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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
aberkaiser bis abermals (Bd. 1, Sp. 33)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) aberkaiser, m. nebenkaiser. sonder das losz fül auf den aberkeyser Rudolphen. Fischart bienenk. 124b.
 
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aberkennen, abjudicare, durch ein rechtserkenntnis absprechen. an Ottocar vermeinte sich der kaiser dadurch zu rächen, dasz er ihm zu Nürnberg auf der versammlung sein königreich aberkannte. Hahn 4, 105; zu gleicher zeit verlieh das parlament dem herzog Waldemar die ihm früher aberkannten lande. Dahlmann dän. gesch. 1, 423; dann überhaupt ableugnen, nicht zugestehn:

es mag der leute wahn
mir immerhin die klugheit aberkennen.
Hagedorn;

ist es die unkunde des lateins selbst, welche diese fähigkeit (zweifel gegen die religion zu haben) allen menschen ohne ausnahme aberkennt? Lessing 10, 186; alle consonantverdoppelungen sind der ältesten sprache abzuerkennen.
 
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aberklaue, f. ungula posterior, die hinterklaue, widerklaue, von aber retro, gewöhnlich afterklaue.
 
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aberklug, stolidus, für überklug, superklug:

und dennoch schrein die aberklugen herrn
noch über wahn und blindheit.
Gotter 1, 411.

wenn man
so jeden sittenspruch befolgen könnte,
der einem aberklugen mund entflieszt.
Platen 171.


 
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aberkosen, delirare: wer bei in sinnlos und wanwitzig hin und her lief und aberkoset, den achten sie für heilig. S. Frank weltb. 17a. auf ein ahd. âchôsôn (Graff 4, 506) mhd. âkôsen zurückzuführen, wie aberwitz aus âwizi entsprang.
 
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aberlitz, ungewisses geschlechts und sinnes, aber uraltes wort: einer sol des andern last, bürd, weis, gebrechen und aberlitz wissen und tragen, nit negen und nagen. Frank sprichw. 2, 118b und ebenso: last, bürd, weise, gebrechen und aberlitz. Agricola spr. 132b. mhd.

mich tuot sîn spæhe litze
dicke mîner sorgen buoz. Diut. 1, 321.

ahd. lizitôn simulare, lizitunc simulatio, untar demo lizze sub obtentu (Graff 2, 317). goth. liuts fallax, liutei fallacia, dolus, lutôn fallere. Schmeller 2, 531 der litz laune, grille, gelüste, der hat seine litzen, ich hab ein litzen zu etwas kriegt, der hat ein albern litz, du hast ein pose litz. fastn. sp. 253, 32, und die bedeutung von grille, albernheit, mit der man geduld haben soll, eignet sich für aberlitz am meisten, vgl. abalitza abstülpen bei Tobler 5b.
 
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aberlösen, redimere, verstärktes erlösen, zurücklösen, gerichtswort: er erlöset die güter ab.
 
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abermal, n. gleichviel mit aberziel.
 
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abermal, iterum, belege schon bei aber in der formel aber und abermal, iterum iterumque. Luther 4, 525a sagt, da sehen wir aber ein mal (noch einmal, wieder einmal), was gott von uns helt; und der herr redete abermal zu Ahas. Jesaias 7, 10; hie mit wird abermal gesehen. pers. rosenth. 7, 9; wobei ich meinem wirte abermal gelegenheit gab zu stutzen. Wieland 2, 73; Agathon erröthete abermal. 3, 146; an antworts statt schenkt Boreas abermal ein. 4, 176; in welcher heftigen bewegung treffe ich sie abermal, Adrast? Lessing 1, 450; künnen, günnen schreibe ich mit einem ü, weil ich derer gedanken bin, dasz von kunst künnen, von gunst günnen herrühre. es sei dann, dasz man meine, diese nennwörter wären aus den zeitwörtern hergestaltet; da es doch abermal nichts hindern würde. Logau 3, 3.
 
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abermalig, iteratus, wiederholt, erneuert. im gerichtsstil gern dem possessiv oder zahlwort vorausgestellt: nach abermaliger seiner vernehmung; nach abermaligen drei fristen. auch Wieland 12, 168 nach verflusz abermaliger drei monate.
 
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abermals, gleichviel mit abermal und von denselben schriftstellern abwechselnd gebraucht, wie niemal und niemals,

[Bd. 1, Sp. 34]


irgend und irgends tauschen. dieser, um es abermals und abermals zu sagen, hat an keine andere leidenschaften gedacht. Lessing 7, 351.