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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
kracke bis kräcken (Bd. 11, Sp. 1927 bis 1931)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) kracke, f. altes schlechtes pferd u. a.
I. Bedeutung, verbreitung, nebenformen.
1,
a) allgemein bekannt, wenigstens als schriftwort ist es in der angegebenen bed., ein verächtliches kraftwort, scheltwort, noch kräftiger schinderskracke (die für den schinder reif ist) Stieler 1021, Steinb. 1, 922: faszte man ihn aber einmal beim worte, so war die kracke (der versprochene karngaul) vernagelt. Siegfr. v. Lindenb. 1790 1, 157, er nannte den gaul dann eine kracke; ein unterwegs ausschlafender kutscher, der .. die zum graben geduselten kracken wieder ins geleise reiszt. Goltz jug. 3, 86; auf diesen mordwegen mit diesen alten und abgetriebenen kracken. 1, 363, überall als ausdruck des verdrusses, der verstimmung.
b) das wort ist md. und nd. (z. b. krakke Dähnert, Richey, brem. wb.), aber nicht oberd. wie es scheint; henneb. krack f. (besonders von stuten) Frommann 4, 307 kann md. einflusz sein. auch ins nl. greift es, wenigstens gibt Kilian kraecke jumentum coriaginosum, wenn das nicht entlehnt ist, wie dän. krakke, krak;

[Bd. 11, Sp. 1928]


doch die letztere form, wie schwed. krake m., ist an sich heimisch im norden, s. 2, c.
c) es besteht aber auch als m. und n.
α) der krack gibt Frisch 1, 541b, das m. ist z. b. götting., krake, pl. krakens, selbst in einem demin. krekel noch als m. Schambach 111a. 112a, also sicher alt. derselbe gibt auch in der bed. eine abweichung, krake ist dort nicht blosz ein schlechtes, abgetriebenes, sondern auch ein groszes, plump gebautes und starkknochiges pferd, wie in Waldeck kracke f. ein groszes schlechtes pferd Curtze 479a.
β) dat krack, elendes pferd, heiszt es nordfries. Bendsen 37a, auch ditmars.; das fries. a könnte freilich für i stehn (s. u. d). also wieder ein wort in allen drei geschlechtern (s. unter krabbe 1, d am ende).
d) es gibt eine nebenform kricke f., in Schlesien Weinhold 46a (auch von kühen, s. 2), die auch dänisch besteht, krik, krikke (neben krak), vgl. schwed. krik u. 2, c. und dasselbe mag luxemb. krek f. sein, kracke und hagerer mensch Gangler 254. ebendaher aber erklärt sich wol franz. criquet kleines pferd, das Diez 2, 259 zu kracke stellt. vgl. den gleichen ablaut u. 2, b.
2) Aber diesz kracke von pferden kann nur der rest einer einst allgemeineren bed. sein, von der sich denn auch die spuren über das ganze germ. gebiet hin finden, nicht blosz md. und nd. wie jenes.
a) von thieren überhaupt (vgl. kricke von kühen unter 1, d), wie denn auch in bed. 1 schles. pferdekracke gesagt wird Weinhold 46a, osnabr. êne kracke vam (von einem) pêrd, êne kr. vam hund Strodtm. 114. und so denn auch oberd., im bair. gebirge (also sicher gegen entlehnung) als collect., gekräck, gaiszgekräck, verächtlich von ziegenvieh Schm. 2, 380.
b) auch von menschen. Adelung gibt kracke als ungezognes kind, also scheltwort, im verdrusse gebraucht, schlesisch eine kleine, böse kracke (wieder auch kricke, s. 1, d) Weinhold 46a:

der schulze soit: mach furt, du kracke!
D. Stoppe ged. 1, 152.

Aber auch von erwachsenen, ostfries. kracke elender mensch, stümper Stürenb. 121b, und schwäb. krack m. (vgl. 1, c) elender kerl Schmid 325; s. auch das luxemb. krek unter 1, d.
c) ebenso auszerdeutsch: norw. krakje m. ein kraftloses, abgemagertes thier, und ein eben solcher mensch, s. Aasen 235b; schwed. krake m. kraftloser greis u. ä., auch pferdekracke Rietz 349a, daneben kräk n. ein schwaches, verwahrlostes wesen, aber auch ganz kleines kind oder thier (an kräka kriechen angelehnt), und vieh überhaupt, mit nebenformen krak und krik 359b. 360a. auch fürs altn. verbürgt im adj. krakligr schmächtig, schwächlich, auch isl. kraki oder kracki tenellus puer, pusio Biörn 1, 473b gehört hierher, und diesz auch in England, crack knirps. man sieht durch diese versprengten reste hindurch kracke als altgerm. wort mit ziemlicher entwickelung in sinn und form.
3) Aber noch weiter aus greift die bedeutung.
a) um den Mittelrhein ist krack f. ganz allgemein 'etwas kleines, schlechtes, unansehnliches', von menschen, thieren und dingen, s. Schmidt westerw. id. 86, Kehrein Nassau 242 (der auch ein adj. krackig und selbst krack gibt, klein, verdorben, vgl. schwed. krakig krank Rietz 349a). von dingen auch nd., z. b. osnabr. (s. 2, a) ên krackstôl, elender stuhl, brem. krakke baufälliges haus, so auch nl. krak m. (schon bei Kilian kraecke domus ruinosa), ostfries. krakke, hier auch von schiffen, aber an kraken krachen (s. d. II, 2) angelehnt, wie noch deutlicher bei Richey 137 hamb. krâkgôd (waare), krâkporcellain 'daran etwas zerbrochen ist' oder sonst fehlt.
b) aber mit langem vocal auch sonst nd. und unabhängig von kraken: pomm. krâk (n.?) schlechtes, nichtswürdiges ding (auch als schelte du krâk! zu 2, b) Dähnert 251b. und dasselbe wird sein ein ostnd. und md. krâk n., schimpfwort für gemeines volk, pöbel, als pomm., niederlaus., pos. bei Bernd Posen 141, ostpreusz. Hennig 132, hier auch verstärkt krâkzeug und diesz auch von unnützem gerümpel (wie Richey unter a).
c) und ebenso wieder auszerdeutsch: schwed. krak n. plunder, ausschusz, wegwurf aller art. und zu dem nd. krâk stimmend, falls diesz â echt ist, engl. dial. croke abfall aller art Halliwell 281a (altengl. crok Stratm. 125), vgl.crawk stoppel, abfall von talg 278b; denn dahinter könnte ein ags. crôc stecken, ô = â, wie in hôc haken, mhd. hâke. also auch diese bed. schon vorgeschichtlich, vielleicht auch die theilung der formen nach â und a.
4) Und auch zu 2 und 3 reichliche nebenformen.
a) in umlautsbildung kärnt. gregge m. verwachsenes elendes kind, verkrüppeltes kleines ding (adj. gregget verkrüppelt, ohne

[Bd. 11, Sp. 1929]


wachsthum) Lexer 123, schweiz. chreckel m. kleine krüppelige waldung Tobler 118b, tirol. gregker kleine person, verächtlich Schöpf 211. das anlautende g ist auch sonst oberd. (vgl. unter krack rabe 1, c), s. u. b, α. c, β, und engl. u. b, β a. e.
b) mit abalut, den unter 1, d kricke schon zeigte.
α) so pfälz. gricksel ein kleiner mensch (Schmidt westerw. id. 86); auch schweiz. grichel n. spreu und abgang aller art, tirol. grigkl n. haufe könnten nach der bed. u. 3, b. c in frage kommen, wenn sie nicht zu mhd. rëchen colligere gehören.
β) und mit dem zu a : i gehörenden u bair. krücklein verkrüppeltes ding, thier, mensch Schm. 2, 381, er vergleicht vom Harze kröckeln, verkröckeln gleich krüppeln, verkrüppeln und schottisch crok zwerg, die das wort auch in dieser gestaltung als vorgeschichtlich ausweisen. diesz crok, pl. crokkis, ist auch ein altes, abgelebtes mutterschaf Jam. 1, 272b, zu 2, a. c stimmend; ebenso engl. dial. crock, ähnlich crocky kleine schottische kuh Hall. 281a, in Lincolnshire aber grock ein sehr kleines kind 419a, mit g wie oberd. unter a.
γ) eigen im vocal schweiz. grieggel verkümmertes, verwachsenes ding, von obst, pflanzen, bäumen, auch von menschen, s. Rütte 34, bei Stalder 2, 520 griegel ebenso, auch skelett. doch kommt unechtes alem. ie für i früh vor (Weinh. gr. 61) und bei Stalder ist auch grigel neben griegel angegeben. aber zu echtem ie könnte der vocal in folg. stimmen: mrh. kraukel kleine krüppelhafte person Kehrein 245.
c) aber auch mit consonantischer weiterbildung.
α) im auslaut mit s verstärkt (neben umlaut) bair. kräxe, krächse kleine person Schm. 2, 380. s. auch gricksel u. b, α.
β) besonders wichtig aber sind formen mit anderer verstärkung des auslauts: kärnt. grangge und grengge m. verkrüppeltes, unbrauchbares ding, thier, mensch (grengge auch der gröbs im obste) Lexer 121. 123; schweiz. grienggel gleich dem griegel u. b, γ Stalder 2, 520. und auch das auswärtig, in engl. crink sehr kleines kind, krumpeliger apfel. s. dazu II, 1, d, und krank u. 3.
II. Verwandtschaft und ursprung.
Reiche verwandtschaft tritt heraus, wenn man wurzelhaften auslautwandel (sp. 6) gelten läszt; neben kr-k gehn kr-p und kr-t, ich gebe aus groszer fülle nur proben.
1) besonders mit lippenauslaut.
a) zu der bed. unter I, 2, c stimmt fränk. krapf kleiner verwachsener mensch, waldbaum der nicht wächst u. ä. (auch als adj., krapf elend, unansehnlich, wie krack u. 3, a) Schm. 2, 393. Ebenso mit ablaut wie unter I, 4, b bair. schwäb. kropf m. knirps, kropfet verwachsen, henneb. krüpps kleines verkrüppeltes ding Fromm. 3, 134, nd. krôp, krôps, krûp zwerg Schamb. 113b, vgl. DWB krüppel. Auch in der sittlichen bed. unter I, 2, b schwäb. krapf unartiges kind, wunderlicher mann Schmid 324, vergl. DWB kramp hier unter d.
b) auch für ausschusz, wegwurf (I, 3, besonders unter c) engl. craps pl. abfall von getreide u. a., crap bodensatz von bier Hall. 278a, altengl. crappe refuse Stratm. 123; bei uns wol in schles. krappen pl alte zerrissene schuhe (böhm. křáp, křampa), nd. grüppsel weggeworfner mischmasch von heu, stroh u. dgl. Fromm. 6, 210, wie grichel unter I, 4, b, α.
c) collect. wie krâk n., krâkzeug u. I, 3, b, so ostnd. krôp n., krôpzeug niedrigster pöbel Hennig preusz. wb. 137, anhalt. kroppzeug. und von vieh, wie I, 2, a, nd. krôp, krûp kleines vieh (weisth. 4, 707, Fromm. 5, 153), bei Rüdiger zuwachs 2, 95 krôp n. spannvieh, lastvieh, pferde ('es kommt mit kracke, kröpel überein'), gewiss zuerst verächtlich.
d) auch mit der verstärkung des auslauts, wie unter I a. e., z. b. schwäb. kramp m. kleiner und eigensinniger mensch, kärnt. krampes, krimpes, mürrischer mensch (auch teufel, vgl. II, 4), östr. krempe m. dürrer verkrüppelter baum, ast.
e) spuren einer stammform mit skr- kommen gleichfalls in erwägung: schrupp, schrupf, zusammengeschrumpftes, kleines wesen, kind, vieh Kehrein Nassau 1, 368, engl. scrub a mean fellow, dän. skrab gerümpel, gesindel; auch mit kehlauslaut: dän. skrog rumpf, gerippe, schwed. skrokk etwas verkrumpeltes, verwachsenes, skrokka f., runzelichte alte, s. Rietz 599b.
2) aber auch der zungenauslaut fehlt nicht. mrh. krotze, grotze verkrüppeltes obst, auch knirps von menschen, und kerngehäuse, wie gröbs (das selbst nach 1, b zur sippe gehören wird), s. Kehrein 175, schweiz. grotze kind verächtlich, westf. grott n. allerlei wertloses durcheinander Fromm. 6, 210, dann nordenglisch crut, schott. croot knirps, zwerg, vielleicht ditm. kratt n., dän. krat krüppelholz, gestrüppauch das geht durch den ganzen begriffskreis von kracke, krack, nur dasz die bedeutung pferd fehlt.

[Bd. 11, Sp. 1930]



3) als spitze der urspr. bed. tritt aus der ganzen zersprengten masse heraus: etwas lebendiges oder gewachsenes, das verschrumpft ist durch krüppelhaftes wachsthum oder eingeschrumpft durch alter und so unbrauchbar geworden; durch übertragung erst gieng das auf todte dinge über, die damit urspr. als lebendige behandelt sind. und zu diesem begriffe stimmt in der form der stamm von krank (eig. eingeschrumpft), das schon Adelung zuzog; s. dort.
4) schlieszlich seien anklingende namen des teufels erwähnt, die möglicherweise hier ihre aufklärung finden: kärnt. krackl, bair. graug, westf. grüggel (Woeste volksüberl. 68), engl. dial. crook.
 
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kracke, f. eine art groszer handelsschiffe, s. DWB karacke; mnd. kracke s. brem. wb. 2, 737, kraken dat. pl. Sachsensp. III, 44, 2 var., nnl. kraak. auch hd., oberrh. schon seit dem 15. jh.:

wie ich der narren schiff uf rüst,
galleen, füst, kragk, nawen, park.
S. Brant vorr. 15;

entschlosz mich mit einer groszen portugesischen kracke (so mit groszem kaufmanschatz nach haus zu fahren wegfertig stund) in Portugall zu begeben. Simpl. 1, 636 (2, 220 Kz.);

dank! rief ein grundeltrupp, der wonnesam
durch Blenheims ungeheure brücke schwamm,
dem stifter dank, der uns für kracken nahm.
Haug epigr. 6, 12.


 
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kracke, f. vogelwicke, vicia cracca Nemnich, kärnt. krackerlitzen, grachl, grachalitz Lexer 120, der sloven. grah erbse, grahóriza wicke vergleicht (altsl. grachŭ bohne Mikl. 142a); lat. cracca eine wickenart bei Plinius. bei Nemnich aber auch krock m. vogelwicke, nl. krok (crock Junius nom. 85a), isl. krokagras.
 
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kracke, f. braucht Oken für dintenschnecke, sepia: die dintenschnecken ... die man auch kracken nennt. naturg. 1835 4, 572. 5, 495 ff.; in der 1. ausg. 1815 3, 321 ff. steht aber richtiger krake, s. dort.
 
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krackel, beim vogelfang, s. DWB krakel.
 
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krackelich, krumm, verbogen, z. b. von schlecht gewachsenen jungen bäumen, von schriftzügen (vgl. krakelig), hess. Vilmar 222, in Waldeck Curtze 479a. für gebückt oder grätschbeinig wie es scheint: zu der gieng sie so kracklicht als sie stunde (eine alte). Ettner unw. d. 336. Offenbar zu kracke verwachsenes ding. bei Vilmar 'auch wol krockelich', wie dort I, 4, b, β formen mit o erscheinen. s. auch DWB krakel.
 
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krackelisch, zänkisch (s.krackeln): dasz sie überaus zänkisch und krackelisch ist. Köhler kunst über alle k. 27, 8; solche zum zorn geneigte menschen sind neidisch, tückisch, krackelisch. Abelii leibmedicus der studenten (1720) 29. übrigens kann nach damaliger schreibung auch krakeelisch gemeint sein.
 
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krackeln, kräckeln, zanken, streiten.
1) krackeln ist bair., dazu krackler zänker, streiter Schm. 2, 381.
2) kräckeln ist wahrscheinlich enthalten in kreckeln altercari Frisch 1, 541b, obwol auch kräkeln (s. d.) damit gemeint sein könnte. auch schwed. kräckla krittlig zanken.
3) benannt ist darin das zanken von seinem unangenehmen klange, vgl. DWB kracken (2). krackeln, kräckeln gehören zusammen mit krakeln, kräkeln, auch krageln, krägeln, die doch mehr von vögelstimmen gelten. übrigens s auch krakeelen.
 
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kracken, m. ein ungeheuer, s. DWB krake.
 
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kracken , hd. nebenform zu krachen mit anderer auslautstufe, die zufällig mit der in nd. kraken zusammenfällt. sie ist schon ahd. bezeugt in subst. (s. DWB krack m.) und auch im zeitwort gegen jeden verdacht einer nd. entlehnung geschützt durch das kärntische unter 1; vgl. auch gekrack fragor (gekrach) Henisch 1450, und das ahd. wort unter kräcken.
1) kracken gleich knacken bei Rädlein 548 unter letzterm worte (nicht in der alph. reihe); es ist kärnt., kracken platzen, bersten Lexer 165. man vergl. kräcken II, 1.
2) quaken, von fröschen (man vgl. DWB krachen 7 und krachsen 2): frösch, die kracken allwegen. Keisersberg sünden des m. 33b (35a heiszt es gracklen, kärnt. gregeln);

als wenn im herbst die hagelstein
... auf die schindeltecher klecken,
so ward da ein kracken und kecken (von fröschen). froschmeus. Hh 2b (5b).

in einem bair. voc. des 15. jh. heiszt es grakkizen Fromm. 4, 296b. Freilich spielt hier, wie bei den folg., die unmittelbare lautnachahmung mit herein, wie denn z. b. auch böhm. das gequake křek, quaken křehotati heiszt, altsl. krektati Miklosich 310a.
3) krächzen, ich kracke wie der rab. Harsdörfer Jotham 2, 114; so noch z. b. 'cimbrisch', mhd. gracken (s. unter krack rabe 2, b); kracken für krähen, schreien steht Petr. 108b.
4) sich räuspern um auszuwerfen, rülpsen (wie kräcken II, 4), schweiz. gracken, grägglen; s. DWB krachsen 3. ebenso schwedisch kraka Rietz 349a.

[Bd. 11, Sp. 1931]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) kräcken, krecken, in doppelter geltung, theils umlautsnebenform zu kracken mit gleicher bedeutung (wie kräckeln zu krackeln, krächen zu krachen), theils causativum zu krachen, gleich 'krachen machen'. aber beide scharf zu scheiden ist im nhd. nicht mehr möglich, zumal die causativa da von selbst auch leicht in ihr intransitivum überspringen; zudem kann das causat. ebenso gut zu kracken wie zu krachen gehören, und schon in dem ahd. 'quassatam, kichracta' Graff 4, 589 liegt vermutlich das erstere vor (chreckian), zu chrac m., nicht zu chrahh gehörig.
I. Transitiv.
1) das causativum tritt noch rein heraus in luxemb. noss' kräcken Gangler 251, kärnt. nussen krecken Lexer 167, nüsse knacken, eigentlich 'krachen machen' (daneben aber auch nüsse krachen sp. 1921).
2) es wird aber auch enthalten sein in tirol. krecken, ein glied an hand oder fusz verrenken Schöpf 342, eig. knacken machen.
3) und wol auch in einem thür. krecken, den wagen beim schieben mittels der deichsel zur seite lenken, umlenken, zurück oder umkrecken; das querholz im wagengestelle, das dabei wesentlich mitwirkt, heiszt das kreckscheit. der wagen knarrt dabei stark.
II. Intransitiv.
1) kärnt. krecken, mit schall zerplatzen, schon im 15. jahrh. alem. zerkrecken (s. sp. 1054 unten).
2) knacken überhaupt, bei Wolkenstein 123 all meine pein krecken, vor sorge, vgl. DWB krachen II, 3.
3) quaken, wie kracken 2:

es krekken, krerekken und quekken grüngelblichte frösche.
Birken Pegnitzschäf. 35 (
Praetor. storchs winterqu. 227).


4) gleich kracken 4: ructare, krecken, auswerfen. Dief. wb. v. 1470 sp. 240. so noch in Posen, Oberlausitz (bair. krägezen). auch refl. sich krecken Ettner hebamme 885, wie sich kotzen.

 

kracke
 I.  Bedeutung, verbreitung, nebenformen.
  1, 
   a)  allgemein bekannt, wenigstens als schriftwort ist es in der angegebenen bed., ein verächtliches kraftwort, scheltwort, noch kräftiger schinderskracke (die für den schinder reif ist) Stieler 1021, Steinb. 1, 922: faszte man ihn aber einmal beim worte, so war die kracke
   b)  das wort ist md. und nd. (z. b. krakke Dähnert, Richey, brem. wb.), aber nicht oberd. wie es scheint; henneb. krack f. (besonders von stuten) Frommann 4, 307 kann md. einflusz sein. auch ins nl.
   c)  es besteht aber auch als m. und n.
    α)  der krack gibt Frisch 1, 541b, das m. ist z. b. götting., krake, pl. krakens, selbst in einem demin. krekel noch als m. Schambach 111a. 112a, also sicher alt. derselbe gibt auch in
    β)  dat krack, elendes pferd, heiszt es nordfries. Bendsen 37a, auch ditmars.; das fries. a könnte freilich für i stehn (s. u. d). also wieder ein wort in allen drei geschlechtern (s. unter krabbe 1, d am
   d)  es gibt eine nebenform kricke f., in Schlesien Weinhold 46a (auch von kühen, s. 2), die auch dänisch besteht, krik, krikke (neben krak), vgl. schwed. krik u. 2, c. und dasselbe mag luxemb. krek f. sein,
  2)  Aber diesz kracke von pferden kann nur der rest einer einst allgemeineren bed. sein, von der sich denn auch die spuren über das ganze germ. gebiet hin finden, nicht blosz md. und nd. wie jenes.
   a)  von thieren überhaupt (vgl. kricke von kühen unter 1, d), wie denn auch in bed. 1 schles. pferdekracke gesagt wird Weinhold 46a, osnabr. êne kracke vam (von einem) pêrd, êne kr. vam hund
   b)  auch von menschen. Adelung gibt kracke als ungezognes kind, also scheltwort, im verdrusse gebraucht, schlesisch eine kleine, böse kracke (wieder auch kricke, s. 1, d) Weinhold 46a: der schulze soit: mach furt, du
   c)  ebenso auszerdeutsch: norw. krakje m. ein kraftloses, abgemagertes thier, und ein eben solcher mensch, s. Aasen 235b; schwed. krake m. kraftloser greis u. ä., auch pferdekracke Rietz 349a, daneben kräk n. ein schwaches, verwahrlostes wesen,
  3)  Aber noch weiter aus greift die bedeutung.
   a)  um den Mittelrhein ist krack f. ganz allgemein 'etwas kleines, schlechtes, unansehnliches', von menschen, thieren und dingen, s. Schmidt
   b)  aber mit langem vocal auch sonst nd. und unabhängig von kraken: pomm. krâk (n.?) schlechtes, nichtswürdiges ding (auch als schelte du krâk! zu 2, b) Dähnert 251b. und dasselbe wird sein ein ostnd. und md.
   c)  und ebenso wieder auszerdeutsch: schwed. krak n. plunder, ausschusz, wegwurf aller art. und zu dem nd. krâk stimmend, falls diesz â echt ist, engl. dial. croke abfall aller art Halliwell 281a (altengl. crok Stratm. 125), vgl.
  4)  Und auch zu 2 und 3 reichliche nebenformen.
   a)  in umlautsbildung kärnt. gregge m. verwachsenes elendes kind, verkrüppeltes kleines ding (adj. gregget verkrüppelt, ohne wachsthum) Lexer 123, schweiz. chreckel m. kleine krüppelige waldung Tobler 118b, tirol. gregker
   b)  mit abalut, den unter 1, d kricke schon zeigte.
    α)  so pfälz. gricksel ein kleiner mensch (Schmidt
    β)  und mit dem zu a : i gehörenden u bair. krücklein verkrüppeltes ding, thier, mensch Schm. 2, 381, er vergleicht vom Harze kröckeln, verkröckeln gleich krüppeln, verkrüppeln und schottisch crok zwerg, die das wort auch in dieser gestaltung
    γ)  eigen im vocal schweiz. grieggel verkümmertes, verwachsenes ding, von obst, pflanzen, bäumen, auch von menschen, s. Rütte 34, bei Stalder 2, 520 griegel ebenso, auch skelett. doch kommt unechtes alem. ie für i früh vor (Weinh.
   c)  aber auch mit consonantischer weiterbildung.
    α)  im auslaut mit s verstärkt (neben umlaut) bair. kräxe, krächse kleine person Schm. 2, 380. s. auch gricksel u. b, α.
    β)  besonders wichtig aber sind formen mit anderer verstärkung des auslauts: kärnt. grangge und grengge m. verkrüppeltes, unbrauchbares ding, thier, mensch (grengge auch der gröbs im obste) Lexer 121. 123; schweiz. grienggel gleich dem griegel u. b, γ
 II.  Verwandtschaft und ursprung.
  1)  besonders mit lippenauslaut.
   a)  zu der bed. unter I, 2, c stimmt fränk. krapf kleiner verwachsener mensch, waldbaum der nicht wächst u. ä. (auch als adj., krapf elend, unansehnlich, wie krack u. 3, a) Schm. 2, 393. Ebenso mit ablaut wie
   b)  auch für ausschusz, wegwurf (I, 3, besonders unter c) engl. craps pl. abfall von getreide u. a., crap bodensatz von bier Hall. 278a, altengl. crappe refuse Stratm. 123; bei uns wol in schles.
   c)  collect. wie krâk n., krâkzeug u. I, 3, b, so ostnd. krôp n., krôpzeug niedrigster pöbel Hennig
   d)  auch mit der verstärkung des auslauts, wie unter I a. e., z. b. schwäb. kramp m. kleiner und eigensinniger mensch, kärnt. krampes, krimpes, mürrischer mensch (auch teufel, vgl. II, 4), östr. krempe m. dürrer verkrüppelter baum, ast.
   e)  spuren einer stammform mit skr- kommen gleichfalls in erwägung: schrupp, schrupf, zusammengeschrumpftes, kleines wesen, kind, vieh Kehrein
  2)  aber auch der zungenauslaut fehlt nicht. mrh. krotze, grotze verkrüppeltes obst, auch knirps von menschen, und kerngehäuse, wie gröbs (das selbst nach 1, b zur sippe gehören wird), s. Kehrein 175, schweiz. grotze kind verächtlich, westf. grott
  3)  als spitze der urspr. bed. tritt aus der ganzen zersprengten masse heraus: etwas lebendiges oder gewachsenes, das verschrumpft ist durch krüppelhaftes wachsthum oder eingeschrumpft durch alter und so unbrauchbar geworden; durch übertragung erst gieng das auf todte dinge über, die damit urspr. als lebendige behandelt sind. und zu
  4)  schlieszlich seien anklingende namen des teufels erwähnt, die möglicherweise hier ihre aufklärung finden: kärnt. krackl, bair. graug, westf. grüggel (Woeste
 
krackeln
 1)  krackeln ist bair., dazu krackler zänker, streiter Schm. 2, 381.
 2)  kräckeln ist wahrscheinlich enthalten in kreckeln altercari Frisch 1, 541b, obwol auch kräkeln (s. d.) damit gemeint sein könnte. auch schwed. kräckla krittlig zanken.
 3)  benannt ist darin das zanken von seinem unangenehmen klange, vgl. kracken (2). krackeln, kräckeln gehören zusammen mit krakeln, kräkeln, auch krageln, krägeln, die doch mehr von vögelstimmen gelten. übrigens s auch krakeelen.
 
kracken
 1)  kracken gleich knacken bei Rädlein 548 unter letzterm worte (nicht in der alph. reihe); es ist kärnt., kracken platzen, bersten Lexer 165. man vergl. kräcken II, 1.
 2)  quaken, von fröschen (man vgl. krachen 7 und krachsen 2): frösch, die kracken allwegen. Keisersberg
 3)  krächzen, ich kracke wie der rab. Harsdörfer
 4)  sich räuspern um auszuwerfen, rülpsen (wie kräcken II, 4), schweiz. gracken, grägglen; s.krachsen 3. ebenso schwedisch kraka Rietz 349a.
 
kräcken
 I.  Transitiv.
  1)  das causativum tritt noch rein heraus in luxemb. noss' kräcken Gangler 251, kärnt. nussen krecken Lexer 167, nüsse knacken, eigentlich 'krachen machen' (daneben aber auch nüsse krachen sp. 1921).
  2)  es wird aber auch enthalten sein in tirol. krecken, ein glied an hand oder fusz verrenken Schöpf 342, eig. knacken machen.
  3)  und wol auch in einem thür. krecken, den wagen beim schieben mittels der deichsel zur seite lenken, umlenken, zurück oder umkrecken; das querholz im wagengestelle, das dabei wesentlich mitwirkt, heiszt das kreckscheit. der wagen knarrt dabei stark.
 II.  Intransitiv.
  1)  kärnt. krecken, mit schall zerplatzen, schon im 15. jahrh. alem. zerkrecken (s. sp. 1054 unten).
  2)  knacken überhaupt, bei Wolkenstein 123 all meine pein krecken, vor sorge, vgl. krachen II, 3.
  3)  quaken, wie kracken 2: es krekken, krerekken und quekken grüngelblichte frösche. Birken
  4)  gleich kracken 4: ructare, krecken, auswerfen. Dief.