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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bis bach (Bd. 1, Sp. 1049 bis 1057)
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[Bd. 1, Sp. 1049]


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1) B nimmt in allen dem phönicischgriechischen entstammenden alphabeten gleich hinter dem A seine bedeutsame stelle ein. denn dasz auf A, den grund aller vocale, unmittelbar die drei mediae, als grund und boden aller stummen consonanten folgen, musz ein groszes gewicht haben. auch bei den Gothen haftete die reihe BGD; im lateinischen alphabet, aus dem hernach die meisten europäischen flossen, ist sie gestört dadurch, dasz dem ursprünglich mit T identischen zeichen C bedeutung der tenuis K beigelegt, die der media G auf die siebente stelle, d. h. des griechischen Z gewiesen wurde, und G hat mit Z, wie unter G gezeigt werden soll, manigfache berührung. Eine andere beeinträchtigung des BGD fand statt im altslavischen alphabet, welches zwischen B und G das V (vidil) rückte; schon der diesem V in der cyrillischen ordnung abgehende zahlwerth läszt erkennen, dasz die einschaltung unursprünglich war, und scheint zu zeugen für das mindere alter der glagolitischen, vidil auch unter die zahlen aufnehmenden. doch, wie in dêvanâgarî die zeichen für ba und va einander gleichen, finden auch bei uns übergänge des B in V statt.
2) die sprachen standen nicht still, aber in ihren bewegungen waltete regel. alle stummen consonanten halten, wie die gestirne sich von osten gen westen drehen, ihren festen naturgang ein, so dasz sich die weiche, volle, tönende media zur dünnen, dumpfen tenuis erhärtet, die harte tenuis in aspirata spaltet und die entfaltete aspirata wieder zur media zusammenschlieszt. hiermit ist der kreislauf vollendet und kann von neuem beginnen. wer wollte nicht die media obenan stellen? unnatürlich wäre ein fortschritt aus ihr zur aspirata, aus der aspirata zur tenuis, aus der tenuis zur media, und nur im rückschritt oder erschlaffen mag ein solcher wechsel sich kundthun. es gibt aber sprachen, die der media ganz, oder der meisten aspiraten verlustig gehn, keine, der die tenuis gebräche.
Diese der etymologie willkommne und heilsame lautverschiebung, obgleich in allen alten und neuen sprachen hin und wieder oder strichweise auftauchend, ist doch bei der deutschen zunge am wahrnehmbarsten und in zweimaligem ansatz durchgedrungen. gerade wie die stummen consonanten der hochdeutschen mundart auffallend abtreten von denen jeder andern deutschen sprache, ebenso entfernen diese sich von allen nichtdeutschen, urverwandten sprachen. gegenüber der groszen masse des sanskrit, griechischen, slavischen, lateinischen, keltischen findet sich die gothischnordischniederdeutsche eigenheit in geringerem umfang, und gegenüber diesen letzten einzig und allein die hochdeutsche im geringsten. es scheint als ob der sprachgeist, indem er jenen ausschritt zuliesz, der spitze desselben nur den engsten raum gestatten wollte. ältestes beispiel der lautverschiebung gewährt uns das zend im verhältnis zum sanskrit, neuestes das ungrische entgegen dem finnischen; einzelne verschiebungen treffen wir im sanskrit, griechischen und latein genug an, wie das gothische und hochdeutsche auch ausnahmen davon darbietet.
Um bei allen folgenden buchstaben des alphabets darauf zurückgehen zu können, soll das gesetz der lautverschiebung hier veranschaulicht werden, wobei wir die horizontallinien reihen, die senkrechten stufen nennen: griech. med. ten. asp. goth. ten. asp. med. ahd. asp. med. ten. wer anders beginnen oder ordnen, z. b. die dritte reihe an die stelle der zweiten setzen wollte, würde die geschichtliche folge der stufen aufheben. man merke,
a) in den anlauten prägt das gesetz sich am reinsten aus, erscheint dennoch auch inlautend und auslautend oft beobachtet, nicht selten mit einiger verschiedenheit.
b) nur auf urverwandte wörter erstreckt es sich, nicht auf erborgte; höchstens wird diesen analoge behandlung zu theil.
c) ausnahmsweise kann die verschiebung sich in derselben reihe, an einzelnen wörtern einer mundart, ja bei der flexion

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eines worts erzeigen. so läuft gegenüber dem goth. þvairh das ahd. duerah, mhd. twerh, nhd. zwerch alle lingualstufen durch, statt dasz die beiden letzten dialecte hätten das D festhalten sollen; nhd. selbst sehen wir geitig in geizig, im schwed. thu, then übergehn in du, den. unser vater: pater stört; das goth. fadr setzt nothwendig ein älteres faþr voraus und die organische reihe wäre pater, faþr, vader. darin liegt eben ein unwidersprechlicher beweis für die succession der laute. lat. pario und fero sind doch einer wurzel, das goth. gaf bildet den pl. gêbun. im lat. rufus hat F älteres ansehen als das B in ruber.
d) wo statt der verschobnen gleiche mutae eintreten, liegt ein hemmnis oder eine lücke im weg, z. b. der Gothe behält die partikeln du und dis mit alter media bei, wie sie im sl. do und lat. dis walten, verschiebt nicht in tu und tis, analog dem ahd. zi und zir, was doch geschah in der goth. partikel tus, ahd. zur = gr. δύς, skr. dus, dur. im goth. dags hingegen haftet media, wie im lat. dies, sl. dn, skr. dina, und hier entspricht ihr auch ahd. tenuis tac, ja mit fortklebender media Otfrieds dag. im hintergrunde des goth. D bei diesem wort müste also älteres TH und T liegen, wie schon Bopp aus sinteins ein teina, anschlieszend ans skr. dina folgerte. noch auffallendere beispiele wird die labialordnung an hand geben, vgl. DWB berg, DWB bitten, DWB binden hernach unter 5.
e) am vollständigsten erscheint die lautverschiebung bei den lingualen; in der labial- und gutturalordnung stockt sie einigemal und zwar immer an den aspiraten, die sich allzusehr verengen und dann still stehen bleiben. von den lingualen wird näher bei D, von den gutturalen bei G gehandelt.
3) auf die labialen wendet sich die verschiebung also an: griech. B P PH goth. P PH B ahd. PH B P, da aber die goth. wie lat. asp. zu engerem F gediehen ist, steht ihr ahd. F und V zur seite, gerade wie bei den gutturalen dem gr. K goth. H für CH und wiederum ahd. H, für den inlaut war CH geblieben. als nun ahd. V = BH den platz der organischen media einbekam, gewann diese dafür raum an dritter stufe und behielt ihre gothische bedeutung zum wenigsten neben strengahd. P. jene theoretische fassung verändert sich in der praxis je nach anlaut, inlaut und auslaut. anlautend gr. B P PH goth. P F B ahd. PH V,F P,B. inlautend gr. B P PH goth. P B,F B ahd. F V,B,P P,B. auslautend gr. B P PH goth. P F B ahd. F B,P P,B. nhd. bestimmen sich diese labialen folgendergestalt: anlautend PF V,F B in- und ausl. F B,F B. hiernach sind also zwei hauptarten des heutigen B zu unterscheiden, insofern es der urverwandten tenuis zweiter stufe, oder der urverwandten asp. dritter stufe entspricht. im ersten fall hat sich der inlaut zu tief gesenkt und geräth in zwiespalt mit dem anlaut. der zweite fall ist vollkommen organisch und darum hier zuerst zu behandeln.
4) unserm anlautenden nhd. B, wo es goth. B und strengahd. P ausdrückt, steht also gr. PH und lat. F zur seite. das sanskrit entfaltet eine doppelte aspiration BH und PH, jene von groszem, diese von geringem bereich und beide begegnen deutschem B; der litt. sprache entgeht die asp. ganz, die sl. hat blosz CH, und ihr B sowol gr. B als PH zu vertreten.
a) beispiele des skr. BH: bhadsch (bhaǵ) backen; bhâra onus, bahre; bhadra felix, optimus, goth. batiza, bessere; bhri ferre, gebähren; bhî timere, beben; bhid beiszen; bhil spalten, beil; bhudsch (bhuǵ) biegen, drehen; bhu esse, ich bin; bhrû augbraue; bhratri bruder.

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b) beispiel des skr. PH: phull blatt, blühen.
c) beispiele des gr. PH: φέρειν γαστέρι, tragen, gebähren; φόνος, todschlag, ahd. pano, altn. bani, einer wurzel mit unserm bahn, mhd. ban, via; φεύγειν, terga vertere, biegen, ausbiegen, weichen; φέβομαι φόβος, bebe; φύω ich bin; φύλλον blatt; φρατήρ bruder; φρέαρ brunne; φηγός buche; φόρτος bürde; φώγω ich backe.
d) beispiele des lat. F: follis balg; -fer -bar; ferre gebähren; fovere bähen, bächeln; barba bart; facere bauen; fio, fui ich bin; funus ban, bahn; fiber biber; fugio biege; findere beiszen; flare blasen; folium blatt; fligere bläuen; faba bohne; forare bohren; fodere goth. bautan, boszen; frui brauchen; frangere brechen; fervere brennen; fagus buche. einigemal mit wechsel der labialis und lingualis: timeo, timor für fimeo, fimor = thimeo, thimor, litt. bijau, baime, skr. bhî, bhîma; rutilus = rufilus, goth. rauds, ahd. rôt, vgl.fera = θήρ, goth. dius, ahd. tior.
e) beispiele des sl. B: brati tragen, beru trage, gebähre; bos baar; brada bart; boi, bojati timere, beben; bjegu fugio, biege, laufe; bobr biber; bereza birke; bodu fodio, pungo, tundo, bosze; bob faba, bohne, finn. papu; bjes böse; buti esse, ich bin; brat frater, bruder; brv braue.
f) beispiele des litt. B: basas baar; baltas candidus, bald; barzda bart; bĕgu laufe, biege; bebrus fiber; bijoti timere, beben; buti sein, buwau fui, bin; berzas birke; boba bohne, faba; badyti goth. bautan, boszen; besas, der böse, teufel; bruwis augbraue; brunas braun; brolis bruder.
g) für den inlaut lassen sich folgende anführen: skr. ubhâu, gr. ἄμφω, lat. ambo, sl. oba, litt. abbu, goth. bai, bajôþs, beide; gr. ἀμφί, ahd. umpi, mhd. umbe, nhd. um; gr. ὀφρύς braue; vielleicht skr. ribhus, elb (s. 201); skr. nabhas, gr. νέφος, lat. nubes, nebula, sl. nebo, nebel.
5) neben der regel zeigen sich aber merkwürdige ausnahmen, in welchen unserm B keine urverwandte aspirata, sondern gleiche media oder auch tenuis gegenüber steht. da nun solches deutsche B nur aus der asp. hervorgegangen sein kann, setzt es sie in verlornen formen, die asp. aber wieder eine noch ältere ten. voraus, welche sich dann an die ursprüngliche asp. schlieszt. slavisches und litt. B entscheiden dabei nicht, weil sie, wie wir sahen, sowol gr. med. als asp. entsprechen. Nicht immer sind jedoch die mittelglieder abhanden, sondern lassen sich aufweisen, worin triftige bestätigung der vollen ordnung liegt und was zuerst störende ausnahme schien, musz der regel desto stärkere kraft leihen.
Wenn lat. pario und fero, vom standpunct unseres gebären und goth. bairan angesehn, zusammenfallen, erscheint auch B in celeber, lugubris, cerebrum, candelabrum und viel dergleichen, sei es nun dem P vorgängig oder, was mehr für sich hat, dem F folgend; zu pario stimmt strengahd. piru, zum B goth. baira. auch die lat. ambo und nubes waren verschoben aus amfo, nufes. Ein noch lehrreicheres beispiel ist unser binden, goth. bindan, dessen anlaut das skr. bandh erreicht, und doch wurde diese gleichheit erst nach langem umweg hergestellt. aus bandh sprieszt πείθω, dessen abstracte bedeutung noch auf die sinnliche in πεῖσμα zurückgeht, und nicht anders scheint der dakische pflanzenname καροπίθλα bei Dioscorides 4, 132 die vorstellung band (harband, flachsband? oder liegt das alts. herubendi, herusêl näher?) zu enthalten. πείθω, πίθλα verschieben sich in lat. fides (πίστις und chorda), foedus, filum (für fidlum), aber auch ins ags. fetel, ahd. veʒʒil; unser binden band hält den nasallaut, der im altn. batt, praet. von binda oder in bast (gebildet wie πίστις) und fetel schwand. strengahd. pintan fällt zurück in die gr. oder dakische tenuis.
Seinen buchstaben nach vergleicht sich das skr. wort praudhâ nupta, sponsa unserm braut, goth. bruþs, ahd. prût, dessen sinn durch die verschiebung ganz verloren gieng, während die skr. bedeutung curru vecta, ducta vor augen liegt (Bopp 314a), vah ist vehere, pra vorgetretne partikel, die sonst in goth. fra gesenkt, hier noch weiteres B annahm. die goth. zusammensetzung bruþfaþs sponsus zeigt also zwei verschieden behandelte wörter, in faþs ist das skr. pati regelmäszig, in bruþs praudhâ unregelmäszig verschoben, historisch aber wird uns bruþs durch jenes fra vermittelt.
Wenn unser bach nicht von πηγή zu trennen ist, πηγή nicht von πήγνυμι, πάγος, πηγάς, πάχνη, παχύς, so musz aus dem rinnen das gerinnen, aus dem flüssigen das feste, aus dem warmen das kalte gedeutet, und auch DWB backen, skr. patsch (pać) hinzugenommen werden, wie frigo unmittelbar zu

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frigeo, frigus gehört. hinter backen liegt aber zunächst gr. φώγειν. back tergum, backe gena (vgl. lat. bucca) sind feste, fette erhöhungen, hügel des leibs, bache nennen wir ein mastschwein, πάγος ist ein hügel, παχύς dick, fett, wie pinguis von pango, pago abstammt.
Anderemal tauchen ohne zwischenstufen lauter B auf: bei verschiedner ableitung zeigen dieselbe wurzel unser birke, ahd. piricha, sl. bereza, litt. berzas; lat. betula, ir. beith, welsch bedwen, armor. bezven; keine skr. oder gr. wörter entsprechen, im neugr. φοῦντα könnte R ausgefallen sein. Unser baden ist das skr. bâd, im lat. balneum, gr. βαλανεῖον ward aus D ein L; altsl. banja (vgl. it. bagno, franz. bain) hat diese consonanz ausgetilgt.
Wie seltsam überein trift ahd. pitit mit lat. petit; zwischen petere und goth. bidjan scheint aber eine unaufweisbare stufe mit den lauten fith gelegen zu haben, lat. pet sich an älteres bad zu reihen. Gleiches schwanken ist zwischen pasco und βόσκω, πίνω und bibo, welche störung der laute vollkommen der zwischen sl. pivo und unserm bier, ags. beor entspricht; sanskritwurzel istund pî, sl. piti, aspirierte formen würden alles ausgleichen. da nunauch essen bedeutet, höher aufgefaszt essen und trinken eins sind, folglich die abweichung von bibo und πίνω gerade der in βόσκω, pasco, πάομαι begegnet, so läszt sich mit zuziehung des deutschen futter, goth. fôdjan die reihe ausfüllen.
Folgendes beispiel empfängt auch mythologischen werth: unsere vorfahren müssen für berg früher gesagt haben ferg. denn nicht nur braucht Ulfilas zur verdeutschung von ὄρος durchgängig das neutrum fairguni, obschon neben bairgahei ὀρεινή, bairgan τηρεῖν, sondern mit derselben bildung erscheint altn. Biörgyn, als weiblicher name der stadt Bergen, und Fiörgyn hiesz Thors mutter, die erde, ahd. aber Fergunna (= Fergunia) und Firgun ein waldgebirg, so wie ags. firgen in mehrern zusammensetzungen montanus oder silvestris ausdrückt. Griechen und Römer, mit wandlung des F in H, machten daraus Ἑρκύνιος, Hercynius, und wahrscheinlich bedeutet sl. Kerkonosch, ein name von gebirgen, des Riesengebirgs zumal, dasselbe. Wie nun Biörgyn auf Fiörgyn musz fairguni zurück gehen auf ein älteres Perchun, Perhun, und eben nennen die Littauer ihren donnergott Perkunas, die Slaven Perun, weil man den donner vom berg niederfahren liesz. ohne bestimmtes zeugnis einen goth. Fairguneis anzusetzen, ist allzukühn, allein Fiörgyn, des donnerers mutter, darf schon selbst donnergöttin heiszen oder gedeutet werden die hohe, erhabene, Perkunas, Perun der hohe. offenbar aber kehrt im ahd. perac jenes alte perk wieder und die mittelstufen standen nachzuweisen. da ferner von bairgan auch baurgs, burg arx abstammt, ist gleichfalls πύργος turris, arx heran zu ziehen und für die aspirierte form φύρκος, dor. φοῦρκος, burgmauer. in πύργος, φύρκος, baurgs, puruc liegen, wie in Perkunas, fairguni, bairgs, perac volle lautverschiebungen vor augen, und wer wollte bloszen zufall walten lassen da, wo sich alles nach natürlicher stufe ergab? die regel, anfangs in einzelnen wörtern hier und da vorbrechend, gewann in den deutschen sprachen endlich ihren halt. wo gothischem B ein gr. P begegnet, braucht nur die Fform ausgefallen zu sein, wo aber goth. B mit gr. B zusammentrift, wird man die formen F und P zu ergänzen haben.
6) vom strengahd. anlaut P, obgleich er heute fast überall dem B gewichen ist, bleiben einzelne spuren übrig,
a) in den einfachen wörtern pracht, mhd. braht, pauke mhd. bouchen, und porkirche (s. DWB empor). im ortsnamen Passau, lat. Patavium, mhd. Paʒʒowe war längst alles gefühl seiner abkunft von den Bataven ausgestorben. aber in einer menge von anlauten schwankte die schreibung zwischen med. und ten., ehe sich die heutige med. festsetzte.
b) in einigen zusammensetzungen hat der anstosz an eine vorausgehende ten., die dann weggefallen sein kann, P festgehalten: aus andbaht wurde ampaht und noch spät ampt, ambet, heute amt; zwischen empor und mhd. enbor liegt ein falsches entpor, entbor (z. b. Keisersbergs staffeln 44d) mitten ein, doch heiszt es sonst in gangbaren wörtern nur entbehren, entbrechen, entbrennen. wimper ist offenbar aus wintbrâ, windbraue; schamper aus schandbar, schantbar; Schampach aus Schantbach; semper in semperfrei aus sentbar, synodpflichtig hervorgegangen; wir hätten auch bilden können himper für himbeere = hintbere, wie man ehmals kosper schrieb für kostber, kostbar. deutlichsten beleg ergeben aber manns- und ortsnamen

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mit P für B: Rupert, Gumpert, Hilpert, Lampert, Wiprecht, Leuprecht = Rutbert, Guntbert, Hiltbert, Lantbert, Wikbrecht, Leutprecht (wie in jenem pracht) und Diepurg, Limpurg = Dietburg, Lintburg.
7) wir schreiten fort zur betrachtung der hochdeutschen media B, wie sie in zweiter stufe in- und auslautend statt der aspirata erscheint, was unorganisch heiszen darf, da hierdurch ein abstand vom anlaut begründet wird, der sein F wahrt (wenn auch ausnahmsweise einzelne urverwandte wörter den anlaut P unserm B gegenüber stellen). so gut für πέμπε fünf, für piscis fisch, sollte für ἀπό af, für aper efer, und nicht ab, eber stehn. auch hat in dieser lage die ags. und nord. mundart überall F behauptet, die goth. aber häufig in B fortgeschoben, woraus dann leicht, gleichsam in dritter stufe strengahd. P wurde, obgleich viele wörter inlautend zwischen B und V schwanken. man bemerke
a) der Gothe zog noch im auslaut vor af, uf, gaf, gif, tvalif, hlaif, senkte erst inlautend abu, ibai, giban, gêbun, sibun, tvalibim, hlaibis. seine asp. entspricht der gr. ten. ἀπό, ὑπό, ἑπτά, und begegnet den lat. ab und sub, die von af, suf und wiederum von ap, sup geleitet werden müssen, wohin auch super und supra, so wie die inlaute aper, caper, lupus weisen, denen wol goth. ibrs, habrs zur seite stände, doch hat vulfs = ulpus, vulpes auch inlautend vulfis, vulfôs. in iftuma, aftra, tveifljan scheint der anstoszende consonant die asp. zu hegen. dem hlaifs aber entspricht sl. chljeb, wie (nach sp. 539) dem arbja, arbaiþs rab und rabota.
b) die alts. sprache vermittelt den übergang aus ags. altn. F in goth. B, ahd. B, V durch ihr BH in abh, hobh hobhôs, hobhid, arbhêd, gebhan, suebhan, obhan, nebha u. s. w. niederländisch tritt auslautendem af, gaf, twaalf, wolf inlautendes V in aver, gave, twaalven, wolven recht zur seite.
c) ahd. scheint sich allmälich ein unterschied zu ergeben zwischen wörtern, die inlautendes B oder P, und solchen die V zulassen. beispiele für B und P sind: aba apa, oba opa, habaro haparo, snabul snapul, habuh hapuh, eban epan, ebar epar, geban kepan, weban wepan, sibun sipun, bibên pipên, halb halp, selb selp, chalb chalp, arbi arpi, arbeit arpeit; in allen diesen pflegt kein V zu stehn. V wird gesetzt in avar, avaro, havan, chevar, weval, ovan, hovar, hof hoves, scûvala, und dem goth. vulfs ähnlich in wolf wolves. niemand würde hobes, scûbala, wolbes, noch weniger hopes, scûpala, wolpes schreiben. dennoch steht in beiden lagen ags. und nord. F, hin und wieder müssen auch ahd. B, P und V gleichbefugt gewesen sein. neben wolf hat sich ein wulpia erhalten, die formen ruoba, roapa, ruova (Graff 2, 361); eipar und eivar (Graff 1, 100); frabali und fravali (3, 824) vertreten einander, in eigennamen kommt bald ebar und epar, bald evar vor. weval aber leitet sich sichtbar ab von weban, wepan. chevia (Graff 4, 370) aus lat. cavea behielt sein V, aber mit deutscher aussprache.
d) mhd. dauert die unterscheidung zwischen B und V fort, nur dasz P fast ganz aufhört. B erscheint in abe, obe, habere avena, snabel, habech, eben, eber, geben, weben, beben, sweben, siben, erbe, arbeit; P höchstens noch in wülpe. V hingegen in aver, frevel, kever, schever, neve, wevel, oven, hover, hoves, eiver, zwîvel und wolf wolves. auszerdem gilt nach einem allgemeinen mhd. lautgesetz für alle inlautenden B auslautendes P: gap, gip, gruop, diep, liep, loup, toup, halp, was letzte nachwirkung des strengahd. P heiszen mag, und dem nl. dief dieven, lief lieven gleicht.
e) nhd. hört die ten. in den auslauten völlig auf und desto gröszerer spielraum steht der media offen. inlautend aber hält der ahd. und mhd. unterschied an, doch so, dasz an die stelle des V jetzt F getreten ist. wir schreiben gab, gib, grub, dieb, lieb, laub, taub, halb, kalb, ab, ob, eben, geben, beben, leben, schweben, weben, sieben; dagegen hof hofes, käfer, schiefer, ofen, eifer, zweifel, schaufel, wolf wolfes. in dem einzigen frevel hat sich V behauptet, Luther schrieb auch eiver, zweivel. das F sucht aber weiter umzugreifen und den inlaut B zu beeinträchtigen in hafer, schnaufen, elfisch, es ist doch hochdeutscher zu sagen haber, schnauben, elbisch. in hübsch (früher auch hüpsch) und höfisch gelten beide mit verschiedenheit des sinnes, den man auch zwischen rauben und raufen gelten läszt. aus barfusz macht das volk barbes. auch im fremden käfich, cavea, gilt nun F, im 16 jh. schrieb man kebich.
Auffallend ist im anlaut blach für flach, worüber näheres unter dem worte selbst. tilgung des inlautenden B, in hat, mhd. hât für habet althergebracht, ist heute unzulässig in geit,

[Bd. 1, Sp. 1054]


mhd. gît für gibet. wir unterdrücken es in wams für wambes (wie in amt vgl. 6, b), setzen aber kamm, lamm, dumm. krumm, um, zimmer für kamb, lamb, dumb, krumb, umb, zimber. ahd ten. haftet inlautend ausnahmsweise in wampe, wämplein, und angelehnt an T in haupt, wofür einige ohne alle noth schreiben haubt; im engl. head, und landschaftlich im nnl. hood für hoofd schwand der labiallaut. Umgekehrt war das 16. 17 jh. geneigt, ihn ungehörig nach M vor T und D zu entfalten: nimpt, kompt, sampt, bestimpt oder nimbt, kombt, sambt, bestimbt, wo wir heute MM setzen. fromb, daheimb, hembde, frembde, wärmbde, schambd (3 Mos. 20, 17), statt fromm, daheim, hemde, fremde, wärmde = wärme, scham. Da M den lippenlaut sucht, konnte auch aus albe albn alm (sp. 201), aus ermel erbel (sp. 557) entspringen, wozu man das nord nafn, iafn, rafn und namn, iamn, ramn halte.
8) andrer art, als die eben geschilderten verwandtschaften zwischen B und V sind die zwischen B und W, so nahe auch doppeltes V = W dem einfachen V = lat. vau oder sl. vidil steht. das hoch- und niederdeutsche V hat sich aber, wie wir sahen, dem F genähert, dem W entfremdet. B und V schwanken auch in andern sprachen, älteren wie neueren, z. b. im sanskrit kann für bâd lavare auch gesagt werden vâd, und skr. van ferire, occidere entspricht der im gr. φόνος und unserm ban enthaltnen wurzel; im littauischen steht für bebrus webrus, und bekannt ist, wie sonst in spanischer schreibung B das V vertrat. die Byzantiner setzten Belisarius, Bandali, Bandalarius anstatt Velisarius (Valisaharis), Vandali, Vandalarius und viel dergleichen. aus Verona entsprang Bern. In unserer sprache erscheint der wechsel zwischen B und W
a) anlautend. W für B in wase, base, z. b. bei Philander 1, 23; Wossen, Bosnien. Simpl. 2, 47; wascha, bascha. Frey garteng. cap. 5; man sagt berwolf und werwolf. die bairische volkssprache läszt häufig B für W, W für B eintreten.
b) in- und auslautend ist uns das mhd. LW RW zu nhd. LB, RB geworden: für swalwe, val valwes, velwe salix, gel gelwes, gewelwe, milwe, var varwe, gerwen, herwe, erweiʒ sagen wir schwalbe, falb falbes, felbe felbinger, gelb gelbes gilben, gewölbe, milbe, farb farbe, gerben, herbe, mürbe, erbse. der ortsname Vilbel in der Wetterau lautete früher Velwele, Felwila (von der lage an weidenbüschen) dasselbe W unterdrücken wir ganz in see, schnee, mehl mehles, blau, grau statt des mhd. sê sêwes, snê snêwes, mel melwes, blâ blâwes, grâ grâwes, im 16. 17 jh. hiesz es zuweilen melb, blab, grab. ähnlich entsprang unser albern aus alwære (sp. 201); salbei aus salvia, umgekehrt balwier aus balbier, barbier.
Aber auch nach vocalen und andern consonanten wandeln sich einzelne W in B: aus mhd. Tuwingen (wol = Twingen, ein zwinger, pomoerium) ward Tübingen; aus vidua, ahd. witawa wittib, neben witwe, aus aventiure abenteuer. awas und abas, awasel und abasel, awersel und abersel sind sp. 1045. 1046, auswig und äsbig s. 1018, auwe und aubei sp. 598. 1045 beigebracht. in ihnen musz das W älter sein als B, umgekehrt gieng unser ingwer hervor aus ingeber, doch zitwer aus it. zettovario.
9) fremde wörter mit unsicherem P und B
a) P in B übertreten zu lassen, war ahd. natürlich, da auch deutsches P in B gemildert zu werden pflegte; mhd. muste, seit die meisten strengahd. P geschwunden waren, dies noch mehr zusagen, man schrieb bâbes, bâbest papa, bate patrinus, bech pix, bermint membrana pergamena, belleʒ it. pelliccia, bilgerîn peregrinus, bischof episcopus, bensel penicillus, bovel peuple, brüeven prouver u. s. w. als nhd. der falsche grundsatz, alles fremde, ohne gefühl für die gewohnheit der eignen laute, unangetastet bestehn zu lassen, suchte man die P herzustellen und setzte pabst, noch lieber papst, pathe, pech, pergament, pelz, pilgrim, pinsel, pöbel, prüfen; einige B blieben, wie in bischof, das man aber zunächst von vescovo oder évesque, évêque leiten dürfte. diese wörter sind darum in P aufzusuchen, doch soll in einzelnen fällen, wo noch im 16. 17 jh. media überwog, ihnen im B ort und nachweis gestattet werden, z. b. balieren neben polieren. oft kann auch zweifelhaft sein, ob ein wort deutsch geblieben oder aus der fremde zurückgeführt ist, z. b. bicken oder picken.
b) anlautendes fremdes B wandelte man, der lautverschiebung nach, ahd. in P, und so ist aus beryllus entsprungen perala, was noch heute in perle haftet, obgleich auch die schreibung berle galt, wie eine jüngere, auf denselben stamm zurückgehende benennung brill lautet. aus bursa entsprang im 15. 16 jh

[Bd. 1, Sp. 1055]


bursch, später auch pursch geschrieben, wie für birsen birschen und pirschen, pürschen vorkommt.
10) verdoppelung des B erscheint eigentlich nur in ebbe und wird unter diesem wort erklärt werden. in babbeln, zabbeln, schlabbern, krabbe, flabbe, ribbe hat BB kein altes recht, und abbt für abt schreibt niemand mehr.
Schluszergebnis nach 1—10: unserer sprache sind heute viererlei B eigen, ein anlautendes organisches in busen, blume; ein inlautendes, unorganisches in geben, weben für F; ein in- und auslautendes in LB, RB für W; endlich in fremden wörtern.
Sprichwörtlich heiszt es: wer a gesagt hat, musz auch b sagen, der begann, soll, was auch erfolge, fortfahren;

herr, wer a sagt, musz auch b
sagen, kurz, ich schlosz die eh.
Werners 24 febr. s. 85.


 
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ba, ein ausruf verdrossenen, gleichgültigen, abweisenden staunens, in der älteren sprache nicht aufzuweisen (vgl. DWB beu), dem franz. bah, ah bah! nahe kommend, kaum nachgeahmt:

auch selbst der alte saget:
o tochter, nicht verzaget,
ich bin nicht ba und bu!
Voss 5, 189;

un gegen kind, gesind un fru,
da geit jümmer ba un bu! idylle 7, 92.

littauisch bedeutet ba allerdings, jawol.
 
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, das blöcken der lämmer und schafe ausdrückend.
 
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baar [bar], nudus, intectus, synonym mit nackt und blosz, ahd. par, mhd. bar, nnl. baar, ags. bar, engl. bare, altn. berr, schw. dän. bar. die heutige schreibung baar neben barfusz, barhaupt ist wie in heer und Hermann, hahn und Hanstein, doch setzen auch viele bar. leider geht uns die goth. form ab, sie würde vielleicht lauten basis, wozu der umlaut des altn. berr stimmt, oder basus, basvus, nach dem mhd. barwer brüste bei Frauenlob Ettm. s. 6 und irbarwen für irbaren im gedicht von dem gelouben 850. 1268. 1331. 2630. denn mit unserm bar in offenbar, lautbar u. s. w., mhd. bære, ahd. pâri, überhaupt mit der wurzel beran kann das baar nichts zu schaffen haben, auf S weisen auch sl. bos nudus, litt. basas, lett. baśś, selbst die lappische sprache, welche P für B setzt, gewährt puodsus nudus. also verhält sich das R in baar, wie in beere, goth. basi, ja zwischen basi und jenem basis, basus wäre verwandtschaft möglich, wovon mehr unter beere gesagt werden soll. zwar schränkt der heutige sl. und litt. sprachgebrauch bosy und basas ein auf barfusz, nudipes, und bos übersetzt Jes. 20, 5 ἀνυπόδητος, allein früher musz es allgemein nudus bedeutet haben, sonst sagte man nicht russ. na bosu nogu, auf bloszem fusz und hätte nicht gebildet bosonogii, böhm. bosonohy; entscheidend wird das lappische, nudus überhaupt ausdrückende wort.
Baar bedeutet uns
1) leibliche nacktheit und blösze. Cädmon läszt Adam und Eva im paradies sagen: vit hêr baru standað, unvered vædo, wir beide stehn hier baar und unbekleidet; so könnte auch

schön wie ein baarer engel.
Wieland 22, 169

zu nehmen sein für nacket, doch soll es nach 23, 321 ausdrücken manifestus, luculentus. Gewöhnlich wird die enthüllung einzelner theile des leibs gemeint, was die zusammensetzungen barhaupt, barfusz, barschenkel näher bezeichnen. der paro arm ist ahd. brachium exsertum, ein aus dem gewand hervorgestreckter, entblöszter; geirvörtur berar sind altn. papillae nudae. Laxd. saga s. 136; mhd. diu barn knie; arme und füeʒe wâren bar. Ben. wb. 1, 140b; sie wies ihre baaren zähne, bleckte die zähne;

mit iren schenklein get sie bar,
recht als sie waschen solte.
Uhland 57;

und flohe hinweg mit allem har,
da sasz der reuter kal und bar.
Waldis 1, 95;

sie rauft im aus die schwarzen har,
bisz im der kopf ward kal und bar. 3, 83;

ach, dasz doch, wie ich wünsch, mein herz euch bahr zu sehen (wäre)!
Weckherlin 746;

polsche pferde gehen baar, polsche leute gehn beschlagen.
Logau 2, 6, 13,

die pferde gehn ohne schuhe, hufeisen. houbetparî war ahd. calvitium, und kahl berührt sich oft mit baar.

das scheint doch wirklich sonnenklar,
ich geh mit zügen frei und bar,
mit freien, treuen blicken;
der hat eine maske vorgethan
Göthe 3, 161.

[Bd. 1, Sp. 1056]


man sagt, das baare (wie sonst das nackte) leben:

erbötig, sollt es auch ums bare leben gehn,
das abenteuer zu bestehn.
Wieland 18, 99. (dem selbst nichts übrig blieb als dieses nackte leben. 23, 44).


2) baar, auf die erde bezogen, kann dem zusammenhange nach meinen unbedeckt von wasser, schnee, gras, blumen. ahd. dar diu erda bar ist, dar ist sie oberôra demo waʒʒere. N. ps. 135, 6, aus dem wasser hervorgetreten. winters liegt die erde baar, wenn kein schnee auf sie gefallen ist (vgl. DWB barfrost). mhd. nu ist diu heide worden bar. MS. 2, 50b. die bare heide bei Möser p. ph. 1, 246 meint aber, wie das nnl. barre hei, den raum, wo das auge nichts als heide erblickt, wie nnl. de bare zee, wo man nichts als wasser, kein land sieht.
3) baar von schwert und waffen gesagt, bedeutet entblöszt: das baare, wie sonst das blosze, nackte schwert, das aus der scheide gezogne:

ir swert heten sie al bar,
diu siu an henden truogen. En. 6611;

done heten sie dehein andern pfant,
niuwan daʒ îsen alsô bar. Iw. 7222;

der ritter beleip bar. Krone 2874 ist gleichviel mit beleip blôʒ. 2888. 2904, ohne rüstung.
4) das baare geld, die baare münze, pecunia praesens, numerata, man könnte wieder auslegen: aus dem beutel gezognes, aufgezähltes geld, offen auf dem bret liegendes; auch die blanken thaler, wie es sonst heiszt, sind die blankenden, blinkenden. baar geld lacht; baar geld kauft; baar geld kauft wolfeil; baar geld ist gute waare; baar geld ist die losung; wer baar geld gibt, hat macht zu dingen; baren solt geben. Keisersb. hell. lewe 66a; baare bezahlung steht entgegen dem borgen; auch blosz baar (ohne geld): 100 thaler in baar;

und aufschlag machen in all wahr,
auf porg vil thewrer wann umb par.
H. Sachs I, 333b;

und man gab das geld bar uber denen, die da erbeiten (ἔδωκαν τὸ ἀργύριον τὸ ἑτοιμασθὲν ἐπὶ χεῖρας, vulg. dabant in manum). 2 kön. 12, 11; der gt alt etti hett sein siben pfenning geholt, die waren im also bar (ausgezahlt) worden. Frey garteng. cap. 40; etliche werden bahr bezahlet. Kirchhof mil. disc. 213;

wa sie dafür gab gut par gelt.
Weckherlin 810;

kaum so viel kahle mark baares geldes, dasz man darvon schwefelhölzer in die küche kaufen kan. Gryphius 1, 820;

da hast du baare funfzig thaler,
nur unterlasse den gesang.
Hagedorn 2, 68;

verheiszung, gegendienst, vielleicht was baarers noch.
Haller 113;

die tausend thaler musz ich baar und auf einem brete (haben). Gellert 3, 296; geben wir denn nicht unser baares geld dafür? Göthe 20, 145; es dauerte sie jeder baare pfennig, den sie aus der hand geben wollte. 22, 202. etwas für baares geld nehmen heiszt unbesonnen und ungeprüft lügen glauben, oder scherz für ernst halten: ungereimte meinungen und märchen, die für baares geld angenommen wurden. Wieland 19, 128; man glaubt leicht was man wünscht, Nicolai nahm in seiner unbefangenheit alles für baare münze. Fichte Nicol. leben s. 18. s. DWB bargeld, DWB barschaft.
5) baar für rein, lauter, ungefälscht: baare milch, blosze milch, nichts als milch; er soll schwarz brot essen und das baare wasser dazu trinken; sehen sie, das ist blanke, baare erfahrung. Bürger 179b, das liegt offen vor augen, ist lauter. Fischart sagt: dise haben gebeicht und gerewet (bereut) und ablasz bekommen, darumb werden sie also par (gereinigt) ins paradis fahren, wie die säns in sack. Garg. 207a. in den folgenden stellen ist mehr abstraction, doch liesze sich überall baar vertauschen mit offenbar oder lauter:

und was er andern nicht an baarer gunst erweist.
Hagedorn 1, 22;

sie halten dies vermutlich für baren eigensinn?
Wieland 5, 43;

und dazu kommt noch, dasz sie mirs für baare verachtung aufnehmen, wenn ich ihrer nicht gedenke. Wieland bei Merck 2, 140; baare, angeborne einfalt. Gotter 3, 302; das ist eine baare thorheit zu nennen. Göthe 2, 232; das ist baare hexerei. 11, 293; wenn sie nach entfernten und immer entferntern tropen haschen, so wird es baarer unsinn. 6, 105; diesen baaren unsinn der nachwelt zu empfehlen. 59, 292; das ist

[Bd. 1, Sp. 1057]


doch der baarste unsinn; ich schämte mich nur vorher, gleich meine reue so baar und offen zu zeigen. Tieck 11, 6.
6) die mhd. sprache verwendet bar, wie blôʒ, häufig für ledig und frei, mit gen. der sache; er ist wîser sinne bar; si ist alles valsches bar; eʒ tuot sorgen bar; ougen saffes bar (Ben. wb. 1, 141a); der dâ wirt guotes bar. jüngling 430. nhd. erfolgt die fügung seltner:

und aller ehren bar wär ich geblieben,
hätt euer mut die schmach mir nicht vergaumt (abgewehrt).
Wieland 18, 50;

so seis. wer von ergebung spricht an Östreich,
soll rechtlos sein und aller ehren baar.
Schiller 530a;

da kommt der immer meine freude war,
der jetzt mich machet aller freuden baar.
Tieck 2, 142;

so waren wir alles französischen wesens auf einmal baar und ledig. Göthe 26, 71. statt des gen. mit der praep. an:

wehr-lehr-nährstand, jeder stand hat sein eigen ehr in sich,
nim w. l. und n. weg, lehrt der name solches dich:
nur der herstand, der bisher andrer stände henker war,
hat bei ständen keinen stand, ist an ehr und namen baar.
Logau 2, 8, 21.


7) wie das baare geld ein bereites ist, setzt Keisersberg bar haben für bereit halten, in promptu habere: het ich auch also bar die geschrift wider ietlichs lasters anfechtung, ich bin aber nit gelert; ein unvernünftige antwurt, die hastu bar. post. 2, 83.
 
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baar in zusammensetzungen s. DWB bar.
 
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baare, f. nuditas, calvities. nach Adelung heiszt so in oberdeutschen mundarten ein nur mit gesträuch bewachsner, an hochstämmigen bäumen bloszer ort im walde, dann auch der barfrost: die baare verbrennt die saat, bei frost ohne schnee erfriert die saat. ob mit der ersten bedeutung das ahd. para, gau (z. b. in Albwines bara, Bertoldes bara), dies mit dem ahd. paro gen. parawes, wald, ags. bearo bearves zu verbinden sei, müssen weitere untersuchungen sichern. auch das lat. lucus war eine gelichtete, heilige waldstelle, paro könnte dem wortsinne nach den baumentblöszten, zum gottesdienst bestimmten waldraum bezeichnen. rv in bearves, parawes gliche der vorhin angeführten form erbarwen für erbaren.
 
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baare, feretrum. s. DWB bahre.
 
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bäbä, ein wort, womit die magd dem kinde wehrt, unreines, verbotnes anzurühren: das ist bäbä! pfui bäbä! (vgl. pfui äks). litt. babà, nicht mehr da, jau babà, ist schon weg.
 
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babbeln, babbern, s. DWB bappeln, DWB bappern.
 
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babe, f. vetula, anus. sl. baba, litt. boba anus, avia. diesen sinn darf man wol dem ahd. frauennamen Baba, wie dem mannsnamen Babo den von avus zutrauen. mhd. ist bâbe vetula. Reinh. 20. troj. kr. 14492; alde bâbe. pass. 395, 86, mehrmals in der Martina (Ben. 1, 75a). Oberlin aus einer Straszburger hs.: welcher keibe solte eime alten man und einre alten boben danken, dasz sie küsche sint? si enmügent doch nit mere. bairisch noch heute die bäben, die wabm, altes weib. Schm. 1, 141. nach Nemnich führt ein kraut, die osmunda lunaria, beim volk den namen: traut Babichen sieh mich an, was doch lieber Bärbchen bedeutet (Tobler 31b). Von alters her heiszt in denselben landstrichen auch ein gebäck oder kuchen babe, vielleicht nach der gestalt, die man ihm gab, oder weil ihn alte weiber zu essen pflegten, ein topfkuchen, scherbenkuchen, napfkuchen, aschkuchen (s. DWB asch, napf) in Schlesien werden geriebene baben verkauft, kugelhopfen;

ei dam himel is a laba,
nischt zu frassa als kucha und baba.
Hoffmanns schles. volksl. s. 314;

die bairische bäben ist aus semmelschnitten, milch und eiern gebacken, in Meiszen sagt man bäbe, aschkuchen. alles deutet auf slavischen namen und gebrauch. über das poln. und böhm. backwerk baba vgl. Linde 1, 38a. Jungm. 1, 56b.
 
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bach, m. f. rivus, torrens, von der wurzel backen (für bachen), coquere, wie torrens von torrere, brunne von brinnen, sot von sieden, welle von wallen, bullire, scatere, das warme entspringen, quellen, rinnen aus der erde bezeichnend. der verwandtschaft zwischen bach und πηγή wurde schon sp. 1051 gedacht. und η entspricht dem ablaut ô, uo, wie in φηγός, μήτηρ u. a. m. man darf beide, πηγή und bach, auch die kühlen deuten.
Zu erwägen für bach rivus bleibt
1) das wechselnde genus. bei Ulfilas, der χείμαῥος rinnô verdeutscht, mangelt das wort, ahd. pah pl. pechî, mhd. bach pl. beche, nhd. bach pl. bäche, altn. beckr, schw. bäck, dän. bäk, ags. becc, engl. beck sind alle männlich. doch weiblich

[Bd. 1, Sp. 1058]


vielleicht schon alts. beki, biki, bei Gerhard von Minden 2, 1. 3, 32 beke, in Schürens teutonista beeke, in der lex Frisonum Laubachi, wofür aber fluvius Loveke bei Pertz 2, 380; nnl. beek, was selten vorkommt. aus Lothringen, dem Mittelrhein, der Wetterau, Hessen, Thüringen zieht sich ein weibliches bach bis nach Schlesien. so schon im pass. K. 3, 67. 172, 97, in der livl. chronik, in Elisabeth (Diut. 1, 421) und in urkunden. Schwaben, die Schweiz, Baiern und die edle schriftsprache, auch Luther, halten das m. fest, bei Dasypodius und Pictorius m. Aber Keisersberg schwankt, in den sünden des munds heiszt es hintereinander 44b: und das waltwasser der bach, die da schnell lauft, ist gech für inen, darin sie kommen werden alle, die enteren vatter und mutter, das ist der gech bach ewiger verdamnis; 47b: da sie einest stnd ober dem bach weschen; und brösamlin 37d der erst bach, 38a der ander bach; unsicher omeisz 44d stot in ein bach; doch sind bekanntlich seine predigten von verschiednen aufgeschrieben worden. die krumme bach. weisth. 2, 208. das sie on schaden uber die bach kommen waren. Aimon (Simmern 1535) f 5a; was uber die bach geritten. f 5b; hat sich bei einer groszen bach gelägert. f 6a; wie er nahent bei der bach was. Fierabr. (Simmern 1533) g 2. nicht anders im übersetzten Petrarch, bald: wer könde einen brunnen nicht lieb haben, die weil er solchen lust nur aus dem bach, der daraus fleuszt, hat? 38a; bald aber: zerschmolzen und zusammen, gleich als von einer bach, gelaufen. 39b. durch eine bach hin nach der mülen eilends fuhr. Privatus verdeutschung des Remigius s. 281.
In der Wetterau gilt das wort auch heute nur weiblich, und Alberus sagt: wasser aus der bach in die wis leiten;

da schwam er durch die Erlenbach.
Alberus 19;

das stück fleisch fiel im aus dem maul
und fuhr die bach hinab behend. ebenda;

und plumbten in die bach hebend. 66;

die magd wusch tücher bei der bach. 147;

die katz durch die bach ziehen. Lehmann 128; jenseit der bach findet man auch leut. Agricola (bürtig aus Eisleben) spr. 16a. Burk. Waldis (ein Hesse), der sonst immer bach männlich setzt (1, 2. 4. 69. 96. 100. 2, 77. 83), läszt sich doch noch von einem f. beschleichen:

er pflügt den sand und mist die bach. 4, 95


Schlesische beispiele sind die häufigsten: hinter dem haus weg über die bach baun. Schweinichen 3, 222;

worzu dienet das studieren
als zu lauter ungemach?
unterdessen lauft die bach
unsers lebens, das wir führen,
ehe wir es inne werden,
auf ihr letztes ende hin.
Opitz;

als eine schnelle bach,
die alles was sie rührt, zeucht hinter sich hernach. 1, 11;

man soll, dasz uns der wein
nicht schaden bringen mag, ihm selber schädlich sein,
und bach darunter thun. 1, 59;

an dieser stillen bach, da kein Silvanus springet,
da keine nachtigall sich in die luft erschwinget.
Fleming 2;

so, freund, so geht es auch itzt meiner Hippocrenen,
der obzwar kleinen bach, doch lauteren und schönen,
die vor so helle flosz. 63;

ihr gratien geht vor, komm Sais, lust der sitten,
und Nais, schmuck der bach. 564;

dazwischen auch: sein trinken führt der bach. 73.

(er lauft) wie eine strenge bach, wenn sich die strömm ergieszen
und häuser, bäum und vieh hinführen in die see.
Gryphius 1, 11;

und jagt so hurtig nach,
als der geschwinde falk den tauben an der bach. 1, 55;

und wandt sich nach der schwarzen bach,
die Kidrons thal durchflossen. 2, 203;

der wol beredte mund, der gleich der stolzen bach
sich unverzagt ergosz. 2, 309;

der zorn ist eine volle bach,
ist aber trocken von gemach.
Logau 2, 3, 67;

wer stat des Bacchus ihm läszt lieben eine bach,
bleibt immer bei sich selbst und lescht viel ungemach. 2, 4, 93;

du schreibst von glut und flammen,
indem die trauerbach beschwemmet meine brust.
Hoffmannswaldau heldenbr. 80

aus dieser unerschöpften bach.
Günther 141;

an der schattenreichen bach. 287;

um unsre musenbach. 606;

[Bd. 1, Sp. 1059]


daneben: sage du verschwiegner bach. 302; ein tiefer silberbach. 1067. selbst Haller ahmt Opitzen das der Schweiz fremde f. nach:

dort wirft ein glänzend blat, in finger ausgekerbet,
auf eine helle bach den grünen wiederschein. s. 40 (48).

Joh. Gutslaf liesz zu Dorpt 1644 ein buch von der heiliggenanten bäche Wöhhanda ausgehen.
2) in den aus Opitz und Logau gehobenen stellen vom mischen der bach unter wein, vom trinken der bach statt wein hat bach die bedeutung von wasser, wie wir sie auch den wörtern brunne und quelle beilegen. des bachs trinken 1 kön. 17, 6 meint den bach Crith. meistentheils aber drückt bach das aus der quelle flieszende wasser, den flusz und strom aus: der helle, klare, tiefe, rauschende, plätschernde, rieselnde, murmelnde, zumal häufig der klingende, klingelnde bach, wie torrens ahd. chlinco, mhd. klinge hiesz und die ortsnamen Klingenbach, Klingelbach überall vorkommen. ebenso der gieszende bach, ahd. kioʒo, gioʒo, Gieszen = ze den gieʒen, ad rivulos; der dieʒente, tosende bach, ags. þeote.

wiegt ihn in schlummer der murmelnde bach.
Schiller 497a;

der bach rauscht hurlachei.
Wolkensteiner s. 33,

und hurlachei ist lärm, getöse. s. 65. 78. aber nicht blosz der kühle, kalte, frische bach, sondern auch der heisze und warme, wenn thränenbäche oder blutesbäche stürzen:

hiu ûʒ herten ringen den bluotigen bach. Nib. 2221, 2;

si holten ûʒ den helmen den heiʒ flieʒenden bach. 2225, 4;

daʒ im ein rôter bach
flôʒ ûʒ sînen ringen von Hartmuotes handen. Gudr. 1224, 2,

in welchen stellen bach wiederum mehr dem wasser selbst, als dem flieszen gleichsteht;

in manchem bach von blut, aus des feinds leib vergossen.
Weckherlin 626;

sie trauten, von empfindung warm,
sich ihres herzens tiefste schwäche
und mischten ihrer thränen bäche.
Gotter 1, 222;

der bach der thränen.
Gökingk 2, 158;

das herz des liebenden als geschiebe von thränenbächen fortgerollt und abgerundet. Göthe 6, 107.
3) aus der quelle springt der bach, zusammenrinnende bäche bilden einen flusz, zusammenrinnende flüsse einen strom: wer dem bächlein nachgeht, kommt zum brunnen; viel bächlein machen auch einen strom. doch wird dem bach schon heftigkeit und macht beigelegt: es bricht ein solcher bach erfür, das die drumb wonen, den weg daselbs verlieren, und fellt nider und scheuszt dahin von den leuten. Hiob 28, 4; und liesz beche aus den felsen flieszen, das sie hinab flossen, wie wasserströme. ps. 78, 16; aber bald wirt der brunn grosz und macht ein strengen bach. Frank weltb. 166a. selbst flüsse und ströme heiszen bach:

gefangen ausz dem Thonaw pach.
Schmelzl lobspr. 92.

Hierher gehört die formel, mit der man die gegenüber liegende seite eines flusses bezeichnete. wie es ahd. hiesz ennont Rînes, ennont Tuonowo (Graff 1, 600); mhd. ennent Rînes und ennent baches:

eins spils sie dâ begunden,
alsô man jensît Rînes tuot. GA. 2, 301;

sô man noch spulget hinnen und ennen. Diut. 3, 55;

mit speln, sam enents baches tuot. MS. 2, 193a;

ich bîte dîn anderhalp des bach.
Ulr. Trist. 1399;

enhalm des pachs und hie dishalm wasser. MB. 27, 175 (a. 1362); der hirt sol faren mit dem vihe uf die alt Dorkeimer bach in dem biesemonat, und sol stan gesset der bach naher Dorkeim mit sinem stabe. weisth. 1, 785 (vor 1530); lagert sich gen Raphon jenseit des baches (mehrere ausgaben lesen hier jenseit der bach). 1 Macc. 5, 37;

als man dan jenset Reines thut fastn. sp. 1179:

hie und auch da jenseit des bachs.
H. Sachs II. 2, 96c;

der man noch viel findt jenseits bachs
und auch herjesseits spricht Hans Sachs. II. 4, 88d;

der gest findt man viel jenseits bachs
und auch herjesseit spricht Hans Sachs. II. 4, 97d;

so bleibst ins alter von deiner jugend
sambt deinen brüdern jenseits bachs
sant Grobianus, so spricht Hans Sachs. IV. 3, 96a;

er kan dir doch nit geben mut,
wie man jenseit des wassers thut.
B. Waldis 4, 76.

[Bd. 1, Sp. 1060]


noch heute in Baiern enten bach und herenten; enten bach san a leut (Schm. 1, 69), bei Agricola, jenseit der bach findet man auch leut; nhd. überm bach wohnen auch leute. Simrock 677.
4) ein schlag in den bach bedeutet, was sonst auch ein schlag mit der ruthe ins wasser (weisth. 3, 311), vergebene arbeit, die gleich zerrinnt:

êst als ein slac in einen bach. MS. 1, 155b;

eʒ ist in einen bach ein slac. Winsbeke 35, 10;

daʒ ist als in die bach ein slag.
Haupt 2, 131;

wie man auch spricht zu aller frist,
wenn jemands (müh) vergeblich ist,
es ist nichts denn ein wasserschlagen.
Eyering 1, 19;

so viel als ein streich in das wasser. Abele gerichtsh. 2, 400; vgl. Méon 4, 137 ni pert que cops en eve.
5) unklar oder mehrdeutig ist die redensart in bach treten oder gehn:

si ist weder die erst noch die letzt,
die mit dem fusz in bach ist tretten. fastn. sp. 878, 4,

von einer dirne, die zu fall gekommen war. aber,

er geet mit eim fusz im bach.
Joh. von Morsheims spiegel des regiments. B. 3

meint etwas anderes, und in gutem sinn musz es stehn, wenn Frank in den spr. 2, 201b sagt: und gehört vil zu einer frommen frawen, nemlich, dasz sie nit allein mit dem einen fusz im bach geh, sondern ein lind herz habe. Fischart nennt unter den spielen no 142 eins: was geht auf dem kopf in bach? unverständlich heiszt es im unwürdigen doctor s. 637 bei einer prügelei: die stadtknechte sprungen hinaus und schlugen mit denen springstecken auf sie los, traten in bach, hieben und schlugen, dasz es eine lust war. und bald darauf: gieng mit dem bratspisz auf ihn los, stöszt ihn wider die stirne, dasz er rücklings in bach fiele, wann der spisz scharf gewesen wäre, hätte er sein letztes bekommen, nach dem stosz merket er den fehler, hub ihn aus dem bach auf, führte ihn ins hochzeithaus und bat ihn um verzeihung. von einem flieszenden bach ist gar keine rede, vielleicht aber die gosse oder rinne auf der strasze gemeint.