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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
see bis seean (Bd. 15, Sp. 2807 bis 2821)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) see, m. f. groszes stehendes gewässer, lacus, mare, oceanus.
I. formales.
1) see ist ein gemeingermanisches wort; es findet sich in allen germanischen sprachen durch alle perioden: got. saiws, m. (dazu marisaiws, beides für λίμνη); altn. sjár, sjór, sær, m. (gen. sjáfar, sjófar, sǽfar, auch sjós, sæs), norw. sjo, sjø, auch sjaa, sæ, sy, sjy, m. Aasen 654b, schwed. sjø, m. (mundartlich sjög, sè, sju, si Rietz 574b), dän. sø; ags. sǽ, m. f. (gen. sǽs, sǽes, sæ, sǽwe, séo), vergl. zeitschrift für d. alterthum 9, 219; daraus engl. sea, vgl. Skeat 536b; altfries. se, m. (gen. sees), neufries. sae, see, nordfries. sie, seie Richthofen 1001b; alts. sêo, sêu, m. (im Heliand, ebenso in den altnfr. psalmen für mare), mnd. se, f. Schiller-Lübben 4, 161b, mnl. see, f., holl. zee, f., vgl. Franck 1196;

[Bd. 15, Sp. 2808]


ahd. sêo, mhd. sê. aus dem urnord. ist finn. saivo 'klare stelle im see' entlehnt, vgl. Thomsen s. 57. 168. während man hiernach einen a-stamm erwarten würde (wie in sanskr. séka, s. u.), scheinen die altn. und die ags. wortform einen i-stamm zu verlangen, bei dem auch der geschlechtswechsel (s. unten 2) leichter seine erklärung fände (vgl. auch den ahd. instr. ze demo sêuuiu denkm. nr. 64, 2, 13). während meer den westlichen und nördlichen Indogermanen gemeinsam angehört, ist see, wenigstens in dieser bedeutung, dem germanischen eigenthümlich. die etymologie ist nicht mit sicherheit zu geben. doch ist die früher übliche zusammenstellung mit der sanskr. wurzel su (Skeat a. a. o.), oder mit lat. saevus, griech. αἰϜόλος (s. z. b. Franck a. a. o.) jedenfalls aufzugeben, da das w in *saiwiz nach maszgabe des ahd. gisig (gesich, gesik, stagnum, palus Graff 6, 131, vergl. auch nd. sek?, sumpf, niederung, by dem Gosedickes zege dale nd. korrespondenzbl. 15, 96) aus gw hervorgegangen zu sein scheint. viel wahrscheinlichkeit hat daher die vergleichung mit sanskr. séka ergusz, avest. frašaêka, s. Fick3 3, 313. Noreen bei Paul-Braune beitr. 7, 439 (und urgerm. lautl. 179). Osthoff ebenda 8, 258. Kluge5 344a. Uhlenbeck etym. wb. 121. das wort würde dann zu indogerm. seikô gehören, ebenso wie seihen, sinken (seichen?), s. diese.
2) das geschlecht ist ursprünglich in allen german. sprachen masc., weicht aber im westgermanischen später in das fem. aus. so sind schon im ags. beide geschlechter gleich häufig. während im altnd. sêo ausnahmslos noch masc. ist, ist im mnd. das fem. durchgedrungen (doch findet sich noch ein genitiv sees, zees in der formel weke sees als wegmasz, s. Walthers gloss. zum seebuch s. 112a), ebenso im mnl. länger hält sich das masc. im hochd., hier ist es noch in mhd. zeit weitaus überwiegend; das fem. findet sich (mit éiner ausnahme, s. unten) nur mitteldeutsch (der älteste beleg vielleicht Rother 810, s. unten II, 1, d). nhd. stehen beide geschlechter gleichberechtigt, doch mit differenzierter bedeutung neben einander: der see bezeichnet den landsee, binnensee, die see das offene meer (vgl. engl. lake und sea). diese scheidung ist schon im mhd. vorgebildet, insofern dort das fem. nur im letzteren sinne gesagt wird. ausgenommen ist nur eine stelle, die zugleich den einzigen oberdeutschen beleg des fem. bildet:

ich wil sîn vergeʒʒen
alsam daʒ entel der sê.
Heinr. v. Beringen ged. 1, 15 (s. 356 Zimmermann).

sie findet sich ganz in der heutigen weise in der Livländer reimchronik, die gewöhnlich das fem. gebraucht (838. 1228), dagegen für einen landsee das masc. (9926, s. II, 1, b, δ; umgekehrt hat Oswald v. Wolkenstein gewöhnlich der see [mare], aber die schwartzen see 1, 2, 18, vgl. Weber im glossar). dies erklärt sich daher, dasz die hochdeutschen stämme des binnenlandes, die das masc. bewahrten, nur binnenseen kannten und demgemäsz auch das wort see in diesem sinne verwendeten (für ocean daher im ahd. mâreo sêo, wentilsêo und ähnl., vergl. Grimm gramm. 3, 382), während die meeranwohnenden Niederdeutschen unter see, das bei ihnen zum fem. geworden war, eben so durchgehend das ihnen geläufige offene meer verstanden (vgl. engl. sea und lake). man kann also die see gewissermaszen als lehnwort aus dem niederdeutschen betrachten (vgl. die angaben von Kramer und Steinbach, s. unten). Grimm gr. 3, 382. Weigand 2, 678 f.
3) doch ist auch im nhd. die erwähnte unterscheidung erst sehr allmählich durchgedrungen; die ältere sprache kennt zwar auch das fem. neben dem masc., gebraucht aber beide ohne unterschied.
a) die ältesten oberd. wörterbücher halten am masc. in der alten bedeutung fest: see, lacus, lacusculus, dim. stagnum. zu eym see werden, stagnare Dasypodius; see (der) still wasser, stagnum, lacus Maaler 369b; dafür später gewöhnlich das fem. in beiden gebrauchsweisen; so zumeist in den nord- und mitteldeutschen wörterbüchern des 17. jahrh.: see, f. stehend wasser, un lac, estang Hulsius 294b; see, f. lacus, stagnum, estang. it. mare. Schottel 1414; vgl.: see, die, plur. seen, lacus, stagnum. Belgae autem ipsum mare appellant die see. Stieler 1990 und: see (die, quibusdam etiam der, plur. seen) lacus, mare. Steinbach 2, 557. einen unterschied macht zuerst Kantzow 2, 397: es hat aber in der rede dieszen unterscheid, das man dis meer (die Ostsee) bey uns die sehe in feminino genere, und ein ander stehende waszer, den sehe in masculino genere sagt. ferner: die schiffleute, wenn sie wollen etwas von frembden örtern über see herzuführen, so schiffen sie .. auf dem meer (der see). Comenius sprachenthür 462; daneben: der fischer fischet im see (weicher) den fischteich mit dem garn. 427

[Bd. 15, Sp. 2809]


ebenso Corvinus fons latin.: lacus .. ein sumpff, ein see, ein teich. 346a; stagnum eine wasserstehe, ein see oder teich, so keinen ausflusz hat. 634b. dagegen: oceanus reciprocus, die see so ab und zu fleust. 514b; praeesse classi, admiral seyn, (qs. obrister ad mare) zur see. 157b. ebenso Kramer diction. 2, 729b: see, m. lago, it. stagno .. see, f. (voce presa dal fiamengo) v. meer. s. auch Frisch 2, 253a.
b) zuweilen stehen das masc. und das fem. ohne unterschied neben einander: also wanderten wir miteinander über berg und thal und kamen zu der Mummelsee. Simplic. 2, 53, 18 Kurz; (da) wolte ich auch probiren, was wahrheit an der sagmehr wäre, dasz ein ungewitter entstehe, wann man einen stein in die see werffe. 54, 2; solche probe nun ins werck zu setzen, gieng ich gegen der lincken hand an der see hin, an denjenigen ort, da das wasser .. wegen der abscheulichen tieffe des sees gleichsam kohlschwartz zu seyn scheinet. 7. 9 (sonst hier immer fem., s. auch 53, 22. 24. 28. 54, 3. 18. 21. 55, 1. 17. 56, 3. 8. 12. 19. 22. 29 u. s. w.);

da sie nun kamen auf die see ...
ein wetter kam ...
der see schlug an das schiff hinan. Teuerdank cap. 64, 31—35 Gödeke (überschrift: Teurdank der leid ein merklich not in einem tiefen tümpfel);

darnach gieng Ulysses zum teich ...
odr (mein schiff) verbrant auch mitten im see ...
ich fahr im schiff nicht ubr die see. froschmäus. E 6b f.;

von dem ufer einer see
krochen annoch abends späte
eine wassermaus und kröte
an den bergen in die höh'.
aber mitten in dem wandern
rollt die eine mit der andern
plötzlich in den see herab.
Lichtwer s. 150 (fabeln 4, 24);

viel sprangen in die see hinein
und dürsteten doch nicht ...
auf schiffen fuhr man in den see,
schlug sie mit rudern todt.
das waidwort war nur ach und weh,
die grüne see ward roth. wunderh. 1, 101 Boxberger (schlacht bei Murten);

so noch:

ach brüderchen im tiefen see (teich),
wie thut mir doch mein herz so weh!
... ach schwesterchen in der höh,
wie thut mir doch mein herz so weh
in dieser tiefen see!
Grimm märchen s. 537.

man beachte, dasz in allen angeführten stellen von einem landsee oder teich die rede ist.
c) weitere belege für das fem. in diesem sinne: diese see .. hatte drey quell in der mitten .. unsere vorfahren haben einen tempel dahin gebawt, welchen unsere priester hoch in acht nehmen, und jhn nebenst der see verwahren. Opitz Arg. 2, 39 (auf derselben seite auch als neutr., s. unten e); die Wolchda .. kompt aus einer see hinter grosz Neugart, welche sie die Ilmer see nennen, und ergeust sich in die Ladogais see. Olearius reisebeschr. 12b (s. auch unter II, 1, d); hierauf besahen wir die see, aus welcher der sich in 2. arme theilende flusz entspringet. Felsenburg 1, 166; die lange (angel-) schnure wird ordentlich in den kahn gelegt .. und so bald mit auf den flusz, die land - see, oder den teich gefahren. Döbel 4, 102a; unten sammelt sie (die quelle) sich zur kleinen see. Gessner 2, 9; wasserschild, hydraspis genannt, .. der denn auch sowol hier, als nach diesem auf der Zürcher-see, die probe ausgehalten hat. Will Nürnberger gelehrten-lex. 5 (1758), 146; unmittelbar dahinter dachte man sich in sehr verjüngtem maszstab eine ziemlich weit verbreitete see mit lieblichen, duftigen inseln. Mörike Nolten3 2, 80; weitere stellen s. unter II, 2.
d) umgekehrt das masc. für das offene meer (so im mhd. gewöhnlich): walfisch im Norvegersee. Fischart groszm. 136 (kloster 8, 655); das rohr, so an gestaden desz sees stund. buch der liebe 185a;

o wäre der see noch so tief
und lägind sie darin am grund,
das wäre ein glückselige stund!
Manuel s. 108, 122 Bächtold;

als zu Lüweck in Sachsen
ich ein jüngling erwachsen
gieng an den see spaciern.
H. Sachs 1, 289d;

von der Nordsee (?): ich will ... nach England fliehen ... die beiden schiffer an dem see, die ich für diesen fall seit längerer zeit gedungen habe, sollen sich bereit halten. Raimund

[Bd. 15, Sp. 2810]


3, 241. so auch der Südsee bei Baggesen 2, 335, siehe II, 2, b.
e) eigenthümlich ist die verwendung von see als neutrum; sie findet sich nur bei Opitz, vgl. Weinhold über deutsche dialektforschung s. 134: doch ist mir noch seltzamer fürkommen die pfütze oder das see bei Thorda in Siebenbürgen, welches, ob es zwar von unglaublicher tieffe ist, dennoch keinen menschen untersincken leszt. Hercin. (1630) 60; der flusz Simethus .. lieffe mit stillem rinnen nachmals in ein see, welches den Palicianer göttern geheiliget were. Argenis 2, 39 (vergl. unter c);

hier sieht man hoch empor den stoltzen reiger nisten,
fast umb ein dickes see, auff einen tannebaum. gedichte 3, 174;

so auch:

das trübe Hellen-see stund schwartz und bodenlosz. 2, 173;

was ist die tugend doch als der gewohnheit weg,
so dem gemüte macht durch gut-thun einen steg,
damit es angeführt von klugen wahren sinnen
der laster trübes see fürbey mag segeln können? 3, 366.


4) die flexion ist ursprünglich stark; so lautet der plur. im mhd. die sêwe, sê, mitteldeutsch auch sêhe geschrieben, z. b.:

des winters macht die was sô grôʒ,
daʒ sie die wilden sêhe beslôʒ. livländ. reimchron. 6156;

diese schreibung ist offenbar bedeutungslos, sie findet sich auch im sing., s. deutsche städtechron. 2, reg. Alsf. passionssp. 2003. ebenso noch nhd. (z. b. Mathesius Sarepta 57a unter II, 1, d. Zimm. chron. s. II, 1, f. Kantzow 2, 397 s. I, 3, a und II, 2, b). daneben steht im mhd. ganz vereinzelt ein schwaches masc.: sô si (die elefantin) schol erwerfen, sô vert si zeinem sêwen, und erwirfet in daʒ waʒʒer. Karajan sprachdenkm. 84, 10. im ältern nhd. ist die starke pluralform see zuweilen erhalten: recke deine hand aus uber die wasser in Egypten, uber jre beche und ströme und see. 2 Mos. 7, 19; da werden meine bechlin zu grossen strömen, und meine ströme werden grosse see. Syr. 24, 43; vil kleiner see durch gantz Helvetiam, die hie nit benennt werden. nur die landschafft der statt Zürych hat II grosse und kleine see. Stumpf 290a (etwas weiter oben: dann es — Helvetien — hat vil schöner seen grosz und klein); zu unseren tagen werden an vilen orten kleine see gesähen. 390a; in der Eifel ... sind zweene see die sind sehr tieff. Hammer roseng. s. 476; daneben steht indes von anfang an die schwache: ein land da beche und brünnen und seen innen sind. 5 Mos. 8, 7; ich wil ... die wasserstrom zu insulen machen, und die seen austrocken. Jes. 42, 15; das ... die furt eingenomen, und die seen ausgebrand sind. Jer. 51, 32. diese ist zunächst zum fem. gebildet, dann aber auch auf das masc. übertragen, und gehört jetzt der bedeutung nach in der regel zu letzterem.ganz vereinzelt und nicht gut wird see in zusammensetzung neuerdings ohne flexion gelassen: westwärts von den ufern des Bodensee. Scheffel Juniperus (1883) vii; die rebenhügel des Bodensee. xi.
5) formen lebender mundarten: schweiz. sé, m. (plur. sée zweisilbig) Hunziker 237; bair. sê (oberpfälz. sèi, schwäb. sai, sèe, plur.Schm. 2, 200), tirol. sê, sea, m. (dazu ableitungen wie Seeberthal, Seewer, Seber als familiennamen u. s. w.) Schöpf 664, söe oder söew Hintner 201, sea, m. Zingerle 50b, kärnt. sea, seaw, m. Lexer 230; cimbr. sea, m. (plur. seaden) lago. cimbr. wb. 230a; schles. sê, sî, n. (vgl. oben 3, a, auch für einen natürlichen teich geringeren umfanges), ebenso ungarisch das sei (plur. sein) Schröer 205b; dagegen im Norden die see, so in Liv- und Estland auch von einem landsee Hupel 216, nd. see brem. wb. 4, 727. Dähnert 419b. Stürenburg 242b, se, sei, m. und fem. Schambach 188b (als masc. immer lacus, zuweilen auch als fem.), märk. sei, f. (hat 'meer' ganz verdrängt, daher auch libbersei für ahd. lebarmeri u. a.), s. Frommann 5, 64. 47, ostfries. sê, auf den inseln, besonders Norderney auch seu, söi ten Doornkaat Koolman 3, 167, der auch die neufries. formen sê, nordfries. sie, seie, sia anführt (see in dem Wurstener voc. von 1688, s. nd. korrespondenzbl. 11, 34. 36. weiteres s. bei Siebs gesch. der engl.-fries. sprache 267. danach westfries. see, sê, wang. si, saterl. sê, nordfr. sîe, sîa, sæie, danebenals niederd. lehnwort).
II. bedeutung.
1) landsee, binnensee, lacus (der see), vergl. öcon. lex.2 2685 f. Eggers 2, 873 f. Behlen 5, 601.
a) lacus .. seiw, sehe, see, zee, ze, se, meere Dief. gloss. 316a; ein see, lacus, der einen ausflusz hat. ein see der keinen ausflusz hat, stagnum Frisch 2, 253b; etleich sê sint, der waʒʒer dreistunt an dem tag pitter sint und dreistunt süeʒ.

[Bd. 15, Sp. 2811]


Megenberg 484, 25; und das wasser in den seen wird vertrocken. Jes. 19, 5; und die wasser werden verlauffen, das die seen an temmen werden geringe und treuge werden. 6; Ober-Oesterreich aber ist von berühmten seen trefflich versehen, die aus den hohen Steyerischen gebürgen entsprungenen frischen und reichen bronnenquellen sich zusammen sammlen. Hohberg 2, 466b; es (das wasser) ... sammelt sich in einem becken, das bald moorig oder sumpfig, bald von reinem, stehendem wasser erfüllt, ein see ist. Oken 1, 555; die beckenförmigen erweiterungen vieler thäler sind zum theil mit stehendem wasser angefüllt, und stellen seen dar. 557;

hinten gefilde
voll seen, und büschichter thäler.
E. v. Kleist 2, 16 (frühling 129);

ein see voll fliehender wellen
rauscht in der mitte der au. 38 (336).

mhd.synonym mit tîch:

eʒ wolte ein affe über einen sê,dô kund er wol geswimmen niht,
er bat ein schorpen, daʒ si in vuorte,als diu âventiure giht;
eʒ sazt in ûf die bûlen sînunt vuorte in verre in den tîch. minnes. 3, 16b Hagen.


b) die einzelnen werden benannt, indem zu see ein zusatz tritt (vgl.sowohl die see, als die seen, bekommen von gewissen umständen ihre eigene namen, die man an ihren ort suchen musz, als ... der Boden-see, lacus Bodamicus, der Genfer-see. Frisch 2, 253b). dieser kann sein
α) ein adjectiv, so ahd. in den uuîdînen sêo. denkm. nr. 64 (Würzburger markbeschreibung von 779), 1, 8; anan den rôrînon sêo. 24; in then lintînon sêo. nr. 63 (Hamelb. markbeschr. von 777), 19; für Wîdînon sêo später zusammengerückt Wîdinsio palus, s. Förstemann namenbuch 22, 1588 (urk. von 786), ebenso mhd. wydense urk. von 1332, s. Kehrein alt- u. mitteld. wörter s. 56b. anderes: von dem Torhelin ein den langen see, aus dem langen see auf das geplät. tirol. weisth. 2, 142, 7 (vom jahre 1565). — jetzt sind solche bezeichnungen als eigennamen kaum noch gebräuchlich (Langsee, lacus Verbanus Stieler 1990).
β) ein substantiv, das mit see in zusammensetzung steht, so ahd. Brezzulunsêo denkm. nr. 64, 1, 24. 32. 2, 12; Anutsêo 2, 2; in den ôstaron egalsêo. 7 (der eggilse noch in einer urkunde von 1324, s. Kehrein a. a. o.). vgl. Grimm gramm. 2, 518. zahlreiche ahd. namen dieser art stellt zusammen Förstemann namenb. 22, 1324 f., z. b.: Albensê, Arnsê, Armensê, Birchenensê, Buohsê, Carphsê, Grabensê, Huginsê, Mânansêo, Moensê, Ougensê, Reginsê, Slersê, Sluochsê, Suansê, Walhensê, Wirmsêo u. s. w. so auch: das gejaid an der Röt, am Stöcklperg glegen, mitsambt Sacken - Wandt, und der waltsee. tirol. weisth. 4, 5, 31. nhd. begegnen von zusammensetzungen mit appellativen nur wenige in der geltung von eigennamen, wie z. b. der Feldsee im Schwarzwalde, der Seealpsee (s. daselbst), vergl. Oken 1, 557 (über den Bodensee vergl. theil 2, 217. Förstemann a. a. o. 295 f.); Federsee (in Schwaben) lacus plumarius. Steinbach 2, 557; in mehr appellativer verwendung, z. b.: weil die meisten menschen schienen aus dem wunder-see in Mohren - land getruncken zu haben, dessen wasser einen nöthigte alles zu sagen, was ihm auf dem hertzen läge. Lohenstein Armin. 2, 14b.
γ) gewöhnlich werden seen im deutschen nach dem lande oder volke oder häufiger der stadt benannt, in deren gebiet sie liegen. so mnd. Dampnesche zee in einer hannov. urk. von 1281 (neben Domanze 1272), s. nd. korrespondenzbl. 16, 6b. fast immer tritt zu see der als adjectiv empfundene gen. plur. der ableitung, die die bewohner bezeichnet (Genfer, Vierwaldstädter see), selten ein wirkliches adjectiv oder unmittelbare zusammensetzung, Costnitzer - see, il lago di Costanza. Gard- ò Garzer - see, il lago di Gardo ò Benaco. Genfer-see, il lago di Geneva ò lago Lemano. Komer-see, il lago di Como ò Comasco. Kramer dict. 2, 729b (für letzteren hat Stieler 1990: Kummersee, lacus Comacenus, vel Larius); troy, der von Freienberger alben herein in den Pallen und zu Tarscher see get. tirol. weisth. 3, 310, 44; welcher von Tarscher see auf Tarscher alben get. 311, 16; die grösten namhafftigsten see, so der Helvetier landmarch berüren, .. sind dise: der Bodensee, der Zellersee, ober und nider Zürychsee, Pfäffickersee, Gryffensee, Egrisee, Zugersee, Lucernersee, Baldeckersee, Hallwylersee, Sempachersee, Clöntalersee in Glarusz, Lowertzsee z Schwytz, Saxlersee, Huweylersee, Lungerersee, alle drey z Underwalden, Brientzersee, Thunersee, Bielersee, Murtersee, Neüwenburgersee, Genffersee, etc. Stumpf 290a; item, bey Vopalko

[Bd. 15, Sp. 2812]


ist ein see den man den bairischen nennet. Hammer roseng. 472; im windischen land ist ein see den man den Zirckner see heisset. 475; von den seen ist in Unter-Oesterreich nichts sonderliches zu vermelden, ausser der .. Neusidel-see, der sich bey Neusidel anfänget. Hohberg 1, 466a; s. auch Oken 1, 557.
δ) bei ausländischen seen tritt gewöhnlich der fremde name unverändert vor see, sodasz eine art von compositum entsteht: der Baikal-see, Wan-see, Ladoga-see, Michigan-see, Titicacasee (der see von Titicaca, Oken 1, 557 ist jetzt veraltet). es kann aber auch der name nach der weise anderer eigennamen hinter see treten; dies ist in der ältern sprache üblicher, jetzt besonders noch bei gewissen biblischen namen, z. b. der see Genezareth, il lago di Genezareth in Galilea. Kramer diction. 2, 729b; ahd. ist zuweilen der genitiv des namens aus dem lat. stehen geblieben: inti abur ûʒgangenti fon marcûn Tyri quam thuruh Sidonem zemo sêuue Galile. Tatian 86, 1; zi themo sêuue ther Tiberiadis hieʒ. 235, 1; eʒ ist ain sê in dem land India, der haiʒt Aspaltides. Megenberg 482, 22; sô mag in dem sê Altes ze Porrentan nihts ob beleiben. 24; als aber Jonathas und Simon .. solchs merckten, flohen sie .. und schlugen ein lager am see Aspar. 1 Macc. 9, 33; aber Jonathas zog mit seinem heer an den see Genesara. 11, 67; und er stund am see Genezareth. Luc. 5, 1; in dem jüdischen see Asphaltite kan nichts zu grund fallen, was auch darein geworffen wird. Hammer roseng. 473; vgl. auch:

ûf einen sêe brâchte er si dô,
der ist der Balât genant. livländ. reimchron. 9926.


c) der see im gegensatz zum lande, selten:

swâ heide wechset oder clê,
acker, walt oder sê,
des ist zû Eistlant niht bliben,
eʒ sie alleʒ wol beschriben. livl. reimchr. 6706;

wenn ich den schönen mond am tage dunkel sehe, ...
und ohne blumen sehe see und wiesen.
Herder 26, 413 Suphan (ged. ein. brahm. 34).

häufiger werden see(n) und flüsse, bäche zusammengestellt: darzue auch des vischens auf dem Innstram, wilt- und haimbischen seen, pächen, güssen und andern vischwassern. tirol. weisth. 1, 17, 23;

die pache jouch die sêwe. laudate dominum (denkm. nr. 45) 7, 6;

auf seen und strömen das grundeis borst.
Bürger 36a.

insel im see:

Huttens schatte, sei mir gegrüszt! du asche des dichters,
dem eine insel im see endlich die ruhe gewährt.
Herder 16, 294 Suphan.


d) see mit beiwörtern, theils allgemeiner, schmückender oder hervorhebender, theils charakterisierender art: stiller see, mite stagnum Maaler 369a; ein groszer see, un gran lago. Kramer dict. 2, 729b; eine schlammichte see, lacus caenosus Steinbach 2, 557; auch vleuʒt des merwaʒʒers vil in des ertreichs hölr, dâ von dicke die grôʒen sê koment und diu stilstênden mer. Megenberg 102, 24; der herr .. versenckte die fünff königreich, die jren trewen prediger nicht hören wolten, unnd machet ein wunderbarlichen sehe drausz. Mathesius Sar. 57a; dieser orth (Neuschanz), wie lustig er lieget, so ungesund scheinet er hergegen zu seyn wegen der süssen see, und vielen herumb ligenden morasten. Olearius reisebeschr. 9a;

in meim grosen see dort unden
hab ich vil wilder enden funden.
Ayrer 1793, 15 Keller;

bald scheint ein breiter see ein meilen langer spiegel.
Haller ged.10 37 (alpen).

s. auch b, α. — anders in den tiefsten see, den see da wo er am tiefsten ist:

den hammer werf' ich in den tiefsten see,
der mir gedient bei diesem fluchgebäude!
Schiller Tell 1, 3.


e) verbale fügungen:

es lächelt der see, er ladet zum bade.
Schiller Tell 1, 1;

der föhn ist los, ihr seht wie hoch der see geht. ebenda,

's ist heut Simons und Judä,
da ras't der see und will sein opfer haben. ebenda;

schon stiebt es von den wipfeln
und dunkler treibt der see.
Geibel 3, 91;

der see schlägt ans ufer, s. Wigalois 5281 unter f; die see lauft über die maaszen auf, lacus praeter modum crescit. Steinbach 2, 557. — see als object; den see befahren u. ähnl., so mit richtungsadverbien: (er) fur darvon den sehe abhin nach Pettershausen. Zimm. chron.2 2, 239, 32;

[Bd. 15, Sp. 2813]


nun komm, mein süszes weib, und rasten wir, ...
und horchen, wie im winde reingestimmt
das spätgeläut den see herüberschwimmt.
Geibel 3, 119.


f) mit präpositionen. an: item Ampaner haben recht, alle erichtag mit iren küen in Laebeins .. ze farn an den see. tirol. weisth. 1, 247, 32; und er stund am see Genezareth, und sahe zwey schiff am see stehen. Luc. 5, 2;

er kom des âbnts an einen sê. Parz. 225, 2.

daher in ortsangaben: Seeburg am see; ain graf von Newenburg am sehe. Zimm. chron.2 1, 115, 24 Barack.auf: und es kam ein windwürbel auff den see. Luc. 8, 23; wer auch holz treibt auf dem see oder heu darauf zeucht. tirol. weisth. 4, 525, 10;

nu sâhen si, wâ vor in ein
schiffelîn flôʒ ûf dem sê. Wigalois 5289.

aus: wie ein wasser ausleufft aus dem see. Hiob 14, 11. — bei: die waldung ober den droi bei dem see. tirol. weisth. 3, 310, 23;

disiu (burg) lac sô nâhen bî
dem sêwe, daʒ er rehte für
der frouwen kemenâten tür
sluoc, als eʒ wint was. Wigalois 5281.

in: im see fischen, pescare nel lago. Kramer dict. 2, 729b; aus dem Erzberg hindan ab in den see. tirol. weisth. 2, 100, 8; die herde stürtzet sich mit einem sturm in den see, und ersoffen. Luc. 8, 33;

die tuont sam die frösche in einem sê.
Walther v. d. Vogelweide 65, 21.

ob: so man holz ob dem see .. herausz fiert. tirol. weisth. 3, 66, 35. — über: über den see fahren, passare il lago. Kramer dict. 2, 729b; und es begab sich auff der tage einen, das er in ein schiff trat, sampt seinen jüngern, und er sprach zu jnen, lasset uns uber den see faren. Luc. 8, 22;

denn wie der Geszler hier, so schafft es frech
der Landenberger drüben überm see.
Schiller Tell 1, 2.

von:

des muos ich ungetrunken gân von eime sê. minnes. frühl. 23, 14.

zu: und die schwein am sonntag auf das Egerdach, am montag in das Herztal geen Laibis zum see. tirol. weisth. 1, 230, 8; bis zu dem see. 3, 86, 29; vgl. in sewe, zu sewe in urkunden aus den jahren 1293, 1304, s. Kehrein alt- u. mitteld. wörter 56b.
2) das offene meer, weltmeer, mare, oceanus, jetzt als 'die' see von dem masc. see, lacus, geschieden, s. DWB I, 2. 3. in diesem sinne got. noch nicht bezeugt; ahd. gern verstärkt: wentilsêo, mâreo sêo u. ä., doch auch sêo allein, vgl. Grimm gramm. 3, 382 und unten. das mhd. verwendet hierfür sowol das masc. als auch (mitteld.) das fem., im mnd. hat se (stets fem.) gewöhnlich diese bedeutung. im nhd. scheint see in dieser bedeutung auf niederdeutschem einflusse zu beruhen, vgl. die ausdrücklichen angaben von Kramer und Stieler unter I, 3, a; den ältesten wörterbüchern (Dasypodius und Maaler) ist sie noch fremd. vgl. auch: see nobis est lacus qui ex fluvijs colligitur locis humilioribus, praesertim iuxta vel inter montes. alijs vero, Germanis praesertim maritimis, vel mare (quod nobis est meer), vel stagnum marinum significat. Gesner de pisc. 103.
a) mare mer .. dy sehe, see Dief. gloss. 349b; occianum .. see, west vel grosze see. 391c; pelagus .. das meer o. der see, dat meer of die zee. 421a; pontus dasz mere, see, sik. 447a; see, mare, salum, sal, aequor, pelagus, fretum, pontus. Kilian; sêuues ioh kistillent kioʒun (pontique mitescunt freta). Murb. hymnen 25, 4, 2; das meer oder die see ist fast nicht anders zu vergleichen, als wenn man wasser in eine mulde oder schüssel schüttet. Döbel 4, 90a; see, meer oder weltmeer, 'der allgemeine name für alles gewässer, welches auszerhalb der kontinente liegt, im gegensatz der binnengewässer, wie flüsse und landseen'. Bobrik 621a. — ein plural ist in diesem sinne eigentlich nicht zu erwarten, doch findet er sich zuweilen (ohne wesentlichen unterschied der bedeutung): die grosze kälte, welche wir in diesen eisigten seen (dem südlichen eismeer) antrafen. Forster reise um die welt 1, 74; das wetter ward täglich rauher und liesz uns gleichsam schon zum voraus empfinden, wie schrecklich in diesen seen der winter seyn müsse. 89;

das ist der athem gottes,
der schwebet ob den seen.
Strachwitz ged.8 234 (meeresabend).

ferner scheint er vorzuliegen in dem namen Herwîc von Sêwen (gleichbedeutend mit von Sêlande, s. daselbst) Kudr. 706, 1 u. ö., s. darüber Grimm gramm. 4, 289.

[Bd. 15, Sp. 2814]



b) see bezeichnet aber auch einzelne mehr oder weniger abgeschlossene theile des weltmeers, so besonders in fester zusammensetzung mit den namen der himmelsgegenden: die ost - see, il mare orientale. die west - see, il mare occidentale, it. mare baltico. die süd- ò suder-see, il mare meridionale, it. il mare germanico. die nord-see, il mare settentrionale, it. mare germanico. Kramer dict. 2, 729c. von diesen sind heute Nordsee und Ostsee als eigennamen in festem gebrauche (vgl. daselbst): itzt aber heiszet es (das baltische meer) die Ostsehe, oder das Pomerische meer; die Ostsehe heiszet es zu unterscheide des Westermeeres, das die unsern die Westsehe heiszen, welches das grosze teutzsche meer ist. das aber unser meer eine sehe heiszet, ist die ursach .. weil es nirgentz keinen ausgangk hat, und wie ein sehe gestalt ist, hat man es die sehe geheiszen (folgt das unter I, 3, a mitgetheilte). Kantzow 2, 397. Südsee bezeichnet den südlichen theil des stillen oceans; fälschlich als masc. gebraucht:

jetzt denkt er des Südsees
nördliche grenzen zu spähn, und die kunde der fluthigen halbwelt
ganz zu vollenden.
Baggesen 2, 335

(vergl. die holländische Zuiderzee). Westsee (mare Balthicum Stieler 1990) ist nicht mehr üblich. ferner: die eis - see, il mare glaciale ò hiperboreo. ebenda (jetzt dafür eismeer). andre werden mit adjectiven benannt: die stille see, il mare pacifico. die spanische see, il mare di Spagna. ebenda. die mittelländische see: die gesellschaft war auf dem kriegsschiffe Grönland eingeschifft, welches nach der mittelländischen see bestimmt war. Niebuhr kl. schr. 1, 21; liesz sich doch in der chinesischen see ein pelikan an bord des Ruriks greifen. Chamisso 3, 84 Koch; selbst von binnenseen groszen umfangs sagt man die see, z. b. die Caspische see: nach dem die holstein. gesellschafft vom munde der Wolgen auf die kaspische see zu seegel gienge. Fleming 592 (son. 2, 48 überschr.); Wolg. der berühmte flusz in Reussen, .. lauffet zwischen diesen völckern und den Tartarn in die Caspische see. A. Gryphius 1, 179. so noch jetzt, doch ist in diesen letztern verbindungen jetzt see weniger üblich, meist dafür theils ocean (der atlantische, grosze oder stille, indische ocean), theils meer (das mittelländische, Caspische, schwarze meer). da see in diesem sinne auch determinierung zuläszt, so wird die grenze gegen see, m., lacus, oft flieszend; in der ältern sprache, wo auch die geschlechter nicht scharf geschieden werden, kann daher oft nur der zusammenhang die bedeutung von see klarstellen, vgl.:

dort lauffen drey schiff in jenem (var. jener) see (der Nordsee).
Soltau hist. volksl. 2, 6 (Stortebekerlied 13).


c) die see im gegensatze zum festlande: uuê iu, scrîberâ inti Pharisei, lîchezerâ, ir dâr umbiganget sêo inti erda (quia circuitis mare et aridam. Matth. 23, 15). Tat. 141, 13; der hemel, dei see ind alle dat ertriche. köln. quelle des 15. jahrh. bei Frommann 2, 451b;

sô waʒ sô himil fuarit,joh erdûn ouh biruarit,
joh in sêwe ubar al:got detaʒ thuruh înan al.
Otfrid 2, 1, 36;

thaʒ was engilo werdjoh himilrîches alles,
erdûn joh thes sêwes. 4, 35, 16;

diu werlt hât manic wunder
ûf dem lande und in dem see.
Marner xiv, 34;

dasz die reiche schosz der erde
nicht, versteint, unfruchtbar werde,
ziehn sich aus der erd' und see
dünste stetig in die höh.
Brockes 1, 167.

so besonders in manchen festgeprägten redeweisen wie über land und see (meer), in der ältern sprache über see und sand, s. unten h.andrerseits wird see den gewässern des binnenlandes gegenübergestellt: und .. sollen nicht allein die strohmfische, sondern auch die in der see, sobald sie dises gemisch .. geschmekt, bey hauffen herzu schwimmen. Butschky Pathmos s. 584;

die glut, die alles hell, die alles lebhafft macht,
beflosse stadt und land, bedeckte see und flüsse.
Brockes 1, 116.


d) see mit adjectiven:
α) stehende epitheta ornantia, besonders in der ältern sprache:

dat ero ni uuas noh ûfhimil ...
noh mâno ni liuhtanoh der mâreo so. Wessobr. geb. 5 (denkm. 1, vgl. dazu
Müllenhoffs anm.2 s. 254 bez.3 II, 5).

am beliebtesten sind die wilde see: die wilde, ungeheure see, il mare grande, vasto, mare magno, it. l'oceano. v. hoch-see. Kramer dict. 2, 729c; ock heth dat in deme lande to Saszen

[Bd. 15, Sp. 2815]


tuschen Döringen und der wilden szee. quelle bei Schiller-Lübben 4, 161b; bösz seen (säen) und pflantzen ist auff den gepflasterten steinwegen morasten und wilder see oder klippen. Leyer-Matz (1668) 224; dasz es eine grosze resolution ist, bey dieszem wetter undt jahrszeit sich auff die wilde see zu begeben. Elisabeth Charlotte 3, 489;

si truog eʒ dannen unt warf daʒ
in den tobenden wilden sê. Trist. 11699;

urloup nam ouch Tristan ...
und vuor ûf der wilden sê.
Heinr. v. Freiberg 5721;

was wird dir nicht die wilde see
vor eckel, schmertz und angst erregen.
Günther bei
Steinbach 2, 557;

ähnlich die grause see:

doch welcher held bey mir die grause see durchstreicht,
beym Zeus! das weisz ich nicht.
Uz s. 302 Sauer (sieg des liebesg. 3, 191).

ferner mnd. solte se: over de solte se, s. Schiller - Lübben a. a. o.; und he dortoch alle dat land wente an de solten se. d. städtechron. 7, 62, 19. ebenso mhd.:

si giht, ich sul ir bringen ûʒ dem gesalzen sê
den cêten wil si schouwen durch ein wunder. minnes. 2, 385b Hagen;

ûf dem vrischin habe
nâ bî der gesalznin sê.
Nic. v. Jeroschin 12071;

ouch in der selbin kelde
was ûf der gesalznen sê ...
gevrorn îs so starke. 25784.

ferner ungeheure see, oceanus vastissimus Stieler 1990; grosze, breite, weite see:

grimmid the grôto sêo. Heliand 4317;

sie vôren zô Constinopole,
der vil mêren burge,
über de sê vil breit. Rother 810;

nun bedenck man und ermesse
nebst der unumschrenckten see
eb'nen fläche, weiten grösse
ihrer fluten tief' und höh.
Brockes 1, 234;

jeder tropf der weiten see
zeiget gottes macht und höh. ebenda.


β) hohe see 'heiszt das offene meer, wo man kein land mehr sieht oder in der nähe hat'. Bobrik 621a, so genannt, weil es den anschein hat, als ob die see vom ufer aus in die höhe ginge: die offenbare see, die hohe see alias, hoch - see ... oceano. Kramer dict. 2, 729c; sie ... wuszten mit ebensoviel kühnheit als geschicklichkeit das dem untergange nahe fahrzeug ... zu wenden und die hohe see zu gewinnen. Keller 7, 222;

wie ich genem den enker abe
und gesegele ûʒ der habe
wider ûf den hôhen sê. erlösung 905;

den nie in hoher see das brausen wilder wellen,
noch der trompeten schall in bangen zelten weckt.
Haller ged.10 45.

gleichbedeutend ist: die offenbahre see, da man nichts als himmel und wasser sieht, oceanus, pelagus, das weite meer. Frisch 2, 253b; dafür jetzt die offene see: sie (die schwalben) folgen den schiffen, wenn diese vom lande abgehen, gerathen hernach unvermerkt auf die ofne see, und müssen als dann nahe beym schiffe ... bleiben. Forster reise 1, 35; auf solche weise war denn die lange zeit, welche wir in ofner see ohne land zu sehen ... zubringen muszten, nichts anders als eine stete reihe von mühseeligkeit und elend zu nennen. 93. ferner freie see: wir ... halten es jetzt für mehr als wahrscheinlich, das diesz treib - eis unmittelbar in freyer see hervorgebracht werde. 71; in anderm sinne: denn weder herren noch damen baden hier unter einem schirm, sondern spazieren in die freie see. H. Heine 3, 107 Elster. vgl. auch die volle see, auf voller, völliger see, il pieno (alto) mare, in pieno ò alto mare. Kramer a. a. o. mnd. vul see, pleine mer, hochwasser. seebuch, glossar von Walther 125b; item an de westkost maket vul see oestnortosten mane. III, 1 und sehr oft.dagegen bezeichnet geschlossene see (wol nach dem lat. gebildet) die see im winter, weil sie dann (wenigstens für die früheren unvollkommneren segelschiffe und noch jetzt im gebiete der polarmeere) unfahrbar, also für den schiffsverkehr verschlossen ist: geschlossene see, mare clauso cioè nell' inverno. Kramer dict. 2, 729c; mare propter hyemem clausum. Stieler 1990. — reine see 'wenn im grunde der seen keine untiefen vorstehen'. Jacobsson 4, 117b.
γ) bezeichnungen für besondere zustände: ungestümme, wilde see, mare undabundum, violentum, jactabundum. ebenda; ich besinne mich, wie die zürnende see mit meiner Bellona

[Bd. 15, Sp. 2816]


zankte, dasz der kiel krachte. Schiller Fiesko 5, 1; ein mann, furchtbarer als deine zürnende see. 5, 2;

dâ si manic herzensêr
lîdent unde manic wê
ûf dem wüetunden sê.
Ottokar reimchron. 49582;

alle götter in der höh
fleht sie, lindernd öl zu gieszen
in die sturmbewegte see.
Schiller 11, 345 (Hero 212);

wie eine sturmbewegte see,
so wogt und wallt mein sinn.
Ludwig 1, 58;

aber ohne sie (diese heirat)
ist die empörte see nicht halb so taub, ...
als wir (entschlossen sind), die stadt zu halten. Shakesp. könig Johann 2, 2.

gleichbedeutend: eine harte (hole) see, ungestümme see, mare turbato, ondeggiante, tempestoso, burascoso. Kramer a. a. o.; wann dar etwan eine holle see gehet, so bricht sie auf dem vorgedachten grunde. Manson seebuch (ähnlich adverbial, s. e. — hohle see s. auch 3). — krause see, vergl. DWB kraus II, 4, b (theil 5, 2090). — das gegentheil zu diesen: stille see, mare quietum pacificum Stieler 1990 (als eigenname s. b):

ich musz ein spiegel sein, darein die jugend schauet,
wie oft auf wilder see sich wind und sturm erregt.
Hofmannswaldau bei
Steinbach 2, 557.

glatte: bis endlich die heiterkeit des schönen morgens, und die neuheit unsrer fahrt, durch die noch glatte see, die oberhand gewannen. Forster reise 1, 7. so auch todte see von heftig rollenden wellen, nach starken stürmen, s. Karmarsch-Heeren3 7, 619:

bis auf den grund hat der orkan das meer
ganz umgewühlt,
das wasser klatschend bis an's sternenheer
hinauf gespült.
der riese sturm hat sich am nächsten tag
verschrumpft als zwerg.
der feuchten bahn bebt nach der rutenschlag
im wogenberg ...
der schiffer nennt den schwall seit alter zeit
die tote see.
Liliencron ged. (1895) s. 61 ('todte see').

weiteres s. unter 3.
δ) farbenbezeichnungen. die grüne see:

ich möcht so gern spazieren
wol an die grüne see.
Erk liederh. 65 (2 königsk. 5).

häufiger die blaue see. weisze see im vergleich s. 4.
e) verbale wendungen mit see als subject: es läuft an den see-canten und ufern die see oder das meer alle tage glatt vom ufer ab. Döbel 4, 90a; dasz die daselbst wohnenden menschen genau wissen, wenn und zu welcher stunde sie ebbe oder fluth haben, wie lange die see aussen bleibet, und trocken ist, und wie lange sie am ufer stehet. ebenda; vielerley sachen finden, welche die see mitgebracht, und hinter sich gelassen. ebenda; sonst bleibet die see in ihren ufern. ebenda; es ist nichts daran gelegen! rief sie: so viel weiberthränen mehr oder weniger, die see wird darum doch nicht wachsen. Göthe 19, 133;

als sie die sê dar ubir trûc. livl. reimchron. 1228;

wer sich mit grossem guth darff auff ein höltzlein setzen,
und kennt zuvor die see und ihren tieffen schlund,
wie sie so manches schiff versencket in den grund.
Rachel 39;

und ob ihn gleich die see gantz kahl und blosz gemacht. 40;

nun bettet sich, nun glättet sich
die see und schlummert ein.
Strachwitz ged.8 234;

wenn die see nun wieder tobt,
niemand mehr den meister lobt.
Keller 3, 259.

besonders sind hier einige technische ausdrücke zu erwähnen: 'die see läuft kurz, wenn sie kurze wellen macht, lang, wenn die wellen lang sind; stampft, brauset, wenn sie schäumend an das ufer oder die klippen schlägt; rastet, wenn sie still ist; komt gegen den wind an, wenn die wellen gegen den wind schlagen. dieses geschieht, wenn der wind in einem sturm hurtig umsetzet. die see wird hohl, wenn die wellen sich zu heben beginnen. die see ist stille, sie rollt, sagt man, wenn ihre wellen gegen ein ebnes ufer anlaufen'. Jacobsson 4, 114b; die see funkelt oder feuert, leuchtet bei nacht, phosphoresciert, unter verschiedenen umständen, s. Bobrik 622a; sie see geht süd oder nord u. a., die wellen sind nach der betreffenden himmelsgegend gerichtet, wenn nämlich der wind aus der entgegengesetzten kommt. ebenda; da pfleget sich die see, wann sie holl gehet, zu brechen. Manson seebuch 25 (vgl. oben d, γ);

[Bd. 15, Sp. 2817]


auf der wester-seiten des fahr-wassers ist es rein, auf einen göttlings - schusz nahe den klippen, wo man die see aufbrechen siehet. 53; zugleich gieng die see fürchterlich hoch und brach oft über dem schiffe. Forster reise 1, 66; die see ging von den vergangenen stürmen noch hohl. Chamisso 3, 36 Koch.
f) see als object.
α) die see befahren, navigare il mare. gall. cingler. Kramer dict. 2, 729c; dafür poetisch auch: wenn in der schlacht oft unsre zornigen schiffe die see durchwühlten. Hölderlin 2, 162 Köstlin.
β) technische ausdrücke: die see bauen, häufig befahren. Bobrik 94b; die see einstechen, die seefahrt antreten, abfahren. Jacobsson 4, 114b; die see halten, in der see bleiben, sich vom ufer entfernt halten. 116a. Bobrik 622a: vermuhtet man kennung bey nachtzeiten oder im duncklen wetter, setzt man seinen cours so süden zum westen, die see zu halten. Manson seebuch 5. dafür in gewöhnlicher rede auch: es gelang uns erst am 4. oktober die see zu behaupten. Chamisso 4, 36 Koch. — die see kehren, dreggen, verlorene oder auf dem meeresgrunde liegende gegenstände mit dem dreganker aufsuchen, s. Bobrik 241b.
γ) redensarten: wir wöllen .. die meer entweder auszfüllen oder zusammen graben, die see pflästern, das meer durchziehen. Garg. 220b; brenn mir nur den see nit ab, de eo dicitur, qui laedere cupit et non potest. Er. Alberus diction. cc; so auch die see pflügen sprichwörtlich. etwas vergebliches thun, dafür:

dann alle (wunderwerke des alterthums) sind zerflossen
gleich wie zu frühlingszeit des wassers staub der schnee,
und wer sie heute sucht, der pflüget auff der see.
Tscherning ged. frühling 139.


g) mit präpositionen.
α) an der see wohnen, habitare vicino ò sul lido del mare, eine stadt, so an der see ligt, città maritima. Kramer dict. 2, 729b;

dô sie nu quâmen an die sê,
dô sâhens einen marner.
Heinr. v. Freiberg Tristan 4056.

so auch: van der Moselen van Metze nidderwart durch dat stift van Coellen bis an die see. d. städtechron. 13, 389, 10.
β) auf der see fahren, andare, navigare per mare. Kramer a. a. o.; dat beste schip steit in der have, dat ergeste vlüt up der sê. Tunnicius 303; dê up der sê is, en heft den wint nicht in synen handen. 524; unde de torne steyt up der see. seeb. viii, 4; mädchen sind güter auf der see; es giebt klippen und sandbänke; die einzige sichere assecuranz für sie ist der ehestand. (Kleist) jugend-lustsp. s. 62 Wolff;

iedoch was sie der verte
ungewone ûf der sê.
Eilhart v. Oberge 2317 Lichtenstein;

dennoch swebter ûf dem sê. Parz. 58, 3;

ich schiffte wider ouf den sê.
Heinr. v. Neustadt Apollon. 4318;

alsus hûb er sich ûf die sê. livl. reimchr. 838;

dô sâhin sî ouch ûf der sê
schif dort here strîchin.
Nic. v. Jeroschin 5322.

(auf der see pflügen s. unter f, γ.)
γ) aus der see, dal mare. Kramer a. a. o.; und dô lîʒen si schif bereiten .. und fûren ûffe di sê und fûren ûʒʒe der see und fûren in den Rîn. d. mystiker 1, 222, 38; unde is de wint ute der see, so lenset inwart myt enem cleynen segel. seebuch xiv, 1; bornstein, zumal den man ausz der see schöpffet. Mathesius Sarepta 56b; solte die kunst ahngehen, dasz man ausz der sehe wider fischen, wasz versuncken, wer es etwasz groszes undt schönnes. Elis. Charlotte 3, 630.
δ) bei: item an de[n] Schylde vaste by de zee licht eyn grot dorp. seebuch xiv, 13;

meint wenn die ufer, berg, und land,
so bey der see liegen am rand,
dem wind und wasser wolten weichen,
würd das saltzwasser gar einschleichen.
Rollenhagen froschm. Ff 2b.


ε) durch die see schneiden, solcar' il mare. Kramer dict a. a. o.
ζ) in:

in eimo glase lieʒer sich in den sê. Annol. 216 (vgl. 218: in daʒ meri);

si besencten sich in den sê. Vorauer Alex. 834.

(dafür im Straszburger Alex.:

der sencte sich an der stunt
nider an des meres grunt. 1154);
grner klee
jagt den snee ...
in den sê
wilder meres flte.
Osw. v. Wolkenstein 35, 1, 44;

pesser wer versincken in den see. 42, 1, 6;

[Bd. 15, Sp. 2818]


(da) sprang Thermutis .. in den see, schwamb schwächlich an das gestade. buch d. liebe 185b; mnd.: 5 mylen in de zee van deme lande. seebuch ii, 15; umme der rudzen (klippen) willen, de dar liggen anderhalve myle in de zee. ix, 54; en schip, dat dar is in de see van Poytouwe up 72 vadem. x, 4; sprichwörtlich: alle rivierken lopen in de sê. Tunnicius 64:

swer in die sêwe waʒʒer treit,
deist verlorn arbeit. Freidank 77, 16;

so auch:

nach ist miner sunde me
dan wasszertroppen in dem sehe. Alsfeld. passionssp. 2003.


η) über die see, per il mare. Kramer a. a. o.; es ist gewisz woll ein zeichen von einer trewen schwesterlichen liebe, dasz Amelisgen undt ihr eüch resolvirt, über die see zu gehen, Caroline zu besuchen. Elis. Ccharlotte 2, 67; ich bin auch zimblich curieux, allein nichts konte mich ausz curiositet über die see führen. 3, 563;

sie aber ist weggezogen,
und weit in das land hinaus.
hinaus in das land und weiter,
vielleicht gar über die see.
Göthe 1, 95.


θ) um:

in quamen vil der Thenen, Frisen,
Normane, Schotthen, und noch me
von allen landen alum die se. Ludw. kreuzf. 557.


ι) zu: der handel und wandel zur see, traffico, negotio per mare (maritimo). Kramer a. a. o.; zur see meister seyn, mare ditionis suae facere. Apin. 492; (er) lieff hinder sich zu dem fahr in die schiff zu dem see. buch d. liebe 185a; wenn man vom schwedischen sand-hafen will zur see lauffen. Manson seebuch 6;

den schaz si truogen dan
zuo dem sêwean diu guoten schiffelîn. Nibel. 1061, 3;

bistu zur see gewest, wann sie kein wind beweget?
Rachel 11;

wer einmahl auff das meer sich hat zur see begeben. 12;

vornehmlich aber in der eh,
von der der wahlspruch also lautet: bald sturm, bald stille wie zur see.
Günther bei
Steinbach 2, 557.


h) in einigen festen verbindungen entbehrt see gewöhnlich des artikels.
α) in see gehen, stechen, vom hafen in das offene meer hinaussegeln. Bobrik 622a; (in see) gehen, lauffen mit einer mächtigen flotte. Kramer dict. 2, 729b; sich in see, zur see rüsten, apprestarsi, allestirsi in mare. 729c; da wir schon lange in see waren. Forster reise 1, 41; einige Solandgänse ... nebst verschiedenen wilden enten kamen von da in see. 42; in see auch auszerhalb dieser fügungen in technischer sprache: die mannschaft des engl. schiffes Wolfe, .. welches von der mannschaft in see auf 350 s. b. und 270 ö. l. verlassen war und von capt. Knoll in see aufgefunden und gerettet wurde. Weserzeitung nr. 4884 (17. aug. 1859) s. 3b.
β) über see; im mhd. überaus häufig:

lietz her heidine manober sêo lîdan. Ludwigsl. 11;

duo Moyses daʒ liut Israêl
mit trukkenim weg geleite ubir sê. Annol. 856;

eʒ was ein küniginnegeseʒʒen über sê. Nibel. 325, 1;

sus kêrte Riwalîn zehant
mit zwelf gesellen über sê. Tristan 469;

dar umbe der künic Marke
vuor über sê gein Karke.
Heinr. v. Freiberg 6667;

daʒ sie in santen ubir sê. livl. reimchron. 307:

her bischof here, doit si seiden
of erdrenct si unt sent si over se.
Hagen boich von Colne 1238 (d. städtechr. 12, 57);

nit vorliebe von der kreuzfahrt:

möht ich die lieben reise gevaren über sê.
Walther v. d. Vogelweide 125, 9;

so besonders mnl.:

Reinaert wille morghin vroe
palster ende scaerpe ontfaen,
ende wille te Rome gaen,
ende van dane wille hi over see. Reinaert 2799 (und oft);

daher wird land über see geradezu eine bezeichnung des heil. landes, vergl.: van den lande van Overzee, titel eines stroph. ged. von Maerlant (1291 ged.). ein anderes über see s. 4, g. bildlich:

ihr eltern seyd getrost, schickt euer hertzenleid
und trauren über see: ist euer kind verlohren,
so denckt es war zuvor einmal auch ungebohren.
Opitz 2, 120.

[Bd. 15, Sp. 2819]



γ) in der ältern sprache häufig über sand und see (wofür jetzt gewöhnlich über meer und land): were de jenne binnen landes, de dat bespreken wolde, so moste he dat bespreken binnen jar und dage, were he ock aver see unde sand, so were he siner clage unvorsumet. quelle bei Schiller-Lübben 4, 25a; die uysslendich oever sant unde sehe weren. s. ebenda; und die leute ... lieffen uber see und sand, zum heiligen grabe, gen Rom, Compostell. Mathesius Sar. 68a; nach der sündflut aber, da ... Noah kinder ... nach dem muster Noah kastens schiff baweten, und uber see und sand furen. 161b; ein vatter ... lesset es jhm blut sawer werden, reyset uber sand unnd see, waget leyb unnd leben. d. 130. psalm Z 3a. — dafür auch:

um die waaren
über land und see zu fahren.
Brockes 1, 301.

vergl. auch:

der regen tropft leis auf see und sand.
Liliencron d. haidegänger s. 57.

selten fehlt der artikel in andern verbindungen.
3) bei den anwohnern der (Nord-)see wird die see auch für woge, welle gesagt: see 'eine welle oder wasserwoge' Bobrik 621a. so besonders in den niederdeutschen und friesischen mundarten, vgl. DWB I, 5 (ebenso engl. sea, dän. sø). in diesem sinne wird sehr gern der plur. angewandt. in der nhd. schriftsprache schon im 17. jahrh.:

die seen kamen gantz das schwache schiff zu decken.
Fleming s. 204 (hier vom kaspischen meere).

jetzt ganz gewöhnlich: das wasser lief sogleich wieder hinaus mit erstaunlicher fahrt und zwar in einer einzigen fürchterlichen see (woge), welche alles mit sich fortrisz. Weserzeitung 1853, nr. 2932, 2c; da das wasser jetzt höher gestiegen war, war die see (woge) um desto mächtiger und schrecklicher. ebenda; die ungeheuren seen oder roller bildeten sich im Zonnegat und im fahrwasser von Louthoir. 3a. — technische ausdrücke für besondere arten: 'lange seen sind solche, die in einer groszen strecke und in paralleler richtung auf einander folgen, ohne sich zu brechen. kurze seen sind solche, die einander dicht und schnell folgen, oft übereinander herrollen, und sich brechen'. Bobrik 621a; grund-see, die den grund mit in bewegung setzt, und sand und schlamm aufwirft, nur in seichtem wasser; hohe see s. ebenda; kabbelsee, wenn die wellen bei plötzlich umspringendem winde gerade gegeneinander laufen. 358a; klopfsee oder sturzsee heftige welle, die das schiff von der seite trifft. 399b. 621b; dagegen heiszt eine schwere von vorn treffende welle stampfsee. ebenda; wider-see, auch surf, brandung, der zurücklauf einer welle nach der see zu. ebenda. vielfach bezeichnet derselbe ausdruck sowol die einzelne welle als auch collectivisch den zustand des meeres, so besonders hohle oder schwere see, wenn die wellen sehr hoch (hohl) gehen und mit heftigem stosze gegen das schiff schlagen. 341. 618b.
4) see in vergleichen und bildern. hier wird gern das fem. gesetzt, auch wo die bedeutung eher das masc. zu verlangen scheint.
a) in vergleichen:

des estrîches künde
gap liehten ougen wîse,
als ob ein sê mit ünde
sich unden wegt und doch bedaht mit îse
wær.
Piper höf. epik 2, 486, 18 (d. j. Titurel 414 b);

er ras't wie see und wind, wenn beide kämpfen,
wer mächt'ger ist. Shakesp. Hamlet 3, 3;

es heb't die gelbe sat die halmen in die höh ...
wie eine flache see, mit sanft-beweg'ten wellen.
Brockes 1, 121;

ein dichter nebel hatte sich wie eine weisze see durch's thal ergossen. Mörike 2, 22.
b) see übertragen auf gröszere oder kleinere mengen, zunächst von andern flüssigkeiten. see von blut: ich will .. dich in zwey und siebentzigmal hundert tausend stücke zersplittern, dasz du in einer see von deinem eignen blut ersticken sollest. Gryphius horribilicr. s. 77 neudruck;

ich sach enmitten durch den plân
ein rôten sê von bluote gân.
Heinzelin v. Konstanz d. minne lere 171;

wir sind durch eine see von blut geschwommen.
Liliencron neue ged. 230.

von wein: eine grosze see von rothem wein schwimmt in der stube. Tieck don Quixote5 1, 345 (4, 6);

das klügste däucht ihm demnach, în eine see von Lünell
den nebenbuhler zu stürzen.
Wieland 5, 16 (Am. 12, 19).


c) von andern gegenständen, die sich der see vergleichen lassen, so von der wüste im ausgeführten bilde:

[Bd. 15, Sp. 2820]


so wie man sagt, dasz in Arabiens wüsten
der wand'rer, der sich lang' im sand geplagt, ...
mit einem mal ein blühend eiland trifft,
umbrandet von der see der trocknen wellen.
Grillparzer4 8, 221 (jüd. v. Tol. 5).

von der saat: die see der saat wogte im winde oder ähnl.von einer volksmenge: der strom des volkes, der eindämmung der brücke entnommen, ein weiter, tosender see, sich ergieszend in alles deckender überschwemmung. Grillparzer4 11, 253. anderes:

deine augen sind ein gefrorener see,
wenn sie den meinen begegnen.
Liliencron adjutantenr.2 42.

s. ferner feuersee, flammensee (theil 3, 1603. 1719):

welch eine last von gluht, welch eine feuer-welt!
welch eine flammen-see (die sonne)!
Brockes 7, 97;

rothglühend schleudert deine hand
den blitz aus finstrer höh:
und donner stürzt sich auf das land,
in einer feuersee.
Uz s. 204 Sauer.

die wolke als see in der mythologischen bildersprache s. Meyer myth. § 119.
d) auf abstractes übertragen; oft im ausgeführteren bilde: um die helle mit himmelblau und himmelroth ausgewölbte see seines innern durch keine hineingeworfne fleischstücke dunkel und schmutzig zu machen. J. Paul Hesp. 2, 172; etwas mehr greifbaren inhalt boten die leichten plaudereien, mit denen Heine die Pariser über die geschichte der deutschen religion, philosophie und literatur zu belehren suchte; hier war der schüler Hegel's doch nicht so ganz steuerlos wie auf der hohen see der politik. Treitschke d. gesch. 4, 421;

nu dol daʒ, wîser meister, ...
ob ich in dînes sinnes sêwe iht schepfe ...
sus swebt in dîner künste sê mîn arke. minnes. 2, 9b Hagen (Wartburgkr. 29);

dû widerstâst den wellen
ûf tobender sünden sêwen. gold. schmiede 575;

zim tiuschin hûse ein bruoder,
den gotes minne ruoder
ab dem tobenden sêwe schielt ...
wan daʒ süntlich gewille (gewoge)
wirfet uns nû her nû hin.
Hugo v. Langenstein Martina 292, 41;

durch solche flut und see der widerwertigkeit,
die, herr, von deiner lieb und gnaden quellen fliessen.
Weckherlin ged. 69 (ps. 18, 63);

doch ist mein muth noch nicht dahin,
die see der schlachten zu befahren.
Göckingk 1, 209;

see sonder ufer und grund (gott)! aus dir quillt alles; du selber
hast keinen zuflusz in dich.
E. v. Kleist 2, 33 (frühl. 290).


e) gewöhnlich einfach mit folgendem genitiv oder von (see von etwas):

das auge schlieszt, das hertz eröffnet sich, ...
so bald es den geruch der frischen rosen spüret,
und schwimmt in einer see von lust.
Brockes 1, 65;

das holde sonnen-licht ...
gosz eine see von glantz auf das benetzte land. 120;

so stürtzt er über kopff in zweiffels tieffen see. 358;

der wollusttrunkne blick verirrt,
geblendet, taumelnd und verwirrt,
in einer see von reitz und wonne.
Wieland 10, 180 (d. urtheil d. Paris);

ihm ward in ihrem aug' ein himmel aufgethan,
wo sich in eine see von liebe
die seele taucht. 22, 131 (Oberon 3, 61);

er schwimmt in einer see mehr denn gewünschter wonne.
A. Gryphius 15 (Leo Arm. 1, 4, 263).


f) dafür auch zusammensetzungen, z. b.:

weh! weh mir Asien! ach! weh!
weh mir! ach! wo ich mich vermaledeyen,
wo ich bey dieser schwermuths-see,
bey so viel ach selbst mein bethränt gesicht verspeyen (kann).
Lohenstein Ibrahim Bassa (1689) 1;

von jenen freuden-quellen, ...
die dort der seel'gen seelen heer,
aus einer anmuths-see, aus einem freuden-meer, ...
in stets vermehrter lust und anmuth werden träncken.
Brockes 3, 594;

der nimmer stille flusz der dinge, die zerstöhrlich,
entladet sich von selbst, versenckt sich unaufhörlich
in die verwesungs-see, in das zertrennungs-meer. 4, 366.


g) vereinzelt begegnet die redensart über see, betrunken sein, vielleicht dem engl. half seas over nachgebildet: mein kamerad zechte unten noch eins mit dem herrn fähnrich .. und kam mir sodann nach. er war etwas über see und schlief sogleich ein. Seume 2, 123 Hempel.

[Bd. 15, Sp. 2821]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) seeaal, m., vgl. DWB meeraal (theil 6, 1844) Adelung, un anguille d'estang Hulsius 294b, anguilla di lago ò di mare, it. congro. Kramer dict. 2, 729c; meer- sive seeahl, der, conger Stieler 27. — dazu seeaalschlange, f. eine art aalschlangen, muraena ophis. Campe, vgl. DWB seeserpent.
 
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seeabgrund, m. abgrund der see. Campe.
 
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seeadler, m.
1) meeradler (vgl. theil 6, 1844), fischadler, falco leucocephalus, albicaudus Behlen 1, 32; steinadler, falco albicilla Naumann vögel Deutschlands 1, 224: auch ein falke und wohl gar ein seeadler schwebt mit ruhigem fluge über der fläche. Allmers marschenb. 327.
2) seeadler, ist ein see-fisch gleich dem rochen, doch breiter. öcon. lex.2 2686.
 
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seeaffe, m. ein fisch von eigenthümlicher gestalt in der Nordsee und im atlantischen meere, dessen körper vom kopfe nach dem schwanze zu immer dünner wird und dessen kinnladen wie beim affen sind, auch seeratze, seedrache, pfeildrache, chimaera monstrosa. Nemnich.
 
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seeakademie, f., oder marine-akademie, schule zur ausbildung der seeoffiziere für die kriegsflotten der seemächte. Bobrik 622b.
 
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seealpe, f. alpe an der see oder an einem see, gewöhnlich im plur. Seealpen als name.dazu Seealpsee, name eines sees in den Appenzeller alpen. Oken 1, 557: tief im boden dieser beiden thäler ruhen zwei kleine finsterblickende seen, in dem einen der Samtissee und in dem anderen der sogenannte 'Seealpsee', dessen namen die Appenzeller so herausbrachten: weil ein kleiner see da war, so nannten sie die matten und wiesen umher die seealp, und weil nun der kleine see wiederum innerhalb dieser seealpe lag, so hieszen sie den see selbst dann wieder Sealpensee. J. G. Kohl alpenreisen (1849) 2, 52.
 
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seeamsel, f. merula discolor, ein vogel in der grösze einer amsel von vielerley farben, gelb, braun-roth, grün, hat einen dünnern und etwas gebogenen, aber eben so langen schnabel, als die schwarze amsel, hält sich bey den seen auf. Frisch 2, 253b, vergl. öconom. lex.2 2686 und meeramsel, theil 6, 1844.
 
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seeamt, n. behörde zur untersuchung von seeunfällen.
 
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seean, adv. auf die (hohe) see, hochseean, s. Schottel 523.

 

see
I.  formales.
1)  see ist ein gemeingermanisches wort; es findet sich in allen germanischen sprachen durch alle perioden: got. saiws, m. (dazu marisaiws, beides für λίμνη); altn. sjár, sjór, sær, m. (gen. sjáfar, sjófar, sǽfar, auch sjós, sæs), norw. sjo, sjø,
2)  das geschlecht ist ursprünglich in allen german. sprachen masc., weicht aber im westgermanischen später in das fem. aus. so sind schon im ags. beide geschlechter gleich häufig. während im altnd. sêo ausnahmslos noch masc. ist, ist im mnd. das fem. durchgedrungen (doch findet sich noch ein
3)  doch ist auch im nhd. die erwähnte unterscheidung erst sehr allmählich durchgedrungen; die ältere sprache kennt zwar auch das fem. neben dem masc., gebraucht aber beide ohne unterschied.
a)  die ältesten oberd. wörterbücher halten am masc. in der alten bedeutung fest: see, lacus, lacusculus, dim. stagnum. zu eym see werden, stagnare Dasypodius; see (der) still wasser, stagnum, lacus Maaler 369b; dafür später gewöhnlich das fem. in beiden
b)  zuweilen stehen das masc. und das fem. ohne unterschied neben einander: also wanderten wir miteinander über berg und thal und kamen zu der Mummelsee. Simplic. 2, 53, 18 Kurz; (da) wolte ich auch probiren, was wahrheit an der sagmehr wäre, dasz ein ungewitter entstehe,
c)  weitere belege für das fem. in diesem sinne: diese see .. hatte drey quell in der mitten .. unsere vorfahren haben einen tempel dahin gebawt, welchen unsere priester hoch in acht nehmen, und jhn nebenst der see verwahren. Opitz
d)  umgekehrt das masc. für das offene meer (so im mhd. gewöhnlich): walfisch im Norvegersee. Fischart
e)  eigenthümlich ist die verwendung von see als neutrum; sie findet sich nur bei Opitz, vgl. Weinhold
4)  die flexion ist ursprünglich stark; so lautet der plur. im mhd. die sêwe, sê, mitteldeutsch auch sêhe geschrieben, z. b.: des winters macht die was grôʒ, daʒ sie die wilden sêhe beslôʒ.
5)  formen lebender mundarten: schweiz. sé, m. (plur. sée zweisilbig) Hunziker 237; bair. (oberpfälz. sèi, schwäb. sai, sèe, plur. Schm. 2, 200), tirol. sê, sea, m. (dazu ableitungen wie Seeberthal,
II.  bedeutung.
1)  landsee, binnensee, lacus (der see), vergl. öcon. lex.2 2685 f. Eggers 2, 873 f. Behlen 5, 601.
a)  lacus .. seiw, sehe, see, zee, ze, se, meere Dief.
b)  die einzelnen werden benannt, indem zu see ein zusatz tritt (vgl.sowohl die see, als die seen, bekommen von gewissen umständen ihre eigene namen, die man an ihren ort suchen musz, als ... der Boden-see, lacus Bodamicus, der Genfer-see. Frisch
α)  ein adjectiv, so ahd. in den uuîdînen sêo. denkm. nr. 64 (Würzburger markbeschreibung von 779), 1, 8; anan den rôrînon sêo. 24; in then lintînon sêo. nr. 63 (Hamelb. markbeschr. von 777), 19; für Wîdînon sêo später zusammengerückt Wîdinsio palus, s.
β)  ein substantiv, das mit see in zusammensetzung steht, so ahd. Brezzulunsêo denkm. nr. 64, 1, 24. 32. 2, 12; Anutsêo 2, 2; in den ôstaron egalsêo. 7 (der eggilse noch in einer urkunde von 1324, s. Kehrein
γ)  gewöhnlich werden seen im deutschen nach dem lande oder volke oder häufiger der stadt benannt, in deren gebiet sie liegen. so mnd. Dampnesche zee in einer hannov. urk. von 1281 (neben Domanze 1272), s. nd. korrespondenzbl. 16, 6b. fast immer tritt zu
δ)  bei ausländischen seen tritt gewöhnlich der fremde name unverändert vor see, sodasz eine art von compositum entsteht: der Baikal-see, Wan-see, Ladoga-see, Michigan-see, Titicacasee (der see von Titicaca, Oken 1, 557 ist jetzt veraltet). es
c)  der see im gegensatz zum lande, selten: swâ heide wechset oder clê, acker, walt oder sê, des ist Eistlant niht bliben, sie alleʒ wol beschriben.
d)  see mit beiwörtern, theils allgemeiner, schmückender oder hervorhebender, theils charakterisierender art: stiller see, mite stagnum Maaler 369a; ein groszer see, un gran lago. Kramer
e)  verbale fügungen: es lächelt der see, er ladet zum bade. Schiller
f)  mit präpositionen. an: item Ampaner haben recht, alle erichtag mit iren küen in Laebeins .. ze farn an den see. tirol. weisth. 1, 247, 32; und er stund am see Genezareth, und sahe zwey schiff am see stehen.
 
über
2)  das offene meer, weltmeer, mare, oceanus, jetzt als 'die' see von dem masc. see, lacus, geschieden, s. I, 2. 3. in diesem sinne got. noch nicht bezeugt; ahd. gern verstärkt: wentilsêo, mâreo sêo u. ä., doch auch sêo
a)  mare mer .. dy sehe, see Dief.
b)  see bezeichnet aber auch einzelne mehr oder weniger abgeschlossene theile des weltmeers, so besonders in fester zusammensetzung mit den namen der himmelsgegenden: die ost - see, il mare orientale. die west - see, il mare occidentale, it. mare baltico. die süd- ò
c)  die see im gegensatze zum festlande: uuê iu, scrîberâ inti Pharisei, lîchezerâ, ir dâr umbiganget sêo inti erda (quia circuitis mare et aridam.
d)  see mit adjectiven:
α)  stehende epitheta ornantia, besonders in der ältern sprache: dat ero ni uuas noh ûfhimil ... noh mâno ni liuhtanoh der mâreo so.
β)  hohe see 'heiszt das offene meer, wo man kein land mehr sieht oder in der nähe hat'. Bobrik 621a, so genannt, weil es den anschein hat, als ob die see vom ufer aus in die höhe ginge: die offenbare see, die
γ)  bezeichnungen für besondere zustände: ungestümme, wilde see, mare undabundum, violentum, jactabundum. ebenda; ich besinne mich, wie die zürnende see mit meiner Bellona zankte, dasz der kiel krachte. Schiller
δ)  farbenbezeichnungen. die grüne see: ich möcht so gern spazieren wol an die grüne see. Erk
e)  verbale wendungen mit see als subject: es läuft an den see-canten und ufern die see oder das meer alle tage glatt vom ufer ab. Döbel 4, 90a; dasz die daselbst wohnenden menschen genau wissen, wenn und zu welcher stunde sie ebbe
f)  see als object.
α)  die see befahren, navigare il mare. gall. cingler. Kramer
β)  technische ausdrücke: die see bauen, häufig befahren. Bobrik 94b; die see einstechen, die seefahrt antreten, abfahren. Jacobsson 4, 114b; die see halten, in der see bleiben, sich vom ufer entfernt halten. 116a. Bobrik
γ)  redensarten: wir wöllen .. die meer entweder auszfüllen oder zusammen graben, die see pflästern, das meer durchziehen. Garg. 220b; brenn mir nur den see nit ab, de eo dicitur, qui laedere cupit et non potest. Er. Alberus diction. cc; so auch
g)  mit präpositionen.
α)  an der see wohnen, habitare vicino ò sul lido del mare, eine stadt, so an der see ligt, città maritima. Kramer
β)  auf der see fahren, andare, navigare per mare. Kramer
γ)  aus der see, dal mare. Kramer
δ)  bei: item an de[n] Schylde vaste by de zee licht eyn grot dorp. seebuch xiv, 13; meint wenn die ufer, berg, und land, so bey der see liegen am rand, dem wind und wasser wolten weichen, würd
ε)  durch die see schneiden, solcar' il mare. Kramer dict a. a. o.
ζ)  in: in eimo glase lieʒer sich in den sê.
η)  über die see, per il mare. Kramer
θ)  um: in quamen vil der Thenen, Frisen, Normane, Schotthen, und noch me von allen landen alum die se.
ι)  zu: der handel und wandel zur see, traffico, negotio per mare (maritimo). Kramer
h)  in einigen festen verbindungen entbehrt see gewöhnlich des artikels.
α)  in see gehen, stechen, vom hafen in das offene meer hinaussegeln. Bobrik 622a; (in see) gehen, lauffen mit einer mächtigen flotte. Kramer
β)  über see; im mhd. überaus häufig: lietz her heidine manober sêo lîdan.
γ)  in der ältern sprache häufig über sand und see (wofür jetzt gewöhnlich über meer und land): were de jenne binnen landes, de dat bespreken wolde, so moste he dat bespreken binnen jar und dage, were he ock aver see unde sand, so were he siner clage unvorsumet.
3)  bei den anwohnern der (Nord-)see wird die see auch für woge, welle gesagt: see 'eine welle oder wasserwoge' Bobrik 621a. so besonders in den niederdeutschen und friesischen mundarten, vgl. I, 5 (
4)  see in vergleichen und bildern. hier wird gern das fem. gesetzt, auch wo die bedeutung eher das masc. zu verlangen scheint.
a)  in vergleichen: des estrîches künde gap liehten ougen wîse, als ob ein mit ünde sich unden wegt und doch bedaht mit îse wær. Piper
b)  see übertragen auf gröszere oder kleinere mengen, zunächst von andern flüssigkeiten. see von blut: ich will .. dich in zwey und siebentzigmal hundert tausend stücke zersplittern, dasz du in einer see von deinem eignen blut ersticken sollest. Gryphius
c)  von andern gegenständen, die sich der see vergleichen lassen, so von der wüste im ausgeführten bilde: so wie man sagt, dasz in Arabiens wüsten der wand'rer, der sich lang' im sand geplagt, ... mit einem mal
d)  auf abstractes übertragen; oft im ausgeführteren bilde: um die helle mit himmelblau und himmelroth ausgewölbte see seines innern durch keine hineingeworfne fleischstücke dunkel und schmutzig zu machen. J. Paul
e)  gewöhnlich einfach mit folgendem genitiv oder von (see von etwas): das auge schlieszt, das hertz eröffnet sich, ... so bald es den geruch der frischen rosen spüret, und schwimmt in einer see von lust. Brockes 1, 65;
f)  dafür auch zusammensetzungen, z. b.: weh! weh mir Asien! ach! weh! weh mir! ach! wo ich mich vermaledeyen, wo ich bey dieser schwermuths-see, bey so viel ach selbst mein bethränt gesicht verspeyen (kann).
g)  vereinzelt begegnet die redensart über see, betrunken sein, vielleicht dem engl. half seas over nachgebildet: mein kamerad zechte unten noch eins mit dem herrn fähnrich .. und kam mir sodann nach. er war etwas über see und schlief sogleich ein. Seume 2, 123
 
seeadler
1)  meeradler (vgl. theil 6, 1844), fischadler, falco leucocephalus, albicaudus Behlen 1, 32; steinadler, falco albicilla Naumann
2)  seeadler, ist ein see-fisch gleich dem rochen, doch breiter. öcon. lex.2 2686.