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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
arne bis arschboszen (Bd. 1, Sp. 563 bis 566)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) arne, f. messis bei Stieler 18. die aren, erne im vocab. inc. teut., ahd. arn, aran, mhd. erne. s. DWB ernte.
 
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arnen, mereri, lucrari, eigentlich metere, obschon Graff ahd. arnên mereri 1, 426, ags. earnian, von arnôn metere 1, 480 getrennt aufstellt, jenes zur wurzel ar arare, dieses zu as stellend; richtiger werden aber beide zurückgeleitet auf das goth. asans messis (mehr unter ernte). arnen mereri erscheint mhd. noch oft (Ben. 1, 61b), nhd. selten: die doch got selbs so thewer durch seines lieben sons blut und tod arnt hat. Luther 5, 224, in der bibel braucht er das wort nicht. Alberus stellt noch auf arn vindico, mit dem falschen zusatz: hinc Arnold i. e. vindex.

[Bd. 1, Sp. 564]


die im chron. spirense ed. 1698 abgedruckte Speirer gerichtsordn. von 1328 sagt s. 286 §. 39: wer aber in krieges wis sprichet zu ieman 'du arnest es' oder 'ich gelasse es nimer davon, du must es arnen', oder spricht zu iemanne, der in eime huse ist, 'gang herusz, so helf mir gott, du arnest es'. länger dauerte das zusammengesetzte erarnen, w. m. s.
 
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arner, m. messor, ahd. arnari, schnitter in der aren. vocab. inc. teut.
 
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ärnte, f. messis. s. DWB ernte.
 
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arnweihe, m. falco milvus. Frank chron. 120a schreibt arenwyer.
 
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arpuse, f. cucurbita citrullus, wassermelone, aus dem russ. arbus, poln. arbuz, als undeutsches wort hier blosz zum verständnis einer dichterstelle angeführt:

so heisze bringen auch melonen und arpusen,
die angenehme kost für mutter Amathusen.
Fleming 92.


 
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arsch, m. culus, anus, podex, pl. ärsche, ahd. mhd. ars, pl. erse, ags. ears, engl. arse, mnl. aers, nnl. aars und naars (wie narm, noom, nelleboog f. arm, oom, ellebog), nd. ars und mars, schw. ars, dän. arts, altn. aber umgestellt rass (analog dem ragr für argr). wir haben das rohe wort roher und breiter gemacht durch wandlung des rs in rsch (wie uns mhd. birsen zu birschen, kerse zu kirsche, hêrsen zu herschen ward), Luther schrieb noch ars, erse 1 Sam. 6, 4. 5. 11, das alle neueren ausgaben hätten unangerührt lassen sollen, so an der stelle war hier der archaismus; auch Brant, Frank, Alberus, H. Sachs (: erfars), Fischart, Henisch und andere behalten ars, Stieler will arsch aus dem albernen grunde, ne cum arte Latinorum confundatur, aber das wort muste dem strom der hochdeutschen aussprache folgen. etymologien spricht Mephistopheles:

Ars Ares wird der kriegesgott genannt,
ars heiszt die kunst und arsch ist auch bekannt.
Göthe 56, 31.

etymologisch am nächsten liegt das gr. ὄῥος für ὄρσος, (wie θάῥος θάρσος), was die zusammensetzung ὀῥωδής furchtsam, neben dem altn. rassragr (= arscharg, arschfeige) fast sichert. dürfte man nun ὄρσος deuten aus ὄρνυμι, dessen fut. und aor. ὄρσω, ὦρσα lauten, so entspränge die vorstellung reger beweglichkeit, wie sie sich mit dem sterz kleiner vögel verbindet, auf welchen ὄῥος und ὀῥοπύγιον gerade gehn. motacilla oder σείσουρα, σεισοπυγίς heiszt auch uns wipstert, quikstert, weil sie unaufhörlich den schwanz rührt (vgl. DWB ackermännchen) und Fischart Garg. 237a sagt treffend: unmüsziger (unruhiger) als einer reiberin oder wasserstelzen ars; groszm. 54 nennt er unter den unfindbaren dingen: bachstelzen, atzeln, wäscherin und reiberin, die mit dem ars nicht schnappen; und früher schon Keisersb. geistl. lewe 53d: clapperecht als einer wasserstelzen der ars. vom sterz oder bürzel der vögel wäre hernach das wort übertragen worden auf den menschlichen after. wie aber, wenn nach gewöhnlicher umstellung des r, auch das böhm. řjt, poln. rzyć, serb. rijsch, slov. rit, welche bürzel und arsch ausdrücken, diesem unmittelbar entsprächen und dem altn. rass nahe träten? nach Stalder 1, 111 soll in Obersimmenthal arsch bedeuten scheune, was, wenn es beglaubigt ist, auf manche weise auszulegen wäre.
In einer groszen anzahl von derbkräftigen, oft sinnreichen und poetisch gewandten redensarten des volks, welche die feine welt scheu abweist, spielt dies wort eine hauptrolle; viele derselben sind so alt, auch unsrer sprache gemein mit andern, dasz sie hier nicht übergangen werden dürfen. das alterthum war natürlich und gerade heraus, heute hält man für anständig, sich nur abgezogner ausdrücke wie der after, der hintere, das gesäsz, der sitzer, die sitztheile oder gar des euphemismus der allerwertheste zu bedienen:

must all die garstigen wörter lindern,
aus scheiszkerl schurk, aus arsch mach hintern.
Göthe 56, 66,

es gibt aber augenblicke, wo der rede noch immer das unverhüllte wort entschlüpfen musz, in manchen redensarten wird es noch jetzt, vordem aber viel öfter, arglos und gleichgültig ausgesprochen.
Breitarsch πλατύπυγος, dünnarsch, nacktarsch, bleckarsch drücken die leibliche gestalt oder kleidung aus. ahd. sô daʒ rêhpocchili fliet, sô plecchêt imo der ars (Graff 1, lxiii);

sô geborn wirt daʒ rê,
ime wîʒet der ars als der snê. Morolf 236;

[Bd. 1, Sp. 565]



sehen ich eime den ars blecken,
wie sol ich daʒ bedecken? 433;

davon ir der ars sô hinden blecket. altd. bl. 2, 238.

in dem (ungedruckten) verzeichnisse der zu Hanswursts hochzeit eingeladenen personen (von Göthe) stehn unter andern folgende herschaften: Hans Arsch von Rippach, Hans Ärschchen von Rippach. Reckärschchen, nichte. Leckarsch, pathe der braut. Lapparsch, original. Heularsch. jungfer Arschloch. heularsch für jemand, der bei allen anlässen flennt, ist bekannt. kaularsch ein junger frosch oder ein huhn ohne schwanzfedern; quengelarsch, ein peinlicher geschäftsmann, kleinigkeitskrämer, quengler in der höchsten potenz. in der Wetterau nennt man gebbarsch und nommarsch einen der gern gibt und gern geschenktes nimmt oder wiederfordert. Alberus, ein Wetterauer, sagt Aegyptii sunt reposcones (nach Ammian 22, 16), gebars nemars. diese redensart musz sehr gangbar gewesen sein, denn Fischart nennt nc 169 ein altes gesellschaftsspiel, das lange schon nicht mehr gespielt wird, 'gebars nemmars'. Stieler 58 schreibt gebarsch, nehmarsch. feiner in gleichem sinn: gebhart nemhart. nd. vergetern eers, vergeszlicher mensch. der teufel hol den letzten, den hindersten faulen ars wollen wir dem Mars opfern. Garg. 227a.
Der ars wird sich am ersten niedersetzen. Fischart groszm. 40; setz dich dahin, wo dein groszvater gesessen hat. nd. sitt up den eers, so loopt daar kene muus in; en sittend eers kan vel bedenken; derhalb dörfen sich die herren nit viel auf den gemeinen pöfel, sonderlich ir hofgesind verlassen, denn sie habens oftmals in der noth stecken und aufm ars sitzen lassen. Frank weltb. 39b; das ros beim ars aufzeumen. Frank lob der thorheit 143; des andern morgens muste ich den ars desto früher aufheben. Simplic. 2, 276; das dir das blut vom arse flösse. Luther 8, 238b; bis wir ihnen die streu unterm arsch (in neuern ausg. steisz oder hintern) angezündet haben. Schiller 121; sich gelîchen rehte als ars und mâne. Walth. 18, 10; den ars zukneifen, zuklemmen, roh für sterben, die seele ausblasen; den ars verrenken. Garg. 97b; wann er auf den ars ful, so schads ihm nicht am kopf; dasz er arsch über kopf in die ewige tiefe hinunder fiele. Philand. 1, 400; schäm dich in den arsch hinein!; aus verzagtem arsch fährt kein fröhlicher furz;

so schlegt man mit der thür fürn ars,
wers nit wil glauben, der erfars.
H. Sachs II. 4, 101b. III. 1, 199a;

ir zwo klagt ungebleuten ars. I. 510b;

du klagest ungebleuten ars. II. 4, 1d,

du klagst voreilig, bevor du schläge bekommen hast; hau ihm den arsch aus; er ist ihm in den arsch gewachsen, gänzlich ergeben; kriecht ihm in den arsch;

unser magd hat hummeln im ars,
ich hab sie hören brummen;

so waren auch diese rumpelscheiter überaus stolz und hochmütig und glaubten sie trügen den arsch um eine gute spanne höher als andere leute. Jucundiss. 208; ein groszer ars musz eine grosze bruch (hose) haben. Garg. 41b; dann an fersen sicht man, ob eine mit dem ars kan zundel schlagen. 149a; sich den arsch verbrennen, für seinen vorwitz bestraft werden; er will sich den arsch zerreiszen, ist vor zorn auszer sich; das schintmesser im ars han. Brant narrensch. 96; der hund reitet mit ihm auf dem arsch, er ist ganz zurück gekommen; den ars ins fenster recken. fastn. sp. 611, 7; du kannst dirs am arsch abfingern, kannst es selbst wissen.
Es galt für höchste beleidigung, sich vor einem andern aufzudecken und ihn zu gaste zu laden, ihm den hintern zuzukehren und zu weisen; als Morolf den könig Salomo auf falsche spur nach einem wilde verlockt hatte,

er lieʒ sîn bruoch nider
und den ars her ûʒ wider. Morolf 1519;

die hindern si enplacten,
du solt in dise spiegel schauen.
Behams Wien 193, 13;

das heiszt Simpl. 1, 466 mit dem beweisthum selbst antworten, bei Frank, den ars und die feigen bieten. Die geschichte des mittelalters liefert mehr als ein beispiel, dasz solche schmach vorüberziehenden feinden vom strande aus oder von der burgmauer herab angethan wurde. Das lingere culum (Catull 95, 12. 96, 4), lambere nates, altfranz. je li ferai mon cul baisier (Méon 4, 226. 227. 230. 293) kommt bei allen neueren völkern, in manigfaltem, grobem und halbverschleiertem ausdruck vor, natürlich weigerten sich die belege der aufzeichnung und selbst die lexicographen halten sie meistens zurück (litt. iszlupk subbinę;

[Bd. 1, Sp. 566]


iszgrauszk mano subbinę; böhm. polib mne w panj mandu). nur aristophanische, fischartische naturen kennen hier keine blödigkeit und müssen sich frei auslassen. da schrie er der amtmann oben heraus, da schrie ich wieder zu ihme hinauf, er solte mich hinden lecken! Götz von Berl. lebensb. 170; er aber, sags ihm, er kann mich im arsch lecken. Göthes Götz 1 ausg. 1773 s. 133; sie het rucken aus Braband, händ von Cöln, den ars aus Schwaben, küst ir gseln! Garg. 76b. es heiszt auch, im ermel lecken, den hobel ausblasen. man vgl. Fischart Garg. zumal 94a, der 280a das wort leckars braucht.
Die meisten der folgenden zusammensetzungen stehn im nachtheil gegen die beigefügten ausdrücke fremder sprachen, weil sie, was in einfachen, behenden wörtern gleich verständlich ist, mit platter deutlichkeit umschreiben.
 
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arschbacke, m. clunis, im pl. arschbacken nates: kont nicht darauf (auf dem mantel) sitzen, er zög ihn dann aus, dasz man fein den arsbacken hinden zitteren sah. Garg. 118b; macht ein panzerfleck auf die hirszhäutin arsbacken, meint das herz steck daselbs, da der leib am weichsten. 251a; sechs und zwenzig musketen schützen, denen die zilgebelchen hinden im gürtel, wie dem Wilhelm Tell der bolz im goller stacken, oder wie den Schweizern und scherern die tolchen auf dem arsbacken. 263a.
 
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arschbell, f. clunis, ahd. arspellî nates (Graff 3, 94), mhd. arsbelle (Ben. 1, 118a). eine grenzbeschreibung hat: in das bachtal, das man nempt in der arsbell. weisth. 1, 81, wie solche ausdrücke öfter auf örter und stellen der feldflur angewandt werden. nd. eersbille, dän. artsbild. Fischart Garg. 197b schreibt: schöne arsbollen.
 
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arschböller, schläge auf den hintern, wol vom vorausgehenden abgeleitet.
 
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arschboszen, ferire culum, caedere:

ich wolt dich ee selber arsposzen. fastn. sp. 172, 13;

das in der wirt icht arsposz. 715, 23;

die weiber würdn mich sonst arsboszen.
H. Sachs 5, 370b;

binden die leut ans bett, strecken, arsboszelen sie. Garg. 161a; arsboszelieren. 78b.