Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gach bis gachzen (Bd. 4, Sp. 1125 bis 1127)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gach , unflectiertes gähe (s. d.).
1) bes. in der redensart mhd. mir ist gâch, ich habe eile, beeile mich, renne u. a., und zwar von höchster eile, dann bildl. es drängt mich, verlangt mich (nach, auf, zu etwas u. a., mhd. auch mit gen.), bes. von ungeduldigem verlangen; unsicher, ob adj. oder adv., s. Grimm gr. 4, 929. noch im 16. jh. in voller geltung, auch mir wird, geschicht gach, und ich hân gâch, wie 'habe eilig' Bartsch mitteld. ged. 73, 12, noch bair. er hat's gach. mnd. gâ, z. b. Theoph. 181, mnl. auch persönlich gâ wesen gramm. a. a. o. s. auch DWB gähe 1.
a) in eigentlichem sinne: aber aus manlichem gmuet was in gach (zum feinde, d. h. sie warteten nicht bis die brücke fertig belegt wäre), ranten uber die löcherten brucken. Wilwolt v. Schaumburg 43;

[Bd. 4, Sp. 1126]


und ist dem klotze (kegelkugel) nit sehr gach,
so leufet er (der spieler) balde hinden nach
und rufet 'lauf kugel, lauf frauwe sehr!' Renner, Frkf. druck 57 (Bamb. ausg. 132b),

hin auf ein schlosz da was in goch (zu pferd),
das lag auf einem berg gar hoch.
Wickram pilger T 3 (72);

z reiten was mir also gach,
das ich meim sun möcht kumen nach. Y 3 (85);

dem kalten meer dem streich ich nach,
zu streit und fechten ist mir gag (so).
Forer fischb. 91a;

der jäger folget eilend nach,
denn nach dem fuchs war im so gach.
Waldis Es. 3, 44 (158a);

gleich wie der fuchs der birn nit mag,
so ist der magd zum tanz nit gach.
Henisch 1275, 15, aus Eyring 2, 674;

vor durst ist in ins bierhaus gach.
Uhland volksl. 638;

gen himmel was im gach (Christo am kreuze). 868;

und (der kaiser) wird warlich nicht lassen nach (mit betreibung
des Türkenkriegs),
denn an den Türken ist im gach. ein christ. zug wider den Türken G 4b;

dem wirt war zu den dingen gach (beeilte sich).
Wolgemut Es. 2, 254. 255;

dem mönch ward ausz dem closter gach,
demselben lief die nonne nach. ganskönig G 6a.


b) auch von allem andern heftigen streben, vgl. DWB gähe 4, b:

auf gut ist uns gach. fastn. sp. 820, 15;

nach guot und gelt so ist uns gach. trag. Joh. c ij;

iederman (dat.) ... ist gach nach ungeordneter lieb. Amor E iij;

ist dir nach mancherlei sitten, ordnungen, regimenten und weltweisheit gach. Frank chron. 1531 vorr. a 5a, drängt dichs sie zu erfahren. im 17. jh. selten mehr:

dazu den gottlosen (kippern) ist jag,
zu verderben nacht und auch tag
den armen.
Scheibles flieg. bll., um 1620,

vielleicht mit anlehnung an jagen, vgl. DWB jach unter c;

sie ward gar sehr erhitzt, zur rache ward ihr gach (: nâch).
Logau 3, zug. 90.


c) tadelnd, von unbesonnenem treiben, übereilung, leidenschaft, 'jähzorn' (vgl. DWB gähe 4):

ihr herren von Ulm, wie ist euch so gach!
Uhland volksl. 356,

in einer warnung am ende eines liedes, wegen hinrichtung eines gegners;

dem almsen (geistlichkeit) ist zkriegen worden gach. 424,

haben sich hinreiszen lassen, krieg zu führen;

im gschach so gach
von ungemach (ärger). 654;

im geschach sehr jach
nach ungemach. Ambr. liederb. 129, 23,

im Heselloher, von einem bauer der beim tanzen grillen im hirn hat und händel sucht mit einem gegner. von liebesleidenschaft:

mir ist nicht gach, ich bin schabab. Ambr. lb. 92, 1;

Phebe (Apollo), dir gschach auch also gach,
du eiltest nach Daphne der jungfraw. 44, 15.


2) seltner in andrem gebrauch (wie schon mhd.), da herscht dafür gähe, gäch.
a) eilig, praeceps Schönsl. S 1b; die fraw was gach und gelobt im die hundert ducaten. Eulensp. 34 s. 48, beeilte sich ihm zu g.;
b) praeruptus, steil. Schönsl.; pronus, gach, genaigt zu fallen. voc. varil. Dief. 465a.
c) gach vehemens. voc. inc. teut.; 'gach, gäch, hitzig, geschwind, eilfertig, unbehutsam, unvorsichtig, unbesunnen, vermessen'. Henisch 1330;

sei nicht zu gach,
gib etwas nach. 1331;

wär ze gaach ist, hat mangel. spr. Sal. 21, 5 der schweiz. übers.;

die Deutschen sind nicht männisch mehr, thun kindern alles nach,
die wann sie etwas neues sehn, thun töblich, thum (verblendet) und gach.
Logau 3, 247, 165 (letzte zug.);

wie gach nun wieder, junger mann!
Lessing 2, 355 (Nath., letzter auftr.),

gewöhnlich jetzt jach, unrecht kurz gesprochen. aber gâch noch östr. kärnt. bair. tir., bes. auch jähzornig.
d) als adv.: wer alles will wissen, der würt hintennach so gach irr, das er vor vil wissen glat nichts weisz. S. Frank 5, 129. auch schon gah, mehr nach md. weise, wie nd. gâ:

[Bd. 4, Sp. 1127]


als sie das volk nun allda sah
durch die bruck faren also gah.
Fischart glückh. schiff 517.

'gach schnell' Stald. 1, 415, tir. plötzlich (merkw. auch 'allmählich') Schöpf 165, kärnt. gâche. vgl. gachs.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gach, f. , d. i. mhd. gâhe.
1) eile, hast, noch tirol. in aller gâchn Schöpf 165 (kärnt. angâchn Lexer 105, das mhd. allen gâhen), s. mhd. wb. 1, 454a, 41ff., mit der gâhe genesis 46, 21 D., md.Jerosch. 92d. öfter gähe, s. d.
2) jähzorn, die gach Vintler 2596 (Schöpf 165), und im anschlusz an die worte aus dem Heselloher vorhin:

grosz rach und gach
het er im fürgenummen (in den kopf gesetzt)
gen aim der im verschmacht (zuwider war).
Uhland 654.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gäch, mit zusammens., s. u. gähe, gäh-.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gachel, f. bair. östr. baumwanze, cimex griseus, bair. auch gackel, östr. tir. kachel; einfacher schwz. gâch, gak m. (auch gax m., gai n.). dann mit ablaute (wie mhd. huon zu han) und andrer lautstufe oberpf. gueg m. Schm. 2, 23, schwz. guege f. Stald. 1, 410 (vgl. DWB donnerguge hirschkäfer). vgl. DWB gauch.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gacheln, laut, schütternd lachen: gachlen oder gichlen, cachinnari. Frisius 167a, Maaler 153b (Henisch 1330, Schottel 1321, Stieler 595 haben es wol nur entlehnt*). ebenso nl. gachelen und gichelen, gichen Kil., vgl. geicheln Frisch 1, 312b, ostfries. giecheln Stürenb. 70a (in Aachen aber kakelen, im Teuth. 98a gakelen cachinnari); eigenthümliches zusammentreffen des alem. mit dem nl., das öfter auftaucht, oft genug wie einwirkung vom Niederrhein herauf. s. dazu DWB kachen und kichern. Eigen ist nd. gaffeln, gamfeln, laut lachen bei Schambach, schott. gaff, gaffaw, gawf, gaulf.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gachen, gächen, eilen, s. DWB gahen, DWB gähen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gachen, laut lachen? s. DWB gacheln:

wie meinst denn wol, das wir es machen,
das ihm vergeh sein unnütz gachen?
Pape christiani hominis sors etc. F 1b.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gachheil, n. schafgarbe.
1) gachheilkraut Hohb. 3, 1, 236b, zu einer wundsalbe gebraucht, 238b gulden-jachheil mit den rothen blümlein, also 'schnell heilendes' wundkraut, auch wundkraut genannt Dief. 361b, im Elsasz 'heil allen schaden'); schon in einem (mehr nd.) gloss. um 1300 gachheil millefolium Mones anz. 4, 247.
2) mit o aus â: anagliphus, gochail. Fromm. 4, 292a, bair. 15. jh.; bei Alberus CC 2b als fem.: anagallis phaenicia vel purpurea, die rot ghocheyl; sanguis oculi, die blo ghocheyl; anagallis aquatica, bachpungen, wasserghocheyl. vorher das. anagallis, ghocheyl, gaucheyl, colmerkraut.
3) entstellt gachol Dief. 861b, gahel voc. 1482 i 8b, 'supercilioveneris' (jungferaugbrauen). noch östr. gachelkraut, kärnt. gachel m. (auch kachel, grochal). vgl. übrigens gauchheil.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gachs, adv. zu gach in genitivischer bildung (vgl. u. kleinlaut 3), mhd. gâhes, zeigt sich noch in kärnt. gâchis plötzlich Lexer 105, bair. gachs (auch gacks, gächens) Schm. 2, 28; tirol. allsgâchs in voller hast Schöpf 165, das mhd. alles gâhes. die md. form war gâs (wiefür gach, s. d. u. 1) Athis C* 164, s. oben 3, 1161, wie mnd. gâs Eike zeitb. 286a. mhd. auch gæhes Nib. 2035, 4 in J, vgl. Schmeller a. a. o.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gachsen, glocire: hner, welche wie die hanen kren, gachsen oder scharren. Sebiz feldb. 102; merzenhennen die nicht gachsen. Fischart groszm. 54 (587 Sch.);

wolan die hner gachsen vil,
die eier kommen schier,
und wer die eier haben wil,
musz gachsen hören vil. Garg. 49a;

scherzhaft von flöhen, so verhinderet es, das kain floh darinn wachse noch aier gachse. flöhhatz 900 Sch., also auch eier gachsen, gackernd legen, vgl. gackei das ei unter gackeln 1. noch b. Steinbach 1, 536 gachsen, glocire. vgl. DWB gachzen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gachzen, dass., mhd. gahzen Mones anz. 8, 396:

bei hünren lernt man gachzgen (so),
bei sweinen seuwisch smazgen. ring 30c, 18, sprichwort.

gächzen Stieler 594. s. unter gackzen. *) alle drei gehn so bewuszt, aus vaterländischem eifer, auf bereicherung des sprachschatzes aus, dasz sie als zeugen mit vorsicht zu brauchen sind; Henisch benutzt dazu namentlich den Maaler, merkwürdigerweise auch den nl. Kilian (s. z. b. 2, 231 mitte), auch den voc. theut. 1482 (s. 4, 64 mitte), Schottel den Henisch (und Kilian wie es scheint), Stieler den Schottel und Henisch. erst Frisch bringt in diesz benutzen der vorgänger ein geschichtliches verfahren, mit genauer anführung der quellen, worin ihm doch der treffliche, viel frühere Henisch zum theil vorangieng, zum theil auch Steinbach.