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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
unterteidigen bis unterthäne (Bd. 24, Sp. 1860 bis 1868)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) unterteidigen, v.; s. teidigen mit 1unter III A 2 b ε; mhd. undertegedingen, -teidingen; mnd. underdegedingen Fischer schwäb. wb. 6, 254; Schmidt els. wb. 375b; Schmeller-Fr. 1, 586. zu den formen s. teidigen und seine sippe: wann ain miszvelliger z underthädigen gesandt, alszdenn wirdt des zornigen gemt nur zu merer scherff bewegt B. v. Chiemsee theologey 417. veraltet.
 
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unterteiding, f.; mhd. underteidinge (1381 Henneberg. urkundenb. 3, 115); mnd. underdegedink; interpositio huiusmodi, beredung, bedingung, bethedigung, undertheidung Schöpper syn. g 6c; underthädigung, -teidigung Fischer schwäb. wb. 6, 255; s. teiding und 1unter III B 1 b ε: artickel ..., die kain undertäding leiden B. v. Chiemsee 520; under dem schein der beschirmung und underthetigung Fabricius auszug bew. hist. (1599) 661; Stumpf Schweizerchron. 420a; Tschudi 1, 425. veraltet.
 
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unterteidiger, m.; s. teidiger und 1unter III B 1 b ε; mhd. underteidinger; Schmeller-Fr. 1, 586; Fischer schwäb. wb. 6, 254. zu den formen s. teidiger. interpres, ein unterteydiger Alberus (1540) 69a; pactor, sequester, proxeneta Frisius 939a; 1202b; 1086a; Maaler 459a; underthädiger Hulsius-Ravellus (1616) 373a; Wiederhold (1669) 394a; unterthätiger, tätingsmann, schiedsmann Rädlein (1711) 995b: damit des etters halb nit künftig zank und irung irwachse, soll durch uns, die undertädinger, die etter besichtigt und mit stainen marken understaint und besetzt werden urkundenb. d. kl. Heiligkreuztal (1503) 2, 344; Pilgram, patriarch zu Aglai, und herzog Hainrich von Bairen sind undertädiger gewesen Arnpeck chron. 503; urk. z. gesch. Maximilians I. 305 Chmel; Thomas v. Absberg 5 Baader; auch die obangezeigten underthedinger Hug graff zu Montfort ... und Johann Krieglein Luther 18, 341 W.; J. v. Watt d. schr. 1, 447; Aventin 5, 184 L.; das ... von den underthedingern ... ein ... project gemachet ... werde Micrälius Pommerland (1640) 3, 456. veraltet.
 
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untertelben, v.; mhd. undertelben; mnl. onderdelven;

[Bd. 24, Sp. 1861]


altengl. underdelve; ein frühnhd. beleg (1628) th. 11, 2, 237. veraltet.
 
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unterteufen, v.; s. DWB teufen, 1unter III A 1 b α; unterteufen gleich unterfahren (s. d. A II 1) Veith bergwb. 516: diese schichten ... unterteufen den dolomitischen Jura Ritter erdkunde 15, 497; das u. allg. d. bibl. 72, 412. auch untertiefen, mhd. undertiefen, Veith a. a. o.: kombt aber der erbstoln hernach und undertiefft ihn mit ihrer wassersaig, so hat er sein erbrecht ... nit mehr (1548) Lori bergrecht 298; 447 (1615). —
 
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unterthal, n., gs. zum oberthal: Spangenberg mansfeld. chron. (1572) 486a; Steub drei sommer in Tirol 1, 257; oft als ortsbezeichnung in den Alpen.
 
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unterthan , adjectiviertes part. praet. von unterthun, v. (s. d.); im allgemeinen (ähnlich wie bei den entsprechungen im nl., dän., schwed.) zu gunsten der adjectivischen fortbildung unterthänig (s. d.) zurückgetreten. ahd. untartân; mhd. undertân; mnd. underdân; mnl. onderdaen; nl. onderdaan. der zusammenhang mit dem verbum ist z. b. bei Luther bewahrt: 1. Cor. 15, 27; 28; 14, 27 W.; Hebr. 2, 8; älteste jahrb. d. st. Zürich 48; unterthänchen schemel. zur synonymik s. DWB untergeben, -werfen. die mhd. und mnl. bed. 'verschieden' (1unter III B 2 b; pilgerfahrt des ritters v. Harff 4 lit. ver.) ist im nhd. erloschen.
A. nicht oft attributiv: das stumme unterthane (lastbare 2. Petr. 2, 16) thier Luther 10, 2, 117 W.; e. f. g. willigen, unterthanen capellan Luther briefe 1, 283 de Wette; seines unterthanen gesindes gewerb Fischart Garg. 92 ndr.; sein unterthane leut Rollenhagen froschmeuseler (1621) T 5b; ein ruhiger beherrscher eines ihm unterthanen herzen Lessing 4, 459 M.; die raubschiffe gehörten irgend einer der unterthanen hafenstädte Niebuhr röm. gesch. 3, 495; die gesammtheit aller dem landesherrn unterthanen menschen Lagarde d. schr. 342.
B. sonst nur prädicativ.
I. örtlicher grundvorstellung nahe geblieben: wirt dir mîn gâbe undertân (so dargeboten, dasz du sie von oben greifen kannst) Wolfram Parz. 149, 21; ähnlich einem sein gut u. oder unterthänig machen, so dasz er es in seine gewalt bekommt: H. Sachs bei Weigand synon. 3, 898; Schmeller-Fr. 1, 607; vgl. Nibelungenlied 126, 2 L.; daʒ guote ros S. dô wart im undertân (vorgeführt, dasz er sich darauf setzen konnte; dann 'geschenkt') rosengarten A 244; also sind diese toni den herlichen u. (subjugales) und unterworffen M. Agricola musica choralis (1533) D 4b; in n. spr. mischt sich bed. II ein:

bist du doch der zeiten zan unterthan
Brockes bei
Weichmann poesie der Niedersachsen 1, 20;

diese (flachländer) sind ... durch ketten und gruppen bald von gebirgen und höhen dem plateau ihres continents ... u. Ritter erdkunde 1, 13;

bist du dem stiefel unterthan, so nenne
ich dich nes stiefels knecht, nen stiefelknecht
Raupach dram. w. kom. gattung 1, 183;

vielleicht ruht in der bed. obnoxius noch ein rest dieser grundvorstellung: alle dinge ... zergenklich und tötlich sein ..., mancherley unglück untertan Arigo decam. 17, 1 K.; ich (die wolke) bin dem winde u. Lessing 8, 56 M.;

es dünkte ihm
der nackte boden gar zu unterthan
der sonne scharfen stralen
Herder 26, 198 S.;

da das menschengeschlecht ... stets ... den climatischen einflüssen des planeten u. bleibt Ritter erdkunde 2, 83.
II. eingeengt auf die vorstellung 'einer höheren gewalt, einem höher stehenden unterworfen'. subjicio ich th unter, subiectus unterthan Alberus (1540) H H 2b; domitus Frisius 447a. die reicheren verbindungen des mhd. mit genitiv oder mit präpositionsbestimmung (mhd. wb. 3, 145a) sind im nhd. aufgegeben.
1) von abhängigkeit im allgemeinen und in den einfachsten formen des haus- und familienlebens, oft sittlich vertieft. obediens, moriger, morigerus, subditus, supplex Alberus (1540) p 4b: wer ubel tut und wil nicht undertan sein (sich dazu verstehen, herbeilassen) und strafunge aufnemen ackermann a. B. 19, 7 B.; ich soll mein nechsten

[Bd. 24, Sp. 1862]


menschen u. sein et yhm dienen Luther 34, 1, 218 W.;

er wolt nie keynem menschen
seyn tag sein underthon lied v. hürn. Seyfried 1 ndr.;

bettler ... seind niemand u. Lehmann florileg. (1662) 1, 56; von kindern und dienstboten: Luc. 2, 51; und er gieng hinab mit inen und kam gen Nazareth und was inen underthon Züricher bibel (1531) Luc. 2 E; Kramer (1702) 2, 1084a;

so sohn als eidam
dir willig unterthan ... bleiben
Gottsched schaubühne 1, 31;

der diener hat er uberal
in aller welt ein grosze zal,
die im seind allzeit underthan
Scheit frölich heimfart D 4b;

im sinne des mittelalterlichen frauendienstes Lexer 2, 1806; nach Ephes. 5, 22 (die weiber seyen u. ihren männern; 'wo doch nach morgenländischer art die engere und strengste art der unterwürfigkeit verstanden werden kann, welche bey unsern abendländischen sitten nicht statt findet' Adelung): Nibelungenlied 1097, 2 L.; in stäter elicher treue on allen wanck will ich euch wesen untertan Arigo decam. 70, 23 K.; Wickram 7, 339, 1276 B.; H. Sachs 1, 46, 18 K.; gehorsam und u. sein 1, 114 26 K.; 17, 64, 7 G.; ghorsam u. 21, 209, 21 G.; Eyering (1601) 1, 7; weib, sei u. deinem manne! Sturz (1779) 1, 265; Schiller 13, 399 G.; nur in den stunden der minne war frau W. ihrem manne u. Storm (1899) 6, 272; vergeistigt: es ist auch nichts herrlicheres auf erden, als wenn ein stolzes paar wie diese so sich u. ist Hölderlin 2, 118, 8 L.; gib dich mir nur immer ganz hin, sklavisch nicht, aber gränzenlos liebend u. Pückler briefwechsel u. tageb. 6, 428.
2) von staatlicher, obrigkeitlicher, gesetzlicher, lehensherrlicher, rechtlicher u. dgl. abhängigkeit: eʒ sol auch ieder man sinem viertailmaister undertan sein, ob die stat not aneget, daʒ er t swaʒ er in haiʒe Nürnberger polizeiordn. 12 B.; denn ich (d. hauptmann) bin ein mensch, dazu der oberkeit u. Lucas 7, 8; wenn die unterthanen irer oberkeit u. und gehorsam sein Luther 34, 2, 133 W.; zinsbar und u. sein 5. Mos. 50, 11; H. Sachs 6, 212, 19 K.;

und der gantzen frösch nation
auch unterthan war seiner kron
Rollenhagen froschmeuseler (1621) C 6a;

Rätel Curäi chron. (1607) 272; bist du nicht ebenso frei, so edel geboren als einer in Deutschland, unabhängig, nur dem kaiser u.? Göthe 8, 30 W.; wir sind ihm (dem könige) u. und gewärtig, in dem, was ihm zukommt 8, 225 W.; dasz die städte ... theils als colonieen abhängig, theils u. waren Niebuhr röm. gesch. 1, 79; die ..., die mir wegen dem verhältnisse der grundherrlichkeit u. sind Stifter 3, 216; da ich aber keinem so u., noch auch so niedrigen standes war, dasz man mich hätte zwingen mögen ... Scheffel (1907) 2, 60. u. werden, bleiben, machen, sich u. sehen: bis ... das land u. werde dem herrn 4. Mos. 32, 22;

du bleibest zwar dem könig unterthan,
doch bist du auch ein freygebohrner mann
Gryphius trauersp. 227 P.;

der kaiser macht im das lant gantz zinspar und dem reich gar unterthan städtechron. 3, 78; füllet die erden und machet sie euch u. 1. Mos. 1, 28; Murner narrenbeschwörung 105, 37 ndr.; sie machten sich so viel landes u. Brentano 4, 60;

und jetzt sehen wir uns als knechte
unterthan diesem fremden geschlechte
Schiller 14, 23 G.

im bilde: der glidmächtigen Podagra underthon zu sein Fischart pod. trostb. 37, 17 H.; dem scepter der vernunft, der ruthe u. Schubart ästhetik d. tonkunst 114; Göcking lieder zweier liebenden (1779) 107.
3) solche verhältnisse (2) werden auf gott und das religiöse leben übertragen, wobei der vorstellungsgehalt sich oft steigert und vertieft: Notker psalm 61, 2; 31, 9; 142, 10; man sol got leiden, ym gehorsam und gelassen und unterthan seyn theologia deutsch 44 M.; J. Arndt Th. v. Kempis theologia (1631) 30;

[Bd. 24, Sp. 1863]


bist du des waren godes kint,
dem himel und erde underdan sint
Mone schauspiele des ma. (1846) 1, 106;

Alsfelder passionsspiel 530 Gr.; wenn er aber saget, das es alles u. sey, ists offenbar, das ausgenomen ist, der im alles unterthan hat. wenn aber alles im u. sein wird, alsdenn wird auch der son selbs u. sein dem, der im alles unterthan hat 1. Cor. 15, 27; 28; Christus niemant dann allain got underton Luther 1, 692 W.; eyn christenmensch ... yederman u. 7, 21 W.; wer dem teuffel u. dienet yn sunden 2, 96 W.; seid unternander u. (subjecti invicem) Ephes. 5, 21; Jac. Böhme (1620) 4, 147; Opitz (1690) 3, 280;

alles, was himmel und erden schränkt ein,
musz deiner majestät unterthan sein Mittler d. volkslieder (1865) 302;

u. werden Notker psalm 38, 28; bleiben Sebiz feldbau (1579) 640; machen altd. passionsspiele aus Tirol 109 W.; Fischart bienenkorb (1588) 7a; sie (d. fürstin Gallitzin) gab sich gott ganz u. Gervinus gesch. d. d. dichtung 5, 283.
4) in ergebenheitsfloskeln des briefstils: mein schuldig willig dinst sein euern gnaden allezeit wilicklich underthan privatbriefe des ma. 1, 57 St.; häufiger unterthänig (s. d.). ähnlich im umgange:

als ich ... mich tieff ghen ir neiget,
gantz unterthan erzeiget
H. Sachs 6, 23, 21 K.


5) dem gesetze, einer satzung, ordnung u. dgl. u.: sînen sun ... undertânin êo, factum sub lege Notker psalm 31, 6; die jugent ist keynem gesecz der liebe verbunden noch undertan Arigo decam. 628, 24 K.; sintemal es (fleischlich gesinnt sein) dem gesetz gottes nicht u. ist Römer 8, 7; ich bin nur den gesetzen u. Zimmermann nationalstolz (1758) 188; der mensch ... ist diesem gesetz (der verewigung der arten) u. Herder 16, 44 S.; nur thaten sind ihnen (den gesetzen) u. Schiller 3, 513 G.; die maschinen sind genau denselben gesetzen u. wie unser eigener körper Boltzmann populäre schr. 332. seit u. aller menschlicher ordnung Mathesius Sarepta (1571) 221b;

es sind ja freilich andre sachen
der hohen satzung unterthan
Weise der grünenden jugend überfl. gedanken 17 ndr.;

die bed. geht in 6 über.
6) in weiterer bed. abhängig, unterworfen, an etwas gebunden, mit etwas verknüpft, einer sache ausgesetzt u. dgl.: irem (der liebe) gewalt alle untertan und verpunden sein Arigo decam. 234, 6 K.; sölche (bücher) wil er nicht endern noch drüber sein, sondern gerne den u. sein als dem, das nichts ist Luther 26 578 W.;

all ding dem gelt synt underthon
Brant narrenschiff 46, 51 Z.;

Tappius adagiorum centuriae septem (1545) O 7a; der zeit, vergänglichkeit, dem wahnwitz, tode, den trieben, dem dünkel, gaumen, der geburt, zwietracht, sorge, den ideen der zeit u. s. w. u. Tiedge 3, 182; Stifter 5, 1, 85; Bodmer crit. poet. schr. 1, 104; Triller poet. betrachtungen 1, 119; Gottsched crit. dichtkunst 17; Dusch verm. werke 20; Göckingk (1780) 1, 48; 49; Shakespeare 3, 164; Bürger Ilias 1, 11; Schopenhauer 1, 243 Gr.; Treitschke hist. u. polit. aufsätze 25, 28;

jugend und natur
sei dem himmel künftig unterthan
Göthe 1, 221 W.;

sie (d. dichter) wissen nicht, welche kräfte ihnen u. sind Novalis 4, 31 M.; selbst die elemente waren ihnen u. Jac. Grimm kl. schr. 5, 427;

und was kein ganzes heer sonst übermeistern kann,
wird seinem bloszen blick und drohen unterthan
Chph. H. Amthor bei
Weichmann poesie der Niedersachsen 1, 154;

vielleicht in keinem betracht war Frankreich so sehr einem beschränkten herkommen u. geworden als in bezug auf den vertrieb des getraides Dahlmann franz. revol. 53; du ... hast das glück dir u. gemacht theater d. Deutschen (1768 ff.) 3, 195;

wir geben uns heute ihr (der liebe) unterthan
Arent-Conradi-Henckell dichtercharaktere (1885) 109;

[Bd. 24, Sp. 1864]


wer könnte den gedanken fassen, dasz ... Rafael in den loggien des vatican dem architecten u., seine freiheit ... aufgegeben habe? O. Jahn Mozart 3, 90;

die säule musz dem gleichmasz unterthan
an ihre schwester nachbarlich sich lehnen
Schiller die künstler 161.

veraltet 'in dankbarkeitverbunden' Nibelungenlied 1841, 4 L.
7) bisweilen steht u. dem adv. nahe, das sonst durch unterthänig, -lich vertreten wird:

meinen dienst hab ich ihr geschworn,
den wil ich halten stetiglich
mit willen unterthan,
die weil ich das leben hab bergreihen 38 ndr.;

wie so ahnt thut es einem, wenn ... man das gute leben allzu sehr gewohnet, und soll hernach andern leuten u. und so kümmerlich leben Schoch studentenleben (1657) K 3b;

unterthan will ich ihr (Phyllis) leben
Kästner (1753) 1, 131;

Pückler briefwechsel u. tageb. 6, 428 oben II 1.
 
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unterthan, m. , aus dem vorhergehenden adj. substantiviert. mhd. undertâne, undertân; mnd. underdan; mnl. onderdane, -daen; nl. onderdaan; dän. underdan. in der flexion mischen sich st. und schw. formen (Wilmanns d. gramm. 3, 381): nom. sing. ein unterthaner Luther 6, 308 W.; 318 W.; Friedrich Wilhelm sprichw. register (1577) m 1c; Rist Parnass (1652) 317; Butschky Pathmos 810; iedweder treuer unterthaner Ziegler Banise (1689) 52; Schmolcke trost- u. geistr. schr. (1744) 2, 377; veraltet, dafür allgemein unterthan. gen. sing. seines ... unterthanes Mathesius Sarepta (1571) 84b; des unterthans Schiller 3, 17 G.; Gervinus gesch. d. d. dicht. (1853) 4, 199; eines ... unterthans Meinecke Boyen 1, 56; so auch mhd. (mhd. wb. 3, 145a) und nl. (nl. wb. 10, 1259); heute aber auch eines unterthanen Steffens was ich erlebte 2, 307 u. ö. dat. sing.: von sinem undertan Nürnberger polizeiordnungen 286 Baader; dem underthan Mangold marckschiff (1596) C 2; dem unterthan Abr. a s. Clara Judas 1, 8.; Klopstock oden (1889) 2, 29, 2; Novalis 4, 80 M.; Fontane I 6, 222; daneben einem unterthanen 2. kön. 18, 24; Luther 29, 448 W.; Göthe 22, 73 W.; Schiller 14, 18 G.; Rückert 1, 16. acc. sing.: seinen unterthanen S. Franck chron. Germ. (1538) 87b; den unterthanen Petri A a 5a; veraltet, dafür den unterthan (Aventin bei Molz in Paul u. Braunes beiträgen 27, 315), wie noch heute. nom. plur. seine unterthane Luther 30, 2, 483 W.; 10, 1, 1, 466 W.; 32, 390 W.; veraltet, dafür wie heute allgemein: unterthanen urkunden z. gesch. Max. I 23 Chmel.; Luther 10, 1, 1, 656 W.; u. s. w.; in consonantischer verschmelzung der endung: wir alsz gehorsam underthan urk. z. gesch. d. schwäb. bundes 2 lit. ver.; Luther 26, 5, 49 W.; Schmeltzl zug in d. hungerland (1556) A 1b; Fischart ritter v. Staufenberg 3141 H. gen. plur. durchweg unterthanen reichstagsabschied 1518, 4; Schweinichen denkwürdigkeiten 152 Ö.; u. s. w.; oder mit consonantischer verschmelzung undertann Steinhöwel Äsop 287 Ö.; untherthan H. Sachs, 1, 219, 16 K. ebenso dat. plur. unterthanen oder mit verschmelzung der consonanten unterthan (A. v. Eyb spiegel der sitten [1511] A 8a; städtechron. 2, 163; B. v. Chiemsee 1). dasselbe im acc. pl. (H. Seuse d. schr. 28, 22 B.; nomenclator Hamburg. [1634] 500; Hollonius somnium vitae humanae 95 ndr.; H. Sachs 19, 295, 6 G.). die n. spr. kennt nur den pl. unterthanen. ein underthan auch für eine weibliche person Alberus fabeln 46 ndr. u. ö.; vgl. mhd. undertâne, f., nhd. die unterthanin. collectiver sing.:

da wirdt der undterthan auch murrisch
H. Sachs 2, 20, 6 K.;

durch ein fremdes volck sein unterthan vergieng
Gryphius trauersp. 205 P.;
Göthe 16, 22 W.


I. dem adj. unterthan B I entsprechend. was darunter gesetzt ist; z. b. die schamgegend unten am bauche in der th. 3, 228 unter einlinken gegebenen stelle des froschmeuselers; oder als volkswort (Wagners archiv 1, 280) für die beine; els. wb. 2, 686b; Schmeller-Fr. 1, 606; Hügel Wiener dialekt 176; obers. wb. 2, 602a; Woeste westfäl. 281a; Strodtmann 264; Doornkaat-Koolman 3, 469a;

[Bd. 24, Sp. 1865]


Stürenburg 297b; vgl. unterthänigkeit 5: meine unterthanen haben noch kraft genug, mich aufrechtzuerhalten Langbein 29, 47; wegen seiner kreuzweis gewachsnen unterthanen G. u. J. Kinkel erzählungen 80; wer gestern der erden herr war, der wird heut ihr u. (unter sie gethan) Lehmann florileg. (1662) 2, 708; die unterthanen toni subjugales M. Agricola musica choralis (1533) D 4b; veraltet.
II. in der hauptsache wie das adj. unterthan II.
1) diesem B II 1 entsprechend: untergebene des küchenmeisters Nibelungenlied 720, 2 L., von Simrock in der übersetzung beibehalten; untergebener des jägermeisters Gottfried v. Straszburg Tristan 17334; eʒ sol auch kain maister stainmaiʒel unde cimberman von sinem undertan, der sein helfer ist, niht nemen, weder pfening noch anders niht, bei seinem aide Nürnberger polizeiordnungen 286 Baader; knecht, magd und alle unterthanen mussen andern nutz seyn und dienen Luther 10, 1, 1, 656 W.; 'u. wird ... zuweilen auch der dienstbote genannt' Hupel idiot. d. d. spr. in Lief- u. Estland 246;

aber uff hochzeit und wolleben
dem alter man die ehr thut geben,
obs gleich ein armer untertan,
sah man allein das alter an
Eyering 1, 443;

schreibt man an geringere, als unterthanen, knechte, kinder etc., so pflegt man sie zu dutzen Harsdörfer secret. 1, 1b; die kinder, die wir als unsere muster ansehen sollten, behandeln wir als unterthanen Göthe 19, 41 W.; im gs. zum fremden;

so hat der frembd noch ein vorzug,
dem underthan nicht so fluchs eben
geholffen wird und glauben geben
Mangold marckschiff (1596) C 2.

in der hauptsache veraltet.
2) das rechtsverhältnis steht wie beim adj. unterthan B II 2 im mittelpunkt der vorstellung. alles, was unter gesetzen steht, ist in einem staate unterthan Kant 5, 385 H. zum begriff s. d.
a) des reichs u. städtechron. 2, 163;

die mutter gotts achts nicht gering,
als sie mit Christo schwanger ging,
dem keyser als ein underthan ...
den zinsz zu bringen uber feldt
Alberus fabeln 46 ndr.;

weil Leo sich im blut der unterthanen wäscht
Gryphius trauersp. 20 P.;

dein vater ... ist ein vater seinen unterthanen
Stoppe Parnass 7;

H. Heine 3, 95 E.; er ... läszt ... das mark seiner unterthanen in einem feuerwerk hinpuffen Schiller 3, 390 G.; seine absichten waren ... darauf gerichtet, die unabhängigen städte ... zu unterthanen ... zu machen K. O. Müller, Dorier 1, 155; entwürfe, welche ... eine alle unterthanen umfassende einheit des reichs voraussetzen Ranke 1, 94; dichterisch:

da dich zum unterthanen
dem fremdling zwang das schicksal, das verworrne
Rückert 1, 16;

die unterthanen beschweren, pressen, pflücken, aussaugen, regieren, leiten, für sie sorgen u. s. w. Hollonius somnium vitae humanae 95 ndr.; nomenclator Hamburg. (1634) 500; Kramer (1702) 2, 208a u. s. w.;

sein gnad ist wie ein abendregen,
erquickt sein unterthan allwegen
H. Sachs 19, 295, 6 G.;

attribute: gehorsam, getreu, fromm, reich, vermöglich, arm, erarmt, ausgesogen, rebellisch, preuszisch, fürstlich u. s. w. urk. z. gesch. d. schwäb. bundes 2 lit. ver.; Teuerdank 11, 57 G.; Luther 26, 549 W.; Sattler phraseologey (1631) 476; M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 3, 46; Meinecke Boyen 1, 56. sprichwörtlich (Wander 4, 1482 f.): wenn die gerechten regieren, so geht es den underthanen wol J. Agricola sprichw. (1534) H 6a; besser reiche unterthanen denn arm und benötigte haben Friedrich Wilhelm sprichw. register (1577) b 2a; es ist ein edler schatz umb einen treuen unterthanen Petri A a 5a b) der gs. tritt hervor; oberthan H. Sachs bei Wackernagel leseb. 2, 117, 8 unüblich: dann ain fein ding ist, wann ein herr

[Bd. 24, Sp. 1866]


seine underthanen und die underthanen iren herrn erkennen lernen Ferdinand II. v. Tirol speculum vitae humanae 79 ndr; vor alters ... hat man die landsherrn vätter und die unterthanen ... kinder genennet Mathesius Sarepta (1571) 13b; den moralischen umständen nach werden die menschen eingetheilt in regenten und unterthanen v. Fleming soldat (1726) 6; abstand ..., der den könig vom unterthanen scheidet Göthe 22, 73 W.; Schiller 14, 18 G.; ein könig ohne unterthanen Rückert 1, 915. sprichwörtlich: wan die herrn einander reuffen, so müssen die underthonen das har herhalten S. Franck sprichw. (1541) 1, 44b; Mathesius Syrach (1586) 3, 69a; B. Faber thes. (1587) 455b; Eyering 3, 392; Schellhorn 13; was die fürsten geigen, das müssen die unterthanen dantzen Fischart Garg. 293 neudr.; wann die herren sündigen, müssen die unterthanen büszen Eyering 3, 392; wenn herrnpferde schreyen, darauff ihr herr sitzt, so sollen billich die unterthanen stil seyn Petri C c c 4b; der herrn thorheit ist der unterthanen straffe Petri O 1b; Lehmann florileg. (1662) 1, 20; wann die unterthanen verderben, kan der herr nichts von ihnen erben Pistorius (1715) 942; unterthan und obrigkeit fehlen öffters beyderseit 922; Graf-Dietherr (1864) 523, 282; 524, 316; Wander a. a. o. c) besonderheiten. 'der im rechtsverhältnis der pflichtigkeit gegen eine gerichts-, grund-, lehens-, zehentherrliche oder auch überhaupt eine gerichtsbarliche obergewalt stehende' Weigand syn. 3, 897; gerichtsunterthan, -untersasse (s. diese); Fischer 6, 255 f.; u., so ein lehen trägt Kramer (1702) 2, 1083c, doch lehenmann kein u. Eisenhart grundsätze (1759) 599; für cliens Boltz Terenz (1539) 97b; Hulsius (1618) 2, 91b; grundzinsbare unterthanen Schmeller-Fr. 1, 606; 'u. heiszet derjenige, der sich an einem orte häuslich niedergelassen, folglich desselben obrigkeit zu erkennen schuldig ist' Zinck öconom. lex. (1744) 3022; der hörige bauer, markt- oder stadtbewohner österr. weisth. 10, 375b; sowol die untertanen, die kaufrecht haben als die zu freier stift oder mietweisz auf den hueben sizen (1590) 10, 87, 8; underthan, undersesz, angehöriger Sattler phraseologey (1631) 377; holde, grundholde, unterhörige, erbleute, erbbauern Krünitz 200, 151; erb-, gutsunterthan; der leibeigene oder erbbauer Hupel idiot. d. d. spr. in Lief- u. Ehstland 246; mecklenburg. erbvergleich (1750) 325 ff.; Dähnert 505a;

jauchzt, froher ahndung voll, jauchzt,
unterthan und pächter
J. H. Voss gedichte (1802) 6, 179: 2, 92;

Fouqué gefühle, bilder (1819) 1, 62; O. Jahn Mozart 4, 196; br. Grimm d. sagen (1891) 1, 75; G. Freytag 13, 11; der junker hatte die macht in händen, seine unterthanen zu erziehen Polenz Grabenhäger 1, 109; unterthanenkinder O. Jahn Mozart 4, 278; unterthanenregister Hohberg georgica 1, 16; unterthanenschaft Chr. Fr. Schulz reise eines Lilvänders 4, 125; unterthanwesen hwb. d. staatswiss. 22, 365. über die rechtsformen der unterthänigkeit s. d. rechtswb.; mit aufhebung der alten rechtsverhältnisse veraltet und nur noch in geschichtlicher darstellung. d) die engste bed. beschränkt den begriff auf das verhältnis zur staatsgewalt: die untertanschaft ist das notwendige gegenstück zur staatsgewalt, zur herrschaft des staates, auch in republiken gibt es deshalb untertanen Schanze in den grenzboten 71, 3, 159; staats-, reichsuntertan 160; u. bezeichnet den staatsangehörigen mit rücksicht auf seine pflichten gegen die staatsgewalt, während staatsbürger den staatsangehörigen bezeichnet, sofern er inhaber politischer rechte ist Meyers conv. lex. 165, 285b. aufklärung und gegnerschaft gegen den obrigkeitsstaat haben den ausdruck u. zurückgedrängt, spöttisch (vgl. unterthanengedankenlosigkeit, -ton Brachvogel Benoni 1, 176; G. A. v. Maltitz pfefferkörner 1, 105) und gehässig (vgl.unterthäneln Fr. Hecker) gemacht; Krünitz 200, 152 ff.; grenzboten 71, 3, 157 ff.; neuere verfassungen vermeiden ihn. als gs. stellt man bürger auf: den guten bürger mit dem gehorsamen u. zu vereinen Schiller 7, 176 G.;

ich bin, ich musz
gestehen, sire, sogleich nicht vorbereitet,
was ich als bürger dieser welt gedacht,
in worte ihres unterthans zu kleiden Don Carlos 3, 10;

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von der erziehung des menschen zum freiheitsideal statt zum untertan und soldaten ist wenig die rede Fontane 1, 6, 222; terminologisch: eigentlicher, persönlicher, vorübergehender, zeitiger, dinglicher u. Krünitz 200, 155; 156; Meyers conv. lex. 175, 107a. e) dem numerus und dem schwanken in der flexion entsprechend, lautet das erste compositionsglied in den zusammensetzungen: unterthanen-, than-, -thans, z. b. unterthanenaufgebot acta publ. 6, 69 P., -band Laube 10, 352, -blut Göthe 39, 138 W., -dorf Zschokke 37, 199, -druck Tholuck vorgesch. d. rationalismus 2, 191, -eid (Krünitz 200, 162; Brunner grundzüge d. d. rechtsgesch. [1901] 52) Zinzendorf gemeinereden (1748) 318; Ritter erdkunde 2, 709, -freund Kramer (1700) 1, 415c, -gebühr Zschokke 37, 177, -gehorsam W. v. Humboldt ges. schr. 5, 54, -gemeinde Mommsen röm. gesch. 2, 99, -glück Göthe 39, 138 W., -handel Jean Paul 7/10, 343 H., -klage 27, 128 H., -land Zschokke 1, 134; unterthanland Gervinus gesch. d. 19. jhs. 1, 196; unterthansland H. A. Zachariä schweizer. eidgenossenschaft 13; unterthanenlast Ebner-Eschenbach 2, 142, -leistung Waldmüller wanderstudien 2, 4, -liebe K. Ph. Moriz reisen eines deutschen in Italien 3, 292; unterthansliebe neue schauspiele (1771 ff.) 5, 1, 12; unterthanenpflicht acta publ. 7, 267; Möser 3, 340; Ranke 15, 318; unterthanspflicht allg. d. bibl. 37, 186; unterthanpflichtig Görres ges. schr. 2, 447; unterthanenrecht Möser 1, 355, -schaft Fr. L. Jahn (1884) 2, 247; Ranke 1, 135; unterthanschaft allg. d. bibl. 109, 377; Ad. Müller verm. schr. (1812) 1, 314; Ranke 43/44, 217; unterthansschaft hwb. d. staatswiss. 62, 1112; unterthanenschinder Stieler 1798, -schuldigkeit Fr. A. v. Brandis ehrenkräntzel (1678) 207; unterthansschuldigkeit hwb. d. staatswiss. 22, 366; unterthanenschweisz Göthe 39, 138 W., -steuer Zschokke 38, 105; -treue Stieler 341; Brunner grundzüge d. d. rechtsgesch. (1901) 69; unterthanstreue H. Heine 3, 31 E.; unterthanenverband Ranke 26, 377; unterthanverband Göthe IV 6, 138 W.; unterthanenverhältnis K. O. Müller Dorier 1, 340; unterthansverhältnis allg. d. bibl. 60, 236; unterthanverrath Collin 1, 9. — unterthanenverstand, m. , in der verbindung beschränkter u. geflügeltes wort geworden, aus einem schreiben des ministers v. Rochow (1838) zurechtgeschliffen, in dem von unterthanen und ihrer beschränkten einsicht die rede ist; Ladendorf schlagwb. 23; Büchmann (1910) 548; H. Prutz preusz. gesch. 4, 171; zs. f. d. wortf. 8, 3: am 19. dez. 1842 verwendet es G. Herwegh in seinem briefe an Friedrich Wilhelm IV.; 1847 notiert es Varnhagen v. Ense tageb. 4, 81; alle unstudirten menschen haben nichts als beschränkten u. (bald nach 1848) Auerbach 18, 287; im angesicht des gedankenlosen rückfalls in den alten beschränkten u. (1850) Gutzkow (1872 ff.) 10, 288; ritter v. geiste (1852) 3, 257; Waldau aus d. junkerwelt 1, 187; Marx (1863) an Engels briefw. 3, 122; der beschränkte u. hat nicht mitzureden Laube 1, 282; M. Hartmann 2, 46; Hebbel I 10, 275 W.; D. Fr. Strauss 1, 228; Döllinger akad. vorträge 2, 398; Treitschke hist. u. polit. aufs. 35, 541; Lagarde d. schr. 24; die theorie vom beschränkten u. H. Prutz preusz. gesch. 4, 11.
3) wie das adj. u. B II 3 mit bezug auf gott und das religiös-kirchliche leben: H. Seuse d. schr. 28, 22 B.; so müssen seine (des papstes) unterthane auch ungewis sein, ob sie los odder gebunden sind Luther 30, 2, 483 W.; 7, 11 W.; Rinckhart christl. ritter 21 ndr.; wer dein (Jesu) unterthaner seyn will, der musz nichts aus sich machen, damit er etwas werde Schmolcke trost- u. geistr. schr. (1744) 2, 377; Kempis, Arnd, Tauler ... haben ... unterthanen für das reich Christus geworben Schubart leben 2, 219; Jung-Stilling 3, 372 Gr.; er war ein unbedenklicher u. seiner kirche Laube 15, 21; insbesondere in ä. spr. von pfarr- und beichtkindern: H. v. Melk erinnerung 146; Richental chron. d. Constanzer conzils 112 lit. ver.; also losset die sünd ab ein ieglicher priester, der do gewycht ist noch rechter ordnung christenlicher kirch, synen underthonen Keisersberg bilgerschaft (1512) B ba; leyen, die allein schäfflein und das geistlich bawfeldt und underthanen genennet werden Dietenberger miszbrauch d. messe (1526) C 3; Eberlin v. Günzburg 1, 91 ndr.; uf ein mal was ein

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priester in einem dorff, der het kind und was ein spiler, und worden seine underthon von im geergert Pauli schimpf u. ernst 50 Ö. sprichwörtlich: arme unterthanen reiche heiligen Lehmann florileg. (1662) 2, 859.
4) als ausdruck der ergebenheit (unterthan, adj., B II 4): honestissima matrona (Elisabeth) summo honore excipit puellam (Maria). eynes erbeut sich dem andern zum unterthanen Luther 29, 448 W.; Hoffmannswaldau-Neukirch 2, 92;

ich, herr, dein tiefster unterthan
J. Chr. Günther ged. 137. veraltet.


5) dem adj. B II 5 gemäsz: das gesetz bleybt ymmer yhr herr und treyber, so bleyben sie ymer seyn schuldiger und unterthane Luther 10, 1, 1, 466 W.; umgekehrt das gesetz der u. des frevlers Schiller 5, 43 G.
6) im weiteren sinne (unterthan, adj., B II b): ein thier des menschen u. Giseke poet. werke 72 G.; Bauernfeld 5, 27; br. Grimm kinder- u. hausmärchen 1, 369; den hornisten aber nannte er den preiszelbeerenfürst, der seine unterthanen mit essig einmachte und fräsze O. Ludwig 2, 505; der Donau bräutigam und u. Lohenstein Ibrahim sultan 4; u. des mondes Fischart praktik 15 ndr., des glückes, der vernunft, des neides b. d. liebe (1587) 245a; Butschky Pathmos 810; 231; wir sind zwar gesetzgebende glieder eines durch freiheit möglichen, durch praktische vernunft uns zur achtung vorgestellten reichs der sitten, aber doch zugleich unterthanen, nicht das oberhaupt desselben Kant 5, 82 ak. ausg.; die regierung einer französischen dame besteht aus drei epochen. sie ist coquette, dann freigeist, dann betschwester. ihren zepter verliert sie niemals, so lange diese dauern, sie wechselt blos ihre unterthanen Bode Yorick (1768) 2, 129;

ein schuldner ist des borgers unterthan
Z. Werner söhne d. thales (1803) 1, 256;

bleicher u. des todes Raupach dram. werke ernster gattung 2, 147; ein u. seiner vorurteile G. Keller 1, 382. — unterthänchen, n. , schemel: u. aus leichtem pappelholz (im wortspiel mit unterthan II 2) L. Schücking Paul Bronckhorst (1858) 1, 33; Auerbach d. abende (1851) 77. nicht allgemeinsprachlich.unterthäne, f. , nachklang des ahd. undertânî subjectio;vgl. unterthänige, f.:

z untertäne bin ich berait
Murner bei Uhland volksl. nr. 349, 33;

collektiv die unterthanenschaft, unterthanen:

we armer christenhait,
wa undertäni brachtet
und herschaft niderleit! ebenda str. 3. veraltet. —

unterthanen, v., sich zum unterthanen machen, unterthun, krümmen; was ein guter haken werden will, unterthant sich bei zeiten Mephistopheles 105, 6b. veraltet. vgl. DWB unterthänigen.

 

unterthan
   A.  nicht oft attributiv: das stumme unterthane (lastbare 2.
   B.  sonst nur prädicativ.
      I.  örtlicher grundvorstellung nahe geblieben: wirt dir mîn gâbe undertân (so dargeboten, dasz du sie von oben greifen kannst) Wolfram
      II.  eingeengt auf die vorstellung 'einer höheren gewalt, einem höher stehenden unterworfen'. subjicio ich th unter, subiectus unterthan Alberus (1540) H H 2b; domitus Frisius 447a. die reicheren verbindungen des mhd. mit genitiv oder
         1)  von abhängigkeit im allgemeinen und in den einfachsten formen des haus- und familienlebens, oft sittlich vertieft. obediens, moriger, morigerus, subditus, supplex Alberus (1540) p 4b: wer ubel tut und wil nicht undertan sein (sich dazu verstehen, herbeilassen) und strafunge aufnemen
         2)  von staatlicher, obrigkeitlicher, gesetzlicher, lehensherrlicher, rechtlicher u. dgl. abhängigkeit: sol auch ieder man sinem viertailmaister undertan sein, ob die stat not aneget, daʒ er t swaʒ er in haiʒe Nürnberger polizeiordn. 12 B.; denn ich (d. hauptmann) bin ein mensch, dazu der oberkeit
         3)  solche verhältnisse (2) werden auf gott und das religiöse leben übertragen, wobei der vorstellungsgehalt sich oft steigert und vertieft: Notker
         4)  in ergebenheitsfloskeln des briefstils: mein schuldig willig dinst sein euern gnaden allezeit wilicklich underthan privatbriefe des ma. 1, 57 St.; häufiger unterthänig (s. d.). ähnlich im umgange: als ich ... mich tieff ghen ir neiget, gantz unterthan
         5)  dem gesetze, einer satzung, ordnung u. dgl. u.: sînen sun ... undertânin êo, factum sub lege Notker
         6)  in weiterer bed. abhängig, unterworfen, an etwas gebunden, mit etwas verknüpft, einer sache ausgesetzt u. dgl.: irem (der liebe) gewalt alle untertan und verpunden sein Arigo
         7)  bisweilen steht u. dem adv. nahe, das sonst durch unterthänig, -lich vertreten wird: meinen dienst hab ich ihr geschworn, den wil ich halten stetiglich mit willen unterthan, die weil ich das leben hab
 
unterthan
   I.  dem adj. unterthan B I entsprechend. was darunter gesetzt ist; z. b. die schamgegend unten am bauche in der th. 3, 228 unter einlinken gegebenen stelle des froschmeuselers; oder als volkswort (Wagners archiv 1, 280) für die beine; els. wb. 2, 686b
   II.  in der hauptsache wie das adj. unterthan II.
      1)  diesem B II 1 entsprechend: untergebene des küchenmeisters Nibelungenlied 720, 2 L., von Simrock in der übersetzung beibehalten; untergebener des jägermeisters Gottfried v. Straszburg
      2)  das rechtsverhältnis steht wie beim adj. unterthan B II 2 im mittelpunkt der vorstellung. alles, was unter gesetzen steht, ist in einem staate unterthan Kant 5, 385 H. zum begriff s. d.
         a)  des reichs u. städtechron. 2, 163; die mutter gotts achts nicht gering, als sie mit Christo schwanger ging, dem keyser als ein underthan ... den zinsz zu bringen uber feldt Alberus
 
unterthanenverstand
      3)  wie das adj. u. B II 3 mit bezug auf gott und das religiös-kirchliche leben: H. Seuse
      4)  als ausdruck der ergebenheit (unterthan, adj., B II 4): honestissima matrona (Elisabeth) summo honore excipit puellam (Maria). eynes erbeut sich dem andern zum unterthanen Luther 29, 448 W.; Hoffmannswaldau-Neukirch 2, 92; ich, herr, dein tiefster
      5)  dem adj. B II 5 gemäsz: das gesetz bleybt ymmer yhr herr und treyber, so bleyben sie ymer seyn schuldiger und unterthane Luther 10, 1, 1, 466 W.; umgekehrt das gesetz der u. des frevlers Schiller 5, 43 G.
      6)  im weiteren sinne (unterthan, adj., B II b): ein thier des menschen u. Giseke