| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
armstark bis armutspfeil (Bd. 1, Sp. 560 bis 563) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| [Bd. 1, Sp. 561] Mhd. halten einander das n. armuote und f. armuot beinahe das gleichgewicht, selten ist das m. armuot (ein beleg dafür Diut. 1, 419). Er. 1578 zeigt sich frowe Armuot personificiert. Nicht anders schwanken nhd. schriftsteller zwischen beiden geschlechtern. Luther schreibt das f. in folgenden stellen: sihe, ich habe in meiner armut verschaft zum hause des herrn hundert tausent centner golds. 1 chron. 23, 14; betrübe den dürftigen nicht in seiner armut. Sir. 4, 2; auf das ir durch seine armut reich würdet. 2 Cor. 8, 9; ich weisz deine werk und deine trübsal und deine armut. offenb. 2, 9. das n. hingegen öfter in andern: so wird dich das armut ubereilen wie ein fuszgenger. spr. Sal. 6, 11; das gut des reichen ist seine feste stad, aber die armen macht das armut blöde. 10, 15; mancher ist reich bei seim armut. 13, 7; wer seinen acker bawet, wird brots gnug haben, wer aber müsziggang nachgehet, wird armuts gnug haben. 28, 19; wir wären wol zufriden gewest mit unserm armut. Tob. 5, 27; diese arme witwe hat von irem armut (de penuria sua) alles was sie hat, ire ganze narung eingelegt. Marc. 12, 44; wenn ein fürst dir sein gut beschiede und gebe dir zu einem pfand ein geschrieben testament seines letzten willen und thet das aus seiner milde und güte umb deines armuts willen. 2, 24b; also, was gelobt ein münch mit seinem armut? 6, 29a; der apostel werk war eine geselschaft und nicht ein orden des armuts. 6, 29b; das e. a. sol umb gelds willen ein böse geschrei haben, sonderlich weil e. a. sonst gnug, und dieses armuts nicht bedürfen. 6, 506a; klagte uber das armut und elend der theologen. tischr. 396a. der sinn begründet hier keinen unterschied zwischen f. und n. Bei herscht das f., er schildert 1, 443 die armut mit ihrem uberlangen schwanz, und läszt sie den menschen reiten, leiblich auf ihn niedersitzen: und ob armut dich reiten wolt. 1, 245c; da ihn wird reiten die armut. 1, 485a; schaw als denn in die armut reit. II. 4, 114a; weil in die armut reit dermaszen. III. 3, 72b; anderemal stellt er sie auch als frau dar:hierin wohnt fraw armut leider. III. 3, 28c, wenn er aber sagt:in armut liegen unter der bank. III. 3, 36a, so läszt aus diesem dat. das geschlecht freilich sich nicht entnehmen. auch Mathesius und Fischart ziehen das f. vor: die nimpt sich als ein vernünftige und barmherzige fraw der armut trewlich an. 14b; ein kloster wöllen wir bawen, des groszen armuts mocht ich nie. wer ich in meinem armut blieben, [Bd. 1, Sp. 562] no 471; und kann itzo dem armut wol geholfen werden. 1, 553; fürwar lagen wir zwen am armut schwerlich krank. 5, 316; erhalten ir unrein leben mit dem ingeweid unseres armuts. 5, 319; also sei das armut (die armen leute) verursachet worden ire hohe noth zu klagen. weisth. 3, 443; und ist ein sehr theuer jahr gewesen, davon das armut sehr bedrängt worden. 1, 68; den vortheil, welchen das armut in rechten hat. sächs. processordnung 1622. 1, 3; der wald bringt gar schönes wild, wer nimpt das armut nun ist schon das armut weg, so bleibt doch die begier. 3, 286; man solte ihm sein edles armut nit nehmen. Arg. 1, 698; du wirst des armuts schatz. dasz du (tod) vielmal mehr das armut angelachet. mein grösztes armut ist zu leben ohne dich. mein ganzes trachten war mein armut zu verhölen. 88; schien der schickung dies dein armut noch zu reich. an der das armut sog. 1089; wann uns das armut speist und tränkt. was man aus dem armut zwinget. 64; dasz etlichen das liebe armut nahe genug wäre. erzn. 89; lieber in grösztes armut als gefahr der seelen geraten wollen. Felsenb. 1, 11; wende die helfte deines schatzes an das armut. 2, 273; es sind räuber, nun werden sie dein bischen armut zu sich nehmen. irrgarten 172; bei täglich zunehmendem armut. Leipz. armenordn. 1704 s. 16; sich gegen das armut milde erweisen. s. 17; zu des armuts bestem. s. 18; das armut unterstützen. 3, 73; eine gar zu gefällige nachsicht gegen das armut des contribuenten. 3, 95; das sind die thränen des armuts nicht. 3, 99; lassen sie nicht zu, dasz sich meine feinde meines armuts misbrauchen. 3, 100; der besitzer des ritterguts empfindet das armut seiner ausgesaugten unterthanen zuerst. 3, 137; ihre gemahlin nimmt sich des armuts und ihrer unterthanen an. 4, 131; mein bischen armut. 3, 149; wollen wir etwa dem armut etwas geben? 3, 160; mag das armut sehn, wies fertig wird. 2, 305; ja, wenn ich mein bischen armut gestolen hätte. 3, 374.Die heutige sprache ist zu dem schon der mhd. gebildeten dichtkunst gemäszen f. zurückgekehrt, und das n. braucht nicht einmal für die collectivbedeutung von armut = die armen leute, oder für die redensart mein bischen armut, dein bischen armut (irrg. der liebe 172) vorbehalten zu bleiben, da jener auch das f. zusagt (mhd. diu arme diet) und mit bischen gerade so schönheit, klugheit verbunden werden darf. doch soll es kein fehler sein, in beiden hergebrachten fällen auch das n. zu verwenden. schon Gellert setzte, von ihnen abgesehn, das f.: ich verlange den reichthum ebenso wenig als die armut. 3, 158. die armut der deutschen literatur. 26, 8; stolz auf diesen könig gab der bauer Sprichwörter: armut ist des reichen kuh. armut ist des reichthums hand und fusz. zwischen armut und reichthum ist das beste leben. armut ist ein fröhlich ding, macht lustig. armut ist ein leider gast. drumb könd ir uns nicht wohnen bei, [Bd. 1, Sp. 563] vermeint der gt keiser solt der römisch stl content sein. chron. 521a; und ist doch alles narretei, thorheit, betlerei, unwissenheit, blindheit und armatei. paradoxa 120b. armetei wurde oben aufgeführt. noch heute hört man in verschiednen gegenden unter dem volk armetei, armutei. ich bin das armutseligst weib, in armutseliger geber. 3, 1, 200b; das er in sorg und engsten schwebt, nach disem armutselign leben. 5, 61d; haben gemeiniglich am wengsten gelt in armutseliger zerrissener wat. 341b; die elenden, zerlumpten und armutseligen verachteten menschen auf der erden sitzende. wendunm. 37; haben ein armutselig jämmerlich leben. mil. disc. 115; armutseligen kranken und halb todten menschen. 118; so kommt doch plötzlich, man weisz nicht wie, seitdem erlitt sie still mit freudigkeit, Zevs trift nie den lorberbaum mit den dreigeeckten keilen,
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