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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
abenteurig bis abereh (Bd. 1, Sp. 29 bis 32)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) abenteurig, gleichviel mit abenteuerlich, nur in schriften des 16. jh., jetzt ungebräuchlich: gar seltzan und abenteürig. Frank weltb. 152b; mit vil abentheüriger anzeigung. Paracelsi opp. 1, 816b.
 
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abentlehnen, mutuari, von einem entlehnen. das haus hatten wir dem Cratander abentlehnt. Th. Plater 189.
 
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abentspenen, entwöhnen, entfremden, eigentlich ablactare. fastn. sp. 15, 34. 156, 7. 20. s. DWB abspenen.
 
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aber , eine uralte partikel und fast ein kennzeichen hochdeutscher mundart, da sie, auszer der gothischen, den übrigen abgeht: goth. afar, ahd. afar avar avur aber (Graff 1, 178), mhd. aver aber (Ben. 1, 72), das mnd. aver, nnd. aver scheint hochd. einflusz, da weder im alts. noch nl. fries. ags. eine spur davon ist. die nnd. volkssprache bildet neben aver auch noch avers averst. Das goth. afar ist immer praep. mit der bedeutung μετά und ὀπίσω, daneben stehn die adv. afta αὖθις, aftra πάλιν, ohne zweifel ist afar fortbildung der einfachen praep. af, aus dem in af enthaltnen begrif der senkung und des niedergangs folgt der des nach, hinter und wieder und mit anschlusz eines t ergeben sich afta und aftra, ganz wie dem ahd. âpant ein altn. aptan aftan zur seite trat. im ahd. avar erlosch die natur der praep., es ward bloszes adv., wogegen ahd. aftar als praep. und adv. erscheint. die bedeutung des ahd. avar, nhd. aber ist dem alts. und ags. oft überwiesen, dem ahd. aftar entspricht alts. aftar, ags. äfter, fries. efter, altn. eptir, eftir, schw. dän. efter, neben dem altn. adv. aptr aftr, schw. ter, dän. atter für rursus. Dasz neben ahd. apa aba ein afar avar, neben mhd. abe aver auftreten, steht der gegebnen herleitung nicht im wege, da oft einzelne derivata in der stufe der muta von ihrem stamm weichen, ohnehin überwog schon bei Notker und im guten mhd. aber.
Diese geschichte der form vorausgeschickt, lassen die bedeutungen und der gebrauch des nhd. aber sich leicht entfalten. als praep., wie wir sahen, war es längst erloschen, doch selbst die ältere, sinnliche bedeutung von wieder muste allmälich einer abgezognen conjunction weichen.
1) aber als adverb für wieder, iterum, rursus, gebraucht Luther noch genug: lief aber zum brunnen, recurrit ad puteum. 1 Mos. 24, 20; und aber über ein kleines, et iterum modicum. Joh. 16, 16; offenbarte sich aber, manifestavit se iterum. Joh. 21, 1; und der herr rief Samuel aber zum dritten mal. 1 Sam. 3, 8; und schrieen aber zum herrn. das. 12, 10; es hat mir Carlstad aber ein büchlin zugefertiget. schr. 3, 155; hie ein wenig und denn aber ein wenig. 2, 243; da macht Moses aber eine repetition. 4, 19; ich bin wol gestern und heute und alle tage zur messe gangen, doch wil ich morgen aber hingehen. 6, 34; da schrei es aber (denuo) kleglichen. 6, 500b; David spricht, meine seele harret des herrn und ich warte auf sein wort, und aber (et iterum), meine seele wartet. 6, 390. Ebenso finden sich anderwärts beispiele: über 150 welscher meil funden wir aber eine (insel). S. Frank weltb. 221b; und aber (wieder) ganz umbsonst. Glamy 289; indem begab sich, dasz aber (wieder) einer sich hervor that. Rihel Livius 175;

du wärst nicht thäte gott, und aber thäte gott,
so wärstu lang ein raub dem teufel und dem tod.
Logau 1, 88, 65.

noch Claudius 4, V: so wäre ich wol gemeint aber ein büchel heraus zu geben.

die kaiserin und Friederich
nach manchem kampf und siege
entzweiten endlich aber sich
und rüsteten zum kriege. Wandsbecker bote th. 4.


Besonders wenn dem aber einst oder einmal folgen: schrie aber einst (noch einmal) Luther 1, 119a; und wenn wir gleich gewünnen, müsten wir aber einmal (noch einmal) die schlahen, so uns geholfen hetten 6, 4a; da hörestu aber einmal (noch einmal) 6, 346a; drumb ermanet er aber einmal. 3, 290.
Auch dauert das alte aber gern bei wiederholungen: trotz euch allen und aber trotz. Luther 3, 66; ach wehe und aber wehe! 3, 338; zether und aber zether! B. Ringwald K iiia; o geiz und aber geiz! Opitz. ach aber ach! Günther 806.

[Bd. 1, Sp. 30]


aber Galateas muschelthron
seh ich schon und aber schon.
Göthe 41, 177.

sie hatten schon einmal und aber den tag des abschieds vertändelt. Stolberg 1, 277. zumal verwendet es Göthe gern bei zahlen:

Muse ruft zu berg und thale
tausend aber tausend male. 3, 35.

und nun führen aber hundert
mir das liebchen in den raum. 3, 39.

tausend aber tausend stimmen
hör ich durch die lüfte schwimmen. 4, 196.

mittheilt ich tausend aber tausend jahren
der Griechen, der Trojaner herzeleid. 4, 24.

von aber tausend blüten. 5, 193.

sonst werden tausend väter,
wie du, um ihre kinder weinen, tausend
und aber tausend kinder ihre väter
vermissen. 9, 325.

tausend blumen aus den kränzen,
aber tausend aus gehängen blickend. 11, 266.

die reicht uns tausend aber tausend andres gut. 11, 371.

die übrigen wände waren verdeckt von hundert und aber hundert bildnissen. 21, 153. tausend und aber tausend betrachtungen. 22, 149. nun waren hundert und aber hundert menschen dahinter her. 28, 148. das mit hundert und aber hundert lampen erleuchtete Kassel. 30, 153.

durch tausend aber tausend formen. 41, 171.

sie schleicht heran an aber tausend enden,
unfruchtbar selbst, unfruchtbarkeit zu spenden. 41, 258.

von sturz zu stürzen wälzt er jetzt in tausend
und aber tausend strömen sich ergieszend. 41, 7.

den steilsten stieg erklommen wir mit hundert und aber hunderten. 43, 260. tausend und aber tausend gestalten. 43, 263. Kühn ist hier einigemal (5, 193. 41, 258) die erste zahl unausgedrückt.
So wiederholt sich aber selbst, oder ein abermal, abermals folgt ihm nach: spülte sie aber und aber. Voss 2, 314, ganz wie ein mhd. aber und aber, pass. 38, 75; sie wiederholte sich aber und abermals was sie seit jenem vorschlage des grafen oft genug bei sich um und um gewendet hatte. Göthe 17, 129. sie bestand aber und abermals darauf, Ottilie müsse entfernt werden. 17, 286. aber und abermal gehn mir die augen über mich selbst auf, immer zu spät und immer umsonst. 20, 304. ich bat sie aber und abermal um verzeihung. 25, 363. aber und abermals kehrte ich daher zu der kantischen lehre zurück. 50, 51. ich habe bei dieser gelegenheit das gemeine volk wieder näher kennen gelernt und bin aber und abermal vergewissert worden, dasz das doch die besten menschen sind. 60, 221. leben sie wol aber und abermal. 60, 227. aber und abermal hoch! beim vivatrufen, Göthe 8, 178.
Auszer diesen redensarten und einigen zusammensetzungen wie abersaat, aberwandel, deren es sonst noch andere gab, (ahd. avarsturz febris recidiva, heute rücksturz) hat sich das alte aber für wieder in der heutigen sprache beinahe verloren.
2) Weit häufiger geworden und vielfach verwickelt ist die anwendung der conjunction aber, wie sie aus dem übergang des wieder in wider, des wiederholens in ein entgegnen erwachsen ist; fast immer läszt ein solches aber sich auch durch ein schleppenderes dagegen, hingegen, dahingegen verständigen. aber bezeichnet also den auf eine behauptung unmittelbar folgenden einschränkenden gegensatz: er ist arm, aber tugendhaft; wie der schnee so weisz, aber kalt wie eis; er empfieng wenig unterricht, aber weisz viel; das unglück verfolgte, aber beugte ihn nicht; anfangs schien er nichts zu vermögen, aber zuletzt folgten ihm alle. hier könnte einigemal die conjunction ganz unausgedrückt bleiben, anderemal durch doch vertreten sein, im ganzen ist doch etwas stärker adversativ als aber, das mehr dem fortgang der rede zusagt, während in doch irgend ein anstosz und widerstand auftaucht. du bist mein feind, aber du magst kommen (ich werde dich empfangen), doch du magst kommen (ich werde dich trotzdem empfangen); das leben ist kurz aber schön (fast: kurz und schön), kurz doch schön (dennoch schön.) Nach vorausgehendem zwar darf jedes, aber oder doch eintreten; in manchen lagen ist zwischen ihnen kaum ein unterschied. wenn Göthe 24, 145 sagt: es währte nicht lange, so entspann sich aber für mich ein eignes interesse; könnte es auch heiszen: entspann sich doch, und so in zahllosen fällen. durch ihre unmittelbare stellung nach dem wort, worauf ein gewicht liegen

[Bd. 1, Sp. 31]


soll, pflegt diese partikel in der rede höchst wirksam zu sein: man hat das gerücht von unsrer krankheit ausgesprengt, wir sind aber gesund; ihr seid krank, wir aber sind gesund; wir kränkelten, krank aber dürfen wir nicht heiszen.
Die verbindung beider nebeneinander, aber doch, doch aber läszt den gegensatz stärker auftreten: er ist betrübt, aber doch entschlossen; dies unglück hat ihn hart getroffen, doch aber wieder aufgerichtet. mhd. verbanden sich auch unde aber: schœne unde aber kleine Iw. 80, worin das alte 'wieder' anklingt, heute sagen wir: schön und doch fein, schön wiewol fein. oder aber folgt nach vorausgehendem entweder: ich will entweder siegen, oder aber sterben; das sie entweder von der auferstehung nichts halten, oder aber sich dem ewigen verdamnis müssen übergeben haben. B. Ringwald; ja noch mehr häufend Opitz:

das best aus zweien ist gar nie geboren werden,
nie, oder aber doch bald scheiden von der erden,

wo das aber entbehrlich ist. die verstärkung scheint dann am platz, wo eine reihe von disjunctionen beginnt, endlich die rechte entgegnung eintreten soll: sodann aber durch den geringsten anlasz gestimmt wird, sich bald von dieser, bald von jener seite zu zeigen, einen oder den andern pol heraus zu kehren, sich anzuhäufen und von da sich unbemerkt wieder zu zerstreuen, oder aber wol mit den gewaltsamsten und wunderbarsten explosionen sich zu manifestieren. Göthe 51, 271.
Einen leiseren ausdruck empfängt aber im vordersatz, wenn es, wie sehr oft im N. T., das griech. δέ verdeutscht: Jesus aber kam wieder von dem Jordan, Ἰησοῦς δὲ ὑπέστρεψεν ἀπὸ τοῦ Ἰορδάνου. Luc. 4, 1; der teufel aber sprach zu ihm, εἶπεν δὲ αὐτῷ ὁ διάβολος. Luc. 4, 3, wo die nl. übersetzung hat: ende Jesus keerde weder, ende de duivel zeide tot hem, mehr den fortgang der erzählung als einen gegensatz, den sie durch maar zu bezeichnen hätte, darlegend. solche aber sind zumal dem deutschen hexameter unentbehrlich:

Isegrim aber der wolf begann die klage ...
aber Isegrim hatte sie alle verschlungen ...
aber entlasz du jezo dem gotte sie ...
aber wolan lasz fahren den streit ...
aber nachdem die begierde des tranks und der speise gestillt war,
aber mama, sanftlächelnd der wolbekannten erzählung,

und so kann sie jeder einmal in gang gekomme vortrag, nach manigfacher abstufung, allenthalben einfügen, wie denn überhaupt diese partikel der rede häufig ton und schatten verleiht. Zuweilen beginnt den satz ein verwunderndes, aufforderndes oder schmälendes bedenkliches aber, das sich auch zweimal setzen läszt:

da fragt ich: aber, sind sie das,
sind das die knaben alle?
Göthe 47, 3.

aber morgen nacht
bist du wieder da?
Göthe.

er selbst ist todt. ich kam erst mit der letzten
verstärkung unsers ordens. aber aber,
was hat mit diesem allen Rechas bruder
zu schaffen?
Lessing 2, 258;

aber, aber, es ist dafür gesorgt, dasz die bäume nicht im (l. in den) himmel wachsen. Bettine briefe 2, 115.
3) die conjunction aber, gleich andern partikeln, steht auch substantivisch: ein aber bei einer sache haben, etwas dawider einwenden; alles gute, was sie von ihm sagten, nahmen sie mit einem einzigen aber zurück. Wieland 6, 62; es ist hier ein aber, das uns das ganze spiel verdirbt. Wieland 11, 180; manch aber ihm zu kopfe steigt. 21, 256; an aber und wenn wirds euers gleichen nimmer fehlen. 21, 71; häuft wenn und aber ohne zahl. 21, 292;

ha, lachte der kaiser, vortreflicher haber,
ihr futtert die pferde mit wenn und mit aber.
Bürger 67a;

aber, ach dasz aber und aber sich immer zu dem danke gesellen, den wir den göttern zu bringen haben. Göthe 14, 7; aber, und leider ein groszes aber, die verse sind ganz abscheulich. Göthe 33, 219.
 
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aber, sonnig, ein dem lat. apricus verwandtes, in unserer sprache althergebrachtes wort, ahd. âpar serenus, apricus (Graff 1, 99) mhd. âber, in der Meinauer naturlehre s. 10 heiszt der zephyrus waltwint oder âberer wint und æber (ahd. âpari) apricitas Parz. 120, 5; da beide wörter bis auf heute in oberdeutscher volksprache fortleben (aberwind, südwest, Schmid s. 5) und auch Zwingli 2, 5 sagt: so einer lang in dem schneeglanz

[Bd. 1, Sp. 32]


gewandlet hat und demnach an aabre grüne ort kumt, verdiente das wort hier aufnahme. es abert, es obert bedeutet es thaut auf, der schnee schmilzt, die berge sind aber, heut ist aberes wetter. Stalder 1, 84. Schmeller 1, 10. wahrscheinlich ist das östr. ein obers, für milchrahm, ein âbereʒ, wegen ähnlichkeit des milchschaums mit schmelzendem schnee.
 
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aberacht, f. proscriptio superior, also für oberacht, überacht, im Ssp. 3, 34 richtig overachte, nicht wiederholte acht (von aber wieder); die falsche schreibung wurde im 16. jh. eingeführt, belege hat Haltaus unter dem wort. der geschichtschreiber Hahn 5, 122 setzt aberachtserklärung. gewöhnlich werden acht und oberacht verbunden, so bei Luther 1, 259b, im reichsabschied von 1507 §. 25 und in der kammergerichtsordnung von 1523. VI. §. 2.
 
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aberächter, m. ein mit der oberacht belegter, denn ahd. âhtâri, mhd. æhtære bezeichnen sowol den ächtenden als den geächteten (Ben. 1, 17b). für die formel ächter und aberächter liefert Haltaus belegstellen. auch Luther 3, 107 echtern und aberechtern.
 
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aberäsche s. DWB eberesche.
 
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aberbann, m. gleichviel mit aberacht. Fischart im Garg. cap. 30. acht und aberacht, bann und aberbann.
 
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aberben, hereditate obtinere, von einem erben; er wollte es seinem bruder abkaufen, nun hat er es ihm abgeerbt. einem gespenste gleich unter den lebenden bleiben und mit hohlem ansehn einen platz behaupten wollen, den ihm ein anderer abgeerbt hat und nun besitzt und genieszt. Göthe 8, 231.
 
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abereh, f. Fischart führt Garg. cap. 25 unter den spielen n° 241 an der abereh, der aber ist gen. des weiblichen artikels und von dem zu eingang des verzeichnisses gesetzten spilt er abhängig, wie viel andere spiele ein des oder der vor sich haben. der nom. wird also anzusetzen sein die abereh, dies wiederum stehn für obereh, oberehe, ehbruch. denn wie ehbruch und hurerei ahd. ubarhiwi, ubarhuor, ubarspil, mnl. overspil hieszen, kann auch ein ubarêwa, später overê und dafür averê, überehe, unehe, nebenehe irgendwo üblich gewesen sein. ehbruchs spielen war aber, des gefährlichen namens ungeachtet, wol ein unschuldiges gesellschaftsspiel jener zeit.