| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
aslaipfig bis ast (Bd. 1, Sp. 587 bis 588) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| der mund ist blasz wie blei, wie aspen ihre leiber. zwischen schwarz- und weiszdorn, asp und schlehen. ein guete peut sie darvon brachtn, setz dir ein äsperl an drei burger. Saul 26b. der aszl und wurm bleib nit dahinden. 1, 456b, indem man wol ein übel mit diesem insect in verbindung brachte. Nemnich unter oniscus asellus gibt auch die formen ossel, atzel, nassel an. bair. astl, nastl ( 1, 124).[Bd. 1, Sp. 588] wie noch dadurch bestätigt wird, dasz im Berner oberland asnibaum = bair. ansbaum, ensbaum gilt. asle oder assel konnte leicht hervorgehen aus asne (vgl. goth. asilus, lat. asinus). halbbegrünte äster. 149. allen übrigen deutschen sprachen geht in dieser reinen gestalt das wort ab, weder ist es alts. noch nd. nl. fries. oder nordisch. denn das bei Biörn aufgeführte iastr ramus, wenn es sich wirklich in alten denkmälern findet, bildet den gen. iastrs und sein ia würde gothischem i, ahd ë entsprechen, wie das norwegische ister salix ( 197b) bestätigt. das ags. ost bedeutet aber nodus, nd. ost, oest, was freilich im sinne von os arboris, rami pars latens dem ast nahe tritt. beide verwandtschaften zugestanden liesze sich auf eine wurzel istan ast ustan crescere, germinare (unterschieden von der bei art vermuteten izdan azd uzdun?) rathen, aus welcher alle diese wörter entsprössen. altn. âs trabs heranzuziehen, mahnt das goth. ans ab, denn kaum stände asts für ansts, obschon gerade ansts χάρις altn. âst lautet. ὄζος aber, wenn aus ὄστος hervorgegangen, stimmte zu asts; man hat ὄσχος, ὦσχος zu erwägen, doch die wurzel vahsan, so geeignet ihr sinn wäre, erreicht unser ast nicht.Wie nun dem stamm der ast, entwächst dem aste der zweig, erst dem zweige das laub, obwol sich sagen läszt ein belaubter ast, stamm, baum, da dem gröszeren alle kleinen theile sich aneignen. ast ist der aus dem holz vorbrechende wuchs, ast stärker und dicker, zweig schmäler, dünner; ast kann durch ramus, ὄζος, zweig durch surculus, κλάδος (goth. hlauts, ahd. hlôʒ) übertragen werden. oben wurde arm gehalten zu ramus, die äste dürfen arme, die zweige finger heiszen, Hesiod nannte die hand πέντοζον, fünfast. doch Ulfilas verdeutscht κλάδος immer mit asts, wie auch die vulg. ramus bietet, ὄζος kommt nicht vor; selbst das στιβάδας ἔκοπτον (lat. frondes, ramos) Marc. 11, 8 wird gegeben astans maimaitun, ahd. aber hiewun zwîg. T. 116, 4, und alts. streidun mid bômo tôgun. Hel. 112, 20. dir zollt der ast, lautet es, mir nur der zweig; du bist eines weitausgebreiteten astes jüngster zweig; wie ein verlassen ast und zweig. Es. 17, 9; behieng an eim verwirrten, kraspeligen ast. Garg. 251b; am fürstlichen hofe wurde prinzessin Sophronie als mündel erzogen, sie der letzte zweig ihres astes. 23, 137; dasz der orangebaum sich bald über der wurzel in zweige trennt, die mit der zeit zu entschiedenen ästen werden. 28, 201.Fruchttragende unterscheidet man von falschen ästen, wasserästen, wasserschossen, unfruchtbaren auswüchsen. hauptäste, holzäste heiszen die stärkeren, aus denen die fruchtzweige entspringen. Aber auch des astes, der getrieben hat, spur im holz, im geschnittnen bret führt den namen ast (s. DWB astloch), und hier erreicht ast jenes ags. ost, den harten knoten und knorren, wofür hin und wieder noch nast, knast und knost gesagt wird, im laut anschlagend zugleich an quast laubbüschel, queste und quist, qvistr ramus. wie nest und nidus, könnten also nast, ost und nodus sich genau berühren. alst für ast wurde oben 262 angeführt. Spee und andere verwenden die form nast auch für den lebendigen, belaubten ast: die bäum und nest bereichen sich mit schatten; Figürliche anwendung erfahren ast und zweig auf alles was sich in spitzen und ecken zerspreitet, auf geschlechter der menschen, thiere, auf das geflecht der adern, die zacken des horns, [Bd. 1, Sp. 589] auf ströme und flüsse: in einer heiteren fläche, von der Maas in mehreren ästen durchströmt. 30, 30. nach esten faren. fastn. sp. 565, 31 bedeutet zu walde fahren und reisig holen. auf dem ast sitzen, im freien, ohne haus.
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