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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
aalglatt bis aasgeier (Bd. 1, Sp. 5 bis 6)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) aalglatt, glatt wie aal: aalglatter heuchler.
 
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aalhaut, f. cutis anguillae, eigentlich und uneigentlich von einer glatten, schlüpfrigen.
 
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aalmutter, f. blennius viviparus, ein seefisch, den die fischersage wol zur mutter des aals machte.
 
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aalraupe, f. gadus lota, sonst auch aalruppe, aalquappe, rufolke, nnl. puitaal, aalpuit, ein dem aal ähnlicher fisch, der wahrscheinlich für eine jüngere gestalt und raupe des aals galt.
 
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aalthierchen, n. vibrio, anguille du vinaigre, aalförmiger wurm in gestandnem essig, kleister erzeugt.
 
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aar [ar], m. aquila, des adlers echter name, goth. ara, gen. arins, ahd. aro arin, mhd. ar arn; erst aus dem zusammengesetzten adalaro gieng unser scheinbar abgeleitetes adler hervor, und aar gilt noch in höherer dichtersprache:

fleuch auf du königlicher aar,
dich schwingend in die lüfte!;
junger aar, dein königlicher flug
wird den druck der wolken überwinden.
Bürger an A. W. Schlegel.

doch Luther sagt nur adeler, Göthe nur adler, Schiller könnte aar gebrauchen. gen. und pl. bekommen besser aaren als aares und aare. In aro, wie pero ursus scheidet sich die goth. und hochd. mundart von der ags. und altn., welche earn und örn (doch neben ari) wie beorn und biarn sagen, das n aufnehmend in den nom. und den gen. stark bildend earnes beornes, arnar biarnar. auch mhd. ins mnd. neigende dichter setzen den nom. arn Roth. 4974. Athis b, 27. 45. 80. e, 130; mnl. den nom. aren (mit eingeschaltetem e wie in arem für arm) gen. arens Esop s. 80. 84. 85, woraus nnl. arend, gen. arends (wie aus ieman iemand) und nd. arnd geworden ist. Zu ara, aro stimmt das armor. er, welsche eryr (im ir. iolar, gal. iolair scheint iol eher vorgesetzt wie adal in adalaro, als l = r), und mit ableitendem l das litt. arélis orélis, sl. orel orl; zu earn örn arn das gr. ὄρνις, mit dem allgemeinern sinn von raubvogel, vogel, der attisch auf hahn und henne eingeschränkt wird, namen wilder hirtenvögel wandelten sich in die der hausthiere. den zum könig aller vögel erhobnen gewaltigen raubadler bezeichnete zwar die ableitung von ara aus skr. hara rapiens. dagegen führt αἰετός, ἀετός so wie οἰωνός einfach auf avis, skr. vajas und vi (Bopp 309a. 317b) für avajas avi? und die wurzel ἄημι skr.wehen, so dasz avis und ara den in der luft gehenden bedeuteten; aquila mit andrer ableitung dasselbe. merkwürdig aber gemahnt aquila an aquilo und die mythische beziehung des windes auf adlersflügel (deutsche myth. s. 600. 601)

[Bd. 1, Sp. 6]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) aas [as], n. esca, cadaver, ersteres scheint die eigentliche bedeutung und die wurzel itan, eʒʒan, wie von esca für edca edere, morticina caro, vögeln und raubthieren zur speise liegend. mhd. âs (Ben. 1, 64), nnl. aas, ags. æs, schw. as, dän. aas und aadsel. goth. ahd. altn. nicht aufzuweisen. gilt noch heute vom weggeworfnen todten fleisch, das die thiere lockt, ganz wie luder, während köder nur esca, nicht cadaver ausdrückt. er liegt im wasser den fischen zum aase; wo das aas liegt, da samlen sich die adler; die geier witterten das aas; mit frischem aas erfischen; wiltu capaunen feiszt machen, so bereit ein aas von kleien und gibs ihnen zu essen. Tabernaemont. kräuterb. 649; der gestank der moräste und äser. Kant 10, 160; soll ich noch staub auf das aas des gefallnen verräthers werfen?

ein dorrendes geripp, ein halbverbrantes aas.
A. Gryphius 1, 214;

so soll dich auch mein aas noch pochen.
Günther 203,

d. i. meine leiche dich noch verhöhnen.
Verachtend und als heftige schelte: du aas! ihr äser! du faules oss! H. Sachs I. 5, 511d; verstärkt schindaas, schindäser, rabenaas, das auf dem schindanger liegt, auf das sich die raben niederlassen. Häufig aber auch aus der schelte übergehend in liebkosung, wie das frankfurtische os, dim. esi der manigfaltigsten bedeutung fähig bald traulich und lobend, bald schimpfend und verachtend zugerufen wird.

der tact, du aas, zu deiner melodei,

sagt Mephistopheles zur hexe. ein hübsches rabenäschen. Weise com. probe 60; ach du rabenaas! Günther 1001; komm liebs esi! in solchem sinn kann aas blosz als esca, ohne gedanken an das todte, als reiz und lockung gefaszt werden, wie es auch heiszt freszlieb, einen vor liebe auffressen mögen. Gerade so doppelsinnig sind luder und schelm (ahd. scelmo cadaver, pestis): du luder! hei luder! du freundlicher schelm! schelmenauge! litt. maita aas, eik maita eik! geh luder geh! Nesselmann s. 389.
 
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aasen, pascere, vesci, nnl. azen, vom fressen und weiden einiger thiere. die jäger sagen nicht der hirsch friszt, sondern er aaset, andere schreiben er äset oder äszet. die kühe aasen im fetten gras, nach einigen mit dem nebensinn des verschwendens. beides von aas speise, weide.
 
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aasfliege, f. musca cadaverina, schmeiszfliege.
 
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aasfressig, cadavere vescens, von thieren, die aas fressen.
 
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aasgeier, m. vultur percnopterus, geier der auf raub ausgeht.