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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
dobin bis docke (Bd. 2, Sp. 1200 bis 1213)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) dobintobin, schweres, gewässertes seidenzeug, aus dem franz. tabis, ital. tabi.

du solt nicht tragen edel gestein,
kein stifte, perln grosz oder klein,
bliant, dobbin, sammit, seiden:
so will ich das saufen meiden.
Joh. Stricker Schlemmer G viijb.

in der Straszb. polizeiordnung von 1628 ward es geringen leuten zu tragen verboten Frisch 2, 374d.
 
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doch , adversatives adv. und conj. ahd. doh Graff 5, 68. mhd. doch Ben. 1, 375b. altsächs. thoh, altfries. thach dach doch Richth. 1067a, niederd. doch dog, niederl. doch, ags. þeáh, engl. though, isl. þô þôat, dän. dog. das goth. þáu þáuh bedeutet das unbestimmte wol, etwa (ἄν), häufiger an, aut, sive oder nach comparativen quam. seinem ursprung nach scheint es ein pronominaladv. zu sein und þa für þô, den acc. sing. fem. des demonstrativen pronomens zu stehn, dem das fragende u und das suffix h angefügt ward; vergl. Gramm. 3, 176.
1. bestimmt auf den gegensatz hinweisend, ihn zurückdrängend, dennoch, demungeachtet, nichtsdestoweniger, tamen. er ist zweimal daran erinnert worden, und hat es doch vergessen. wie fest er es versprochen hatte, er ist doch nicht gekommen. du magst sagen was du willst, du hast doch unrecht. sie war arm und hat doch ihr scherflein beigesteuert. obgleich krank. hat er doch für alles sorge getragen. wenn du ihm auch zürnst, du liebst ihn doch. das kann ich, wie schwach ich bin, doch noch vollbringen. es wänt eins sie (die schlange) hab ein zwiefaltige zung und ist doch nit also Keisersb. Sünden des munds 48a. als einer der da nit alwegen keusch wil sein, der setzt im doch für ein tag keusch z sein, darnach gelopt er es aber acht tag, darnach ein monat 80b. sihe, der herr hat mich verschlossen das ich nicht gebären kann. lieber, lege dich zu meiner magd, ob ich doch vielleicht aus ir mich bawen müge 1 Mos. 16, 2. 30, 3. und er sahe das der pusch mit fewr brandte und ward doch nicht verzehrt 2 Mos. 3, 2. so aber etwas uberbleibt auf den andern tag, sol mans doch essen 3 Mos. 7, 16. und ob ir euch in ewre stedte versamlet, wil ich doch die pestilenz unter euch senden 26, 25. söne und töchter wirst du zeugen und doch nicht haben, denn sie werden gefangen weggeführt werden 5 Mos. 28, 41. und da er in nötiget, wolt er doch nicht gehen, sondern segnet in 2 Sam. 13, 25. hat nicht Salomo, der könig Israel, daran gesündiget? und war doch in vielen heiden kein könig im gleich Nehem. 13, 26. er verlässet sich auf sein haus und wird doch nicht bestehen Hiob 8, 15. und was soll ich mein fleisch mit meinen zeenen beiszen und meine seele in meine hende legen? sihe, er wird mich doch erwürgen 13, 15. auch ward er zornig uber seine drei freunde das sie keine antwort funden und doch Hiob verdampten 32, 3. wenn jemand schon from ist, so gilt er doch nichts vor got 34, 9. wenn sie gleich sind wie ein köstliche awe, werden sie doch vergehen Psalm 37, 20. ir mund ist gletter denn butter, und haben doch krieg im sinn. ir wort sind gelinder denn ole, und sind doch blosze schwerter 55, 22. ob ein sünder hundert mal böses thut und doch lange lebt, so weisz ich doch das es wol gehen wird denen die got fürchten Pred. Sal. 8, 12. wenn er gleich spricht 'ich bin weise und weisz es', kan ers doch nicht finden 8, 17. aber wenn die narren hoch komen, werden sie doch zu schanden Sprüche Sal. 3, 35. ob sie (die ameise) keinen fürsten noch heubtmann noch herren hat, bereit sie doch ir brot im sommer und samlet ire speise in der erndte 6, 8. ein ander karget da er nicht sol, und wird doch ermer 11, 24. der faule begerd und kriegts doch nicht 13, 4. wenn ewer sünde gleich blutrot ist, sol sie doch schneweisz werden, und wenn sie gleich ist wie rosinfarbe, sol sie doch wie wolle werden Jesaia 1, 18. und sagen 'friede, friede' und ist doch nicht friede Jerem. 6, 14. der wind weidet alle deine hirten, und deine liebhaber ziehen gefangen dahin, da mustu doch zu spot und schanden werden umb aller deiner bosheit willen 22, 23. denn ob ir schon wider die Chaldäer streitet, sol euch doch nicht gelingen 32, 5. und wenn wir schon müde sind, läszt

[Bd. 2, Sp. 1201]


man uns doch kein ruge (ruhe) klagel. Jerem. 5, 5. ir esset und werdet doch nicht sat, ir trinket und werdet doch nicht trunken, ir kleidet euch und künd euch doch nicht erwermen Haggai 1, 5. und ob sie gleich lange lebeten, so müssen sie doch endlich zu schanden werden, und ir alter wird doch zuletzt ohn ehre sein Weisheit 3, 19. und wenn wir gleich sündigen, sind wir doch dein 15, 2. und wiewol es auf erden stund, ruret es doch bis in den himel 18, 16. und wenns ein roher mensch höret, bleibet er doch bei seiner torheit Sirach 16, 22. denn es ist mit gottes wort nicht zu scherzen, es findet sich doch zuletzt 2 Macc. 4, 17. und wiewol viel valscher zungen erzu (herzu) traten, funden sie doch keins (kein zeugnis) Matth. 26, 60. und ob ich hin gienge euch eine stete zu bereiten, wil ich doch wider komen Joh. 14, 3. und wiewol ir (der fische) so viel waren, zureis doch das netze nicht 21, 11. du wirst doch z letst dahin geraten ibis tandem aliquando Maaler 91c. käm ein armer ins Schlauraffen land, so wär er doch arm Henisch 720. gebe ich nicht, so gönne ich doch das. wer gleich viel kan, sol doch mit lernen nit abelan das.

ich weisz es, die vernunft reimt dieses nicht zusammen,
ich war durch dich geraubt, und sahest mich doch nicht.
Hofmannswaldau.

du redest fast so klug wie mein bruder, und hast doch nicht studiert Gellert.

soll ich dich gleich, geliebte, missen,
wirst du mir doch nicht ganz entrissen
Göthe 1, 48.

nirgends kann ich sie vergessen,
und doch kann ich ruhig essen:
heiter ist mein geist und frei 1, 50.

predigt so einer das beste, so sagen doch endlich die laien
'spricht er das gute und thut das böse, was soll man erwählen?' 40, 136.

ja was hilft dichs der beste zu sein? es bleiben die besten
doch nicht unberedet in diesen zeiten vom volke 40, 153.

denn nach langer berathung ist doch ein jeder entschlusz nur
werk des moments, es ergreift doch nur der verständge das rechte 40, 280.

Baccal. wenn ich nicht will, so darf kein teufel sein.
Meph. der teufel stellt dir nächstens doch ein bein 41, 102.

ach die brust die mir gelogen
und die blumen blühen doch
Schiller 9b.

'und ohne rache', ruft sie, 'soll ich fallen?
doch will ich fallen, doch! gerächet oder nicht' 45b.

doch, war das leben auch finster und wild,
so blieb doch die liebe lieblich und mild 51a.

aber hat natur uns viel entzogen,
war die kunst uns freundlich doch gewogen 51b.

so spreche ich 'du bist eine närrin' und thue doch was mir beliebt Kotzebue Dramat. spiele 3, 169.
2. das entgegenstehende bestreitend, berichtigend, mäszigend, vermittelnd, saltem Vocab. incip. teut. d 4. in dieser bedeutung steht es, wie jedoch, aber, gleichwol, attamen, verum enimvero, meist, doch nicht notwendig, im anfang des nachsatzes. er soll böse streiche gemacht haben, doch ich glaube es nicht. man kann ihn tadeln, doch nicht mit härte. er hat wenig verstand, doch ein gutes herz. er verstattet ihm ein vergnügen, doch nicht oft. es sind bedenken dabei, doch wir wollen davon nicht reden. er darf kommen, doch er musz wort halten. ist es wol bös, so ist es doch nit fast (sehr) bös Keisersberg Sünden des munds 13a. wiewol der vater blinzlet mit den augen, sicht und sicht doch nicht wol, und hat dunkele augen 16a. da nam Judas die sünd über sich, und hett doch die sünd nit gethon 16a. ich hätte mein dienst erzeiget, hab doch mein vermügen angesehen Luther Briefe 1, 435. doch sollen die leute dennoch unterricht werden 4, 343b. sihe, da ist eine stad nahe, dar ein ich fliehen mag und ist klein; daselbs will ich mich erretten, ist die doch klein, das meine seele lebendig bleibe 1 Mos. 19, 20. hat er nicht zu mir gesagt 'sie ist meine schwester'? und sie hat auch gesagt 'er ist mein bruder.' hab ich doch das gethan mit einfeltigem herzen und unschüldigen henden 20, 5. doch denn (tunc) wollen wir euch zu willen sein, so ir uns gleich werdet 1 Mos. 34, 15. darnach gehe er (der vom aussatz gereinigte) ins lager, doch sol er auszer seiner hütten sieben tage bleiben 3 Mos. 14, 8. so mach dich auf und zeuch mit inen, doch was ich dir sagen werde, soltu thun 4 Mos. 22, 20. so ziehet aus von ewrem ort und folget ir (der bundeslade) nach, doch das zwischen euch und ir ein raum sei bei zweihundert ellen

[Bd. 2, Sp. 1202]


Josua 3, 4. und wil den samen David umb des willen demütigen, doch nicht ewiglich 1 Könige 11, 39. mir ist angst, doch ich will in die hand des herren fallen 1 Chronica 22, 13. und er thet was dem herren wol gefiel, doch nicht von ganzem herzen 2 Chronica 25, 2. sihe da, er sei in deiner hand, doch schone seins lebens Hiob 2, 6. werdet trunken, doch nicht vom wein: daumelt, doch nicht von starkem getrenke Jesaia 29, 9. und machen hie und da ausgehawene brunnen, die doch löchericht sind Jerem. 2, 13. der (widder) hatte zwei hörner, doch eins höher als das ander Daniel 8, 3. und sei frölich, doch mit gottes furcht Sirach 9, 23. doch das du deste weniger sorgen dürfest, so wil ich dirs sagen Tobias 5, 19. und asz die schawbrot, die im doch nicht zimpten zu essen Matth. 12, 4. wie bist du herein komen und hast doch kein hochzeitlich kleid an 22, 12. doch nicht wie ich wil sondern wie du wilt 26, 39. er schenkt ime alle fisch im mör, doch (mit der bedingung) dasz er sie all fange Fischart Bienenk. 129b. ein armer vermag oft vil kunst, die doch veracht wird umb seiner armut Henisch 720.

ists nicht gut gemacht,
ists doch gut gedacht das.

wo nicht wirklich, doch mit worten Frisch 1, 200b. ich komme oder schreibe doch (saltem) das. es ist zwar klein, doch nützlich das. Arnulphus sendete Zwentipoldum nach Italien, der doch bald unverrichteter sachen zurückkehrete Hahn 1, 283. aber hätte ich nicht lieber die zerstreuten stellen bei dem Plato, Aristoteles u. s. w., die den Sophokles betreffen, die quellen nennen sollen? doch sie gedenken seiner nur im vorbeigehen Lessing 6, 287.

löschen wollt ich, patschte zu,
doch es brennt beständig
Göthe 1, 16.

die göttin
eifersüchtig, sie forscht meinem geheimnisse nach,
doch es ist ein altes gesetz: ich schweig und verehre. 1, 290.

ja, sogar der bessere selbst, gutmüthig und bieder,
will mich anders, doch du, muse, befiehlst mir allein. 1, 330.

eines menschen leben was ists? doch tausende können
reden über den mann, was er und wie ers gethan. 1, 358.

nelken, wie find ich euch schön! doch alle gleicht ihr einander. 1, 393.

doch können wir, als echte Deutsche, uns doch nicht losmachen von vorsätzen und aussichten auf arbeit 27, 284.

horchend wundert ich mich, doch als ich hinzukam,
kannt ich Reineken stracks: er hatte Lampen beim kragen. 40, 8.

sie giengen dahin gewinn und gefahren
redlich zu theilen, doch müh und gefahr trug jener alleine. 40, 10.

Reineke hatte die worte gehört, doch fürchtet er klüglich
andere möchten noch neben dem boten im hinterhalt liegen 40, 22.

'glaubet ihm nicht', versetzte der könig, 'doch wenn er von stehlen,
lügen und rauben erzählet, da mögt ihr allenfalls glauben' 40, 82.

doch laszt uns
andere dinge besprechen: es sind gefährliche zeiten 40, 131.

doch ihr redet zu viel von allerlei dingen und könntet
mich zuletzt zum irrthum verleiten 40, 138.

ich sasz, die traurige nacht durch,
vor der stadt auf dem anger, die kasten und betten bewahrend:
doch zuletzt befiel mich der schlaf 40, 250.

mein fremder mann, als mensch bist du entzückt:
doch unter geistern scheinst du wohl verrückt 41, 132.

doch weh! ach weh! ein säbelhieb
sank schwer auf sein genick
Schiller 12b.

sie schläft so süsz! doch darf ich sie nicht schonen 26b.

und die luft auf jenen höhen,
o wie labend musz sie sein!
doch mir wehrt des stromes toben,
das ergrimmt dazwischen braust 48a.

und den mächtîgen suchten die schwachen,
und der streit zog in des Skamanders feld:
doch die schönheit war immer der gott der weit 50b.

denk ich, so bin ich. wohl, doch wer wird immer auch denken! 95a.

Alba. doch schien es noch vor kurzem,
als forderte das schicksal dieser länder
Don Carlos eigne gegenwart.
Carlos. wie so?
doch ja, ja recht: das war vorhin 258b.

[Bd. 2, Sp. 1203]



streng büszt ichs ab mit allen kirchenstrafen,
doch in der seele will der wurm nicht schlafen 443b.

spät kommt ihr, doch ihr kommt 331a.


Es wird auch noch aber, gleichwol zugefügt. a. ein junger doch aber verständiger mann. doch aber redeten sie inen tröstlich zu 3 Maccab. 4, 9. doch aber liebet ewre feinde Luc. 6, 35. dasz Philander von geburt und eltern zwar ein ingesessener Teutscher seie, doch aber aus etlichen ungebürlichen anzeigungen und newrungen widrigen verdachts ursach geben (gegeben) Phil. v. Sittew. 1, 133. doch aber at certe Stieler 4. vergl. DWB aber doch unter 8. b. wiewol wir nu itzt nicht frembder hülfe bedürfen und trost haben an gottes wort, doch gleichwol senden wir botschaft an euch 1 Maccab. 12, 10. und wie wol Witzel zur selben zeit seins stands halben ein bepstischer pfaff, seins lebens und wesens halben ein wster mensch war, thet er doch gleich wol on unterlasz groszen vleis bei dem pfarrherr zu Fach und wo er sunst kundt bei allen pfarrherrn, sie zu bewegen u. s. w. Alberus wider Witzeln G 1a. s. DWB dannoch gleichwol.
3. ist eine bestimmte beziehung auf das entgegenstehende nicht vorhanden, wird es nur im allgemeinen vorausgesetzt, so enthält doch blosz eine verstärkung des nachsatzes und kann, ohne dasz der sinn gestört wird, wegbleiben. es steht gewöhnlich in der mitte des satzes. und wär nit ein wunder das ein solicher mensch im selber feindlich wär, so er doch feindselig ist gott und allen menschen heszlich (verhaszt) Keisersberg Sünden des munds 25a. dann der der den neuwen mären nachhengt, dem würt sein herz zerströwt, so er doch zesamen gesamelt solt sein bei im selbs und aller ding vergessen 70a. beweiset ein mensch dem andern ein dienst, und danket im nit widerum, so verdreuszt es in. er spricht z im 'du möchst mir doch danken' 83b. und gedenkest 'das msz doch ein grosze kraft und vernunft sein dieses, der himelreich und ertreich enthaltet 89a. höret, lieber, was mir doch getreumet hat 1 Mos. 37, 6. da sprach der mensch 'das ist doch bein von meinen beinen und fleisch von meinem fleisch' 1 Mos. 2, 23. aber Isaac sprach zu inen 'warumb kompt ir zu mir? hasset ir mich doch, und habt mich von euch getrieben 26, 27. bin ich doch nicht gott der dir deines leibes früchte nicht geben will 30, 2. nim doch den segen an von mir, den ich dir zugebracht habe 33, 11. da antwortet Rahel und Lea und sprachen zu im 'wir haben doch kein teil noch erbe in unsers vaters haus 31, 14. 15. warum fragst du nach meinem namen der doch wundersam ist? Richter 13, 18. denn viel vermügen hilft doch niemand 1 Samuel 2, 9. warumb wiltu zu im? ist doch heute nicht newmond noch sabbath 2 Könige 4, 23. und die kinder Israel schmückten ir sachen wider den herrn iren gott, die doch nicht gut waren 17, 9. hab ich doch nicht verleugnet die rede der heiligen Hiob 6, 10. ist doch meine kraft nicht steinern, so ist mein fleisch nicht ehren 6, 12. zufellet doch ein berg und vergehet 14, 18. wie gar nichts sind alle menschen die doch so sicher leben Psalm 39, 6. aber menschen sind doch ja nichts 62, 10. ist doch der mensch gleich wie ein nichts 44, 4. und (die menschen) sind wie ein schlaf, gleichwie gras das doch so bald welk wird 90, 5. und vertilgeten sie doch die völker nicht, wie sie doch der herr geheiszen hatte 106, 34. bleibt doch der schnee lenger auf den steinen im felde, wens vom Libano herab schneiet Jerem. 18, 14. wir haben uns müssen Egypten und Assur ergeben, auf das wir doch brot sat zu essen haben klagel. Jerem. 5, 6. nu ruget (ruhet) doch alle welt und ist still Jesaia 14, 7. gedachtest du doch in deinem herzen 'ich wil in den himel steigen und meinen. stuel über die sterne gottes erhöhen' 14, 13. bistu doch unser vater 63, 16. sehe ich doch vier männer los im fewr gehen, und sind unverseert Daniel 3, 25. so denn ir, die ir doch arg seid, kund dennoch ewren kindern gute gabe geben Matth. 7, 11. bin ich doch teglich gesessen bei euch 26, 55. sie sprachen zu im 'herr, hat er doch zehen pfund Lucas 19, 25. herr, hast doch nichts, damit du schepfest, und der brunn ist tief Joh. 4, 11. was sol ich doch thun? quid igitur faciam miser? Maaler 91c. leugt man doch wol übers dritte land Henisch 720. so sich jemand laszt dunken er sei etwas, so er doch nichts ist, der betreugt sich selbs ders. mancher straft an einem andern das er doch selber nicht laszt ders.

die sorge macht mich alt, eh es noch zeit ist doch
P. Fleming 113.

die alte sollte sich doch schämen
die mannsperson mir zu entziehn
Gellert.

[Bd. 2, Sp. 1204]



verlier ich doch, so mächtig ich auch bin,
an dir den ruhm der gröszten zauberin ders.

wo ist er denn? o zeiget mir ihn doch ders.

Sal. es hört uns keine seele.
Nath. möcht auch doch
die ganze welt uns hören
Lessing 2, 275.

genug, dasz clamores horrendos ad sidera tollit ein erhabener zug für das gehör ist, mag er doch für das gesicht sein was er will 6, 392. aber mag mir doch geschehen was da will, ich kann mich unmöglich enthalten über die feine nasé des Scrivers eine anmerkung zu machen 8, 485.

mich haben sie zum schlächter auserkoren,
zum mörder meiner doch verehrten mutter
Göthe 9, 33.

ich habe doch kein blättchen meiner collectaneen, keine zeichnung, nichts hab ich bei mir 29, 118.

dort kommen schon einige wieder,
die den zug mit gesehen: er musz doch wol schon vorbei sein. 40, 235.

indessen musz der vater des sohnes entbehren,
der ihm zur ehre doch auch vor andern bürgern sich zeigte 40, 256.

sprech er doch nie von freiheit, als könn er sich selber regieren. 40, 293.

hat doch Achill auf Pherä sie gefunden
selbst auszer aller zeit 41, 132.

da hätten wir denn doch eine sonderbare epoche unter sonderbaren aspecten geschlossen Göthe an Schiller 167. übrigens ging er weg wie er gekommen war, ehe doch auch irgend nur ein gespräch sich eingeleitet hatte 347.

erwartet ihr doch schon von nichts als märschen
und batterien zu hören und attaquen
Schiller 331b.

Carlos. wenn man uns überfiele —
Marquis. man wird doch nicht. es ist sogleich geschehen 284a.

hätte sie (die versuchung) doch selbst
dem bessern mann gefährlich werden müssen 334b.

weil er die Sachsen schont,
beim feind vertrauen zu erwecken sucht,
das doch der einzge weg zum frieden ist 336b.


Gerne wird doch bei einer frage zugefügt, zumal wenn ein vorwurf darin liegt. es steht hier wie das lateinische tandem Dasypod. 315c. nun fragestu 'waz ist doch ein böser rath?' Keisersberg Sünden des mundes 57b. was sol ich doch dir nu thun, mein son? 1 Mos. 27, 37. wie kund ir doch harren bis sie grosz würde? Ruth 1, 13. was plagt ir doch meine seele und peinigt mich mit worten? Hiob 19, 2. was sollen doch wir dem heiligen manne, deinem gesellen geben? Tobias 12, 1. wie lange sol ich doch das panir sehen und der posaunen schall hören? Jerem. 4, 21. was mache ich doch? 8, 6. warumb gehets doch den gottlosen so wol? 12, 1. wie lang sol doch das land so jämerlich stehen? 12, 4. o du schwert des herrn, wenn wiltu doch aufhören? 47, 6. du, könig, dachtest auf deinem bette wie es doch gehen würde Daniel 2, 29. ach, wo kömpt doch das böse ding her? Sirach 37, 3. ir kleingläubigen, was bekümmert euch doch, das ir nicht habt brot mit euch genomen? Matth. 16, 8. da es aber tag ward, ward nicht eine kleine bekümmernis unter den kriegsknechten, wie es doch mit Petro gangen wäre Apostelg. 12, 18.

lauf hin zum blatner, thu in fragen
ob doch mein harnisch sei geschlagen
H. Sachs 3, 3, 70c.

warumb doch? quam ob rem tandem? Maaler 91c. Henisch 720. was sol ich doch thun? Maaler 91c. was ist doch das für ein ruhm oder ehrsucht? ders. ich fragte endlich meinen cammeraden was er doch für autores lese Schuppius 816. ich sahe einsmahls einen schwarzen menschen welcher im wasser stund und sich badete: zu dem sagte ich 'mein bruder, was beginnestu doch? mache den bach nur nicht trübe, du wirst doch darvon nicht weisz werden Olear. Lockmanns fab. 17. sie wird doch nicht tag und nacht beten? das will ich nicht hoffen Gellert.

seht was ich fand, ihr habts doch wol verloren? ders.

wie können sie sich doch ohne noth traurig machen? ders. die zimmer für ihn sind doch in bereitschaft? Lessing 1, 532. Sie hat doch wol kein recht daran? 1, 533. aber warum das alles doch so hübsch war? Göthe 18, 19.
Ebenso bei ausrufungen. wenn er mich doch in ruhe lassen wollte! ach dasz ich so verlassen bin! dasz er doch käme!

[Bd. 2, Sp. 1205]


dasz er doch reden wollte! wie weichest du doch so gern und fellest itzt da hin, itzt hie her! Jerem. 2, 36. das doch jemand hören wolte! aber ire ohren sind unbeschnitten, sie mögens nicht hören 6, 10. der schmerz ist doch gar zu grosz! Frisch 1, 200b. die zeit ist doch gar zu schlecht! ders. hätte ich doch nicht daran gedacht, dasz du so verliebt wärest! Gellert. hast du mich doch erschreckt, dasz ich beinahe die blumen verschüttet habe! Weisze.

ich besasz es doch einmal
was so köstlich ist!
dasz man doch zu seiner qual
nimmer es vergiszt!
Göthe 1, 111.

hab ich doch dich, Fernando! 10, 159.

ach gott! wie doch mein erster war,
find ich nicht leicht auf dieser welt den andern 12, 155.

wüszte doch ein und andrer vielleicht im kreis hier zu sagen
wo die schätze geblieben, und wie man Lampen getödtet! 40, 178.

hab ich den markt und die straszen doch nie so einsam gesehen!
ist doch die stadt wie ausgekehrt! 40, 233.

möcht ich mich dóch nicht rühren vom platz das.

was der junge doch fährt und wie er bändigt die hengste! 40, 234.

möcht ich doch auch, in der hitze, nach solchem schauspiel so weit nicht
laufen und leiden! 40, 235.

'ei doch!' sagte darauf der apotheker geschäftig,
'wäre mir jetzt nur geld in der tasche, so solltet ihrs haben' 40, 299.


Beim imperativ der oft eine bitte enthält. sihe, herr, keret doch ein zum hause ewers knechts 1 Mos. 19, 2. nein, herr, höre doch mich 23, 15. wen gehörstu an? das sage mir doch 24, 23. sage doch wie heiszestu? 22, 29. lieber, sage mir doch wo mit kann man dich binden? Richter 16, 13. sage ir doch das sie es auch angreife Lucas 10, 40. lasz doch die dirne einen tag oder zehen bei uns bleiben 1 Mos. 24, 55. er sprach aber zu seinen brüdern 'trett doch her zu mir' 45, 4. und sihe doch das dis volk dein volk ist 2 Mos. 33, 13. höret doch, ir kinder Levi 4 Mos. 16, 8. kom doch mit mir an einen andern ort 23, 13. sihe doch den zipfel von deinem rocke in meiner hand 1 Sam. 24, 12. thue auf; herr, deine augen und sihe doch Baruch 2, 17. ach, herr, gedenk doch das ich fur dir trewlich gewandelt habe 2 Könige 20, 3. lasz doch deine ohren aufmerken und deine augen offen sein Nehem. 1, 6. frage doch das vieh, es wird dichs leren Hiob 12, 7. schaw doch und erhöre mich, herr Psalm 13, 4. gott, schweige doch nicht also und sei doch nicht so still, gott, halt doch nicht so inne 83, 2. herr, neige deine ohren und höre doch. herr, thue deine augen auf und sihe doch: höre doch all die wort Sanherib Jesaia 37, 17. lieber, halt doch und lauf dich nicht so hellig Jerem. 2, 25. thut doch nicht solche grewel die ich hasse 44, 4. o du schwert des herrn, wenn wiltu doch aufhören? fare doch in deine scheiden 47, 6. erbarme dich doch über mich 2 Maccab. 7, 28. meister, strafe doch deine jünger Lucas 19, 39. bei Stieler lasz doch sein subsiste, intermitte, acquiesce. lasz mich doch zufrieden fac me missum, ne mihi molestus sis. komm doch veni. gehe doch abi. denkt doch einmal considerate, perpendite, judicate 322. lasz dich doch erbitten Frisch 1, 200b. höre weiter, aber zürne doch nicht Schiller 136.
Bei einem wunsch. ich möchte doch wissen wer es ist. hättest du doch dies gleich gesagt. das doch der herr, dein gott, hören wolte die wort des erzschenken Jesaia 37, 4. das doch die heiden erfaren das du unser gott seiest 2 Maccab. 1, 27. und wolt gott wir würden doch zu knechten und megden verkauft Esther 7, 4.

wüszte Martinchen doch nur dasz ihr sein wildpret verzehret.
Göthe 40, 40.

Ferdinand, dasz du doch wüsztest wie schön in dieser sprache das bürgerliche mädchen sich ausnimmt Schiller 184a.
4. das allein stehende doch erklärt Henisch durch sodes, obsecro, age 720. wie es scheint, hat man erst im 18ten jahrhundert angefangen doch, o doch als einfache bejahung zu verwenden. willst du mit deinen zarten händen die arbeit thun? doch, ich will es versuchen. du willst nicht kommen? doch! doch, herr wirth; das haben sie nicht gut gemacht Lessing 1, 532.

Klosterbr. dazu schweig ich lieber,
denn ich versteh den herrn nicht recht.
Tempelh. und doch! 2, 298.

[Bd. 2, Sp. 1206]


Sie scheinen zur entschuldigung des hn. Klotz zu glauben dasz man in dergleichen dingen nichts anders thun könne als zusammentragen. doch wohl; und wenigstens kann man als ein denkender kopf zusammentragen 8, 44. so hat er denn wohl von dieser widerlegung nichts gewuszt? o doch! er weisz sehr wohl dasz sie vorhanden ist 10, 176.

Al-Hafi. Ihr habt ja nicht verloren, Saladin.
Saladin. doch doch! bezahl, bezahl 2, 233.

H. nichts rettet mich. K. doch, sobald du menschlich fühlst und von blindem wahn dich nicht bethören lässest Klinger 2, 142. St. ich höre Sie sind nicht wohl: wie ists Ihnen? setzen Sie sich. S. doch, gnädige frau Göthe 10, 145. H. so früh haben Sie mich wol nicht vermuthet? K. o doch Kotzebue Dramat. spiele 3, 166.
Es. wird auch mit nachdruck verdoppelt. E. solcher väter gibt es keine mehr. Od. doch, meine tochter, doch Lessing 2, 188.

Tempelherr. Ihr kennt mich schon nicht mehr?
Klosterbr. doch doch! 2, 296.

F. ich will sehen ob du heiter bist. du bists nicht. L. doch doch, mein geliebter Schiller 184a. L. ich will es nicht hören F. doch doch, beste lady 191b.

Magister. was schwatzt da hinter uns? Sibylle. ein lexicon. Mag. wie eitel!

Sibylle. doch doch, mein herr.
Kotzebue Dramat. spiele 3, 4.

Joh. so würde ich meine gute mutter niemals wiedersehen? Obrister. doch doch! du würdest sie dann und wann besuchen 3, 309. K. wer denkt daran? doch doch! nur heraus mit der sprache 9, 334.
5. zu gleicher zeit fieng man an dem zur antwort dienenden ja ein verstärkendes doch anzuhängen, nur bei vertraulicher rede, wie man ja freilich sagt. ja doch omnino fiat Stieler 322. Frisch 1, 200b. ja doch denuo tibi hoc affirmo Frisch 1, 481b. ist es nicht der rechte? ei ja doch! Lessing 1, 539.

'wird sie lieben?' ja! 'und mich?' ja!
'mein sein?' ja. 'und bleiben?' ja doch!
'werden wir uns wieder finden?'
'ja gewis' 'treu wieder finden?'
'nimmer scheiden?' ja doch, ja!
Göthe 40, 392.

Marder. also in vollem ernst?
Marie. ja doch, ja!
Kotzebue Dramat. spiele 2, 328.


6. ebenso bei nein. nein doch minime, nequaquam Stieler 322. Frisch 1, 200b. Marwood. wenn Sie es denn befehlen, misz, so musz ich mich Ihnen — Sara. nein doch, Mellefont Lessing 2, 63. soll darum das arme mädchen in ein kloster gehen, weil der erste mann den sie kannte, ein nichtswürdiger war? nein doch! ich bleibe darauf, sie soll königin von meinen schlössern werden Göthe 8, 83. erster knecht. ich nehm die (rüstung). zweiter knecht. ich die. da ist noch eine schönere. erster knecht. nein doch! mach dasz du fortkommst 42, 148. L. ich bin eine bettlerin! W. o nein doch Schiller 200b.

Page. dasz Sie das rechte zimmer nur nicht fehlen!
Carlos. nein doch, nein! schon gut! 258a.

zuletzt, da schickten sie mir einen Kapuziner,
ich dacht es wär um meiner sünde willen:
nein doch, das war der mann mit dem
ich um die reiterpferde sollte handeln 333a.

das mhd. neinâ ist milder, wie etwa ach nein: es verbittet nur das gegentheil; vergl. Haupt zum Engelhart 5930 und zum Gottfried von Neifen 8, 3.
7. nicht doch abwehrend, zurückweisend, weniger bestimmt als nein doch. Wirth. ist es nicht der rechte? ei ja doch! Francisca. ei nicht doch! Lessing 1, 539. die mutter ruft dem kind zu 'nicht doch! tritt nicht auf die blumen.' 'da ist noch eine schönere (rüstung).' nicht doch! mach dasz du fort kommst Göthe 8, 115. Marder. er setzt mir ja das messer an die kehle! Gutmann. nicht doch, den strick an den hals Kotzebue Dramat. spiele 2, 341. nicht doch, ja doch, nein doch! mache mich der herr exschwiegervater nicht vollends confus 2, 344. Elise. ich bin in verzweifelung! Therese. nicht doch, nur dumme menschen verzweifeln 3, 224. Mutter. habt ihr schon geheimnisse? Pauline. nicht doch, wir sind ja noch nicht einmal verlobt 6, 147. Julchen. aber ich werde alles verderben. Cornaline. nicht doch, du sollst nur schweigen 8, 29.

Mann. den schönsten morgengrusz, mein weibchen, stör ich Sie?
Frau. nicht doch, ein lieber mann kommt nie der frau zu früh. 8, 124.

[Bd. 2, Sp. 1207]


Präsident. ich will meinen hasz an euerm untergang sättigen. Ferd. o nicht doch! seid auszer furcht. ich bin zugegen. Schiller 194a. am Rhein wird nicht doch aus höflichkeit gesagt, wo das entscheidende nein nöthig ist, fragt man ist der fremde angekommen, so erhält man zur antwort nicht doch.
8. in verbindung mit andern voranstehenden partikeln.
a. aber doch sed tamen Henisch 720. Schönsleder A. nihilominus tamen Stieler 322. doch sol er das brot seines gottes essen, beide von dem heiligen und allerheiligsten. aber doch zum fürhang sol er nicht komen noch zum altar nahen 3 Mos. 21, 23. wenn jemand unrein uber einem todten, oder ferne von euch uber feld ist, oder unter ewrn freunden, der sol dennoch dem herrn passah halten. aber doch im andern monden am vierzehenden tage zwischen abends 4 Mos. 9, 11. und umb deswillen ist uber dir der zorn vom herrn. aber doch ist was gutes an dir funden 2 Chronica 19, 3. gedenk aber doch des worts, das du deinem knecht Mose gebotest Nehem. 1, 8. er verlässet sich auf sein haus und wird. doch nicht bestehen. er wird sich dran halten, aber doch nicht stehen bleiben Hiob 8, 15. aber doch höre auf dis wort Jerem. 28, 7. was ist es aber doch? quid ergo est? Maaler 91c. ich glaub dasz dirs ein ernst sei, aber doch, wenn jemand so oder so vil gelts brächt, so wurd sichs wol schicken. aber doch steht solches bei mir Henisch 720. aber doch tröste und stärke ich mich difficile est, verumtamen me confirmo das.
b. nun doch! age! Stieler 322.
c. so doch wiewol, obgleich, wenn auch, wie da doch, weil doch; vergl. 3. beispiele von doch quamvis im ahd. und mhd. bei Graff 5, 69 und Ben. 1, 376. 377, wo auch die correlation doch — doch quamvistamen in gebrauch war. also stoszestu dein zung auch in den treck der wüsten schamperen wort die du redest, so doch gott dir die geben hat darumb das du in loben soltest Keisersb. Sünden des munds 82a. wenn nu der herr dein gott sie (die Enakskinder) ausgestoszen hat fur dir her, so sprich nicht in deinem herzen 'der herr hat mich erein (herein) gefüret das land einzunemen umb meiner gerechtigkeit willen, so doch der herr diese vertreibt fur dir her umb ires gottlosen wesens willen' 5 Mos. 9, 4. ergreife ihn, weil der weg so ferne ist und schlage im seine seele, so doch kein urteil des tods an im ist 19, 6. spracht ir zu mir 'nicht du sondern ein könig sol uber uns herrschen', so doch der herr ewer gott ewr könig war 1 Samuel 12, 12. so ir aber komet auf list und mir wider zu sein, so doch kein frevel an mir ist 1 Chronica 13, 17. und sprach 'die götter der könige zu Syrien helfen inen, darumb wil ich inen opfern, das sie mir helfen', so doch dieselben im und dem ganzen Israel ein fall waren 2 Chronica 28, 23. so du doch weiszest wie ich nicht gottlos sei, so doch niemand ist, der aus deiner hand erretten müge Hiob 10, 7. was trotzestu denn, du tyran, das du kanst schaden thun? so doch gottes güte noch teglich wehrt Psalm 52, 3. wie meine hand funden hat die königreiche der götzen, so doch ire götzen sterker waren denn die zu Jerusalem und Samaria sind Jesaia 10, 10. es wird friede sein bei euch, so doch das schwert bis an die seele reicht Jerem. 4, 10. und niemand entsatzt sich, noch zureisz seine kleider, weder könig noch seine knechte, so doch alle diese rede gehöret hatten 36, 24. wie thürt (dürft) ir sagen wir sind die helden und die rechte kriegsleute? so doch Moab mus verstöret und ire stedte erstiegen werden 48, 15. warumb mus ein tag heiliger sein denn der ander, so doch die sonne zu gleich alle tage im jar gleich macht? Sirach 33, 7. und gab im schuld das er trachtet herr im lande zu werden, so er doch der stad alles guts that 2 Maccab. 4, 2. und ward ubel zufrieden das er nicht solt glauben haben, so doch Judas nichts verschuldet hette 14, 28.
 
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docht, s. DWB dacht.
 
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dock, n. docke f. ein ausgemauerter, mit schleusen versehener wasserbehälter in einem hafen, um darin schiffe zu bauen und auszubessern, auch hafendocke, werftdocke, hafenwerft, schiffwerft, schiffholm, franz. bassin, forme. engl. dock, schwed. docka, dän. dokke. es bezeichnet zuerst die gemauerte einfassung des wasserbehälters und dann diesen selbst, wie das ital. doccia (bei Dante) einen graben, canal bedeutet. auch daube und dauge (s. oben) ist dasselbe wort. docken, das loch des ablasz, vulgo das fischheuslen, fauces emissarii Henisch 721. die docken ziehen obduramentum emissarii excutere das.

[Bd. 2, Sp. 1208]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) dock, m. der dück est certa species piscium in Danubio Abraham a. S. Clara. die docken in der Altmühl zu fangen ist durch die anspach. fischordnung von 1733 verboten; s. Schmeller 1, 357. in einer beschreibung der rheinfische (Simrock Rheinland 280) wird die forelle herzog genannt, weil sie rothe flecken auf der haut hat, sollte daher die französische benennung duc gekommen sein?
 
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dock, m. geflecht von schmalen streifen aus dünnem, mit seidenfäden durchzogenen gold- oder silberblatt. sechzehntens soll empfangen die mutter gottes vom guten rath sechs neue maibüschel von gold und silber dock Pfarrer Tröstegotts testament in Buchers werken 4, 281. zween hilzine engel welche die kron ab unser frauen in einer guldin pind oder dokh halten. zwei von guldem dokh gemachte sternhiet mit langen spitzen und radiis, ein von guldem stuckh ausgeschnites underschirzel, mit silbern dokh eingefaszt und gut silbern schnierln premt von seidenstikher arbeit, als von harschniern, gulden und silbern dokh gestikhten rösln Anordnung zur fronleichnams-procession von 1580 in Westenrieders beiträgen 5, 124. 160. 164. 169; s. Schmeller 1, 356. vergl. DWB docke 4.
 
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döckchen, n. wie döcklein dimin. von docke, püpchen. da heiszts recht 'von auszen beglissen! sie geht wie ein döckchen und ist doch so nackigt dasz' — Chr. Fel. Weisze Komische opern (1768) 2, 174. Eva in der ungestörten blüte weiblicher schönheit und gebaut wie ein döckchen Thümmel Reise 4, 92. s. weihnachtsdöckchen. uneigentlich sagt man in Thüringen und Sachsen für ein gebind garn, weil es wie eine puppe aussieht, ein döckchen garn, s. DWB docke 4.
 
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döckchenzwirn, m. der feinste döckchen- und lotzwirn fila neta subtilissima Stieler 2663. s. dockeleinsflachs.
 
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docke, f. pl. docken, hat mehrere, scheinbar weit von einander abstehende bedeutungen.
1. puppe, lat. pupa, pupula, franz. poupée, was man jetzt lieber gebraucht, nachbildung eines kindes vom wickelkind und wiegenkind bis zu dem erwachsenen. meist sind es weibliche figuren die man kleinen mädchen zum spielen gibt. doch wurden der dattermann (s. oben) und hampelmann, reiter, soldaten, pferde und dergleichen, die man knaben schenkt, auch docken genannt: in den Prager glossen (Haupts zeitschrift 3, 476b) findet sich tochâ simulacrum puerorum, dem latein. pupulus entsprechend, und in Schwaben sagt man dockenmann, dockenhansel Schmid 130, auch dockengaul 131. ebenso wird bei glieder- oder drahtpuppen kein unterschied zwischen männlichen und weiblichen gemacht, wiewol das französische marionette ein dimin. von Marie ist, also ursprünglich eine weibliche bezeichnet. man macht die docken aus holz, wachs, aus gewickelten ausgestopften lappen mit zierlicher kleidung, oder aus irgend einem andern geeigneten stoff wie aus zucker, kuchenteich, zumal aus pfefferkuchenteich, pfeffertocke Bernd Deutsche sprache in Posen 207. man macht puppen die sich bewegen, die glieder ausstrecken, die augen öffnen, schreien. die sitte geht in uralte zeiten zurück, die Ägyptier hatten puppen (Revue archéologique 2. livr. 12), bei den Indiern werden solche aus elfenbein in einem ihrer ältesten werke erwähnt (Schlegel Indische bibliothek 1, 139), die Griechen hatten ἀγάλματα νευρόσπαστα bewegliche gliederpuppen, die römischen mädchen spielten damit und opferten sie, wenn sie erwachsen waren, der Venus. simulacra de pannis werden in dem indiculus superstitionum erwähnt: man könnte darin bilder von kleinen geistern sehen, von elben, alraunen, welche glück brachten, geneigt und hilfreich waren. vielleicht gehört hierher die Hollepöpel, wovon Eccard (Francia orient. 1, 436) bei erklärung des indiculus spricht, ein kindergespenst, das man in Franken kennt und das sich, wie Hollepeter, auf die frau Holda zu beziehen scheint; s. Deutsche mythologie 473. dazu kommt dasz in der Schweiz (Stalder 1, 287) der alp (incubus) tocki doggi, toggeli doggeli heiszt, dann auch der schmetterling, den wir als ein elbisches wesen kennen; vergl. Deutsche mythol. s. 789. ja die weitere, in der Schweiz geltende bedeutung von einem häszlichen menschen mit zerrissener kleidung läszt sich daraus erklären, dasz der alp auch häszlich gedacht wird und das zerlumpte kleid einer puppe zugehören kann. das ahd. tochâ (Graff 5, 364) und das mhd. tocke bis zum 14ten jahrhundert kommt nur in der bedeutung von puppe vor. in dem 15ten jahrh. und in der folgezeit schreiben einige dock, wie Gemma gemmarum, Alberus Nov. diction. U iij und Dasypod. 315b. dock, tock Vocab. theut. von 1482 fia und gg 5b. dock, docke Stieler 322. daneben auch docken, tocken Vocab. von 1445

[Bd. 2, Sp. 1209]


und von 1470 bei Diefenbach 218, auch Vocab. incipiens teut. x 4. bair. dockng und docke Schmeller 1, 356. östreich. dockn Castelli 111. in der Schweiz docke Stalder 1, 286 und die zusammensetzung tockababa (dockenbarbara) Tobler 141. Frisch 2, 375a hat tocke und docke, auch Steinbach 1, 279. 2, 819. jetzt schreibt man nur docke. niederd. dokke Brem. wörterb. 1, 222. schwed. docka. dän. dukke.

des burcgrâven tohterlîn
diu sprach 'nu saget mir, frouwe mîn,
wes habt ir im (dem gast) ze gebne wân?
sît daz wir niht wan tocken hân,
sîn die mîne iht schœner baz,
die gebt im âne mînen haz:
dâ wirt vil wênec nâch gestriten' Parzival 372, 15—21.

er drucktez kint wol gevar
als ein tockn an sîne brust 395, 23.

daz kint sprach 'liebez veterlîn, nu heiz mir gewinnen
mîn schrîn vollen tocken, swenn ich zuo mîner muomen var von hinnen
Wolframs Titurel 30. Jüng. Tit. 655.

kumt mir minn, wie sol ich minne getriuten?
muoz ich si behalten bî den tocken? 64. Jüng. Tit. 697.

mîner tohter tocke
ist unnâch (bei weitem nicht) sô schœne
Wolframs Wilhelm 33, 24.

Friderûn als ein tocke
spranc in ir reidem locke
Neidhart 52, 4 Ben.

dû (Bêaflôr) wære noch in der jugende,
daz man dich mit den tocken
billîch noch solde locken Mai 176, 1.

dô wart si liehte des enein
daz sie im seite mære
wie schœne ir locke wære
Rudolfs Wilh. v. Orlens 3801.

ir zwô niht wâren træge, sie lernten [rîchiu wort ze] sprechen wilde.
diu dritte was ze kleine ze solher kunste,
den tocken truoc si holden muot mit gunste Jüng. Tit. 468.

daz ich dich, herre, wâgete nâch kindes tocken ziere,
durch reht mich des betrâgete 1203.

alsam diu kinder spilent mit den tocken 1370.

des ein kleiniu tocke
bedarf, daz wart nit funden keiner genze 3480.

ist er alsam (unerschrocken) in strîte,
sô fürht er einen man wol sam ein tocken (gar nicht) 5560.

die jungen knappen zuo uns locken,
die füegenz uns baz dan tôte tocken Renner 12489.

und ein alter jud hat getragen ein eingewickelte tocken, und vorn daran ein guldins plech. da täten die juden die tocken auf und wolten sie der kunigin zu küssen haben gegeben, sie wolt aber nicht Westenrieder Beiträge 3, 128 zum jahr 1476. diese sind nicht bischove sondern götzen, tocken, larven und wunder des zorns gottes Luther 2, 19a. das ir (fürsten) euch selbs fr eitel tocken und puppen haltet 4, 441a. als eine braut zur hochzeit, oder eine tocke zum hohen fest gezieret 5, 209b. und mit den gülden spielen wie die megde mit den tocken 5, 412b. unseren kindischen docken gottesdienst, dasz wir eben mit gott und sein heiligen spilen, wie die kinder mit iren docken und poppen S. Frank Chronik 200. und was ists wunder, dasz die weiber so fein wissen mit ihren ehegetrauten umbzugehn, demnach sie es doch von jugend auf mit docken und puppen spilsweis also gewohnen dasz sie nachgehends in der ehe auch solche poppenspiel mit ihren ehegepareten üben Fischart Garg. 74a. wie Mose im anfang des sechsten capitels meldet, da kram und tock, schaub und rock, braut und breutigam in der sindflut zu grunde sank Mathesius. kinderspiel und kurzweil, docken und dergleichen Junius 233b.

das sie nicht müszig auf der dieln
umblaufen und der tocken spiln
Ringw. l. w. 289.

ich musz zu meiner mutter laufen,
die wird mir ein schön docken kaufen:
mit derselben ich spilen musz
Ayrer Opus theatr. trag. 250b.

für tocken specerei, für nadeln helfenbein
(bringt man aus Indien)
P. Fleming Poet. Wälder.

dein titel stellt uns vor
dasz du, wie du dich schreibst, nur eine dock und thor.
Gryph. 2, 474.

die aus tragantzeuch gemachte docken Comenius Orbis pictus 2, 416. wächsene bilder, kleine götzle Henisch 721. mit den docken spielen pupis lusitare, sc. illis oblectari, ut solent infantes das. das mensch (mädchen) spielt noch mit docken Stieler 323. gedrechselte docken pupae torno elaboratae Steinbach 1, 279.

doch laszt euch auch nicht bei der tocke
und schon im flügelkleide frein
Günther 439.

und nimmt man andern theils ein dreizehnjährig kind,
so sieht man dasz ihr oft die tocken lieber sind 468.

[Bd. 2, Sp. 1210]



den kindern hält mans gern zu gute
die ohne klügre einsicht sind,
wenn ihre hand mit steiferm muthe
geputzte docken lieb gewinnt
Stoppe.

und alles ruft 'er sitzt zu pferd wie eine docke' so steif, fest.
Kotzebue Dramat. spiele 8, 133.

die buben haben lust zu reiten und zu kriegen,
die mädchen zu docken und zu wiegen
Simrock Sprichwörter nr. 1369.

in Östreich sagt man die ist aufgeputzt wie eine docke Castelli 111; auch in Thüringen. in Schwaben wies döckle ausm laden Schmid 130. niederd. se is so wakker as ene dokke, dat is ene regte dokke vam kinde, dat kind sut uut as ene dokke so artig, so hübsch Brem. wörterb. 1, 222. sprichwörtlich ist die redensart eine docke ist nicht ein kind nicht wirklich ein kind, nur ein schein, eine teuschung.

ein biderbe herre gedenken sol,
swenne man im sprichet wol,
'ist aber wâr daʒ ener (jener) seit?
liugt aver er, sô sî im leit
daz in der lôser (der falsche schmeichler) triegen wil
mit sô getânem tocken spil (nichtigen vorspiegelungen):
wan dar nâch zeiner andern frist,
swenner von im komen ist,
sô erzeiget er vil wol
daz man niht wænen sol
daz ein tocke ein kint sî.
daz erzeigt er wol dâ bî
daz er die tocken birget gar (die verstellung aufgibt)
und saget danne für wâr
daz ener sî ein bœse wiht Wälscher gast 3601—3615.

mit den docken, der docken spielen wird nicht blosz in eigentlichem sinn genommen, es heiszt auch etwas leichtes, geringes thun, wobei kein ernst ist.

nu het ouch vil der mâsen
diu veste Oransche enphangen
mit würfen und mit mangen
und von den drîbocken.
sine spilten niht der tocken:
ez galt ze bêder sît daz lebn
Wolframs Wilh. 222, 14—19.

so auch ein spiel mit docken was nichtig ist, keinen werth hat.

der werlde freude ist ein tocken spil
Türleins Wilhelm 16a.

swaz ieman under harnasch kan gestrîten,
daz ist ein spil mit tocken Jüng. Titurel 1548.

wie dirre strît ein spil der tocken wære 4533.

mit einem der docken spielen sich gegen jemand verstellen, ihn äffen, listig, mit falschheit behandeln.

als der tocken spilt der Walh mit tiutschen fürsten
Sigeher MS. 2, 220a.

fleischlich gelust kan uns zuo locken
und spilt als lange mit uns der tocken Renner 9783.

ich glaub sie sind nit wol bei sinnen,
wölns die stat (Jericho) mit trometen gwinnen:
sie spielen nur mit uns der docken
H. Sachs 3. 1, 26b.

unzüchtige bedeutung hat das wort in einem lied das dem Neidhart beigelegt wird, doch nicht von ihm herrührt,

und sie gar schôn wart scherzen mit mîner tocken. MSHag. 3, 308b.

was heiszt es aber in folgender stelle?

frouwe, ich habe iuch beide offenlîch und tougen
al dâ her gebeten umb iuwer minne,
nu slâhent iuwer tocken in diu ougen,
sît ir hânt gegen mir sô herte sinne
Buwenburg MS. 2, 180b.

laszt euern hasz an euern docken aus?
2. junges mädchen, puella, puellula. eine puppe gilt für etwas artiges, hübsches, zierliches, daher konnte docke leicht von einem jungen mädchen gesagt werden, das man loben wollte, und so bezeichnet es in der Schweiz ein solches niedlich aufgeputztes Stalder 1, 286. in der zweiten hälfte des 13ten jahrhunderts, wo diese übertragung zuerst vorkommt, war docke ein sehr rühmlicher ausdruck, jetzt wird er nur 'halb scherzhaft, auch fast geringschätzig gebraucht.

dô hiez mich zuo dem grâle ein tocke wunschelbernde. Jüng. Tit. 5169, 1.

Hug v. Langenstein redet die hl. Martina an

dû himelischiu tocke 24b.

Pâraklisen, die bluomen tocken,
sach man dâ ûf sitzen
Joh. v. Würzb. Wilh. v. Östreich 45a.

den (helm) het der sælden tocke
in ir schôʒ gesetzet 63b.

[Bd. 2, Sp. 1211]


bildlich in einem lied, das dem Neidhart fälschlich beigelegt wird,

o Rînstrôm, swer dich hât erkant,
du bist der fröuden tocke MSHag. 3, 308a.

traute schöne tocke,
du liebst mir mit dem zipfel
an dem rocke
Wolkensteiner 62, 1.

so, du vil liebe docke,
wes leistu hie bei dem knechte
in deinem roten rocke Fastnachtsp. 488, 11.

denn das weib ist eine hübsche tocke anzusehen Luther 4, 269a. so haben sie sich one zweifel herfür gebutzet, das sie auch hingangen sein, wie hernach zu Davidis zeiten die gottlose welt rühmet, wie die ausgebutzten tocken Mathesius Sarepta 9a. wie denn vil patriarchen söne sich der weltpracht und augenlust verfüren lieszen, da sie nach der welt schönen tocken sich umbsahen 10a. es hilft auch die schönen tocken nicht, das sie iren hals ausgestreckt haben wie die hirschen, und mit euglein um sich geworfen 10b.

im inren gmach wonts kunigs zarte dok,
bekleid mit guldnem rok
Melissus Psalme T 7a.

und in dem augenblick verschwunden
vor mir die auserwelten docken die neun musen.
H. Sachs 2. 2, 53b.

ein schöne docke
pranget mit ihrem rocke,
kann einen wol zum trunk locken.
ist ein guter wein in einem grünen glas
Henisch 721.

gott grüsz mir die im grünen rock
die schönst und allerfreundlichst dock.
Hoffmann Gesellschaftslieder 7.

gott schütz mir die im braunen rock,
weil sie mir ist die liebste dock 20.

auserwehlte docke 42.

der edle saft vom rebenstock,
die musik und ein schöne dock
freuen des menschen leben 126.

die töchter saszen und näheten, zu denen sprach Vulpia (die mutter) 'stehet auf, ihr docken, und empfanget mir disen herrn' Ettner Unwürd. doctor 333.

ist ihm nicht mehr vergönnt zu küssen eine docke
die ihre freche stirn mit thürmen (hohem haarputz) überhäuft,
so thuts ihm ja so wohl, wenn er nach einer greift
mit schlecht geflochtnem haar und aufgeschürztem rocke.
Caniz 113.

was man gratien genannt,
sind blosz verführungsdocken
Günther 312.

schone
söhne
und die docken,
die am rocken
fein abspinnen
und die zeit mit kunst gewinnen
Rabner bei
Gellert 5, 90.

zerbrichst du sie, die schöne docke,
so nimm die oberhälfte dir
Lessing 1, 211.

(es würde) kein horn die neubegier
der geschminkten bleichen docken
haus für haus ans fenster locken
Gökingk 3, 65.

s. DWB döckel und in zusammensetzungen engeldocke. gaukeldocke. pfefferd. polsterd. putzd. sommerd. wünscheld.
3. ein meist walzenförmiges stück, ein klotz, zapfen, eine kleine seule, gewöhnlich von holz; vergl. Schmeller 1, 356. in dieser bedeutung kommt das wort zuerst gegen die mitte des 14ten jahrhunderts bei Jeroschin vor

ouch wart er andersît gewar
daz der blîdin meister steic
und ûf in die hôhe kreic
zu bezzirne ich weiz nicht waz;
und als er ûf die tocken saz,
Heinrîch nam sîn gemerke
von des armbrostis sterke,
und mit einem pfile bant
zu der blîdin im di hant s. 233.

nähere bestimmungen erhält es in technischen bedeutungen, die Frisch 2, 375a zum theil zusammenstellt.
a. in bergwerken heiszen docken die hölzer welche an beiden seiten der trift d. h. des baumes hangen, der quer durch die spindel geht, welche in der mitte des göpels aufgerichtet ist und zum umtreiben einen schwung gibt; vergl. Frisch 1, 340a. 2, 375a. 384a.
b. in schmelzhütten zwei hölzerne seulen, zwischen welchen der schmel des eblasebalgs auf und nieder kann bewegt werden.
c. bei den drechslern sind docken oder dockenspindeln zwei eiserne seulchen am drehstuhle, zwischen welchen das holz, oder was man sonst drechseln will, eingespannt wird.

[Bd. 2, Sp. 1212]



d. bei den strumpfwirkern die beiden eisernen stützen, welche auf den beiden balken des strumpfwirkerstuhls hinterwärts eingelassen sind Campe.
e. bei den schreinern die starken stücke holz zu den seiten der gestühle, franz. mandrin, engl. manderil; vergl. hohldocke. dockenstöcke.
f. bei messerschmieden ein dünnes, vierseitiges eisen in dem amboszklotz mit einem loch, die messerklingen einzunehmen, wenn man den absatz daran schlagen will Adelung 1, 1508.
g. schlosser nennen stücke gestähltes eisen von mancherlei gestalt welche sie in den schraubstock spannen, um allerlei zierraten darauf auszutiefen, nicht nur untersätze sondern auch docken Adelung.
h. an leiterwagen das starke kurze holz das unten in der achse oder in einer eigenen rungschale steckt, und woran sich die wagenleiter lehnt, das bockholz, die runge, wagenrunge, in Süddeutschland die leiste, die stammleiste, in Östreich die küpf Adelung.
i. seulchen, stollen, figuren an einem geländer, geländerdocken, zumal bei treppen, franz. balustres. s. DWB dockengeländer.
k. zapfen, schlegel in den fischteichen, obturamentum piscinae, epistomium canalis quo aquae effluunt Frisch. die docken ziehen fauces emissarii aperire, obturamentum emissarii excutere Henisch 721.
l. brustwarze, zitze, papilla. dock puppa oder buff oder duttenspitz Voc. theut. 1482 fia. pupa ein dock, bup Dasypod. 199b. dock, buff, docken, poppe, duttenspitz rusticano Henisch 721. der pl. buben ist schon oben (2, 461) durch mammae erklärt. in der Schweiz ist puff buff ein durch kunst erhöhter weiblicher busen Stalder 1, 239.
m. das hämmerchen von holz in saiteninstrumenten, das bei dem anschlag der tasten aufspringt, die saite anrührt und bewirkt dasz sie ertönt, der tangent; vergl. dockenstempel.
n. in der Schweiz ist docka auch ein pfropfreis Tobler 141.
o. s. drehdocke.
4. ein bündel, etwas zusammengewickeltes, gedrehtes, geflochtenes, geschnürtes. daher ein spinnrocken, strang von gesponnenem flachs, wolle, seide, franz. écheveau; s. DWB döckchen. nach Calepinus manipulus lanae vel lini aut canabis qui ex colo pendet et fuso trahitur 1046. fries. dok ein bündelchen Outzen Fries. glossar 45. isländ. docka spira linea ein kleiner strang garn Biörn 146. schwed. docka mensura serici filamenti Ihre 331, dän. dukke. bei den jägern zusammengewickelte schnüre, das zusammengewickelte hängeseil. daher abdocken seile abwickeln; vergl. aufdocken. in den tabacksfabriken ein bündel trockner tabacksblätter, ein halbes pfund schwer. in der Schweiz werg, so viel man mit beiden händen umfassen kann Tobler 141. in Niedersachsen ein strohbündel das zwischen die fugen von dachziegeln oder schindeln gesteckt wird, damit der regen nicht durchdringe Brem. wörterb. 1, 222. Schütze 1, 228. in Baiern ein haufe von über einander gelegten feldfrüchten. acht bis zehn garben übereinander machen eine docken, hundert docken einen schober. man sagt das getreide in docken stellen Schmeller 1, 356. s. DWB dock m. und docken verb.
5. die zeitlose, colchicum autumnale Schmeller 1, 356. die zarte lillafarbige blüte kommt im herbst voraus ohne alle blätter und wird auch nackte jungfer genannt. docke wird also hier so viel als zierliches mädchen bedeuten. vergl. dockenkraut. wasserdöckelein.
6. da docke am frühsten mit dem begriff von imaguncula erscheint, so ist man geneigt diesen für den ursprünglichen zu halten, auch hat sich eine angemessene erklärung ergeben. gleichwol ist auch die bedeutung von klötzchen zu berücksichtigen, da sie ausgebreiteter, und in so manche andere, damit sichtbar verwandte, nähere bestimmung enthaltende übergegangen ist. der begriff von puppe läszt sich leicht daraus ableiten wie der von bündel aus puppe. die ältesten puppen mochten aus roh geschnitzten stückchen holz bestehen, wie die kinder noch jetzt am liebsten damit spielen: oder man umwickelte das holz mit lappen und bildete damit die kleine figur. erst im 13ten. jahrh. bei Wolfram ist von der schönheit der puppen die rede, und dann erst konnte docke ein schmeichelnder ausdruck für ein junges mädchen sein. eine genügende ableitung des worts läszt sich nicht angeben. möglich dasz das mittellat. docarium trabs lignum bei Ducange damit zusammenhängt, wenn aber dieses und mithin docke von dem griechischen δοκός abstammen soll, so streitet die mangelnde

[Bd. 2, Sp. 1213]


lautverschiebung dagegen, weshalb auch das von Schmid angeführte δαγύς wachspuppe, der zauberer, nicht zulässig ist.
 
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docke, f. mütze, haube, geschmückte kopfbedeckung für männer und frauen, span. toca, portug. touca, franz. toque. Diez Roman. wörterb. 346 leitet es von dem kymr. toc (m.) mit gleicher bedeutung. das wort ist im anfang des 14ten jahrhunderts aus dem romanischen herübergenommen, es müszte schon ein jahrhundert früher geschehen sein, wenn folgende stelle, die in einem lied von Neidhart vorkommt, echt wäre; die strophe, die keinen zusammenhang zeigt, steht aber in keiner alten quelle.

siht aber ieman jenen (dörper) mit der vêhen tocken?
die tregt er ûf der hende (damit zu prahlen) und klopfet ûf sîn niuwez swert MSHag. 3, 245b.

hurtâ! wie von den wappen
die knappen wurden grappen
nâch den tiuren tocken
Joh. v. Würzb. Wilh. v. Östreich 67a.

der helm (des heidnischen ritters) het oben ein bant
guldîn, dar inne ein jochant
ûf dem wirbellocke;
er saz rehte als ein tocke Heidin in
Roths gedichten des mittelalters 121, 114.


 
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docke, f. s. DWB dogge.