| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||
unterstreichen bis unterstromen (Bd. 24, Sp. 1841 bis 1844) | |||
| A. mit 1unter III A 1 (sub). I. trennbar. 1) darunter streichen: kalk u. Campe; hinunterschieben, in die erde senken: also wurden ... die eicheln untergeackert, ... mit dem pfluge auf 3 bis 4 zoll untergestrichen jägerpractica (1754) 4, 42. 2) darunterstützen: der rath war gut: ich will ein holtz hier unterstreichen. 3) die augen u., zu boden streichen lassen: züchtiger frauen ist erlaubt, II. untrennbar. 1) eigentlich: eröffne die venulas und lasz wol bluten, darnach unterstreiche cum aqua brassatellae chir. (1618) 593 B.; sublinere, illinere 1256a; 647b; 'beim anstreicher, lackirer, unterstreicht man eine farbe, wenn man die stelle, welche angestrichen werden soll, gründet, sie mit einer schlechten farbe erst überzieht' 200, 69; das unterstreichen, grundstreichen ebda; auch ist es (das mittelstück des begonnenen altarbildes) mit 2 gar guten farben unterstrichen, dasz ich doran anfange zu untermalen nachlasz 48, 9; das mittelblatt ist ... mit zwei vorzüglichen farben unterstrichen leben u. wirken A. Dürers (1860) 250. 2) unauffällig (1unter III A 1 b δ) schmeicheln, liebkosen (striken 3, 337b; vgl. nd. striken streicheln): später haben sie auch meine spaszhaftigkeit und scherzhaftigkeit, wie die alte tante S. ..., wann sie mich gelind u. wollte, gelind zu sagen pflegte, zuweilen gelobt bei E. M. Arndt (1845) 1, 152. nicht schriftsprachlich. 3) eine kappnat (th. 5, 201; zu 1kappen 3 kippen) machen 243a. nicht schriftsprachlich. 4) subsignare, underzeichnen, underschreyben, understreychen 1259a; 458d. veraltet. 5) in der nhd. hauptbed. rubrica oder linea subducta notare 1167b; (1741) 2, 346a; miniatula cera notare u. oder zeichnen, das es zu emendieren sey (1587) 506a; tenuem lituram inducere literis etwas u. nomenclator Hamburg. (1634) 296; einen strich under etwas thun (1616) 372b. a) eigentlich: ideo sol mans u. 32, 140 W.; die wort, so understrichen berichte 205; und sonderlich die letzte teyl, die ich ... offt durchlesen und unterstrichen und beschrieben habe 3, 355 d. schr. a. Böhmen; so ist zum andern auch dieses [Bd. 24, Sp. 1842] mit kohlen zu u. fama austriaca (1627) 46b; etliche merckliche worte mit roter dinte u. (1702) 2, 1006c; die wenigen stücke, die ich zu behalten wünschte, habe ich mit rothstift doppelt unterstrichen 18, 232 M.; II 7, 105 W.; IV 8, 60 W.; 21, 176 W.; substantiviert: mit dem u. der zeilen sprachkunst (1748) 63; im Athenäum 3, 302. b) übertragen. in ä. spr. mit der bed. des bestätigens, bekräftigens: den glauben ... damit u. und bestetigen löwenschule (1611) 163; dieser unser herr hat uns den sichersten ablassbrief erworben, welchen der höchste notarius, der heilige geist, mit der rubricen desz bluts Christi unterstrichen catechismusmilch 7, 197. seit dem ende des 18. jahrhs. wird es für betonen, hervorheben gewöhnlich und in der gegenwart zum modewort: in der wahren prosa musz- alles unterstrichen seyn im Athenäum 1, 122; es wäre wohl in dieser lauten und doch tauben und nichtssagenden zeit, wo sogar ein erbärmlicher krieg seinen erbärmlichen frieden ausspricht und roth genug unterstreicht (durch viele blutopfer bemerkenswerth macht), der mühe werth, dasz leute sich sprächen, die sich lieben 1805 an Tieck 3, 139 Holtei; stark unterstrichene stellen beim vortrag eines schauspielers Tieck (1828 ff.) 17, 329; man musz jetzt stets die worte u., wenn man sie verstanden haben will d. schr. 518; für fehlerhaft halte ich es, diese ablehnung besonders zu u. an L. v. Gerlach 159; der erste schritt war, diese lineare mimik dadurch zu u., dasz man die gratbögen mit rippen umzog formprobl. d. gotik (1918) 91; mit ... seinen malenden, unterstreichenden, überschwenglichen gebärden war er versöhnt Eysen 1 (1900), 185; substantiviert: der goldene kern seelischer schönheit, den diese züge widerstrahlten, bedurfte nicht des unterstreichens ges. w. 8, 308; dazu unterstrichenheit, f.: nur mangelte jede u., kein bann durch das auge, kein bann durch das ohr! Overbeck u. Nietzsche 2, 134; doch in jedem raum wird sie ... für den freund einer schauspielkunst, die nicht in unterstrichenheiten verkaffern will, ... ein entdämmerndes wunder bleiben ges. schr. 5, 340. B. mit 1unter III A 2 b (inter, dis) α, δ. 2, 1805: ein frow ertichte farw understrycht rhetoric (1493) C 5a. 'mit abwechselnden farben malen' mhd. wb. 2, 2, 687b: ein edelgestein ..., welches gantz durchsichtig mit roten feurigen tüpflen unterstrichen ist Plinius (1565) 192. veraltet. — A. mit 1unter III A 1 (sub). I. trennbar. 1) substernere gemma (1508) B 1a. a) allgemein: vom altar hin nem ysenkrut dir und die selben strew im (dem kinde) under Terenz (1499) 28b; wende den ring ... umb auff ein wenig untergestreuter aschen beschr. aller mineral. ertzt (1580) 32b; ich wolt im ehe [Bd. 24, Sp. 1843] für das bett eyn büschel nesseln oder disteln dargelegt und undergestreyt haben ehzuchtb. 325, 23 H.; der vater hätte auch einen zweig von seinem baume gerissen und dem ankommenden heylande untergestreuet polit. redner (1677) 530; Pathmos 268; bildlich: um nur wegzukommen über das höckerige, kalte leben, will ich doch mir lieber rosenkelche als dornenreiser u. 15/18, 406 H.; volks- u. studentenlied vorklass. zeit 234. zweideutig lyr. ged. 542, 53 f. P.; vgl. noch schwäb. wb. 6, 254. b) ein ströwe machen 1259a; substernere equo, understrewen, die strew machen (1585) 305; dem viehe u. (1702) 2, 1012c; vgl. DWB unterstreu, f.: sie (d. Türken) understrewend auch (den pferden) in mangel des stros ein kleine rörige erden beschreibung der raisz (1581) 216; feldbau (1579) 140; man darf inen (ziegen) auch nichts u., es lieget schlecht auf der blosen erde viehbüchl. (1667) 66; öconom. lex. 2838; substantiviert: das laub ... kan darnach vor das vieh nicht gebraucht werden, es sey denn nur zum unterstreuen katzenveit (1665) J 1a. c) dichterisch 'unterlegen': eier u. ged. (1898) 1, 75. d) veraltet unterbreiten: kleyd und palmen u. kirchenlied 3, 629; frische windeln (dem kinde) u. frauenzimmerlex. 2126; bildlich: wer tn will, das eym yeden gfalt, die erde laszt ihr stehn e) die untergestreute seite = basis: ist also die basis oder undergestreibte seiten dem spitz dieses triangels der anstosz diss landts an das adriatisch meer Polybius (1574) 80; veraltet. II. seltener untrennbar: gedört dörrwurtz ..., der feldfrucht unterstreiet, soll sie langwirig behalten feldbau (1579) 33; auf scharpfen spitzigen steinen, die inen understrewet wären auszzug bewerter historien (1599) 80; und legt sie wohl bewahrt B. mit 1unter III A 2 (inter, dis). 1) mit 1unter III A 2 b δ, a) trennbar: sondern (wir streiten) wider das antichristische geschmeisz, so von bsen geistern und menschen wie unkraut mit untergestrawt papist. inquisition d 2a; es seien ... so viel unglückliche zufäll zugerichtet und untergestreuet worden 4, 286 Keller; damit nun nicht newes misztrawen untergestrewet ... würde schwed. krieg 1, 193; die hin und wieder gleichsam mit untergestreuete frucht- und obstbäumlein ostl. lorbeerhayn (1657) 81; die ... untergestreuten deutschen reime beyträge z. crit. hist. (1732) 1, 14; 5, 42 M.; der autor ... streut dabei nicht allein viel gute gedanken unter, sondern 5, 471 S.; 9, 105. b) untrennbar: das dieselb stat von Semiramide ... mit gebachen zigelstainen, die mit sand, bech und leim understrewet waren, umbmawret worden sei b. d. cronicken (1493) 24b; der wangen liljenfeld, mit rosen unterstreut, 2) sich u., sich vertheilen: sie unterstrawen aber und lagern sich auf eitel wolriechenden blumen indian. reisen (1603) 119. veraltet. — [Bd. 24, Sp. 1844] man under etwas macht (1616) 372b; litura, virgula censoria 2201; tupfel 2258; unter ein ding gezogener strich Campe. veraltet. bis auf verwendungen wie: die unterschrift Marie Antoinette in derben zügen mit energischem unterstriche kl. schr. 2, 177. c) beim anstreichen und malen der grundstrich 200, 69 (unterstreichen A II 1). d) weil sie auszerhalb der Betaner insel sehr tief in solchem unterstriche (tiefer liegendem gelände?) wohnen beschreibung d. st. Amsterdam (1664) 8. veraltet. e) 'bei einigen name des comma zum unterschiede von dem oberstriche oder apostrophus' verd. wb. (1813) 203b; Mozin; Lucas. vgl. unterstrichlein für cedille rosenmând (1651) 119. unüblich. 2) mit 1unter III B 1 b (inter, dis). a) transtra unterstriche nomenclator (1623) 152. veraltet. b) rubriceta, anstrich oder understrich, farb, darmit sich die weyber färbend 1167b; 458d. veraltet. c) heraldisch für pfahl (s. DWB pfahl 2); als ungeeignete ältere benennung von v. krit. wb. d. herald. terminologie 165 abgelehnt. —
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