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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bis dach (Bd. 2, Sp. 641 bis 663)
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[Bd. 2, Sp. 641]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) D
1. D vermittelt den dünnen und scharfen laut T mit dem gehauchten TH. es nimmt in dem griechischlateinischen alphabet den vierten platz ein zwischen Γ und Ε oder C und E: in dem nur aus sechzehn buchstaben bestehenden altrunischen, das eine eigene sehr verschiedene ordnung hat, kommt es nicht vor, da ihm Þ und T genügt; jenes hat die dritte stelle, aber zwischen U und O. dasz unter Þ nur die aspirata gemeint sei, ergibt sich aus den namen þurs und þorn. indessen hat D in der gothischen, althochd., nordischen und angelsächsischen sprache, soweit die denkmäler reichen, niemals gefehlt, zumal die media der mittelpunct des consonantismus ist: dem engern runenalphabet genügte die bezeichnung der zwei entgegengesetzten laute. das gröszere runenalphabet hat aber ein zeichen für die media zugefügt: in dem nordischen besteht es aus einem punctierten T (), in dem angelsächsischen nicht eben geschickt aus zwei gegeneinandergekehrten Þ (). da die ahd. sprache das gothische Þ aufgegeben hatte und dafür D setzte, mithin durs und dorn zu schreiben war, so entstand in dem deutschen runenalphabet ein misverhältnis bei der rune Þ: man behielt entweder das zeichen bei, setzte aber dorn hinzu, liesz sie also für die media gelten, wie in dem Sangaller alphabet (Deutsche runen taf. 2), oder man nahm das spätere zeichen , wobei dann der name durs oder dorn hätte lauten müssen, schrieb aber, für diese zeit unrichtig, thorn (taf. 1).
2. die abstufung der laute hat sich bei den lingualen fester erhalten als bei den andern stummen consonanten. die lautverschiebung stellt sich folgendergestalt dar, med. ten. asp. griech. D T TH goth. T Þ D ahd. Z D(DH) T. wir haben es hier nur mit der media zu thun. das mhd. behielt im anlaut und inlaut die ahd. regel bei, wandelte dagegen im auslaut, wo sie keine media duldete, D in T. im nhd. kam die auslautende media wieder zum vorschein. wir müssen dies verhältnis und die einzelnen abweichungen davon näher betrachten.
3. während im ganzen der mhd. unterschied des anlautenden D und T im nhd. festgehalten wird, zeigt sich doch in einzelnen fällen ein D für T oder ein schwanken zwischen beiden, auf welches das niederd. mag eingewirkt haben. man schreibt docht und tocht, wie im ahd. und mhd. dâht und tâht ellychnium vorkommt. heute gilt dichten, dunkel, wie schon bei Dasyp. 314c. 242a, während Luther noch tichten tunkel beibehielt. Maaler tunkel 411c, aber dichten 89c. Simpliciss. noch tumm 1, 23. 27, sogar noch bei Bodmer, Breitinger, aber schon bei Dasypod. dumm für das mhd. tump. ebenso allgemein düngen für das mhd. tungen. man schreibt dätschelen und tetschelen, delben und telben, dengelen und tengelen, deutsch und teutsch, dälle und telle, dappe und tappe, danten und tanten, dadern und tadern, dauern und tauern u. s. w. dieses schwanken begann schon im 14ten jahrhundert, in der Theologia deutsch ist vordilgen neben vertilgen s. 70 zu bemerken, wie auch Keisersberg Bilger 48a uszdilcken schreibt. es steigerte sich vom 15ten bis zum 17ten, wo die regel wieder zum vorschein kam. bei Brant, der den übergang des 15ten in das 16te macht, tritt es am deutlichsten hervor; es wird am besten sein aus dem Narrenschiff, von welchem wir in Zarnkes ausgabe einen sichern text besitzen, beispiele zu wählen. bei einigen wörtern braucht er D allein, bei andern zieht er es vor. dapfer 13, 17. 73, 26. 77, 75. dapferlich 5, 21. dag neben tag 88, 21. 112, 25. danz 61, 2. 6. 26. 33. 34. 72, 11. vordanz 72, 33. 85, 92. danzen 61, α. 19. 21. 27. 85, 89. däsch (tasche) 80, 19. deilt 85, 81 und uszteilen 103, 48. deller 100, 11. 28 und teller 110a, 85. 130. 140. disch 69, 26. 71, 15. dor 85, 45. 111, 1. 52. doren 52, 10. 82, 63. 85, 11. dorheit 47, a. 67, 50. 80, 2. 85, 119. 111, 15 und tor 46, 27. 66, 118. torheit 100, 23. 104, 18. dot 5, 7. 56, 69. 66, 103. 72, 7. 85, 4. 14. 24. 35. 41. 51. 53. 75. 94, 4. 5. dotschlag 56, 64. dotsprung 85, 31 und todt 83, 98. todes strick 83, 109. tötlich 85,

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5. douber 95, 51 und toub 61, 3. dür (theuer) 4, 14. drank 108, 77. 80. drinken 63, 86. 66, 88. 90. 81, 23. 82, 54. 102, 18. 110a, 100. 103. 108. drunk 81, 33. 110a, 110. drunken 66, 87. 72, 32 103, 25. gedrunken 85, 18. erdrinken 108, 90. drinkgeschirr 110a, 109. jedoch trink 69, 29 und ertrenken 98, 31. dritt 100, 27. dube 110a, 96 und tub 57, 18. dch 98, 22 und tch 102, 33. brustdch 4, 17. dugentrich 107, 40 und tugent 8, 24. d imperat. 21, 29. dn 70, 16. 73, 94. 95, 11. 102, 92 und tn 18, 14. 17, getn 79, 11. dt 3, 14. 65, 70. 67, 42. 69, 1. 75, 50. 78, 12. 79, 33. 82, 42. 83, 7. 84, γ. 96, 1. 7. 8. 110b, 74. dnt 4, 11. 19, 37. 73, 88. 81, β. 27. 30. 82, 38. 87, 12. 91, 28. det dett 16, 43. 66, 149. 67, 60. 101, 23. 110a, 173. dät 77, 45. dätten 72, 88. düg präs. conj. 95, 35 und tüg 33, 80. verdt 67, 22 und vertnt 98, 31. getan, geton Protest. 28. 41, 32. aber auch schon das heutige TH, thn 56, 26. 79, 11. 90, 11. 82, 55. 92, 80. 81. 84. 93, 19. 94, 20, 97, 2. 99, 163. tht 91, 32. gethan, gethon 1, 3. 41, 6. underthon 99, 104. dieses TH erscheint auch in thür (janua) vorr. 134. 99, 89. 103, 117 neben tür 108, 96. Ulenspiegel desche 86, 99. deik teig 25. doben 54. einzelne beispiele aus der nächstfolgenden zeit, Dasypod. däsch 312c. Dnaw Hister 317c, bei Brant noch Tnow 99, 52. Maaler daub und taub columbus 88d. H. Sachs danz 3. 3, 3a. drümmer 5. 2, 43c. Fischart danz, danzen Garg. 5a, Glückh. schiff 398. dapfer Garg. 32a. 101b. Glückh. schiff 334. 474. dannzapfen Garg. 19b. daube columba Garg. 64a. dölpel das. 93b. donnenköpf das. 18b. dapfer bei Murner, Dasyp. 313a, Maaler 86c. H. Sachs 5. 2, 30c. Schönsleder K 2. Phil. v. Sittew. 1, 363, bei diesem wie bei Dasyp. und Weckherlin 371 auch dapterkeit 1, 17. Luther draube 1 Mos. 40, 10. 3 Mos. 25, 1. 5 Mos. 32, 32. doll Dasyp. 319a. H. Sachs 1, 6b. Schönsleder L 3. Berliner handschr. von Nürnberger meistergesängen aus der mitte des 16 jh. drutz nr. 245. drübsal nr. 251. er det abdraben nr. 233. ducke nr. 249. duckisch nr. 286. Henisch 636. danzen J. Ayrer fastnachtsp. 1a. dal vallis. Lehmann 167 ein schimmel drapt. Simpliciss. verdauscht 1, 20. dölpel 1, 29.
Umgekehrt wird das anlautende D von T und TH verdrängt. mhd. dôn (tonus), dœnen wird heute gegen die regel ton tönen geschrieben. S. Brant tönen Narrensch. 102, 2. getön 110a, 103. Luther dohnen (2 Mos. 19, 13) und dnen (Jesa. 42, 13), Dasypod. dohn und döhnen 315d. Maaler thon und thönen 400d. Fischart widerthon Gl. schiff 393. thon das. 526. thönen das. 521. Henisch don, döne und thone, dohnen und dönen 726. Schönsleder dönen. Stieler don und dönen 324. Steinbach thon und thönen 2, 822. thon Felsenb. 1, 5. erst Frisch das heutige ton und tönen 376c. truck Theol. deutsch 23. S. Brant Narrenschiff tach 64, 79. trüffel 110c, 43 neben drüffel 110a, 24. truckerei 103, 99 und drucken 18, 12. 19. tulden 35, 31. 82, 7. tumen 102, 39 neben dumenloch 63, 34. tunder 82, 28. 86, γ. 86, 6. 88. 20. Keisersberg treck Bilger 46c. tächer Postille 150b. tecke Steinhöwel 103b (1487). tiech coxa Steinhöwel 61b (1555), in der ältern ausg. von 1487 steht diech 50a. bei Luther zwar drücken, aber Psalm. 136, 23 untergetrückt. ticht für dicht 2 Mos. 25, 36. 37, 7. H. Sachs vertreust 1, 7c. trodt (droht) 3. 3, 60a. tachs 4. 3, 61a und dachs 4. 3, 90d. Wickram tuckten sich Rollwagen 67. tachloch Maaler 397. am weitesten treibt es Fischart vertrucken Garg. 14. tachtropfe das. 63b. teckelwärmerin das. 6b. trüffel das. 96b. trei das. 149a. zwischen tornen Gl. schiff 342. asche und treck Garg. 69b. durchtringen Gl. schiff 441. trung das. 1131. treisig das. 753. 985. 1172. geträng das. 1047. tutzend Garg. 96b. toppelhacken, tonnerten das. 233a. sogar austhänung (ausdehnung) Garg. 43a. tichten Ganskönig vorr. tach Mückenkr. 3, 466. Simpliciss. getrillt 1, 22. trehen 2, 125. Lehmann 89 trucken für drücken. Schoch Studentenleben nachtruck vorr. vertauen A 10. Polit. stockfisch 79 tach für dach. Günther thalen für dahlen 241. Lessing allein schreibt treustigkeit 6, 102.
4. bei der inlautenden media sind wenig abweichungen von dem mhd. zu bemerken. dort gilt hinder, hindern und hinden, und das findet man noch bei Steinhöwel, Keisersberg, Luther, Dasypodius,

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Maaler, H. Sachs, Fuchs, Frischlin, Fischart, Ayrer, Henisch, Schönsleder, Lehmann, Wolgemut, Stieler und andern. ebenso das subst. und adj., der hinder Steinhöwel 54 (1487), Luther Ps. 78, 66. Dasyp. 187c. H. Sachs 4. 3, 105b. Maaler 222d. bein hindern füszen B. Waldis Äsop 164b. der hinderst Wolgemut Esopus 2, 305. seit dem 18ten jh. schreibt man die partikel hinter, hinten und das subst. und adj. hintere, daneben aber bleibt hindernis, hinderlich und das verb. hindern. ähnlich mit dem mhd. under und unden, so in der Theologia deutsch 22, so bei Steinhöwel, Dasyp., Maaler, H. Sachs, Waldis, Spreng 316a, Stieler, aber bei Luther, Frischlin 124. 433, Henisch, Frisch das heutige unter. mhd. der vierde noch bei Luther 1 Mos. 1, 9. 2, 14, jetzt der vierte. Lessing schreibt siebendes stück 7, 31, siebender brief 8, 17, aber auch siebenter. mhd. fürder, das im anfang des 18ten jh. auszer gebrauch kam, ward im 16ten und 17ten fürter geschrieben bei Dasyp. 333d. Philander v. Sittew. 1, 265. Wolgemut Esopus 2, 295. Simpliciss. 1, 23. Stieler 541. daneben fürderen bei Dasyp. und Henisch 1289, und das heutige förderen bei Luther Ps. 7, 10 und bei Schönsleder. Luther gebraucht noch das prät. schneit (mhd. sneit) für schnitt: und scheint dadurch verleitet einen infin. schneiten (mhd. snîden) 2 Mos. 31, 5. 35, 33. 35. 38, 23 und das subst. schneite (mhd. snîde) Richter 3, 22. 1 Sam. 13, 22. Pred. 10, 10 anzunehmen. unser flattern lautet mhd. fledern, wie noch heute mundartlich (Schmeller 1, 585), bei Lehmann fladern; bei diesem auch fledermaus, flederwisch. schnattern, mhd. snateren, im 16ten jh. (H. Sachs 4. 1, 21a) wird noch bei Lessing 1, 67 schnadern geschrieben. für das heutige knoten nodus, ahd. knodo, mhd. knode schreiben noch Dasypod. 366b, Maaler 246c, Fischart Garg. 96a, Fuchs Mückenkrieg 1, 469. Frischlin Nomencl. 127 und Henisch 1624 das gekürzte knod, Polit. stockf. vorr. mit knoden binden, doch bei Luther schon knote: Stieler 998 führt knode und knoten an, Frisch 1, 529 knode und knote. pfode für pfote Lehmann 139. schwerd, schwerder Comenius Orbis pictus 273. 289. witwe, wittwe, ahd. witawâ, mhd. witewe, schreibt Luther allein widwe, wozu ihn wol das lateinische vidua bestimmte. in einer urkunde vom jahr 1416 (Hund metropol. Salisb. 1, 234) wird das lateinische schedula die cetel geschrieben. im 16ten jh. zeigt sich ohne lautverschiebung der zedel Keisersberg Sünden des munds 9a. 4 Mos. 5, 23. Dasyp. 217. Alberus Dict. nov. y. Maaler 510b. 513, wie im niederdeutschen. dagegen vom 17ten jh. an der zettel, so bei Henisch 381, Schönsleder, Stieler. man hat aber auch die media noch verdoppelt und zeddel geschrieben, wie Gellert 2, 205. 228, was mit dem dän. seddel übereinkommt.
Die ahd. gemination DD zeigt sich nur selten an der stelle von TT und ist wol nur hereingekommen durch das altsächs. DD, das organisch ist, aber ganz verschieden von dem gothischen DD, welches dem LL zu entsprechen scheint. im mhd. ist es ganz verschwunden und man begegnet ihm höchstens in fremden eigennamen: es dauert aber im niederdeutschen fort, wo man wedder (iterum), fedder, ledder (leder und leiter) spricht; s. Müllenhoff zu Quickborn s. 265. von dorther ist es manchmal in das nhd. eingedrungen, widder (iterum) öfter in den Weisthümern 2, 501 vom j. 1424. 3, 502 vom j. 1449. in widder (aries) ist es durchgesetzt. das ahd. widar, mhd. wider bewahrt noch Steinhöwel (Äsop 53), Maaler (494), Schönsleder (Mm 1), Wolgemut (1, 79. 2, 50) im reim auf nider, Jac. Ayrer (Trag. 244) schreibt sogar wieder. dagegen widder bei Dasypodius, Alberus Ss iij, Frischlin, Stieler. Luther schwankt, wider 1 Mos. 22, 3. öfter widder 1 Chron. 30, 21. 2. 13, 9. Psalm 66, 15. auch im dänischen vädder neben väder, dieses allein im schwedischen. Luther läszt DD aber auch in andern wörtern zu, daddlen 1, 342a. fedder 3, 414b. allerlei gefidderts gevogel 1 Mos. 1, 21. foddert (fordert) 5 Mos. 10, 12. besuddeln 1 Mos. 49, 4. 3 Mos. 11, 43. Hoh. lied 5, 3. Jesa. 63, 3. Jerem. 4, 14. hadder 4 Mos. 27, 14. 5 Mos. 1, 12. 25, 1. Ps. 55, 10. Sprüche Sal. 6, 14. 10, 12. 13, 10 u. s. w. hadderer Jesa. 49, 1. haddern 2 Mos. 21, 18. 4 Mos. 20, 13. Richter 6, 31. Ps. 35, 1 u. s. w. am häufigsten bei Alberus in dem Diction., ich besuddel, ich hadder jurgo, fladder bruscum, ich fladder strepo, fedder, ledder, nidder pessum, danidden, scheddel, sidder interea, widder iterum, ich schlodder vacillo, zwidder Ss iij. hadderte Simpliciss. 1, 29. viele, wie Adelung und Voss schreiben troddel, andere trottel.
5. Der regel nach wandelt sich das auslautende ahd. D im mhd. in T, und dieses T tritt im nhd. wiederum in D zurück. also ahd. eid, lid, gold, tôd, mhd. eit, lit, golt, tôt, nhd. eid,

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glied, gold, tod. vereinzelt erscheint im 16ten jh. noch die mhd. tenuis z. b. Steinhöwel unwissent 69 (1487). gegent 110. H. Sachs helt 1, 6c. untugent 1, 11c. jugent: tugent Wolgemut Esop 2, 457. Ayrer balt 136a. tausent Keisersberg, Luther, Fischart Garg. 36. Lehmann 909. solt H. Sachs 5. 2, 32d. durchleuchtent Ganskönig Ev.
Das ahd. auslautende T bleibt im mhd. und nhd. unverändert, z. b. alt, gewalt, welt, braut: doch zeigt sich im nhd. auch D, meist in verbindung mit einer liq., so in hand band bund brand freund geld. bei Steinhöwel 91. 93b. 111. Dasypod., H. Sachs 3. 3, 7d. Fischart Garg. 49. 52. Maaler, Henisch, Spreng 532b, 572b. Lehmann 671. Stieler noch gelt, bei Luther schon geld. Fischart freuntlichkeit Schiff 793. 1119. freuntschaft das. 1106. 1161. bei Steinhöwel, S. Brant (Narrensch. 26, 8. 46, 39. 110a, 48), Luther, Dasyp., Maaler, H. Sachs, Henisch, Schönsleder, Stieler, Steinbach brot. bei Waldis brot, brod und brodt 7b. im inlaut H. Sachs brode das. 5, 2, 31d. Wolgemut ein bissen brods Esopus 144. Lehmann brod 139. Frisch gebraucht brod, stellt aber brot daneben auf; man folgte ihm bis in die neuste zeit, wo wieder brot den vorzug erhalten hat. ebenso zieht Frisch schwerd vor.
6. die mhd. sprache zeigt, wenn in zusammenziehungen das tonlose e wegfällt, kein DT, wie es heute in verwandt, wandte, sandte, lädt u. s. w. gebräuchlich ist, ihr genügt die einfache tenuis. beispiele aus dem reim bekleit (: schônheit) Haupts zeitschr. 5, 18. geschant (: brant) Walther 26, 18. gesant (: hant) ders. 34, 22. gesant (: vant) Eraclius 1696. bewant (: lant) Freidank 79, 25. unbewant (: vant) Iwein 3244. gewant pp (: hant) das. 1547. 3320. 3425. 3854 (: lant) 1823. 2310. 6610 (: envant) 4730. gesant: geschant: verpfant MS. 2, 244a. vint (: sint) Haupts zeitschr. 2, 52. bevint (: kint) Passional 90, 93. wirt (wirdet) häufig. verwunt (: gesunt) Gold. schmiede 1632. auszer dem reim schât (schadet) Walther 26, 16. 29, 28. 85, 24. sent (sendet) Freidank 68, 26. von einem so gewanten man Iwein 4461. sante prät. Walther 99, 17. auch nd im inlaut, wande (: entrande : erkande) ders. 30, 35. 110, 15. bei Muscatblut im 1 ten viertel des 14ten jahrhunderts gesant (: ant) 37, 5. (: bekant) 57, 58. beim Wolkensteiner im 1 ten viertel des 15ten gesant (: gewant subst.) 94. 3, 5. aber auch gesendt 27. 2, 14. 29. 1, 11 und wendt (wendet). die Fastnachtspiele zeigen zuweilen noch das mhd. T, verwant (p. p.) 180, 33. schat (schadet) 185, 16. 328, 9. went (wendet) vint (findet) 274, 4. 577, 15. ret (redet) 286, 3. rets (redest) 182, 24. schent (schendet) 706, 1. geschent 151, 10. gepfent (gepfändet) 706, 15. getot (getödet). 476, 5. selten TT, rett (redet) 23, 29. überrett 281, 17. schneitt 284, 11. getött 476, 5. vorherschend ist DT, schadt 469, 21. ir ladt 233, 12. redt 12, 5. 68, 16. 111, 1. 166, 17. 281, 33. 535, 24. 697, 15. 698, 25. geredt 112, 7. 586, 34. vollendt 311, 14. sendt 156, 21. meldt 801, 5. endt: gewendt 31, 18. unverwendt 147, 12. ich wendt (wendete) 565, 6. ir werdt 433, 8. 541, 7. schneidt 98, 23. leidt 279, 11. 421, 23. findt 32, 26. 119, 32. 139, 19. 284, 4. befridt (befriedet) 534, 16. verschlindt 548, 6. versundt (versündet) 16, 34. verkundt (verkündet) 172, 20. gewundt 464, 14. ir wurdt 460, 9. noch seltner ist dieses T bei Brant im Narrenschiff: es findet sich nur erblint 46, 2. 76, 4. 98, 22, neben erblindt 6, 1, ermort 66, 26. verblänt (verblendet). 67, 5. sonst immer DT, ladt 74, α. schadt 110b, 47. redt 19, 12. 41, 14. 110, 20. geredt 7, 14. endt 58, 33. 66, 40. wendt 25, 26. scheidt 104, 11. bindt 99, 125. findt vorr. 60. 127. 2, 29. 6, 54. 201. 43, 32. 53, β. 58, 71. 75. 64, 52. 80, 30. 83, 16. 113. 70, 1. 85, 64. 94, 14. 96, 26. 97, α. entpfindt 7, 7. 71, α. 77, 12. durchgründt 64, 51. schwindt 99, 109. verkundt 103, 74. verschuldt 112, 41. sündt 86, 60. versündt 86, 14. verwundt 57, 52. zündt 77, 10. entzündt 13, 35. 53, 33. anzündt 106, α. Steinhöwel schreibt bindt 48b (1487). getödt 43b. vindt 72. geredt 98. auszgesandt 111b, aber auch schlint und verschlindet. in einer handschr. des Cato geschendt: wendt Zarnke lesarten zu 114. Albrecht v. Eybe redt, überredt bl. 4b. Schwarzenberg erfindt: verplindt (siehe unten dennest). Theuerdank 2, 25 underredt. Murner leidt, duldt Luther. narr 73. 74. bindt 2047. doch auch fint das. 893. verschwint 925. schat 1822. Luther schneit (schneidet) Psalm 52, 4. aber immer das prät. sandte 1 Mos. 20, 2. 37, 14. 38, 20. 45, 23 u. s. w. auffallend das p. p. gesand 1 Mos. 19, 13. 38, 23. 46, 5 u. s. w. verwund 3 Mos. 22, 24. 1 Sam. 31, 3. 1 Chron. 11, 3. Sprüche Sal. 7, 26. Jerem. 37, 10. Hesek. 28, 23. aber auch geredt 4 Mos. 27, 7. verwundter Hesek. 30, 24. die verwündten 1 Chron. 6, 22. Jerem. 37, 10. 51, 21. Klagel. 2, 12. das verwundte Hesek.

[Bd. 2, Sp. 645]


34, 4. 16. verwandter Hesek. 30, 24. die verwandten 2 Könige 10, 11. Hiob 19, 13. Ps. 31, 12. 55, 14. 88, 19 u. s. w. H. Sachs wirt (wird) 1, 249c und wirdt 2. 4, 41. verwundt 3. 3, 2a. überwindt 3. 3, 5a. sendt das. verschuldt 3. 3, 7d. redt 3. 3, 8e. Fischart schneid Schiff 334. wirt das. 490. verwant das. 480. verkündten (prät.) das. 508. sant (sendete) das. 1072. aber auch find (findet) Garg. 74b. gebrandt Garg. 71b. Dasyp. verwanter und verwandtschaft 148. Frischlin verwandter 336. abgesandter 388. Henisch verwandt verwandter 1220. 1564. Lehmann scheidt 142. Ayrer ertödt: genödt 3d. gesendt: gewendt 4a. findt 10c u. s. w. Spangenberg sich endt: sich wendt Ganskönig F v. Fuchs Mückenkrieg bekleidt 1, 1022. meidt 1, 88. bescheidt 2, 18. Schönsleder verwandt Ii 2. Simpliciss. wante 1, 21. Stieler hält wieder streng bei T, bewant 2504. verwant verwanter verwantschaft 2431. gesant gesanter 2009. 2010. im 18ten jahrh. entschied man sich für DT, wie es bei Frisch und Steinbach angegeben wird: so z. b. beredt, auch das präs. redt kommt vor bei Fleming 106. Lessing 1, 208 u. a. findt Göthe 13, 46. 73. abgewandt ders. 41, 291. nur schreibt man wird, da kein wirdet mehr gebraucht und die zusammenziehung nicht erkannt wird.
Man kann dieses DT ertragen, wiewol es so wenig als dicht't (Lessing 1, 115), reit't (Göthe 1, 182) einflusz auf die aussprache hat und die mhd. schreibung den vorzug verdient. aber es ist ein nicht zu entschuldigender misbrauch, wenn es auch da angewendet wird, wo eine zusammenziehung nicht dahinter liegt. Wolkensteiner landt 16. 3, 13. Albr. v. Eybe windt (ventus) bl. 4b. wandt 10. vndter 13b. Steinhöwel goldt 91b (1473). pedt (bett) 97. niemandt 60. schendtlich 72. freundtschaft 74. tausendt 93b. Fastnachtspiele bescheidt (imperat.) 14, 18. Fuchs Mückenkrieg kondten 2, 399. ein hauwendts schwein 2, 412. bei S. Brant sehr häufig, baldt 97, 32. 99, 172. bandt 86, 22. handt 13, 40. 57, 53. 63, 62. 79, 28. 84, 8. 86, 23. 89, 12. 94, 35. 99, 60. landt 6, 35. 22, 15. 27, 24. 31, 27. 56, 30. 87. 79, 28. 84, 7. 88, 27. 89, 11. 94, 35. 99, 59. 103, 74. fandt prät. 6, 35. 66, 31. 147. entpfandt 57, 53. radt (rota) 56, 42. rodt (consilium) 3, 5. allesandt 94, 34. gewandt (kleid) 63, 61. überwandt 56, 29. hendt pl. 25, 25. wendt 103, 34. erdt 3, 26. 24, 17. 43, 25. 66, 73. 75, 56. 90, 14. gerdt begerdt 3, 25. 24, 18. 43, 26. 83, 44. 73. unwerdt, werdt 83, 31. 72. 90, 15. erfreidt (erfreut) vorr. 57. leidt (subst.) 7, γ. 26, 31. blindt 3, 15. 20, 2. 40, 13. 71, γ. 72, 31. 77, 29. brindt 13, 36. 53, 34. grindt 3, 16. kindt 6, 2. 22, 3. 25, 11. 71, β. entpfindt 71, α. sindt vorr. 1. 28. 39, 30. 32. 46, 44. 65, 20. 72, 32. 73, 83. 99, 91. vindt (feind) 39, 31. windt (ventus) 97, 17. 99, 92. grundt 3, 22. gesundt 53, 8. 63, 24. hundt 95, 51. kundt 27, 20. 63, 23. mundt 27, 21. 53, 15. 70, 12. 92, 91. 110a, 51. fürmundt 71, 14. pfundt 3, 21. 25, 10. fründt 73, 82. stundt 70, 11. 92, 90. undt 71, 14. wundt 53, 7. zuweilen schreibt Brant bei diesen wörtern D, so bis auf die bemerkte ausnahme immer und, häufig kind 26, 45. 42, 31. 46, 25. 71, β. 77, 95. 78, 18. 87, 4. 94, 21. 98, 31. ferner land 93, 5. schand 93, 6. rad (rota) 56, 48. end 107, 61. hend 103, 33. 107, 62. 110a, 15. lend 107, 44. wend (wollen) 107, 43. 110a, 16. erd 72, 77. 83, 32. 43. 72. 97. werd 72, 78. 83, 96. sind 65, 18. stund (subst.) 110a, 52. selten T, hant 88, 27. blint 30, 10. stunt 95, 50. doch öfter sint 26, 80. 33, 6. 40, 14. 43, 31. 67, 53. 76, 3. 95, 63. 102, 62. man sieht er schwankt wie alle, doch herscht DT vor. Keisersberg sindt Bilger 46b neben sint und sind. gesundt das. 48b. Theuerdank randt (prät.) c. 90. behendt 10, 100. Luther, der überhaupt die rechtschreibung überdacht hatte und mit sorgfalt behandelte, hielt dieses rohe DT fern, während es sonst im 16ten jahrh. überhand nahm. bei H. Sachs steht es auf jeder seite, nur selten kommt daneben die einfache tenuis zum vorschein, zuweilen hant, brot neben handt, brodt. nur einige beispiele, landt. genandt: erkandt. endt: regimendt. feindt. freundt. gesindt: geschwindt. blindt. bildt: wildt. geldt: feldt. grundt: kundt. pferdt: schwerdt. erdtreich. gewaldt: waldt. baldt. spadt: dradt. leidt. neidt. schiedt: riedt. schaudt (seht). maid: aidt. Ringwaldt schreibt sich selbst so. Frischlin brodt 282. eidt 378. anwaldt 377. blutfreundt 389. zehendt (decuma) 388. bestandt 380. burgerstandt (status civilis) 389. schwerdt 453. schildt 452. schneidt (acies) 453. bei Waldis findet man sindt Äsop 105a. schwerdt 146b. freundt 147a. der sorgfältige Fischart meidet es nicht immer, kundtschaft Schiff 477. niemandt das. 506. kondt köndt (konnte könnte) Garg. 28b. 29. 46. Ayrer steht wieder mit H. Sachs auf gleicher stufe. Henisch freundt 1220. schwerdt 1427. Sprengs Ilias verwundt 391b. im 17ten jh. dauert es fort, in

[Bd. 2, Sp. 646]


Wolfh. Spangenberg Ganskönig findet man endt (finis) A Vb. behendt A U. alsbaldt D v. bekandt F. 1. bei Lehmann noch ziemlich häufig, z. b. bescheidt 195. erndt 258. endt 300. pferdt 381. 824 neben pferd 672. freundtlich 671. niemandt 672. beistandt 672. wildt 673. tugendt neben tugend 783. landt 792. stundt 934. am weitesten geht Wolgemut, der es in seinem Äsop fast zur regel macht. nur einige beispiele, holdt: goldt 1, 23. hundt: ungesundt 1, 23: mundt 1, 30: stundt 1, 144. waldt 1, 39. handt: sandt (subst.) 1, 31. heidt (heide): beidt. beidt: eidt 1, 63. windt 1, 74. geld 2, 373. kindt das. dagegen wo auf die sprache sorgfalt verwendet wird, kommt es nur vereinzelt vor, so in der Ilias von Spreng († 1601) handt 2b. 3a neben hand 70a. 357b. verstandt 481b. neben verstand 314a. bekandt: genandt 313b. genandt: erkandt 317a. mildt: wildt 316a. kundt für konnte 455b. 464a. in der sichtlich vorgeschrittenen sprache des Simplicissimus (1669) scheint es verschwunden zu sein. im 18ten jh. taucht es nur hier und da auf: in der hallischen ausgabe der bibel vom j. 1758 ist brot, wie Luther schrieb, in brodt geändert, und dies behält Lessing bei 2, 403, der auch schwerdfeger 6, 295 und schwerdter 2, 42 schreibt.
Nur in ein paar fällen will DT nicht weichen. wir unterscheiden jetzt damit das subst. tod von dem adj. todt, schreiben auch das verb. tödten. mhd. galt tôt tôdes subst., tôt tôtes adj., und das verb. tœten, das noch beim Wolkensteiner im reim auf nœten vorkommt und das Albrecht v. Eybe beibehält 14b, Keisersberg schreibt erdötten Christl. bilger 33c. die Fastnachtsp. das part. prät. getot 180, 8 und getött 476, 5. aber bei Steinhöwel, Luther, Dasypodius, Maaler, Henisch, H. Sachs 5. 2, 43c, Logau, Schönsleder tödten, nur Frisch setzt töden an. bei dem subst. und adj. unsicherheit im 15ten, 16ten und 17ten jahrh. Keisersberg schreibt das subst. wie das adj. tod Bilger 47. Steinhöwel das subst. tod (68b) und todt 37a, das adj. todt 10b. Luther wie Keisersberg das subst. und in der regel das adj. tod 2 Mos. 14, 3. 3 Mos. 11, 32 u. s. w., selten todt wie 4 Mos. 19, 11, Dasypod., H. Sachs 3. 1, 228. 5. 2, 30d. 32c, Schönsleder, Lehmann 768 subst. und adj. todt. Fischart das adj. tod und todt Garg. 49. Waldis das subst. tod 217a und todt 152b. Frisch subst. tod, adj. tot und tod. bei Maaler, Stieler und Steinbach die heutige schreibung. ähnlich verhält es sich mit stadt (urbs). das ahd. mhd. stat findet sich noch beim Wolkensteiner, im Theuerdank 91, 25. 40. 51, bei Wolfh. Spangenberg Martinsgans bog. D; auch einmal bei Fischart Schiff 1021. Luther schreibt stad 1 Mos. 4, 17. 24, 10. viele statt, Steinhöwel 93b, Keisersberg, Maaler, Dasypod., Frischlin 389, Fischart Schiff 473. 479. 487. 491. 694. Garg. 233a, 698, H. Sachs 5. 2, 41c (in stetten 4. 3, 56c), Waldis, Henisch, Spreng 2b. 40a. 332a, wie bei blatt, matt, glatt nach kurzem vocal die verdoppelung hinzutritt. das heutige stadt auch bei H. Sachs 1, 5d. Ayrer 1a. 9b. 9c. Schoch, Stieler und den spätern.
 
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da , goth. þar, ahd. dâr thâr, dâra dâre Graff 5, 53, 59. dârî Muspilli 16. im 12ten jahrhundert zeigt sich noch dâr. mhd.mit abgeworfenem r (Ben. 1, 303), alts. thar, altfries. ther, niederd. daar, ags. und altnord. þar, niederl. daar, engl. there, schwed. ther, dän. der. diese pronominalpartikel läszt sich auf einen jetzigen casus nicht zurückführen, wenn man nicht einen localis darin sehen will; s. Gramm. 3, 171. in der heutigen sprache erscheint die alte form dar noch in zusammensetzungen mit adverbialpräpositionen. weil man zugleich, niederdeutschen einwirkungen nachgebend, für die bedeutung und form nach ursprünglich verschiedene partikelebenfalls da gebraucht, so ist eine nachtheilige vermischung beider entstanden. das organische da weist auf raum und örtlichkeit und bedeutet demonstrativ ibi, relativ ubi. aber das gothische þar heiszt, wie das mit dem suffix uh gebildete þaruh, immer ibi, während das suffix ei in þarei den relativen sinn bewirkt. schon das ahd. dâr steht sowol für ibi als für ubi.
1. demonstrativ, mit gröszerm und geringerm nachdruck. er geht da. das buch steht da. sie sitzen alle da beisammen. dise weiber mit iren schamlosen worten werden gleich den schnecken, wohin sie kriechen, da lassen sie ein wst hinder sich Keisersberg Sünden des munds 62b. so aber der knab nimpt weder bürsten noch alen in die hant, sundern er sitzt da und slecht die hend under und greift es nit an das im der meister gesagt und geleret hat, darusz wirt nümer kein gter schmacher 81a. sihe, da ist meine magd Bilha 1 Mos. 30, 3. was habt ir da für einen dienst? 2 Mos. 12, 26.

[Bd. 2, Sp. 647]


find ich dich da, du loser tropf? Mückenkrieg 3, 433.

ach, rief er aus, da war es, da!
kommt ja der hecke nicht zu nah
Gellert 1, 187.

du da in deinen schwarzen haaren,
war dieser etwa dein galan? 1, 222.

da bring ich ein briefchen von meinem herrn
Lessing 1, 543.

nun liegt er da,
liegt ohne wartung, ohne rat und zuspruch,
ein raub der schmerzen und des todes da 2, 204.

hat seinen reichthum dieser mann aus gräbern,
so warens sicherlich nicht Salomons,
nicht Davids gräber. narren lagen da
begraben 2, 241.

Tempelherr. wo ist denn euer vater? ist er noch
beim Sultan? Recha. ohne zweifel. Tempelh. noch, noch da?
o mich vergesslichen! nein, nein: da ist
er schwerlich mehr 2, 266.

da hast du baare funfzig thaler
Hagedorn 2, 86.

da liegst du, du hast mirs sauer gemacht, doppelt sauer. Göthe.

pfui! speit ihr aus, die hure da! 1, 204.

einen hasen, mutter, da 42, 174.

hoch auf des thurmes glockenstube,
da wird es von uns zeugen laut
Schiller 77b.

da ist der kahn, der mich hinüber trüge,
und musz hier liegen hülflos, und verzagen 518.

da ist der Tell, er führt das ruder auch:
er soll mir zeugen ob die fahrt zu wagen 518.

uneigentlich sagt man, wenn das nicht geschieht, so sitzen wir da, so ist nichts mehr zu thun, so wissen wir nicht was wir anfangen sollen.
2. bei fragen und antworten wird es verstärkend zugefügt. was will das kind da? das herankommt. wem gehört das bild da? das da hängt. mit einem vorwurf, ir männer, was macht ir da? Apostelg. 14, 15. nun da, prinz, gefällt sie (die todte Emilia) Ihnen noch? Lessing 2, 189. bei Fischart findet man, ein solcher Grillus und Silenus, sagt Alcibiad, wäre sein präceptor Socrates. wie so? da so Garg. 19. auf die frage wo antwortet man da, indem man wol mit dem finger deutet: man könnte auch hier sagen oder dort. des gröszern nachdrucks wegen wird es auch verdoppelt, wo legt ich es doch hin? da, da, Lessing 1, 252. wo blieben Sie (beim vorlesen)? da, da, hören Sie nur ders. 1, 298. die anfragen oder anrufungen wer da? qui-vive? qui-va-la? was da? quid vis? Stieler 287, wo da? ubi? mit der antwort hier da ders. 267. herr, wo da? Lucas 17, 37. in der volkssprache wo denn da? sind durch ellipsen zu erklären.
3. so auch nichts da stärkere verneinung. ja da! stärkere bejahung,

hörst was ich dir han gesait?
'ja da!' antwürt sie im do Ring 15a, 36.

darf ich diese blume brechen? nichts da. ja wol, wenn man in den büchern gott und die natur finden könnte, aber nichts da, die finden sich drauszen Steffen Luxenburger märchen 54. nichts da, behauptet ist nicht bewiesen ders.
4. man setzt da ohne weitere bedeutung, nur als verstärkung.
a. nach dem meist im nominat. stehenden pronomen relativum. häufig im mhd. (Benecke Müller 1, 304a), aber auch noch im 15ten und 16ten jahrh.: heute wird es seltner gebraucht, doch in der volkssprache hört man derde, diede als relativ. nement die hand voll eschen, die da noch heisz ist und glüwet Keisersberg Sünden des munds 2b. das heiszt unordenliche begird, die da nit ist nach ordenung der vernunft 4a. ist daz nit ein groszer narr, der da murmelet, darumb das er siech oder arm ist 17b. besunder sollent sie auch warnemen des exempels sancti Pauli, der da spricht z den Colosensern 34a. du der da bist der herr des himelreichs und ertreichs 84b. gott des herren spotten, der da der aller gröszt ist 44a. eines solchen guten frummen menschen, der da gott gern dienen wolt 45a. ein hund kan nit reden sunder allein der mensch, der da vernunft hat 49b. das ist ein schamperman, der da schand gebirdt, aber das ist ein erber mensch, der da eer gebirdt 61b. der da gern hört eer abschneiden, der schneidet eben als wol der, der da hinderredet 28b. das ist wider die, die da tag und nacht uf der stuben ligen ze füllen, ze fressen und ze saufen 5b. du solt wenig und selten reden, das thn nicht die, die da von vil worten sein 81b. der erst schad der da erwachset aus unnützen worten 50a. sahent die füchslin, die da die

[Bd. 2, Sp. 648]


reben zerzerren und zernagen 45b. also habent ir die schäden, die da wachsen von spotten 45b. es seint deine füsz die da schnell laufen zm bösen 48b. was tht die amm? sie entschläft das kind, das da schriet und weinet 32b. was man tt das da ze vil oder ze wenig ist, das seint laster: tugent seint in mitten 33a. das da keinen nutz bringt weder dem, der da redet oder der das hört 49b. fressent und zerbeiszen daz da ganz sol sein 62a. daz lob gots, das da on underlasz geschicht von allem himelischen her 89b. als in ein schönen lustigen garten, in dem da die violaten stond der demt 29a. er msz gelogen haben eben als einer, den da glustet ze stelen 23b. der erste schaden, den da bringt ein böser ratgeber 59a. nicht selten bei Luther, gott schuf grosze wallfische und allerlei thier, das da lebt und webt 1 Mos. 1, 21. und sagts Abraham an den ausländer, der da wonet im hain Mamre des Amoniter 14, 13. ich weisz das Messias komt, der da Christus heiszet Joh. 4, 25. 'ich bin das a und o, der anfang und das ende' spricht der herr, der da ist und der da komt, der allmächtige Offenbar. Joh. 1, 8. der da hat ein blödes gesicht Comenius 163. es kommt auf die beherzigung dessen an, was da ist wahr und gut und neu Klopstock 12, 118. keiner der da dichtet 12, 145. 150. drei sind die da herschen auf erden Göthe 12, 251.
b. nach wer der, welcher, wer da ringt mit eim und in erwischt bei der gurgel, der hat die sach halb gewunnen Keisersb. Sünden des munds 9a. wer da handlet fremd gt wider den willen des herren, der ist ein dieb, oder der da ein güldin nimpt wider seinen willen, ist ein dieb 22a. wer da gift in das maul nimpt, das verderbt im den leib 24b. wer da flchet vatter und muter, und wer da zerstöret die geburt seiner mutter und spottet seines vatters, des augen müssen die rappen auszkippen 44b. wer da kleine ding versaumet, der nimpt hübschlich ab von tag zu tag 51b. wem da mit hinderreden wol behaget, da man den lüten ir eer abnaget, sol des tisches nicht wirdig sein 27a. wer da guts sucht, dem widerferet guts Sprüche Sal. 11, 27. denn wer da bittet, der empfähet, und wer da suchet, der findet, und wer da anklopft, dem wird aufgethan Matth. 7, 8. denn wer da hat dem wirt gegeben, das er die fülle habe 13, 12. wer da gläubet und getauft wird, der wird selig werden Marc. 16, 16. wer da suchet seine seele zu erhalten, der wird sie verlieren Luc. 17, 32. denn wer da zweifelt, der ist gleich wie die meerswoge Jacob. 1, 6. wen da dürstet, der komme zu mir und trinke Joh. 7, 37. es sei da wer da will, quisquis etiam fuerit Stieler 267.
c. nach welcher, die jünger Christi zeppeleten mit einander um thorecht ding, welcher da würd werden der gröszer in dem reich Keisersberg Sünden des munds 42b.
d. nach wo, auch wenn es nicht fragt, darumb wo da seint vil räth, da ist heil Keisersb. Sünden des munds 57b. der weis man spricht 'wo da seint vil wort, da ist auch gebrust' 76a. aber wo da erübte dapfere gesessene menschen seint, und die da schweigen, da gedenk das etwas darhinder sei das.
e. nach wie, ir hond gestern gehört wie da fünf und zwenzig blattren dem menschen an mund wachsen Keisersb. Sünden des munds 3b.
f. nach darum, es gieng in vil an, darumb da thet er daran kein unrecht Keisersb. Sünden des munds 17a.
g. Keisersberg setzt es auch nach da ubi, das unsere herzen gefürt werden an das ort, da da ist ware freud Sünden des munds 86.
5. aufmerksamkeit zu erregen, ruft man da! sieh da! ecce! da! es regnet. sieh da! er kommt. beim darreichen da!, wo es dem französischen tenez entspricht, da! nimm hin. da! da ist es. nu, gnädiger herr, da! indem der sprechende den ring auf den tisch wirft Engel. auch gehäuft, es sängelt (singt) 'da! da!, nüsli (müsli? mäuslein), da!' Ring 14c, 8. da! da! da stehts Milichius M 1b. da! da! da hast du es, da, euge! cape tibi hoc Stieler 267. beim erstaunen, erschrecken, da! da donnerts. da! da stürzt er zur erde. da! das pferd reiszt sich los. da! da! ha! ha! da! geminatum triplicatumve eventum subitum alicujus rei significat Henisch 629. da, da, da! das heiszet glocken gossen Fischart Garg. 102a. da, da, da! sprach Kyklopocol 218a. da, da! du edler schwanz 240a. in Baiern ist da! da! ausruf der kinder, wenn ihnen etwas gefällt, Schmeller 1, 347. und als interjectio jocantis, ridentis wird es bei Maaler 85b und Stieler

[Bd. 2, Sp. 649]


267 angeführt: da! da! das sehen wir gerne. da. da! ist es nun zeit? vah, tam sero. die bairische mundart hat, wie Schmeller bemerkt, daraus ein substantivum gebildet, das ding ist dada, das ist ein schönes dada. auch der hund, dem man da! da! zuruft, wird dada genannt, in Nürnberg dodo, dös fleisch is von'n dodo gwöst Weinert ged. in Nürnb. mundart 4, 4. ebenso in der thüring. kindersprache der dodo, das dodochen. allein es gilt auch als verhöhnung, als schadenfroher ausruf, und sperren ir maul weit auf wider mich und sprechen da! da! das sehen wir gerne Psalm 35, 21. sie müssen in irer schande erschrecken, die über mich schreien da! da! 40, 16. da! da! der artikel hat den rechten blutschweren tropfen Luther 1, 415b. so wird in Baiern auch ein roher mensch, auf den man mit da! da! hinweist, ein bauerndada genannt im gegensatz zu dem freien städter Schmeller 1, 347.
6. bei gegensätzen kann es wiederholt werden, kam eine plag nach der andern über die stadt, da pestilenz, da hunger E. Alber. 15a. gewöhnlicher ist hier oder hie und da,

dû twingest hie, nû twing ouch dâ
Walther 55, 28.

des heilgen geistes lêre,
die er mit wîser kêre
hie unde dâ den lûten warf Passional 169, 57
Hahn.

minne ist hie, minne ist dâ
Heinzeleins minnenlehre 1825.

wil ich hie, so wil sie dâ Liedersaal 2. 503, 19.

im mhd. auch wol dâ unde hie, was heute nicht mehr üblich ist,

dâ wâren kleiniu vensterlîn
durch daʒ lieht gehouwen în,
diu lûhten dâ unde hie Gottfried Tristan 420, 13.

sich was etwan hie ist und denne da, das ist nit an allen enden Theol. deutsch 60. und da dein knecht hie und da zu thun hatte 1 Könige 20, 40. macht hie und da graben an diesem bach 2 Kön. 3, 16. auch vergosz Manasse seer vil unschüldig blut, bis das Jerusalem hie und da vol ward 2 Kön. 21, 16. sie werden zu euch sagen 'siehe hie, siehe da'. Lucas 17, 23.

drum will ich
hier oder dort oder da triumphierend und einsam sitzen.
Klopstock Mess. 2, 848.

in erd und himmel, hie und da
Rückert 7.

manchmal heiszt es so viel als vereinzelt, zuweilen, hier und da sieht man in dem sand einen grünen strauch. eine miserable lust hie und da über die schnur zu hauen Tieck. oder da und dort, dorten.

weicht in die winkel da und dort Fastnachtsp. 172, 2.

und huben an zu fliehen einer da, der ander dort hinaus 2 Maccab. 21, 2. jetzt da, dan dort allenthalben Maaler 85b. da und dort hic et illic, hinc illinc Schönsleder K.

stürzt alles zu boden da und dort Mückenkr. 3, 116.

o liebe mutter, ich mag alldo
ihm geben gar kein freundlich wort,
weil er sich los hält da und dort
H. Sachs 4. 3, 36b.

ach wie steht der gute glauben
da und dort auf falschen schrauben
Chr. Weise Kluge leute 355.

dasz die macht
der christenheit, die er gewaltig lenkt,
die Türken da, die ketzer dort vertilge
Göthe 9, 127.

was etwa da und dort sich melden mag 41, 211.

dort und da wieder hin
glieder um glieder sich ziehn 41, 236.

da ist der kahn und dort der see: versuchts!
Schiller 518.

nun musz ich da und dorten sie auch zu sehen gehn.
Rückert 214.

selten dort und da,

stäts und immer, dort und da
Rückert 26.

oder in verbindung mit hier,

si stuonden hie, dort unde dâ
nâch wunsche drin gesprenget
Konrad Trojan. krieg 7455.

und was ich sonst mache hier und dort und da Göthe 47, 105.
Mit da und da drückt man das unbestimmte, ungewisse aus, er hat sich da und da aufgehalten. wilt du allwegen lust haben, den magst du nit überkummen, so du den lüsten und glüsten nachhengen wilt und dem da und da zu seinem weib gon Keisersberg Sünden des munds 12a. aber dise die der welt urlob hond geben und still seint worden, wan man inen sagt was man da und da thü, die entpfinden es weit, wan sie der selben stille mangelen müssen, und so inen unrg

[Bd. 2, Sp. 650]


einfallet 70a. der künig ist da und da. gott ist da und da Brösamlin 34a.

ich wäre kein soldat, nein, sondern der und der,
und käme da und da von meiner heimat her.
Mich. Franck Kriegsbrand D 2b.


7. die alte sprache liebt es, wenn vor dem eigennamen eines landes, flusses, waldes, einer stadt eine präposition steht, noch ein hinweisendes da vorangehen zu lassen,

dâ zen Burgonden was ir lant genant Nibel. 5, 3.

dâ zem Spehtesharte das. 903, 3. dâ ze Rîne Dietleib 8954. s. Benecke 1, 305. des gleichen lis (lese) ich auch von sant Peter, dem marterer prediger ordens, der da leit z Meyenlandt Keisersberg Sünden des mundes 44a. es kommt noch in der umgangssprache vor, da bei der Fulda liegt der kleine garten. da am fusz des Habichtswaldes steht seine hütte.
8. weist es auf eine bestimmte örtlichkeit, so heiszt es allda, dort, daselbst. ich hatte das buch mit auf mein landhaus genommen und liesz es da liegen. das ist sein haus, er wohnt schon lange da. er ist in der stadt, aber er bleibt nicht da. kommt er auf mein gut, so halte ich ihn da fest. so hab ich nu dis haus erwelet und geheiliget, und meine augen und mein herz sol da sein alle wege 2 Chronica 7, 16. als nun die Samariter zu im kamen, baten sie in das er bei inen bliebe, und er blieb zween tage da Joh. 4, 40. so steht es auch, die örtlichkeit näher bestimmend vor adverb., das haus steht da hinten, da neben. das buch suchen da unten. bis da huc usque, hier da hic Stieler 267. von da von dort. ein thurm steht dort, von da hat man eine weite aussicht. von da gelangte man zu einem lustigen wäldchen. sie sprachs und eilte nach dem vordertheil des schiffs, von da sprang sie ins wasser; vergl. von dar s. 655. von da an bezeichnet einen wendepunct, wir kamen bis zu dem brunnen, von da an gieng der weg rechts ab.
9. es kann auch so viel bedeuten als zugegen, gegenwärtig, angelangt, vorhanden, zur stelle, zur hand. dan wer ze hof ist und lang wil da bleiben, der msz es künden, kan er es nit, so bleibt er nit lang da Keisersb. Sünden des munds 67b. so er gebeut, so stehts da Psalm 33, 9. denn plötzlich steht er da und spricht Lessing 1, 48.

da steh ich schon
Göthe 41, 157.

du siehst vier fürsten da 41, 291.

gewöhnlich bei sein.

und ob iemant käm nach uns herein,
so sagt niemant dasz wir da gewesen sein. Fastnachtsp. 790, 25.

da er sahe das kein mensch da war, erschlug er den Egypter 2 Mos. 2, 12. die (steine) sind noch da auf diesen tag Josua 10, 27. die zeit ist da, das die heiden komen sollen Hesek. 30, 3. ich bin da, ich merk und höre dich Maaler 85b.

ich wil itzt selber zu in gehen,
sie sol die drüsse und beule bestehen:
ich wil in die leviten lesen,
sollen sagen ich sei da gewesen.
Joh. Römolt C 3a.

weil daselbs wärn losieret ein
all eidgenoszschützen, die da sein
Fischart Schiff 904.

das sahe der koch ohn als gefahr
dasz ein frembder hund da war
Wolgemut 2, 342.

er ist nicht da desideratur Stieler 267.

sagts, wollt ihr nicht? denn jetzt sind wir noch da
Gellert 1, 205.

mein lieber schatz, das los ist da 2, 295.

denn nicht nur glück, auch leiden dich zu üben
erwarten dich und sind schon da 6, 229.

aber morgen nacht
bist du wieder da?
Göthe 1, 247.

war sie da? wo ist sie hin? 5, 50.

Haman, bist du da? 13, 20.

ich sage nur zu gern 'da bin ich, da' 41, 220.

gelegenheit ist da, nun, Fauste, greife zu 41, 259.

Faust. ist jemand hier? Sorge. die frage fordert ja.
Faust. und du wer bist du denn? Sorge. bin einmal da. 41, 314.

alles ist immer da in ihr (in der natur) 50, 7.

wer, wer ist da?
ich, ich bin da 57, 137.

sobald er da sein wird Engel Lor. Stark c. 25. was das absolute sein oder gott ist, das ist er schlechthin. nun ist er untern andern auch da, äuszert und offenbart sich Fichte Anweisung zum seligen leben 105. es ist nichts! nichts! du bist ja da. es ist vorüber Schiller 184a.

[Bd. 2, Sp. 651]


und kalt her bläst es aus dem wetterloch:
der sturm, ich mein, wird da sein eh wirs denken 517a.


10. so bezeichnet da sein auch leben,

denkt ihr dasz ich rätsel
zu lösen da bin?
Lessing 2, 280.

dasz ich dirs mit éinem worte sage, mich selbst, ganz wie ich da bin (meiner natur, meinem ganzen wesen gemäsz) auszubilden, das war dunkel von jugend auf mein wunsch und meine absicht Göthe 19, 151. und wenn ich (Göthe) jetzt ins theater komme und seh nach seinem (Schillers) platz und musz es glauben, dasz er in dieser welt nicht mehr da ist, dasz diese augen mich nicht mehr suchen, dann verdrieszt mich das leben, und ich möchte lieber nicht mehr da sein. Bettine Briefwechsel 1, 281. deinetwegen, schöpfer, bin ich da Schiller 207b. s. dasein.
11. zählt man etwas auf, so sagt man formelhaft als da ist. manche vögel ziehen im herbst fort, als da ist die schwalbe, die nachtigall, der storch und andere.

nämlich kräuter als da sein
gänsfüszel und auch gänserich,
gänsdistel, gänszung sicherlich Ganskönig F v.


12. häufig steht es im nachsatz auf wo. wa die liebe ist, da ist kein murmeln, kein eer abschneiden Keisersberg Sünden des munds 30a. also auch wer die kleinen teglichen sünd nit meiden wil, der msz warten sein das sie in hindennach verderben. davon wa die münch und pfaffen also in die hüsser schliefen, da mag nüt gts sein 52a. und wo rechte gericht seint, da man dem armen urteilet als dem reichen, und so man gleich hindurch gat, da seint die stett verrigelt, wo die statthor wol verrigelt seint, da ist man sicher in denen 81a.

wo landsknecht sieden und braten
und pfaffen zu weltlichen dingen raten
und weiber führen das regiment,
da nimbt es selten ein gut end
Schuppius 12.

denn wo das strenge mit dem zarten,
wo starkes sich und mildes paarten,
da gibt es einen guten klang
Schiller 78a.

wo rohe kräfte sinnlos walten,
da kann sich kein gebild gestalten 79b.

der nachsatz mit da kann auch vorangehen, da baut man hütten, wo friede herscht.

er bat nur da, wo jener wild befahl
Gellert 1, 184.


13. als entschiedenes relativum heiszt es wo, was man jetzt auch lieber gebraucht. das demonstrative da kann voranstehen, er ist da, da man ihn nicht sucht. es kann auch unterdrückt werden, was in der ältern sprache nicht selten geschah (Benecke 1, 305b, 23). sich schuldig bekennen da kein schuld ist Keisersberg Sünden des munds 15b. aller unflat würt geseiet (gesät) da die aller öbersten solten sein 20b. ein gut ding ist hochgültiger und besser weder (als) da ist der gut leümbde und eer 48a. euer liebe hausfrau ist besser da (da wo) sie itzt ist, dann da (als) sie bei euch war Luther 5, 589. da ich bin, könnt ir nicht hinkommen Joh. 7, 34. meist wird die örtlichkeit angegeben, ich bin in einem land gewesen, da die menschen zwiret in dem tag essen Keisersberg Sünden des munds 5b. darumb hat man in den selben landen, da sie seindt, ampelen in den heusern 68a. und sazt in uf die grb, da Daniel in sasz under den leuwen 86a. das niemand den andern sahe noch aufstund von dem ort, da er war, in dreien tagen 2 Mos. 10, 23. ich aber wil eraus (heraus) gehen und neben meinem vater stehen auf dem felde, da du bist 1 Samuel 19, 3. rugen (ruhen) in der höle, da sie lauren Hiob 38, 40. und er ersäuft würde im meer, da es am tiefsten ist Matth. 18, 6.

an solchen örten und dem platz,
da man verhüt den himmelschatz
Schwarzenberg bl. 152.

begab er sich für Camin, da daszmal die pommerschen fürsten waren Micrälius 2, 257. das kein sprache oder rede sei, da man nicht gottes stimme höre Schuppius 94. der hof eines potentaten, da verstand und gerechtigkeit zu rate sitzen. Butschky Patmos 730.

ein schlosz, da Circe scherzt mit ihren gaukelpossen,
ein kerker, da das glück die sclaven hält verschlossen,
ein tollhaus, da man sich durch manche narren drängt
Canitz 130.

[Bd. 2, Sp. 652]


du findest dich vor einem gewölbe, da wol zwanzig stufen hinabgehen Göthe 16, 9. die Straszburger tanne spricht zu den andern bäumen

einst einer von euch allen,
wenn er so altergrau
wird wie ich falle fallen,
gibt stoff zu anderm bau,
da wohnen wird und wachen
ein fürst auf deutscher flur:
dann wird mein holz noch krachen
im bau der präfectur
Rückert 189.


14. ohne beziehung auf örtlichkeit wird da vorangesetzt, um auf eingetretene ereignisse oder auf besondere zustände lebhafter hinzuweisen, ein gebrauch der schon in der mhd. sprache nicht selten war; vergl. Benecke 1, 305a. da springen sie, da jauchzen sie. da steht er wie ein armer sünder. da reden sie schön und handlen schlecht. da wellen vil auctoritates herfür ziehen, ist eben als wan man der sonnen ze hilf wil kumen, so man stro anzündet Keisersberg Sünden des mundes 81a. stieg ich zu ihm ins grab hinunter und fieng an ihn zu schütteln, zu küssen, aber da war kein leben mehr Simpliciss. 1, 46. Göthe liebt es sehr,

ha, ich kenne dich, Amor, da bringst du
deine fackel und sie leuchtet im dunkel uns vor 1, 311.

nun denk, ist es nicht schändlich? da werfen sie ihm einen buben nieder 8, 6. da komme ich von St. Veit, wo ich die letzte nacht schlief 8, 13. da könntest du am kaiserlichen gerichtshof klagen zehen jahr, da mag der bischof wollen oder nicht, der bub musz heraus 42, 26. da wird ein todter geschwind noch abgegossen und eine solche maske auf einen block gesetzt, und das heiszt man eine büste 17, 26.

da sah ich wieder zum erdenrund,
da sah ich die liebe wieder
Rückert 6.

da heiszt hier so viel als in dieser lage, stimmung, unter diesen umständen: noch deutlicher tritt dies hervor, wenn die ereignisse oder verhältnisse angegeben werden, worauf es sich bezieht. es brennt, da will ich hineilen. und du sprechest nein und du lügst, wann soltest du nicht liegen, so würde der selbig erstochen, da lügest du allein umb fridens willen Keisersberg Sünden des munds 23a. betracht das du selber bresthaftig bist, wan du z einem sprichst 'du schalk, du dieb, du hur und des gleichen', und du böser bist, oder doch gleich des leders. als da losz dich bewegen dein eigen gebresten 38a. aber alle die da nach urteilen, handeln und sich des gebrauchen, die verderben und verfaren; und dar durch verfert ein ganz gemein. sol man da schweigen? 79a. du redest artig, da werden die töchter studieren können, wie die söhne Gellert 2, 65. (ich) ward endlich an einem sontage abends um sechs uhr (mit dem gedichte) fertig und las mirs alsdann zum erstenmale laut vor: da, da war himmel und erde mein 8, 21.

Klosterbruder. ich musz gehorchen, lieber herr. Tempelh. und da
gehorcht Ihr denn auch ohne viel zu klügeln?
Lessing 2, 215.

auch der
ward nun so in die glut hinein gestoszen:
da fiel ich ungefähr ihm in den arm:
da blieb ich ungefähr so wie ein funken
auf seinem mantel, ihm in seinen armen,
bis wiederum, ich weisz nicht was, uns beide
herausschmisz aus der glut. was gibt es da
zu danken? 2, 263.

und also können Sie schon tanzen und ebensoviel wie ich? o da hats gute sache 2, 401. Sie kennen ihn nicht, o da kennen Sie einen groszen geist weniger ders. morgen ruf ich sie mir herein und da will ich sie herzen und lieb haben Engel Lorenz Stark c. 15. aber es rennt mir so von selbst in die hände, da will ichs doch mit nehmen ders. Philosoph für die welt.

denn solche schätze zu gewinnen,
da musz man viel behender sein
Göthe 1, 212.

das hemd musz er haben, da rastet er nicht,
da gilt auch kein langes besinnen 1, 230.

man musz nur ein wesen von grund aus lieben, da kommen einem die übrigen alle liebenswürdig vor 17, 131. bei Göthe auch in relativer stellung. Charlotte brachte ihn gleich in seinem fache zur thätigkeit, indem sie ihre gartenknaben in dem groszen saal aufmarschieren liesz; da sie sich denn in den heitern reinlichen uniformen mit gesetzlichen bewegungen

[Bd. 2, Sp. 653]


und einem natürlichen lebhaften wesen sehr gut ausnahmen 17, 278. er sasz fast niemals als wenn er seine harfe nahm und darauf spielte; da er sie denn meistens mit gesang begleitete 20, 276. alles von jugend und kindheit auf ward genöthigt sich anders zu bilden, da es denn auch in einer tumultuarischen zeit an verbildung nicht fehlte. ders. an Knebel 629.

und der könig winkt wieder:
da öffnet sich behend
ein zweites thor
Schiller 70a.

wenn das todte bildend zu beseelen,
mit dem stoff sich zu vermählen
thatenvoll der genius entbrennt:
da, da spanne sich des fleiszes nerve 72b.

was Arabien kocht, was die äuszerste Thule bereitet,
hoch mit erfreuendem gut füllt Amalthea das horn.
da gebieret das glück dem talente die göttlichen kinder,
von der freiheit gesäugt wachsen die künste der lust 76a.

mit züchtigen verschämten wangen
sieht er die jungfrau vor sich stehn:
da faszt ein namenloses sehnen
des jünglings herz 77b.

so schwebend in der leiden mitte,
da sah der arme noch das dritte
Rückert.

ich nachtigall fuhr über meer einmal,
da stieg vor mir ein eiland aus dem tose
der wogen auf im morgensonnenstrahl:
da waren blumen, volk und köngin Rose 310.


15. abgeleitete bedeutungen.
a. da für weil, doch minder nachdrücklich, die lage der dinge bezeichnend. da er einmal gekommen ist, so will er nicht wieder weggehen. da es nicht anders ist, so trete ich zurück.

F. ein herz das anlasz stäts zu neuer liebe giebet.
G. auch wol zu neuem ruhm (da mir zu reden frei)
A. Gryphius 1, 262.

er kann zuletzt sich nicht entbrechen,
da sie nichts sagt, ihr selbst davon zu sprechen
Wieland.


b. für während. es eröffnet sich zu dieser unser zeit unter geringen leuten eine sucht, in deren die patienten ... gleich rittermäszige und adeliche personen von uraltem geschlecht sein wollen: da sich doch oft befindet dasz ihre voreltern tagelöhner gewesen Simpliciss. 1, 1. wozu dient das dasz sie mit güldenen hamen wollen kuhlbarsch in der Weichsel fangen, da sie dort mit eisern hamen könnten wallfisch fangen Schuppius 373. gott habe dem Hiob alles zwiefältig widergeben. da er zuvor siebentausend schaafe gehabt, habe ihm gott vierzehntausend geben: da er fünfhundert joch rinder gehabt, habe ihm gott tausend joch rinder widergeben 493. untrew trifft ihren eigen herrn, oder da sichs verzeucht, so zahlen endlich die erben 833.

der fürsten macht hat meinen fall begehrt,
und mich verfolgt, da ich schon nichts begangen
Opitz ps. 119, 81.

die gute Galathee! man spricht sie schwärz ihr haar,
da doch ihr haar schon schwarz als sie es kaufte war
Lessing 1, 21.

er (der maler) trifft mich, da ich ihm doch nie gesessen habe Merck br. 1, 41.

du machst mich gar zum diebe,
da du die diebin bist
Göthe 7, 84.


c. für wenn, wenn vielleicht, falls, wofern. da einer auch den ehrenberg gleich erstiegen hat, und ziehet nicht alsbald die leiter nach sich, so können ihme die schuhe gar leichtlich ausgetreten werden Butschky Patmos 555. wie mancher wäre grosz und gewaltig verblieben, da er nicht durchaus der allermächtigste seyn wollen 780. das pulver, welches die festesten bollwerke, und da sie gleich von lauter felsen wären, sprenget 729. zwar scheinet es billich, das ein getreuer diener die wahrheit sage, da es auch gleich mit gefahr seines lebens geschehen solte 820. item so einer uber feld got, oder da einer frü iszt von gewonheit wegen, das ist nit unrecht Keisersberg Sünden des mundes 4a. in der messenden kunst, da einer ein thurn abmisset, wie hoch er ist 11a. da wär auch zesagen, als da einer wirt gefoltert, ob ein richter sich nach der rügung sol halten, die er da erfaren 72a. als da ein mensch wil zwo zungen regieren und kan nit eine regieren: es ist eben als da ein schiffman wil zwei schiff regieren und hat an einem geng 68a. es ist z dem andern löblich, da einer schweiget aus seiner thorheit 77a. da ein mensch kan ware ding reden, der würt genant weise 20a. hohe augen, das ist stolzheit, da ein mensch stolz, hoffertig ist 24b. denn

[Bd. 2, Sp. 654]


ich halte mein gnädiger herr habe dem landvogt befohlen dich mir entgegen zu schicken, da (falls) ich ja unterwegen stürbe, dasz du zuvor mit mir reden möchtest Luther br. 5, 59. denn da dem also wäre, als würden ja — Ringwald AVb. und da ich gleich zur kirchen gieng, so war es doch ein lauter tand H IVb. unter denen, da einer liebet und der ander geliebet wird, wird der name herr und diener aufgehaben Olearius Rosenth. 5, 1. welcher freundschaft machet mit einem, der nicht seines gleichen ist, und da sichs nicht geziemet ders. Lockmanns fabeln 35. ein weib, da der mann keinen fride hat, macht ihn verdrossen zu allen dingen Butschky Kanzlei 570. da sich mein vater nicht leicht eine ausgabe erlaubte, so war er dagegen nicht karg Göthe 24, 239.
16. im mhd. wird wie im ahd. dar dâ, wenn es vor präpositionen oder adverbien steht, nicht damit zusammengesetzt, zumal es auch durch die stellung davon getrennt werden kann. weil es in diesen fall zwar demonstrativ aber zugleich auch relativ ist, mithin der ton nicht auf ihm ruht, so verbindet man jetzt beide wörter, also dabéi, dadúrch, dahér, damít, danách, davón. wollte man in diesem fall, etwa aus metrischen gründen, im mhd. eine zusammensetzung, so ward dar vor consonanten in der abgeschwächt, man schrieb derbî, dermite, dernider, dervon, dervor, derzuo, wie noch jetzt das volk derbei, dermit, dervon u. s. w. spricht. vor vocalen syncopierte man, drabe, dran, drinne, drobe, drumbe, drunder, drûʒ. letzteres geschieht auch jetzt noch, am häufigsten bei dran, drauf, drauszen, drinnen, droben, drunter. das mhd. kürzt auch da inne in dinne dinnen, da ûʒe in dûʒe, und man findet diese formen noch im 16ten jahrh. dinne, dauszen, doben, doch Frisch sagt sie seien veraltet; in mundarten dauern sie fort, daus, daussn, dinne Schmeller 1, 348.
Die jetzt in der regel nothwendige zusammensetzung hat zur folge dasz man da, wo es blosz demonstrativ steht, wiederholen musz, ich bin dá daheim, er ist dá dabei. eingreifender ist die weitere folge, dasz die freiheit verloren gieng beide wörter zu trennen, was Adelung mit unrecht für einen gewinn hält. es geschah nach und nach, im 15ten und 16ten jahrhundert bediente man sich ihrer nicht ganz selten: Göthe hat es noch in unserer zeit gethan.

da leit nit an
Wittenweilers Ring 58a.

da wirt ein gais mit hürnern aus 346, 3.

da lasz dich weisen von Fastnachtsp. 588, 26.

da ist nit bessers für Keisersberg Sünden des munds 11b. denn hast du ein stein in die mrlachen geworfen, da die frösch in gracklen 35a. da ist chrisam und tauf an verlorn 48b. also fr er (der advocat) dahin mit seinem disputieren, da er hin gehort 61a. das lant da du ein fremdling innen bist 1 Mos. 17, 8. 28, 4. 35, 27. da zankten sie uber 1 Mos. 26, 21. 22. ist das ewer jungster bruder, da ir mir von sagtet? 1 Mos. 43, 29. der ort da du auf stehest, ist ein heilig lant 2 Mos. 3, 5. ein lamb da kein feil an ist 2 Mos. 12, 5. ein land da milch und honig innen fleuszt 2 Mos. 13, 5. aber Mose macht sich hinzu ins tunkel, da gott innen war 2 Mos. 20, 21. ein volk da kein rat in ist 5 Mos. 32, 28. ein lant da korn, most, brot, öl und honig innen ist 2 Könige 18, 12. gedenke an den berg Zion, da du auf wohnest Psalm 74, 2. da soll es bei bleiben Jesaia 45, 23. das predigen da nichts aus wird Hesekiel 13, 9. ein weib da der man keine freude an hat Sirach 25, 31. da lässet er einen andern für sorgen 2 Macc. 8, 30. ich habe eine speise, da wisset ir nicht von Joh. 4, 32. da wir aber von reden, das ist dennoch weisheit bei den vollkommenen 1 Corinth. 2, 6.

auch nit vergeszt der hölle not,
da alle menschen kummen ein,
die gotes gepoten wider sein
Schwarzenberg 145, 2.

als sie nun kamen in die stadt,
da diser kempfer innen was Theuerd. 77, 21.

wo der wär, da west niemand von
H. Sachs.

da lern du bei
das du folgen deinem herrn
Alberus Esopus 142.

da lasz ich sie fur sorgen ders. widder Jorg Witzeln M 1a. M 7b.

da behüt uns der almechtige gott fur T za.

in der brühe sitzen, da dise wurzel inne gesotten hat Tabernaem. 961. da die heiden von sagen F. Agricola Sprichw. 108, 2. und bitte dasz sie ihm einen heimlichen ort zeigen in ihrem haus, da er diesen todten hin begraben könne Schuppius 223

[Bd. 2, Sp. 655]


alte jungfern sind ein stock, da noch wachs noch honig innen
Logau 2. 100, 4.

wie viel augen hat der himmel, da er mit die erd anblickt 2. 206, 68.

wer mit karten gerne spielt, hat daran den reisebrief,
da er in das armenhaus frei und sicher mite lief. 3. 30, 44.

dasz dies unmöglich ist, da will ich um streiten. Opitz. da denket keiner an. Haller. da sage ich nein zu. Liscov 21. nein, da behüte mich gott vor! Göthe 11, 296. da seid unbesorgt vor. 57, 139. mit unrecht tadelt schon Frisch 1, 179, noch heftiger Adelung diese trennung, die sich auch in der volkssprache nicht ganz hat unterdrücken lassen, man hört, da kann ich nichts für, nichts zu daran bin ich unschuldig. da ist nichts an das ist ohne werth, da nimm dir ein beispiel an. da bin ich nicht bei daran nehme ich keinen theil, da ist nichts bei, was heiszen kann 'das hat nichts zu sagen', aber auch 'dagegen ist nichts einzuwenden', wie man spricht er ist fleiszig und ehrlich, da ist nichts bei insoweit ist nicht zu klagen.
17. wie im mhd. vor präpositionen mit vocalanlaut sich die alte form dar zeigt, vor consonantanlaut aber dâ (Ben. 1, 305b. 306), wenn nicht dar in der abgeschwächt wird und dadurch eine zusammensetzung entsteht, wovon vorhin beispiele gegeben sind, so macht sich eine solche unterscheidung auch in der heutigen sprache, welche die partikel mit den präpositionen vereinigt, geltend; schon Frisch 1, 179 bemerkt diese regel. wir sagen also richtig daran, darauf, darin, darüber, darum, aber dabei, damit, dagegen u. s. w. nur darnach findet man noch jetzt häufiger als danach, und Frisch hebt dieses als ausnahme hervor. im 15ten und 16ten jahrh. hatte dar vor consonanten noch das übergewicht, doch nicht bei Luther, der in der bibel (in dem unveränderten text) dabei, dadurch, dafür, dagegen, damit, daneben, daniden, davon (darvon entschlüpft ihm Sprüche Salom. 4, 13), dawider, dazu, dazwischen schreibt, aber darnach und darnider. Maaler, Dasypodius und Henisch ziehen dar vor, darbei, dardurch, darfür, dargegen, darhinten, darnach, darmit, darvon, darvor, darwider, darzu, darzwischen. Henisch führt aber auch dabei, dadurch, dafür, damit, dagegen an. Steinbach 1, 255 hat noch darbei, darfür, darvon, darvor, darzu, darzwischen. indessen finden sich diese zusammensetzungen mit präpositionen auch in der niederländischen und dänischen sprache, und daar und der bleiben unverändert auch vor consonanten, niederl. daarheen, daarbeneben, daarbeneden, daarmede, daarna, daartoe, dänisch derfor, derfra, derfrem, derhos, dermed, derned, dernäst, derpaa, derved, im englischen verhält es sich insoweit anders als die form there (ibi und illuc) einen zusammenstosz der consonanten verhindert, so thereby, therefore, therefrom. demnach könnte in darbei, darneben, darvon u. s. w. die alte volle form beibehalten und die mhd. unterscheidung unbeachtet geblieben sein.
Dazu kommt dasz zuweilen, wie im niederdeutschen immer, dar auch auszer zusammensetzung erscheint und nicht mit dar (ahd. dara) illuc kann verwechselt werden. dar ist guter fried, dar gute hüte (custodia) ist Henisch 649. er ist fern von dar ders. 649. Stieler 268. von dar dauert bis ins 18te jahrh. fort, wenn auch von da gewöhnlicher ist. sie nahmen ferner den schönen prospect von dar über die stadt in acht Ettner Unwürd. doctor 647. von dar er wein häufig in Deutschland einführen liesz Lohenstein Armin 1, 1058. ich begab mich nach Utrecht, von dar wollte ich nach Leiden Robert Pierot 4, 164. Mascov 2, 53. 145. ich komme von dar Bodmer. von dar will ich alsbald wieder nach hause kommen Lessing 3, 35. 52. von dar bringt ihn nur gleich in die steingruben 3, 61. aus Deutschland hat er sich nach Spanien und Portugal begeben, von dar nach England 3, 166 und auf derselben seite von da.

er (der westwind) eilt der tulpe zu, weil sie erhabner ist:
von dar eilt er aufs neu zum veilchenstock zurücke.
Zachariä.

her Gawin eilt von dar (: war)
Wieland 18, 283.

(er) wollte nicht wanken noch weichen von dar
Bürger 33b.

so sprach er und entfloh von dar 150, 6.

auch in dem gegensatz hier und dar hat sich die alte form länger erhalten,

ich hab gedienet lange jar
bei grafen fürsten hin (l. hie) und dar
H. Sachs 3. 2, 166c.

anderer leute güter hier und dar ausztheilete Schuppius 415.

[Bd. 2, Sp. 656]


und gefraget wer hier und dar wohne, dasz ihm nicht geantwortet worden seie, Cornelius wohne dar 533.

worauf (einem teppich) ein schimmernd gold aus grünem tafte strahlte,
den hier und dar der bäume dunkler grün
mit lieblicher schattierung mahlte
Drollinger 44.

auch bei Günther 407 kommt es vor. Rückert hat es wieder aufgenommen,

da sah ich einzeln laufen auch kindlein hie und dar 213.

sodann bei einigen verben, wo jetzt ausschlieszlich da gebraucht wird, am häufigsten bei sein, er ist immer dar frequens in eo loco est Stieler 268.

doch nein, dein end ist dar,
kein schlosz, kein schild, kein schwert, kein tempel, kein altar
schützt, wenn gott blitzen will
A. Gryphius Leo 47.

fehlt einer oder zwei? es sind viel tausend dar
die ihrem keiser hold, die willigst in gefahr
sich wagen für sein heil 1, 52.

die asch auf Ethnens kluft lehrt dasz dar feuer stecket
Lohenstein ged. 30.

und will dasz Zion nicht allein
dar tauche seine flecken ein ders. Geistliche gedanken.

das mindste war nicht dar das. gedichte. ist ein priester dar? ders. dann auch, ein platz, dar du konntest erquickt werden Olearius Baumgarten 7, 30. meiner guten freunde halben muste ich dar bleiben ders. Rosenthal 2, 14 und öfter.

fürsten von gerechtem mut
sind ein allgemeines gut.
was von ihnen sei zu halten,
wird am meisten dar erkant,
wo man über leut und land
einen wütrich sihet walten.
S. Dach Qb.

dar liegt es, dar stehet es, dar hastu es en ecce Stieler 268, der auch alldar anführt. s. oben 1, 216.
18. da in den zusammenziehungen dran, drauf, drauszen, drinnen, droben, drüber, drunten, drunter die demonstrative kraft von dar abgeschwächt ist, so fügt man im gemeinen leben nochmals da hinzu, gewöhnlich voran, doch läszt man es auch folgen, drinnen da sitzt er, drauszen da hab ich gestanden. schon im 15ten jh.

ich trag gern an ein hübsches clait
darinn da dünk ich mich ain stolze dirn Fastnachtsp. 735, 14.

Göthe hat das voranstehende da in die schriftsprache eingeführt; er hängt es bald an, bald läszt er es getrennt. s. DWB dadran. dadraus dadrauszen. dadrein. dadrinn dadrinne dadrinnen. dadroben. dadrüber. dahintendrauf.
 
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da , ahd. dô, bei Isidor dhuo, mhd. dô, altsächs. duo, ags. þâ, dän. da. das gothische kennt kein þô und braucht dafür þan þanuh: ebenso kommt in einigen ahd. denkmälern keinvor, die dafür denne, danne verwenden.ist von der vorhergehenden, jetzt gleichlautenden partikel zu scheiden. ursprünglich ist es ein acc. sing. fem. von dem pronom. demonstr. diu, der im gothischen þô, im ags. und altnord. þâ lautet: auch im ahd. war wol frühervorhanden, bis es durch dia verdrängt ward; vergl. Grammatik 3, 169. dieses da bezieht sich auf eine vergangene zeit und niemals auf den raum, das ist die regel.
1. als demonstrativum tum tunc, zu der zeit, damals, darauf, indem es einen eingetretenen zeitpunct bezeichnet. am nächsten morgen da eilte er weg, da war ich beruhigt. einen arzt schickte er mir da. er war noch jung, da (damals) konnte man alles von ihm erlangen. er zeigte sich wieder freundlich, da (nun) war alles gut. er hatte alles erzählt, da gieng er fort. die alte sprache stellt es gerne in den anfang des satzes (Benecke 1, 374), z. b.

dô (zu der zeit) wuohs in Niderlanden eins rîchen küneges kint Nibel. 20, 1.

am andern tag da kam das alte weib wider z der eefrawen Keisersberg Sünden des munds 47a. häufig bei Luther, da ward aus dem abend und morgen der erste tag. da machte gott die feste. da liesz gott einen tiefen schlaf fallen auf den menschen 1 Mos. 1, 5—7. 2, 21.

auch der
ward nun so in die glut hineingestoszen:
da fiel ich ungefähr ihm in die arme,
da blieb ich ungefähr, so wie ein funken
auf seinem mantel, ihm in seinen armen
Lessing 2, 263.

Göthe häuft es, um in der naiven erzählung die rasche folge der ereignisse in lebendige nähe zu rücken,

[Bd. 2, Sp. 657]


da nannt ich sie alle bei namen laut,
'was willst du, Anne? was willst du, Beth'?
da rüttelten sie sich, da schüttelten sie sich
und liefen und heulten davon. 1, 173.

da haschte er mich, und kitzelte mich, und da schrie ich, und da balgten wir uns, und da warfen wir, und da warfen wir die stühle um, und da fiel einer dem vater auf die füsze. 14, 297. von da an, von dem zeitpunct an, von da an besserte sich der kranke. darnach gab er inen richter bei vierhundert und funfzig jahr lang bis auf den propheten Samuel, und von da an baten sie umb einen könig Apostelgesch. 31, 20. 21. er hatte aus der Offenbarung geschlossen, dasz im jahr 1862 die welt voll 6000 jahr würde gestanden haben und dasz von da an das siebente jahrtausend und mit demselben der noch bestehende sabat oder die glückliche ruhezeit der kirche gottes auf erden ihren anfang nehmen würde. Lessing 3, 156.
2. für cum, relativisch. Luther gebraucht daneben auch als, das hernach vorherschend ward. der nachsatz folgt oder geht voran ohne eine zweite partikel, diese kann aber auch zugefügt werden.
a. da es wolt zu dürr werden, er bat (gott) aber (abermals) umb ein regen Keisersberg Sünden des munds 18a. wie wol, da er (Christus) ein kint gewesen ist, hat er sein muter dick angelacht, als ein ander kint tht 54b. da das hort der tribunus, er forcht sich 55b. da er an das todtbet kam, er schickt nach dem priester ze beichten 61a. da gott den menschen schuf, machte er ihn nach dem gleichnis gottes 1 Mos. 5, 1. da sie gessen hatten, blieben sie auf dem berge zu nacht 1 Mos. 31, 14. da sie es hörten, verdrosz es die männer 1 Mos. 34, 7. das letztemal, da ich euch sah, machtet ihr mir viel sorge Klinger 1, 46.

ach da ich irrte, hatt ich viel gespielen,
da ich dich kenne, bin ich fast allein
Göthe 1, 5.

da der Griechen schiffe brannten,
war in deinem arm das heil
Schiller 53b.


b. Joseph war schon siebenzehen jahre alt, da er ein hirte des viehes ward 1 Mos. 37, 2. sie haben sich verwundert, da sie solches sahen Ps. 48, 6.

merk, Daniel dem gieng es trub,
da er sasz in der löwen grub
Schwarzenberg 156, 2a.

kaum hatte er Athen verlassen, da das unbeständige und unerkenntliche volk alle seine statuen umwarf und zerschmelzen liesz Winkelmann 6, 124. der junge Revanne hörte noch zu, da sie schon ausgesprochen hatte Göthe 21, 91.
c. wenn eine zweite partikel gebraucht wird, so kann da in seinen bedeutungen von cum und tum gegenüber stehen, da er das gesagt hatte, da gieng er weg. da ich sie erblickte, da ward ich bewegt. da der deckel geöffnet ward, da sprang das thier heraus. darnach erst da sie starb, und als man iren leichnam wsch, als man in den klöstern pfligt z thun, da sach man erst dasz sie ein frawenbild was Keisersberg Sünden des munds 16a. da das sahe sein wapner das Saul tod was, da nam er sein schwert und fiel auch darein und starb mit im 29b. da das jar herumb kam, da fragt in der altvatter 36a. da Adonia sich hab wollen zum könig machen, da hab Nathan der königin geraten Schuppius 12. da der könig Belsazar die deutung der wort wissen wolte, da gab die königin den rat 13. da Johannes dem Herodi auf den fusz trat, da war er kein guter prediger mehr 14. im mhd. war das nicht selten (Benecke 1, 375), jetzt gebraucht man häufiger als, wie schon Keisersberg als sie z land wolten faren, da brach das schiff Sünden des munds 68b. das mhd. zeigt auchim nachsatz.
3. blosz relativ steht da für wo, was man jetzt lieber gebraucht. die alte sprache kennt dies relativum nicht, sie hat andere constructionen,

ichn gewinne gemach nochn wirde vrô
niemer mê unz ûf den tac,
daʒ ich wider haben mac
mîner vrouwen hulde Iwein 5466.

nû wachet! uns gêt zuo der tac,
gein dem wol angest haben mac
ein ieglich kristen, juden unde heiden
Walther 21, 25.

doch müeʒe ich noch die zît geleben,
daʒ ich sie willic eine vinde 98, 22.

bei Luther nicht selten, zu den zeiten da Mose grosz geworden 2 Mos. 2, 11. zu der zeit da der herr mit Mose redete 4 Mos. 3, 1. ich gedenke (der zeit) da du eine freundliche junge dirne und eine liebe braut warest Jerem. 2, 2. bis auf

[Bd. 2, Sp. 658]


die zeit da sich die Wenden hinein gesetzet Micräl. A. P. titelblatt.

sie fand nunmehr nach einem halben jahre
den gatten noch so liebenswert
als an dem tag da er, gefragt vor dem altare,
ihr durch ein seufzend ja sein zärtlich herz erklärt.
Gellert 1, 185.

endlich kam der tag da die blaue pagode eingeweiht werden sollte Wieland 6, 282.

o goldne zeit da sich noch schwesterlich umfaszt
die grazien und musen hielten,
da helden noch die sanfte lyra spielten 10, 100.

das letzte mal da ich euch sah Klinger 1, 46. 47. den schönen morgen da er ihn pflanzte, die lieblichen abende da er ihn begosz und da er an dem wachsthum seine freude hatte Göthe 16, 40.

o fluch dem tag da dieses landes küste
gastfreundlich diese Helena empfieng!
Schiller 406a.


Unorganisch und tadelnswert ist dieses relativum, wenn es beim präsens angewendet wird: da es weder auf den raum noch auf die vergangenheit geht, so kann nicht das alte dâ, auch nicht das altedarin liegen. schon bei Luther zeigt sich dieser misbrauch, bis auf den tag, da (an welchem) ihr euerm gott opfer bringt 3 Mos. 23, 14.

dies ist der tag, da Tauris seiner göttin dankt
Göthe 9, 5.

wenn es in dem augenblick geschieht, da wir eine höhe glücklich erreicht haben ders. 18, 16. zu eben der zeit da sich droben der himmel läutert und sondert. Herder.
4. aber auch demonstrativ findet sich da in beziehung auf die zeit im präsens,

steht man da (in dem augenblick) auf, wann man hat jetzt zu sitzen aufgehört,
oder wann man zu dem stehen sich hat erstlich aufempört?
Logau 2. 5, 12.

so seid ihr aber alsdann gemeiniglich schon so abgelebt, dasz man bedenken haben musz euch zu befördern, dann da ist die hitze der jugend verloschen Simpliciss. 1, 63.
5. eine ahd. glosse erklärt duo durch nunc (Graff 5, 67), ein paar mal findet sich in Gottfrieds Tristan die frage wie dô?

wie dô? wie ist mir sus geschehen? 132, 27.

'wie dô?' sprach Môrolt 175, 17.

'wie dô? wie dô?' sprach Tristan 178, 31.

auch einmal bei Rudolf von Ems,

er sprach 'wie dô?' nu sage mir,
ob dirre kouf gevalle dir? Gerhart 2387.

gleichbedeutend damit im Tristan 111, 19 wie nû? sie bezieht sich auf vorangegangene überraschende ereignisse, geht aber doch auf die gegenwart. wie nun? wird heute oft gehört und heiszt was ist jetzt zu thun, wie ist jetzt die sache zu betrachten? aber wie da? kommt selten vor, doch Lessing gebraucht es,

wie aber, wenn alsdann die traube
die probefrucht gewesen wär?
wie da, mein freund? 1, 48.

in folgender stelle steht es für wie so? einer der mit trauriger miene einher geht, wird von einem freund nach dem grund gefragt, er erwidert er habe seinen procesz verloren. worauf der befreundete sprach 'wie da, herr? habt ihr mir nicht beigebracht dasz euch jener berühmte advocat versichert einen gewonnenen handel zu haben? Fliegenwadel 9. Stieler erklärt es wieder anders, wie da quare? 267.
6. durch die vermischung vonundhat sich Olearius verleiten lassen statt da in der bedeutung von cum dar zu sagen, was nicht zu entschuldigen ist, dar ich weisz dasz ich selbst mit einer solchen sünde befleckt bin Baumgarten 7, 30.
 
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dabauszen, adv. drauszen. mit einem fusz binnent (binnen) die pfort und mit dem andern darbauszen Weisth. 2, 240. s. DWB bauszen.
 
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dabei, adv. ahd. dâr bî, mhd. dâ bî, derbî, altsächs. thar bi, altfries. therbi, niederl. daarbij, engl. thereby, Luther hat nur dabei, Keisersberg, Henisch, Stieler, Steinbach (1, 103) beide formen dabei und darbei, Opitz darbei, Frisch dabei, was jetzt allein gilt.
1. bezieht sich das nahesein auf eine örtlichkeit, so heiszt es daneben juxta prope. dort ist das haus, eine linde steht dabei. da war ein brunnen auf dem felde: drei herde schafe lagen dabei 1 Mos. 19, 2. das tägliche brot soll dabei liegen

[Bd. 2, Sp. 659]


4 Mos. 4, 7. haue ab den hain, der dabei stehet Richter 6, 25. und der den leuten feuerwerk gibt, davon man nimmt, dasz man sich dabei wärme, und den man anzündet und brot dabei bäcket Jesaia 44, 15. alles volk das dabei (zugegen) war Luc. 23, 48. Simon aber zog gen Ascalon und die festen städte dabei 1 Maccab. 12, 33. da kamen wir an eine stätte, die heiszet Gutfurt: dabei war nahe die stadt Lasea Apostelg. 27, 8.

wo eine rose blüht, da steht ein dorn darbei
Opitz 1, 29.

der teufel war dabei
Göthe 41, 255.

ich stand dabei, als in Toledos mauern
der stolze Carl die huldigung empfieng
Schiller 243a.


2. dieser begriffer weitert sich, wenn dabei auf verhältnisse und zustände geht, es heiszt dann soviel als daran, dazu, damit, zugleich. dabei hat es sein bewenden. es ist ein grosz gab von got das du reden kanst, das merk dabei Keisersb. Sünden des munds 82a. dabei sollt ir merken dasz mich der herr gesandt hat 4 Mos. 16, 28. gedenket auch dabei dasz ich euer fleisch und gebein bin Richter 9, 2. dasz es ein lauter hülsen sei, siehet man dabei (daran), dasz sie nicht denken darnach zu leben Luther 6, 52b. das leben dabei setzen 2, 162. der könig habe zu ihm gesagt 'vetter, wie bist du darzu kommen dasz du bist pabistisch worden'. der fürst habe geantwortet 'ihre majestät, ich bin bei dem trunk darbei (dazu) gebracht worden Schuppius 84. ich denk Schlafsanft gehört auch dabei (dazu) Eras. Alber. 56, 6. wahrscheinlich hat vieles dabei gehört, was in der folge wieder an unser stift gekommen ist Möser 2, 68.

mit frondienst, steuer auch darbei
H. Sachs 3. 1, 19.

unser feind haben riesen stark,
dabei (während) wir als heuschrecken sein.
Schwarzenberg 104, 1.

und solt darbei dein selbs nit vergessen Keisersb. Sünden des munds 71a. ich msz dich für den keiser bringen und msz darbei lassen bleiben 55b. sondern wollen bei ihrem glauben bleiben und bitten derhalben dasz man sie dabei wolle bleiben lassen verharren 2 Maccab. 11, 24. ein jeder soll darbei bleiben was er gelernt hat und am besten vertreten kan Henisch 414. dabei sein wird in verschiedenen bedeutungen gebraucht, als wann ich persönlich darbei (zugegen) gewesen wäre Simpliciss. 1, 25. da müste ich auch dabei sein, da hätte ich mitzureden, das kann ohne mich nicht geschehen. dann heiszt es unablässig, unverdrossen arbeiten, wofür man auch daran sein gebraucht. es hat sich eine gesellschaft gebildet, und er ist dabei, nimmt theil daran, billigt die unternehmung. was ist weiter dabei? da ist nichts dabei es hat nichts auf sich, ist unbedenklich, es ist nichts schlimmes dahinter. er ist allenthalben dabei, wo es harte zugehet Steinbach 1, 103. mit ironie, die dritte ist zwar schön von angesicht, aber sie macht mir zu viel complimente, und es scheint als wäre sie mehr dabei gewesen habe sie schon manches mitgemacht, erfahren Chr. Weise Kluge leute 74. die alte kuplerin war gewis schon mehrmal dabei gewesen hatte erfahrung darin. Polit. colica 21. das geht durch zauberei, der zwerg ist ganz gewis dabei, ist hinein verflochten, hat dabei gewirkt Wieland 22, 202. dabei (damit) wird das grosze laster der undankbarkeit bedeutet Er. Alber. 1b. mit dabei (damit) verknüpften unkosten Lessing. es ist besser, einer sei arm und dabei (zugleich) frisch und gesund, denn reich und ungesund Sir. 30, 14. haben wir ihnen dabei befohlen dasz sie auch zu euch ziehen sollen und euch unsern grusz sagen 1 Maccab. 12, 17.

iedoch war er seins mutes frei,
sang und war stäts frölich darbei
H. Wolgemut Esop 2, 276.

das heilgthumb stäts gar fleiszig trug,
bisz er an allem sahe sein lust,
jedoch darbei nicht anders wust
denn das alls kem durchs heilgthumbs gnad. 2, 370.

dabei (unter diesen umständen) kann ich mich trösten dasz dies alles wol schon gedruckt ist Göthe 23, 21. dabei kommt nichts heraus, ihr herren 42, 122. dabei ist aber eins besonders merkwürdig 46, 170.
3. für wobei. das ander stück darbei du merken solt daz es wider ordenung der vernunft ist Keisersb. Sünden des münds 4a. und sollen auch ihren theil am lande haben, ein jeglicher unter dem stamm, dabei er wohnet Hesek. 47, 23. es ist besser dasz einer seines thuns warte, dabei er gedeihet Sir. 10, 30. denn gottlose güldne bilder sind götzen, dabei (womit) man den teufel ehret Mathes. 47a. der nachrichter

[Bd. 2, Sp. 660]


hat ein zeichen des tods, darbei dieser versteht dasz er sterben soll Frank Weltb. 17a. die fraw darbei sie war Buch der liebe 40b.
 
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dabeneben, adv. so viel als daneben, schon im mhd. beneben, zusammengezogen aus bî in eben, niederl. daarbeneven. dabeneben Milichius O 3b. P 2a. und hat dabeneben noch drei oder vier markgrafschaften gestiftet Micräl. Altes Pommern 2, 176. Crobyle ermahnete ihre tochter dasz sie mit ihr zur kirche gehen solte, schickte dabeneben zwölf schillinge und ein brieflein in die kirche dasz man gott danken solle Schuppius 482. weil eltern und schwiegereltern ihre kinder, wann sie im predigampt sind, für ungeratene kinder halten, wan sie ihr ampt thun, weil dabenneben die warheit bitter ist. 506.

verflucht seist du, o ring, verflucht sei darbeneben
der rittersmann auch mit, der dich hat ihr gegeben.
Dietr. v. d. Werder Ariost 28. 66, 5.


 
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dabeineben, darbeineben, wie das vorhergehende. dabeineben an meinen gärtner ein brieflein geben will Ettner Unwürd. doctor 314. darbeineben faullenzen sie. 695.
 
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dabinnen, adv. darin; s. DWB binnen.

was lestmal (ich) euch vorgab dabinnen,
darauf sprecht ihr woldt euch besinnen.
Schmidder das new morgensfell (1585) C. IIa.

was du am lesten sprachst dabinnen
gefellt mir nit mit allen sinnen C. IIIb.


 
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dableiben, verharren an einem ort, permanere Stieler 193, bleib da mane nobiscum, subsiste Stieler 267, wo man auch bleib hier sagen kann. ich hoffte er würde weggehen, aber er blieb zu meinem verdrusz da. diese vögel bleiben auch im winter da, ziehen nicht fort.
 
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dach, n. ahd. dach (Graff 5, 103), angels. þah, altnord. þak, niederl. dak, schwed. tak, engl. dafür roof. vergl. DWB decke. das starke verbum von dem es abstammt, ist verloren (Gramm. 2, 53); hierher gehört das griech. στέγω und das lat. tego. wir gebrauchen ein schwaches verbum dachen in abdachen, schon im mhd. bedachen Ben. 1, 294. ahd. und mhd. sowol tegmen als tectum.
1. im mhd. kommt dach als decke in vielfachen beziehungen vor. dach ist sowol etwas unmittelbar aufliegendes als etwas in der nähe oder aus der ferne umspannendes, schutz gewährendes. es gilt von kleidern, von dem mantel, von dem überzug des kleides im gegensatz zu dem unterfutter, von helm und schild (Benecke 1, 293). häufig bildlich, schön sagt Wolfram die brust ist des herzens dach, Parz. 3, 22. 11, 4 und Walther nennt den leib die decke des menschen,

frowe, ir habet ein werdez tach
an iuch geslouft, den reinen lîp 62, 36.

die bäume sind das dach der vögel. dann im allgemeinen,

trunzûne wurdens veldes dach bedeckten den kampfplatz.
Wolframs Wilhelm 351, 24.

Ulrich vom Türlein

dô (bei dem kampf) wart den bluomen bluotes dach. Wilhelm 5b.

manc ros wart hie veldes dach 128a.

wîp sint lieber dinge ein dach MSHag. 2, 323. oder

aller wünne dach Troj. krieg 19735.

wîbes güete dêst ein dach sie hegen und pflegen alles gute.
Lichtenstein 446, 22.


2. in dieser allgemeinen bedeutung kommt es jetzt nur noch in einigen besondern ausdrücken vor. habichte die schwarze augen und dunkelschwarzes dach (rücken zwischen den flügeln) haben, werden für die besten gehalten Hohberg 2, 652; so auch beim falken Nemnich 1, 1569. in Baiern heiszen tauben mit blauen oder rothen flügeln blawdachet, rotdachet Schmeller 1, 351; vergl. DWB dachente. ferner im bergbau, die bergleut nennen es (den wiszmut) des erzes dach, darumb dasz gern silber hernach bricht Mathesius 100b. Bechius Agricola 82. auch wird bei ihnen das gestein das unmittelbar über einem gange oder einem flötze liegt das dach (superficies) genannt. s. DWB dachschale. dachkohle. dachstein.
In niedriger sprache für kopf, hirnschädel, da ist gleich feuer im dach er ist ein hitzkopf. er gab ihm etwas aufs dach einen schlag auf den kopf. schon im Passional, diu hant dâ mite si sluoc ûf sîn dach 314, 84. er hat etwas im dach ist angetrunken. das mädel ist schön, schlank, führt seinen netten fusz. unterm dach mags aussehen wies will: darüber guckt man bei euch weibsleuten weg. Schiller 181b.
3. auszer dieser uneigentlichen bedeutung beschränkt sich der

[Bd. 2, Sp. 661]


begriff heute fast ganz auf tectum, wie bedachung; soll das schützende hervorgehoben werden, so gebraucht man obdach. die beispiele sind so gewählt dasz sie auf die verschiedenheit und beschaffenheit der dächer hinweisen.

diu burc was schœner türne vol
und palast bî der mûre.
si was der mange (maschine zum steinschleudern) entwahsen gar,
es wart nie stein geworfen dar,
ern kæm dann von der schiure:
dâ für hât si ein rîcheʒ tach
gemachet wol von blîge. Ecke 203 Laszb.

Friesens tach man bessern mag Ring 31c, 39.

da wölt er (der teufel) in angon (angehen) mit uppiger eer und nam den herren uf sich und frt in uf das kirchendach. es warent da nit decher als wir hond, es waren flache decher, das man daruf gieng als noch in den landen seind. Keisersberg Fastenpredigt 41b. es waren flache tächer, man gieng auf den tächern spazieren drafter ders. Postille bl. 150b. gleich als ein zerbrochen dach ders. Sünden des munds 42a.

ûf ein strowen dach
Brant Narrenschiff 92, 1.

wöllen sie dir büchlin so vil machen
als zieglen ligen uf den dachen
Murner Luth. narr 457.

die hüser reiszen mit den dachen 3874.

die (glocken) müssen hangen under den dachen
in den kirchen umb und umben 1391.

so wöllen wir lüten under den dachen 1394.

die edelleut mögen jetzt ihre schlösser kaum decken und mit dach bewaren S. Frank Trunkenheit D ija. wer auf dem dach ist, der steige nicht hernider Marc. 13, 15.

schaff dasz dein haus behangen sei
von grund auf schwarz bis unters dach Mückenkrieg 1, 243.

die dächer der inwohnenden (bewohner des Brenners in Tirol) welche von langen brettern seitwerts gelegt und mit steinen beschwert aufgerichtet waren Ettners Unwürd. doctor 806. das dach mit neuem stroh belegen Stilling Jugend 1, 114.

das dach zu sichern vor des regens drang
Göthe 41, 201.

o stadt mit allen häusern, dach an dach
Rückert 255.

technische ausdrücke, das haus unter dach bringen. das dach aufsetzen. das haus steht unter dach und fach, ist unter dach und fach gebracht der rohe ausbau ist fertig. das haus in dach und fach erhalten in baulichem zustand. in tach und gmach gehalten sartum, tectum Maaler 397. ein dach decken mit ziegeln, schiefern, schindeln, stroh, rohr. ein flaches dach ein ganz ebenes, wie es in heiszen ländern üblich ist. ein einhängiges, ein pultdach das nur auf einer, ein zweihängiges, ein satteldach, das auf beiden seiten abhängig ist. Henisch 631 nennt das letztere ein spitziges gemeines, an beiden seiten scharfes dach tectum pectinatum. ein holländisches, ein zelt- oder walmdach das von vier seiten herabgeht, bei Henisch 631 ein viereckichtes spitziges dach tectum testudineatum. ein gebrochenes oder französisches mit einem absatz, dessen obere hälfte weniger steil abläuft als die untere.
In der bedeutung von tectum auch bildlich,

dem nicht en ward des hauses gmach,
der nam den himel für sein dach Ring 33c, 8.

he, herr Nurggel unterm tach unter dem helm. 52b, 2.

do schlugen sie auf helmes dach Laurin 2523 Schade.

ein stählern dach fürs haupt
ist jetzo mehr werth als ein steinern haus
Schiller 450a.

stäts wähle dich (bach) das schönste kind zum bade
und dein gebüsch umher zum dach
Hölty an eine quelle str. 2.

Hippocrates schüttet das saatgetreide der menschheit unter dem dache aus setzt die samengefäsze in die ohren J. Paul 6, 37. in der Schweiz heiszt tach der schirm, regenschirm Tobler 127. Fischart nennt öffentliche häuser, in welchen unzucht getrieben wird, halbe dächer Garg. 62a.
4. sodann das ganze haus, die wohnung. das niedere dach, das strohdach bezeichnet zugleich den ärmlichen zustand des bewohners; im niederd. wird sogar stroh und riet, womit man die häuser deckt, dach genannt, Brem. wb. 1, 192. Quickborn 284.

ir habt geliten ungemach,
sît ir gewesen sunder dach, im freien feld.
Lichtenstein 341, 12.

in einer segensformel,

got müeʒe mîn gebet erhœren,
sô du slâfest oder wachest
in holze (im wald) oder under dache. Fundgr. 1. 261, 18.

[Bd. 2, Sp. 662]


herr, ich bin nicht werth dasz du unter mein dach gehest Marc. 8, 8. Lucas 7, 6.

es zalens die unter den stroen dechen,
die armen bäurlein in den dorfen Fastnachtsp. 380, 33.

einen unter sein dach nehmen in sein haus aufnehmen Henisch 650.

und ohne kampf und blut hast du kein dach zu hoffen.
J. E. Schlegel.

bin unter dache, lasz es regnen
Göthe 4, 366.

mit jenen will ich nicht unter éinem dache bleiben, zusammenwohnen 17, 106. nicht über drei tage soll ich unter éinem dache bleiben 21, 11. nicht unbewirthet und ohne ihn eine nacht unter seinem dache behalten zu haben 18, 68.

jetzt liebt sie noch zu wohnen auf den bergen,
und von der freien heide fürchtet sie
herabzusteigen in das niedere dach
der menschen, wo die engen sorgen wohnen
Schiller 449.

Stauffachers haus verbirgt sich nicht. zu äuszerst
am offnen heerweg stehts, ein wirthlich dach
für alle wandrer die des weges fahren 520.

'welche wunder' rief der graf entzückt,
'verbirgt dies niedere dach'
Fr. Kind Gedichte.

er hat uns ausgestoszen
im winter zur stadt hinaus
die hungernden nackenden bloszen,
wo finden wir dach und haus?
Rückert 165.

lasz mich die einzige nacht noch ruhn im gastlichen dache,
morgen im leeren nest findest du dieses gedicht 278.

dir ist aus dem gedächtnis wol geschwunden
dasz wir einst unter éinem dach uns fanden? 311.


5. ebenso wird dach und fach gebraucht,

schlecht ists, uns auf eine nacht bloszes dach und fach zu gönnen.
A. Gryphius 1, 628.

nur wollte ich bitten dasz die armen leute ein etwas bequemeres dach und fach bekämen Wieland 29, 126. dach und fach, wenn im freien so manchem vertriebenen der sturm dräut Göthe 4, 316.

arbeit schafft dir täglich brot,
dach und fach und schatten 57, 126.

tritt der frühling selbst herein, so ist von dach und fach gar nicht die rede mehr: immer findet man den dichter drauszen. 33, 148. den aufenthalt unter dem schatten der bäume und in laubgängen, zimmer die ohne dach und fach im freien stehen J. Paul Biogr. belust. 1, 33c. bildlich, du bist nirgendwo so unter dach und fach wie hier fühlst dich nirgend so zu haus, so behaglich. Jacobi an Göthe 182.

schleusz aus den rauhen odem der wirklichkeit,
und nur dem duft der träume gib dach und fach
Rückert 370.


6. technisch ein runder deckel über ein gefäsz, einen kessel, französ. dôme Beil 135.
7. der obere theil einer laute, wo das plectrum die saiten berührt, μαγάδιον Comenius 205.
8) adverbialisch heiszt von dach von oben, von tach ab superne Vocab. v. 1618. in Talhoffers fechtbuch ist der schlag von dach ein schwerthieb, wobei man frei über dem kopf ausholt, ital. tirar di fico. es soll keiner sein hand nider heben, damit das schwein mit seinem rüssel darein laufe, sondern die hand in aller höh haben und ihm den fang also von dach geben. Fouilloux Jagdbuch. vor lieb, o Jesu, bin ich schwach, mein herz das flammt und brinnt von dach Kathol. gesangb. (München 1660). von dach aufspringen frei in die höhe springen vor freude oder zorn Schmeller 1, 351.
9. gleichnisse, redensarten und sprichwörter. ich wache und bin wie ein einsamer vogel auf dem dache Psalm 102, 8. es ist besser wohnen im winkel auf dem dache (einsam und verlassen) denn bei einem zänkischen weibe in éinem hause beisammen Sprüchw. Salom. 25, 24. auf den dächern predigen, öffentlich verkündigen Matth. 10, 27. Luc. 12, 3. Merk briefe 1, 162. Wieland 15, 321. in tach und gmach, hut und schirm halten Maaler 397. das feuer ist in dem dach ist heftig Günther 416. 429. da ist fewer im tach, da brinnets erst an allen orten Petr. 60b.

wan gut gemach und wahre ehr
in einem dach wont nimmermehr lassen sich nicht vereinigen.
Schwarzenberg 153.

er (der trompeter) solle blasen dasz die schindeln vom dache fielen Schweinichen 1, 115. ja so gehts, nun regnets auf mein dach nun gehts über mich her Gryph. 888. einem zu dach

[Bd. 2, Sp. 663]


wollen, die absicht haben auf ihn los zu gehen. Henneberger erklärung 252. einem auf dem dache sein, sitzen ihn drängen, hinter ihm her sein, ihn beaufsichtigen.

Cosinus mit sein schnacken wich
zu seinem unglück hinter sich,
von stund an war ihm auf dem dach
Cacaniel und jagt ihm nach Mückenkr. 3, 151.

dann er war ihm bald auf dem tach,
sein schwert ihm durch den leib auszstach 3, 467.

Myrnuca ist dir auf dein (l. dem) tach;
sich nahet jetzt dein ungemach 3, 521.

Damigens herr vater aber war ihr hierauf scharf auf dem dache und verbot ihr bei seiner höchsten ungenade nicht wieder zu mir zu fahren Schelmufsky 76.

die lilg (Frankreich) entzeucht sich deiner sach,
der adler (Deutschland) sitzt ihr auf dem dach. Volkslied aus dem 16ten jahrh. bei
Soltau 240.

wofern die herren denen bauren nicht ein wenig mit der schärfe auf dem dach säszen Bauernstandt Lasterprobe 156. weswegen sie (die hausfrau) denn sich vorsetzte der magd schärfer auf dem tache zu sein sie zu beaufsichtigen. Polit. stockf. 79. wenn ja einer sich wolte sehen lassen, war ich ihm bald in dache, dasz er sich zurück zog Ettner Hebamme 758. endlich ist Pantaleon den spitzbuben so geschwind auf dem dach dasz sich Harlekin über hals und kopf in den koffer wirft Lessing 4, 424. gern hätte sie mich noch einmal (wär ich ihr nicht auf dem dache gewesen) über den strauchdieb auf dem Fichtenberg abgehört Thümmels reise 6, 194. der teufel soll ihn holen, wenn ich ihm zu dache steige ihm zu leibe gehe Lenz 1, 104. es hat wol mehr einer aufs dach nach hasen gestellet (verkehrtes gethan) und dannoch etwas gefangen Ayrer Processus ij 8. auf ein altes haus und zurissen dach fliegen keine tauben. besser ein sperling in der hand denn ein kranich (man sagt jetzt eine taube) auf dem dach Henisch 631.

hett ich ein haus für ungemach,
das liesz ich nimmer ane dach (aus
Freidank 170, 18) das.

ein zänkisch weib ist wie ein rinnend dach im winter. wenn der sperling unter dem dach ist, so musz die schwalb herumb fliegen das.

wer will haben gemach,
der bleib unter seinem dach das.

eim alten haus, zerissen dach
fliegen zwar nicht viel tauben nach.
Wolgemut 2, 268.

gelobt soll jeder sein
wer da grosz oder klein
arbeitet im tiefsten gemache
oder auf hochstem dache
Rückert 149.

wenn die tauben underm dach bleiben, so sind sie sicher vorm stoszvogel Lehmann 132. er zählt die ziegeln auf den dächern geht müszig Stieler 286. übers dach ausblasen, übers dach schmitzen verächtlich wegwerfen, ganz und gar gering schätzen Schmeller 1, 351. die sperlinge pfeifens auf den dächern jeder weisz es.
 
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dach, f. dohle monedula, s. DWB dahle.