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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
armbrust bis ärmel (Bd. 1, Sp. 556 bis 557)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) armbrust, f. und n., eine seltsame, zuerst im zwölften jh. erscheinende assimilation des mlat. arcubalista, arbalista, prov. arbalesta, albaresta, it. balestra, sp. ballesta, port. besta, franz. arbaleste, arbalète. hier sind mhd. belege:

mit armbrusten und mit bogen. En. 5512. troj. kr. 24980;

die armborst unde die phîle. Alex. 2107;

(bolze), sô si armbrustes span
mit senewen swanke trîbet dan. Parz. 181, 1;

mit armbrusten ûf gezogen.
Herb. 2591. Dietr. 1588;

kocher, armbrost und bogen. 8707;

mit bogen und armbrüsten. Gudr. 1384, 2;

daʒ über si kein armbrust
geschieʒen mohte noch kein boge. troj. kr. 17343;

die kunden wol genützen
den bogen und daʒ armbrust. 24788;

die vuorten armst und bogen.
Helbl. 15, 323;

als ein phîl van eime arembroste.
Roths denkm. 86, 101;

ein armbrost truog er in der hant.
Bon. 3, 17;

noch sneller ist des argen wort,
denne von der armbrost sî
der phîl. 3, 57.

die armbrust neutral setzten, konnten keinen gedanken weder an brust pectus haben noch an brust scissura, nur spurweise risz das fem. ein. das noch stärker gekürzte armst zeugt wiederum für ein fremdes wort, vielleicht hatte das byzantinische χειροβαλίστρα, das doch handschleuder, nicht bogen ausdrückt, einflusz geübt auf die entstellung von arcubalista. fries. armburst, ermborst, nnl. armborst, dän. armbörst, schw. armborst, armbost, isl. armbrysti sind entlehnt von uns, keine sl. sprache nahm das wort auf. Auch die früheren nhd. schriftsteller ziehen das n. vor, Luther verwendet armbrust nirgend.

nembt mit euch das pirscharmbrost mein. Teuerd. 30, 8;

und gebt ein armprust im in sack,
und tausent faldubel auf sein nack. fastn. sp. 47, 21;

[Bd. 1, Sp. 557]


auch wer auf unserm guet get mit einem geladen armbst. weisth. 3, 691; ein gespants armst. 3, 696, so auch bei Kaltenbäck 1, 251b. 258a; ich bracht das armbrust im rennen auf (spannte). Götz von Berl. 64; nun wolt ich das armbrust wieder ufbracht haben. das.; hett wieder ein pfeil uf dem armbrust. 66; dasz er mir mein armbrust wieder herausbringen wolt. das.; das armbrust uberspannen. Agricola spr. 97b; do schieszt man mit dem armprust ab. Thurneisser archidoxa 15; wer recht abkommen wolte, der solte selber die bölze schiften und fidern und das armbrust stechen können. Mathesius 153b;

bistu der Hänsel schütze,
was ist dir dein armbrost nütze,
wann dus nicht spannen kanst? Garg. 93b;

er spannt von freier, sperriger hand des Herculis armbrust. Garg. 180b; das armbrust ernstlicher anspannung bisweilen nachlassen. 185a; ein stählines armbrust. Weckherl. 69; man musz nicht zu lang im armbrust oder bogen liegen. Lehmann 72. später und heute gilt das f.; wer die armbrust überspannt, dem springt sie.
 
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armbruster, m. balistarius, armbrustmacher, in einer urk. von 1423 bei Oberlin 59; die armbruster befedern auch ire bölze mit solchen federn. Sebiz feldb. 606; wäre der alte armbrust etwas galanter, so hätt er wol selbst herüber rücken und mich etwa abholen können. Fr. Müller 3, 59, steht das für armbruster? oder meint ers im sinne von haudegen, der alte schütz, bogner?
 
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armbrustrain, m. ort wo nach dem ziel geschossen wurde:

am künstlichen gheus,
welches den armprostrain umfieng.
Fischart gl. sch. 885.


 
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armbrustschusz, m. bezeichnet ferne: ich bleib wol ein armbrustschusz weit dahinden. Aimon k; hierauf zog sich Otgier eines armbrusts schusz weit zurück. O 1; der nur ein armbrustschusz vom meer entspringet. Mathesius 2b.
 
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armbrustschütze, m. arcubalistarius, armbruster. schon mhd. Dietr. 2992.
 
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armbrustwinde, f. zum spannen der armbrust.
 
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armbüchse, f. die städte borgten ihm 6 büchsen, 32 armbüchsen, 6 tonnen pulvers. Dahlm. dän. gesch. 2, 57.
 
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ärmchen, n. brachiolum, ärmlein.
 
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armee, f. it. armata, sp. armada, ein mit dem feind überall vorgedrungnes, völlig entbehrliches wort, das unsere sprache längst mit heer und haufen hätte zurückschlagen sollen.
 
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armeisen, n. manica, armfessel.
 
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ärmel, m. manica, ahd. armilo (Graff 1, 426), mhd. ermel (Ben. 1, 57b), bei H. Sachs erbel, bair. erwel; man schreibt auch heute besser ermel, ursprünglich alles, was den arm umwindet, also auch fessel, armkette. lange oder kurze ermel, weite oder enge. bei der arbeit, beim essen die ermel zurückstreifen, dasz die arme freier werden: der salat war bereit, das fleisch darein schmuckt sich, er streift die ärmel hinder sich, grif darein und asz es also mit öl, essig und salz hinein. Garg. 237b; die ir erbel hinder sich streift. H. Sachs 1, 265c. einem etwas auf den ermel binden, aufbinden, aufheften, seine leichtgläubigkeit misbrauchen; er läszt sichs auf die ermel biegen. Rachel 19, eine sicher alte ausdrucksweise, die noch vom biegen des goldes um den arm herrührt, vgl. mhd. armbouc. einen am ermel fassen, ziehen, zupfen, leise auffordern oder warnen, dasz er sich einhalte, nicht zu weit gehe: mein verleger hat einen sehr demütigen brief an mich geschrieben und mich wegen des vierten theils am ärmel gezupft. Rabener briefe 161; die nachricht ist gemacht, unsere übertreibende schriftsteller am ermel zu zupfen. Claudius 6, vii. etwas aus dem ermel schütteln, aus weitem ermel plötzlich hervorholen: einen Cicero schüttelt man nicht so aus dem ermel, der text musz berichtigt werden. Reiskens lebensb. 84; auf jede frage, so unerwartet und unbequem sie ihm sein mag, eine antwort aus dem ärmel zu schütteln. Wieland 6, 44.