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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ä bis aalmutter (Bd. 1, Sp. 3 bis 5)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ä, meistentheils umlaut des kurzen oder langen a, dessen ursprung aus ai vorhin entfaltet wurde, für den auch zeugt, dasz hin und wieder ahd. aigi statt egi, airin statt erin, eisto statt esto, meiniki statt meniki, sceifte statt scefte, selbst noch mhd. eiste eingel statt este engel, ja nhd. einlich für enlich, ähnlich geschrieben vorkommen. dem ai liegt ae, dem ei liegt ê oder e nahe. die ahd. sprache kannte nur umlaut des a in e, nicht des â in æ, die mhd. hat beide umlaute und drückt den des kurzen vocals meist durch e, selten durch ae, den des langen immer durch ae aus; in der mhd. grammatik unterscheidet man sie so, dasz den umlaut des kurzen vocals ä, den des langen æ bezeichnet. nhd. ist ä viel häufiger und ein unterschied zwischen beiden im schreiben entbehrlich, so sehr es in der grammatik noth thut ihn geschichtlich zu erkennen.
Nemlich nhd. ä, wo es mhd. æ entspricht und aus â hervor gieng, bleibt immer lang und gedehnt, kann auch nie durch e ausgedrückt werden: schale schälchen, stahlen stahle, Westfal Westfäling, pfahl pfählen, jahr jährig, gefahr gefährlich, wahr bewähren, waren wäre, kamen käme, kram krämer, same sämerei, wahn wähnen, gaben gäbe, Schwab Schwäbin, graf gräfin gräflich, schaf schäfer, strafe sträflich, lagen läge, pflagen pfläge, schwager schwägerin, brachen bräche, sprachen spräche, sahen sähe, nahe näher, ader geäder, gnade gnädig, baten bäte, rat räte, thaten thäte thäter, trat träten, braten bräter, spat später, sasz säszen, aszen äsze, maszen mäsze, blasen bläser, lasen läse, dachte dächte.
Ist aber ä umlaut des kurzen a, den auch e bezeichnet, so fragt es sich nach der anwendung beider, und die regel lautet: wo der umlaut fühlbar, der reine vocal daneben im gang bleibt, ist ä, wo der umlaut ungefühlt, die abstammung verdunkelt war, e zu schreiben.
Beispiele des ä: saal säle, schmal schmälern, thal thäler, wahl wählen, zahl zählen, ball bälle, fall fälle, galle vergällen, nahrung nähren nährhaft, fahre fähre, fahrt fährte, narr

[Bd. 1, Sp. 4]


närrisch, gram grämen grämlich, damm dämme, lamm lämmer, hammer hämmern, kammer kämmerchen, lahm lähmen, zahm zähmen, an ähnlich, mann männer männlich, fahne fähnrich, zahn zähne, habe häbig, grabe gräber, schnabel schnäbeln, tappe täppisch, lappe läpplein, apfel äpfel, napf näpfe, klage kläger, magd mägde, schlag schläge, nagel nägeln, tag täglich, sagen unsäglich, ertragen erträglich, acker äcker, nacke hartnäckig, bach bäche, lachen lächeln, gemach gemächlich, sache sächlich, schwach schwächen schwächlich, fach fächer fächern, schade schädlich, rad räder, bad bäder, vater väter, blatt blätter, glatt glätter glätten, satt sättigen, satz sätze, schatz schätze, hasz häszlich gehässig, lasz lässig, glas gläser, gras gräser, nase näseln, hase häsin, kalb kälber, balg bälge, balke gebälk, alt älter, falte fälteln, kalt kälter, walze wälzen, hals hälse, falsch fälschen, arm ärmer, darm därme, erbarmen, erbärmlich, harm härmen, schwarm schwärmen, warm wärmen, scharf schärfen, arg ärger, bart bärte, zart verzärteln, schwarz schwärzen, stampf stämpfen, amt ämter, sanft sänfter sänftigen, ranft ränftlein, gang gänge gänglein, hang hänge, sang sänger, schwanger schwängern, wange wänglein, bank bänke, Franke Fränkin fränkisch, ander ändern, brand brände, hand hände händchen, land länder, pfand pfänder, schande schändlich, gewand gewänder, rand ränder, tand tändeln, ganz ergänzen gänzlich, tanz tänze, gans gänse, kraft kräfte, nacht nächte nächtlich, wacht wächter, dachs dächse, Sachse Sächsin, lachs lächse, asche äscherer, gast gäste, macht mächten, last lästig, laster lästern.
Beispiele des e sind beim e nachzusehen, bei ente, erbe denkt niemand mehr an das alte a in arbi anut, anit. zuweilen begegnen von demselben wort abgeleitete, die ä oder e an sich tragen: mann männer aber mensch; arm brachium, ärmchen, ärmlein brachiolum, aber ermel manica; alt älter aber eltern; hand hände, aber behende; vater väter, aber vetter; weil man in mensch ermel eltern behende vetter die abkunft nicht recht wahrnahm und der alten schreibweise mit e treu blieb, denn mhd. waltet in allen solchen wörtern e statt des nhd. ä. aus satz folgt sätze, doch nicht setzen, da in sasz von sitzen der consonant abwich. nemlich war seiner ableitung von name vergessen, obschon viele nämlich schreiben. in schwankenden fällen, z. b. in älster, elster wird das wort durch verweisung gesichert. ähre arista schrieb man schlecht zur unterscheidung von ehre honor.
In einzelnen wörtern wie hölle, geschöpf und andern bei ö verzeichneten ist dieser umlaut an die stelle von ä oder e getreten, und im 16. 17. jh. war der misbrauch noch weiter eingerissen.
Geschrieben wird auch als umlaut von wörtern, die aa erhalten, nur einfaches ä: aal äle, saal säle, haar härchen, paar pärchen; niemand wird ääle sääle häärchen wollen, die zukauft musz al sal har herstellen.
Auszer dem bisher besprochnen ä, dem umlaut des a, ersetzt ä verschiedentlich das mhd. aus i entspringende ë in bär gebären gähren erwägen währen schämen dämmern rächen und wärts.
Schwierig, verworren und oft verderbt ist die heutige aussprache aller dieser ä gegenüber dem e, und eben dasz nhd. ä an die stelle dieser mhd. e getreten ist, hat auf den rechten laut nachtheilig gewirkt. eigentlich sollten alle umgelauteten kurzen a, seien sie durch ä oder e ausgedrückt, ganz gleich auszusprechen sein, hände wie ende, älter wie eltern, kräfte wie hefte, schläge nägel wie regen (movere), fälle wie elle, überall mit dünnem e; allein durchs auge verwöhnt ertheilt man dem geschriebnen ä mehr den laut des dicken aus i entsprungnen ë; für ä, wo es langes â umlautet, ist er erträglicher. ein jetziges ohr vermag noch wehren defendere von währen durare, heer von bär im vocal zu unterscheiden, kaum fällen casibus von fellen pellibus und unsere aussprache von wählen hehlen fehlen, von läsen lesen besen strauchelt. mehr davon unter e.
 
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ä, weheruf, von weinenden kindern gebraucht: man hört in der kammer ein kind schreien ä! ä! Göthe 13, 148; verschieden davon ein ruf des abscheus an kinder: das ist ä! und auch sonst: pfui was ist das ein ä geschmack! Göthe 13, 80. s. DWB aa, DWB äks.
 
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aa, f. einsilbig auszusprechen, name vieler flüsse und bäche in der Schweiz, in Westfalen und anderwärts, suffix vieler flusz- und ortsnamen wie Fulda Jossa Bibra, früher Fuldaha Jaʒaha Bibaraha (Graff 1, 110). es ist das ahd. aha, mhd. ahe, goth. ahva, lat. aqua, wasser, flusz.

[Bd. 1, Sp. 5]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) aa, m. merda, excrementum, zweisilbig und zweimal betont, ein uraltes wort, dem nur zeugnisse abgehn, anständiger als die gemeinen ausdrücke koth oder dreck, jetzt aber nur wenn mit kindern oder vertraulich gesprochen wird im gebrauch: das ist aa! aa machen, seine nothdurft verrichten, schweizerisch recks nit a, sist aa! sist agge! aa, agge machen (Stald. 1, 82), niederdeutsch einsilbig a: a don (brem. wb. 1, 1). früher wol mit allmälich geschwundenem kehllaut haha oder chacha, schweiz. agge, äggi und gaggi, gäggi, gaggeli, bair. gäckelein n. (Schm. 1, 24). wie gr. κάκκη f., it. sp. caca f., franz. caca m., dem lat. cacare zum grund liegend, finn. kakka, ir. cac, welsch cach, doch armorisch ach, each: ach eo ann drâzé, c'est du caca; vielleicht ahd. chachala testale (Graff 4, 361) zu vergleichen (s. DWB kachel). Die Böhmen sagen člowecčině, menschliches, humanum, quod ab hominis natura non abhorret. s. leutekoth, DWB menschenkoth.
 
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aal [al], m. anguilla, ahd. mhd. âl, nnl. aal, ags. æl, engl. eel, altn. âll, schw. l, dän. aal, scheint entsprungen aus ahal (wie noch Luther ahl schreibt), der verkleinerung oder ableitung eines verlornen aha schlange, skr. ahi, gr. ὄφις und ἔχις, wegen ähnlichkeit des fisches mit der schlange und natter. denn auch lat. anguilla gehört zu anguis, beide vor dem g ein n entwickelnd; mit r für l russ. ugor, böhm. auhoř, poln. węgórz, litt. ungurys, est. angrias. Der gewöhnliche pl. lautet aale, doch setzt Göthe 8, 126 äle, Möser 2, 190. 3, 41 dreiszig bund ähle, eine stiege ähle, wie schon mhd. æle Reinh. 647, 757, beidemal auszer reim; nnl. alen. B. Waldis gibt dem sg. ael und Hohberg 2, 514 braucht aal weiblich.
 
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aalbeere, f. s. DWB alantbeere.
 
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aalen, tubum purgare, kunstwort der röhrenmeister: eine verschlammte röhre lüften, indem man einen lebendigen aal durch sie schlüpfen läszt.
 
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aalfang, m. captura anguillarum, anstalt zum fangen der aale.
 
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aalglatt, glatt wie aal: aalglatter heuchler.
 
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aalhaut, f. cutis anguillae, eigentlich und uneigentlich von einer glatten, schlüpfrigen.
 
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aalmutter, f. blennius viviparus, ein seefisch, den die fischersage wol zur mutter des aals machte.