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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
kraftberaubt bis kraftdurchsprüht (Bd. 11, Sp. 1945 bis 1946)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) kraftberaubt, der kraft beraubt:

und graue nebel hllen
der sonne kraftberaubtes licht. Oberon 7, 88.


 
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kraftbeseelt, von kraft beseelt.
 
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kraftbewuszt, gekürzt aus 'sich der kraft bewuszt':

gott! wie aus schwachen weibes brust
sich ein gefühl kann heben,
so stark und freudig, kraftbewuszt.
Rückert ges. ged. 1, 440.


 
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kraftbewusztsein, n. das bewusztsein seiner kraft.
 
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kraftbiszlein, n. scitamentum. Schönsleder, Denzler, M. Kramer. s. kraftzeltlein, kraftgriebe.
 
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kraftbrot, n. ein älteres kunstgebäck, urspr. zu arzneilichen zwecken: von den krafttäfelin (s. d.) seind dise zeit die kraftbrot, so wir irem ursprung nach, dieweil sie erstlich in welschlanden von den welschen ärzeten erfunden, marzapan auf welsch nennen, die aller gebreuchlichsten. Gualt. Ryff teutsch apothek 1548 258a; solche marzapan geben gte narung dem leib und fren (s. 4, 431) und neren über die masz wol. darumb sie diser zeit nit unbillig (unpassend) von etlichen kraftbrot genant werden. ebend.; die erste stelle auch in dess. spiegel d. gesundh. (1574) 284b, mit dem zusatze: doch dieser zeit dahin gerahten (sind), dasz sie mehr zum lust in köstlichen panketen und gastmalen, dann von den kranken gebraucht werden, also der vorfahr des heutigen marzipans.
Noch im 18. jh. gibt Steinb. 1, 206 kraftbrot colliphium, auch Kirsch u. a., wie im 16. jh. B. Faber coliphium stark- vel kraftbrot (Dief. 131c), im 17. Henisch 521, 29 kraft- oder sterkbrot, coliphium, panis athletarum. coliphium erscheint nämlich bei

[Bd. 11, Sp. 1946]


Plautus, Martial u. a. als nahrung der athleten, daher im 14. jh. als kempfenbrot erklärt (voc. opt. s. 24a, s. kämpfbrot)
Und auch der noch dunkele erste theil des italien. marzapane (vgl. Diez 1, 267) könnte urspr. eben das ausdrücken, zumal nach Ryffs bestimmter angabe, dasz das gebäck von welschen ärzten erfunden sei, sicher doch eben zu dem zwecke, den kraftbrot ausdrückt. 'Martius panis, marcipaen' Murmellii pappa Cöln 1513 C 4a, panis marcius Dief. 409c v. j. 1521 beruht am ende nicht auf vermutung, sondern noch auf kenntnis der entstehung?
Man hatte jahrhunderte lang viele solche kraftmittel oder kraftarzeneien in form eines gebäckes oder getränkes, die auf geheime weise die lebenskraft erneuen oder stärken sollten (wie die heutige 'revalenta arabica'), s. kraftbiszlein, kraftzeltlein, kraftküchlein, krafttäfelein, kraftpille, kraftwasser, nicht zufällig meist süsz und wolschmeckend; sie hatten aber zusammenhang mit der geheimen natur- und weltlehre des mittelalters, wie sich z. b. unter kraftmilch zeigt. s. auch DWB kraftbüchse.
 
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kraftbrühe, f. kräftige und kräftigende brühe: er läszt etwas kraftbrühe bringen. Göthe 17, 403; die rohen kraftbrühen der natur sind ihro gnaden zartem makaronenmagen noch zu hart. Schiller ...; der mensch ist eine kraftbrühe aus der ganzen welt (gezogen). J. Paul lit. nachl. 4, 28.
 
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kraftbüchse, f. büchse mit kraftarzenei. J. Rothe dür. chr. s. 364 (Germ. 5, 241). vgl. DWB krautbüchse.
 
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kraftdauer, f. ausdauer der kraft: die derbheit und kraftdauer dieser schmutzigen kerle. Zimmermann eins. 1, 387. 377.
 
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kraftdrang, m. drängende kraft, ein wort der kraftgeniezeit: Heinse hat den Tasso, mit groszem kraftdrange, mittelmäszig genug übersetzt. S. Geszner 2, 272, geniedrang, vergl. kraftgeist und 'sturm und drang'.
 
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kraftdurchsprüht, aus 'von kraft durchsprüht':

wer an des sonnenlichtes süszer helle
gewärmet hat die kraftdurchsprühten glieder.
W. v. Humboldt ges. w. 3, 393.