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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
untertädiger bis unterteiding (Bd. 24, Sp. 1857 bis 1860)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) untertädiger, s. unterteidiger. —
 
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untertage, -tagen, -tags, adverbial gebrauchte präpositionsverbindungen. vgl. DWB übertag, -tags. a) mit 1unter III B 2 a: untertage (tag II B 2): arbeit u. aus der spr. des modernen arbeiters zs. f. d. wortf. 15, 255, auch sonst ziemlich allgemein gebraucht. mit 1unter III B 2 b: b) undertagen subdiu Frisius 1252a; undertagen schlaaffen meridiare 817; zum plur. Staub-Tobler 1, 326. zur präpositionsverb. 1, 325; Fischer 6, 225; tag II A 3 f θ. c) untertags (vgl. sp. 1476 f.; Staub-Tobler 1, 325; Seiler Basel 301), bisweilen von ein und demselben bald als worteinheit (Gäbelkover arzneibuch [1595] 2, 132), bald als präpositionsverbindung (ebda 1, 297) behandelt. α) wie nl. onderdaags 'unlängst, kürzlich': es hat auch der keiser unterthages auf dem platz ... wilde schweine mit englischen hunden hetzen lassen R. Lubenau beschreibung d. reisen 2, 52. veraltet. β) interdiu, durchweg bei schriftstellern oberdeutscher herkunft: do d bättetest mit trähen und die todten vergrbest ... und verschlgest sy undertags in deinem hausz Züricher bibel (1531) Tob 12, 12; wo er nachts schläfft, so er undertags wacker ist Khüffner Celsus (1531) 8b; Paracelsus (1616) 1, 688 A; untertags entfernen sie sich Oken naturgesch. (1839 ff.) 7, 218; ich sammelte mir u. stoff Stifter 5, 1, 130; Steub drei sommer in Tirol 1, 203; Heigel d. geschichte 1, 177; Kuszmaul jugenderinnerungen (1899) 123; und u. vermiszt ihn da einer und dort einer H. Hesse nachbaren (1909) 141. —
 
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untertapete, f., Mothes baulex. (1882) 2, 223. —
 
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untertasche, f., gs. der obertasche, in der münzprägekunst der theil des schiebers, der den unterstempel aufnimmt; Prechtl 10, 245; 248. —
 
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untertasse, f., gs. der obertasse (s. d.). umgangssprachlich dafür: schälchen, plättchen, unterteller, untersatz, teller Kretschmer wortgeographie 522: carmin, in der mitte einer u. dicht aufgetragen, nannten sie roth Göthe II 1, 47 W.; scharfe kälte, welche beim theetrinken im freien die obertassen an die untertassen anfrieren machte Ritter erdkunde 2, 1092; mir ist ..., als sei ich niemals unglücklicher in den versuchen gewesen, meinen kaffee

[Bd. 24, Sp. 1858]


aus der ober- in die u. umzuschütten Storm (1899) 1, 63; ein ... tanzlehrer, der ein gesicht wie eine u. hat D. v. Liliencron zehn novellen 140. untertassenförmig hypocrateriformis, -morphus Bischoff wb. d. beschreib. botanik (1839) 97. —
 
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untertaste, f., gs. zur obertaste: die längeren und tiefer liegenden tasten nennt man unter-, die kürzeren und höher liegenden obertasten Gathy-Reissmann mus. convers.-lex. (1874) 58b. auf der orgel auch die tasten des unterwerks: Töpfer orgelbaukunst (1855) 206. —
 
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untertasten, untrennbares v.; eigentlich sinnlich (tasten 1 entsprechend; vgl. niderhalben tasten unter tasten 1 a): vermischen sich vogtleute mit eigenleuten, so richtet sich das kind nach der mutter: angestalt, ob sach wer, dasz sich die eigen und voigt hant undertast, wist der scheffen, solt der mutter nachvolge geschehen aus e. Westerwalder weisth. Jac. Grimm rechtsalterthümer 14, 450. übertragen mnd. undertasten investigare, perpendere mnd. wb. 5, 37b; zs. f. d. wortf. 15, 302; mnl. nl. ondertasten pertentare, percontari, examinare; mnl. wb. 5, 434; nl. wb. 10, 1483.
 
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untertauchen, v.; mhd. undertûchen; mnd. underduken; nnd. neben underduken bei Fr. Reuter auch ein iteratives unnerdükern; mnl. onderduken, nl. onderduiken; dän. schwed. dukke, dyka under. vgl.be-, nieder-, übertauchen, underthauffen submergere Diefenbach gl. 560c, und das oberd. untertunken.
A. trennbar.
I. intransitiv.
1) eigentlich:

ein wunderseltzam mutig kind
kont untertauchen bisz zur grund
Rollenhagen froschmeuseler (1595) Vv 6a;

lange können jene unter dem wasser bleiben und sehr tief u. Dapper Afrika (1671) 464a; ein guter schwimmer, wenn er auch untertaucht, kommt doch wieder hervor Hippel kreuz- und querzüge (1793) 1, 274; Schiller 14, 273 G.; die untertauchenden (wasserkräuter) Naumann naturgesch. d. vögel (1822 ff.) 9, 650; wassergeister, die auf dem see auf- und untertauchen Pocci komödienbüchlein (1877) 3; stellen (im wasser), an welchen ein schwerer gegenstand untertaucht Ebner-Eschenbach 2, 134; im meere, in der soole u. s. w. u. Prätorius winterflucht (1678) 53; Muspratt chemie (1898) 6, 642; auch in das meer u. s. w. u.; Behaghel d. syntax 2, 186; unterseebote tauchen unter. substantiviert: z eim forteil des underdauchens Eppendorf Plinius (1543) 203; während der minute des untertauchens Ritter erdkunde 6, 173.
2) uneigentlich.
a) von der sonne, dem mond, den gestirnen und sichtbaren erscheinungen verschiedener art:

wir segeln jener sonne zu,
die untertaucht mit pracht
H. Heine 2, 235 E.;

2, 276 E.; das irrlicht war untergetaucht Viebig d. schlafende heer 2, 479; solcher untertauchenden (in der erde verschwindenden) bäche Valvassor ehre d. h. Crain (1689) 1, 162; bald von röthlichem schein beleuchtet, bald in schatten untertauchend, schwirrten tausende von masken über den kai Gaudy 14, 151; wipfel an wipfel bis in die blaue ferne, wo die formen untertauchten in breit hingeworfene, tiefe farbentöne Polenz Grabenhäger 2, 140.
b) in sonstiger übertragung und im bilde: dagegen aber reichte mein guter humor nicht hin, als die tochter des prätendenten das fremde murmelthier gleichfalls zu sehen verlangte, das habe ich abgelehnt und bin ganz entschieden wieder untergetaucht Göthe 30, 226 W.; Lichtenberg briefe (1901) 1, 206; vergessen sie ja Johanna Sebus nicht und lassen solche nicht wieder u., da sie ihr einmal hülfreiche hand gereicht haben Göthe IV 21, 159 W.; taucht unter, ihr gedanken! dive, thoughts, down to my soul Shakespeare 9, 9; reste alter kunst, die selbst im mittelalter nie ganz untertauchten Justi Winckelmann 1, 363. unnerdûken sich unter die bettdecke verkriechen Danneil 42a; Stürenburg 297b. mit acc.: und so soll ich noch einmal in das gewirre des lebens u.? Kosegarten rhapsodien (1800) 1, 136; ich konnte ungestört u. ins Breslauer leben Laube 1, 86; Jean Paul Hesperus 3, 207; in die schimmernden wogen des schlafes u. Fouqué zauberring 2, 181; in den strom äuszerer eindrücke, in verborgenheit u. Görres briefe 1, 63;

[Bd. 24, Sp. 1859]


G. Keller 3, 93; Lotze mikrokosmus 1, 77; G. Freytag 4, 173; ungewöhnlich: Oppenheim ... tauchte in die nationalzeitung unter Ruge briefwechsel 2, 280 N.; mit dat.: ja, festlich empfangen soll uns das theater, das gemüth soll u. in wunderbarer anschauung Gleim 1, 146; im land der träume, in den wogen des busens, im stilleben, in wonnen, in der volksflut u. s. w. u. Bettine Günderode 1, 101; Brentano 3, 451; Gaudy 17, 9; Rückert 1, 587; G. Keller 3, 175; im gs. zu übertauchen (s. d. 2): noth leiden, das ist ein ... immerwährendes unglück, da giebts kein übertauchen, da heiszts u., das reiszt einen hinab Ebner-Eschenbach 4, 174. substantiviert; das u. in träume Jean Paul Titan 1, 89 R.; beginn des ... untertauchens aller anderen gefühle E. M. Arndt (1892) 1, 77; Rosegger II 2, 60; ein u. in gott Hebbel 1, 16 W.
II. sich u.
1) sich u. wie die enten Kramer (1702) 2, 1055c; taucher, einer, der sich u. kann Gottsched sprachkunst 106; fisch noch vögel, die ... sich gern u. C. Lautenbach Flavius Josephus (1571) 74a; Bodmer crit. poet. schr. 1, 103; ich kann es jetzt schon aushalten, dasz ich mich auf ein paar augenblicke bis an den hals untertauche W. Grimm an Jacob (1881) 138.
2) uneigentlich: derjenige, der nach den schönheiten (eines liter. werkes) sich tiefer untertaucht literaturbriefe 11 (1761), 7;

wallen wir, einmüthgen ringeltanzes,
bis sich dort im meer des ewgen glanzes
sterbend untertauchen maasz und zeit
Schiller 1, 287 G.;

5, 29 G.; H. v. Kleist 2, 100 Schm.; Jean Paul 1, 118 H.; Hesperus 1, 250 R.; die vögel tauchten sich in die blumen unter Titan 2, 131 R.; es schien, als hätten sie (pappeln) zur lust sich untergetaucht (im wasser) F. H. Jacobi 5, 258; eine höhere reflexion musz sich in seinen (des heutigen dichters) werken wieder in unbewusztsein u. Schlegel Europa 2, 90; Tieck (1828) 4, 258; Eichendorf 2, 319; ich will mich ganz u. in den tönen R. Schumann (1854) 2, 9;

junge welt, nun tauch dich unter
in den frühlingssonnenschein
Hoffmann v. Fallersleben 1, 11.


III. transitiv.
1) eigentlich: darnach so geet das wasser uber und wirdet das schif undergedaucht offenbarungen d. h. Birgitte (1502) 1, 13; darauff liesz er ihn ins wasser werffen, etliche mahl u. und hernach bey den haaren wieder auffziehen A. Olearius persian. rosenthal 8; Hylas, untergetaucht von nymphen Göthe 49, 72 W. mit acc. des bewegungszieles: der hter der perinne wirt undergetaukt in daʒ mer K. v. Megenberg sphära 33, 13; das gewicht der in wasser untergetauchten lungen Sömmerring bau d. m. körpers 5, 283; mit dat.: wenn derselbe (pilz) in einer flüssigkeit untergetaucht ist Muspratt chemie (1888) 1, 329; 1, 1836; untertauchabsatzverfahren bei stärkegewinnung, untertauchsystem 7 (1900), 1957. substantiviert: schuld oder unschuld eines angeklagten durch u. ermitteln Peschel völkerkunde 279; durch u. der matrize Karmarsch-Heeren 83, 46. besonders von alttestamentlicher und kirchlicher taufe (taufe 1, 2); u. baptizare Reyher thes. (1686) O 2 ra:

dann wo man recht die tauff gebraucht,
den menschen wircklich undertaucht,
da ist die sünd vergeben gwisz
B. Waldis päpstisch reich (1555) z 1a;

so offt ich taufe, ärgere ich mich, dasz wir nicht u. Hippel lebensläufe (1778) 1, 359; substantiviert: im jüdischen staat war das u. (taufe) eine unerläszliche formularpflicht für den fremden Herder 20, 192 S.; G. Forster 6, 149. terminologisch: submersus, untergetaucht, was sich ganz unter der oberfläche des wassers befindet Bischoff wb. d. beschr. botanik (1839) 200; Schlechtendahl-Hallier 2, 43. vgl. die untertauchenden wasserkräuter.
2) übertragen und im bilde:

wilt du sie (die Römer) untertauchen,
so schwimmen sie herfür
Bohemus Horaz (1656) R 2b (merses profundo oden 4, 4, 65);

wär ich könig, ich würde die welt u. und sie gereinigt aus den zeitenwogen hervorgehen lassen Bettine frühlingskranz 96;

[Bd. 24, Sp. 1860]


und ich seh in allen fernen
opfer von den bergen rauchen,
und ich möchte mit den sternen
meine seele untertauchen
G. Herwegh ged. eines lebendigen 2, 39;

ungewöhnlich m. dat.:

winkt ich ihr nicht schadenfroh,
mein schwaches herz dem schlamm gern untertauchend
Tieck (1828) 3, 492.

einen in ein meer von lob u. Gotter 1, 201; so wird ein perlenmeer denkbar, in welches die gnädige majestät den günstling untertaucht Göthe 7, 250 W.; die augen in den himmel u. Jean Paul Hesperus 3, 138 R.; ich fühle mich wie untergetaucht in unschuld und reinheit F. H. Jacobi 1, 65; Eichendorf 2, 605; Tieck hat jene polemik gegen die aufklärung, das pathos der genialen christlichkeit, in die novellistik der feinen bildung untergetaucht Ruge sämtl. w. 4, 170. mit in und dat.: Schwabe belustigungen (1741 ff.) 8, 20.
B. untrennbare verbindung ist seltener: schwimmen schlim einher mit untertchtem, eingebognem kopf (obliqui in caput) Heyden Plinius (1565) 365;

doch wer sich auch ans Taurus spitzen stämmet,
den untertauchet eine wetterwolck
Zinzendorf kl. schr. (1740) 33;

ehe die fluten, die welt zu untertauchen, anrauschten
Bodmer Noah (1752) 214. —

untertaucher, m.: den untertauchern (urinatoribus) Prätorius anthropodemus plutonicus (1666) 2, 56; Heinse Ardinghello (1794) 2, 192; die strengere sorte baptisten, die den täufling ganz untertaucht Fischer schwäb. wb. 6, 256; Meisinger 223a. —
 
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untertauchung, f.; demersio Corvinus fons lat. (1646) 532. in intransitiver bed.: die natur leitet dieselbigen vögel schon zu rechter zeit zur u., die ihnen bequem ist Prätorius winterquartier 115; bis zu unsrer u. in den wallfisch Wieland Lucian 4, 176; Nestroy 5, 137. transitiver sinn liegt zu grunde: hingegen ist der recensent nicht damit einig, dasz bey der taufe eine ... geringe benetzung mit wasser anständiger sey als die u. allg. d. bibl. 12, 2, 220; Schleiermacher I 4, 375; Ritter erdkunde 3, 912; D. Fr. Strausz 3, 247.
 
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unterteidigen, v.; s. teidigen mit 1unter III A 2 b ε; mhd. undertegedingen, -teidingen; mnd. underdegedingen Fischer schwäb. wb. 6, 254; Schmidt els. wb. 375b; Schmeller-Fr. 1, 586. zu den formen s. teidigen und seine sippe: wann ain miszvelliger z underthädigen gesandt, alszdenn wirdt des zornigen gemt nur zu merer scherff bewegt B. v. Chiemsee theologey 417. veraltet.
 
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unterteiding, f.; mhd. underteidinge (1381 Henneberg. urkundenb. 3, 115); mnd. underdegedink; interpositio huiusmodi, beredung, bedingung, bethedigung, undertheidung Schöpper syn. g 6c; underthädigung, -teidigung Fischer schwäb. wb. 6, 255; s. teiding und 1unter III B 1 b ε: artickel ..., die kain undertäding leiden B. v. Chiemsee 520; under dem schein der beschirmung und underthetigung Fabricius auszug bew. hist. (1599) 661; Stumpf Schweizerchron. 420a; Tschudi 1, 425. veraltet.

 

untertauchen
   A.  trennbar.
   I.  intransitiv.
         1)  eigentlich: ein wunderseltzam mutig kind kont untertauchen bisz zur grund Rollenhagen
         2)  uneigentlich.
            a)  von der sonne, dem mond, den gestirnen und sichtbaren erscheinungen verschiedener art: wir segeln jener sonne zu, die untertaucht mit pracht H. Heine 2, 235 E.; 2, 276 E.; das irrlicht war untergetaucht Viebig
            b)  in sonstiger übertragung und im bilde: dagegen aber reichte mein guter humor nicht hin, als die tochter des prätendenten das fremde murmelthier gleichfalls zu sehen verlangte, das habe ich abgelehnt und bin ganz entschieden wieder untergetaucht Göthe 30, 226 W.; Lichtenberg
      II.  sich u.
         1)  sich u. wie die enten Kramer (1702) 2, 1055c; taucher, einer, der sich u. kann Gottsched
         2)  uneigentlich: derjenige, der nach den schönheiten (eines liter. werkes) sich tiefer untertaucht literaturbriefe 11 (1761), 7; wallen wir, einmüthgen ringeltanzes, bis sich dort im meer des ewgen glanzes sterbend untertauchen maasz und zeit Schiller
      III.  transitiv.
         1)  eigentlich: darnach so geet das wasser uber und wirdet das schif undergedaucht offenbarungen d. h. Birgitte (1502) 1, 13; darauff liesz er ihn ins wasser werffen, etliche mahl u. und hernach bey den haaren wieder auffziehen A. Olearius
         2)  übertragen und im bilde: wilt du sie (die Römer) untertauchen, so schwimmen sie herfür Bohemus
   B.  untrennbare verbindung ist seltener: schwimmen schlim einher mit untertchtem, eingebognem kopf (obliqui in caput) Heyden