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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
aschenbrenner bis aschenflocke (Bd. 1, Sp. 581 bis 582)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) aschenbrenner, m. äscherer, der für glashütten oder schmelzwerke im walde holz zu asche brennt. böhm. popelář.
 
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aschenbrödel, m. cinerarius, ein küchenjunge, der in der asche brodelt und sudelt, brodeln, brudeln, brutzeln wird gesagt vom geräusch kochendes, wallendes wassers; im gedicht von Oswald heiszt es (Haupt 2, 100)

kæme er in daʒ kochehûs,
daʒ in niht herwider ûʒ
triben die aschenbrodele,
sluegenn ûf sîn gefidere,

nemlich den weisen, ausgesandten raben. dies wort enthält eine uralte, in den märchen ständige und reicher entfaltung fähige vorstellung. von drei söhnen gilt der jüngste für dumm und wird verachtet, weil er seine erste jugend im schmutz und in der asche der küche zubringt (altn. liggr heima î ösku); als endlich seine zeit erscheint, tritt er auf, thut es seinen brüdern weit zuvor und erreicht das höchste ziel. einen solchen nennen schwedische märchen askefis (qui cineribus oppedit), norwegische askeladd (das wäre altn. asklatr, öskulatr, folglich wieder aschfeig, ahd. asclaʒ). litt. heiszt er pelénus, der aschfarbige oder pelenrusis, lett. pelnu ruschkis, der in der aschengrube liegt. böhm. popelwál oder verkl. popelwálek, pecywál und pecywalek, poln. popieluch. fabel und name gehen aber gleich häufig auf die dritte oder jüngste tochter über, die im schmutz der küche schwere arbeit verrichtet, der zuletzt für ihr aschengewand königlicher schmuck zu theil wird, favillae plena, min armes südeli. Uhland 1, 274; franz. la cendrillon, neapol. la gatta cennerentola, böhm. popelka, popelwalka, pecywalka, serb. pepeljuscha, pepeluschnitza, wendisch popelawa. die deutschen weiblichen benennungen folgen unter ihren eigenen wörtern. ich russichter aschenprödel. Luther 3, 333; ein gering ganz verachtet aschenbrodel. ...; das sie in (den Lot) nicht anders gehalten haben, denn für einen aschenbrödel. 4, 108a; gott fragt nicht solcher reinigkeit, sondern wil das herz rein haben, ob es gleich auswendig ein aschenbrödel, in der küchen schwarz, rustrig und bestoben ist. 5, 357b; man erferet oft, das in einem geschlechte vil leben auf einmal, der tod kompt darunder und nimpt die alle hin, darauf man gedacht hette, das sie die güter erben solten, und beleibt irgend ein aschenbrodel, darauf niemant gedacht hette. Agricola spr. no. 515; Jacob war der aschenprodel, der mutter son, daraus auch weise leute werden. no 593; das ist das beste, wenn ein mädchen in einen ansehnlichen ehrenstand kömmt, dasz nicht alle aschenbrödel über sie gehen. Weise erzn. 135; oder wenn

[Bd. 1, Sp. 582]


der unachtsame aschenbrödel (das bauermädchen) das kind an die thüre legte. 208; aschenprödel und fuszhader. Oberlin 62.
 
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aschenbrödlein, n. aber die dritte, das arme aschenprödlin, hat nichts denn eitel mangel und ungemach. Luther 1, 482a.
 
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aschenbrot, n. subcinericius panis, was ahd. derpiʒprôt (Graff 5, 221) und fochanza (3, 441), it. focaccia, serb. pogatscha heiszt, auf dem herd, in warmer asche gebacken und ungesäuert; anderwärts aschenkuchen. mit dem vorausgehenden aschenbrödel wol unverwandt.
 
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aschenfall, m. im feuerkasten, die öfnung zum durchfall der asche.
 
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aschenfarb, colore cinereo, mhd. aschenvar: eschenfarb und leberfarb. Garg. 88a.
 
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aschenfarbe, f. color cinericeus.
 
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aschenfarbig, colore cinericio: ihre haare waren aschenfarbig. J. E. Schlegel 3, 488. vgl. ascherfarbig.
 
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aschenfidle, n. schwäbische benennung des aschenbrödel, bei Ernst Meier no 43 eschenfidle, von fidle, füdle podex, wie Mathesius ascherprödel und abersel verbindet, für welches letztere doch auch andere deutungen zulässig scheinen.
 
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aschenfister, m. ciniflo, homo sordidus. Stieler 490. nnl. aschevijster. vgl. schw. askefis.
 
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aschenflocke, f. fliegende asche, flockasche.