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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
abbrechen bis abbruch (Bd. 1, Sp. 15 bis 17)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) abbrechen, defringere, decerpere, nnl. afbreken, davon, herab brechen. den apfel (vom baum) abbrechen. blumen (vom strauch) abbrechen. die zelte (von der stange) abbrechen. den faden (vom gewebe) abbrechen, die parze brach den faden seines lebens ab (von der spindel). den butzen (vom licht) abbrechen. das schlosz (von der thür) abbrechen. die thür (von der wand) abbrechen. das haus (vom boden) abbrechen. das dach (vom haus) abbrechen. die mauer (vom grunde) abbrechen. den dorn (vom zaune) abbrechen. das eisen (vom hufe) abbrechen, die spitze (vom degen). es kann aber zuweilen der gegenstand, von dem gebrochen wird, in den acc. gestellt, und der abgebrochne ausgelassen werden: den baum ganz abbrechen, d. i. alle äpfel daran. das licht abbrechen, putzen. das bett abbrechen: der lehnmann soll sein bettchen abbrechen. weisth. 2, 422.
Anwendung auf andere dinge, die fortgang und dauer gehabt hatten, ergibt sich leicht. wie den faden der gleichsam gesponnenen rede abbrechen, heiszt es kürzer: die rede abbrechen. das gespräch, die unterhaltung, die unterhandlung, einen brief abbrechen. er brach seine worte (vom munde) ab: ein wort für dem maul abbrechen. Luther br. 5, 617. den kampf, die schlacht, den feldzug abbrechen. einen (in der zeitschrift begonnenen) aufsatz abbrechen. seinen aufenthalt abbrechen: dasz sein aufenthalt in so vollkommner gesellschaft vielleicht bald abgebrochen werden müsse. Göthe 17, 212. abbrechen für sich allein, ohne beifügung des gegenstandes, meint die rede, das gespräch: er brach ab, brach kurz ab, brach plötzlich ab, wir wollen lieber abbrechen, da wir unterbrochen sind; der prediger bricht ab; er, der mich nicht furchtsam machen wollte, brach ab. Göthe 19, 273; um so mehr als Jarno, von dem er einige auskunft verlangte, kurz abbrach und sich entfernte. 20, 34.
Redensarten: etwas über das knie abbrechen. eine sache zu grün abbrechen (bevor sie reift), übereilen. die ursache, den vorwand vom zaune brechen. der wind hat den baum gerade über der wurzel abgebrochen. die glieder abbrechen heiszt bei den soldaten lange glieder in kurze sondern; die hunde abbrechen, bei den jägern, ihnen das maul mit gewalt öfnen, wenn sie sich verbissen haben; das bier abbrechen, bei den brauern, es mit langen stangen rühren.
Mit dem dativ der person oder einer sache bedeutet abbrechen einhalt, abbruch thun, schaden, entziehen, verkürzen und ähnliches.

noch wolt ich nit, das wurd gesprochen,
das ich hett einer abgeprochen. fastn. sp. 232, 15;

den durst soltu mir nit abprechen. 352, 25;

er bricht sich selbst damit ab, entzieht sich etwas dadurch, schadet sich; er bricht sich nichts ab, versagt sich nichts; er hat sich den wein abgebrochen, den genusz des weins entzogen, dies sich abbrechen gleicht dem lat. continere se a cibo. denn wer wil einem menschen, der solchen trotz hat, abbrechen oder schaden? Luther 6, 200b; er hat verkürzet meine tage, denn er bricht abe dem alten menschen. Luther 1, 39a. 3, 20; ich habe ehe wöllen der deutschen sprache abbrechen,

[Bd. 1, Sp. 16]


denn von dem wort weichen (bei der übersetzung) Luther 5, 143b; weil auch ich mit meim schreiben den bilden mehr abbrochen habe, denn Carlstat mit seinem stürmen; ein könig läszt sein kind, eh er dem land abbricht. Opitz 1, 221; seiner seele abbrechen. pred. Salom. 4, 8;

wann wo kein laster wär, wär keine tugend nicht,
denn tugendhaft ist der, der lastern abebricht.
Logau 2, 213.


Hieran hängen feiner unterschiede zwischen acc. und dat. er brach seine rede ab, hörte auf zu reden, brach seiner rede ab, redete kürzer; die worte abbrechen, nicht weiter reden, den worten abbrechen, die worte abkürzen, mäszigen: Florindo brach seinen worten ab, wo er wuste und kunte, aus beisorge er möchte zu weinen angereizet werden. Chr. Weises kluge leute 19. wir wollen das spiel abbrechen, nicht mehr spielen, wir wollen heute dem spiel abbrechen, um mehr lesen zu können, weniger spielen; den schlaf abbrechen, ablassen zu schlafen, dem schlaf abbrechen, kürzer schlafen. oft mag es gleichviel sein, welcher casus stehe, einem den lohn abbrechen, dem lohn abbrechen, an dem lohn abbrechen. im Simplic. mehrmals sich nicht abbrechen für entbrechen, enthalten: dasz er ihm (sibi) nicht abbrechen konte mich zu küssen; das kam mir so lächerlich vor, dasz ich mir nicht abbrechen konte darüber zu schmollen (continere me non potui quin).
Einzelne jener transitiva, die den acc. (nicht die den dat.) bei sich haben, können mit wandlung des acc. in den nom., oder auch auslassung des acc. intransitiv gesetzt werden. der faden bricht hier ab, die rede, das gespräch brach ab, seine worte brachen ab, der kampf muste abbrechen, alles brach nun ab. das pferd ist abgebrochen, losgebrochen. weisth. 3, 683.
 
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abbrechen, das brechen des flachses vollenden. wir haben bald abgebrecht, verschieden von dem part. abgebrochen des vorigen wortes.
 
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abbrechung, f. abruptio: die schöne abbrechung in diesen worten fiel ungemein glücklich aus. Lessing 4, 171.
 
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abbreiten, s. DWB abpochen.
 
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abbrennen, abbrann, igne consumi, vom feuer entzündet, verzehrt werden, verglühen. das entzündete holz brennt ab. Göthe 28, 42; das feuer brann ab; die abbrennende tagesflamme für die untergehende sonne; die lustfeuer des eilig abbrennenden frühlings. J. Paul biogr. 1, 1; hende, füsze, der kopf abgebrunnen. Luther 3, 419; ein gutes gewehr musz schnell abbrennen. H. Sachs schreibt noch abbrinnen: mein spiesz soll mir darin nit abbrinnen. IV. 3, 2b.
 
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abbrennen, abbrannte, igne consumere, nnl. afbranden, in flamme setzen, entzünden. eine flinte abbrennen, los brennen. einen wald, ein haus abbrennen. bei den ziegelbrennern heiszt abbrennen dem ofen durch reisholz die letzte hitze geben. man sagt auch einen abbrennen, ihm haus und hof anzünden, und abgebrannt bedeutet arm, von gelde und allen mitteln entblöszt: da er mit einiger schalkheit zu verstehen gab, dasz er nicht so abgebrannt sei, als er aussehen möge. Göthe 25, 167. abgehrannte des lebens (in der jugend überreizte menschen) J. Paul Titan 2, 124.
 
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abbringen, abducere, nnl. afbrengen, von etwas bringen, entfernen. das heu abbringen, abmähen. ich kann ihn von der sache nicht abbringen, nichts in der welt soll mich davon abbringen. man brachte ihn bald vom rechten wege ab. die rinde liegt so fest, dasz man sie kaum abbringt, losbringt. er ist von diesem laster glücklich abgebracht. Dann aber auch: die sache, das laster abbringen, in ungebrauch kommen lassen: sie wollen alle gute sitte abbringen. abschaffen abstellen, wirken schneller, befehlerischer, abbringen nach und nach. der fürst schaft das gesetz ab, die obrigkeit stellt ein fest ab, die zeit wird den aberglauben, die öffentliche meinung wird das verbot schon abbringen: das ist nun endlich abgebracht, wie der holzhauer ausruft, wenn die eiche fällt. ich will das in meinem hause gleich abschaffen, abstellen, aber schon wieder abbringen. ich kann das nicht abstellen, aber ich kann den flecken nicht mehr abbringen.
 
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abbringung, f. abductio. eine abbringung von der gegebnen bahn. Kant 8, 471.
 
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abbröckeln, in frusta frangere, in kleinen brocken ablösen: den kalk von der mauer abbröckeln. sich abbröckeln, brockenweise abfallen. Claudius 4, 73 setzt abbröckeln intransitiv: die tugend wankt und bröckelt ab.

[Bd. 1, Sp. 17]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) abbrocken, gleich dem vorigen, zerbrocken.
 
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abbruch, m. abruptio, avulsio, in den meisten der bei abbrechen angegebnen bedeutungen. abbruch des hauses, der mauer, des thurms, des obstes, des fadens, des kampfs, des gespräches. ein haus auf abbruch verkaufen. abbruch heiszt auch das vom wasser abgebrochne land, den schriftgieszern aber das über der form stehn bleibende, abzubrechende metall. Häufig bedeutet es eintrag schmälerung abzug schade: ein wesen, welches über allen abbruch an seinen zwecken erhaben ist. Kant 5, 333; ich musz ohne abbruch bezahlt werden;

dasz das allgemeine heil
keinen abbruch darf erfahren,
will davon ein jeder theil
nemen und bei sich bewahren.
Logau 2, 16, 42

mit der überschrift: beraubter gemeinkasten;

abbruch will an seinem wort unser gott mit nichten leiden,
zusatz soll bei seinem wort auch sein volk nicht minder meiden.
gottes wort nicht lesen dürfen, dieser abbruch ist nicht klein.
Logau 2, 231, 132.

in diesem sinn pflegt es mit geben und thun verbunden zu werden:

eine maultasch ist ein ding zwar nicht schädlich an dem leben,
auszer dasz sie dem gehör abbruch wil und nachtheil geben.
Logau 2, 26, 97.

was mir der schalk für abbruch thut.
Wieland 5, 181.

die bürger thaten auf dem rückzuge in verbindung mit den Kaiserlichen den Franzosen abbruch. Göthe 43, 147. Frank, nach abbrechen se continere, setzt abbruch für enthaltsamkeit von der speise, für fasten und kasteien: in der fast plagen si sich mit groszem abbruch. weltb. 192b; brder Niclas in Schweitz genant, ein man wunderparlichs abbruchs, den etlich gar nicht essen, etlich so gar wenig gessen haben schreiben. chronik 270a. Bei Luther steht abbruch dem zusatz nutz und vortheil entgegen: es hat weder silber, golt, edel gestein, noch kein köstlich ding so manchfeltige zusetze und abbruch als die guten werk. 1, 224; denn es unchristlich ist gemeines nutzes und schutzes genieszen und doch nicht gemeine last und abbruch tragen. 8, 377b (vgl. br. 2, 298.) kleidung, darauf nit vil kosten zu abbruch der haushaltung angewendt worden. Fischart ehz. 78. stümfflicher abbruch (plötzliche entziehung) soll daneben auch nicht sein. Kirchhof disc. mil. 31. Aufhören und ende:

die bestimbte zeit des abbruchs unsrer schanden.
der tyrannei abbruch.
Weckherlin 605.

der abbruch deines lebens.
Günther 235.

Weckherlin in der vorrede zu den weltl. ged. nennt auch die caesur abbruch: und also den so lieblich fallenden und meinem erachten nach gantz künstlichen abbruch in der mitte der langen versen sein merkliches wehrt villeicht gar benehme.