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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
assortieren bis ästig (Bd. 1, Sp. 588 bis 589)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) assortieren ist wie sortieren und sorte jetzt eingebürgert, ein altdeutsches ohr würde durch den bloszen klang dieser wörter beleidigt worden sein. an allen ecken liest man heute: wolassortiertes cigarrenlager, das fremde steht mindestens vornen und hinten noch deutsch eingefaszt. wenn ich sie aber zusammen sehe, kann ich sie nicht für ein wol assortiertes paar halten. Göthe 21, 147.
 
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ast, m. ramus, goth. asts pl. astôs, ahd. ast pl. estî, mhd. ast pl. este, nhd. pl. äste, denn keine nachahmung verdienen Flemings

halbbegrünte äster. 149.

allen übrigen deutschen sprachen geht in dieser reinen gestalt das wort ab, weder ist es alts. noch nd. nl. fries. oder nordisch. denn das bei Biörn aufgeführte iastr ramus, wenn es sich wirklich in alten denkmälern findet, bildet den gen. iastrs und sein ia würde gothischem i, ahd ë entsprechen, wie das norwegische ister salix (Aasen 197b) bestätigt. das ags. ost bedeutet aber nodus, nd. ost, oest, was freilich im sinne von os arboris, rami pars latens dem ast nahe tritt. beide verwandtschaften zugestanden liesze sich auf eine wurzel istan ast ustan crescere, germinare (unterschieden von der bei art vermuteten izdan azd uzdun?) rathen, aus welcher alle diese wörter entsprössen. altn. âs trabs heranzuziehen, mahnt das goth. ans ab, denn kaum stände asts für ansts, obschon gerade ansts χάρις altn. âst lautet. ὄζος aber, wenn aus ὄστος hervorgegangen, stimmte zu asts; man hat ὄσχος, ὦσχος zu erwägen, doch die wurzel vahsan, so geeignet ihr sinn wäre, erreicht unser ast nicht.
Wie nun dem stamm der ast, entwächst dem aste der zweig, erst dem zweige das laub, obwol sich sagen läszt ein belaubter ast, stamm, baum, da dem gröszeren alle kleinen theile sich aneignen. ast ist der aus dem holz vorbrechende wuchs, ast stärker und dicker, zweig schmäler, dünner; ast kann durch ramus, ὄζος, zweig durch surculus, κλάδος (goth. hlauts, ahd. hlôʒ) übertragen werden. oben wurde arm gehalten zu ramus, die äste dürfen arme, die zweige finger heiszen, Hesiod nannte die hand πέντοζον, fünfast. doch Ulfilas verdeutscht κλάδος immer mit asts, wie auch die vulg. ramus bietet, ὄζος kommt nicht vor; selbst das στιβάδας ἔκοπτον (lat. frondes, ramos) Marc. 11, 8 wird gegeben astans maimaitun, ahd. aber hiewun zwîg. T. 116, 4, und alts. streidun mid bômo tôgun. Hel. 112, 20.

dir zollt der ast, lautet es, mir nur der zweig;

du bist eines weitausgebreiteten astes jüngster zweig; wie ein verlassen ast und zweig. Es. 17, 9; behieng an eim verwirrten, kraspeligen ast. Garg. 251b; am fürstlichen hofe wurde prinzessin Sophronie als mündel erzogen, sie der letzte zweig ihres astes. Göthe 23, 137; dasz der orangebaum sich bald über der wurzel in zweige trennt, die mit der zeit zu entschiedenen ästen werden. 28, 201.
Fruchttragende unterscheidet man von falschen ästen, wasserästen, wasserschossen, unfruchtbaren auswüchsen. hauptäste, holzäste heiszen die stärkeren, aus denen die fruchtzweige entspringen. Aber auch des astes, der getrieben hat, spur im holz, im geschnittnen bret führt den namen ast (s. DWB astloch), und hier erreicht ast jenes ags. ost, den harten knoten und knorren, wofür hin und wieder noch nast, knast und knost gesagt wird, im laut anschlagend zugleich an quast laubbüschel, queste und quist, qvistr ramus. wie nest und nidus, könnten also nast, ost und nodus sich genau berühren. alst für ast wurde oben 262 angeführt. Spee und andere verwenden die form nast auch für den lebendigen, belaubten ast:

die bäum und nest bereichen sich mit schatten;
da sauset auch so mancher nast;
girren und brechen der äste.
Göthe im Faust;

ganz wie altn. iastr strepitus foliorum et ramorum, iastra strepere, rauschen und sausen meint. astiges, knotiges holz ist schwer zu spalten und fordert den keil: auf harten ast gehört ein harter keil. von einem verwundeten, regungslosen heiszt es: er blieb sitzen wie ein ast. Felsenb. 4, 83. er hat einen ast, auswuchs, buckel; sich einen ast, buckel lachen.
Figürliche anwendung erfahren ast und zweig auf alles was sich in spitzen und ecken zerspreitet, auf geschlechter der menschen, thiere, auf das geflecht der adern, die zacken des horns,

[Bd. 1, Sp. 589]


auf ströme und flüsse: in einer heiteren fläche, von der Maas in mehreren ästen durchströmt. Göthe 30, 30.
nach esten faren. fastn. sp. 565, 31 bedeutet zu walde fahren und reisig holen. auf dem ast sitzen, im freien, ohne haus.
 
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ast, m. cultura, vom vorangehenden ast in der bedeutung abstehend und vielleicht doch damit zu vereinigen, da der ast sprieszt und treibt wie die frucht des bodens. schon mhd.

dem walt und gevilde
ast und bow ist undertân. kindh. Jesu bei
Hahn 79, 6.

(den grund) in wesentlichem, guten ast erhalten. Erbacher landrecht s. 97. 100. dasz hier keine schreibfehler für art walten, thun die häufigeren belege hernach unter asten dar, oberflächlich würde art aratio, folglich cultura allerdings passen. wir ermittelten jedoch für art natura, indoles oben ein goth. azds, folglich ahd. ast = art, und es bedarf nur weiterer verständigung, um die dort und eben bei ast ramus vorgeschlagnen verschollnen wurzeln izdan und istan zusammenrinnen zu lassen. denn die ihnen zuerkannten bedeutungen von gignere, generare und crescere, germinare vertragen sich sichtbar und das skr. vridh crescere wäre dabei kaum zu umgehn, übergänge in ardh ergäben sich von selbst. höchst beachtenswerth erscheint in der angezognen stelle die verknüpfung von ast und bau, weil auch ast ramus und baum arbor zusammenstehn und baum von bauen ableitet.
 
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astblatt, n. rameum folium.
 
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ästchen, n. ramulus, ramusculus, ästlein.
 
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ästeln, franz. ramifier: geästelet und geschärtelet auf alle eck, wie die ähern am korn. Garg. 146a.
 
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asten, colere, in wetterauischen weisthümern: wer sein gut nicht ast oder buwet. 3, 372. 393; der sein gut estet und bauet. 3, 413; solche guter asten und bawen. 3, 456; einen hof asten und under handen han. 3, 494; guter die er nit selber astet oder buwet. 3, 495. einmal ist gesetzt: buwet und eret. 3, 452. hof zu Elma, den itzunt Clas Kalhart ast und bewet. urk. von 1472 in Brammerell laszgüter. Hanau 1790. 2, 95.
 
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ästen, propagari, äste treiben, gewinnen, mhd. esten, sich ästen, propagare se: ein tüchtiger meister weckt brave schüler und ihre thätigkeit ästet wieder ins unendliche. Göthe 37, 51; der alte stamm ästet sich zu einem ungeheuren narrenbaume. 36, 136; wie ein hirsch, der ohne rücksicht des territoriums sich ästet, denk ich, musz auch der mineraloge sein. Göthe bei Merck 1, 267.
 
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aster, m. und f. sternblume. von astern kränze drehen. Gökingk 1, 180. asterblume. Göthe 17, 410.
 
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asthaken, m. uncus rami. Garg. 252b.
 
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ästig, ramosus, nodosus: krumm und ästig holz. buch der weish. 13, 13;

wie dem meerpolvpen
häufige kiesel die ästigen glieder umhangen.
Voss Od. 5, 433;

in euer (der vögel) ästig sommerhaus.
Platen 19;

um schlanke pappeln oder um astige maulbeerbäume. Stolberg 8, 129; ästige, knorrige dielen (nd. ostige, nastige delen).