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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
aa bis aar (Bd. 1, Sp. 5)
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[Bd. 1, Sp. 5]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) aa, m. merda, excrementum, zweisilbig und zweimal betont, ein uraltes wort, dem nur zeugnisse abgehn, anständiger als die gemeinen ausdrücke koth oder dreck, jetzt aber nur wenn mit kindern oder vertraulich gesprochen wird im gebrauch: das ist aa! aa machen, seine nothdurft verrichten, schweizerisch recks nit a, sist aa! sist agge! aa, agge machen (Stald. 1, 82), niederdeutsch einsilbig a: a don (brem. wb. 1, 1). früher wol mit allmälich geschwundenem kehllaut haha oder chacha, schweiz. agge, äggi und gaggi, gäggi, gaggeli, bair. gäckelein n. (Schm. 1, 24). wie gr. κάκκη f., it. sp. caca f., franz. caca m., dem lat. cacare zum grund liegend, finn. kakka, ir. cac, welsch cach, doch armorisch ach, each: ach eo ann drâzé, c'est du caca; vielleicht ahd. chachala testale (Graff 4, 361) zu vergleichen (s. DWB kachel). Die Böhmen sagen člowecčině, menschliches, humanum, quod ab hominis natura non abhorret. s. leutekoth, DWB menschenkoth.
 
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aal [al], m. anguilla, ahd. mhd. âl, nnl. aal, ags. æl, engl. eel, altn. âll, schw. l, dän. aal, scheint entsprungen aus ahal (wie noch Luther ahl schreibt), der verkleinerung oder ableitung eines verlornen aha schlange, skr. ahi, gr. ὄφις und ἔχις, wegen ähnlichkeit des fisches mit der schlange und natter. denn auch lat. anguilla gehört zu anguis, beide vor dem g ein n entwickelnd; mit r für l russ. ugor, böhm. auhoř, poln. węgórz, litt. ungurys, est. angrias. Der gewöhnliche pl. lautet aale, doch setzt Göthe 8, 126 äle, Möser 2, 190. 3, 41 dreiszig bund ähle, eine stiege ähle, wie schon mhd. æle Reinh. 647, 757, beidemal auszer reim; nnl. alen. B. Waldis gibt dem sg. ael und Hohberg 2, 514 braucht aal weiblich.
 
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aalbeere, f. s. DWB alantbeere.
 
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aalen, tubum purgare, kunstwort der röhrenmeister: eine verschlammte röhre lüften, indem man einen lebendigen aal durch sie schlüpfen läszt.
 
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aalfang, m. captura anguillarum, anstalt zum fangen der aale.
 
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aalglatt, glatt wie aal: aalglatter heuchler.
 
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aalhaut, f. cutis anguillae, eigentlich und uneigentlich von einer glatten, schlüpfrigen.
 
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aalmutter, f. blennius viviparus, ein seefisch, den die fischersage wol zur mutter des aals machte.
 
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aalraupe, f. gadus lota, sonst auch aalruppe, aalquappe, rufolke, nnl. puitaal, aalpuit, ein dem aal ähnlicher fisch, der wahrscheinlich für eine jüngere gestalt und raupe des aals galt.
 
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aalthierchen, n. vibrio, anguille du vinaigre, aalförmiger wurm in gestandnem essig, kleister erzeugt.
 
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aar [ar], m. aquila, des adlers echter name, goth. ara, gen. arins, ahd. aro arin, mhd. ar arn; erst aus dem zusammengesetzten adalaro gieng unser scheinbar abgeleitetes adler hervor, und aar gilt noch in höherer dichtersprache:

fleuch auf du königlicher aar,
dich schwingend in die lüfte!;
junger aar, dein königlicher flug
wird den druck der wolken überwinden.
Bürger an A. W. Schlegel.

doch Luther sagt nur adeler, Göthe nur adler, Schiller könnte aar gebrauchen. gen. und pl. bekommen besser aaren als aares und aare. In aro, wie pero ursus scheidet sich die goth. und hochd. mundart von der ags. und altn., welche earn und örn (doch neben ari) wie beorn und biarn sagen, das n aufnehmend in den nom. und den gen. stark bildend earnes beornes, arnar biarnar. auch mhd. ins mnd. neigende dichter setzen den nom. arn Roth. 4974. Athis b, 27. 45. 80. e, 130; mnl. den nom. aren (mit eingeschaltetem e wie in arem für arm) gen. arens Esop s. 80. 84. 85, woraus nnl. arend, gen. arends (wie aus ieman iemand) und nd. arnd geworden ist. Zu ara, aro stimmt das armor. er, welsche eryr (im ir. iolar, gal. iolair scheint iol eher vorgesetzt wie adal in adalaro, als l = r), und mit ableitendem l das litt. arélis orélis, sl. orel orl; zu earn örn arn das gr. ὄρνις, mit dem allgemeinern sinn von raubvogel, vogel, der attisch auf hahn und henne eingeschränkt wird, namen wilder hirtenvögel wandelten sich in die der hausthiere. den zum könig aller vögel erhobnen gewaltigen raubadler bezeichnete zwar die ableitung von ara aus skr. hara rapiens. dagegen führt αἰετός, ἀετός so wie οἰωνός einfach auf avis, skr. vajas und vi (Bopp 309a. 317b) für avajas avi? und die wurzel ἄημι skr.wehen, so dasz avis und ara den in der luft gehenden bedeuteten; aquila mit andrer ableitung dasselbe. merkwürdig aber gemahnt aquila an aquilo und die mythische beziehung des windes auf adlersflügel (deutsche myth. s. 600. 601)