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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
abendzusammenkunft bis aber (Bd. 1, Sp. 27 bis 29)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) abendzusammenkunft, f. was abendgesellschaft.
 
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abenteuer, n. früher f., aus dem romanischen adventura, aventura, aventure, woher es schon die mhd. dichter entlehnten und häufig in verschiednen bedeutungen verwandten, die Benecke 1, 67—72 vorträgt; nicht zu schreiben abentheuer, noch weniger abendtheuer, obgleich manche dabei an abend und theuer (tiure), andere gar an affe und eben (affenteuer, ebenteuer), ohne dafür einen grund zu wissen, gedacht haben werden; einige bezogen ebenteuer, ebentheuer vielleicht auf eventus. das nnl. avontuur nahm offenbar bezug auf avond. Weiblich gebraucht taucht es noch hin und wieder im 16. 17. jh. vor: seiner abenthür. Keisersb. brosamlin 73b; die wigoleisisch abenteur. Fischart Garg. 102a; dise abentheur. das. 239a; auch öfter in der verdeutschung des decamerone, Frankf. 1580; mit unerhörter abenthewer. Weckherlin 859; du wagest eine grosze ebentheuer. Gryphius seugamme s. 876; bald aber galt allgemein das neutrum.
Mit diesem abenteuer nun verknüpft sich stets die vorstellung eines ungewöhnlichen, seltsamen, unsichern ereignisses oder wagnisses, nicht nur eines schweren, ungeheuern, unglücklichen, sondern auch artigen und erwünschten.
Auch mich hat ein liebes abenteuer erwartet. abenteuer? warum brauche ich das alberne wort, es ist nichts abenteuerliches in einem sanften zuge, der menschen zu menschen hinzieht. unser bürgerliches leben, unsere falschen verhältnisse, das sind die abenteuer, das sind die ungeheuer. Göthe 16, 206. von einem edelhofe zum andern, wo er manches vergnügen erregte, manches genosz und nicht ohne die angenehmsten und artigsten abenteuer blieb. 19, 121. sie haben heute gewis ein abenteuer gehabt? sagte Jarno, und zwar ein angenehmes. wie sie sich auf ihre leute verstehen, versetzte Lothario, ja es ist mir ein sehr angenehmes abenteuer begegnet. 20, 73. hätte Clavigo nicht einmal ein abenteuer mit ihr gehabt? 10, 99. weil du dich mit einem abenteuer beschäftigst, das nichts fruchtet und die schöne zeit verzehrt. 10, 224.

wenn er nur nicht
den andern in die hände fällt, die sich
am wege lagern, wildes abenteuer
unedel zu begehn. 10, 230.

mein abenteuer, wenn nicht zu vollführen,
doch anzuknüpfen. 10, 237.

bei dem gräulichen zustande unserer lieben zeitungskritik hat noch das abenteuer gefehlt, dasz leute ohne alle literarische kenntnisse sich zu kunstrichtern aufwerfen. 33, 115.
50, 58 hebt Göthe Kants 'abenteuer der vernunft' hervor, der 7, 299 sagt: eine hypothese solcher art kann man ein gewagtes abenteuer der vernunft nennen, und der sich auch sonst öfter des wortes bedient. das abenteuer das wir im luftschiffe der metaphysik gewagt haben. 3, 96. auf wahrscheinliche vermuthungen ein physisches abenteuer wagen. 8, 238. die wilde aufopferung der weiber in demselben scheiterhaufen, der die leiche des mannes verzehrt, ist ein scheuszliches abenteuer. 7, 435. des abenteuers seltsamkeit bedenkend. Schiller j. v. Orl. prol.
Bei den handwerkern heiszt abenteuer erwarten oder sein handwerk auf abenteuer treiben bald soviel als auf bestellte arbeit warten, bald arbeit auf den kauf verfertigen, folglich

[Bd. 1, Sp. 28]


auf gut glück arbeiten. ich stund und schaut gut abentheuer. Schmelzl lobspruch 71. ein abenteuer wagen oder bestehn bedeutet etwas seltsames, gefahrbringendes unternehmen. man sagt auch blosz: ein abenteuer, sein abenteuer stehn: mein glaube und ich stehen unser ebenthewr. Luther 4, 329, wie es auch später hiesz: unser risico, deutscher: unsre eigne gefahr, auf eigne gefahr. Auf ebenteuer ist bei Luther in eventum. die taufe stehet auch nicht auf eventum, das ist auf ebenthewr. 4, 329; wer die taufe auf den glauben gründet und teuft auf ebenthewr, der thut nichts bessers, dan der on glaube teufet. 4, 323; das heiszt das gebete in die schanz geschlagen und auf ebenthewer gemurret. 4, 414; haben allzeit ungewis dahin gebetet auf abenthewer und gerathen. tischreden 147a. auf abenteuer fahren, in erwartung seltsamer glücksfälle durchs land streichen:

von ihren schwestern, die schon seit einigen jahren
durch berg und thal auf abenteuer fahren.
Wieland 5, 69.


Nicht zu übersehn sind die fälle wo das abenteuer, gleich der alten frau Aventiure, noch persönlich und halb persönlich genommen wird und dann zur schelte ausarten kann. wann weichstu dann, du abenthewr? läszt Er. Alberus 91b das stolze ros zum esel sagen, der ihm im wege steht, und meint: du ungethüm, du misgestalt. Meliora, die pase dein, ist auch ein abentheur. Jac. ayrer 334a.

da sitzt das abenteur mit weiten ermeln da!
Göthe 7, 42.

keine hand rührt doch das abenteuer und denkt weder an gott und welt. Tieck 4, 8. jener messbuden, wo man wilde thiere oder sonstige abenteuer für geld sehen läszt. Göthe 28, 210. Als ausruf:

die lieb ist fewr, o abenthewr!
ist wasser auch imgleichen.
Spee trutzn. 33.

für o wunder!
 
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abenteuerlich, nnl. avontuurlijk, in allen mit abenteuer verbundnen bedeutungen, seltsam, ungereimt. der gruntzerteufel ist ein ebenteurlich gott. A. Gryph. 1, 714. affentheurlich naupengeheurliche geschichtklitterung. Fischart. auch dies adj. bei Göthe oft: welch ein abenteuerlicher kamm, wie das thier sich verwundert! 14, 94. wie abenteuerlich ich mir die gegenden vorstellte. 16, 112. nur da die ungleichheit unserer jahre und kräfte die sache ohnehin etwas abenteuerlich macht, so schlage ich statt anderer waffen ein paar rapiere vor. 18, 225. der graf gab ihm ein buch, aus welchem er eine abenteuerliche novelle vorlas. 18, 308. man beneidete die wunderlichen gesellen (die zigeuner), die in seligem müsziggange alle abenteuerlichen reize der natur zu genieszen berechtigt sind. 19, 36. abenteuerliche verknüpfung der bedeutenden zustände des menschlichen lebens. 24, 108. die geschichte der Johanna von Orleans gewinnt ein abenteuerliches helldunkel. 32, 175. auf anlasz einiger abenteuerlichen schnörkel. 39, 345. so modelt der wilde mit abenteuerlichen zügen, gräszlichen gestalten, hohen farben seine cocos, seine federn und seinen körper. 39, 348.
Und bei Kant: abenteuerliche folgen 3, 406. die eigenschaft des schrecklicherhabenen, wenn sie ganz unnatürlich ist, ist abenteuerlich. 7, 387. abenteuerlich ist ein mensch, der den hang hat sich in begebenheiten zu verflechten, deren wahre erzählung einem roman ähnlich ist. 10, 266. ein abenteuerlich gestalteter, aber aufgeweckter mann. 10, 334.
 
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abenteuerlichkeit, f. solchen abenteuerlichkeiten vorgebaut zu haben. Fichte 1, 335.
 
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abenteuern, abenteuer wagen, auf abenteuer ausgehn:

ein ritter und ein pauman
begunden abenteuren,
jeweder chempfen da versprach,
ir chrieg sol niemant steuren.
Uhland volksl. 1, 336.

er ist der stärkste gott (Thor), der abenteuernd stets nach riesen und unholden spürt. Dahlmann dän. gesch. 1, 34; da erwachte in vielen die alte abenteuernde lust. das. 2, 137. oft abenteuernde Italiener den Fichtelberg sollen durchforscht haben. Tieck 1, 117. vgl. franz. avanturer, nl. avonturen, wagen.
 
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abenteurer, m. avanturier, unter welchem titel die erste hälfte des 18. jh. viele romane vorbrachte. es ist zu Cöln ein abentewrer gewesen. Pauli schimpf 50a. unsere drei

[Bd. 1, Sp. 29]


verunglückten abenteurer blieben noch eine zeitlang in ihrer seltsamen lage. Göthe 19, 42.
 
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abenteurerin, f. sie machen mich wider meinen willen zur abenteurerin. Gotter 3, 177 (wo unrichtig steht abentheuerinn.)
 
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abenteurig, gleichviel mit abenteuerlich, nur in schriften des 16. jh., jetzt ungebräuchlich: gar seltzan und abenteürig. Frank weltb. 152b; mit vil abentheüriger anzeigung. Paracelsi opp. 1, 816b.
 
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abentlehnen, mutuari, von einem entlehnen. das haus hatten wir dem Cratander abentlehnt. Th. Plater 189.
 
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abentspenen, entwöhnen, entfremden, eigentlich ablactare. fastn. sp. 15, 34. 156, 7. 20. s. DWB abspenen.
 
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aber , eine uralte partikel und fast ein kennzeichen hochdeutscher mundart, da sie, auszer der gothischen, den übrigen abgeht: goth. afar, ahd. afar avar avur aber (Graff 1, 178), mhd. aver aber (Ben. 1, 72), das mnd. aver, nnd. aver scheint hochd. einflusz, da weder im alts. noch nl. fries. ags. eine spur davon ist. die nnd. volkssprache bildet neben aver auch noch avers averst. Das goth. afar ist immer praep. mit der bedeutung μετά und ὀπίσω, daneben stehn die adv. afta αὖθις, aftra πάλιν, ohne zweifel ist afar fortbildung der einfachen praep. af, aus dem in af enthaltnen begrif der senkung und des niedergangs folgt der des nach, hinter und wieder und mit anschlusz eines t ergeben sich afta und aftra, ganz wie dem ahd. âpant ein altn. aptan aftan zur seite trat. im ahd. avar erlosch die natur der praep., es ward bloszes adv., wogegen ahd. aftar als praep. und adv. erscheint. die bedeutung des ahd. avar, nhd. aber ist dem alts. und ags. oft überwiesen, dem ahd. aftar entspricht alts. aftar, ags. äfter, fries. efter, altn. eptir, eftir, schw. dän. efter, neben dem altn. adv. aptr aftr, schw. ter, dän. atter für rursus. Dasz neben ahd. apa aba ein afar avar, neben mhd. abe aver auftreten, steht der gegebnen herleitung nicht im wege, da oft einzelne derivata in der stufe der muta von ihrem stamm weichen, ohnehin überwog schon bei Notker und im guten mhd. aber.
Diese geschichte der form vorausgeschickt, lassen die bedeutungen und der gebrauch des nhd. aber sich leicht entfalten. als praep., wie wir sahen, war es längst erloschen, doch selbst die ältere, sinnliche bedeutung von wieder muste allmälich einer abgezognen conjunction weichen.
1) aber als adverb für wieder, iterum, rursus, gebraucht Luther noch genug: lief aber zum brunnen, recurrit ad puteum. 1 Mos. 24, 20; und aber über ein kleines, et iterum modicum. Joh. 16, 16; offenbarte sich aber, manifestavit se iterum. Joh. 21, 1; und der herr rief Samuel aber zum dritten mal. 1 Sam. 3, 8; und schrieen aber zum herrn. das. 12, 10; es hat mir Carlstad aber ein büchlin zugefertiget. schr. 3, 155; hie ein wenig und denn aber ein wenig. 2, 243; da macht Moses aber eine repetition. 4, 19; ich bin wol gestern und heute und alle tage zur messe gangen, doch wil ich morgen aber hingehen. 6, 34; da schrei es aber (denuo) kleglichen. 6, 500b; David spricht, meine seele harret des herrn und ich warte auf sein wort, und aber (et iterum), meine seele wartet. 6, 390. Ebenso finden sich anderwärts beispiele: über 150 welscher meil funden wir aber eine (insel). S. Frank weltb. 221b; und aber (wieder) ganz umbsonst. Glamy 289; indem begab sich, dasz aber (wieder) einer sich hervor that. Rihel Livius 175;

du wärst nicht thäte gott, und aber thäte gott,
so wärstu lang ein raub dem teufel und dem tod.
Logau 1, 88, 65.

noch Claudius 4, V: so wäre ich wol gemeint aber ein büchel heraus zu geben.

die kaiserin und Friederich
nach manchem kampf und siege
entzweiten endlich aber sich
und rüsteten zum kriege. Wandsbecker bote th. 4.


Besonders wenn dem aber einst oder einmal folgen: schrie aber einst (noch einmal) Luther 1, 119a; und wenn wir gleich gewünnen, müsten wir aber einmal (noch einmal) die schlahen, so uns geholfen hetten 6, 4a; da hörestu aber einmal (noch einmal) 6, 346a; drumb ermanet er aber einmal. 3, 290.
Auch dauert das alte aber gern bei wiederholungen: trotz euch allen und aber trotz. Luther 3, 66; ach wehe und aber wehe! 3, 338; zether und aber zether! B. Ringwald K iiia; o geiz und aber geiz! Opitz. ach aber ach! Günther 806.

[Bd. 1, Sp. 30]


aber Galateas muschelthron
seh ich schon und aber schon.
Göthe 41, 177.

sie hatten schon einmal und aber den tag des abschieds vertändelt. Stolberg 1, 277. zumal verwendet es Göthe gern bei zahlen:

Muse ruft zu berg und thale
tausend aber tausend male. 3, 35.

und nun führen aber hundert
mir das liebchen in den raum. 3, 39.

tausend aber tausend stimmen
hör ich durch die lüfte schwimmen. 4, 196.

mittheilt ich tausend aber tausend jahren
der Griechen, der Trojaner herzeleid. 4, 24.

von aber tausend blüten. 5, 193.

sonst werden tausend väter,
wie du, um ihre kinder weinen, tausend
und aber tausend kinder ihre väter
vermissen. 9, 325.

tausend blumen aus den kränzen,
aber tausend aus gehängen blickend. 11, 266.

die reicht uns tausend aber tausend andres gut. 11, 371.

die übrigen wände waren verdeckt von hundert und aber hundert bildnissen. 21, 153. tausend und aber tausend betrachtungen. 22, 149. nun waren hundert und aber hundert menschen dahinter her. 28, 148. das mit hundert und aber hundert lampen erleuchtete Kassel. 30, 153.

durch tausend aber tausend formen. 41, 171.

sie schleicht heran an aber tausend enden,
unfruchtbar selbst, unfruchtbarkeit zu spenden. 41, 258.

von sturz zu stürzen wälzt er jetzt in tausend
und aber tausend strömen sich ergieszend. 41, 7.

den steilsten stieg erklommen wir mit hundert und aber hunderten. 43, 260. tausend und aber tausend gestalten. 43, 263. Kühn ist hier einigemal (5, 193. 41, 258) die erste zahl unausgedrückt.
So wiederholt sich aber selbst, oder ein abermal, abermals folgt ihm nach: spülte sie aber und aber. Voss 2, 314, ganz wie ein mhd. aber und aber, pass. 38, 75; sie wiederholte sich aber und abermals was sie seit jenem vorschlage des grafen oft genug bei sich um und um gewendet hatte. Göthe 17, 129. sie bestand aber und abermals darauf, Ottilie müsse entfernt werden. 17, 286. aber und abermal gehn mir die augen über mich selbst auf, immer zu spät und immer umsonst. 20, 304. ich bat sie aber und abermal um verzeihung. 25, 363. aber und abermals kehrte ich daher zu der kantischen lehre zurück. 50, 51. ich habe bei dieser gelegenheit das gemeine volk wieder näher kennen gelernt und bin aber und abermal vergewissert worden, dasz das doch die besten menschen sind. 60, 221. leben sie wol aber und abermal. 60, 227. aber und abermal hoch! beim vivatrufen, Göthe 8, 178.
Auszer diesen redensarten und einigen zusammensetzungen wie abersaat, aberwandel, deren es sonst noch andere gab, (ahd. avarsturz febris recidiva, heute rücksturz) hat sich das alte aber für wieder in der heutigen sprache beinahe verloren.
2) Weit häufiger geworden und vielfach verwickelt ist die anwendung der conjunction aber, wie sie aus dem übergang des wieder in wider, des wiederholens in ein entgegnen erwachsen ist; fast immer läszt ein solches aber sich auch durch ein schleppenderes dagegen, hingegen, dahingegen verständigen. aber bezeichnet also den auf eine behauptung unmittelbar folgenden einschränkenden gegensatz: er ist arm, aber tugendhaft; wie der schnee so weisz, aber kalt wie eis; er empfieng wenig unterricht, aber weisz viel; das unglück verfolgte, aber beugte ihn nicht; anfangs schien er nichts zu vermögen, aber zuletzt folgten ihm alle. hier könnte einigemal die conjunction ganz unausgedrückt bleiben, anderemal durch doch vertreten sein, im ganzen ist doch etwas stärker adversativ als aber, das mehr dem fortgang der rede zusagt, während in doch irgend ein anstosz und widerstand auftaucht. du bist mein feind, aber du magst kommen (ich werde dich empfangen), doch du magst kommen (ich werde dich trotzdem empfangen); das leben ist kurz aber schön (fast: kurz und schön), kurz doch schön (dennoch schön.) Nach vorausgehendem zwar darf jedes, aber oder doch eintreten; in manchen lagen ist zwischen ihnen kaum ein unterschied. wenn Göthe 24, 145 sagt: es währte nicht lange, so entspann sich aber für mich ein eignes interesse; könnte es auch heiszen: entspann sich doch, und so in zahllosen fällen. durch ihre unmittelbare stellung nach dem wort, worauf ein gewicht liegen

[Bd. 1, Sp. 31]


soll, pflegt diese partikel in der rede höchst wirksam zu sein: man hat das gerücht von unsrer krankheit ausgesprengt, wir sind aber gesund; ihr seid krank, wir aber sind gesund; wir kränkelten, krank aber dürfen wir nicht heiszen.
Die verbindung beider nebeneinander, aber doch, doch aber läszt den gegensatz stärker auftreten: er ist betrübt, aber doch entschlossen; dies unglück hat ihn hart getroffen, doch aber wieder aufgerichtet. mhd. verbanden sich auch unde aber: schœne unde aber kleine Iw. 80, worin das alte 'wieder' anklingt, heute sagen wir: schön und doch fein, schön wiewol fein. oder aber folgt nach vorausgehendem entweder: ich will entweder siegen, oder aber sterben; das sie entweder von der auferstehung nichts halten, oder aber sich dem ewigen verdamnis müssen übergeben haben. B. Ringwald; ja noch mehr häufend Opitz:

das best aus zweien ist gar nie geboren werden,
nie, oder aber doch bald scheiden von der erden,

wo das aber entbehrlich ist. die verstärkung scheint dann am platz, wo eine reihe von disjunctionen beginnt, endlich die rechte entgegnung eintreten soll: sodann aber durch den geringsten anlasz gestimmt wird, sich bald von dieser, bald von jener seite zu zeigen, einen oder den andern pol heraus zu kehren, sich anzuhäufen und von da sich unbemerkt wieder zu zerstreuen, oder aber wol mit den gewaltsamsten und wunderbarsten explosionen sich zu manifestieren. Göthe 51, 271.
Einen leiseren ausdruck empfängt aber im vordersatz, wenn es, wie sehr oft im N. T., das griech. δέ verdeutscht: Jesus aber kam wieder von dem Jordan, Ἰησοῦς δὲ ὑπέστρεψεν ἀπὸ τοῦ Ἰορδάνου. Luc. 4, 1; der teufel aber sprach zu ihm, εἶπεν δὲ αὐτῷ ὁ διάβολος. Luc. 4, 3, wo die nl. übersetzung hat: ende Jesus keerde weder, ende de duivel zeide tot hem, mehr den fortgang der erzählung als einen gegensatz, den sie durch maar zu bezeichnen hätte, darlegend. solche aber sind zumal dem deutschen hexameter unentbehrlich:

Isegrim aber der wolf begann die klage ...
aber Isegrim hatte sie alle verschlungen ...
aber entlasz du jezo dem gotte sie ...
aber wolan lasz fahren den streit ...
aber nachdem die begierde des tranks und der speise gestillt war,
aber mama, sanftlächelnd der wolbekannten erzählung,

und so kann sie jeder einmal in gang gekomme vortrag, nach manigfacher abstufung, allenthalben einfügen, wie denn überhaupt diese partikel der rede häufig ton und schatten verleiht. Zuweilen beginnt den satz ein verwunderndes, aufforderndes oder schmälendes bedenkliches aber, das sich auch zweimal setzen läszt:

da fragt ich: aber, sind sie das,
sind das die knaben alle?
Göthe 47, 3.

aber morgen nacht
bist du wieder da?
Göthe.

er selbst ist todt. ich kam erst mit der letzten
verstärkung unsers ordens. aber aber,
was hat mit diesem allen Rechas bruder
zu schaffen?
Lessing 2, 258;

aber, aber, es ist dafür gesorgt, dasz die bäume nicht im (l. in den) himmel wachsen. Bettine briefe 2, 115.
3) die conjunction aber, gleich andern partikeln, steht auch substantivisch: ein aber bei einer sache haben, etwas dawider einwenden; alles gute, was sie von ihm sagten, nahmen sie mit einem einzigen aber zurück. Wieland 6, 62; es ist hier ein aber, das uns das ganze spiel verdirbt. Wieland 11, 180; manch aber ihm zu kopfe steigt. 21, 256; an aber und wenn wirds euers gleichen nimmer fehlen. 21, 71; häuft wenn und aber ohne zahl. 21, 292;

ha, lachte der kaiser, vortreflicher haber,
ihr futtert die pferde mit wenn und mit aber.
Bürger 67a;

aber, ach dasz aber und aber sich immer zu dem danke gesellen, den wir den göttern zu bringen haben. Göthe 14, 7; aber, und leider ein groszes aber, die verse sind ganz abscheulich. Göthe 33, 219.