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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
moos bis moosbirke (Bd. 12, Sp. 2518 bis 2521)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) moos, n. und m. palus und muscus.
1) das ahd. mhd. mos (mit kurzem o) in beiden bedeutungen entspricht mnd. mnl. mos muscus; engl. moss moos und moor, altn. mosi ebenso; schwed. ist das fem. mossa moos, das masc. mosse moor, dän. mos moos, mose moor, sumpf; es liegt ein alter gemeingerman. stamm vor, der zu altslav. mŭchŭ muscus, nslav. meh, mech (Miklosich 386a) und lat. muscus, span. ital. musco, franz. mousse urverwandt ist. im germanischen hat sich die zu grunde liegende, dem eigentlichen begriffe nach unbekannte wurzel in so fern reicher entfaltet, als das sp. 2175 aufgeführte mies, das die beiden nämlichen bedeutungen wie moos zeigt, im ablautsverhältnisse steht. nicht unwahrscheinlich ist es, dasz die beiden in solcher weise verschiedenen formen sich auch ursprünglich in die beiden bedeutungen theilten, derart, dasz die eine das gewächs, die andere das land, worauf es mit vorliebe wächst, ausdrückte; bis in einer späteren zeit auf jedes der beiden worte der eine wie der andere begriff entfiel. in welchem bedeutungsverhältnis aber ursprünglich mies und moos zu einander standen, läszt sich nicht feststellen; erwägt man, dasz mies = muscus im ahd. mhd. sehr häufig, im ags. meós muscus einzig bezeugt ist, so möchte man sich leicht für ursprüngliches mios moosgewächs, mos moosland entscheiden, die übertragung der ersteren bedeutung auf das letztere wort wäre, abgesehen von dem verhältnis in den nordgermanischen sprachen, zunächst im mittel- und niederdeutschen erfolgt, wo man mos als moosland nicht gekannt zu haben scheint; und hätte sich in unserer schriftsprache verbreitet.

[Bd. 12, Sp. 2519]



Das geschlecht des wortes, im ahd. nicht erkennbar, ist mhd. gewöhnlich, wie auch jetzt, neutrum, ausnahmsweise masc., in der bedeutung des mooslandes:

er stach man unde ros,
daʒ sie vielen in den mos. ges. abent. 3, 236, 1483,

dem auch ein seltenes nhd. mos = muscus entspricht:

der wald der musz mich itzt mit rohen wurzeln nehren,
mier ist der nasse moosz an statt zitronen saft.
Fleming 113;

die demantenen gewässer
fliegen durch den jungen mosz. 363;

die trübe Hippokrene
flosz durch den jungen mosz ein seufzendes gethöne. 665;

der mosz, muscus Steinbach 2, 77; Frisch 1, 669a verzeichnet das moos oder der moos.
2) moos, sumpfiges land, bruch, ist oberdeutsch und der nhd. schriftsprache nicht gemäsz; bair. mos, plur. möser Schm. 1, 1672 Fromm.; tirol. mos Schöpf 443, kärntn. mous Lexer 192, alem. moos Stalder 2, 214, mos Hunziker 183, schwäb. moos Schmid 390 u. s. w., dem ahd. und mhd. entsprechend:

ze dem mose jouh ze dem brunnen
dâ ne meget ir gewinnen
nieht daʒ ir getrinchet. exodus in d. fundgr. 2, 99, 46;

über das 16. jahrh. in der schriftsprache nicht dauernd: dû scholt auch wiʒʒen, daʒ daʒ waʒʒer seinen smack und sein art nimt von dem ertreich, dâ durch eʒ fleuʒt. dar umb vint man manich waʒʒer gesalzen, daʒ durch gesalzenʒ ertreich fleuʒt, und anderʒ saur, daʒ dritt mosik, daʒ durch mos fleuʒt. Megenberg 103, 11; palus, mosz, moʒ, mos, ms, mose Dief. 408b; das mosz, palus Maaler 293d; auf ein mosz oder sand bawen. S. Frank sprichw. 1, 161b; und wann er allein in dem feld wer, und daʒ im zwen wölf im mosz bekemen, die wolt er schlagen. Ulensp. s. 114 Lappenb.; dann es alles mit seen, mösern, pfützen und flüssen umgeben ist. Thurneiszer von wasser (1572) 399;

wer zeigen dt ein gte strosz
und blibt er jn dem pfütz und mosz,
der ist der sinn und wiszheit blosz.
Brant narrensch. 21, überschr.;

der held sasz auf das kleine rosz,
reit dahin über ein tief mos,
bis er kam in den grünen wald. Teuerd. 41, 20;

und als er gieng uber ein steg,
da fiel er hinab in das mos,
und wart im mos pis an den hals versunken. meisterges. fol. 23, nr. 42;

nun kan er je mit seinem rosz
nit zu mir reiten in das mosz,
er musz vor dem graben absteigen.
H. Sachs fastn. sp. 2, 111, 194;

mein liebs menlein, schaw mir zum rosz,
so wil ich zu fusz ubers mosz
dem böszwicht nach eiln und jn blewen. 112, 214;

etlich geschütz von büchsen grosz
versunken jm wol in dem mosz.
Soltau volksl. 339 (16. jahrh.);

erst in diesem jahrh. brauchen es schriftsteller, die sich an oberdeutsche mundarten anlehnen, in diesem sinne wieder, ohne dasz es allgemein verstanden würde; einer der ältesten Heinrich Zschokke in seiner erzählung Addrich im moos (ausgewählte werke, Aarau 1824, bd. 27).
3) moos, muscus, ahd. nicht unbekannt: mos, mous, lanugo, fructus maturus cardui, lana terrae, muscus Graff 2, 868; später isotus, isocus, i. mustus crescens ex vetustate lapidis l. arboris, mosz o. miesz, mösz Dief. 310b; muscus, mosz von baumen 373b; muscosus, vol mos 373a; wie es selbst zuweilen in Baiern gebraucht wird, wo sonst mies gilt (Schm. 1, 1672 Fromm.), ebenso in Kärnten (Lexer 192), vielleicht nur als neuerer eindringling aus der schriftsprache. vornehmlich ist mos muscus niederdeutsch: ulmus, mos, also uppe den bomen wesset Dief. nov. gloss. 384a;

dar (unter einer birke) schole gi krazen unde schraven,
denne vinde gi mos an einer side. Reineke fuchs 2465;

und mitteldeutsch, bei B. Waldis in der form mas (helles kurzes o durch a ausgedrückt):

jetzt ist er (der baum) glat: wenn er wird alt,
so gwint er gar ein ander gstalt:
denn wird er rauch, bewächszt mit masz (: das). Esop 2, 27, 79;

und von hier aus schriftgemäsz geworden (Luther braucht einmal mies 6, 503a, aber in der bearbeitung einer oberdeutschen quelle): wer einen baum oft saubert von dem unflat, von der nühe oder mosz so an jm wechst, der machet jn fruchtbar. Coler. hausb. (1604) 2, 133; zogen mir meinen rock aus und bekleideten mich um die scham mit einer schönen art

[Bd. 12, Sp. 2520]


mosz, so in Arabia felice in den wäldern an etlichen bäumen zu wachsen pfleget. Simpl. 2, 216 Kurz; mit mos bewachsen, obduci musco. Stieler 1295; einen baum vom mose seubern, emuscare arborem. ebenda; mit mose mauren, musco interjecto lapides coagmentare. ebenda; die fugen mit mos verstopfen, textus ferruminare, musci coma interjecta commissuris. ebenda; auf diesen stein der ein wenig mit moos bewachsen ist. H. v. Kleist Käthchen v. Heilbr. 3, 1; (rosse) die gewöhnt waren, sich durch kiefergebüsch und über das moos der sümpfe zu winden. Freytag ahnen 4, 5;

wer nur auf schönheit sieht, der greift zwar nach crystallen,
weisz aber warlich nicht, dasz sie gebrechlich sind.
er findet schilf und mos statt köstlicher corallen.
Chr. Gryphius poet. wäld. 1, 358;

du sahest oft an hoffnungsvollen bäumen,
um rind und stamm, das moos zu häufig keimen.
Hagedorn 1, 69;

zu blättern wird das haar;
den leib deckt rind und moosz. 2, 104;

wie thront auf mosz und rasen
der hirt in stolzer ruh! 3, 70;

die dichterische würdigung des mooses führt erst Klopstock ein, durch eine bei ihm gewöhnliche kleinmalende verwendung des wortes (vergl. dazu auch moosig 2):

zwar weinte sein auge
um den freund, der ihm starb!
noch, da dem todten sein moos begann (sein grabhügel mit moos bewuchs), ging Friedrich seitwärts,
ohne zeugen zu sein. 1, 77;

ihr edleren, ach, es bewächst
eure maale schon ernstes moos! 191;

(du) blühest, wie rosen, welche mit moos
gürten ihr blatt. 2, 246;

am grabe der seher
wächst dort unten ruhiges moos in der kühlenden erde.
soll ich davon, o göttlicher, dir ein lager bereiten? 3, 7 (Mess. 1, 67);

der stein war
schon mit stillem moose bedeckt. 5, 89 (11, 1347);

ist schon mit moose der grabstein,
wie mit ihrem epheu die öde trümmer, bewachsen? 97 (11, 1464);

sie verbanden ihm sorgsam die wunden, und legten ihn schonend
auf sanftkühlendes moos. 408 (15, 1480);

Cneus sasz allein auf kühlendem moose. 6, 89 (17, 617) und öfter;

und danach bei gleichzeitigen und späteren:

sie sasz auf blumen und moos
in schönen gedanken verloren.
Wieland 10, 69;

sie schwimmt hinzu, trägt ihn mit eignen armen
in eine grotte hin, wo ihm das weiche moos
zum bette wird. 247;

und mit dem tage fanden
sie beide, arm in arm, wie neu geboren, sich
auf einer bank von moos. 23, 292 (Oberon 12, 75);

graue leichensteine ragen einzeln,
rund mit moos bewachsen.
Hölty 50 Halm;

nun irr ich durch verschränkte tannenhaine,
sink auf verdorrtes moos. 135;

ich bett es (das liebchen), kommt ein schlaf ihm an,
auf weiches moos und thymian.
Bürger 48a;

da sank ich ans ufer ins schwellende moos.
Stolberg 1, 284;

ruhend im duft und im labsal der sommernächtlichen stille,
sanft auf des mooses flaum, schlummert Endymion einst. 2, 296;

hier ist polsterndes moos, hier sanft anathmende kühlung.
Voss Luise 1, 304;

versunken lag im moose
Merlin.
Uhland ged. 314;

der plur. ist, da moos collectivum, ungewöhnlich:

wo du .. die schwebende meew und des fischleins spiele belauschtest,
das aus moosen hervor sonnige fläche durchglitt.
Voss 3, 147;

als sie die schwellenden moose des weitumschattenden buchbaums
jetzo erreicht. Luise 1, 557;

auszer in dem falle wo moose = moosarten: musci, die moose Nemnich 3, 668; man theilt den moos in harigen, crinosum, ästigen, ramosum, grindigen, scabiosum. Frisch 1, 669a; isländisches moos, eine flechtenart, lichen islandicus.
4) moos bildlich: was unsere väter in sechs jahren (auf der hochschule) lernten, so dasz sie gelehrt wurden, daran lernt man jetzt zwölf jahre und im dreizehnten ist man wohl was geworden, aber nicht gelehrt, sondern ein famoser bierrülps, ein urbursche mit moos auf dem haupte und dreck

[Bd. 12, Sp. 2521]


überall. J. Gotthelf schuldenb. 78, vergl. dazu bemoost unter bemosen. J. Paul nennt den bart das moos der männlichkeit: dabei seid ihr bartscheerer, die von dem kinn das ehrwürdige moos der männlichkeit abmähen. grönl. proz. 2, 9.
5) moos für geld, im volksmunde, landschaftlich weit verbreitet, z. b. obersächsisch-meisznisch (Albrecht 172a) wie tirolisch (Schöpf 444) und wieder niederdeutsch, hat mit dem vorigen nichts zu thun, sondern entstammt der gaunersprache und geht wol auf hebräischen ursprung zurück; in den ältesten rotwelschvocabularien mesz: mäsz, gelt oder münz. P. Gengenbach 369 Gödeke; mesz, geld, oder münz. Phil. Lugd. 4, 170; geld, doul, meesz. 177; dann auch meus: er hätte ihm (dem juden) erst neulich etlich altes bruchsilber, geschmeide und kleinodien verkauft, davor er ihm meus, das seie auf teutsch geld gegeben. Simpl. (1684) 3, 742; jetzt auch umgedeutet Moses und die propheten haben, anlehnend an Luc. 16, 29.
 
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moosachat, m. eine art achat, mit moosförmiger zeichnung seiner fläche.
 
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moosämmerling, m. emberiza schoeniclus, rohrsperling.
 
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moosasche, f. asche von moos: eure augen, trübe wie ein morgenhimmel, und eure backen, wie mit moosasche überstreut. Veit Weber sagen d. vorz. 2, 312.
 
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moosbank, f. bank die von moos hergestellt oder mit moos bedeckt ist: sie saszen auf einer moosbank.
 
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moosbart, m. bart aus moos gebildet: zwischen baumriesen, deren lange moosbärte grausilbern im sonnenlichte glänzten. Freytag ahnen 1, s. 9; älter aber ist moosbart der dem moose verglichene bart eines alten mannes, und der inhaber eines solchen selbst: du alter moszbart, was bedeutets, dasz du so eine alte frau mit einem solchen krummen alten kracher foppest. Simpl. (1684) 3, 182; eben damal, als ich hinkam, stige ein alter moszbart ab, der mich dem bart und seiner kleidung nach an die antiquität selbsten ermahnete. 3, 389 Kurz.
 
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moosbedeckt, part.: die vier moosbedeckten, grasbewachsenen steine. Göthe 16, 126.
 
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moosbeere, f. vaccinium myrtillus, die heidelbeere, und vaccinium oxycoccos, auch moselbeere, mostbeere, sumpfbeere. Nemnich 4, 1537. 1538.
 
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moosbewachsen, part.:

menschen fern; nur rothwildstapfen
auf dem moosbewachsnen boden!
Freiligrath dicht. 1, 114.


 
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moosbinse, f. name von binsenarten, namentlich scirpus acicularis. Nemnich.
 
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moosbirke, f. betula pumila, auch moorbirke.