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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
armstark bis armutspfeil (Bd. 1, Sp. 560 bis 563)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) armstark, armsdick: ein indianisches, armstarkes, spanisches rohr. Leipz. avant. 2, 48.
 
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armstein, m. in den schmelzhütten, der nach sechsmaligem schmelzen des kupfererzes erfolgende stein, von armem silbergehalt.

[Bd. 1, Sp. 561]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) armstuhl, m. armsessel. Göthe 20, 122.
 
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armumschlungen.
 
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armut, paupertas, ein wort, dessen bildung und geschlecht manchem bedenken unterliegen. die Gothen verwenden für diesen begrif unlêdi n., wogegen ihnen armaiô f. misericordia ausdrückt. ahd. führt aramuotî f. inopia, paupertas zunächst auf ein adj. aramuoti inops, deren uo wie das in heimuoti patria aufzufassen wäre, dem auch mhd. armuote n. (Ben. 58b) entspricht. altn. gilt aber armôðr m. paupertas und armœði f. aerumna, welches letztere aus ar labor und mœði molestia = ahd. muodî (Graff 2, 603) zusammengesetzt scheint; schwerlich läszt sich ahd. aramuotî als aramuodî fassen, diese mundart kennt kein einfaches ar labor, noch bedeutet ihr aramuotî molestia, vielmehr immer nur inopia. aramuotî = arammuotî schiene zwar dem sinn von muoti nach seltsam, obschon bei N. ausdrücklich armmuotig geschrieben steht; wie wenn das muot hier vollkommen begründet und für arammuotî nur eine ältere, der des goth. armahairtei gleiche bedeutung zu behaupten wäre? dadurch empfienge die bei arm entfaltete annahme, dasz es ursprünglich subjectiv gewesen sein müsse, neuen halt; wie arm mitleidig, erbarmend übertrat in arm pauper, ebenso wurde armmuotî misericordia, erbarmender mut zu paupertas, obgleich nun der sinn von mut zu passen aufhörte. vgl. hernach armütig.
Mhd. halten einander das n. armuote und f. armuot beinahe das gleichgewicht, selten ist das m. armuot (ein beleg dafür Diut. 1, 419). Er. 1578 zeigt sich frowe Armuot personificiert.
Nicht anders schwanken nhd. schriftsteller zwischen beiden geschlechtern. Luther schreibt das f. in folgenden stellen: sihe, ich habe in meiner armut verschaft zum hause des herrn hundert tausent centner golds. 1 chron. 23, 14; betrübe den dürftigen nicht in seiner armut. Sir. 4, 2; auf das ir durch seine armut reich würdet. 2 Cor. 8, 9; ich weisz deine werk und deine trübsal und deine armut. offenb. 2, 9. das n. hingegen öfter in andern: so wird dich das armut ubereilen wie ein fuszgenger. spr. Sal. 6, 11; das gut des reichen ist seine feste stad, aber die armen macht das armut blöde. 10, 15; mancher ist reich bei seim armut. 13, 7; wer seinen acker bawet, wird brots gnug haben, wer aber müsziggang nachgehet, wird armuts gnug haben. 28, 19; wir wären wol zufriden gewest mit unserm armut. Tob. 5, 27; diese arme witwe hat von irem armut (de penuria sua) alles was sie hat, ire ganze narung eingelegt. Marc. 12, 44; wenn ein fürst dir sein gut beschiede und gebe dir zu einem pfand ein geschrieben testament seines letzten willen und thet das aus seiner milde und güte umb deines armuts willen. Luther 2, 24b; also, was gelobt ein münch mit seinem armut? 6, 29a; der apostel werk war eine geselschaft und nicht ein orden des armuts. 6, 29b; das e. a. sol umb gelds willen ein böse geschrei haben, sonderlich weil e. a. sonst gnug, und dieses armuts nicht bedürfen. 6, 506a; klagte uber das armut und elend der theologen. tischr. 396a. der sinn begründet hier keinen unterschied zwischen f. und n. Bei H. Sachs herscht das f., er schildert 1, 443 die armut mit ihrem uberlangen schwanz, und läszt sie den menschen reiten, leiblich auf ihn niedersitzen:

und ob armut dich reiten wolt. 1, 245c;

da ihn wird reiten die armut. 1, 485a;

schaw als denn in die armut reit. II. 4, 114a;

weil in die armut reit dermaszen. III. 3, 72b;

anderemal stellt er sie auch als frau dar:

hierin wohnt fraw armut leider. III. 3, 28c,

wenn er aber sagt:

in armut liegen unter der bank. III. 3, 36a,

so läszt aus diesem dat. das geschlecht freilich sich nicht entnehmen. auch Mathesius und Fischart ziehen das f. vor: die nimpt sich als ein vernünftige und barmherzige fraw der armut trewlich an. Math. 14b;

ein kloster wöllen wir bawen,
ligt gar in groszer armut. Garg. 48b;

doch viele andere das n.:

des groszen armuts mocht ich nie.
Alberus 27a;

wer ich in meinem armut blieben,
ich würd ietzt nit umbher getrieben. 27b;

Franciscus hat sein haus, das ist seinen orden auf einen felsen, das ist auf das armut gebawet. Alberus barf. eulenspiegel

[Bd. 1, Sp. 562]


no 471; und kann itzo dem armut wol geholfen werden. Melanchth. 1, 553; fürwar lagen wir zwen am armut schwerlich krank. Hutten 5, 316; erhalten ir unrein leben mit dem ingeweid unseres armuts. 5, 319; also sei das armut (die armen leute) verursachet worden ire hohe noth zu klagen. weisth. 3, 443; und ist ein sehr theuer jahr gewesen, davon das armut sehr bedrängt worden. Schweinichen 1, 68; den vortheil, welchen das armut in rechten hat. sächs. processordnung 1622. 1, 3;

der wald bringt gar schönes wild,
das nicht fürs armut ist.
Opitz 1, 132;

wer nimpt das armut nun
in seinen milden schutz, wer wird ihm gutes thun
mit einer reichen faust? 2, 98;

ist schon das armut weg, so bleibt doch die begier. 3, 286;

man solte ihm sein edles armut nit nehmen. Opitz Arg. 1, 698;

du wirst des armuts schatz.
Fleming 555;

dasz du (tod) vielmal mehr das armut angelachet.
Gryphius 2, 31;

ihr seid ein lieber, redlicher herr. ihr sorget allein für das liebe armut. 1, 771;

mein grösztes armut ist zu leben ohne dich.
Hoffmannswaldau 11;

mein ganzes trachten war mein armut zu verhölen. 88;

schien der schickung dies dein armut noch zu reich.
Günther 868;

an der das armut sog. 1089;

wann uns das armut speist und tränkt.
Wiedemann mai 35;

was man aus dem armut zwinget. 64;

dasz etlichen das liebe armut nahe genug wäre. Weise erzn. 89; lieber in grösztes armut als gefahr der seelen geraten wollen. Felsenb. 1, 11; wende die helfte deines schatzes an das armut. 2, 273; es sind räuber, nun werden sie dein bischen armut zu sich nehmen. irrgarten 172; bei täglich zunehmendem armut. Leipz. armenordn. 1704 s. 16; sich gegen das armut milde erweisen. s. 17; zu des armuts bestem. s. 18; das armut unterstützen. Rabener 3, 73; eine gar zu gefällige nachsicht gegen das armut des contribuenten. 3, 95; das sind die thränen des armuts nicht. 3, 99; lassen sie nicht zu, dasz sich meine feinde meines armuts misbrauchen. 3, 100; der besitzer des ritterguts empfindet das armut seiner ausgesaugten unterthanen zuerst. 3, 137; ihre gemahlin nimmt sich des armuts und ihrer unterthanen an. 4, 131; mein bischen armut. Gellert 3, 149; wollen wir etwa dem armut etwas geben? 3, 160; mag das armut sehn, wies fertig wird. Lessing 2, 305; ja, wenn ich mein bischen armut gestolen hätte. Tieck 3, 374.
Die heutige sprache ist zu dem schon der mhd. gebildeten dichtkunst gemäszen f. zurückgekehrt, und das n. braucht nicht einmal für die collectivbedeutung von armut = die armen leute, oder für die redensart mein bischen armut, dein bischen armut (irrg. der liebe 172) vorbehalten zu bleiben, da jener auch das f. zusagt (mhd. diu arme diet) und mit bischen gerade so schönheit, klugheit verbunden werden darf. doch soll es kein fehler sein, in beiden hergebrachten fällen auch das n. zu verwenden. schon Gellert setzte, von ihnen abgesehn, das f.: ich verlange den reichthum ebenso wenig als die armut. 3, 158. die armut der deutschen literatur. Göthe 26, 8;

stolz auf diesen könig gab der bauer
freudig seine armut hin.
Schiller 922.

auch nnl. erscheint armoede = ahd. aramuotî immer weiblich.
Sprichwörter: armut ist des reichen kuh. armut ist des reichthums hand und fusz. zwischen armut und reichthum ist das beste leben. armut ist ein fröhlich ding, macht lustig.

armut ist ein leider gast.
armut ist für thorheit gut.
armut ist fürs podagra gut,
armut aller thür zuthut.
junges blut, spar dein gut,
armut im alter wehe thut.

armut ist keine schande; armut ist auslagefrei.
 
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armutei, f. was armut, scheint aus der alten weiblichen form aramuotî entstellt und in eine spätere ableitung übergesprungen:

drumb könd ir uns nicht wohnen bei,
wann da ist nichts denn armutei.
H. Sachs 5, 230d.

bei Frank steht bald armtei, bald armatei geschrieben: wirt ellendiglich in armtei zu Bethlehem geborn 84; mit diser armatei

[Bd. 1, Sp. 563]


vermeint der gt keiser solt der römisch stl content sein. chron. 521a; und ist doch alles narretei, thorheit, betlerei, unwissenheit, blindheit und armatei. paradoxa 120b. armetei wurde oben aufgeführt. noch heute hört man in verschiednen gegenden unter dem volk armetei, armutei.
 
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armütig, gleichviel mit armgeistig, armsinnig, den buchstaben nach ganz das ahd. armmuotig pauper und sehr zu beachten, weil es unverkennbaren bezug auf mut, sinn kund gibt: nein, spricht er, sondern mein geist wonet in einem armütigen, demütigen geist, der mein wort ehret. Luther 1, 391b.
 
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armütlein, n. recula, patrimonium exiguum, das bischen armut: etliche haben kirchen und klöstergüter geplündert, in welche arme leut ir armütlein geflöhet. Fronsp. kriegsb. 1, 112a. hier ist das n. an seiner stelle.
 
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armutselig, was armselig: armetselige menschen. Keisersb. irrig schaf 9;

ich bin das armutseligst weib,
beide an seel und auch an leib.
H. Sachs 1, 10d;

in armutseliger geber. 3, 1, 200b;

das er in sorg und engsten schwebt,
unsicher, armutselig lebt. 3, 3, 36b;

nach disem armutselign leben. 5, 61d;

haben gemeiniglich am wengsten gelt
und sein gar armutselig brüder.
Ayrer 225b;

in armutseliger zerrissener wat. 341b;

die elenden, zerlumpten und armutseligen verachteten menschen auf der erden sitzende. Kirchhof wendunm. 37; haben ein armutselig jämmerlich leben. mil. disc. 115; armutseligen kranken und halb todten menschen. 118;

so kommt doch plötzlich, man weisz nicht wie,
eine trübe, armutselige stund.
Tieck 13, 280.


 
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armutseligkeit, f. in groszer armtseligkeit und betrübnis. Keisersb. post. 3, 84;

seitdem erlitt sie still mit freudigkeit,
den frost, die blösze, armutseligkeit.
Tieck 2, 215.


 
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armutspfeil, m.

Zevs trift nie den lorberbaum mit den dreigeeckten keilen,
aber die, die dieser krönt, trift er oft mit armutspfeilen.
Logau 3, 9, 43.