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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
unterstecken bis unterstell (Bd. 24, Sp. 1823 bis 1833)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) unterstecken, v.; mhd. understecken; mnd. understeken; mnl. nl. ondersteken; dän. schwed. stikke, sticka under. selten untrennbar.

[Bd. 24, Sp. 1824]



I. zu 1stecken.
A. mit 1unter III A 1 (sub).
1) eigentlich suffigere, supponere Alberus, Stieler: gruder, das sind knaben, die stro u., wenn man mit stro seudt Mathesius Sarepta (1571) 127b; u. brennholz unter die pfanne stecken Krünitz 200, 66; vgl. unterstecker;

oder sicht, wo ein baum schwer trägt,
dasz er ein stütz im untersteckt
Fischart dicht. 3, 311, 124 K.;

dem kind eine windel u. Kramer (1702) 2, 926c; dem kranken ein becken u., daher untersteckbecken (1719) 2, 232c; hühner u. (zum brüten) Krünitz 200, 66; so es (d. geschütz) zu hoch oder zu niedrig gezielet stünde, so werden die stell- oder richtkeilen mehr oder weniger untergesteckt oder zurückgezogen v. Fleming soldat (1726) 63; stecke die manschetten unter Hippel lebensläufe (1778) 1, 303; Göthe IV 25, 42 W.; Jean Paul das heimliche klagelied der jetzigen männer (1802) 35; nicht weniger steckt der ... geier ... seinen kahlen hals unter Jac. Grimm kl. schr. 7, 490.
2) sich u., geringes obdach suchend: derjenige, der ... sich bei schlechtem wetter irgendwo gegen ein geringes schlafgeld untersteckt Göthe (1828 ff.) 28, 265. vgl. DWB unterstehen A I 3.
3) mit unterbringen, subsummieren: endlich so können sie auch hierländische stücke mit u. Sonnenfels 3, 113; die hier untergesteckten bilder v. d. Hagen br. in d. heimat 1, 94; oder einen zipfel von seinen (des mitmenschen) guten oder interessanten eigenschaften fassen und daran ziehen, bis man die ganze tugend heraus hat und den mitmenschen in deren falten u. kann Nietzsche 5, 316. untrennbar: den inhalt der zeitungen unter mitgebrachte vorstellungen zu unterstecken Poschinger L. Buchers leben u. werke 1, 161.
4) betrüglich zustecken, unterschieben, bes. von kindesunterschiebung: die ihm untergesteckte falsche schrifft Lohenstein Arm. 2, 601a; Alemannia 18, 43; die beysorge ... verbot ... zu erhärten, dasz ... der einfalt so wenig ein falscher gottesdienst als einer armen mutter für ihr kind ein wechselbalg unterzustecken ... sey Lohenstein 1, 669a; 1, 293a; 723; viel (haben) ihn für ein untergestecktes kind gehalten Ibrahim sult. H 5a. veraltet.
5) unterstechen α β, unterstecherei entsprechend, in mannigfaltiger abwandlung der grundvorstellung. wie mnd. understeken verbergen: wenn ein ansehnlicher theologus ... seine affecten von jalousie, spötterei, zorn und rachbegierde gar nicht untersteckt J. P. Weise ungezwungene heimleuchtung (1747) 47; taschenspielerisch verschwinden lassen (vgl.kaarten ondersteken westfläm. de Bo-Samyn 671a): die gläser, stecknadeln und messer hätte sie durch geschwindigkeit so gegauckelt und untergesteckt, dasz ... anabaptisticum pantheon (1702) 1, 156; unauffällig einordnen: ich glaube, er hat sie (bestimmte schriften) untergesteckt Liscow (1739) vorr. 21; abstracter: durch undergesteckte (heimlich u. verrätherisch gewährte) hülff Dreyfelder hist. des hauses Est (1580) 294a; subornare: wenn aber auch allhier der adler, die gansz und die aglaster keine untergesteckte oder abgerichtete vögel gewest wären, schiene doch ... Lohenstein Arm. 2, 1365b. veraltet.
B. mit 1unter III A 2 (inter, dis).
1) abgrenzend unterpfählen Fischer schwäb. wb. 6, 252. veraltet.
2) mit 1unter III A 2 a γ, b δ:

der nahe weinstock beut die braunen trauben dar,
mit weiszen untersteckt
P. Fleming d. ged. 1, 166 L.;

sonst nur trennbar: da steckte er mich mit unter bei der ... mittagstafel E. M. Arndt (1892) 1, 128; mit abstractem object: ich habe einige besondere casus ... unter die vorigen gleichsam untergestecket J. S. Hahn würkung des wassers (1749) vorr.; der dritte betrug dieser art ist, dasz unsere betrügliche hertzen sich immerzu bemühen, heimlich etwas böses mit underzustecken, wenn wir etwas gutes würcken und verrichten Dyke nosce te ipsum (1638) 420.
besonders militärisch; 'u. wird von den soldaten gesagt, welche unter die unvollkommenen compagnien oder regimenter gestecket werden' Spanutius (1720) 491; reformiren ..., abdancken, u. Sperander (1727) 564a; in

[Bd. 24, Sp. 1825]


supplementum copiarum distribuere, milites legione dissoluta in alias legiones vel cohortes distribuere Apinus (1728) 547; u., unterstoszen, incorporer Fäsch (1735) 264a; Eggers 2, 1259; Jacobsson 8, 58a: (ein kriegsfürst musz) verdächtige personen und die vom feinde ubergefallen, u. oder in fall der noth bey seit schaffen Mengering kriegsbelial (1633) 30; hierauf ... wurde die darinn gelegne mannschaft unter die frantzösische compagnien untergestecket S. v. Birken verm. Donaustrand (1684) 204; die übrigen bahten umb gnade, wurden auch aufgenommen und dermaszen untergestekt, dasz ihrer nicht zween bei einander blieben Buchholtz Herkules (1666) 1, 899; Chemnitz schwed. krieg 2, 40; Kramer (1702), 2, 926c; verabschiedet sind sie? so höre ich. ich glaubte, ihr regiment sey blos untergesteckt worden Lessing 2, 237 M.; die republik habe ... die ... missethäter bey ihrem kriegsvolk untergesteckt Wieland Lucian 1, 276; Schiller 8, 330 G.; Bismarck polit. reden 1, 341 K.; mit in und dativ: er bat den könig sogar, jene polnischen flüchtlinge ... einfach im preuszischen heere unterzustecken Treitschke d. gesch. im 19. jahrh. 2, 323. ähnlich von mönchen: durch liederliche wirthschaft ... kamen manche klöster derart herunter, dasz die mönche ... in andere klöster untergesteckt wurden Raumer Hohenstaufen (1823 ff.) 6, 358. von einer provinz: eine, die zu klein ist in dieser hinsicht, könnte leicht untergesteckt (mit einer andern vereinigt) werden Schleiermacher I 5, 604. und so noch von andern nichtmilitärischen verhältnissen: in diesem irrenhaus werden nicht blosz die geisteskranken, sondern zuweilen auch die unbequemen, die man nicht mit nach Sibirien schicken kann, ... durch einen gefälligen polizeiminister untergesteckt Hebbel I 12, 211 W.; die griechischen inseln ..., wo die römischen zollpächter ... die gefangenen unter ihr sklavengesinde untersteckten Mommsen röm. gesch. 2, 76. ungewöhnlich in untrennbarer verbindung: unter diese (unmäszigen) waren jene unterstecket worden, welche ... Lindenborn Diogenes (1742) 2, 740. sich in ein fremd volk (bei auswanderung) u. Fr. L. Jahn (1884) 2, 726 (unüblich).
3) nach 1unter III A 2 a ende, b ε: die arme hat H. hoch untergesteckt Lichtenberg verm. schr. (1800) 3, 214. ungewöhnlich.
II. zum intransitiven 2stecken: zu keinem orte, wo kein gold oder silber unterstecket Lindenborn Diogenes 1, 475; es steckt hexerei mit unter Sachs-Villatte.
 
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unterstecker, m., zu unterstecken I A 1: der u. 'beym salzwerk im Hall, der holz unter die pfanne steckt' Frisch (1741) 2, 325c; Adelung; Krünitz.
 
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untersteckung, f., suppositio, subornatio Stieler 2160; u. eines hebels Sachs-Villatte; understeckung der soldaten ebda; nach unterstecken I A 4: wormit ich mich der u. frembder kinder befreyete Lohenstein (1680) blumen 3b. mnd. understekinge unterstecherei. nl. ondersteek, -stekinge.
 
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unterstehen, v.; ahd. untarstandan; ags. understandan, engl. understand; afries. understonda; an. undirstanda, mdän. understande, mschwed. undirstanda, dän. understaa sig, schwed. underst sig; mhd. understên, -stân; mnd. understan, mnl. onderstan; nl. onderstaan. zu den formen s. DWB stehen.
A. mit 1unter III A 1 (sub).
I. trennbar.
1) darunter stehen: item 10 scot an 1 sch., den slossteyn zu wegen, von der last 1 sch. item 10 scot an 1 sch., undirzusten (dasz er unten platz finde), ouch 1 sch. von der last Marienb. treszlerb. 174, 29 J.; mit unterstehendem zeichen gemerckt oder bezeichnet Hulsius (1618) 2, 364b; in ein unterstehendes fasz fallen Prätorius katzenveit (1665) H 1b; in der unterstehenden anmerkung allg. d. bibl. 5, 24; heute unten oder darunter stehend; doch man trennt diese (schicht) von der unterstehenden flüssigkeit Karmarsch-Heeren 23, 182. westfläm. onderstaan unter wasser stehen de Bo-Samyn 670b. auch die unter II 2 behandelten verbindungen sind in Österreich trennbar.
2) sich darunter stellen (stehen II A 13): also so der könig auff sein pferd wolt steigen, so mst V. understehen

[Bd. 24, Sp. 1826]


und sein ruck dem barbaro underhalten S. Franck chron. Germ. (1538) 33a. veraltet.
3) unter ein obdach treten, unterkunft, schutz, deckung findend; vgl. DWB stehen unter, stehen II A 13 d η; underston, als im rägenwätter under ein tach oder boum, subsistere tecto, substare Maaler 458b; gemma (1508) B 1 a (über die vieldeutigkeit der glossierung subsistere, substare s. mnl. wb. 5, 426 II). Heynatz antibarb. 2, 536 verlangte dafür untertreten:

wer sie (die trinkerseele) so offt nit untergestanden,
so sulch grosz platzregen synt kumen ...,
sie wer vor zehen jarn ertruncken
H. Folz v. e. füller in fastnachtsp. 3, 1211 K.;

wann regenwetter vorhanden und der hahn mit der hennen in demselben ungescheuet herumblaufet und nicht unterstehet, so ist es ein zeichen, dasz es mehr regnen ... werde Gockelius d. eierlegende hahn (1697) 14; ich stand unter Schubart leben 1, 190; Pichler gesch. a. Tirol 1, 24; unter einer haselstaude u. Stifter 5, 1, 284; sprichwort: wenns glück regnet, steh ich unter Schellhorn (1797) 155; Kirchhofer schweiz. sprichw. 156; Wander 4, 1482; Alemannia 25, 27; wos verstand geregnet hat, ist er untergestanden Fischer schwäb. wb. 6, 252; dasz ihr net unterstandet zu kurz kommt; u. unter die traufe kommen ebda.; auf einem Donauschiff u. G. Keller 6, 92; deckung im kampfe suchend: nur dem feigen ziemts, bei der ersten besten gelegenheit sich zurückzuziehen und unterzustehen Hippel (1827 ff.) 7, 187.
II. untrennbar.
1) sich unter etwas stellen,
a) um es zu halten, auszuhalten, dann in seinem zustande zu erhalten; mhd. wb. 2, 2, 585b; mnd. wb. 5, 36a; suscipere Frisius 1278a; sustinere Reyher (1686) O 2a:

der ist eyn narr, der tragen will,
das im uffheben ist z vil,
und der alleyn will underston,
das er selb dritt nit möcht getn.
wer nymbt die gantz welt uff syn rück ...
S. Brant narrenschiff 24, 3 Z.;

die Iranier unterstanden den angriff Görres heldenb. v. Iran 1, 189; ungewöhnlich. leiden de Bo-Samyn 670a. erhalten:

dann gott, der mich erschaffen hat,
den wil ichs lassen walten,
der alle ding understadt Körner hist. volkslieder (1840) 55. veraltet.


b) um es zu stützen, woraus sich denn die übertragene bed. helfen, fördern ergibt; Jelinek 757; mnl. wb. 5, 424 I 2; Schmidt els. wb. 375a:

dan grose händel unterstehn (unterstützen)
würd so wol globt, als sie begehn
Fischart glückhaft schiff 681 H. veraltet.


c) etwas auf sich nehmen als gegenstand, aufgabe, ziel der bethätigung; seltener von personen als object. die sinnliche grundvorstellung, der von hinterstehen Schmeller 2, 714, ahd. hintarstandan Graff 6, 605 verwandt, ist noch zu erkennen: dasz elector pal. ... sich groszer dinge unterstehe, so er nicht heben könte quelle (1575) bei Haltaus 1959. vgl. sich untersetzen, untersetzen A II 2 b. die constructionen und verbindungen entsprechen denen der hauptsynonyma (unterwinden, -ziehen, -nehmen, -fahen, -fangen), die entscheidend eingewirkt haben. unterstehen ohne sich (zur herkunft s. sich unternehmen sp. 1697 f.) veraltet im 17. jahrh.; die casus schwanken wie bei unternehmen; dativ: ich unterstund mir nicht, darnach zu fragen Hippel lebensl. (1778) 1, 22; wenn du dir das je unterstehst A. v. Arnim 1, 61 Gr.; untersteh dir das nich! obers. wb. 2, 602a. accusativ (nach sich unterwinden, -ziehen, vermessen, erdreisten, -frechen, -kühnen; vgl. mich unterfahen und understen sp. 1543 mitte; sich erdreisten und u. Schütz th. 3, 778, 2): Berthold v. Regensburg 1, 316, 11 Pfeiffer; passionssp. a. Tirol 346 Wackernell; unterstehe dich doch nur nicht solcher dinge Chr. Reuter Schlampampes krankheit u. tod 138; was unterstehst du dich? Kramer (1702), 2, 943b; das werde ich mich nimmer u. Schiller 14, 207 G.; das untersteh dich! Shakespeare 6, 119; obers. wb. 2, 602a. sonst ist der casus meist unerkennbar.

[Bd. 24, Sp. 1827]



α) auf sich nehmen, sich einer sache annehmen, sich womit abgeben, beschäftigen, anschicken, sich woran machen, etwas besorgen u. s. w. in ä. spr. ohne sich:

vil weger ist nüt understan,
dann mit schad, schand, gespöt ablan
S. Brant narrenschiff 15, 29 Z.;

Petri K 7a; 'ich will suchen helfen' ... 'nicht unterstanden! keinen griff auf die erde'! Gutzkow ritter vom geiste (1850) 5, 221; mit genitiv: wer des ampts untersthet, unterwindet sich des, quod vult esse Christus Luther 29, 612 W.; des kriegs unterstan H. Sachs 8, 230, 30 K.; m. acc.: einen ferren weg understan pilgerfahrt d. tr. mönchs 2188 B.; Breidenbach reisen g. Jerusalem (1486) 44b; er understat wäg und stäg, sich umbzebringen Frisius 1157a; so du dein fleis mit im understast (wenn du dir die gehörige mühe gibst), würst du in bald von seinem fürnemen abwenden Wickram 2, 130, 10 B.; ob das geschicht, ist kain tag als unträgenlich, an dem on ain tach (sub divo) nit etwas understanden werden müg Österreicher Columella 1, 48 L.; unterstandene verhinderung Sattler phraseolog. (1631) 474;

kan jugend disz, was wird das alter unterstehn?
Gryphius trauersp. 528 P.;

m. infinitiv: dorin (bei untersuchung wegen amtsvergehen) sol in der sitzend rat untersten zu verteydigen stadtrecht von Leutenberg § 56 Michelsen; dem spitalmeister sagen, etlich betstat in dem pestilentzhusz understeen zuzurichten (1496) Bücher frankf. berufswb. 119b; Bauer-Collitz 179; kurzweil ...,

drin er müst alweg understan (gefahr laufen),
zu gewarten grosz gfärlicheit Teuerdank 273, 35 G.;

doch ist es nutz und bequem, dasz man oftmals understand, den harn zu lsen Ryff spiegel d. gesundheit (1544) 84a. veraltet.
sich u.; mit gen.: wellicherlei arbait er sich understund (1464) Lori bergr. 91; Luther 10, 3, 269 W.; ich habe mich auch dieser sache nicht aus frevelm mutwillen ... unterstanden 5, 42b Jen.; understand sy sich der mindern pflg, minoribus aratris utuntur Österreicher Columella 1, 65 L.; sich der wunden, artzney, auszlegung, des raths, hawens, urfars u. s. w. u. Paracelsus chir. (1618) 1; Gäbelkover arzneib. (1595) vorr. A 3a; Paracelsus 2 (1616), 376; Spangenberg Saul 2508 Martin; Agricola-Bech bergwerkb. (1621) 26; österr. weisth. 11, 720; ob aber bei uns Deutschen so bald jemand kommen möchte, der sich eines volkommenen heroischen werckes u. werde, stehe ich sehr im zweifel Opitz poeterei 22 ndr.;

die keiner groszen that sich freudig unterstehn
Uz 2, 111;

variante:

allein weil jedermann den seinen (kopf) höher schätzt,
will des verdiensts sich niemand unterstehen

später:

hat niemand lust, das schuszgeld zu verdienen
Wieland Oberon 4, 53, 4; 23, 143 Gruber.

sprichwörtlich: keiner sol sich des unterstehen, das er nicht hinaus fren kan Fr. Wilhelm sprichw. reg. (1577) C α. mit undeutlichem gen.: ich wil michs unterstehn H. Sachs 21, 123, 13 G. m. acc.: wer sich auf ein mahl viel sachen unterstehet ..., der richtet selten fleiszig aus, was im befolhen ist Mathesius Sarepta (1571) 151b; jedoch wird dieses nicht darumb gesagt, einem das hertze zu benehmen, sich etwas rechtschaffenes zu u. Butschky Pathmos 12. m. inf.: etlich ..., die sich unterstunden (erboten), kuntschaft zu geben städtechron. 2, 267;

damit (m. den sicheln) wöllen wir beid morgen früh
uns understahn (daran machen) ernstlich zu schneiden
B. Waldis Esopus 1, 158 K.;

wo der teuffel nicht kan hinkommen, da understehet er sich sein mutter hinzuschicken Duez (1646) 433. veraltet.
β) veraltete besonderheiten von α. im kampfe bestehen: ob ieman da were, der disen man welte understan, mit im z vechten Stretlinger chron. 8 B.; so will ich mich sein (des bären) understan Teuerdank 48, 13 G.; sich

[Bd. 24, Sp. 1828]


eines u. (sich seiner bemächtigen) Götze frühnhd. gl. (1920) 217b; sich der abenteuer, der not u. Teuerdank 115, 42 G.; b. d. liebe (1587) 84b;

der zickel und der jungen schwein
muszt ich (d. wolf) mich unterstehn allein
Eyering (1601) 1, 327.

sich u. mit gen. der sache 'mit beschlag belegen' österr. weisth. 10, 44, 34; 'sich aneignen' 1, 425a; mit präpos.: welche sich mit dem fürkauf und burgerlichen gewerb understehen wolten 6, 173 (1662). 'übernehmen, antreten, beanspruchen': wie A. sich des künigreichs understund erste d. bibel 5, 469, 25; und auch sunderlich verschrib sich der hertzog R. gegen der lantschaft, dasz er ... sich weiter weder schlos noch stat understen wolt Füeterer bayr. chron. 235; das s. g. sich der sieben dörfferlehen allein unterstehet Luther 4, 315b Jen.; in demselben hat Octavianus ... sich der herrschaft z understän ursach genumen Schwarzenberg Cicero (1535) 18b; M. Antonius und L. Commodus unterstunden sich des regiments zu gleichem theil Faber Saxonia (1563) 50a.
wie sich einer frau unterwinden: sich eines weibes u. quellen z. gesch. d. bauernkriegs 1, 215 Baumann; zimmer. chron. 4, 146, 12 lit. ver.; so unterstehet er sich einer Römerin b. d. liebe (1587) 125b; darumb so unterstehet euch ihr und des königreichs 272a; Lexer 2, 1804; Fischer schwäb. wb. 6, 253; ähnlich: es erstickt kein mausz under einem hewhauffen, sprechen wir, so sich ein klein weiblin eins groszen mans understeht S. Franck sprichw. (1541) 2, 149b.
γ) sich bestreben, bemühen, versuchen, wollen, mögen; niti, conari gemma (1508) z 2a; intentare, machinari Alberus A 3b; ex summis opibus viribusque usque experire, understand nach allem deinem vermügen Frisius 491a; attentiren Sattler phraseologey (1631) 495; Spanutius (1720) 137. ohne sich: aber ich sprich, das man vil mer sol understeen durch gte werck und übung der tugenden, das man überkumm dise grosze und übertreffenliche fröwd, weder das man fast davon wöll disputiren Keisersberg schiff d. penitenz 117b; mit inf.: welche understond reich z werden, fallen in anfechtung, in den strick des tüfels 105a;

ein junger zwyg sich biegen lat;
wann man ein alten understat
z biegen, so knellt er entzwey
S. Brant narrenschiff 6, 18 Z.;

Luther 26, 212 W.; also understadt die kunst hierinn der natur z folgen Ryff anatomi (1541) K 1a; Paracelsus 1 (1616), 198 A; der understadt mich do zwingen ztrinken Th. Platter 81 Boos;

der kaiser Karol unterstund
dreligion zu vertreiben rund,
wo er nur könnte die betreten,
that aber sich in unglück wetten
Opel-Cohn dreiszigjährige krieg 52;

derohalben hab ich solchen zu helffen unterstanden Spee trutznachtigall (1649) vorr.; unser autor unterstehet solches viel kürtzer ... zu thun Grimmelshausen 4, 505, 25 K. bisweilen rein phraseologisch werdend: wollen wir ... solches von den ungehorsamen u. einzubringen reichstagsabschied 1521, 36. veraltet.
sich u.: uff die mausz understnd sy sich (nituntur) mit der gantzen grösze des libs Österreicher Columella 1, 65 L.; mit präpos.: die ding, darnach er sich unterstünde Hedio Comines 145; spötter ..., die sich selbst vielleicht zu nichts unterstehen Kormart Polyeucte (1669) A 7b; mit gen.: ... understuend er sich ... güetlicher handlung Füeterer bayer. chron. 227;

eins mals Artus betrübet wart
von hertzen gar unmutig hart,
das ihn nyemandt getrösten kund,
wie hoch man sich des understund
J. Ayrer 1, 262, 9 K.;

alterthümelnde nachahmung: man sagte mir, es vermögte niemand dieses grab aus vorwitz oder mit fleisz, wie hoch er sich desz unterstünde, zu finden br. Grimm d. sagen (1891) 1, 127;

der teuffel understand sich dessen!
Fischart Eulenspiegel 3676 H.; veraltet.

[Bd. 24, Sp. 1829]


m. inf.: und dardurch so understaund sy sich fürbas, den selben vogel zu paissen Mynsinger von falken 12 lit. ver.; die groszen Hansen untersthen sich das zu dempfen Luther 27, 438 W.; 24, 72 W.; ein jeder das beste (im turnier) z thn sich understnde mit gantzem vleisz Warbeck Magelone 9 B.; wer hat gröszeren streit und kampf, denn der sich unterstehet sich selbst zu uberwinden? Arndt nachfolge Christi (1631) 5; Micrälius Pommerland (1640) 1, 18; Gryphius trauersp. 236 P.; der wolf unterstunde sich ..., eine schrift unten an desz pferds huffeysen zu lesen Lehmann florileg. (1662) 2, 840; diejenige, welche sich unterstunden, ihre ideen über die meynungen des pöbels zu erhöhen, wurden verketztert Wieland I 1, 5 ak. ausg.; auch hätte ich mich niemals unterstanden, sie (d. arbeit) für irgend einen herrn zu unternehmen Göthe 44, 271 W.; wer untersteht sich denn humor zu haben (mag denn noch h. h.), wenn er die unzahl von verantwortlichkeiten gegen sich selbst und andere erwägt, die auf ihm lasten? gespräche 5, 90 B.;

ich werd mich unterstehn, euch das zu wehren
Schiller 14, 283 G.;

mit innerlich abhängigem satz oder satztheil:

weyl der satan sich undtersteht,
als ein grimmiger löw umbgeht
H. Sachs 1, 354, 29 K.;

so wolt er sich understan und den Walchen dartzu bringen Fortunatus 10 ndr.; mit dasz: sie (d. trägen menschen) understond sich nit, das sie got wöllen dienen Keisersberg baum der seligkeit 35b; phraseologisch: dise wird underston alle ougenblick die erlüchte conscientz uszzleschen bilgerschaft 14a; das ich ynn sonderheyt an euch, meyne lieben herrn Deutsches ordens, mich zu schreyben unterstanden habe Luther 12, 232 W.; sich ... solcher ... ordnung ... nach gelegenheit unterstehen zu vergleichen reichstagsabschied 1529 32; nun laszt uns, wann es euch gelust, ein versuchens understehen, was underscheyds sey zwischen ... Fischart Garg. 225 ndr. aus der bed. des versuchens flieszt die des auf die probe stellens, untersuchens, prüfens (besonders im nl. entwickelt, aber auch mhd. mit ernstes vrâge understân, durch waʒ ... mhd. wb. 2, 2, 585b, 28): darumb soll man betrachten, was der natur möglich sey, damit sie nicht weiter, dann gebürlich sey, understanden werde Paracelsus chir. (1618) 34 A; darumb solichem ubel z empfliehen, ist vor allen dingen not, dasz iettlicher mensch understand mügliche mittel, schaden z vermiden Eberlin v. Günzburg 1, 164 ndr.; veraltet.
im gs. zum ausführen: wie er denn unterstunde, aber nicht nach seinem willen ergehen mocht b. d. liebe (1587) 258a; alle die thorheiten, fähler, sünd und laster, die ich ... von andern gesehen und gehöret, nicht vorgenommen, noch unterstanden, viel weniger vollbracht worden wären Grimmelshausen vogelnest 2, 455 K.; selten umgekehrt: da wir uns selbsten nicht zu helffen begehren, noch versuchen, viel weniger understehen Schill ehrenkranz (1644) 6. veraltet.
δ) wie unterfahen I 3, -fangen I 5, -nehmen B I 7 wagen, sich erdreisten, erfrechen, erkühnen, vermessen, sich anmaszen, herausnehmen u. dgl. mit dem nebenbegriff des vorwitzigen, unberechtigten, ungehörigen, frevelhaften, trotzigen, leichtfertigen u. s. w.; mhd. wb. 2, 2, 586a, 3 c; mnd. wb. 5, 36a; mnl. wb. 5, 425; uber sein vermögen underston ... maiora viribus audere Maaler 458d: alles, was sich untersthet (aufwirft) zum helfer fur gott Luther 34, 1, 18 W.; verklg du mit worten dinen rat, wie du willt, so ist er dennoch vergeben, mit frefel understanden Zwingli d. schr. 1, 217. m. gen.: sy haben sich understanden grausamer schalckhait A. v. Eyb spiegel d. sitten (1511) N 5a; so wir underston und unsz annemen deren ding, so unsz nit befolhen sind Keisersberg schiff d. penitenz 50a; Korah und seine rotte, so sich widder ihn emporeten und seines ampts und priestertumbs unterstunden Luther 28, 130 W.; wer sich der namen (deus, dominus) unterstehet, der lestert got 11, 57 W.; Faber Saxonia (1563) 201b; potentiores ... unterstehen sich ungerechter, verbottner ding Lehmann florileg. (1662) 1, 128; ich unterstehe mich dessen nicht, ich

[Bd. 24, Sp. 1830]


unterstehe michs nicht für mich allein Kramer (1702) 2, 943b; dessen mich zu u., sollte mich nicht hindern Wieland 18, 30 Gr.;

wie durft er des frevels sich unterstehn,
sie aufzuwecken? 4, 65 Gr.;

ich unterstehe mich dessen nicht Adelung; innerlich wird er (der volkshasz), wenn ein volk sich einmal des frevels unterstanden hat, seine nachbarn unterjochen zu wollen E. M. Arndt (1845) 1, 367;

vergib, dasz ich des worts mich unterstanden
Lenau 620 B.


m. acc.: was unterstehet sich der arme? prediger Salom. 6, 8; Luther 5, 146b Jen.; sich ein fehrlich raysz u. H. Sachs 17, 112, 19 G.; Fischart Eulenspiegel 11998 H.;

o! dörfte sich mein kiel die kühnheit unterstehn,
was mich bezaubert hat, ausführlich durchzugehn
Gottsched gedichte (1751) 1, 376;

ihr untersteht euch doch viel, dasz ihr von freundschaft sprecht Klopstock gramm. gespräche (1794) 35; wie hat er sich das u. dürfen? sie in den thurm gebracht? Tieck (1828) 2, 138. m. inf.: ich lig noch vor der stat L. zu fehd, aber noch in zwayen oder dreyen tagen wollen wir die mit der hilff gots understen zu sturmen privatbr. d. m. 1, 195 St.; und unser gesind rumpft sich auch darab, wenn wir es underston also z regieren Keisersberg bilgerschaft 103d;

wer understat mit gott z rechten
und im ein stroen bart wil flechten ...,
wer weiszt, wie lang ers lyden wil?
Murner narrenbeschw. 11, 1 ndr.;

ohne sich auch Alberus fabeln 146 ndr.; Kirchhof wendunmuth 2, 14 Ö. sich u.: wie darfstu, stinckender madensack, so keck seyn und dich underston, Christum erst rayn zu machen gegen seym vatter? Luther 15, 770 W.; ein mann, der so schlieszen kann, untersteht sich von der kunst zu schreiben Lessing 10, 261 M.; 3, 58 M.; darf ich mich ... u. ... zu fragen, was ihnen ... fehlt? theater d. Deutschen (1768 ff.) 5, 360; ich wollte, dasz sich einer unterstünde mir es vorzuwerfen Göthe 19, 106 W.; Schiller 3, 462; 14, 183 G.; du elende göhre unterstehst dich, das arme, hilflose kind aufs maul zu schlagen? G. Hauptmann bahnwärter Thiel 21; mit undeutlichem acc. u. mit inf.: eines tages, als er sichs unterstanden, dem zögling eine ... züchtigung angedeihen zu lassen v. Polenz Grabenhäger 1, 233; mit innerlich abhängigen satzbestimmungen:

so solt niemen understan,
kein hervart varn noch reisen
H. v. Sachsenheim Altswert 5, 10 K.;

was herr? er will sich unterstehn,
und hier sein hocuspocus treiben?
Göthe Faust 2306;

er untersteht sichs und geht fort obers. wb. 2, 602a. pleonastisch: unterstehet manches fluchmaul, sich zu vermessen, der donner oder hagel soll es erschlagen Hartmann fluchspiegel 59.
rechtssprachlich; underston ein bösen tuck ze thn, anhelare scelus Maaler 458c; sich trotzlich, vermessentlich, leichtfertig u. Sattler phraseolog. (1631) 377: ap sich ymande ... personlicher fehde undersloen (l. stoen) ... wurde (1452) lehnsurk. Schlesiens 1, 430; wer des bösen stücks so unterstanden Span speculum juris metallici (1698) 106; der hat sich gerichts understanten (in gerichtssachen eingegriffen) und hat verwandlet (verwirkt, zu bezahlen) einen thaller (1717) österr. weisth. 11, 69. m. acc.: ob dieselbig person dergleichen missethat vormalls geupt, understanden hab Carolina 25; straff understandner missethat 178; so soll, der ... verdächtig zu machen unterstanden wäre, macht haben, den, so ihn ... verdächtig zu machen unterstanden hätte landfrieden 1521 7, 4; das sie die bürger von A. understanden han daran zu hindern mit gewalt, wider recht, also als sie kein recht dazu han weisth. 6, 74; niemand soll sich unterste(c)hen küe, ochsen ... zu treiben österr. weisth. 10, 206, 34; Lori bergr. 301. veraltet.
am meisten heute noch in scharfem verbot, in drohung, abmahnung, warnung üblich:

[Bd. 24, Sp. 1831]


er untersteh sich doch und las sich merken das,
bekommen soll es ihm gleich wie dem hund das gras! Reinicke fuchs (1650) 59;

angegriffen? von meinen söhnen? — sie sollten sich u.! Engel (1801) 2, 266; das sollt er sich u. Beer (1835) 442;

aber unterstehe dich nicht, Agamemnon, im schiffe
wider meinen willen an meine habe zutasten
Stolberg (1820) 11, 20;

was unterstehn sie sich? Göthe 17, 234 W.; H. v. Kleist 1, 388 Schm.; Holtei erz. schr. 19, 50; Deinhardstein 4, 286; Laube 14, 28; untersteh dichs Z. Werner Luther (1807) 4; dasz ihr euch das nicht nochmal untersteht Varnhagen tageb. 3, 438; Fischer schwäb. wb. 6, 253; Hügel Wiener dial. 176; obers. wb. 2, 602a; unnerstao di maol! Danneil 232a; Woeste westf. 281b; Bauer-Collitz 108a.
ε) während die umgangsspr. heute auf sich unterfangen, unterwinden, erdreisten, erkühnen, erfrechen, vermessen verzichtet, bevorzugt sie u. bes. in dem δ ende belegten gebrauche. die schriftspr. folgt darin, ohne auf ausgedehntere verwendung zu verzichten; zu unrecht ist u. von Heynatz antibarb. 2, 536 guten schriftstellern abgesprochen. die ä. spr. machte kaum synonyme unterschiede: underston, zehanden nemmen, underwinden, fürnemmen Frisius 301a; Fischart Eulenspiegel 2264; 2267 H. zum heutigen gebrauch: Weigand syn. 3, 799; 891; Eberhard-Lyon 16 859.
2) unterliegen A II b entsprechend, unterstellt sein; in ä. spr. (österr. weisth. 6, 493, 13; vgl. mnl. wb. 5, 423, 1) und im österreichischen trennbar, in n. gemeinspr. durchaus wie unterliegen untrennbar: achten (achtens) solle allen auch jeden hintersässen und unterthanen ... auferladen sein ..., (nicht) andern lantgerichtsobrigkaiten ... underzustehen (Millstatt, 17. jahrh.) österr. weisth. 6, 493, 13; 'im österreichischen sagt man auch: welchem gericht steht er unter? statt: unter welchem gericht steht er?' Heynatz antibarb. 2, 586; einem gerichte unterstehen, anstatt untergeben seyn Nicolai reise 3, 378; er untersteht den ordentlichen gerichten M. Heyne; mit allmählicher erweiterung des gebrauchs in die schriftspr. übergegangen: binnen vierzehn tagen entliesz mich der kammerherr, dem das herzogliche schauspiel unterstand, aus meinem engagement Holtei erz. schr. 36, 246; besonders wird vorgesehen, dasz die vier statthalter ... auch dem minister u. Ratzel völkerk. 2, 202; die obdachlosen ... werden in einigen der gefängnisverwaltung unterstehenden unterkunftsräumen untergebracht handwb. d. staatswiss. 52, 1009; ein ... weiblein, welches ganz ihrem mann unterstand Kürnberger novellen (1861) 2, 217; der frau untersteht das ganze hauswesen G. Hansen bevölkerungsstufen (1889) 221; ich lasse mir eure behandlung nicht gefallen, weil ich euren anordnungen nicht unterstehe Ebner-Eschenbach 1, 99; das untersteht keinem zweifel Scherr Blücher (1862) 2, 482; Heyne; nun unterstehen die matrikularbeiträge der einnahmebewilligung des reichstags Bennigsen nationalliberale partei (1892) 120; der versteigerung, dem einflusse jemandes u. Sachs-Villatte. schief: die zulassung von militärpersonen in A. ... untersteht (steht zu) dem preuszischen 8. armeekorps v. Alten handb. f. heer u. flotte 1, 1.
3) t. t. das papier musz sich u. (stehen, so dasz die feuchtigkeit ganz nach unten durchzieht) Franke katechismus der buchdruckerkunst (1856) 100.
B. untrennbar mit 1unter III A 2 b (inter, dis) in durchweg veralteten bedd.
1) dazwischen tretend versperren: ich han dir den wegk als dick understanden der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 3b.
2) hindernd, wehrend, sich widersetzend dazwischentreten (sp. 1486; vgl. sich eines dinges untersetzen, untersetzen B 2): untarstantit resistit ahd. gl. 1, 240, 15; mnd. wb. 5, 36b: und obs yemand widdersprechen wolt, wie die juden sich widder Christus wunderzeichen unterstunden, so hats doch keinen bestand Luther 26, 150 W. (oder zu widersprechen sich vermaszen?).
3) verhindern; mhd. wb. 2, 2, 585b, 2; Lexer 2, 1804; mnd. wb. 5, 36b, 2; Fischer schwäb. wb. 6, 252, 2 a; Schmeller 2, 714; abstellen österr. weisth. 1, 425a; Egger gl. 940a: und die (vom rat) suln ... den krieg befriden

[Bd. 24, Sp. 1832]


und understene bei ir aiden, so si peste mügen Nürnberger polizeiordnungen 34 Baader; aber die herren von dem landt unterstuenden das, wolten das nit geschehen lassen Füeterer bayer. chron. 263; Keisersberg granatapfel (1510) C 2c;

nu wil ich zu Rosina gan,
den hader allen unterstan
H. Sachs 7, 110, 7 K.;

so kan man doch nit unterstan
gottes ordnung, die musz ergan 8, 52, 9 K.;

nachklänge bei Görres und Honcamp (Sanders 2, 1166a).
4) weg underste(c)hen neue wege unterlassen österr. weisth. 11, 720b. vgl. mhd. understân lâʒen anstehen lassen (im streit); überhoben sein:

wer der weiszheit nach ist gehn,
der mag vil unrhats unterstehn
H. Sachs 19, 326, 23 G.


5) entstehen, intercedere: und dieser ursach halben understunde under ihnen ein groszer zwiespalt Amadis 1, 94 K. bestehen: volkommner got, volkommner mensch, aus vernunftiger red und menschlichem flaisch understend quelle des 16. jahrh. in Pfeiffers Germania 36, 264.
6) verstehen (sp. 1486, 1unter III A 2 b γ; mnl. wb. 426, 7; mnd. wb. 5, 36b, 3; Bosworth-Toller 1100a; Murray 10, 1, 147; Richthofen 1100b):

darumb msz ich myn buch zerlachen,
das er die sach wil underston
Murner narrenbeschwörung 2, 36 ndr.;

so wohl auch: wie mir biszher alle gelert haben und understanden Luther 12, 514 W.; understanden scilicet Wickram rollwagenb. 103, 21 K.
 
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unterstehen, n., substantivierter inf. zum v. unterstehen A II 1 c; propositum, institutum, conceptus mentis, destinatio animi, conatus, molimentum, machinatio Alberus t 4a: dein unvernünftigs, unerlichs underston Murner adel 8 ndr.; darumb ist nun forthin mein understehn und fürnemmen, den grundt ... zu beschreiben Paracelsus (1616) 2, 317; Amadis 1, 315 K.; die kühnheit des unterstehens neuentlarftes Rom (1672) 40; Hohberg georgica (1682) 2, a 2; J. G. Neukirch anfangsgründe z. t. poesie (1724) 833;

herr! strafe doch an mir diesz unterstehen nicht
Gottsched gedichte (1751) 1, 377;

1, 287; sammlung v. schausp. (1764) 1, 103; das ist ein u., worauf das tollhaus oder das zuchthaus stehen sollte A. v. Humboldt br. an Varnhagen (1860) 11; Varnhagen Rahel 1, 10. veraltet.
 
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unterstehung, f., dasselbe wie das vorige wort, noch früher veraltet als jenes; contentio Frisius 320a; incoeptum 673a; contention, effort Roth (1572) D 8a; Sperander (1727) 222b; ausus, conatus, molimen Steinbach (1734) 2, 681: dann die rechtes gelehrte Ulpianus und Labeo verstehen arglistige gefährd für alle listigkeit, betrug und understehung, die einen zu hinderschleichen, anzusetzen und zu betriegen wird furgenommen Beuther praxis rerum crim. (1565) 158a; in understehung newer sachen Wurstisen Arnoldi Ferroni hist. (1572) 1, 31; gefährlicher understehung halber Amadis 1, 31 K.; durch allerhand schwere und gefährliche unterstehungen Francisci traursaal (1672) 3, 585; schau- u. ehrenplatz (1684) 16; eine grosze u. Kramer (1702) 2, 943b.
 
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untersteifen, untrennbares v.; nl. onderstijven; zu steifen 1 b: die aufsteckung an solchen kleidern ist auch unterschiedlich, gestalt der schurtz ... mit groszen nadeln hinten aufgestecket, auch mit untergelegten starken papier untersteiffet wird Amaranthes frauenzimmerlex. (1715) 1205; allgem. haushaltungslex. (1749) 2, 261a. zu steifen 3 a: u. s. v. a. absteifen Mothes baulex. (1882) 4, 396. —
 
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untersteigen, v.; mhd. understîgen, tendere in occasum, von gestirnen K. v. Megenberg sphära 9, 5; welches glass voll kaltes wassers gefüllt ist, die untersteigende (unten aufsteigenden?) dämpfe vom helm in das zinnen rohr darmit abzukühlen Sebiz feldbau (1579) 438; steigend sich unter etwas begeben Campe; bildlich du must u. 5. Mos. 28, 43; unüblich bis auf die terminologische verwendung in der musikalischen composition: noch ist merkwürdig, dasz diese beiden tiefen stimmen sich immer unter- und übersteigen (s. d. C 2 b) M. Hauptmann an Fr. Hauser 1, 132. von verzierungen: über- und untersteigende

[Bd. 24, Sp. 1833]


zwischenschläge L. Mozart violinschule (1770) 209; veraltet.
 
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untersteiger, m., gs. zum obersteiger (s. d.): u. ist ein beeydigter bergmann, so absonderlich uff das gezimmer achtung giebt Junghans gräublein ertz (1680) F 2c; Minerophilus bergwerkslex. 681; Jacobsson 4, 493b; Lueger 4, 781. veraltet understeiger gewerkschaftlicher steiger im gs. zum obersteiger als regalherrlichem steiger Jelinek 757. —
 
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unterstein, m.: der mühle mit ober- und untersteinen geschieht schon im 5. buch Mose erwähnung Muspratt chemie (1888) 2, 53; bei glasurmühlen Karmarsch-Heeren 13, 636; bei spiegelglasfabrication 43, 80 u. sonst. dichterisch für grundstein:

umsonst nur trüge ich den baldachin,
mit meinem äuszern huldigend dem schein,
und, was so kurz wie fall ist und ruin,
legt ich zu ewigem bau den unterstein
Stefan George Shakespeares sonette 131. —

untersteinen, untrennbares v. mit 1unter III A 2 b α, mit steinen abgrenzen; vgl. DWB steinen, DWB absteinen, DWB versteinen I A. mhd. understeinen (im mhd. wb. 2, 2, 618b irrig gedeutet); Lexer 2, 1804; Fischer schwäb. wb. 6, 253; Schmeller 2, 764: dieweil doch die undermark zr selben zit nit understaint wer gewesen (1481) urkundenb. d. st. Stuttgart 386; anno 1604 seint ... die güter ... understockt und understeinet worden (1606) bad. weisthümer 1, 1, 72; eine gehörig bestellte grenze heiszt versteinet und vermalet ... understeint und understockt Jac. Grimm rechtsalterthümer 24, 72; noch elsässisch (els. wb. 2, 601) grenzsteine setzen. sonst veraltet. dazu untersteinung, f.: wie oft es si beschehen vor der understainung (1481) urkundenb. d. st. Stuttgart 388; item soll keyner ... die gemerck und u. eyns andern förstlicher herrlichkeyt nicht uberfahren Sebiz feldbau (1579) 561; Schottel haubtsprache 651; veraltet.
 
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unterstell, n., für untergestell (s. d.) Werlichius augspurgische chron. (1595) 11; 64. —

 

unterstecken
 I.  zu 1stecken.
  A.  mit 1unter III A 1 (sub).
   1)  eigentlich suffigere, supponere Alberus, Stieler: gruder, das sind knaben, die stro u., wenn man mit stro seudt Mathesius
   2)  sich u., geringes obdach suchend: derjenige, der ... sich bei schlechtem wetter irgendwo gegen ein geringes schlafgeld untersteckt Göthe (1828 ff.) 28, 265. vgl.unterstehen A I 3.
   3)  mit unterbringen, subsummieren: endlich so können sie auch hierländische stücke mit u. Sonnenfels 3, 113; die hier untergesteckten bilder v. d. Hagen
   4)  betrüglich zustecken, unterschieben, bes. von kindesunterschiebung: die ihm untergesteckte falsche schrifft Lohenstein
   5)  unterstechen α β, unterstecherei entsprechend, in mannigfaltiger abwandlung der grundvorstellung. wie mnd. understeken verbergen: wenn ein ansehnlicher theologus ... seine affecten von jalousie, spötterei, zorn und rachbegierde gar nicht untersteckt J. P. Weise
  B.  mit 1unter III A 2 (inter, dis).
   1)  abgrenzend unterpfählen Fischer
   2)  mit 1unter III A 2 a γ, b δ: der nahe weinstock beut die braunen trauben dar, mit weiszen untersteckt P. Fleming
   3)  nach 1unter III A 2 a ende, b ε: die arme hat H. hoch untergesteckt Lichtenberg
 II.  zum intransitiven 2stecken: zu keinem orte, wo kein gold oder silber unterstecket Lindenborn
 
unterstehen
 A.  mit 1unter III A 1 (sub).
 I.  trennbar.
   1)  darunter stehen: item 10 scot an 1 sch., den slossteyn zu wegen, von der last 1 sch. item 10 scot an 1 sch., undirzusten (dasz er unten platz finde), ouch 1 sch. von der last Marienb. treszlerb. 174, 29 J.; mit unterstehendem zeichen gemerckt
   2)  sich darunter stellen (stehen II A 13): also so der könig auff sein pferd wolt steigen, so mst V. understehen und sein ruck dem barbaro underhalten S. Franck
   3)  unter ein obdach treten, unterkunft, schutz, deckung findend; vgl. stehen unter, stehen II A 13 d η; underston, als im rägenwätter under ein tach oder boum, subsistere tecto, substare Maaler 458b; gemma (1508) B 1
  II.  untrennbar.
   1)  sich unter etwas stellen,
    a)  um es zu halten, auszuhalten, dann in seinem zustande zu erhalten; mhd. wb. 2, 2, 585b; mnd. wb. 5, 36a; suscipere Frisius 1278a; sustinere Reyher (1686) O 2a: der
    b)  um es zu stützen, woraus sich denn die übertragene bed. helfen, fördern ergibt; Jelinek 757; mnl. wb. 5, 424 I 2; Schmidt
    c)  etwas auf sich nehmen als gegenstand, aufgabe, ziel der bethätigung; seltener von personen als object. die sinnliche grundvorstellung, der von hinterstehen Schmeller 2, 714, ahd. hintarstandan Graff 6, 605 verwandt, ist noch zu erkennen: dasz elector pal. ... sich groszer dinge
     α)  auf sich nehmen, sich einer sache annehmen, sich womit abgeben, beschäftigen, anschicken, sich woran machen, etwas besorgen u. s. w. in ä. spr. ohne sich: vil weger ist nüt understan, dann mit schad, schand, gespöt ablan S. Brant
     β)  veraltete besonderheiten von α. im kampfe bestehen: ob ieman da were, der disen man welte understan, mit im z vechten Stretlinger chron. 8 B.; so will ich mich sein (des bären) understan Teuerdank 48, 13 G.; sich
     γ)  sich bestreben, bemühen, versuchen, wollen, mögen; niti, conari gemma (1508) z 2a; intentare, machinari Alberus A 3b; ex summis opibus viribusque usque experire, understand nach allem deinem vermügen Frisius 491a; attentiren Sattler
     δ)  wie unterfahen I 3, -fangen I 5, -nehmen B I 7 wagen, sich erdreisten, erfrechen, erkühnen, vermessen, sich anmaszen, herausnehmen u. dgl. mit dem nebenbegriff des vorwitzigen, unberechtigten, ungehörigen, frevelhaften, trotzigen, leichtfertigen u. s. w.; mhd. wb. 2, 2, 586a, 3
    m.  acc.: was unterstehet sich der arme? prediger Salom. 6, 8; Luther 5, 146b Jen.; sich ein fehrlich raysz u. H. Sachs 17, 112, 19 G.; Fischart
     ε)  während die umgangsspr. heute auf sich unterfangen, unterwinden, erdreisten, erkühnen, erfrechen, vermessen verzichtet, bevorzugt sie u. bes. in dem δ ende belegten gebrauche. die schriftspr. folgt darin, ohne auf ausgedehntere verwendung zu verzichten; zu unrecht ist u. von Heynatz
   2)  unterliegen A II b entsprechend, unterstellt sein; in ä. spr. (österr. weisth. 6, 493, 13; vgl. mnl. wb. 5, 423, 1) und im österreichischen trennbar, in n. gemeinspr. durchaus wie unterliegen untrennbar: achten (achtens) solle allen auch jeden hintersässen und unterthanen ...
   3)  t. t. das papier musz sich u. (stehen, so dasz die feuchtigkeit ganz nach unten durchzieht) Franke
 B.  untrennbar mit 1unter III A 2 b (inter, dis) in durchweg veralteten bedd.
   1)  dazwischen tretend versperren: ich han dir den wegk als dick understanden der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 3b.
   2)  hindernd, wehrend, sich widersetzend dazwischentreten (sp. 1486; vgl. sich eines dinges untersetzen, untersetzen B 2): untarstantit resistit ahd. gl. 1, 240, 15; mnd. wb. 5, 36b: und obs yemand widdersprechen wolt, wie die juden sich widder Christus wunderzeichen unterstunden, so hats doch
   3)  verhindern; mhd. wb. 2, 2, 585b, 2; Lexer 2, 1804; mnd. wb. 5, 36b, 2; Fischer
   4)  weg underste(c)hen neue wege unterlassen österr. weisth. 11, 720b. vgl. mhd. understân lâʒen anstehen lassen (im streit); überhoben sein: wer der weiszheit nach ist gehn, der mag vil unrhats unterstehn H. Sachs
   5)  entstehen, intercedere: und dieser ursach halben understunde under ihnen ein groszer zwiespalt Amadis 1, 94 K. bestehen: volkommner got, volkommner mensch, aus vernunftiger red und menschlichem flaisch understend quelle des 16. jahrh. in Pfeiffers Germania 36, 264.
   6)  verstehen (sp. 1486, 1unter III A 2 b γ; mnl. wb. 426, 7; mnd. wb. 5, 36b, 3; Bosworth-Toller 1100a; Murray 10, 1, 147; Richthofen 1100b