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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
unterstreicher bis unterströmung (Bd. 24, Sp. 1842 bis 1844)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) unterstreicher, m., subnotans, subsignans Stieler 2201. —
 
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unterstreichung, f. zu unterstreichen; Stieler 2201; dän. understregning. zu unterstreichen A II 5 a: deszgleichen (soll) die radierung oder u. der personen oder güeter namen, welche in denselben privilegien und schrifften verfasset und ausztrucklich genennet sind, fleiszig in acht genommen werden A. Wagner decretum (1599) 97a; ich habe ... gewagt, ... es ... ohne parenthesen und unterstreichungen abschreiben zu lassen schr. d. Götheges. 14, 23; Wehl zeiten u. menschen 1, 252. zu unterstreichen A II 5 b: hinzu kommt die u. der vertikalrichtung (der säulen) durch das kannelürensystem Worringer formprobl. der gotik (1918) 64. —
 
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unterstreif, -streifen, m., gs. des oberstreifs, -streifens (s. d.): 'u., fascia, face (baukunst) eine der länge nach gemachte abtheilung des unterbalkens (architravs) an den säulen' Jacobsson 4, 493b; Helfft landbaukunst 353; 383.
 
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unterstreu, f.; mhd. underströu; substramen, underströuwe, so man dem vych macht Frisius 1259a: reinerer und frischerer unterstrew und ligerstatten Guarinonius greuel (1610) 823.
 
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unterstreuen, v.; mhd. underströuwen; mnl. onderstrouwen; nl. onderstrooien; dän. strø under; schwed. strö under, underströ; engl. understrew. zu den formen s. DWB streuen.
A. mit 1unter III A 1 (sub).
I. trennbar.
1) substernere gemma (1508) B 1a.
a) allgemein: vom altar hin nem ysenkrut dir und die selben strew im (dem kinde) under Terenz (1499) 28b; wende den ring ... umb auff ein wenig untergestreuter aschen Ercker beschr. aller mineral. ertzt (1580) 32b; ich wolt im ehe

[Bd. 24, Sp. 1843]


für das bett eyn büschel nesseln oder disteln dargelegt und undergestreyt haben Fischart ehzuchtb. 325, 23 H.; der vater hätte auch einen zweig von seinem baume gerissen und dem ankommenden heylande untergestreuet Weise polit. redner (1677) 530; Butschky Pathmos 268; bildlich: um nur wegzukommen über das höckerige, kalte leben, will ich doch mir lieber rosenkelche als dornenreiser u. Jean Paul 15/18, 406 H.; Kopp volks- u. studentenlied vorklass. zeit 234. zweideutig A. Gryphius lyr. ged. 542, 53 f. P.; vgl. noch Fischer schwäb. wb. 6, 254.
b) ein ströwe machen Frisius 1259a; substernere equo, understrewen, die strew machen Golius (1585) 305; dem viehe u. Kramer (1702) 2, 1012c; vgl. DWB unterstreu, f.: sie (d. Türken) understrewend auch (den pferden) in mangel des stros ein kleine rörige erden Rauwolf beschreibung der raisz (1581) 216; Sebiz feldbau (1579) 140; man darf inen (ziegen) auch nichts u., es lieget schlecht auf der blosen erde viehbüchl. (1667) 66; Zinck öconom. lex. 2838; substantiviert: das laub ... kan darnach vor das vieh nicht gebraucht werden, es sey denn nur zum unterstreuen Prätorius katzenveit (1665) J 1a.
c) dichterisch 'unterlegen': eier u. Uhland ged. (1898) 1, 75.
d) veraltet unterbreiten: kleyd und palmen u. Ph. Wackernagel kirchenlied 3, 629; frische windeln (dem kinde) u. Amaranthes frauenzimmerlex. 2126; bildlich:

wer tn will, das eym yeden gfalt,
der msz ... künnen pfulwen understrowen
eim yeden undern ellenbogen
Brant narrenschiff 18, 21 Z.;

vom meer und den wolken: die betrüglich natur hat den geitzigen das meer untergestreuwet, auf welchem sie täglich gleichsam herumb wandern P. Uffenbach atlas minor (1609) x 4a;

die erde laszt ihr stehn
und könnt mit sicherm fusz itzt auf den wolken gehn,
die sich euch unterstreun
P. Fleming d. ged. 1, 50 L.


e) die untergestreute seite = basis: ist also die basis oder undergestreibte seiten dem spitz dieses triangels der anstosz diss landts an das adriatisch meer Xylander Polybius (1574) 80; veraltet.
II. seltener untrennbar: gedört dörrwurtz ..., der feldfrucht unterstreiet, soll sie langwirig behalten Sebiz feldbau (1579) 33; auf scharpfen spitzigen steinen, die inen understrewet wären Fabricius auszzug bewerter historien (1599) 80;

und legt sie wohl bewahrt
ins körbchen, unterstreut mit blättern frisch und zart
Rückert 3, 237.


B. mit 1unter III A 2 (inter, dis).
1) mit 1unter III A 2 b δ,
a) trennbar: sondern (wir streiten) wider das antichristische geschmeisz, so von bsen geistern und menschen wie unkraut mit untergestrawt Nigrinus papist. inquisition d 2a; es seien ... so viel unglückliche zufäll zugerichtet und untergestreuet worden Grimmelshausen 4, 286 Keller; damit nun nicht newes misztrawen untergestrewet ... würde Chemnitz schwed. krieg 1, 193; die hin und wieder gleichsam mit untergestreuete frucht- und obstbäumlein Birken ostl. lorbeerhayn (1657) 81; die ... untergestreuten deutschen reime Gottsched beyträge z. crit. hist. (1732) 1, 14; Lessing 5, 42 M.; der autor ... streut dabei nicht allein viel gute gedanken unter, sondern Herder 5, 471 S.; Sonnenfels 9, 105.
b) untrennbar: das dieselb stat von Semiramide ... mit gebachen zigelstainen, die mit sand, bech und leim understrewet waren, umbmawret worden sei Alt b. d. cronicken (1493) 24b;

der wangen liljenfeld, mit rosen unterstreut,
schenkt uns bey frost und schnee die schönste frühlingszeit
Neukirch anfangsgründe z. t. poesie (1724) 211;

die unterstreute moral allg. d. bibl. 60, 219.
2) sich u., sich vertheilen: sie unterstrawen aber und lagern sich auf eitel wolriechenden blumen G. Rollenhagen indian. reisen (1603) 119. veraltet.
 
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unterstreuung, f., substratus Frisius 1259a; Hulsius-Ravellus (1616) 372b; substramen, substructio Stieler 2211; Campe.
 
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unterstrich, m.; vgl. unterstreichen und strich. 1) mit 1unter III B 1 a (sub). a) unterstreichung, das unterstreichen: u. von worten Sanders erg. wb. 535a; unüblich. b) understrich, ein lini oder schnitz, den

[Bd. 24, Sp. 1844]


man under etwas macht Hulsius-Ravellus (1616) 372b; litura, virgula censoria Stieler 2201; tupfel 2258; unter ein ding gezogener strich Campe. veraltet. bis auf verwendungen wie: die unterschrift Marie Antoinette in derben zügen mit energischem unterstriche Sybel kl. schr. 2, 177. c) beim anstreichen und malen der grundstrich Krünitz 200, 69 (unterstreichen A II 1). d) weil sie auszerhalb der Betaner insel sehr tief in solchem unterstriche (tiefer liegendem gelände?) wohnen Zesen beschreibung d. st. Amsterdam (1664) 8. veraltet. e) 'bei einigen name des comma zum unterschiede von dem oberstriche oder apostrophus' Adelung; Campe verd. wb. (1813) 203b; Mozin; Lucas. vgl. unterstrichlein für cedille Zesen rosenmând (1651) 119. unüblich. 2) mit 1unter III B 1 b (inter, dis). a) transtra unterstriche Orsäus nomenclator (1623) 152. veraltet. b) rubriceta, anstrich oder understrich, farb, darmit sich die weyber färbend Frisius 1167b; Maaler 458d. veraltet. c) heraldisch für pfahl (s. DWB pfahl 2); als ungeeignete ältere benennung von v. Querfurth krit. wb. d. herald. terminologie 165 abgelehnt.
 
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unterstricken, v.: subligo, subnodo, subnecto, ich bind under, understrick Alberus (1540) 56b. veraltet. mhd. understricken unter einander verbinden.
 
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unterstrom, m.; nl. onderstroom; engl. understream (undercurrent). a) eigentlich: unterer theil, unterlauf des stromes: bekommt auch alsdann der eine staat den hochstrom allein, der andere den u. für sich, so ist des kriegens ... kein ende Fr. L. Jahn werke (1884 ff.) 2, 581; strömung in meerestiefe (gs. oberstrom) Ule-Müller die natur (1852 ff.) ergänzung 6, 14a. adverbial: die häute oberstrom (stromaufwärts) und unterstrom (stromabwärts) mit groszen steinen verankern Rüstow-Köchly gesch. d. griech. kriegswesens (1852) 191; ungewöhnlich. b) wie das häufigere unterströmung und nl. onderstroom (nl. wb. 10, 1481; engl. undercurrent Murray 10, 1, 129c, 2) übertragen: weil der u. der gedanken in ganz anderer richtung zieht Bahnsen wie ich wurde 189; es war da ein u. in ihren gedanken, der ihr keine ruhe liesz Hugin Hahn Berta (1907) 167. —
 
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unterstromen, v., auf diebstahl ausgehen Grolman wb. d. spitzbubenspr. 73c; zu dem rotwelchen stromen vagari (s. d.), mit 1unter III A 1 b δ. —
 
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unterströmung, f.; s. DWB strömung und 1unter III B 1 a α und ε. erst gegen ende des 19. jahrhs. geläufig geworden. 'etwa courant inférieur' Sachs - Villatte (1874). a) eigentlich: hier ist das tiefe loch, in das die u. alles faulende zusammenfegt Löns aus forst u. flur 141; u. des meeres, der luft. b) übertragen: es ist mir auch ... stets gelungen, dem misztrauen die spitze abzubrechen, das wiederholt durch fremde und einheimische entstellungen und gelegentlich durch diesseitige militärische unterströmungen in ihm erregt wurde Bismarck gedanken u. erinn. (1898) 2, 286 volksausg.; die abhandlung legt ... die idealistische u. ... jüngerer parteiführer dar hwb. d. staatswiss. 52, 709; H. Prutz preusz. gesch. 3, 255; ich glaube wirklich, dasz eine gewisse sorgende und bangende u. in meinem lebensgefühle zum teil dem kummervollen gemüt der frau entspringt, die mich geboren hat A. v. Berger ges. schr. 1, 23; zweifellos auch gibt es bereits in den frühesten schriften unterströmungen, die über den pessimismus hinaus weisen Raoul Richter essays 220; instinkt ... nennen wir die geheime u. unseres wesens, die wir als die letzte instanz unseres empfindens ... in uns spüren Worringer formprobl. d. gotik (1918) 15. als gs. zu haupströmung: gegenüber jenen hauptströmungen existieren nun verschiedene unter- oder gegenströmungen nationalzeitung 33 (1881), 174.