erhöhter weiblicher busen Stalder 1, 239.
m. das hämmerchen von holz in saiteninstrumenten, das bei dem anschlag der tasten aufspringt, die saite anrührt und bewirkt dasz sie ertönt, der tangent; vergl. dockenstempel.
n. in der Schweiz ist docka auch ein pfropfreis Tobler 141.
o. s. drehdocke.
4. ein bündel, etwas zusammengewickeltes, gedrehtes, geflochtenes, geschnürtes. daher ein spinnrocken, strang von gesponnenem flachs, wolle, seide, franz. écheveau; s. DWB döckchen. nach Calepinus manipulus lanae vel lini aut canabis qui ex colo pendet et fuso trahitur 1046. fries. dok ein bündelchen Outzen Fries. glossar 45. isländ. docka spira linea ein kleiner strang garn Biörn 146. schwed. docka mensura serici filamenti Ihre 331, dän. dukke. bei den jägern zusammengewickelte schnüre, das zusammengewickelte hängeseil. daher abdocken seile abwickeln; vergl. aufdocken. in den tabacksfabriken ein bündel trockner tabacksblätter, ein halbes pfund schwer. in der Schweiz werg, so viel man mit beiden händen umfassen kann Tobler 141. in Niedersachsen ein strohbündel das zwischen die fugen von dachziegeln oder schindeln gesteckt wird, damit der regen nicht durchdringe Brem. wörterb. 1, 222. Schütze 1, 228. in Baiern ein haufe von über einander gelegten feldfrüchten. acht bis zehn garben übereinander machen eine docken, hundert docken einen schober. man sagt das getreide in docken stellen Schmeller 1, 356. s. DWB dock m. und docken verb.
5. die zeitlose, colchicum autumnale Schmeller 1, 356. die zarte lillafarbige blüte kommt im herbst voraus ohne alle blätter und wird auch nackte jungfer genannt. docke wird also hier so viel als zierliches mädchen bedeuten. vergl. dockenkraut. wasserdöckelein.
6. da docke am frühsten mit dem begriff von imaguncula erscheint, so ist man geneigt diesen für den ursprünglichen zu halten, auch hat sich eine angemessene erklärung ergeben. gleichwol ist auch die bedeutung von klötzchen zu berücksichtigen, da sie ausgebreiteter, und in so manche andere, damit sichtbar verwandte, nähere bestimmung enthaltende übergegangen ist. der begriff von puppe läszt sich leicht daraus ableiten wie der von bündel aus puppe. die ältesten puppen mochten aus roh geschnitzten stückchen holz bestehen, wie die kinder noch jetzt am liebsten damit spielen: oder man umwickelte das holz mit lappen und bildete damit die kleine figur. erst im 13ten. jahrh. bei Wolfram ist von der schönheit der puppen die rede, und dann erst konnte docke ein schmeichelnder ausdruck für ein junges mädchen sein. eine genügende ableitung des worts läszt sich nicht angeben. möglich dasz das mittellat. docarium trabs lignum bei Ducange damit zusammenhängt, wenn aber dieses und mithin docke von dem griechischen δοκός abstammen soll, so streitet die mangelnde

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lautverschiebung dagegen, weshalb auch das von Schmid angeführte δαγύς wachspuppe, der zauberer, nicht zulässig ist.
 
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docke, f. mütze, haube, geschmückte kopfbedeckung für männer und frauen, span. toca, portug. touca, franz. toque. Diez Roman. wörterb. 346 leitet es von dem kymr. toc (m.) mit gleicher bedeutung. das wort ist im anfang des 14ten jahrhunderts aus dem romanischen herübergenommen, es müszte schon ein jahrhundert früher geschehen sein, wenn folgende stelle, die in einem lied von Neidhart vorkommt, echt wäre; die strophe, die keinen zusammenhang zeigt, steht aber in keiner alten quelle.

siht aber ieman jenen (dörper) mit der vêhen tocken?
die tregt er ûf der hende (damit zu prahlen) und klopfet ûf sîn niuwez swert MSHag. 3, 245b.

hurtâ! wie von den wappen
die knappen wurden grappen
nâch den tiuren tocken
Joh. v. Würzb. Wilh. v. Östreich 67a.

der helm (des heidnischen ritters) het oben ein bant
guldîn, dar inne ein jochant
ûf dem wirbellocke;
er saz rehte als ein tocke Heidin in
Roths gedichten des mittelalters 121, 114.


 
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docke, f. s. DWB dogge.
 
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döckel, n. dimin. von docke. tokel pupula Vocab. incip. lat. x 4. artiges mädchen, fränk. döckle Frommann Mundarten 2, 73. 76.

si hâte zartiu löckel
gesmücket als ein töckel Gesamtabent. 3. 112, 62.

ach raines tockl
Wolkensteiner 62, 1.

dem süezen minne döckel
hiengen zartiu löckel
bî den wangen hin ze tal
Heinrich v. Neustadt Apollon. 15163.

s. sommerdöckel. ebenso
 
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döckeleindöcklein,n. tocklin pupula Vocab. incip. teut. x 4. döcklin ausz leimen gemacht Dasypod. 318d. döcklin pupula Henisch 721. döcklein sigilliolum, imaguncula, operae sigillariae Stieler 323. Steinbach 1, 279. das staubigte döcklein (dirne) Magdelob 60.

wem sollt solches döckelein
nicht auf erden die liebste sein?
Hoffmann Gesellschaftslieder 20.

schönes töckelein
in deinem grünen röckelein 34.

sie prunken wie döcklein
im flitternden staat
Voss 6, 44.

dockelein, kleiner, zopfartig geflochtener büschel feines flachses. Schmeller 1, 356. bildlich, der kehldeckel. das athemzünglin oder döcklin der athemadern epiglossis Dasypod. 288b. s. judendöcklein. wasserdöcklein.
 
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dockeleinsflachs, m. feiner flachs Schmeller 1, 365; s. döckchenzwirn.
 
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döckelendockelen, mit puppen spielen, sie herausputzen. bei Ottacker c. 273 auch allgemein, sein spiel treiben. die narren wollen es also haben und das kind wil mit der poppen also döcklen und spilen S. Frank Paradoxa. dockelen zieren, putzen Schmeller 1, 356. döckelet, tocklet fein, niedlich geputzt Stalder 1, 286. Tobler 141. s. DWB docken.