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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
grabland bis gräbling (Bd. 8, Sp. 1616 bis 1621)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) grabland, n., s. DWB grabeland.
 
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grablege, f., älter in den aus grablegede kontrahierten und verkürzten formen grableyde, grabeleyde, grabeley, grabley, dasselbe was jüngeres grablegung (s. d.). 'bestattung', älter offenbar aufs westmd. beschränkt: 170 phunt hallere, dy dy grabeleyde und die bestadunge ... kostete (hess. 1331) bei Dieffenbach-Wülcker 632;

[Bd. 8, Sp. 1617]


und (Jesus) sprag 'wat wizzint ir yre?
si hait wail gedan,
si wil myne grabeleyde vur begain' (hs. nach 1373) in: zs. f. dt. altert. 17, 37;

eyn mensche, das da hait entphangen das heylige oley und iss stirbt, ist dem pherner schuldig 5 sch. heller minus 3 heller zu grabley (rhein. 15. jh.) in: qu. z. gesch. d. sendgerichte 162, 33 Koeniger; vgl. 39; 43. auch für die zu entrichtende bestattungsgebühr: die jhene, die da sint von den jaren des heilgen olys (d. h. wohl: die ihrem lebensalter nach zum empfang des sterbesakraments berechtigt sind), sint grabeleyde schuldich 7 schilling (rhein. 1517) ebda 157, 2. diese gebühr anscheinend auch als maszstab für zahlungen an die kirche aus anderen gründen: obe eyns wolt anders wohin ghen und griffen zu der heyligen ee, so ist schuldich die grabeley 7 schilling (rhein. 16. jh.) ebda 156, 46. jünger nur in gelegentlichem spontangebrauch, soviel wie 'ort der grablegung': ein zweig der familie Rechberg hatte dort (in St. Blasien) ehedem die grablege gehabt Isolde Kurz Florentiner nov. (1937) 137; (Speyer) begleitet die schicksale des groszen und oft unglücklichen, immer kaiserlich denkenden geschlechtes (der Salier), es ist seine grablege geworden Pinder kunst d. dt. kaiserzeit (1935) 1, 134. —
 
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grablegung, f., jüngere bildung anstelle der vorigen. 1) im eigentlichen sinne 'bestattung eines toten', im ganzen unhäufig: grablegung (Fausts) (überschr. in Faust II, 5. akt) Göthe I 15, 317 W.; an so 'nem groszen begräbnisfest, da hat die hohe geistlichkeit ihre scheene iebervorteilung. desto zahlreicher so eine grablegung gehandhabt wird, je umfänglicher auch die offertorien flieszen Gerhart Hauptmann die weber (1892) 50. von da aus uneigentlich: allgemeine widerlegung und grablegung der genitiv- und s-verfechter der sache Jean Paul w. 54, 59 Hempel. 2) speziell als kunstgeschichtlicher terminus für die bildliche darstellung einer bestattung, vorwiegendund hier auch prägnantvom begräbnis Christi (vgl. in ähnlicher verwendung kreuzabnahme, beweinung): die berühmte grablegung ist zwar herrlich kolorirt, aber in der zeichnung verunglückt J. G. Forster s. schr. (1843) 3, 69; Albrecht Dürers grablegung Göthe IV 32, 203 W.; passionsaltäre, kreuzigungsgruppen, ölberge, stationswege, grablegungen, dazu der bilddruck — ein unermeszlicher überschwang Dehio gesch. d. dt. kunst 3 (1926) 50; Mariens tod, grablegung, himmelfahrt und krönung (am querhaus des Straszburger münsters) ebda 1 (1919) 335; reliefs in gyps von Canovas übrigen arbeiten. eine grablegung des Socrates durch seine freunde Seume spazierg. nach Syrakus (1803) 102.
 
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gräblein, n, mundartlich auch gräble Zingerle Lusern 32; grâberl volksschausp. in Bayern 195 Hartmann. 'kleines grab': ein kleines gräblein, das ... kein hügel seyn darf, sey unser hausz Hippel lebensläufe (1778) 2, 589;

da hab ich bei nacht
dem armen kinde
sein gräblein gemacht
O. Ludwig ges. schr. (1891) 1, 117.


 
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gräblein, n. , dimin. zu graben, m. im 13. jh. vereinzelt, seit dem 15. jh. häufiger belegbar, in alem.-bair.-fränk. und ostmd. quellen verbreitet. unter den verschiedenen formen des suffixes überwiegen -lin bzw. -lein, schwäb.-alem. -le, -li, die in der regel umlaut bewirken. aber: grablin (Augsburg 16. jh.) dt. städtechron. 2, 5. alem. und fränk. begegnen verschiedentlich, namentlich in älterer zeit, -elin, -elein, -ela, bair. -el. vereinzelt bleibt: gräbenlein (Nürnberg) Volkamer Nürnberger hesperides (1708) 23, singulär vielleicht auch -en für -el: negst ... bedeutem gräben (nähe Braunau 1619) in: arch. f. österr. gesch. 102, 369. als flexivische besonderheit ist singuläres gräblinen Calepinus (1579) 507a für den dat. pl. zu verzeichnen, der sonst gräblin, -lein lautet.
das suffix, das hier in der regel die kleinheit des grabens bezeichnet, hat jedoch gelegentlich auch bloszen gefühlswert:

[Bd. 8, Sp. 1618]


ich (die ziege) sprang nur über gräbelein
und fand kein einzig blättelein: meh! meh!
br. Grimm kinder- u. hausmärchen 1, 254 Helbling.


1) in eigentlicher bedeutung: 'kleine, künstlich angelegte vertiefung', meist im erdboden.
a) 'kleine vertiefung von offener, länglicher form': fossale grebelin (md. 15. jh.) Diefenbach gl. 244c; und (das äuszere tor) was sunst nit anderst umbfangen dann mit ainem schlechten zaun, und ain klain grasigs grablin darvor, kaum ain klafter dieff (Augsburg 15. jh.) städtechron. 2, 5; fossula ein gräblein Calepinus xi ling. (1598) 574b; dahero (um die bäume zu bewässern) man dann um den stamm herum die erde ein wenig zu erhöhen, und wie ein kleines gräbenlein zu machen pfleget, worein man das wasser giesset Volkamer Nürnberger hesperides (1708) 23; gräblein scrobs, fossula. ein gräblein machen facere scrobem Steinbach dt. wb. (1734) 1, 628. so von bestimmten arten kleiner gräben, meist in entsprechung zu graben, m.:
α) als kleiner be- und entwässerungsgraben, s. DWB graben A 1 a ζ: hyrvmb sol ein flissiger husz vatter vorsorgen by sinen eckern ... vnd durch den acker machen clein seye greblyn durch daz vbrige wasser absige in den grossen graben Petrus de Crescentiis opus ruralium ... zu teutsch (Speyer um 1495) 146b; als sie aber zu einem kleinen gräblein in einer wiesen kamen, darinnen regenwasser stund Hertzog schiltwache (o. j.) C 1b.
β) als sonstiger kleiner zu- oder ableitungsgraben, wie graben A 1 a η: demnach hat der Gnotzamer ... ein schutzprett machen lassen auf sein kost und ein greblein ... graben lassen, dardurch im der vischpach förderlich in den undern weier ... geet (Nürnberg 15. jh.) Tucher baumeisterbuch 218 lit. ver.; der platz, wo man bleichet, kan mit zwey oder drey gräblein, ... darein sich das wasser samlet, (versehen sein) Hohberg georg. cur. (1682) 1, 74; 's gräbli wasserrinne, gosse Seiler Basel 145; Martin-Lienhart elsäss. 1, 266a.
γ) als kleiner grenzgraben, vgl. DWB graben A 1 a ε: es ist nit allain die landtschaft und die statt Pregenz, sonder auch das schlosz gethailt gewesen, darin ein klains greblin zu ainer undermark gewesen Zimmer. chron. 21, 346 Barack.
δ) für einen kleinen hindernisgraben zur sicherung eines feldlagers, s. DWB graben A 1 a ι: vnnd gebott, das sie vil kleyner greblin vor jn machten kneüsz tieff vor eynander all vmb sein heer Carbach Livius (1551) 43b.
ε) als kleiner graben zum fang von tieren, vgl. DWB graben A 1 a γ: ferner machen sie (zum vogelfang) vor die gräblein der garne, so lang sie seyn, auff jede seite ein schwanckes rundes stänglein Aitinger jagd- u. waidbüchl. (1681) 256.
ζ) über den gebrauch bei graben, m. hinaus von einem kleinen markierungsgraben, z. b. bei erdarbeiten, s. auch 2gräbchen ende: damit nun die werck- und bau-leute sich desto besser darnach richten können, pfleget man von einem stande oder pfahle zu dem andern ein klein gräblein auf etliche zoll breit und tieff ringsherum zu machen, welches dann die erste grund-linie ... bedeutet Gruber friedens- u. kriegsschule (1697) 295. ähnlich von einer startlinie bei einem mittelalterlichen pferderennen: wenn man die rosz (rennpferde) anläszt, musz er (ein zimmermann) das gräblein wider schnuerkrat machen und ausraumen. ist ettwa ungevarlich 3 oder 4 zwerchfinger brait und gar seicht. das muez er mit spreuil ausfüllen. daran stellt man die rennrosz (Augsburg 16. jh.) städtechron. 32, 483; wann die rennrosz gleich am greblin nacheinander steen, so schreiet der herren ainer: hauet darauf! ebda 482.
b) auch 'kleine grube', wohl nur vereinzelt: das (kind Jesus) ging und machet eine gruben in die erden mit seinem finger, aus dem selben gräblein entsprung ein schöner brunn J. Prätorius saturnalia (1663) 376.
2) in erweiterter bedeutung und in übertragenem gebrauch weniger entwickelt.

[Bd. 8, Sp. 1619]



a) in erweiterter bedeutung als benennung kleiner natürlicher vertiefungen, so vom grübchen im kinn, der anwendung graben A 2 a γ vergleichbar:

sinwel waz daz kinne sin (Christi)
und ein kleines gräbelin,
als es woll kinne zam
waz enmitten dar an
Walther v. Rheinau 111a, 14 Keller.

anders in einer glosse zu lev. 14, 37 für kleine vertiefungen in einer hauswand: valliculas grblin (Konstanz 1463) in: zs. f. dt. wortforsch. 1, 111 (Luther: grblin).
b) mundartlich in vergleichend übertragenem gebrauch, so in redensarten wie: d meiden hann s gräbli (den scheitel) in der mittle Martin-Lienhart elsäss. 1, 266a; er het s gräbli in der mittle ist eingebildet, hochmütig ebda 266b; klena graweli seun glei voul (wenn ein kleiner oder unbedeutender mensch gleich den beleidigten spielt) Ruckert unterfränk. ma. 64.
 
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grableute, pl., in mehreren getrennten bedeutungen bei nur vereinzelter bezeugung und unter 1 und 2 unsicher, ob von grab, n., oder graben, vb., herzuleiten. in noch anderer ableitung gräbtleute (s. d.). 1) die in einer kirche bestatteten?: (das kloster, dem ein adliger eine stiftung vermacht) sullent unser ... gedencken, als ander irer stifter und grebleut (1347) mon. boica 8, 247 (nach Westenrieder gloss. [1816] 213 zu deuten als sepulti in ecclesia). 2) totengräber: beiden grableuten (einem alten mann und einer alten frau) risz ich die schaufel aus der hand. 'ihr gehört ins versorgungshaus!' rief ich ihnen in bitterem zorne zu, und begann selber das grab zuzuschaufeln Rosegger schr. (1895) II 2, 266. 3) 'leidtragende': kroopleit Müller-Fraureuth obersächs. 1, 434b.
 
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gräblich, adj., gelegentliche adjektivableitung zu grab, 'wie ein grab':

sieben hügel, gräblich anzuschauen
Baggesen poet. w. (1836) 3, 207.


 
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gräblich, adj., zu graben, vb., E 1: sculptilis greblich (md. 15. jh.) Diefenbach gl. 521c.
 
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grablicht, n., älter auch grabelicht. 1) in früher bezeugung zu grab A 3 g, der darstellung des grabes Christi in den kirchen: awch welle wir, das der schaffer dy kyrsche beluchten sal ... uff ostirn mit eyner ostirkerczen vnde mit grabelichten noch dem rechte (1417) urkundenb. d. st. Liegnitz 312 Schirrm. 2) wie grablampe (s. d.), hier in bildlichem gebrauch: die heftigkeit der liebe gegen Adelmunden, welche er unerloschen mit zu seinem ewigen grabelichte in die erde nehmen würde, müste seiner unschuld zeuge ... seyn Lohenstein Arminius (1689) 2, 630a. 3) zu grab A 3 d, auf gräbern brennendes licht: aus dunklen, moderigen gründen der welt flackern, ach, wie oft, irrlichter auf; jene flämmlein aber, die auf gräbern glühen, sind immer echt und immer wahr — an ihnen sollten die lichter des traualtars und die flamme des häuslichen herdes angezündet werden. ja noch mehr, auch die kerzen des salons, wo der flitter, die hoffart ... sich breit machen, möchte ich mit einem grablichte anzünden Rosegger schr. (1895) II 11, 192.
 
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grablied, n. , seit dem 16. jh. bezeugt, im 17. und 18. jh. häufig, auch in ungebundener rede, grabelied, im 19. jh. nicht selten grabeslied. bedeutungsmäszig wie grabgesang (s. d.).
1) beim leichenbegängnis und am grabe gesungenes oder für diesen anlasz bestimmtes lied, begräbnischoral: das schöne grablied von Job Josephs schwagern ..., welches wir noch heutigen tags in vnsern begengnussen singen. ich glaube das mein erlöser lebet Mathesius ausgew. w. 1, 28 Loesche; die ersten christen aber haben dieses geheule abgeschafft, und hingegen tröstliche grabelieder eingeführet J. D. Ernst denkw. (1700) 175;

und als die dumpfe glocke bald,
die einzige, verklungen,
da ward ein heisres grabeslied,
ein einz'ger vers gesungen
Uhland ged. (1898) 1, 467;

[Bd. 8, Sp. 1620]


der kirchenchor sang ein grablied J. M. Bauer d. notthafften (1931) 314. selten in auszerchristlichem zusammenhang, hierher, wenn nicht zu 2: Ossian läszt dem mörder seines sohnes das grablied absingen, ohne welches man damals glaubte, dasz die abgeschiedene seele nicht glücklich seyn könnte Haller tageb. (1787) 1, 293.
2) als lied oder gedicht auf einen verstorbenen, das den toten beklagt und ehrt, an den akt der bestattung nicht mehr unbedingt gebunden und oft, sofern es sich um ein elegisch-lyrisches gebilde handelt, von diesem ganz gelöst; namentlich im gebrauch des barock und bis in die dichtung der empfindsamkeit hinein, aber kaum darüber hinaus; vgl. grablied poema in lode d'un defunto M. Kramer t.-ital. 1 (1700) 553b: der eheliche stand ..., von dem eben vnter der phrasi und beschreibung könig David redet in seinem grablied, das er dem Jonathan verfertiget 2. Sam. 1 M. Walther erläut. d. proph. Daniel (1645) 4, 198;

ei! so wil ich (Zesen) noch erschwingen
meine stimm' und letztlich singen
dir ein traurigs grabelied
(in form eines gedichtes)
Zesen verm. Helikon (1656) 3, 63;

so wird der frauen preisz, die Reusznerin, gefällt (sie stirbt),
der meiner musen mund ein traurig grablied singet
Pietsch geb. schr. (1740) 201;

grablied.
schlaf, schwester, sanft im erdenschoos!
du bist des bittern jammers los
Miller ged. (1783) 287;

die rührende stimme seines (Ewald von Kleists) grab- und geburtsliedes ... tönt noch jedem leser ins herz Herder 17, 66 S.; vgl. 5, 418.
3) lied eines sterbenden. im 17. jh. gern auf das angebliche singen sterbender schwäne bezogen, vgl. dazu s. v. schwan 2, teil 9, 2204f.:

wie sonderlich der schwan
sein süsses grabelied jhm selber tichten kan
Opitz teutsche poemata 64 ndr.; vgl. 38;

in welchem verstande denn auch für keine falschheit zu halten ist: dasz die schwanen annehmliche grabelieder singen Lohenstein Arminius (1689) 2, 219a; vgl. 1, 611b; im 9ten stücke (eines militärischen journals) findet man ein grablied eines soldaten ... ferner ein lied eines soldaten, der das land mit seinen kindern bauet allg. dt. bibl. (1765) 62, 249;

grablied.
geht nun hin und grabt mein grab,
denn ich bin des wanderns müde
E. M. Arndt w. 5, 53 R.-M.


4) lied, das tod, grab und vergänglichkeit zum gegenstand hat: dieser glaubigen und jetzt seligen seelen gedencke ich alhie gerne, denn also werde ich teglich menschlichs elends vnd sterbligkeyt erinnert, vnd lerne mich auch auff ein seligs stündlein schicken, vnd singe mein requiem vnd grablieder deste sehnlicher Mathesius ausgew. w. 4, 5 Loesche;

esz ist der saitenklang zwahr liblich anzuhören,
der würger aber läst sich nicht dadurch bethören,
ein christlichs grabelied mit ernst herfür gebracht
vertreibt viel kräfftiger die finstre todesnacht
Rist neuer teutscher Parnass (1652) 813;

grablied.
auf! laszt uns fröhlich singen
ein lied von tod und grab!
E. M. Arndt w. 1, 194 L.-St.


5) im anschlusz an 4 auch allgemeiner und mit negativem akzent, soviel wie 'trauerlied':

dem ist das fröhliche zu scheckernd possenhaft,
und jenem eben das ein grablied ohne kraft
Lessing 1, 251 L.-M.;

jeder dünkt sich behaglicher, wenn er solo irgend ein lamentables grablied oder ein jammervolles bedauern verlorner liebe singt ... ich lasse ihnen dergleichen wohl zu ... und verwünsche dabey die Matthissons, Salis, Tiedgen, und die sämmtliche clerisey, die uns schwerfällige Deutsche sogar in liedern über die welt hinaus

[Bd. 8, Sp. 1621]


weist, aus der wir ohnehin geschwind hinauskommen (anspielend auf einen von G. gegründeten singchor) Göthe IV 20, 9 W.
6) uneigentlicher und übertragener gebrauch wurzelt vornehmlich in der bedeutung 1. dabei erscheinen das grund- oder das bestimmungswort, manchmal auch beide zugleich, in uneigentlicher bedeutung:

ein jeder stundenschlag spielt uns ein grablied vor
Morhof unterr. v. d. dt. sprache (1682) 2, 185;

uhus, eulen
sollen mir mein grablied heulen
Weinhold Heinrich Christian Boie (1868) 318;

er soll ruhn
am Rhein, und ewig soll der Rheinstrom ihm
das grablied brausen
Grabbe w. 2, 249 Bl.

gern zu grab C in dessen allgemeiner bedeutung 'tod, ende, untergang':

o mein gefangnes volck, ihr weiber, schlagt die brüste,
singt Trojen grabelied, das nun liegt öd und wüste
Opitz opera (1690) 1, 211;

(ein alter spanischer soldat murmelte, als er das niederl. lied 'ein prinze von Oranien' hörte:) 'da ist sie schon wieder, diese gottverfluchte weise, das grablied von Spaniens macht und ehre' W. Raabe s. w. I 5, 512 Klemm. hier besonders in der verbindung jem. oder einer sache das grablied singen 'tod und untergang ankündigen':

wie könnt er doch vor diesen tisch mich laden,
von richtern, herzlos, die, den eulen gleich,
stets von der kugel mir das grablied singen
H. v. Kleist w. 3, 74 E. Schmidt;

bis Diderot und seine freunde in ihren dithyramben jeder königswürde das grablied sangen Böttiger kl. schr. (1837) 3, 214.
 
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gräbling, m., soviel wie gräbing (s. d.), 'gryllus gryllotalpa' Nemnich wb. d. naturgesch. 205.

 

gräblein
 1)  in eigentlicher bedeutung: 'kleine, künstlich angelegte vertiefung', meist im erdboden.
  a)  'kleine vertiefung von offener, länglicher form': fossale grebelin (md. 15. jh.) Diefenbach
   α)  als kleiner be- und entwässerungsgraben, s. graben A 1 a ζ: hyrvmb sol ein flissiger husz vatter vorsorgen by sinen eckern ... vnd durch den acker machen clein seye greblyn durch daz vbrige wasser absige in den grossen graben Petrus de
   β)  als sonstiger kleiner zu- oder ableitungsgraben, wie graben A 1 a η: demnach hat der Gnotzamer ... ein schutzprett machen lassen auf sein kost und ein greblein ... graben lassen, dardurch im der vischpach förderlich in den undern weier ... geet (Nürnberg 15.
   γ)  als kleiner grenzgraben, vgl. graben A 1 a ε: es ist nit allain die landtschaft und die statt Pregenz, sonder auch das schlosz gethailt gewesen, darin ein klains greblin zu ainer undermark gewesen Zimmer. chron. 21, 346 Barack.
   δ)  für einen kleinen hindernisgraben zur sicherung eines feldlagers, s. graben A 1 a ι: vnnd gebott, das sie vil kleyner greblin vor jn machten kneüsz tieff vor eynander all vmb sein heer Carbach
   ε)  als kleiner graben zum fang von tieren, vgl. graben A 1 a γ: ferner machen sie (zum vogelfang) vor die gräblein der garne, so lang sie seyn, auff jede seite ein schwanckes rundes stänglein Aitinger
   ζ)  über den gebrauch bei graben, m. hinaus von einem kleinen markierungsgraben, z. b. bei erdarbeiten, s. auch 2gräbchen ende: damit nun die werck- und bau-leute sich desto besser darnach richten können, pfleget man von einem stande oder pfahle zu dem andern
  b)  auch 'kleine grube', wohl nur vereinzelt: das (kind Jesus) ging und machet eine gruben in die erden mit seinem finger, aus dem selben gräblein entsprung ein schöner brunn J. Prätorius
 2)  in erweiterter bedeutung und in übertragenem gebrauch weniger entwickelt.
  a)  in erweiterter bedeutung als benennung kleiner natürlicher vertiefungen, so vom grübchen im kinn, der anwendung graben A 2 a γ vergleichbar: sinwel waz daz kinne sin (Christi) und ein kleines gräbelin, als es woll kinne zam
  b)  mundartlich in vergleichend übertragenem gebrauch, so in redensarten wie: d meiden hann s gräbli (den scheitel) in der mittle Martin-Lienhart
 
grablied
 1)  beim leichenbegängnis und am grabe gesungenes oder für diesen anlasz bestimmtes lied, begräbnischoral: das schöne grablied von Job Josephs schwagern ..., welches wir noch heutigen tags in vnsern begengnussen singen. ich glaube das mein erlöser lebet Mathesius
 2)  als lied oder gedicht auf einen verstorbenen, das den toten beklagt und ehrt, an den akt der bestattung nicht mehr unbedingt gebunden und oft, sofern es sich um ein elegisch-lyrisches gebilde handelt, von diesem ganz gelöst; namentlich im gebrauch des barock und bis in die dichtung
 3)  lied eines sterbenden. im 17. jh. gern auf das angebliche singen sterbender schwäne bezogen, vgl. dazu s. v. schwan 2, teil 9, 2204f.: wie sonderlich der schwan sein süsses grabelied jhm selber tichten kan Opitz
 4)  lied, das tod, grab und vergänglichkeit zum gegenstand hat: dieser glaubigen und jetzt seligen seelen gedencke ich alhie gerne, denn also werde ich teglich menschlichs elends vnd sterbligkeyt erinnert, vnd lerne mich auch auff ein seligs stündlein schicken, vnd singe mein requiem vnd grablieder deste sehnlicher Mathesius
 5)  im anschlusz an 4 auch allgemeiner und mit negativem akzent, soviel wie 'trauerlied': dem ist das fröhliche zu scheckernd possenhaft, und jenem eben das ein grablied ohne kraft Lessing 1, 251 L.-M.;
 6)  uneigentlicher und übertragener gebrauch wurzelt vornehmlich in der bedeutung 1. dabei erscheinen das grund- oder das bestimmungswort, manchmal auch beide zugleich, in uneigentlicher bedeutung: ein jeder stundenschlag spielt uns ein grablied vor Morhof