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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
abdursten bis abend (Bd. 1, Sp. 22)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) abdursten, siti ardere, schmachten vor durst. ich bin recht abgedurstet.
 
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abebenen, deplanare, völlig eben machen, ein feld, einen garten abebenen. einen pelz abebenen, ihn am rande gerade schneiden.
 
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abecken, aciem demere, der ecken berauben: die der wind poliert und abeckt. Math. 33a; steine abecken, abstumpfen. umgekehrt aber vollständig mit ecken versehn: die vierecke müssen nach dem rechten winkel abgeeckt werden.
 
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abegen, occare, von der oberfläche abegen. die quecken vom acker abegen.
 
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abeiden, juramento auferre, einem durch eidschwur nehmen. abgelogen, abgetragen, abgeeidet. Logau 3, 128, 52.
 
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abeifern, sich. irasci, eifernd sich abmatten.
 
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abeilen, festinanter abire, eilends abgehn, davon eilen. die herzogin eilt ab, sie zu vernehmen. Schiller 679; unsre fertigen triebe in eine dahin aufs stärkste abeilende bewegung zu setzen. Möser verm. schr. 1, 17. transitiv einem etwas abeilen, eilends wegnehmen: also das die eidgenossen die wagenburg den herzogen abeilten und einnamen. S. Frank chron. 211a; weil die gesatz mit unverschamptem geilen und anhalten den keisern seind abgeeilt. das. 458b.
 
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abeisen, glaciem tollere, das eis von etwas wegschaffen, das fenster abeisen.
 
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abele, f. populus alba, die weisze pappel. sonst auch abielbaum, nnl. abeel, abeelboom, engl. abeletree:

nur die abele bewegt ihr silbernes laub.
Voss 2, 300.

richtiger ist albele, alberbaum, it. albero, alberetto, franz. aubel.
 
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aben, deficere, occidere, sinken, s. das folgende wort.
 
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abend, m. vespera. ahd. âpand âbant âbunt; mhd. âbent, zuweilen noch âbunt: wunt, âbunden: funden; alts. âband âvand âvond; mnl. avont, nnl. avond; fries. avend aiond iound iond, heute ion iun, nordfries. in; ags. æfen, engl. evening. den rechten goth. ausdruck ersehn wir nicht, weil die bruchstücke kein ἕσπερος, ἑσπέρα zu verdeutschen hatten; das häufige ὀψέ und ψία, wo die vulg. bald serum hat, bald vesper, wird übertragen andanahti, d. i. nachtnähe, kaum würde dies Gen. 1, 13 oder Luc. 24, 29 für ἑσπέρα gesetzt sein, hier wäre ein goth. êbandus (wie ulbandus) oder êbunþs an der stelle. merkwürdig ist die abweichung der nord. dialecte, altn. aptan aftan, schw. afton, dän. aften, doch sie hilft mit zum etymon, das für ein so altes und wichtiges wort gesucht werden musz.
Ein verlornes goth. iban af êbun (wie giban gaf gêbun) dürfte die praesensbedeutung aeque pendere gehabt haben, wovon ibns ahd. ëpan aequus und andere wörter; das praet. mit abgeändertem sinn, weil was eben und gleich stand, nicht mehr steht, in die neige gerathen ist, inclinavi, declinavi, woher die partikel af, ahd. apa d. i. nieder, abwärts, gesenkt. also wäre êbandus oder âpant die neige, senkung des tags, wo die sonne im westen niedersteigt, es heiszt immer: der tag neigt sich, sinkt, der abend, die nacht fällt ein. hierzu stimmt auch das mit einer abgeleiteten form aft apt, wozu die partikel aftr aptr retro gehört, gebildete aftan. Ein goth. verbum êbôn inclinare, labi, ahd. âpôn, mhd. âben könnte auch ein participiales êbônds, ahd. âpônt cadens, labens zeugen, wozu sich evening f. evenind halten liesze, wie sonst dem alten ô in der mhd. endung u entspricht. der begrif des worts bliebe derselbe. zwar ahd. kennt man kein âpôn, es heiszt: iʒ âbandêt vesperascit, nicht iʒ âbôt, auch mhd. eʒ âbendet, nicht

[Bd. 1, Sp. 23]


âbet, und Trist. 185, 25 scheint âbende = âbendende, doch Heinzelin von Konstanz 5: diu sunne begunde senken und âben tegelich. auch führt Henisch ein solches aben abnehmen an und ich aben fast: deficit me aetas, es abet spatet, vesperascit. Stieler gibt es abet, der abend rückt heran und Stalder 1, 84 bestätigt es aus der Schweizersprache, die sonst obed für abend ausspricht, also oben darbieten müste. Zachariä sagt:

lasz mit säuselndem west den abenden weltkreis erfrischen,

d. h. den sinkenden.
Redensarten: es wird abend. es gehet gegen den abend, auf den abend. der abend bricht an, überfällt uns, kommt, naht, winkt, sinkt. guten abend bieten, sagen, wünschen: ei schönen guten abend dort am himmel! es ist noch nicht aller tage abend, omnium dierum sol nondum occidit; es ist aber damit noch nicht aller tage abend. Luther 5, 135b. Andr. Gryph. 1, 871. Göthe 15, 148. 44, 248. zu abend essen. abend machen, mit der arbeit einhalten, ruhen:

die stunde,
die mit dem leben abend macht.
Günther 97.

unsre noth het sabbath nimmer; lasz uns dem ort eilen zu,
wo die noth musz abend machen, wo der tag der steten ruh.
Logau 2, 199, 25.

des lebens abend, wenn es dem tode naht und endet, alts. aldres âband. Hel. 106, 6; dieweil sie vermerkten, dasz der tag mit im sich zum abend nahete. Kirchhof wendunm. 49;

mein abend kommt heran, jetzt sollen thränen rinnen.

abend steht auch für die westseite, das abendland:

die liebe die hatt ihn so heftig eingenommen,
dasz er aus morgenland war in den abend kommen.
Dietr. von Werders Ariost 1, 46.

der wind kommt von abend her.
Adverbia. abends, des abends. eines abends. am abend. zu, zum abend. zu abentz. H. Sachs II. 4, 110d. den abend, einen abend:

einen abend kam ein priester zum könig.
Göthe 37, 252.

auf den abend: auf den abend kommt er nach haus. gegen abend, gegen einen abend.