| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||
unterstopfer bis unterstreichen (Bd. 24, Sp. 1839 bis 1841) | |||
| A. mit 1unter III A 1 (sub). I. trennbar. 1) eigentlich. intransitiv 'mit dem kopfe von unten her anstoszen' 242b; nicht schriftsprachlich. transitiv: nun denen springern sol man auch ein sttten understoszen, die seiner art thierb. (1563) 49b; man sol aber solche füllen ... einer andern stten z seugen in der finstern u. Plinius (1565) 228; wolche (personen) alle ertrunken, wen einsz das ander understiesz im wasser preusz. chron. 2, 402. 2) einem die füsze u. (vgl. ein bein unterschlagen u. dgl.), um ihn zu fall zu bringen: denn man uns die füsz untergestoszen und uns scheuszlich ausgehönet christl. Ulysses (1678) 569. veraltet. 3) das feuer schüren; 2, 1805: als sie (die weiber) nun in dem holtz waren, stiesz Ulenspiegel als ie mer under und liesz den kessel mit den beltzen ston Eulenspiegel 46 ndr.; feuer anlegen: der setze sich auf der tonnen eine, so will ich feuer u. tischreden (1568) 1, 56; Mathesius unter unterbüszen. veraltet. 4) unterschlagen (vgl. mhd. understôʒen verstecken, bei seite schaffen 2, 1805; 1779): quelle (1567) bei schwäb. wb. 6, 234, 2 b. veraltet. [Bd. 24, Sp. 1840] 5) unterdrücken: aber deine augen und dein hertz stehen nicht also, sondern auf deinem geitz, auf unschüldig blut zu vergieszen, zu freveln und unterzustoszen Jerem. 22, 17; die warhait understoszen 7, 242 W.; darfür bitt gott der psalmist sehr, 6) an die stelle setzen, einschieben; sufficere (1540) k k 3a: rechtssprachlich 2, 790; wie ich dem hailigen dieb (sacrilego) danck sagte, der uns disen hat undergestoszen (supponere) Eunuchus 167 F. veraltet. 7) als ersatz aufzwingen, obtrudere: wan si nyemant undergestoszen werden mag Terenz (1499) 16a. veraltet. II. untrennbar. 1) die meysten aber mit groszem lust und gelächter die füsz im lauffen ihnen selbsten unterstoszeten und uber hauffen nider fielen greuel (1610) 1185. veraltet. 2) imbuere, vielleicht aus depositionsgebrauch (taufen, in den sack stecken u. dgl. d. akadem. deposition [1895] 28; 68; 57): industrius ... unterwiesen, unterstoszen, gelehrt, in den etwas gebawet ist fons lat. (1646) 843; thut ihn nur unter meine reformation, ich will ihn schon u. studentenleben (1657) D 6b; man lasse sie (die kinder) nur abtretten, ich will hoffen, dasz sie in wenig tagen besser solten unterstoszen werden lutherischer scrupulant (1714) 166; weilen ich sehe, dasz ihr des wahren verstandes des angezogenen textes unkündig, so lasset euch in etwas u. d. hinkende löscher (1717) 20; in welchem (schreiben) mir miszliebig verwiesen, unterstoszen und verhaben wurde Hammelburger reise (1818) 3, 31. veraltet. B. mit 1unter III A 2 (inter, dis). 1) unterbrechen; 2, 1805; nachtrag 384: ofte ein man, wenne der anhebet zu reden, im werde dann understossen, nicht aufgehoren kan ackermann a. Böhmen 32, 2 B.; und als der herr wortmann N. F. anfing, die zu weihnachten gemachte artikel vorzubringen, wurde er unterstoszen quellen z. gesch. d. st. Kronstadt 6, 308; trennbar: dise reden alle sind also ze sagen, das die wort der magt ymerdar mit gelächter undergestoszen werden Eunuchus 187 F.; verhindern, vereiteln: was er im nam zu freuden fur, 2) riegel u., vgl. unterschieben, -schieszen; schwäb. wb. 6, 254, 1 a: bösz rigel wurden undtergstoszen 3) daruntermischen, theils trennbar, theils untrennbar: väterb. 2716 R.; erlanget er von Venedigern werck- und zeugmeister, auch schiffleuth, und understiesze dieselbige denen, die vorhin zu F. waren hist. d. hauses Est (1580) 180a; deszgleichen die verzagten und wanckelmütigen sein so weiszlich eingetheilet und untergestoszen, horchen auch so fleiszig darauf, was man ihnen saget hist. lustgarten (1625) 1, 469; bes. wie unterstecken von soldaten: schwäb. wb. 6, 254, 2 a; (1702) 2, 991c; unterstecken, u., incorporer kriegs- ingenieur- u. seelex. (1735) 264a; 8, 58a: dieweil sie aber sehr schwach, stiesz B. sein fendlein unter (1560) quellen zur alten gesch. d. f. Bayreuth 2, 23; daselbsten hat man die fähnlein undergestoszen, und haben sich die knecht von einander getheilet annales Carinthiae (1612) 1398; ich ausz dem läger vor B. von den weymarischen herkäme, unter welche ich vor W. gefangen und untergestoszen worden Simpl. 365 Kögel; also dasz er die artollery und über 6000 mann gefangne, die hernach untergestoszen worden, dahinden lassen ... müssen würtemberg. kl. chron. (1660) 437. veraltet. [Bd. 24, Sp. 1841] nun wundert sich der himmel selb, Thraso geht wie Hercules, mit der lewenhaut bedeckt; A. mit 1unter III A 1 (sub). I. trennbar. 1) darunter streichen: kalk u. Campe; hinunterschieben, in die erde senken: also wurden ... die eicheln untergeackert, ... mit dem pfluge auf 3 bis 4 zoll untergestrichen jägerpractica (1754) 4, 42. 2) darunterstützen: der rath war gut: ich will ein holtz hier unterstreichen. 3) die augen u., zu boden streichen lassen: züchtiger frauen ist erlaubt, II. untrennbar. 1) eigentlich: eröffne die venulas und lasz wol bluten, darnach unterstreiche cum aqua brassatellae chir. (1618) 593 B.; sublinere, illinere 1256a; 647b; 'beim anstreicher, lackirer, unterstreicht man eine farbe, wenn man die stelle, welche angestrichen werden soll, gründet, sie mit einer schlechten farbe erst überzieht' 200, 69; das unterstreichen, grundstreichen ebda; auch ist es (das mittelstück des begonnenen altarbildes) mit 2 gar guten farben unterstrichen, dasz ich doran anfange zu untermalen nachlasz 48, 9; das mittelblatt ist ... mit zwei vorzüglichen farben unterstrichen leben u. wirken A. Dürers (1860) 250. 2) unauffällig (1unter III A 1 b δ) schmeicheln, liebkosen (striken 3, 337b; vgl. nd. striken streicheln): später haben sie auch meine spaszhaftigkeit und scherzhaftigkeit, wie die alte tante S. ..., wann sie mich gelind u. wollte, gelind zu sagen pflegte, zuweilen gelobt bei E. M. Arndt (1845) 1, 152. nicht schriftsprachlich. 3) eine kappnat (th. 5, 201; zu 1kappen 3 kippen) machen 243a. nicht schriftsprachlich. 4) subsignare, underzeichnen, underschreyben, understreychen 1259a; 458d. veraltet. 5) in der nhd. hauptbed. rubrica oder linea subducta notare 1167b; (1741) 2, 346a; miniatula cera notare u. oder zeichnen, das es zu emendieren sey (1587) 506a; tenuem lituram inducere literis etwas u. nomenclator Hamburg. (1634) 296; einen strich under etwas thun (1616) 372b. a) eigentlich: ideo sol mans u. 32, 140 W.; die wort, so understrichen berichte 205; und sonderlich die letzte teyl, die ich ... offt durchlesen und unterstrichen und beschrieben habe 3, 355 d. schr. a. Böhmen; so ist zum andern auch dieses [Bd. 24, Sp. 1842] mit kohlen zu u. fama austriaca (1627) 46b; etliche merckliche worte mit roter dinte u. (1702) 2, 1006c; die wenigen stücke, die ich zu behalten wünschte, habe ich mit rothstift doppelt unterstrichen 18, 232 M.; II 7, 105 W.; IV 8, 60 W.; 21, 176 W.; substantiviert: mit dem u. der zeilen sprachkunst (1748) 63; im Athenäum 3, 302. b) übertragen. in ä. spr. mit der bed. des bestätigens, bekräftigens: den glauben ... damit u. und bestetigen löwenschule (1611) 163; dieser unser herr hat uns den sichersten ablassbrief erworben, welchen der höchste notarius, der heilige geist, mit der rubricen desz bluts Christi unterstrichen catechismusmilch 7, 197. seit dem ende des 18. jahrhs. wird es für betonen, hervorheben gewöhnlich und in der gegenwart zum modewort: in der wahren prosa musz- alles unterstrichen seyn im Athenäum 1, 122; es wäre wohl in dieser lauten und doch tauben und nichtssagenden zeit, wo sogar ein erbärmlicher krieg seinen erbärmlichen frieden ausspricht und roth genug unterstreicht (durch viele blutopfer bemerkenswerth macht), der mühe werth, dasz leute sich sprächen, die sich lieben 1805 an Tieck 3, 139 Holtei; stark unterstrichene stellen beim vortrag eines schauspielers Tieck (1828 ff.) 17, 329; man musz jetzt stets die worte u., wenn man sie verstanden haben will d. schr. 518; für fehlerhaft halte ich es, diese ablehnung besonders zu u. an L. v. Gerlach 159; der erste schritt war, diese lineare mimik dadurch zu u., dasz man die gratbögen mit rippen umzog formprobl. d. gotik (1918) 91; mit ... seinen malenden, unterstreichenden, überschwenglichen gebärden war er versöhnt Eysen 1 (1900), 185; substantiviert: der goldene kern seelischer schönheit, den diese züge widerstrahlten, bedurfte nicht des unterstreichens ges. w. 8, 308; dazu unterstrichenheit, f.: nur mangelte jede u., kein bann durch das auge, kein bann durch das ohr! Overbeck u. Nietzsche 2, 134; doch in jedem raum wird sie ... für den freund einer schauspielkunst, die nicht in unterstrichenheiten verkaffern will, ... ein entdämmerndes wunder bleiben ges. schr. 5, 340. B. mit 1unter III A 2 b (inter, dis) α, δ. 2, 1805: ein frow ertichte farw understrycht rhetoric (1493) C 5a. 'mit abwechselnden farben malen' mhd. wb. 2, 2, 687b: ein edelgestein ..., welches gantz durchsichtig mit roten feurigen tüpflen unterstrichen ist Plinius (1565) 192. veraltet. —
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