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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
untertaste bis unterthan (Bd. 24, Sp. 1858 bis 1861)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) untertaste, f., gs. zur obertaste: die längeren und tiefer liegenden tasten nennt man unter-, die kürzeren und höher liegenden obertasten Gathy-Reissmann mus. convers.-lex. (1874) 58b. auf der orgel auch die tasten des unterwerks: Töpfer orgelbaukunst (1855) 206. —
 
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untertasten, untrennbares v.; eigentlich sinnlich (tasten 1 entsprechend; vgl. niderhalben tasten unter tasten 1 a): vermischen sich vogtleute mit eigenleuten, so richtet sich das kind nach der mutter: angestalt, ob sach wer, dasz sich die eigen und voigt hant undertast, wist der scheffen, solt der mutter nachvolge geschehen aus e. Westerwalder weisth. Jac. Grimm rechtsalterthümer 14, 450. übertragen mnd. undertasten investigare, perpendere mnd. wb. 5, 37b; zs. f. d. wortf. 15, 302; mnl. nl. ondertasten pertentare, percontari, examinare; mnl. wb. 5, 434; nl. wb. 10, 1483.
 
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untertauchen, v.; mhd. undertûchen; mnd. underduken; nnd. neben underduken bei Fr. Reuter auch ein iteratives unnerdükern; mnl. onderduken, nl. onderduiken; dän. schwed. dukke, dyka under. vgl.be-, nieder-, übertauchen, underthauffen submergere Diefenbach gl. 560c, und das oberd. untertunken.
A. trennbar.
I. intransitiv.
1) eigentlich:

ein wunderseltzam mutig kind
kont untertauchen bisz zur grund
Rollenhagen froschmeuseler (1595) Vv 6a;

lange können jene unter dem wasser bleiben und sehr tief u. Dapper Afrika (1671) 464a; ein guter schwimmer, wenn er auch untertaucht, kommt doch wieder hervor Hippel kreuz- und querzüge (1793) 1, 274; Schiller 14, 273 G.; die untertauchenden (wasserkräuter) Naumann naturgesch. d. vögel (1822 ff.) 9, 650; wassergeister, die auf dem see auf- und untertauchen Pocci komödienbüchlein (1877) 3; stellen (im wasser), an welchen ein schwerer gegenstand untertaucht Ebner-Eschenbach 2, 134; im meere, in der soole u. s. w. u. Prätorius winterflucht (1678) 53; Muspratt chemie (1898) 6, 642; auch in das meer u. s. w. u.; Behaghel d. syntax 2, 186; unterseebote tauchen unter. substantiviert: z eim forteil des underdauchens Eppendorf Plinius (1543) 203; während der minute des untertauchens Ritter erdkunde 6, 173.
2) uneigentlich.
a) von der sonne, dem mond, den gestirnen und sichtbaren erscheinungen verschiedener art:

wir segeln jener sonne zu,
die untertaucht mit pracht
H. Heine 2, 235 E.;

2, 276 E.; das irrlicht war untergetaucht Viebig d. schlafende heer 2, 479; solcher untertauchenden (in der erde verschwindenden) bäche Valvassor ehre d. h. Crain (1689) 1, 162; bald von röthlichem schein beleuchtet, bald in schatten untertauchend, schwirrten tausende von masken über den kai Gaudy 14, 151; wipfel an wipfel bis in die blaue ferne, wo die formen untertauchten in breit hingeworfene, tiefe farbentöne Polenz Grabenhäger 2, 140.
b) in sonstiger übertragung und im bilde: dagegen aber reichte mein guter humor nicht hin, als die tochter des prätendenten das fremde murmelthier gleichfalls zu sehen verlangte, das habe ich abgelehnt und bin ganz entschieden wieder untergetaucht Göthe 30, 226 W.; Lichtenberg briefe (1901) 1, 206; vergessen sie ja Johanna Sebus nicht und lassen solche nicht wieder u., da sie ihr einmal hülfreiche hand gereicht haben Göthe IV 21, 159 W.; taucht unter, ihr gedanken! dive, thoughts, down to my soul Shakespeare 9, 9; reste alter kunst, die selbst im mittelalter nie ganz untertauchten Justi Winckelmann 1, 363. unnerdûken sich unter die bettdecke verkriechen Danneil 42a; Stürenburg 297b. mit acc.: und so soll ich noch einmal in das gewirre des lebens u.? Kosegarten rhapsodien (1800) 1, 136; ich konnte ungestört u. ins Breslauer leben Laube 1, 86; Jean Paul Hesperus 3, 207; in die schimmernden wogen des schlafes u. Fouqué zauberring 2, 181; in den strom äuszerer eindrücke, in verborgenheit u. Görres briefe 1, 63;

[Bd. 24, Sp. 1859]


G. Keller 3, 93; Lotze mikrokosmus 1, 77; G. Freytag 4, 173; ungewöhnlich: Oppenheim ... tauchte in die nationalzeitung unter Ruge briefwechsel 2, 280 N.; mit dat.: ja, festlich empfangen soll uns das theater, das gemüth soll u. in wunderbarer anschauung Gleim 1, 146; im land der träume, in den wogen des busens, im stilleben, in wonnen, in der volksflut u. s. w. u. Bettine Günderode 1, 101; Brentano 3, 451; Gaudy 17, 9; Rückert 1, 587; G. Keller 3, 175; im gs. zu übertauchen (s. d. 2): noth leiden, das ist ein ... immerwährendes unglück, da giebts kein übertauchen, da heiszts u., das reiszt einen hinab Ebner-Eschenbach 4, 174. substantiviert; das u. in träume Jean Paul Titan 1, 89 R.; beginn des ... untertauchens aller anderen gefühle E. M. Arndt (1892) 1, 77; Rosegger II 2, 60; ein u. in gott Hebbel 1, 16 W.
II. sich u.
1) sich u. wie die enten Kramer (1702) 2, 1055c; taucher, einer, der sich u. kann Gottsched sprachkunst 106; fisch noch vögel, die ... sich gern u. C. Lautenbach Flavius Josephus (1571) 74a; Bodmer crit. poet. schr. 1, 103; ich kann es jetzt schon aushalten, dasz ich mich auf ein paar augenblicke bis an den hals untertauche W. Grimm an Jacob (1881) 138.
2) uneigentlich: derjenige, der nach den schönheiten (eines liter. werkes) sich tiefer untertaucht literaturbriefe 11 (1761), 7;

wallen wir, einmüthgen ringeltanzes,
bis sich dort im meer des ewgen glanzes
sterbend untertauchen maasz und zeit
Schiller 1, 287 G.;

5, 29 G.; H. v. Kleist 2, 100 Schm.; Jean Paul 1, 118 H.; Hesperus 1, 250 R.; die vögel tauchten sich in die blumen unter Titan 2, 131 R.; es schien, als hätten sie (pappeln) zur lust sich untergetaucht (im wasser) F. H. Jacobi 5, 258; eine höhere reflexion musz sich in seinen (des heutigen dichters) werken wieder in unbewusztsein u. Schlegel Europa 2, 90; Tieck (1828) 4, 258; Eichendorf 2, 319; ich will mich ganz u. in den tönen R. Schumann (1854) 2, 9;

junge welt, nun tauch dich unter
in den frühlingssonnenschein
Hoffmann v. Fallersleben 1, 11.


III. transitiv.
1) eigentlich: darnach so geet das wasser uber und wirdet das schif undergedaucht offenbarungen d. h. Birgitte (1502) 1, 13; darauff liesz er ihn ins wasser werffen, etliche mahl u. und hernach bey den haaren wieder auffziehen A. Olearius persian. rosenthal 8; Hylas, untergetaucht von nymphen Göthe 49, 72 W. mit acc. des bewegungszieles: der hter der perinne wirt undergetaukt in daʒ mer K. v. Megenberg sphära 33, 13; das gewicht der in wasser untergetauchten lungen Sömmerring bau d. m. körpers 5, 283; mit dat.: wenn derselbe (pilz) in einer flüssigkeit untergetaucht ist Muspratt chemie (1888) 1, 329; 1, 1836; untertauchabsatzverfahren bei stärkegewinnung, untertauchsystem 7 (1900), 1957. substantiviert: schuld oder unschuld eines angeklagten durch u. ermitteln Peschel völkerkunde 279; durch u. der matrize Karmarsch-Heeren 83, 46. besonders von alttestamentlicher und kirchlicher taufe (taufe 1, 2); u. baptizare Reyher thes. (1686) O 2 ra:

dann wo man recht die tauff gebraucht,
den menschen wircklich undertaucht,
da ist die sünd vergeben gwisz
B. Waldis päpstisch reich (1555) z 1a;

so offt ich taufe, ärgere ich mich, dasz wir nicht u. Hippel lebensläufe (1778) 1, 359; substantiviert: im jüdischen staat war das u. (taufe) eine unerläszliche formularpflicht für den fremden Herder 20, 192 S.; G. Forster 6, 149. terminologisch: submersus, untergetaucht, was sich ganz unter der oberfläche des wassers befindet Bischoff wb. d. beschr. botanik (1839) 200; Schlechtendahl-Hallier 2, 43. vgl. die untertauchenden wasserkräuter.
2) übertragen und im bilde:

wilt du sie (die Römer) untertauchen,
so schwimmen sie herfür
Bohemus Horaz (1656) R 2b (merses profundo oden 4, 4, 65);

wär ich könig, ich würde die welt u. und sie gereinigt aus den zeitenwogen hervorgehen lassen Bettine frühlingskranz 96;

[Bd. 24, Sp. 1860]


und ich seh in allen fernen
opfer von den bergen rauchen,
und ich möchte mit den sternen
meine seele untertauchen
G. Herwegh ged. eines lebendigen 2, 39;

ungewöhnlich m. dat.:

winkt ich ihr nicht schadenfroh,
mein schwaches herz dem schlamm gern untertauchend
Tieck (1828) 3, 492.

einen in ein meer von lob u. Gotter 1, 201; so wird ein perlenmeer denkbar, in welches die gnädige majestät den günstling untertaucht Göthe 7, 250 W.; die augen in den himmel u. Jean Paul Hesperus 3, 138 R.; ich fühle mich wie untergetaucht in unschuld und reinheit F. H. Jacobi 1, 65; Eichendorf 2, 605; Tieck hat jene polemik gegen die aufklärung, das pathos der genialen christlichkeit, in die novellistik der feinen bildung untergetaucht Ruge sämtl. w. 4, 170. mit in und dat.: Schwabe belustigungen (1741 ff.) 8, 20.
B. untrennbare verbindung ist seltener: schwimmen schlim einher mit untertchtem, eingebognem kopf (obliqui in caput) Heyden Plinius (1565) 365;

doch wer sich auch ans Taurus spitzen stämmet,
den untertauchet eine wetterwolck
Zinzendorf kl. schr. (1740) 33;

ehe die fluten, die welt zu untertauchen, anrauschten
Bodmer Noah (1752) 214. —

untertaucher, m.: den untertauchern (urinatoribus) Prätorius anthropodemus plutonicus (1666) 2, 56; Heinse Ardinghello (1794) 2, 192; die strengere sorte baptisten, die den täufling ganz untertaucht Fischer schwäb. wb. 6, 256; Meisinger 223a. —
 
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untertauchung, f.; demersio Corvinus fons lat. (1646) 532. in intransitiver bed.: die natur leitet dieselbigen vögel schon zu rechter zeit zur u., die ihnen bequem ist Prätorius winterquartier 115; bis zu unsrer u. in den wallfisch Wieland Lucian 4, 176; Nestroy 5, 137. transitiver sinn liegt zu grunde: hingegen ist der recensent nicht damit einig, dasz bey der taufe eine ... geringe benetzung mit wasser anständiger sey als die u. allg. d. bibl. 12, 2, 220; Schleiermacher I 4, 375; Ritter erdkunde 3, 912; D. Fr. Strausz 3, 247.
 
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unterteidigen, v.; s. teidigen mit 1unter III A 2 b ε; mhd. undertegedingen, -teidingen; mnd. underdegedingen Fischer schwäb. wb. 6, 254; Schmidt els. wb. 375b; Schmeller-Fr. 1, 586. zu den formen s. teidigen und seine sippe: wann ain miszvelliger z underthädigen gesandt, alszdenn wirdt des zornigen gemt nur zu merer scherff bewegt B. v. Chiemsee theologey 417. veraltet.
 
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unterteiding, f.; mhd. underteidinge (1381 Henneberg. urkundenb. 3, 115); mnd. underdegedink; interpositio huiusmodi, beredung, bedingung, bethedigung, undertheidung Schöpper syn. g 6c; underthädigung, -teidigung Fischer schwäb. wb. 6, 255; s. teiding und 1unter III B 1 b ε: artickel ..., die kain undertäding leiden B. v. Chiemsee 520; under dem schein der beschirmung und underthetigung Fabricius auszug bew. hist. (1599) 661; Stumpf Schweizerchron. 420a; Tschudi 1, 425. veraltet.
 
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unterteidiger, m.; s. teidiger und 1unter III B 1 b ε; mhd. underteidinger; Schmeller-Fr. 1, 586; Fischer schwäb. wb. 6, 254. zu den formen s. teidiger. interpres, ein unterteydiger Alberus (1540) 69a; pactor, sequester, proxeneta Frisius 939a; 1202b; 1086a; Maaler 459a; underthädiger Hulsius-Ravellus (1616) 373a; Wiederhold (1669) 394a; unterthätiger, tätingsmann, schiedsmann Rädlein (1711) 995b: damit des etters halb nit künftig zank und irung irwachse, soll durch uns, die undertädinger, die etter besichtigt und mit stainen marken understaint und besetzt werden urkundenb. d. kl. Heiligkreuztal (1503) 2, 344; Pilgram, patriarch zu Aglai, und herzog Hainrich von Bairen sind undertädiger gewesen Arnpeck chron. 503; urk. z. gesch. Maximilians I. 305 Chmel; Thomas v. Absberg 5 Baader; auch die obangezeigten underthedinger Hug graff zu Montfort ... und Johann Krieglein Luther 18, 341 W.; J. v. Watt d. schr. 1, 447; Aventin 5, 184 L.; das ... von den underthedingern ... ein ... project gemachet ... werde Micrälius Pommerland (1640) 3, 456. veraltet.
 
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untertelben, v.; mhd. undertelben; mnl. onderdelven;

[Bd. 24, Sp. 1861]


altengl. underdelve; ein frühnhd. beleg (1628) th. 11, 2, 237. veraltet.
 
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unterteufen, v.; s. DWB teufen, 1unter III A 1 b α; unterteufen gleich unterfahren (s. d. A II 1) Veith bergwb. 516: diese schichten ... unterteufen den dolomitischen Jura Ritter erdkunde 15, 497; das u. allg. d. bibl. 72, 412. auch untertiefen, mhd. undertiefen, Veith a. a. o.: kombt aber der erbstoln hernach und undertiefft ihn mit ihrer wassersaig, so hat er sein erbrecht ... nit mehr (1548) Lori bergrecht 298; 447 (1615). —
 
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unterthal, n., gs. zum oberthal: Spangenberg mansfeld. chron. (1572) 486a; Steub drei sommer in Tirol 1, 257; oft als ortsbezeichnung in den Alpen.
 
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unterthan , adjectiviertes part. praet. von unterthun, v. (s. d.); im allgemeinen (ähnlich wie bei den entsprechungen im nl., dän., schwed.) zu gunsten der adjectivischen fortbildung unterthänig (s. d.) zurückgetreten. ahd. untartân; mhd. undertân; mnd. underdân; mnl. onderdaen; nl. onderdaan. der zusammenhang mit dem verbum ist z. b. bei Luther bewahrt: 1. Cor. 15, 27; 28; 14, 27 W.; Hebr. 2, 8; älteste jahrb. d. st. Zürich 48; unterthänchen schemel. zur synonymik s. DWB untergeben, -werfen. die mhd. und mnl. bed. 'verschieden' (1unter III B 2 b; pilgerfahrt des ritters v. Harff 4 lit. ver.) ist im nhd. erloschen.
A. nicht oft attributiv: das stumme unterthane (lastbare 2. Petr. 2, 16) thier Luther 10, 2, 117 W.; e. f. g. willigen, unterthanen capellan Luther briefe 1, 283 de Wette; seines unterthanen gesindes gewerb Fischart Garg. 92 ndr.; sein unterthane leut Rollenhagen froschmeuseler (1621) T 5b; ein ruhiger beherrscher eines ihm unterthanen herzen Lessing 4, 459 M.; die raubschiffe gehörten irgend einer der unterthanen hafenstädte Niebuhr röm. gesch. 3, 495; die gesammtheit aller dem landesherrn unterthanen menschen Lagarde d. schr. 342.
B. sonst nur prädicativ.
I. örtlicher grundvorstellung nahe geblieben: wirt dir mîn gâbe undertân (so dargeboten, dasz du sie von oben greifen kannst) Wolfram Parz. 149, 21; ähnlich einem sein gut u. oder unterthänig machen, so dasz er es in seine gewalt bekommt: H. Sachs bei Weigand synon. 3, 898; Schmeller-Fr. 1, 607; vgl. Nibelungenlied 126, 2 L.; daʒ guote ros S. dô wart im undertân (vorgeführt, dasz er sich darauf setzen konnte; dann 'geschenkt') rosengarten A 244; also sind diese toni den herlichen u. (subjugales) und unterworffen M. Agricola musica choralis (1533) D 4b; in n. spr. mischt sich bed. II ein:

bist du doch der zeiten zan unterthan
Brockes bei
Weichmann poesie der Niedersachsen 1, 20;

diese (flachländer) sind ... durch ketten und gruppen bald von gebirgen und höhen dem plateau ihres continents ... u. Ritter erdkunde 1, 13;

bist du dem stiefel unterthan, so nenne
ich dich nes stiefels knecht, nen stiefelknecht
Raupach dram. w. kom. gattung 1, 183;

vielleicht ruht in der bed. obnoxius noch ein rest dieser grundvorstellung: alle dinge ... zergenklich und tötlich sein ..., mancherley unglück untertan Arigo decam. 17, 1 K.; ich (die wolke) bin dem winde u. Lessing 8, 56 M.;

es dünkte ihm
der nackte boden gar zu unterthan
der sonne scharfen stralen
Herder 26, 198 S.;

da das menschengeschlecht ... stets ... den climatischen einflüssen des planeten u. bleibt Ritter erdkunde 2, 83.
II. eingeengt auf die vorstellung 'einer höheren gewalt, einem höher stehenden unterworfen'. subjicio ich th unter, subiectus unterthan Alberus (1540) H H 2b; domitus Frisius 447a. die reicheren verbindungen des mhd. mit genitiv oder mit präpositionsbestimmung (mhd. wb. 3, 145a) sind im nhd. aufgegeben.
1) von abhängigkeit im allgemeinen und in den einfachsten formen des haus- und familienlebens, oft sittlich vertieft. obediens, moriger, morigerus, subditus, supplex Alberus (1540) p 4b: wer ubel tut und wil nicht undertan sein (sich dazu verstehen, herbeilassen) und strafunge aufnemen ackermann a. B. 19, 7 B.; ich soll mein nechsten

[Bd. 24, Sp. 1862]


menschen u. sein et yhm dienen Luther 34, 1, 218 W.;

er wolt nie keynem menschen
seyn tag sein underthon lied v. hürn. Seyfried 1 ndr.;

bettler ... seind niemand u. Lehmann florileg. (1662) 1, 56; von kindern und dienstboten: Luc. 2, 51; und er gieng hinab mit inen und kam gen Nazareth und was inen underthon Züricher bibel (1531) Luc. 2 E; Kramer (1702) 2, 1084a;

so sohn als eidam
dir willig unterthan ... bleiben
Gottsched schaubühne 1, 31;

der diener hat er uberal
in aller welt ein grosze zal,
die im seind allzeit underthan
Scheit frölich heimfart D 4b;

im sinne des mittelalterlichen frauendienstes Lexer 2, 1806; nach Ephes. 5, 22 (die weiber seyen u. ihren männern; 'wo doch nach morgenländischer art die engere und strengste art der unterwürfigkeit verstanden werden kann, welche bey unsern abendländischen sitten nicht statt findet' Adelung): Nibelungenlied 1097, 2 L.; in stäter elicher treue on allen wanck will ich euch wesen untertan Arigo decam. 70, 23 K.; Wickram 7, 339, 1276 B.; H. Sachs 1, 46, 18 K.; gehorsam und u. sein 1, 114 26 K.; 17, 64, 7 G.; ghorsam u. 21, 209, 21 G.; Eyering (1601) 1, 7; weib, sei u. deinem manne! Sturz (1779) 1, 265; Schiller 13, 399 G.; nur in den stunden der minne war frau W. ihrem manne u. Storm (1899) 6, 272; vergeistigt: es ist auch nichts herrlicheres auf erden, als wenn ein stolzes paar wie diese so sich u. ist Hölderlin 2, 118, 8 L.; gib dich mir nur immer ganz hin, sklavisch nicht, aber gränzenlos liebend u. Pückler briefwechsel u. tageb. 6, 428.
2) von staatlicher, obrigkeitlicher, gesetzlicher, lehensherrlicher, rechtlicher u. dgl. abhängigkeit: eʒ sol auch ieder man sinem viertailmaister undertan sein, ob die stat not aneget, daʒ er t swaʒ er in haiʒe Nürnberger polizeiordn. 12 B.; denn ich (d. hauptmann) bin ein mensch, dazu der oberkeit u. Lucas 7, 8; wenn die unterthanen irer oberkeit u. und gehorsam sein Luther 34, 2, 133 W.; zinsbar und u. sein 5. Mos. 50, 11; H. Sachs 6, 212, 19 K.;

und der gantzen frösch nation
auch unterthan war seiner kron
Rollenhagen froschmeuseler (1621) C 6a;

Rätel Curäi chron. (1607) 272; bist du nicht ebenso frei, so edel geboren als einer in Deutschland, unabhängig, nur dem kaiser u.? Göthe 8, 30 W.; wir sind ihm (dem könige) u. und gewärtig, in dem, was ihm zukommt 8, 225 W.; dasz die städte ... theils als colonieen abhängig, theils u. waren Niebuhr röm. gesch. 1, 79; die ..., die mir wegen dem verhältnisse der grundherrlichkeit u. sind Stifter 3, 216; da ich aber keinem so u., noch auch so niedrigen standes war, dasz man mich hätte zwingen mögen ... Scheffel (1907) 2, 60. u. werden, bleiben, machen, sich u. sehen: bis ... das land u. werde dem herrn 4. Mos. 32, 22;

du bleibest zwar dem könig unterthan,
doch bist du auch ein freygebohrner mann
Gryphius trauersp. 227 P.;

der kaiser macht im das lant gantz zinspar und dem reich gar unterthan städtechron. 3, 78; füllet die erden und machet sie euch u. 1. Mos. 1, 28; Murner narrenbeschwörung 105, 37 ndr.; sie machten sich so viel landes u. Brentano 4, 60;

und jetzt sehen wir uns als knechte
unterthan diesem fremden geschlechte
Schiller 14, 23 G.

im bilde: der glidmächtigen Podagra underthon zu sein Fischart pod. trostb. 37, 17 H.; dem scepter der vernunft, der ruthe u. Schubart ästhetik d. tonkunst 114; Göcking lieder zweier liebenden (1779) 107.
3) solche verhältnisse (2) werden auf gott und das religiöse leben übertragen, wobei der vorstellungsgehalt sich oft steigert und vertieft: Notker psalm 61, 2; 31, 9; 142, 10; man sol got leiden, ym gehorsam und gelassen und unterthan seyn theologia deutsch 44 M.; J. Arndt Th. v. Kempis theologia (1631) 30;

[Bd. 24, Sp. 1863]


bist du des waren godes kint,
dem himel und erde underdan sint
Mone schauspiele des ma. (1846) 1, 106;

Alsfelder passionsspiel 530 Gr.; wenn er aber saget, das es alles u. sey, ists offenbar, das ausgenomen ist, der im alles unterthan hat. wenn aber alles im u. sein wird, alsdenn wird auch der son selbs u. sein dem, der im alles unterthan hat 1. Cor. 15, 27; 28; Christus niemant dann allain got underton Luther 1, 692 W.; eyn christenmensch ... yederman u. 7, 21 W.; wer dem teuffel u. dienet yn sunden 2, 96 W.; seid unternander u. (subjecti invicem) Ephes. 5, 21; Jac. Böhme (1620) 4, 147; Opitz (1690) 3, 280;

alles, was himmel und erden schränkt ein,
musz deiner majestät unterthan sein Mittler d. volkslieder (1865) 302;

u. werden Notker psalm 38, 28; bleiben Sebiz feldbau (1579) 640; machen altd. passionsspiele aus Tirol 109 W.; Fischart bienenkorb (1588) 7a; sie (d. fürstin Gallitzin) gab sich gott ganz u. Gervinus gesch. d. d. dichtung 5, 283.
4) in ergebenheitsfloskeln des briefstils: mein schuldig willig dinst sein euern gnaden allezeit wilicklich underthan privatbriefe des ma. 1, 57 St.; häufiger unterthänig (s. d.). ähnlich im umgange:

als ich ... mich tieff ghen ir neiget,
gantz unterthan erzeiget
H. Sachs 6, 23, 21 K.


5) dem gesetze, einer satzung, ordnung u. dgl. u.: sînen sun ... undertânin êo, factum sub lege Notker psalm 31, 6; die jugent ist keynem gesecz der liebe verbunden noch undertan Arigo decam. 628, 24 K.; sintemal es (fleischlich gesinnt sein) dem gesetz gottes nicht u. ist Römer 8, 7; ich bin nur den gesetzen u. Zimmermann nationalstolz (1758) 188; der mensch ... ist diesem gesetz (der verewigung der arten) u. Herder 16, 44 S.; nur thaten sind ihnen (den gesetzen) u. Schiller 3, 513 G.; die maschinen sind genau denselben gesetzen u. wie unser eigener körper Boltzmann populäre schr. 332. seit u. aller menschlicher ordnung Mathesius Sarepta (1571) 221b;

es sind ja freilich andre sachen
der hohen satzung unterthan
Weise der grünenden jugend überfl. gedanken 17 ndr.;

die bed. geht in 6 über.
6) in weiterer bed. abhängig, unterworfen, an etwas gebunden, mit etwas verknüpft, einer sache ausgesetzt u. dgl.: irem (der liebe) gewalt alle untertan und verpunden sein Arigo decam. 234, 6 K.; sölche (bücher) wil er nicht endern noch drüber sein, sondern gerne den u. sein als dem, das nichts ist Luther 26 578 W.;

all ding dem gelt synt underthon
Brant narrenschiff 46, 51 Z.;

Tappius adagiorum centuriae septem (1545) O 7a; der zeit, vergänglichkeit, dem wahnwitz, tode, den trieben, dem dünkel, gaumen, der geburt, zwietracht, sorge, den ideen der zeit u. s. w. u. Tiedge 3, 182; Stifter 5, 1, 85; Bodmer crit. poet. schr. 1, 104; Triller poet. betrachtungen 1, 119; Gottsched crit. dichtkunst 17; Dusch verm. werke 20; Göckingk (1780) 1, 48; 49; Shakespeare 3, 164; Bürger Ilias 1, 11; Schopenhauer 1, 243 Gr.; Treitschke hist. u. polit. aufsätze 25, 28;

jugend und natur
sei dem himmel künftig unterthan
Göthe 1, 221 W.;

sie (d. dichter) wissen nicht, welche kräfte ihnen u. sind Novalis 4, 31 M.; selbst die elemente waren ihnen u. Jac. Grimm kl. schr. 5, 427;

und was kein ganzes heer sonst übermeistern kann,
wird seinem bloszen blick und drohen unterthan
Chph. H. Amthor bei
Weichmann poesie der Niedersachsen 1, 154;

vielleicht in keinem betracht war Frankreich so sehr einem beschränkten herkommen u. geworden als in bezug auf den vertrieb des getraides Dahlmann franz. revol. 53; du ... hast das glück dir u. gemacht theater d. Deutschen (1768 ff.) 3, 195;

wir geben uns heute ihr (der liebe) unterthan
Arent-Conradi-Henckell dichtercharaktere (1885) 109;

[Bd. 24, Sp. 1864]


wer könnte den gedanken fassen, dasz ... Rafael in den loggien des vatican dem architecten u., seine freiheit ... aufgegeben habe? O. Jahn Mozart 3, 90;

die säule musz dem gleichmasz unterthan
an ihre schwester nachbarlich sich lehnen
Schiller die künstler 161.

veraltet 'in dankbarkeitverbunden' Nibelungenlied 1841, 4 L.
7) bisweilen steht u. dem adv. nahe, das sonst durch unterthänig, -lich vertreten wird:

meinen dienst hab ich ihr geschworn,
den wil ich halten stetiglich
mit willen unterthan,
die weil ich das leben hab bergreihen 38 ndr.;

wie so ahnt thut es einem, wenn ... man das gute leben allzu sehr gewohnet, und soll hernach andern leuten u. und so kümmerlich leben Schoch studentenleben (1657) K 3b;

unterthan will ich ihr (Phyllis) leben
Kästner (1753) 1, 131;

Pückler briefwechsel u. tageb. 6, 428 oben II 1.

 

untertauchen
   A.  trennbar.
   I.  intransitiv.
         1)  eigentlich: ein wunderseltzam mutig kind kont untertauchen bisz zur grund Rollenhagen
         2)  uneigentlich.
            a)  von der sonne, dem mond, den gestirnen und sichtbaren erscheinungen verschiedener art: wir segeln jener sonne zu, die untertaucht mit pracht H. Heine 2, 235 E.; 2, 276 E.; das irrlicht war untergetaucht Viebig
            b)  in sonstiger übertragung und im bilde: dagegen aber reichte mein guter humor nicht hin, als die tochter des prätendenten das fremde murmelthier gleichfalls zu sehen verlangte, das habe ich abgelehnt und bin ganz entschieden wieder untergetaucht Göthe 30, 226 W.; Lichtenberg
      II.  sich u.
         1)  sich u. wie die enten Kramer (1702) 2, 1055c; taucher, einer, der sich u. kann Gottsched
         2)  uneigentlich: derjenige, der nach den schönheiten (eines liter. werkes) sich tiefer untertaucht literaturbriefe 11 (1761), 7; wallen wir, einmüthgen ringeltanzes, bis sich dort im meer des ewgen glanzes sterbend untertauchen maasz und zeit Schiller
      III.  transitiv.
         1)  eigentlich: darnach so geet das wasser uber und wirdet das schif undergedaucht offenbarungen d. h. Birgitte (1502) 1, 13; darauff liesz er ihn ins wasser werffen, etliche mahl u. und hernach bey den haaren wieder auffziehen A. Olearius
         2)  übertragen und im bilde: wilt du sie (die Römer) untertauchen, so schwimmen sie herfür Bohemus
   B.  untrennbare verbindung ist seltener: schwimmen schlim einher mit untertchtem, eingebognem kopf (obliqui in caput) Heyden
 
unterthan
   A.  nicht oft attributiv: das stumme unterthane (lastbare 2.
   B.  sonst nur prädicativ.
      I.  örtlicher grundvorstellung nahe geblieben: wirt dir mîn gâbe undertân (so dargeboten, dasz du sie von oben greifen kannst) Wolfram
      II.  eingeengt auf die vorstellung 'einer höheren gewalt, einem höher stehenden unterworfen'. subjicio ich th unter, subiectus unterthan Alberus (1540) H H 2b; domitus Frisius 447a. die reicheren verbindungen des mhd. mit genitiv oder
         1)  von abhängigkeit im allgemeinen und in den einfachsten formen des haus- und familienlebens, oft sittlich vertieft. obediens, moriger, morigerus, subditus, supplex Alberus (1540) p 4b: wer ubel tut und wil nicht undertan sein (sich dazu verstehen, herbeilassen) und strafunge aufnemen
         2)  von staatlicher, obrigkeitlicher, gesetzlicher, lehensherrlicher, rechtlicher u. dgl. abhängigkeit: sol auch ieder man sinem viertailmaister undertan sein, ob die stat not aneget, daʒ er t swaʒ er in haiʒe Nürnberger polizeiordn. 12 B.; denn ich (d. hauptmann) bin ein mensch, dazu der oberkeit
         3)  solche verhältnisse (2) werden auf gott und das religiöse leben übertragen, wobei der vorstellungsgehalt sich oft steigert und vertieft: Notker
         4)  in ergebenheitsfloskeln des briefstils: mein schuldig willig dinst sein euern gnaden allezeit wilicklich underthan privatbriefe des ma. 1, 57 St.; häufiger unterthänig (s. d.). ähnlich im umgange: als ich ... mich tieff ghen ir neiget, gantz unterthan
         5)  dem gesetze, einer satzung, ordnung u. dgl. u.: sînen sun ... undertânin êo, factum sub lege Notker
         6)  in weiterer bed. abhängig, unterworfen, an etwas gebunden, mit etwas verknüpft, einer sache ausgesetzt u. dgl.: irem (der liebe) gewalt alle untertan und verpunden sein Arigo
         7)  bisweilen steht u. dem adv. nahe, das sonst durch unterthänig, -lich vertreten wird: meinen dienst hab ich ihr geschworn, den wil ich halten stetiglich mit willen unterthan, die weil ich das leben hab