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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
unterströmung bis unterstürzen (Bd. 24, Sp. 1844 bis 1846)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) unterströmung, f.; s. DWB strömung und 1unter III B 1 a α und ε. erst gegen ende des 19. jahrhs. geläufig geworden. 'etwa courant inférieur' Sachs - Villatte (1874). a) eigentlich: hier ist das tiefe loch, in das die u. alles faulende zusammenfegt Löns aus forst u. flur 141; u. des meeres, der luft. b) übertragen: es ist mir auch ... stets gelungen, dem misztrauen die spitze abzubrechen, das wiederholt durch fremde und einheimische entstellungen und gelegentlich durch diesseitige militärische unterströmungen in ihm erregt wurde Bismarck gedanken u. erinn. (1898) 2, 286 volksausg.; die abhandlung legt ... die idealistische u. ... jüngerer parteiführer dar hwb. d. staatswiss. 52, 709; H. Prutz preusz. gesch. 3, 255; ich glaube wirklich, dasz eine gewisse sorgende und bangende u. in meinem lebensgefühle zum teil dem kummervollen gemüt der frau entspringt, die mich geboren hat A. v. Berger ges. schr. 1, 23; zweifellos auch gibt es bereits in den frühesten schriften unterströmungen, die über den pessimismus hinaus weisen Raoul Richter essays 220; instinkt ... nennen wir die geheime u. unseres wesens, die wir als die letzte instanz unseres empfindens ... in uns spüren Worringer formprobl. d. gotik (1918) 15. als gs. zu haupströmung: gegenüber jenen hauptströmungen existieren nun verschiedene unter- oder gegenströmungen nationalzeitung 33 (1881), 174.
 
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unterstrumpf, m., oft im plur.; gs. ober- und überstrumpf (s. d.); dän. understrømpe; schwed. understrumpa; vgl. nl. onderkous, engl. understockings. unterstrümpfe sotto-calzette Kramer (1702) 2, 1016b; sehr dünne ... strümpfe, die man unter seidene zieht, damit diese ... besser sitzen Krünitz 200, 69: Amando zog seine unterstrümpfe ... aus Weise d. drei klügsten leute (1675) 160; und läszt den ... weiszen unterstrumpf sehen Lichtenberg nachlasz 164; ich durfte nicht versäumen, feinlederne unterstrümpfe zu tragen, um mich gegen die rheinschnaken zu sichern Göthe 27, 249 W.; leinene unterstrümpfe III 1, 226 W.
 
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unterstube, f., gs. der

[Bd. 24, Sp. 1845]


oberstube (s. d. und vgl. untere stube Schmeller 22, 721); coenatio Siber gemma 88; coenaculum inferius Stieler 2216, vgl. DWB hausstube; im erdgeschosz liegende stube Krünitz 200, 70: diesem (wucherer) hatte vor einer zeit ... ein bauwer ... abgesehen, dasz er ... gelt in der unterstuben im tisch verwaret Kirchhof wendunmuth 2, 224 Ö.; unterdessen ward der gute stümper in der u. auff die seite geschafft Weise d. drei klügsten leute (1675) 216; Menantes n. briefe (1723) 642; Thümmel reise (1791) 5, 447; er ... lebte in einer weitläufigen, aber traurigen u. Göthe 26, 250 W.; Auerbach (1892 ff.) 16, 120. unterstüble 11, 67. —
 
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unterstück, n., unteres stück; nl. onderstuk; vgl. engl. underpiece: grundstein, das unterste vierkantige stück eines säulenstuhls, das u., die platte Vitruvius de architectura anhang 54 Rode; am ... u. eines ... ringels ist die gelenkpfanne (bei den insecten) Oken allgem. naturgesch. (1839 ff.) 4, 409; im bergwerk wie zwicker das unterste theil an einem bergbohrer oder das eigentliche bohrstück Jacobsson 4, 493b; Mothes baulex. (1882) 4, 396. —
 
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unterstufe, f., mit 1unter III B 1 a ε: für den positiv der comparation Kinderling (1795) 335; Campe verd. wb. (1813) 207a zieht untergrad vor. beides unüblich; eine u. der satyre ist die ironie Gutzkow (1872 ff.) 6, 146; gramm, einheit des metrischen gewichts, u. des kilogramms v. Alten handb. f. heer u. flotte 4, 335; die u. 1 b mit 2 silbergroschen steuer war nur für einzelsteuernde hwb. d. staatsw. 32, 390; die u. des unterrichts, der schule u. dgl.
 
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unterstuhl, m.; in der stuhlmacherei das gestell, worauf eigentlich der sitz eines stuhls, kanapees u. dgl. zu liegen kommt Jacobsson 4, 493b; Campe; Krünitz; mhd. understuol (1387 urk. u. regesten zur gesch. v. Göttweig 1, 710) abtritt (vgl. einfaches stuhl und gemachstuhl); im salzwerk der untere oder niedriger stehende stuhl oder haspel, zum unterschiede vom oberstuhl (s. d.) Adelung; Campe; Krünitz: wechsel der haspeler nach den ober- und unterstule Hondorf saltzwerk zu Halle (1670) 34. —
 
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unterstülpen, v.; vgl. niederstülpen; nider- sive understulpen appronare, inclinare, devergere Stieler 2176; Kramer (1702) 2, 1024a; Campe: die haare u. (unter die schlafhaube) Kramer 2, 1024b. —
 
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unterstunden, adv., zu zeiten, von zeit zu zeit, bisweilen; mhd., mnd. understunden; mnl. onderstonden; Fischer schwäb. wb. 5, 1920; Schmeller 22, 769; Dähnert 505b; aliquando Diefenbach gl. 23a. veraltet: du solt merken, das der siechtumb von krankheit u. kompt und von unreinem pradem, der in das hirn gehet Ortolf v. Bayrland arzneib. (1477) 18b; item denselben jaidgesellen sol dann unterstunden in dem jar ain kellner umb gämbswild ... ze jagen erlauben österr. weisth. 1, 290, 14; understund 290, 30; alterthümelnd:

lassen unterstunden lange
auf ihr letztes wort uns warten
J. Wolff Tannhäuser (1880) 2, 17. —

unterstupfen, v.; unter etwas stupfen Campe; mit 1unter III A 2: interpunctus, understupft, mit puncten, düpfleinen oder strichlinen underscheyden Frisius 723b; Maaler 458d; Decimator thesaurus; veraltet.
 
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unterstüren, -stören, v., ignem accendere, subjicere, zu mhd. stüren stochern; B. Faber (1587) 398a; fewer unterstören oder schüren Corvinus fons lat. (1646) 428; feuer unter die saltzpfanne stöhren Schrader d. franz. wb. 2, 1462; understören Schambach 242b; veraltet: teuffel ..., die strohe und holtz zutragen und unterstöhren Kauffmann inquisitio Hispanica (1569) 69a.
 
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untersturz, m.; mhd. understurz; vgl. nieder- und übersturz: einen u. nehmen, eigentlich fastnachtspiele 1, 356, 22 K.; 3, 1120 K.; Weller dicht. d. 16. jahrhs. 43 lit. ver.; bildlich:

so forcht ich, freund, ir schubt zu kurz
und nemt der sachen ein untersturz (ihr verliert den procesz) fastnachtsp. 2, 546, 7 K.;

du hast gar oft und dick gesait,
wie Nüremberg laitern seind zu kurz,
das mstu nemen understurz hist. volkslieder 2, 511, 286 (1504) L.;

einen u. leiden:

so geht es im doch gar zurück,
das er durch groszes ungelück
oft leydet einen understurtz
H. Sachs 5, 100, 1 K.;

[Bd. 24, Sp. 1846]


unterwerfung, knechtschaft: so haben sie dennoch kein fremde gesetz angenommen noch einich untersturtz Alt b. d. cronicken (1493) 61a. veraltet.
 
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unterstürzen, v.; vgl. niederstürzen. a) transitiv. mnl. onderstorten suffundere. α) eigentlich; einen stein niederkippen: (die räuber) den stein palde aufgehaben und understülczelt (Weinhold alem. gramm. 162; bair. gr. 170) hetten Arigo decamerone 89, 23 K.; Montanus 163 lit. ver.; landwirtschaftlich: also musz man den mist im herbst zuvor ... hinaus führen und u. Grosser anleitung zu d. landtwirtschaft (1590) F 1a; Hohberg georgica (1682) 1, 134; schles. wirtschaftsb. (1712) 105. veraltet. β) übertragen: ich weisz, dasz einmal das darzu kommen werdt, dasz dieselben magnificenten werden untergestürtzt werden Paracelsus (1616) 1, 225 A;

dasz got dermaszen
sie alle musz von hertzen hassen
und entlich auch musz unterstürtzen
H. Sachs 18, 156, 20 G.

veraltet. γ) dichterisch sich u.:

in freudenthränen möcht ich mich verströmen,
mich unterstürzen in dem bad der lust
Tieck (1828) 1, 414.

δ) übereilen Fischer schwäb. wb. 6, 254. nicht schriftsprachlich. ε) für unterstützen (stürzen für stützen Fischer 5, 1938); 1941; 1943; eyn jung reisz, wenn es krump wechset, so lest sichs nit biegen, man understurtze es, wie man wolle Agricola sprichw. (1534) J 6b; Kirchhof wendunmuth 4, 131 Ö.; die hende dem haupte unterstürtzen Agricola sprichw. (1558) 330; die arme u. (aufstützen): J. P. ... stürtzt die arm unter Ayrer 2, 2619, 39 K.; ansatus ambulat, er stürtzt beyde arm unter Corvinus fons lat. (1646) 59; Tob. Schmidt chronica cynea (1656) 1, 137. veraltet. b) intransitiv (vgl. a β): under- et niderstürzen praecipitem volvi Stieler 2231; Campe; unüblich.