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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
argwöhnisch bis arm (Bd. 1, Sp. 551)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) argwöhnisch, gleichviel mit argwöhnig, nach beiden bedeutungen, der activen und passiven: kam zum bischof, zeigt an, aber mit lugen, ich wurde nit kummen, denn ich hette gseit, ich mechte nit in die abgötteri, so fresse ich fleisch an verbottnen tagen und vill mer anders. do gloubts der bischof gären, den ich was vorhin bi im argwönisch der religion halb. Tho. Plater 85; schon keiner statt nicht, es sei im haupt oder andern argwänischen stetten. Paracelsus 1, 724b; es sol aber weder die sonn noch Mars von sonsten keinem planeten ubel angesehen oder an argwonischen orten stehn. Thurneisser wirk. der erdg. s. 4; dasz solches aufschieben und wegern argwönisch sein wolt. Fronsp. 3, 230a. in diesen vier stellen meint es verdächtig, heute sagen wir aber ein argwöhnischer mensch, suspiciosus; die welt ist argwöhnisch, ich werde argwöhnisch.
 
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argwohnlos, frei von argwohn.
 
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argwohnvoll, erfüllt davon. pers. rosenth. 2, 32.
 
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arie, f. erst im 18 jh. nach dem it. aria eingeführt und ganz zu entbehren, da wir schon weise haben, ahd. wîsa, mhd. wîse. weise schiede sich vom lied so gut wie arie.
 
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arkelei, f. machinae bellicae, in büchern des 16, auch noch 17 jh., zumal bei Fronsp. kriegsb. 1, 21b, von feuerw. 16a und Reutter 139; Hortleder s. 590 schreibt arkelerei, s. 601 arthalerei, Wurstisen Basel. chron. ad a. 1499 artelarei, Fischart Garg. 201a arkeleiwagen, Stieler 52 arkelei, nach Schmeller 1, 106 noch ein wörterb. von 1735. später kam dafür artollerie, artillerie in gebrauch, dessen ursprung selbst dunkel bleibt. man hat arkelei gedeutet aus lat. arcuarius, arcualis, weil die bogen sonst den hauptbestandtheil des kriegsgeräths bildeten; desto eher sollte man das wort im 15. 14 jh. erwarten, wo es doch noch nicht aufgefunden ist. wegen artillerie vgl. Ducange unter artillaria, beide formen sind undeutsch.
 
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ärker, m. s. DWB erker.
 
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arl, f. culter aratri, noch heute in Steier und Kärnten gangbar, könnte zwar dem sl. n. oralo, ralo aratrum nachgebildet sein, ihm aber auch von alter zeit an entsprechen und der deutschen wurzel arjan zufallen. die laute arl und ralo verhalten sich wie arbeit rabota, arm ramo. mhd. nemt die arl in die hant. Haupt 2, 88.
 
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arlas, m. pannus arelatensis, ein zu Arles in Burgund gewebtes zeug: parchat, arlas und satin. H. Sachs 5, 380d; tren dem pfaffen sein futer aus dem rock, es sei pelz oder arlas, und mach dir ein underrock daraus. de fide concubinarum in sacerdotes; arlasgarn, arelatense filum. Henisch 1357, 60; plab und weisz arlesen gefrens. Westenrieder beitr. 5, 164. nicht zu vermischen mit atlas, einem indischen stoffe. arles von Arles, eulen zu Athen. Fischart groszm. 135.
 
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arlesbaum, m. crataegus aria, bei Nemnich arlasbaum, arlsbaum, und wieder atlasbeerbaum, sonst mehlbaum, mehlbeerbaum, seine wolligen zweige, wenn sie der wind bewegt, sehen mehlbestäubt. aber auch sorbus silvestris heiszt zuweilen mehlbaum und arlesbaum. ahd. arleʒpaum, erliʒpaum. Graff 1, 474.
 
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arlesbeere, f., die beere von crataegus oder sorbus.
 
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arm, m. brachium, goth. arms, ahd. aram, mhd. arm, ags.

[Bd. 1, Sp. 552]


earm, engl. arm, fries. erm, mnl. aerm, nnl. arm, altn. armr, schw. dän. arm, durch alle mundarten deutscher sprache gehend, und schon darum dem höchsten alterthum zu überweisen. zunächst stimmt nun, mit umgesetzter liquida, sl. ramo, n. humerus, lat. armus, m. humerus und brachium, vielleicht auch ramus, mit verlängertem a, wie unser arm von baumästen, palma von hand und zweig gilt, vgl. armilla, ahd. armpouc. berührung mit kelt. lamh, hand und arm, wäre nicht unmöglich, mit humerus, umerus abzulehnen, da dies auf umesus, goth. amsa, skr. aṇa, ansa, gr. ὦμος zurückleitet. das gr. ἁρμός aber, fuge, gelenk und dann armfuge, schulter, weist nach ἁρμόζω und ἀραρεῖν fügen.
Den pl. bildeten die Gothen armeis, acc. armins, also dat. armim, ahd. aber lautet er aramâ, armâ, mhd. arme, wie heute; auch altn. armar, acc. arma, dat. örmum. ärme, wo es im dialect auftaucht, könnte man sich dennoch gefallen lassen: von beiden seiten kamen ärme hervor, auf welchen lichter brannten. Hippel lebensl. 3, 37; tadelhafter ist ein schwaches armen: beide armen ausreichen. unw. doct. 684;

kein auge regen sie, kein armen und kein bein.
Werders Ariost 2, 18;

seht, wie der eppich kan die grünen armen schlingen.
Fleming 153;

auch pers. rosenth. 7, 20. s. 94b. schön ist beim sl. ramo der dual. ramje abstehend vom pl. rama oder ramena.
Bedeutungen. das goth. arms drückt βραχίων und ἀγκάλη, arm und elnbogen aus, das ahd. aram brachium, lacertus, cubitus, ulna; nur aufrecht gehenden thieren, wie den affen, wol auch den bären stehen arme zu, den andern blosz füsze; doch gilt arm für den vorderschenkel des pferdes, von der schulter zum knie, und braucht Luther arm = schulterblatt auch von opferthieren: das man dem priester gebe den arm und beide backen und den wanst. 5 Mos. 18, 3. arm in arm: freunde gehen arm in arm (gelegt, geschlungen); arm in arm hängen. arm und bein: vor einer solchen gewaltthätigkeit zittern mir arm und beine. Göthe 15, 26; jeder wirds von sich schieben, kaiser und reich zu gefallen arm und bein daran zu setzen. 8, 84; halten sie das maul oder ich breche ihnen arm und bein entzwei. Lenz 1, 305; mhd. die arme und diu bein, blôʒ an beinen und an armen. den arm ansetzen, erheben, aufheben, niederlegen, niederlassen. die mutter legt das kind an den arm, trägt es am oder im arm, nimmt es in die arme, schlieszt es in die arme. der alten sprache war hier an zusagend, der neueren in, goth. ana armins niman; mhd. du hast an dem arme dîn dîn schœne wîb, an ir arme lac, an liebes arme ligen, ich lege si an den arm, ir trût si an ir arm nam. nhd. einen in armen haben, in die arme ziehen, heben, sich in eines arme werfen, in den armen, in armen halten, sich in den armen liegen; komm in meine arme!

was mag er im arme denn haben?
was bringet er unter dem mantel geschwind?
Göthe 3, 3;

er hat den knaben wol in dem arm,
er faszt ihn sicher, er hält ihn warm. erlkönig;

der, sein kind immer fester in armen haltend, des reinsten, unbeschreiblichsten glückes genosz. 18, 230; glücklicher vater! rief sie laut, indem sie das kind aufhob und es ihm in die arme warf. 20, 299. aber O. 1, 15, 13 huab inan in sînan arm, und beide praepositionen sind gerecht, weil die arme sowol an sich ziehen, an sich nehmen, als in sich schlieszen, fassen. die arme ausbreiten, spreiten, öfnen, mhd. die arme zertuon, aufthun, auseinander thun, ausstrecken und im gegentheil schlieszen, zuthun, an sich halten, zurückziehen; mit ofnen oder geschlossenen armen entgegengehn: lauft ihm (die frau dem heimkehrenden mann) mit zugethanen armen entgegen. Garg. 73b, wo der sinn doch fordert aufgethanen oder zerthanen, wenn es nicht ironisch steht;

es stellet sich das glück mit ofnen armen ein.
Hagedorn;

der dieses liebe paar zu beiden armen nähm
und druckt an seine brust.
Fleming 156.

es heiszt auch auf dem arm haben, tragen; das kind sitzt ihr auf dem arm; die töchterlin sitzen ihren (ihr) auf dem arm, wie die meerkätzlin, die sönlin henken am rock. Garg. 73b. das buch, den stock unter dem arm haben, tragen; mhd. under den arm sluoc er daʒ sper; under arm er beslôʒ die edeln küneginne. Nib. 1932, 1;

under arme si in nam,
si halseten, si kusten. Tristr. 356, 4.

heute, zwischen die arme nehmen. einen unter den arm fassen,

[Bd. 1, Sp. 553]


ihn stützen, geleiten; einem unter den arm greifen, ihn unterstützen, ihm beistehen: manchem armen studenten unter die arme grif. ehe eines mannes 280. ich dächte, jeder nähme sein mädchen unter den arm. Göthe 20, 237. einem den arm geben, reichen, bieten, ihn geleiten. einer frau, einem mädchen den arm geben, es höflich führen, begleiten: man reichte den frauenzimmern den arm, sie nach hause zu führen. Göthe 19, 213; den arm zum tanze, zum ball geben, eine zum tanz führen. Klinger 1, 374. Lenz 1, 231. die frau sagt einladend: geben sie mir den arm (donnez le bras)! den arm geben, anbieten ist aber weniger als die hand geben, anbieten, und drückt nicht, gleich diesem, einen eheantrag aus. Carlos empfängt ohne bewustsein die arme des königs. Schiller 301; hierauf warf der könig seinen arm um Vieilleville. 1082. den arm anstrengen, seine arme gebrauchen; die arme ermatten, entfallen ihm.; die arme ruhen lassen, ausruhen;

legen ein geruhten arm
auf ein hungrigen darm.
H. Sachs 1, 534a.

du bist mein rechter arm, meine stütze; er versehe dessen (des prinzen) geheimste geschäfte und werde für dessen rechten arm gehalten. Göthe 18, 261; meine ledige schwester war bisher mein rechter arm gewesen. 19, 349. dem alterthum galten geschwister für glieder, hände, arme und füsze des leibs (Haupts zeitschr. 3, 156. 157), wie im recht die stufen der sippe an gliedern des leibs bezeichnet werden. überall drückten auch arm und hand macht oder gewalt aus: ich (der herr) will euch erlösen durch einen ausgereckten arm. 2 Mos. 6, 7; erkennet seine mechtige hand und ausgereckten arm. 5 Mos. 11, 2; sie werden hören von deinem groszen namen und von deiner mechtigen hand und von deinem ausgereckten arm. 1 kön. 8, 42; du hast einen gewaltigen arm, stark ist deine hand und hoch ist deine rechte. ps. 89, 14; er übet gewalt mit seinem arm. Luc. 1, 51; doch wie verkürzen sie in Wien ihm nicht den arm. Schiller 332; könige haben lange arme.
Figürlich, im arm der liebe, der freundschaft, des glaubens:

und schlummern sie gelassener hinüber
als, in des glaubens arm, der christ?
Gotter 1, 399;

er stürzte sich in die arme der wollust, des lasters. der arm der gerechtigkeit ereilte ihn.
Bedeutsam ist die anwendung von arm (nie von hand, finger) auf äste und zweige der bäume, wie beim lat. brachium:

tum fortes late ramos et brachia tendens.
Virg. georg. 2, 298;

siehe, schon streckt der spröszling der ceder den grünenden arm aus.
Klopst. Mess. 1, 65;

der (schlief) unter dem ölbaum,
wo er seinen bedeckenden arm am tiefsten herab liesz. 3, 541;

dort hängen trauerbirken die arme. J. Paul Hesp. 4, 174. nicht anders haben meer, flusz und gebirg arme: ein arm dieses meeresstroms. Humboldt ans. der nat. 1, 19; ein arm des mächtigen Rheins verliert sich im sand; arme des mächtigen gebirges dehnen sich ostwärts; wegweisern auf der heerstrasze werden arme, mit vornen angeschnitzter hand eingefügt; wandleuchter, kronleuchter haben arme, am anker, am wagebalken ragen arme, die arme am gestelle des vorderwagens; arm, armlehne des stuls. der rechte oder linke arm (flügel) des heers in der schlachtordnung. wirtshausschild: einkehren, wo der herrgott den arm ausstreckt.