Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
kraftbarde bis kraftbrot (Bd. 11, Sp. 1945)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) kraftbarde, m. kraftgenialischer dichter. Lichtenberg 4, 124 (83), verächtlich. s. unter DWB kraftgeist.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
kraftbedarf, m. im maschinenwesen die höhe der pferdekraft u. ä., die zu einem zwecke nötig ist.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
kraftbefehl, m. befehl in kraftworten: wo kraftbefehle nicht thorheit schützen. Dyanasore 4, 400.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
kraftbegabt, mit kraft begabt:

nicht ich. die rauhe sturmbewegte zeit
heischt einen kraftbegabtern steuermann.
Schiller 456a.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
kraftbegeistet, von kraft beseelt. Göthe 41, 258.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
kraftberaubt, der kraft beraubt:

und graue nebel hllen
der sonne kraftberaubtes licht. Oberon 7, 88.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
kraftbeseelt, von kraft beseelt.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
kraftbewuszt, gekürzt aus 'sich der kraft bewuszt':

gott! wie aus schwachen weibes brust
sich ein gefühl kann heben,
so stark und freudig, kraftbewuszt.
Rückert ges. ged. 1, 440.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
kraftbewusztsein, n. das bewusztsein seiner kraft.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
kraftbiszlein, n. scitamentum. Schönsleder, Denzler, M. Kramer. s. kraftzeltlein, kraftgriebe.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
kraftbrot, n. ein älteres kunstgebäck, urspr. zu arzneilichen zwecken: von den krafttäfelin (s. d.) seind dise zeit die kraftbrot, so wir irem ursprung nach, dieweil sie erstlich in welschlanden von den welschen ärzeten erfunden, marzapan auf welsch nennen, die aller gebreuchlichsten. Gualt. Ryff teutsch apothek 1548 258a; solche marzapan geben gte narung dem leib und fren (s. 4, 431) und neren über die masz wol. darumb sie diser zeit nit unbillig (unpassend) von etlichen kraftbrot genant werden. ebend.; die erste stelle auch in dess. spiegel d. gesundh. (1574) 284b, mit dem zusatze: doch dieser zeit dahin gerahten (sind), dasz sie mehr zum lust in köstlichen panketen und gastmalen, dann von den kranken gebraucht werden, also der vorfahr des heutigen marzipans.
Noch im 18. jh. gibt Steinb. 1, 206 kraftbrot colliphium, auch Kirsch u. a., wie im 16. jh. B. Faber coliphium stark- vel kraftbrot (Dief. 131c), im 17. Henisch 521, 29 kraft- oder sterkbrot, coliphium, panis athletarum. coliphium erscheint nämlich bei

[Bd. 11, Sp. 1946]


Plautus, Martial u. a. als nahrung der athleten, daher im 14. jh. als kempfenbrot erklärt (voc. opt. s. 24a, s. kämpfbrot)
Und auch der noch dunkele erste theil des italien. marzapane (vgl. Diez 1, 267) könnte urspr. eben das ausdrücken, zumal nach Ryffs bestimmter angabe, dasz das gebäck von welschen ärzten erfunden sei, sicher doch eben zu dem zwecke, den kraftbrot ausdrückt. 'Martius panis, marcipaen' Murmellii pappa Cöln 1513 C 4a, panis marcius Dief. 409c v. j. 1521 beruht am ende nicht auf vermutung, sondern noch auf kenntnis der entstehung?
Man hatte jahrhunderte lang viele solche kraftmittel oder kraftarzeneien in form eines gebäckes oder getränkes, die auf geheime weise die lebenskraft erneuen oder stärken sollten (wie die heutige 'revalenta arabica'), s. kraftbiszlein, kraftzeltlein, kraftküchlein, krafttäfelein, kraftpille, kraftwasser, nicht zufällig meist süsz und wolschmeckend; sie hatten aber zusammenhang mit der geheimen natur- und weltlehre des mittelalters, wie sich z. b. unter kraftmilch zeigt. s. auch DWB kraftbüchse.