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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
aas bis aasseite (Bd. 1, Sp. 6)
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[Bd. 1, Sp. 6]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) aas [as], n. esca, cadaver, ersteres scheint die eigentliche bedeutung und die wurzel itan, eʒʒan, wie von esca für edca edere, morticina caro, vögeln und raubthieren zur speise liegend. mhd. âs (Ben. 1, 64), nnl. aas, ags. æs, schw. as, dän. aas und aadsel. goth. ahd. altn. nicht aufzuweisen. gilt noch heute vom weggeworfnen todten fleisch, das die thiere lockt, ganz wie luder, während köder nur esca, nicht cadaver ausdrückt. er liegt im wasser den fischen zum aase; wo das aas liegt, da samlen sich die adler; die geier witterten das aas; mit frischem aas erfischen; wiltu capaunen feiszt machen, so bereit ein aas von kleien und gibs ihnen zu essen. Tabernaemont. kräuterb. 649; der gestank der moräste und äser. Kant 10, 160; soll ich noch staub auf das aas des gefallnen verräthers werfen?

ein dorrendes geripp, ein halbverbrantes aas.
A. Gryphius 1, 214;

so soll dich auch mein aas noch pochen.
Günther 203,

d. i. meine leiche dich noch verhöhnen.
Verachtend und als heftige schelte: du aas! ihr äser! du faules oss! H. Sachs I. 5, 511d; verstärkt schindaas, schindäser, rabenaas, das auf dem schindanger liegt, auf das sich die raben niederlassen. Häufig aber auch aus der schelte übergehend in liebkosung, wie das frankfurtische os, dim. esi der manigfaltigsten bedeutung fähig bald traulich und lobend, bald schimpfend und verachtend zugerufen wird.

der tact, du aas, zu deiner melodei,

sagt Mephistopheles zur hexe. ein hübsches rabenäschen. Weise com. probe 60; ach du rabenaas! Günther 1001; komm liebs esi! in solchem sinn kann aas blosz als esca, ohne gedanken an das todte, als reiz und lockung gefaszt werden, wie es auch heiszt freszlieb, einen vor liebe auffressen mögen. Gerade so doppelsinnig sind luder und schelm (ahd. scelmo cadaver, pestis): du luder! hei luder! du freundlicher schelm! schelmenauge! litt. maita aas, eik maita eik! geh luder geh! Nesselmann s. 389.
 
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aasen, pascere, vesci, nnl. azen, vom fressen und weiden einiger thiere. die jäger sagen nicht der hirsch friszt, sondern er aaset, andere schreiben er äset oder äszet. die kühe aasen im fetten gras, nach einigen mit dem nebensinn des verschwendens. beides von aas speise, weide.
 
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aasfliege, f. musca cadaverina, schmeiszfliege.
 
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aasfressig, cadavere vescens, von thieren, die aas fressen.
 
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aasgeier, m. vultur percnopterus, geier der auf raub ausgeht.
 
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aasgeruch, m. odor cadaveris, gestank, dunst des aases.
 
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aasgestank, m. dasselbe.
 
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aashaft, cadaverosus.
 
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aasig, dasselbe, doch wie aas auch in gemildertem sinne gebraucht.
 
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aaskäfer, m. silpha, σίλφη, benennung stinkender käfer.
 
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aasseite, f. interior pars corii, den gerbern, die inwendige seite des fells.