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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gräblich bis grabmal (Bd. 8, Sp. 1619 bis 1622)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gräblich, adj., gelegentliche adjektivableitung zu grab, 'wie ein grab':

sieben hügel, gräblich anzuschauen
Baggesen poet. w. (1836) 3, 207.


 
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gräblich, adj., zu graben, vb., E 1: sculptilis greblich (md. 15. jh.) Diefenbach gl. 521c.
 
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grablicht, n., älter auch grabelicht. 1) in früher bezeugung zu grab A 3 g, der darstellung des grabes Christi in den kirchen: awch welle wir, das der schaffer dy kyrsche beluchten sal ... uff ostirn mit eyner ostirkerczen vnde mit grabelichten noch dem rechte (1417) urkundenb. d. st. Liegnitz 312 Schirrm. 2) wie grablampe (s. d.), hier in bildlichem gebrauch: die heftigkeit der liebe gegen Adelmunden, welche er unerloschen mit zu seinem ewigen grabelichte in die erde nehmen würde, müste seiner unschuld zeuge ... seyn Lohenstein Arminius (1689) 2, 630a. 3) zu grab A 3 d, auf gräbern brennendes licht: aus dunklen, moderigen gründen der welt flackern, ach, wie oft, irrlichter auf; jene flämmlein aber, die auf gräbern glühen, sind immer echt und immer wahr — an ihnen sollten die lichter des traualtars und die flamme des häuslichen herdes angezündet werden. ja noch mehr, auch die kerzen des salons, wo der flitter, die hoffart ... sich breit machen, möchte ich mit einem grablichte anzünden Rosegger schr. (1895) II 11, 192.
 
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grablied, n. , seit dem 16. jh. bezeugt, im 17. und 18. jh. häufig, auch in ungebundener rede, grabelied, im 19. jh. nicht selten grabeslied. bedeutungsmäszig wie grabgesang (s. d.).
1) beim leichenbegängnis und am grabe gesungenes oder für diesen anlasz bestimmtes lied, begräbnischoral: das schöne grablied von Job Josephs schwagern ..., welches wir noch heutigen tags in vnsern begengnussen singen. ich glaube das mein erlöser lebet Mathesius ausgew. w. 1, 28 Loesche; die ersten christen aber haben dieses geheule abgeschafft, und hingegen tröstliche grabelieder eingeführet J. D. Ernst denkw. (1700) 175;

und als die dumpfe glocke bald,
die einzige, verklungen,
da ward ein heisres grabeslied,
ein einz'ger vers gesungen
Uhland ged. (1898) 1, 467;

[Bd. 8, Sp. 1620]


der kirchenchor sang ein grablied J. M. Bauer d. notthafften (1931) 314. selten in auszerchristlichem zusammenhang, hierher, wenn nicht zu 2: Ossian läszt dem mörder seines sohnes das grablied absingen, ohne welches man damals glaubte, dasz die abgeschiedene seele nicht glücklich seyn könnte Haller tageb. (1787) 1, 293.
2) als lied oder gedicht auf einen verstorbenen, das den toten beklagt und ehrt, an den akt der bestattung nicht mehr unbedingt gebunden und oft, sofern es sich um ein elegisch-lyrisches gebilde handelt, von diesem ganz gelöst; namentlich im gebrauch des barock und bis in die dichtung der empfindsamkeit hinein, aber kaum darüber hinaus; vgl. grablied poema in lode d'un defunto M. Kramer t.-ital. 1 (1700) 553b: der eheliche stand ..., von dem eben vnter der phrasi und beschreibung könig David redet in seinem grablied, das er dem Jonathan verfertiget 2. Sam. 1 M. Walther erläut. d. proph. Daniel (1645) 4, 198;

ei! so wil ich (Zesen) noch erschwingen
meine stimm' und letztlich singen
dir ein traurigs grabelied
(in form eines gedichtes)
Zesen verm. Helikon (1656) 3, 63;

so wird der frauen preisz, die Reusznerin, gefällt (sie stirbt),
der meiner musen mund ein traurig grablied singet
Pietsch geb. schr. (1740) 201;

grablied.
schlaf, schwester, sanft im erdenschoos!
du bist des bittern jammers los
Miller ged. (1783) 287;

die rührende stimme seines (Ewald von Kleists) grab- und geburtsliedes ... tönt noch jedem leser ins herz Herder 17, 66 S.; vgl. 5, 418.
3) lied eines sterbenden. im 17. jh. gern auf das angebliche singen sterbender schwäne bezogen, vgl. dazu s. v. schwan 2, teil 9, 2204f.:

wie sonderlich der schwan
sein süsses grabelied jhm selber tichten kan
Opitz teutsche poemata 64 ndr.; vgl. 38;

in welchem verstande denn auch für keine falschheit zu halten ist: dasz die schwanen annehmliche grabelieder singen Lohenstein Arminius (1689) 2, 219a; vgl. 1, 611b; im 9ten stücke (eines militärischen journals) findet man ein grablied eines soldaten ... ferner ein lied eines soldaten, der das land mit seinen kindern bauet allg. dt. bibl. (1765) 62, 249;

grablied.
geht nun hin und grabt mein grab,
denn ich bin des wanderns müde
E. M. Arndt w. 5, 53 R.-M.


4) lied, das tod, grab und vergänglichkeit zum gegenstand hat: dieser glaubigen und jetzt seligen seelen gedencke ich alhie gerne, denn also werde ich teglich menschlichs elends vnd sterbligkeyt erinnert, vnd lerne mich auch auff ein seligs stündlein schicken, vnd singe mein requiem vnd grablieder deste sehnlicher Mathesius ausgew. w. 4, 5 Loesche;

esz ist der saitenklang zwahr liblich anzuhören,
der würger aber läst sich nicht dadurch bethören,
ein christlichs grabelied mit ernst herfür gebracht
vertreibt viel kräfftiger die finstre todesnacht
Rist neuer teutscher Parnass (1652) 813;

grablied.
auf! laszt uns fröhlich singen
ein lied von tod und grab!
E. M. Arndt w. 1, 194 L.-St.


5) im anschlusz an 4 auch allgemeiner und mit negativem akzent, soviel wie 'trauerlied':

dem ist das fröhliche zu scheckernd possenhaft,
und jenem eben das ein grablied ohne kraft
Lessing 1, 251 L.-M.;

jeder dünkt sich behaglicher, wenn er solo irgend ein lamentables grablied oder ein jammervolles bedauern verlorner liebe singt ... ich lasse ihnen dergleichen wohl zu ... und verwünsche dabey die Matthissons, Salis, Tiedgen, und die sämmtliche clerisey, die uns schwerfällige Deutsche sogar in liedern über die welt hinaus

[Bd. 8, Sp. 1621]


weist, aus der wir ohnehin geschwind hinauskommen (anspielend auf einen von G. gegründeten singchor) Göthe IV 20, 9 W.
6) uneigentlicher und übertragener gebrauch wurzelt vornehmlich in der bedeutung 1. dabei erscheinen das grund- oder das bestimmungswort, manchmal auch beide zugleich, in uneigentlicher bedeutung:

ein jeder stundenschlag spielt uns ein grablied vor
Morhof unterr. v. d. dt. sprache (1682) 2, 185;

uhus, eulen
sollen mir mein grablied heulen
Weinhold Heinrich Christian Boie (1868) 318;

er soll ruhn
am Rhein, und ewig soll der Rheinstrom ihm
das grablied brausen
Grabbe w. 2, 249 Bl.

gern zu grab C in dessen allgemeiner bedeutung 'tod, ende, untergang':

o mein gefangnes volck, ihr weiber, schlagt die brüste,
singt Trojen grabelied, das nun liegt öd und wüste
Opitz opera (1690) 1, 211;

(ein alter spanischer soldat murmelte, als er das niederl. lied 'ein prinze von Oranien' hörte:) 'da ist sie schon wieder, diese gottverfluchte weise, das grablied von Spaniens macht und ehre' W. Raabe s. w. I 5, 512 Klemm. hier besonders in der verbindung jem. oder einer sache das grablied singen 'tod und untergang ankündigen':

wie könnt er doch vor diesen tisch mich laden,
von richtern, herzlos, die, den eulen gleich,
stets von der kugel mir das grablied singen
H. v. Kleist w. 3, 74 E. Schmidt;

bis Diderot und seine freunde in ihren dithyramben jeder königswürde das grablied sangen Böttiger kl. schr. (1837) 3, 214.
 
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gräbling, m., soviel wie gräbing (s. d.), 'gryllus gryllotalpa' Nemnich wb. d. naturgesch. 205.
 
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grablohn, m., seltener grabelohn (s. 2), zu graben, vb. 1) totengräberlohn, im ersten beleg möglicherweise auch entgelt für andere leistungen beim begräbnis; vgl., mit anderer herleitung, gräberlohn:

da vm scholt irs gar gern ton (einen meszner heiraten),
so wirt euch leutgelt und grablon,
wann es wirt ain groszer sterb kumen,
des nem wir groszen frumen fastnachtspiele 615 lit. ver.;

dem (totengräber) müsse wohl etwas zugestoszen sein, früher hätte er doch seinen grablohn versoffen Waggerl mütter (1935) 233. 2) allgemeiner entgelt für gartenarbeit u. ä.: der garten, der mir mit beschaffung der bohnenstangen und der pfähle, mit grabelohn und anderm tagelohn ... mindestens 10 tlr. kostet, ist jetzt ganz bestellt Fr. Reuter briefe (1851) 302.
 
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grablos, adj., unbestattet, ohne grab, vgl. DWB grablos insepultus, inhumatus Stieler stammb. (1691) 1178: von denen sachen wolt der Andreas Permus ... gar nichts hören, weil er zuvor jhn (Martin Bucer) grablosz machen geholffen (d. h. ihn zur verbrennung wieder hatte aus dem grabe holen lassen) Henricpetri generalhist. (1577) 440;

im sande liege grablos sein gebein
Schiller 6, 415 G.;

hat ihn die verzweiflung in die fluth gestürzt? das meer den verräther auf den sand getrieben, wo er grablos modert? Klinger neues theater (1790) 2, 160;

man soll ihn (Polynikes) lassen unbeweint und grablos,
süsz mahl den vögeln, die auf fraszes lust sehn
Hölderlin s. w. 5, 188 Hell.; vgl. 207.


 
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grabmacher, m. 1) erbauer eines grabmonuments, zu grab A 2: mausolearius graffmecher (md. 15. jh.) Diefenbach gl. 352b; s. v. monumentarius ebda 367b. 2) totengräber, zu grab A 4 a β: todtengräber, grabmacher vespellio, vespillo, vispellio, funerator, vulgo fossarius Henisch (1616) 1722: aber in meinem leben hab ich keinen so ungeschickten grabmacher gesehn (wie den im 'Hamlet') Bode Thomas Jones (1786) 6, 81; Ziesemer pr. wb. 1, 471.

[Bd. 8, Sp. 1622]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) grabmagd, f., im älteren nhd. für eine gartenarbeiterin: garten- sive grabmagd hortorum cultrix Stieler stammb. (1691) 1210.
 
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grabmahl, n., totenmahl, leichenschmaus, zu mahl, n., convivium, s. teil 6, sp. 1452. über vereinzelte lexikalische bezeugung hinaus kaum sprachläufig: grabmal significat ... silicernium sive coenam exsequialem Wachter gl. (1737) 604.
 
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grabmal, n. , vereinzelt grabesmal (im vers) Herder 11, 396 S. und (ebenfalls im vers) gräbermal Storm ges. w. (1889) 8, 192; moderne dichterchar. 126 Arent-C.-H.; A. Miegel (s. u. 1 a).
das wort, als zusammensetzung von grab mit mal in dessen bedeutung 'zeichen' (s. DWB mal 2 f, teil 6, sp. 1496), ist zufrühest in Luthers bibelübersetzung nachzuweisen (s. u. 1 a) und scheint sonst im 16. jh. nur in unmittelbarer anlehnung an diesen gebrauch verwandt zu werden (s. Mathesius unter 2 d); im 17. jh. jedoch wird es rasch sprachläufig und nun auch lexikalisch verzeichnet. die heute allein übliche schreibung grabmal ist auch die des 16. jhs., erst im 17. jh. erscheint daneben grabmahl, das zeitweilig überwiegt und noch über die mitte des 19. jhs. hinaus gelegentlich begegnet: grabmahl Raabe hungerpastor (1864) 1, 168; Ed. Gerhard akad. abhandl. (1866) 2, 230. die schreibung grabmaal ist vom späten 17. jh. bis ins frühe 19. jh. nicht selten und dient wohl auch der abgrenzung gegen mahl 'convivium', vgl. Gottsched dt. sprachkunst (1748) 43. der pl. grabmale scheint der ursprüngliche und im 17. jh. allein übliche, er ist heute der gehobenen sprechweise eigen; im übrigen herrscht vom 18. jh. bis in den modernen gebrauch der pl. grabmäler vor, s. auch Paul nhd. gr. 2, 28. das nebeneinander beider formen bei einunddemselben autor ist nicht selten, vgl. z. b. Göthe unter 1 b. vereinzelt begegnet der pl. grabmahler Olearius d. itzige stand d. königr. Persien 66b in: verm. reisebeschr. (1696).
1) in allgemeinstem sinne und in frühester bezeugung für jedes mal, jedes erinnerungszeichen, mit dem ein grab bezeichnet und der begrabene ausgezeichnet wird; auszerhalb künstlerischer wertung.
a) von den erdhügeln und steinmalen frühgeschichtlicher oder kulturgeschichtlich primitiver grabstätten: und Jacob richtet ein mal auff uber jrem grab, daselb ist das grabmal Rahel bis auff diesen tag 1. Mose 35, 20; vgl. 2. kön. 23, 17; in 2. kön. 23, 17 grabmal erst seit 1543, vorher warte und, zur bibel 1541 berichtigend, grab, dazu aber folgende randglosse: was aber solche camer oder gazophylatia vnd grabmal oder grabzeichen sind, wirstu in den propheten Jeremia (8, 1) vnd Ezechiel (32, 23) wol finden bibel 8, 677 W. mit berufung auf 2. kön. 23, 17 in der ältesten lexikalischen verzeichnung des wortes: grabmal tumulus Henisch (1616) 1721. hierher wohl auch, wenn nicht zu 4:

verschaff, dasz man ein gruben mach,
...
welchs sein grab mahl bleib gleicher weisz
...
dann ich will gehn verschaffen frey
ein grabmal (dem Aiax) zu sein letzten ehren
(beidemal für lat. tumulum) (1608)
Spangenberg bei
Dähnhardt griech. dramen 2, 125.

jünger: wo nur ein einziger (altar) ist, ... da ist mehrenteils auch ein grabmaal (bei hünengräbern) Gerstenberg schlesw. lit.-br. 249 lit.-denkm.;

häufe mir ... am gestade des ... meeres ein grabmal,
dasz die enkel noch hören von mir unglücklichem manne
J. H. Voss Odyssee 194 Bernays;

ein niedriger hügel, voll brombeerranken und wilder rosenbüsche, ein grabmal unbekannten volkes, wie hier (in der heide) viele sind Storm s. w. (1899) 1, 99; dolmenartige steindenkmäler, zum großen teile offenbar als grabmäler angelegt Ratzel völkerk. (1885) 2, 224;

elch und keiler suhlten im erlenbruch.
unterm urwald schliefen ringwall und gräbermal
Agnes Miegel herbstgesang (1933) 24.

[Bd. 8, Sp. 1623]



b) innerhalb jüngerer verhältnisse unseres kulturkreises, und besonders in poetischer sprache, auch von den grabsteinen oder anderen merkmalen normaler durchschnittsgräber: weiter hat man auf königl. seiten drei gantzer tage lang, auf den leiterwagen, die leichen zusammen gelesen und eingescharret; kein grabmahl aber machen, sondern der erden gleich schlichten lassen Prätorius zodiak. merkur. (1667) 141;

so sol man sehn nach meinem sterben,
hier diese wort auf meinem grabmahl stehn
Neumark fortgepfl. lustw. (1657) 383;

die wehmuth weint der menschlichkeit zu ehren ...
wenn sie den tod des freundes hört:
allein wie wird ihr schmerz vermehrt,
wenn sie sich selber auf sein grabmaal lehnet
Zachariae poet. schr. (1763) 3, 214.

wenn heute grabmal (oder grabdenkmal) als summarische bezeichnung für gewöhnliche grabsteine, grabkreuze und verwandte plastische gebilde in der sprache des steinmetzenhandwerks und auch sonst gängig ist, so ist diese anwendung auch als nivellierung des unter 2 a begegnenden speziellen wortgebrauchs zu verstehen. eine solche die grenzen zu diesem gebrauch verwischende anwendung bereitet sich schon im 18. jh. vor, vgl. z. b. Noel Chomel öcon. lex. (1750) 4, 1290; Jacobsson technol. wb. (1793) 5, 724a: die grabmale (eines friedhofs mit gräbern aller art) deuten in ihrem zerstörten zustande auf ein mehr als vergangenes; sie sind grabmäler von sich selbst Göthe I 48, 167 W.; die gräber lagen an einem heimlichen platz an der mauer des kirchhofs, und bald waren sie nicht nur durch ein grabmal bezeichnet, sondern auch mit blumen bepflanzt M. Meyr erz. a. d. Ries (1868) 3, 219; s. auch unten grabmalgeschäft, -künstler;

und unter den
steinernen gräbermalen (eines kirchhofs)
keuchten schatten moderne dichtercharaktere 126 Arent-C.-H.


2) in speziellerem sinne als bezeichnung für die verschiedenen anspruchsvollen kunstformen plastischer oder architektonischer grabgestaltung, wie sie, antiken ursprungs, über das mittelalter bis in die neuzeit sich fortsetzt. zu grab A 2 b—f und in gleicher bedeutung wie jüngeres, im ganzen ungebräuchlicheres grabmonument (s. d.). in dieser engeren anwendung erst seit dem 17. jh., aber dann rasch zur vorherrschenden entwickelt.
a) für plastische arbeiten, die an gräbern oder über gräbern ausgeführt sind, bildverzierte grabplatten und sarkophage, denkmäler, plastische symbole, auch architektonisch gegliederte und bildhauerisch verzierte fassadenbauten u. ä., oft ohne dasz in der anwendung des wortes eine dieser spielformen deutlich hervorträte; synonymen gebrauchs mit jüngerem grabdenkmal (s. d. 1). zum kunstgeschichtlichen fachbegriff vgl. z. b. Müller-Mothes archäol. wb. (1877) 1, 485 ff. s. v. grabdenkmal (grabmal): solchem zu folge, ist ihm, bey dem scherbenthor, zum grabmahl eine flammseule aufgerichtet worden Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 5, 335; auf einem grabmahle des bürgermeisters herrn von Beverink zu Goude in den Niederlanden. ein weinender knabe, bey einer urne, ein anderer weist mit der hand gen himmel A. G. Kästner verm. schr. (1772) 2, 154; auch der jüngling auf den (antiken) grabmälern ist nicht ein eignes wesen, sondern 'lebensende, letzter schlaf' Herder 5, 664 S. gern mit anspielung auf materialwert und kostbarkeit der arbeit: o was sind doch alle marmorne und goldne grabmäler gegen einen rosenstrauch, den armuth, dankbarkeit und liebe einem redlichen aufs grab pflantzt Miller briefw. dreier akad. freunde (1778) 1, 541;

ihren sänger ehrt die herrin
durch ein prächtiges begängnisz,
und ein grabmal von porphyr
lehrt sein trauriges verhängnisz
Uhland ged. (1898) 1, 203.

insbesondere von den grabmonumenten vornehmer oder bedeutender personen in den christlichen kirchen: in der kirche ... gefiel mir ein grabmahl von tyrolischem

[Bd. 8, Sp. 1624]


marmor Nicolai reise durch Deutschl. u. d. Schweiz (1783) 2, 617; aus der schönsten zeit des mittelalters herrührend und in einem groszartigen stile gebaut, enthält sie (die kirche) die grabmäler aller königlichen geschlechter Dänemarks H. Steffens was ich erlebte (1840) 1, 109; lange schon ruhte herr Rüdiger Manesse in der gruft bei den Augustinern zu Zürich und lagen die eltern der Fides unter grabmälern ihrer münsterkirchen, getrennt durch land und wasser G. Keller ges. w. (1889) 6, 117; vgl. 3, 228; die altäre, sakramentshäuser, kanzeln, lettner, schranken und chorstühle, grabmäler usw. Dehio kunsthist aufsätze. (1914) 59. ungewöhnlicher für ein nicht über einem grab errichtetes ehrenmal zum andenken an einen toten: grabmahl cenotaphium Reyher thes. (1686) g 5c; die jammernde Procne reiszt die prunkgewänder von den schultern und legt trauerkleider an, ein leeres grabmal errichtet sie, und beweint das ... geschick der (totgeglaubten) schwester Hegel w. (1832) 10, 2, 32; vgl. noch Campe 2 (1808) 437a. zu der in jüngerer sprache um sich greifenden erweiterung dieses ganzen wortgebrauchs auf den normalen plastischen grabschmuck überhaupt vgl. oben 1 b.
b) grabbau, mausoleum, erbgruft, für ein als selbständiges gebäude aufgeführtes monument, in dem ein grab oder mehrere gräber sich befinden; von a im einzelfall nicht immer sicher zu unterscheiden: als nun lange hernach Darius, der Perser könig, solches grabmahl (der Semiramis) öffnete, fand er darinn kein geld J. Prätorius wündschelruthen (1667) 374;

Mausolens grabmaal trotzt den prächtigsten pallästen
Cronegk schr. (1766) 2, 31;

er (der turm) scheint kein werk der Araber, er ist inwendig mit erde ausgefüllt; von allen seiten gehn stufen hinauf und man hält ihn für ein grabmal W. v. Humboldt über d. antike theater in Sagunt 109 lit.-denkm.; der Apis (als ägyptischer gott) hatte prächtige grabmäler, und einige pyramiden waren als solche zu betrachten Hegel w. (1832) 9, 222;

stolze prunksucht türmte dich einst, o grabmal
(die Cestius-pyramide zu Rom)
Platen w. 1, 192 Hempel.

an die vorstellung gebunden, dasz man in ein solches gebäude hineingehen, darin sich aufhalten kann u. ä.: so musz Polidor, wenn er aus der schlacht kömmt, und sich wiederum in dem grabmahle verbergen will, der Zelmire den rücken zukehren Lessing 9, 262 L.-M.;

was für blut befleckt
die steine hier an dieses grabmahls schwelle
(des familienbegräbnisses der Capulets) ('Romeo u. Julia' V 3) Shakespeare 1 (1797) 16; vgl. 165;

wir verdanken ihm freilich die todesscene Kleopatras im grabmale G. Freytag ges. w. 14 (1887) 65.
c) in der bedeutung a oder b häufig mit dem beigefügten namen des begrabenen, in historischer bestimmung: sie sich ... bei den kaiserlichen begräbnissen des Augustus, wo der Octavia grabmal, würden sehen lassen A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 379;

winde dich, zart gewächs (weinstock),
rings um Anakreons grabmal
Eschenburg beispielsammlg. (1788) 2, 9;

in der carthause von Pavia auf dem grabmal der ... Beatrix von Este Göthe I 49, 302 W.; haben sie Kleists grabmal besucht? Fontane ges. w. (1905) I 2, 202; (in Ravenna) errichtete er (Theoderich) das bauwerk, das sein wesen am reinsten und edelsten ausdrückt, sein grabmal, das in anlehnung an ältere römische grabmäler — das grabmal Hadrians in Rom — doch zugleich älteste germanische überlieferungen wieder aufzunehmen scheint Gmelin Italienfahrten (1940) 38.
d) in fester verbalverbindung ein grabmal aufrichten, errichten, bauen, setzen u. ä., im ersten beleg zu 1 a, sonst zu 2; oft mit auszeichnendem attribut: Jacob richtet auch seiner lieben Rachel ... ein gedechtnusz vnd grabmal auff Mathesius ausgew. w. 4, 91 Loesche; sie hat ...

[Bd. 8, Sp. 1625]


ein ... über die mass ... prächtig grabmahl auffgerichtet Dannhawer catech.-milch (1657) 3, 207; er lieget in der stifftskirche des heil. Ambrosii zu Mayland beerdigt, in welcher ihm zum immerwährenden angedencken ein herrliches grabmahl aufgerichtet worden Hahn einl. z. d. teutschen staats-, reichs- u. kayserhist. (1721) 1, 206; der kalif läszt ihm ein prächtiges grabmal errichten Scherer lit.-gesch. 7176;

(Nero:) (man soll) ihr aus ertzt und stein
ein köstlich grabmal baun
Lohenstein Agrippina (1680) 82;

dem Hyperanthes erbaut er zu Lesbos ein herrliches grabmahl Bürger s. w. 274b Bohtz;

(Turasyll:) hat er (der könig) bestattet sie (die gattin) mit würd'ger pracht?
(Prokles:) ein herrlich grabmal hat er ihr gesetzt
Immermann w. 16, 317 Hempel;

so einer stürbe, soll ihm von der gesellschaft ein grabmahl gestifftet werden Zend. a Zendoriis teutsche winternächte (1682) 566.
3) gelegentlich für ein künstlich ausgehauenes felsengrab, enstprechend grab A 2 a: ein ansehnliches in einen lebendigen fels gehauenes grab. welches ihnen so viel mehr wunders werth vorkam, weil ... die steinernen grabmale bey denen Deutschen sehr seltzam waren Lohenstein Arminius (1689) 1, 29a. ähnlich in biblischen verhältnissen, von einer grabhöhle: dasz ich (Joseph) ihn (Jakob) im lande Kanaan, in seinem eigenen grabmahle, begraben solte Zesen Assenat (1679) 535 (536: [sie] begruben ihn in die zweifache höhle des akkers, den Abraham ... gekauft hatte, mit der höhle, zum erbbegräbnisse). besonders für das grab Christi, entweder in anlehnung an 2 a oder unter einflusz des steigernd gehobenen gebrauchs 4:

ich begrabe den todten des herrn (Christus)! dort gegen uns über
ist sein grabmaal, und meins
Klopstock Messias (1780) 388;

ders., geistl. lieder (1773) 1, 72;

da geht im glanz, den engel nur tragen,
der gottmensch aus dem grabmal
Wieland w. 6, 96 Hempel;

das grabmal (des Lazarus), vor das wir ... geführt werden, ist fast wie das nachherige grabmal Jesu beschrieben; es heiszt eine höhle, wie das grab Jesu den synoptikern zufolge in felsen gehauen, mithin gleichfalls eine künstliche höhle war D. Fr. Strausz ges. schr. (1876) 4, 196; vgl. 6, 25.
4) in poetischer oder feierlicher rede auch steigernd für einfaches grab, im 17. und 18. jh., vgl. dazu oben 1 b:

vergönne, tapffrer freund, alleine mir zu sterben,
es soll mein blut allein das düstre grabmahl färben
Ziegler asiat. Banise (1689) 820;

wir alle müssen fort,
wir alle in ein grabmal
Dusch verm. w. (1754) 45;

gerichtsdonner, ach, zu furchtbar tönest du
in die grabmahle
Klopstock Messias (1780) 733;

schieszt! schieszt! und macht den schosz der erde bersten!
der risz soll eurer (der Schweden) leichen grabmal sein
H. v. Kleist w. 3, 51 E. Schmidt.


5) in älteren sonderbedeutungen z. t. unsicheren charakters.
a) leichenbegängnis, vereinzelt im 17. jh.:

womit in jener welt sich mancher gott ergetzt,
da man sein (des helden) grabmal hielt ...
die frommen tugenden, des helden preis und zier, ...
die hielten disz gepräng'
Fleming dt. ged. 1, 45 lit. ver.

hierher vielleicht auch ein noch etwas älterer übersetzungsbeleg, der seine (griechisch-) lateinische vorlage entweder falsch versteht oder sie aus der zurüstung eines scheiterhaufens (rogus) bewuszt in eine bestattungsfeier umdeutet:

[Bd. 8, Sp. 1626]


eins theils fürwar
brachten grünende zweyge dar,
eins theils das grabmal ihr zuricht,
brachten brennent kertzen
(alii jacentem frondibus consternere,
alii supremum sedulo apparant rogum [gr. πυράν]
taedas ferentes pineas) (1605)
Spangenberg bei
Dähnhardt gr. dramen 1, 221.

vermischung der vorstellungen eines scheiterhaufens und eines grabdenkmals zeigt übrigens einfreilich uneigentlichergebrauch bei Herder: kaum liesz er (der gute geschmack) sich irgendwo auf einer glücklichen städte nieder: so sammlete er sich auch bald brennreiser zu seinem eignen grabmale 5, 599 S. ähnlich wohl auch: ich Teutschland bin ein aass, bin selbst mein todtengräber, schickt mir mein grabmahl zu, zünd meinen holtzstosz an Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 379.
b) grabschrift, epitaph, gelegentlich im 17. und frühen 18. jh., vgl. DWB grabmal significat ... inscriptionem sepulcralem, sive sermonem defuncti ad posteros e sepulcro Wachter gloss. (1737) 604; nicht eindeutig hierher grabmal ... monumento, it(em) epitafio M. Kramer t.-ital. 1 (1700) 553 (vgl. auch ebda 2 [1702] 16), da lat. epitaphium lexikalisch für grabmal 2 begegnet, vgl. z. b. Wolff math. lex. (1747) 598 und noch epitaphium grabschrift, grabmal Kinderling reinigk. d. dt. spr. (1795) 172. die wenigen hierher gehörigen belege schlieszen freilich eine deutung nicht aus, in der grabmal nicht 'grabschrift' im eigentlichen sinne, sondern, wie unter 6 b, ein gedenkzeichen geistiger art meinen könnte: entweder würde sie sterben, und da solte er doch der einzige sein, der ihm ein grabmahl schriebe Chr. Weise d. polit. näscher (1678) 320; itzt gedachter Frantzose setzt hochgedachter princeszin ein schönes grabmahl zu ehren auff, darinnen unter andern diese worte befindlich Sperling Nicodemus quaerens 1 (1718) 1155;

so soll zu deinem ruhm man einst die grabschrifft lesen ...
ihr jungfern wollt ihr nicht ein gleiches grabmahl haben, ...
so liebt, wie unsre braut
Neukirch anfangsgründe z. t. poesie (1724) 796.


6) bildlicher und uneigentlicher gebrauch des wortes knüpft vorwiegend an grabmal 2 an, wobei die hierher gehörigen bildhaft konkreten züge meist noch durchschimmern; z. t. ist einwirkung des bildlichen und uneigentlichen gebrauchs von grab (s. d. B, C) unverkennbar.
a) selten begegnet unmittelbarer vergleich: ihre verse sind ein von auszen blendendes grabmahl neue schauspiele (1771) 12, 115; und sein eignes haus ihm vorkam wie ein düsteres grabmal, in dem er selbst mit allen seinen freuden begraben E. T. A. Hoffmann s. w. 12, 17. Gr.
b) uneigentlich steht grabmal für ein dem äuszeren denkmal vergleichbares gedenkzeichen anderer, zumal geistigunsinnlicher art, vgl. auch oben 5 b: ich habe deroselben preiszwürdigsten tugenden und thaten einen lorbeerhayn gepflanzet, und einen ehrentempel erbauet: der sich aber, vor seinem völligen aufwachs und ausbau, in einen zypressenhayn und grabmahl verwandelt (durch den vorzeitigen tod des geehrten) S. v. Birken ostl. lorbeerhayn (1657) 8a;

hier diese arme solln dein leichenhemde,
mein herz dein grabmal, süszer junge, sein Shakespeare 8 (1801) 250;

als ein grabmal für Wera Knoop (die sonette an Orpheus) Rilke br. 2 (1950) 311. auch für den ruf und das andenken, die ein verstorbener hinterläszt:

geduld und tugend kan ein ewig grabmal stifften
Gryphius trauersp. 604 Palm;

sein (des gefallenen helden) grabmahl baut die ehre
maler Müller w. (1811) 1, 206.


c) die 2 e entsprechende gelegentliche verbalverbindung (sich) sein grabmal bauen '(sich) ins grab, (sich) zum tod und untergang bringen' gehört zu der unter grab C stark entwickelten uneigentlichen anwendung:

das glück hat ihnen (meinen gefallenen söhnen) selbst ihr grabmaal aufgebaut.
sie haben unsern fall nicht lebend angeschaut
Gottsched dt. schaubühne (1741) 1, 46;

[Bd. 8, Sp. 1627]


so ist es! Deutschland stirbt einen kostbarn tod.
mit viel gefahren, leichen und mühe baut
es sich sein grabmahl
Herder 27, 113 S.


d) am ausgeprägtesten ist ein grab B entsprechender bildlicher gebrauch. grabmal steht hier für den ort oder raum, wo etwas gestorbenes oder untergegangenes liegt, bzw. für spuren und überreste des untergegangenen, vernichteten selbst; die sinnfälligkeit der zum eigentlichen wortgebrauch gehörigen vorstellung behauptet sich hier besonders deutlich: aber ... sind diese so wol mühesame als holdselige wercke (aus blumen) ... nicht lange bleiblich, und werden bald baufällige grabmahl, und nicht lang daurende mausolaea ihrer blühenden aber verwichenen schönheit Hohberg georg. cur. (1682) 1, 692;

und wo Corinthus war,
da stellet sich von steinen,
und morschen todtenbeinen,
sein traurigs grabmahl dar
Triller poet. betracht. (1750) 2, 289;

dachtest du je, dasz dieses unendliche rund (der natur) das grabmal deiner ahnen ist, dasz dir die winde, die dir die wohlgerüche der linden herunterbringen, vielleicht die zerstobene kraft des Arminius in die nase blasen Schiller 2, 349 G.; pasteten von ungeheurer grösze, die ganzen vögelschaaren zum grabmahl dienen Archenholz England u. Italien (1785) 1, 2, 401. im rahmen solcher vergleichung auch in einseitiger oder beiderseitiger beziehung auf abstraktes:

dasz, wenn nunmehr der ring (ehering) die hand gefesselt hat,
das ehbett insgemein der liebe grabmahl zeige
J. Chr. Günther ged. (1739) 444;

in jenen traurigen ruinen (Roms, Athens)
sieht sie (die wissenschaft) das grabmaal ihres ruhms
Schwabe belust. (1741) 6, 101;

schöne wiege meiner leiden,
schönes grabmal meiner ruh,
schöne stadt, wir müssen scheiden
H. Heine s. w. 1, 31 Elster;

der jezige augenblik ist das grabmal aller vergangenen Schiller 4, 37 G.; und sie ahnten nicht von ferne, dasz ihr lehrgebäude ihr (der religion) zum grabmal dienen würde Jung-Stilling s. schr. (1835) 6, 376.
e) vereinzelt bleibt unmittelbare übertragung: in grabmälern (handschriften und folianten) sich belustigen? Klopstock gramm. gespr. (1794) 69. —

 

grablied
 1)  beim leichenbegängnis und am grabe gesungenes oder für diesen anlasz bestimmtes lied, begräbnischoral: das schöne grablied von Job Josephs schwagern ..., welches wir noch heutigen tags in vnsern begengnussen singen. ich glaube das mein erlöser lebet Mathesius
 2)  als lied oder gedicht auf einen verstorbenen, das den toten beklagt und ehrt, an den akt der bestattung nicht mehr unbedingt gebunden und oft, sofern es sich um ein elegisch-lyrisches gebilde handelt, von diesem ganz gelöst; namentlich im gebrauch des barock und bis in die dichtung
 3)  lied eines sterbenden. im 17. jh. gern auf das angebliche singen sterbender schwäne bezogen, vgl. dazu s. v. schwan 2, teil 9, 2204f.: wie sonderlich der schwan sein süsses grabelied jhm selber tichten kan Opitz
 4)  lied, das tod, grab und vergänglichkeit zum gegenstand hat: dieser glaubigen und jetzt seligen seelen gedencke ich alhie gerne, denn also werde ich teglich menschlichs elends vnd sterbligkeyt erinnert, vnd lerne mich auch auff ein seligs stündlein schicken, vnd singe mein requiem vnd grablieder deste sehnlicher Mathesius
 5)  im anschlusz an 4 auch allgemeiner und mit negativem akzent, soviel wie 'trauerlied': dem ist das fröhliche zu scheckernd possenhaft, und jenem eben das ein grablied ohne kraft Lessing 1, 251 L.-M.;
 6)  uneigentlicher und übertragener gebrauch wurzelt vornehmlich in der bedeutung 1. dabei erscheinen das grund- oder das bestimmungswort, manchmal auch beide zugleich, in uneigentlicher bedeutung: ein jeder stundenschlag spielt uns ein grablied vor Morhof
 
grabmal
 1)  in allgemeinstem sinne und in frühester bezeugung für jedes mal, jedes erinnerungszeichen, mit dem ein grab bezeichnet und der begrabene ausgezeichnet wird; auszerhalb künstlerischer wertung.
  a)  von den erdhügeln und steinmalen frühgeschichtlicher oder kulturgeschichtlich primitiver grabstätten: und Jacob richtet ein mal auff uber jrem grab, daselb ist das grabmal Rahel bis auff diesen tag
  b)  innerhalb jüngerer verhältnisse unseres kulturkreises, und besonders in poetischer sprache, auch von den grabsteinen oder anderen merkmalen normaler durchschnittsgräber: weiter hat man auf königl. seiten drei gantzer tage lang, auf den leiterwagen, die leichen zusammen gelesen und eingescharret; kein grabmahl aber machen, sondern der erden gleich schlichten lassen
 2)  in speziellerem sinne als bezeichnung für die verschiedenen anspruchsvollen kunstformen plastischer oder architektonischer grabgestaltung, wie sie, antiken ursprungs, über das mittelalter bis in die neuzeit sich fortsetzt. zu grab A 2 b—f und in gleicher bedeutung wie jüngeres, im ganzen ungebräuchlicheres grabmonument (s. d.).
  a)  für plastische arbeiten, die an gräbern oder über gräbern ausgeführt sind, bildverzierte grabplatten und sarkophage, denkmäler, plastische symbole, auch architektonisch gegliederte und bildhauerisch verzierte fassadenbauten u. ä., oft ohne dasz in der anwendung des wortes eine dieser spielformen deutlich hervorträte; synonymen gebrauchs mit jüngerem grabdenkmal (s. d.
  b)  grabbau, mausoleum, erbgruft, für ein als selbständiges gebäude aufgeführtes monument, in dem ein grab oder mehrere gräber sich befinden; von a im einzelfall nicht immer sicher zu unterscheiden: als nun lange hernach Darius, der Perser könig, solches grabmahl (der Semiramis) öffnete, fand er darinn kein
  c)  in der bedeutung a oder b häufig mit dem beigefügten namen des begrabenen, in historischer bestimmung: sie sich ... bei den kaiserlichen begräbnissen des Augustus, wo der Octavia grabmal, würden sehen lassen A. U. v. Braunschweig
  d)  in fester verbalverbindung ein grabmal aufrichten, errichten, bauen, setzen u. ä., im ersten beleg zu 1 a, sonst zu 2; oft mit auszeichnendem attribut: Jacob richtet auch seiner lieben Rachel ... ein gedechtnusz vnd grabmal auff Mathesius
 3)  gelegentlich für ein künstlich ausgehauenes felsengrab, enstprechend grab A 2 a: ein ansehnliches in einen lebendigen fels gehauenes grab. welches ihnen so viel mehr wunders werth vorkam, weil ... die steinernen grabmale bey denen Deutschen sehr seltzam waren Lohenstein
 4)  in poetischer oder feierlicher rede auch steigernd für einfaches grab, im 17. und 18. jh., vgl. dazu oben 1 b: vergönne, tapffrer freund, alleine mir zu sterben, es soll mein blut allein das düstre grabmahl färben Ziegler
 5)  in älteren sonderbedeutungen z. t. unsicheren charakters.
  a)  leichenbegängnis, vereinzelt im 17. jh.: womit in jener welt sich mancher gott ergetzt, da man sein (des helden) grabmal hielt ... die frommen tugenden, des helden preis und zier, ... die hielten disz gepräng'
  b)  grabschrift, epitaph, gelegentlich im 17. und frühen 18. jh., vgl. grabmal significat ... inscriptionem sepulcralem, sive sermonem defuncti ad posteros e sepulcro Wachter
 6)  bildlicher und uneigentlicher gebrauch des wortes knüpft vorwiegend an grabmal 2 an, wobei die hierher gehörigen bildhaft konkreten züge meist noch durchschimmern; z. t. ist einwirkung des bildlichen und uneigentlichen gebrauchs von grab (s. d. B, C) unverkennbar.
  a)  selten begegnet unmittelbarer vergleich: ihre verse sind ein von auszen blendendes grabmahl neue schauspiele (1771) 12, 115; und sein eignes haus ihm vorkam wie ein düsteres grabmal, in dem er selbst mit allen seinen freuden begraben E. T. A. Hoffmann
  b)  uneigentlich steht grabmal für ein dem äuszeren denkmal vergleichbares gedenkzeichen anderer, zumal geistigunsinnlicher art, vgl. auch oben 5 b: ich habe deroselben preiszwürdigsten tugenden und thaten einen lorbeerhayn gepflanzet, und einen ehrentempel erbauet: der sich aber, vor seinem völligen aufwachs und ausbau, in einen zypressenhayn und grabmahl
  c)  die 2 e entsprechende gelegentliche verbalverbindung (sich) sein grabmal bauen '(sich) ins grab, (sich) zum tod und untergang bringen' gehört zu der unter grab C stark entwickelten uneigentlichen anwendung: das glück hat ihnen
  d)  am ausgeprägtesten ist ein grab B entsprechender bildlicher gebrauch. grabmal steht hier für den ort oder raum, wo etwas gestorbenes oder untergegangenes liegt, bzw. für spuren und überreste des untergegangenen, vernichteten selbst; die sinnfälligkeit der zum eigentlichen wortgebrauch gehörigen vorstellung behauptet sich hier besonders deutlich: aber
  e)  vereinzelt bleibt unmittelbare übertragung: in grabmälern (handschriften und folianten) sich belustigen? Klopstock