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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
abbieten bis abblatten (Bd. 1, Sp. 13 bis 14)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) abbieten, proclamare, von der kanzel herab verkünden, entbieten: weil ich auch mit dieser braut, die als ein jungfraw abgebotten, so schentlich betrogen bin. Thurneissers ausschr. 3, 117. bei versteigerungen höher bieten, so dasz das vorige gebot herab kommt: die leute boten ab und zu.
 
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abbild, n. effigies, ein von etwas genommenes bild, das erfundne bild ist kein abbild, abbild verlangt ein vorbild, das vor dem bildenden stehe. in diesem sinn scheint abbild frischer und lebendiger als das blosze bild: auf das vorbild, auf das gewirkte abbild. Göthe 59, 34;

wie angenehm ist doch die liebe
erregt ihr abbild zarte triebe,
was wird das urbild selber sein?
Haller;

reiner tugend reinster spiegel,
abbild aller frömmigkeit.
Schottelius lustg. 1647 s. 105;

du guter alter mann,
du abbild der verflosznen treuen zeit.
Tieck 2, 40.


 
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abbilden, ad effigiem formare, nnl. afbeelden, bild von etwas entwerfen, die blume abbilden, bild von ihr nehmen. gott soll man nicht abbilden, weil man es nicht kann, er in keiner gestalt uns vor augen steht. das abgebildete tritt der gestalt, dem urbild gegenüber. sie wissen sogleich die originale zu den abgebildeten characteren. Rabener 1, 121. ein von J. Paul (aesth. 1, 94) verwandtes abbildern ist entbehrlich, da abbilden dasselbe aussagt.
 
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abbinden, ligamen solvere, nnl. afbinden, den haft lösen. ein tuch (vom hals, arm), die schürze (vom leib) abbinden, den erhängten (vom galgen). wundärzten gilt abbinden für unterbinden, ein glied abbinden: ich hatte eine kleine warze, man hat sie mir glücklich abgebunden. Göthe 20, 41. das kalb (von der kuh) abbinden heiszt es allein stellen, entwöhnen, den bären abbinden, eine schuld bezahlen. einigen handwerkern, zimmerleuten und faszbindern ist abbinden fertig binden: das gebäude steht abgebunden, alle säulen, bänder sind gelegt; das fasz ist abgebunden, von allen reifen umgeben.
 
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abbisz, m. pars succisa, bisz von etwas herunter. so nennen die jäger den ort, wo der hirsch das junge laub abgebissen hat; eine pflanze heiszt abbisz, teufels abbisz, scabiosa succisa, weil ihr herz kurz abgebissen scheint, was der volksglaube dem teufel zuschreibt.
 
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abbitte, f. deprecatio, bitte um vergebung eines fehlers: einem abbitte, fuszfällige, kniende abbitte thun; auf meinen knien will ich abbitte thun. Göthe 4, 20; abbitte ist die beste busze.
 
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abbitten, deprecari, nnl. afbidden, eigentlich von einem erbitten, vorzugsweise gnade, schonung, verzeihung. Luther 1, 22 unterscheidet abbitten und erbitten, das gute werde erbeten, das böse abgebeten, doch verwendet er sonst auch abbitten für erbitten: nicht zwingen, sondern durch freundlich ermahnen abbitten. br. 3, 5; vielleicht liesz sich der ordinarius abbitten. br. 1, 82. heute nur flehend: ich bitte dir alles ab; dasz ich ihr meine härte mit heiszen thränen abbitte. Gotter 3, 119; niedergekniet, abgebeten! 3, 506.
 
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abbittlich: die gerechtigkeit gottes kann nicht als gütig und abbittlich vorgestellt werden. Kant 6, 319.
 
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abblasen, deflare, nnl. afblaszen, wegblasen, davon blasen: den staub vom kleide, den sand vom tische, die hitze von

[Bd. 1, Sp. 14]


der speise abblasen, dann, mit ellipse des gegenstandes, das kleid, den tisch abblasen; die suppe im löffel abblasen, kalt blasen; ein stück, ein lied abblasen vom horne weg; der wächter bläst eben ab; wir sagten ihm, er blase sein leben gern auf einer trauerflöte ab. J. Paul komet 3, 223. oft heiszt es zum abzuge blasen:

der obergott war froh, befahl nun abzublasen.
Opitz;

liesz vom sturme abblasen. Lohenst. Arm. 1, 1132. dann auch abblasen, zu blasen aufhören.
 
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abblassen, pallescere, erblassen, erbleichen. hier blaszte er ab, erblich er; die rothe farbe blaszt leicht ab.
 
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abblatten, defringere folia, nnl. afbladen, blätter abbrechen, wie an reben und kohl geschieht: den wein abblatten. die jäger nennen abblatten, wenn das wild von grünem laube friszt.