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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
grabhaus bis grabkirche (Bd. 8, Sp. 1612 bis 1615)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) grabhaus, n., vereinzelt gräberhaus Ritter erdk. (1822) teil 14, 722. ahd. grabehûs, ags. græfhûs Grein-Köhler 273. 1) meist in dem engeren sinne von grab A 2 a—c: ir zimbrit grabir forasagono enti sconit reht uuisigero grapehus qui aedificatis sepulchra prophetarum et ornatis monumenta iustorum Monseer fragm. 18, 8 Hench; das pohlnische kirchel vor Brieg wäre zur zeit des westphälischen friedens nur ein grabhaus gewesen Köhler schles. kernchron. (1710) 571; die dritte (form von grabdenkmalen) ... erbaute grabhäuser mit gewölbdecken Ritter erdk. (1822) teil 19, 401; nach Potsdam fahren und in die friedenskirche gehen, wo kaiser Friedrich zu bauen Fontane ges. w. (1905) I 9, 365. 2) poetisierend liegt, und wo sie jetzt eben anfangen, ihm ein grabhaus für einfaches grab:

nimm mein gebet und diese bange klage,
den willen in dein stilles grabeshaus (an einen verstorbenen)
Herloszsohn scherben (1838) 5.


 
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grabhöhle, f., s. DWB grabeshöhle.
 
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grabholz, n., ein primitives hölzernes gerät zum graben: das gewöhnliche grabholz ist ein 60—65 cm langer, glatter ... stock Steinen naturvölker Zentralbrasiliens (1894) 284.
 
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grabhügel, m. , häufig auch grabeshügel, vereinzelt gräberhügel Denis lieder Sineds (1772) 184. seit der mitte des 17. jhs.
1) der über einem einzelnen erdgrab aufgeworfene hügel, wie er der normalen jüngeren bestattungssitte entspricht; mit deutlich gegenständlicher vorstellung, vgl. DWB grab A 3 a:

so bald Aurora nun beym zügel,
die sonn' einführt vnd eilte fort,
hat man nur einen grabeshügel
gemercket an dem selben orth Königsberger dichterkreis 173 ndr.;

wenn der mensch im grabe liegt, und der grabhügel ihm errichtet ist; so ist sein loosz entschieden Claudius s. w. (1775) 4, 5; an der kirchhofmauer dieses wohlthätigen klosters thürmt sich der grabhügel dieses vortrefflichen mannes Schubart ästhetik (1806) 153; finde ich auch keine lebende mutter mehr, ... so möchte ich doch den grabhügel wissen, unter dem ihr leichnam ruht Brunner erz. u. schr. (1864) 2, 69; die grabhügel der niederen leute werden, wie es scheint, sogar wieder eingeebnet Steub drei sommer in Tirol (1895) 2, 263; der Huber ging nach einem frischaufgeworfenen grabhügel, nahm den hut ab, faltete die hände und betete ein vaterunser Anzengruber ges. w. (1890) 3, 35. grab A 3 b und c entsprechend auf die ausstattung des grabhügels bezogen: der grabeshügel wurde mit rasen belegt Musäus volksmärchen 3, 110 Hempel; auf den schwarzen kreuzen, womit jeder grabhügel bezeichnet war, las ich einige namen J. G. Jacobi s. w. (1807) 1, 194; die sonne schien auf den leeren platz und auf seinen frischen grabhügel, aus dem bereits spitzen von gräsern hervorsahen Stifter s. w. 3 (1911) 114. mit deutlicher verbaler ortsbeziehung: der trauernde, der mit niedergesenktem blick an dem grabhügel seines freundes dasitzt Engel schr. (1801) 8, 327; sie stieg über manchen grabhügel weg, den sie kannte W. Hauff s. w. (1890) 4, 285; sobald ihn die hinterbliebenen nicht mehr sehen konnten, setzte er abkürzend in ein paar sprüngen über verschneite grabhügel und lief bergab Kluge Kortüm (1938) 76. sentenzartig: der grabhügel ist der höchste berg auf erden Raupach dram. w. ernster gattung (1835) 15, 369.

[Bd. 8, Sp. 1613]



2) insofern grabhügel den einzig sichtbaren teil eines grabes bezeichnet, steht das wort gern als pars pro toto für das grab in seiner gesamtheit, wobei das gegenständliche nur noch eine sekundäre rolle spielt: welch ein stilles, einfältiges, starkes genie, das sich an ihm (Ossian) wecke, zu seinem grabhügel wallfahrte und die reste seiner laute sammle Herder 5, 329 S.; wenn ich einst zu euch komme, kan ich nur seinen grabhügel besuchen (1785) Caroline br. 1, 28 Waitz; auch du, William, wirst einst nach mir in den wind seufzen, und meinen grabhügel fragen, ob ich dir ... vergeben habe Tieck schr. (1828) 6, 330;

seelig ihr
betrübten, welche ihr an grabeshügeln um
verlorne weinet
Grabbe w. 1, 52 Bl.


3) in antiker, heroisierter sphäre, auf das grab mythischer helden bezogen: ahndungsvoll wächst auf Eteokles grabhügel ein granatbaum Göthe I 49, 80 W.; an dem grabhügel Hektors Mommsen röm. gesch. (1894) 5, 300. im vergleich: (Herders gedenkschrift für Winckelmann) sei wie ein einsamer grabhügel, dem andenken eines helden heilig Herder 8, 440 S.
4) 'hügelgrab, grab in der form eines hügels', von den vor- und frühgeschichtlichen gräbern dieser art, insbesondere den für einzelne oder mehrere tote bestimmten hünengräbern; meist fremdsprachlichen gebrauchs; vgl. Campe 2 (1808) 437a; Mothes ill. baulex. (1882) 2, 504: dasz an. 1692 in dem fürstlichen köthenischen antheile bey abtragung eines grabhügels bey dem dorfe Wulfen einige todten töpfe gefunden Fleming vollk. soldat (1726) 372; man findet in den preuszischen und anderer völker geschichten keine nachrichten von grabhügeln ganzer familien anmuth. gelehrsamk. 1, 413 Gottsched; mit der zeit fing man an, den vornehmern (Nordgermanen) prächtigere grabhügel aufzuwerfen: man richtete nicht blos grosze ausgehauene steine mit runischen inschriften auf, sondern schlosz auch auszer den steinen, die um basis und spitze herumgingen, das ganze in einen viereckigen platz ein Gerstenberg schlesw. lit.-br. 250 lit.-denkm.; (ich) vermelde, dasz man den Romstädter grabhügel wieder zugeschüttet, um aufs frühjahr die ausgrabung mit etwas mehr methode wieder anzugreifen Göthe IV 24, 168 W.; vgl. 25, 229; in Nordamerika dagegen bestehen sie (baureste) in kegelförmigen grabhügeln Peschel völkerk. (1874) 454; doch wurden auch grosze grabhügel neu errichtet, wie die königsgräber von Upsala, die sich über der verbrennungsstätte der toten erhoben Hoops reallex. (1913) 4, 338.
5) in vergleichend-bildlicher und uneigentlicher anwendung. besonders in der entsprechung zu grab B 1:

unter ihr (der sonne) werden zu staub
alle thronen, moder die himmelaufschimmernden städte;
ach! die erde ist selbst
grabeshügel geworden. sie aber bleibt in der höhe,
lächelt der mörderin zeit
Schiller 1, 215 G.;

H. v. Kleist w. 1, 169 E. Schmidt;

der wogenthurm wird uns zum grabeshügel
E. M. Arndt w. (1892) 4, 279 R.-M.;

gerade unten in der tiefe liegt das alte Vindonissa, der grabhügel einer alten Römerstadt Görres ges. br. (1858) 1, 189. wie unter grab B 2: die ... erinnerungen, die auf dem grabhügel unserer jugendlichen ideale ... aufsprissen, sind ... die blumen, womit die welterfahrung ihre ... opfer bekränzt Brinckmann filosof. ansichten (1806) 324; du ... erfülltest mein inneres so ganz und gar, dasz ich glaubte, du würdest ... aufsteigen aus dem grabhügel verlorner hoffnungen E. T. A. Hoffmann s. w. 10, 28 Gr. uneigentlich: du süszes grab, deine lippen sind todtenglocken, deine stimme ist mein grabgeläute, deine brust mein grabhügel Büchner nachgel. schr. (1850) 56. —
 
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grabhüter, m., auch grabeshüter. von den bewachern des grabes Christi:

die grabhüter, wie obgemelt,
heuchelten und namen das geldt (von den pharisäern)
Hans Sachs 15, 384 lit. ver.;

[Bd. 8, Sp. 1614]


Schmolck s. trost- u. geistr. schr. (1740) 2, 328. in antiker gräbersymbolik: um einen baum gewunden ist die schlange ... auch grabeshüter Gerhard akad. abhandl. (1866) 2, 35 anm. 2. und sonst: an den vier ecken (eines grabmalentwurfs) ... hüteten vier mächtige gestalten das grab ... die aber (in einem abgeänderten entwurf) nicht mehr grabhüter, sondern sterbende und kämpfende krieger waren Runkel Böcklin-memoiren (1910) 99.
 
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gräbicht, adj., 'von gräben durchzogen', mit -ht-suffix zu graben, m. gebildet (zur bildungsweise vgl. Kluge nomin. stammbildungsl. 3107; Henzen dt. wortbild. [1947] 201): acker im Veltkilcher bann, genannt die grabehte juchert (1316) in: veröff. a. d. archiv v. Freiburg i. Br. (1890) 1, 45; die grabehte matte (1321) Ch. Schmidt elsäss. ma. 152b.
 
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gräbing, m., gräwink u. ä., s. grebing teil 4, 1, 6, sp. 1. für die beziehung auf den dachs ist nachzutragen: melos greuinc (13. jh.) ahd. gl. 3, 721, 40 St.-S.; taxus, melis ein dachsz, grevinck Orsäus nomencl. method. (1623) 62; gräfing Krünitz öcon. encycl. 19 (1780) 617.
 
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grabinschrift, f., was häufigeres grabschrift (s. d.), meist in archäologischem gebrauch: so kommt doch Lucumo unter den zahlreichen grabinschriften tuskischer familien niemals ... als vorname ... vor K. O. Müller d. Etrusker (1828) 1, 363; zahlreiche hier gefundene steinsärge und grabinschriften bezeugen eine starke benutzung (eines altchristlichen begräbnisplatzes) Dehio gesch. d. dt. kunst 1 (1919) 228. seltener auf gegenwärtige verhältnisse angewandt: es soll ein granitblock auf mein grab gelegt und seiner zeit eine metalltafel mit folgender grabinschrift eingelegt werden Fontane vor dem sturm (1878) 4, 44.
 
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grabkammer, f., seltener grabeskammer. seit dem 17. jh. belegbar (s. u. 3). 1) im sinne von grab A 2 b für ein gemauertes grab, einen ausgemauerten grabraum, daneben auch, grab A 2 a entsprechend, für ein felsengrab; gewöhnlich wohl für das ganze einer solchen anlage, doch ist oft die abgrenzung gegen 2 undeutlich: wenn barbaren in gräbern schätze verbargen ..., so verbargen die Griechen auch in ihren grabkammern schöne weisheit Herder 20, 284 S.; ansehnliche etruskische grabeskammern archäol. ztg. 1, 135 Gerhard; nur für höhere ... waren ausgemauerte grabkammern W. Grimm kl. schr. 2, 322; die juden setzten ihre todten gern in grabkammern bei, welche aus dem lebendigen felsen gehauen waren Wetzer-Welte 5 (1888) 968. 2) in engerem sinne der innerste, für die aufnahme des sarges bestimmte raum der unter 1 gemeinten anlage oder (meist) eines gröszeren grabbaues im sinne von grab A 2 c: das haus war still wie das innere einer pyramide, der alte repräsentirte vortrefflich die mumie in der tiefsten dunkelsten grabkammer Raabe Abu Telfan (1870) 3, 195; die grabkammer (des mausoleums in Halikarnasz) umzog eine ionische säulenhalle Schönermark-Stüber hochbaulex. (1902) 486; die grabkammer (des megalithgrabes) ist ein mausoleum, das auch nach der beisetzung von ein oder 2 leichen zugänglich bleibt, und der hügel, der sie überdeckt Hoops reallex. 3, 210. 3) poetisierend auch allgemein für 'grab', auszerhalb der engeren sachlichen vorstellung von grab A 2; so schon im frühesten beleg:

bisz zur grabeskammer,
und bisz an den tod,
weiter musz kein jammer
Simon Dach 320 lit. ver.;

eben also (wie das spielen der kinder) ist unser zeitlich leben, wenn wir unsere personen wohl agiret haben, müssen wir endlich in unsere grabeskammern schlaffen gehen Wesenigk böse spielsieben (1702) 174; mit den schatten von toten, die leise vor sich hin sprachen, auf dem unermeszlichen wege nach der kleinen grabkammer, wo sie endlich, endlich würden schweigen können E. Wiechert missa sine nomine (1950) 359.
 
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grabkapelle, f., in verschiedenen anwendungen namentlich der archäologie oder kunstgeschichte. 1) als

[Bd. 8, Sp. 1615]


begräbnisstätte erbaute kapelle, begräbnisgruft vornehmer personen oder familien, grab A 2 b entsprechend: vorgestern ward die grabkapelle der kaiserlichen tante unseres gebieters eingeweiht Pückler briefw. u. tageb. (1873) 8, 57; lange verweilte ich in der von auszen so schmucklosen grabkapelle der Galla Placidia (in Ravenna) Gmelin Italienfahrten (1940) 39; Augsburg mit der 1509 begonnenen grabkapelle der Fugger Dehio gesch. d. dt. kunst 3 (1926) 208; die Pascarella besaszen keine eigene gruftkapelle und unterschieden sich auch dadurch von den groszen familien Neapels. solch eine grabkapelle war ... durchaus nicht zu verachten Werfel geschw. v. Neapel (1931) 197. 2) speziell die in der grabkirche (s. d. 2) über dem heiligen grab errichtete kapelle, vgl. DWB grab A 3 f: die grab- oder auferstehungskapelle (in der grabkirche zu Jerusalem) ..., die das hl. grab in sich schlieszt Wetzer-Welte 5 (1888) 973. 3) noch spezieller und in der entsprechung zu grab A 3 g von jenen kapellen katholischer kirchen, in denen, namentlich in der karzeit, grab und grablegung Christi bildlich dargestellt werden, vgl. Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 4, 748; auch heilig(e)grabkapelle, s. Müller-Mothes ill. archäol. wb. (1877) 1, 485b; 488b. 4) 'die zur beisetzung eines heiligen ... oder zu anderen begräbnissen oder todtenmessen bestimmte seitenkapelle ... einer kirche' Müller-Mothes ill. archäol. wb. (1877) 1, 488b. 5) 'friedhofskapelle', die den begräbnisfeierlichkeiten dient: 'isoliert auf einem friedhof stehende runde oder polygone ... kapelle' Müller-Mothes ill. archäol. wb. (1877) 1, 488b; Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 4, 748. —
 
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grabkirche, f., auch grabeskirche. 1) über dem grab eines heiligen oder sonst einer groszen persönlichkeit und zu ihren ehren errichtete kirche, in der form des zentralbaus; von der grabkapelle (s. d. 1) durch ihre grösze unterschieden, vgl. Müller-Mothes ill. archäol. wb. (1877) 1, 488b; Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 4, 748: den gewohnheiten der ritterordenskirche im heiligen lande und der bestimmung als grabkirche würde dies (dasz die Elisabethkirche in Marburg ursprünglich als reiner zentralbau gedacht gewesen sei) wohl entsprechen Dehio gesch. d. dt. kunst 1 (1919) 294; (S. Francesco in Rimini ist) eine der echtesten renaissancestätten, die es gibt: die grabeskirche des tyrannen im alten sinne, der auch im tode noch von seinem humanistischen hofstaate begleitet sein will J. Schlosser präludien (1927) 273. die grenze zu grabkapelle (s. d. 1) kann flieszend sein: dasz das sogenannte zangenornament an der grabkirche Theoderichs des groszen ... nur in verschiedenen norwegischen variationen nachweisbar ist Scherer kl. schr. (1893) 1, 471. uneigentlich: aber der ganze glänzende und stille weltsaal wäre für mich das gotteshaus deines gedächtnisses, deine grabkirche G. Keller ges. w. (1889) 5, 353. 2) speziell die über dem vermuteten grab Christi erbaute (heilige) grab(es)kirche zu Jerusalem, s. Wetzer-Welte 5 (1888) 967; 974; 978 u. ö.: dieser mittelpunkt, sagt man, sei der ort des kreuzes Christi, an welchem auch in der h. grabkirche jene psalmworte eingegraben wurden Fr. L. Jahn w. 2 (1887) 859; und's wird ein trubel im atelier wie an der thür der grabeskirche (in Jerusalem) Raabe Abu Telfan (1870) 2, 25.