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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
suffig bis süffling (Bd. 20, Sp. 1002 bis 1004)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) suffig, süffig, adj. , auch in der nebenform söffig. zu 1suff, soff.
1) trunkliebend, dem suff ergeben: die rathspersonen sollen auch eines erbaren lebens sein, nit suffig, noch anckisch, mit geitz und andern offentlichen lastern nit berüchtiget Ferrarius von d. gemeinen nutz (1533) 40b; ein süffiger, söffiger kerl Heyne dtsch. wb. 3, 912; suffig zum trunke (suff, soff) geneigt Vilmar kurhess. id. 407. — anders, 'trinklustig, nicht wählerisch im trinken', von kälbern: süffigi tränkchälbli hetts hütt hübschi uf dem zīstigmärkt ghan schweiz. id. 7, 359.
2) süffig angenehm zu trinken, schmackhaft, leicht eingehend, besonders von geistigen getränken: (wohlschmeckend, angenehm, vom bier) wofür der echte trinker das bezeichnende wort 'süffig' gebraucht Castelli memoiren 1, 456 Bindtner; wo weiber sich hineinmischen, wird mein lebtag kein recht süffiger trank zu stande kommen Holtei erzähl. schr. 13, 134; dem süffigen landwein Auerbach bei Fischer schwäb. 5, 1952; der süffige wein der gegend ist jedoch für geistliche, lehrer und sonstige menschen mit sitzender lebensweise höchst gefährlich J. Scheicher erlebnisse (1907) 319; wie gewissenlose wirte bleizucker, farbstoffe und spiritus dem weine zusetzen, um ihn 'süffiger' zu machen Anzengruber (1890) 5, 231; trinkt! unser wein ist süffig und gesund C. F. Meyer s. schweiz. id. 7, 359;

und seiner wingerten ertrag
ward als ein süffig nasz gepriesen
Jul. Wolff d. landsknecht v. Cochem (1898) 52;

(Oppenheimer wein) in guten jahren süffig, frisch und weingärig H. v. Zobeltitz d. wein (1901) 37a; das bier ... werde neuerdings von den brauereien ... gesalzen, damit es süffiger schmecke reichsmedizinalanz. (1909) 331. scherzhafter gebrauch: diese schlemmerlieder sind ... meist ächte volkspoesie, 'süffig' in form und inhalt W. H. riehl d. dtsche arbeit (1861) 113; süffiges verslein Berl. tgbl. 31. mai 1936. in mundarten, vgl. z. b. Schöpf tirol. 728; Fischer schwäb. 5, 1952; Kehrein Nassau 400; söffig Coblenzer mundart, im rhein. antiquar., abt. 3, bd. 14 (1869) 747.
 
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süffigkeit, f., angenehme trinkbarkeit, zu süffig 2. hier konkretisiert: ich werde süffigkeiten thun in die getränke, ich werde ein wohlgefühl erzeugen schon nach dem ersten trinken Rosegger II 2, 346.

[Bd. 20, Sp. 1003]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) süffisant, adj., 'anmaszend, dünkelhaft, eingebildet', auch 'selbstgefällig, selbstzufrieden'. im 18. jh. entlehnt aus frz. suffisant (jedoch schon mnl. suffisant, soffisant): seichtdenker, die aus ein paar französischer bücher schnell gelehrt und dann mit der spottenden und süffisanten miene von dingen reden, die sie nicht verstehen Erfurter gel. zeit. (1769) 156; zu dieser stelle das folgende: unser herr inspector macht zuweilen, wenn er sich ein gewisses ansehen unter uns geben will, so ganz besondere mienen; vielleicht sind dies süffisante mienen sendschreiben eines landpriesters (1770) 12; halte mich deswegen nicht für süffisant, aber es trifft wirklich viel zusammen, um uns eine angenehme zukunft zu verschaffen fürst Pückler briefw. u. tageb. (1873) 4, 258; ich habe ganz dies flache und doch süffisante Wiener treiben darin wiedererkannt Gutzkow (1845) an Dingelstedt, s. dtsche rundschau 159, 376; geheimrat Hedemeyer, hager, spitznasig und süffisant Fontane I 4, 388. dazu suffisance ebda 5, 310.
für suffisant (neben der lat. form sufficient) in der bedeutung 'genügend, fähig, geschickt', was Seiler (entwickl. d. dtsch. kultur 4, 213) für das 18. jh. anmerkt, fehlen belege. zu sufficient s. Kl. Hechtenberg fremdwb. d. 17. jh. 129.
 
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süffler, m., einer, der süffelt, s. 2süffeln 2: (wein aus Velletri) dessen beste quellen er überall mit der spürkraft eines süfflers ausfindig zu machen wuszte W. Weigand d. Löffelstelze (1919) 307; vgl. noch Fischer schwäb. 5, 1952.
 
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suffite, f., im theater ein herabhängendes dekorationsstück, das den himmel, wolken, gewölbe u. s. w. darstellt. aus ital. soffitta 'dachboden'. häufiger soffite: donnerndes händeklatschen, gelächter, fusztrampeln empfing ihn, und es mag sich freilich seltsam genug präsentiert haben, wie der alte mann, mit dem kopf in den suffiten, ... seinem gerechten zorne luft zu machen suchte Th. Storm (1904) 4, 93.
 
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sufflet, m., 'supplent, hilfsgeistlicher, zu lat. supplere' Fischer schwäb. 5, 1952: in der vasten, so man gibtt dem protzepter 3 helffer und suffleten, meszner, prediger (um 1500) ebda; sprechen, der herr siehts nit, der gott Jacobs mörckts nit. wend also herr und meister sein, ist ihn gott nur ein sufflet, und fieren gott zu schul (16. jh.) Spreter instruction, bei Schmid schwäb. wb. 519. in weiterem sinn bei Keisersberg: archisynagogus, ein ertzfürweser, ein fürst. das ist einer, der do dem volck vor ist, der do wisz ist und sye weissz z beschirmen ... und sye doz kan wiszen und leren. aber yetzunder, wo yenen under dem gantzen volck ein sufflet ist und der aller torlichest, den zücht man härfürer zm regiment postill (1522) 106a.
 
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sufflet, suffleta, sufflete, n., backenstreich, ohrfeige. seit dem 16. jh. bezeugtes wort. entlehnt aus gleichbedeutendem frz. souflet, m.:

hör, hör, du jüd, du kompst mir eben.
ich will dir ein sufleta geben,
das dir dein lebtag nach musz gahn
Wickram 6, 72 Bolte;

find ich den lotter selb darin,
er msz mir gwiszlich nit entrin.
ich will im ein sufleten geben,
er sols gedencken all sein leben ebda 301;

diese rede verdrosze den künig so hoch, das er in groszem zorn dem herzogen ein suffleten gibt Zimm. chron.2 3, 261 Barack; mit dem ainigen suflet aber vertrieb der könig herzog Carln, der im vil nutzer im königreich were gewest ... mit aim solchen sufflet hat diser könig Franciscus den cardinal von Lüttich auch verloren ... gleichwol es ein hochmüetiger und übelredender, spitziger pfaff war, der nit allain ein sufflet kunt verdienen ebda 262; (herzog Albrecht) dem er ob dem spill von eins geringen wegen ein sufflet an backen gegeben ebda 583; sufflet, sofflet colaphus, alapa Kilian (1605) 541.
 
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sufflet, m., klappverdeck einer kutsche, im 18. jh. entlehnt aus dem gleichbedeutenden frz. souflet, m., das im 16. jh. schon in anderer bedeutung aufgenommen wurde, s. d. vorige wort: zum kauf. ein wohl conditionirter diable zu

[Bd. 20, Sp. 1004]


4 plätzen mit einem soufflet (ende d. 18. jh.) schweiz. id. 7, 360; ein leichtes gefährt mit einem soufflet ebda. dazu suffletchaise kutsche mit klappverdeck: 1 souffletchaise auf 2 rädern, inwendig mit rothem sammet und 3 taffetnen fürhang (1743) bei Fischer schwäb. 6, 3258.
 
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sufflich, adj., schlürfbar: sorbilis sufflich (voc. ex quo, 15. jh., md.) Diefenbach 543a (in anderen glossaren supffe-, supffer-, suppelich). zu 2suff.
 
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süfflich, m., auch söfflich, 'ein besonders der Lausitz eigenthümliches wort für trunkenbold, saufaus, säufer' Anton oberlausitzer wörter stück 13, s. 12. vgl. süffling, süffler, süffel.
 
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süffling, m., saufbruder, zu 1suff, bzw. süffeln. vgl. noch süffel, süffler, süfflich: um die façade des fasses hielten sich leute von adel auf und schienen nahe die grenze zu bestreifen, die den philosophen vom süffling scheidet J. Paul in: Euphorion 7, 63; (der kutscher) der kein süffling sein dürfe Holtei vierzig jahre (1843) 1, 303; der mann der Karschin war ein süffling zeitschr. f. dtsche wortforsch. 2, 200; das weib hat ihn verzagt gemacht, er ist ein süffling worden Rosegger II 1, 7; dasz süfflinge zuletzt die ärmsten leute sein mitt. d. schles. ges. f. volksk. 24, 118; als nachfahr des göttlichen süfflings Bacchus W. Weigand d. Löffelstelze (1919) 364, die wüsten süfflinge, sind sie denn schon wieder durstig? schweiz. id. 7, 360. in obd. mundarten, z. b. süfling 'säufer' Schmeller-Fr. 2, 231; 'trunkenbold' Loritza Wiener dial. 129; sifling 'ein Bacchusbruder' Überfelder kärntn. 233; süffling 'trunkenbold' Fischer schwäb. 5, 1952.