Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
sternhure bis sternkalender (Bd. 18, Sp. 2498 bis 2499)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sternhure, f., schelte, im 17. jh. öfter bezeugt: packe dich vor meinen augen, du sternhure oder ich würge dich J. Riemer polit. feuermäuerkehrer (1682) 212; o du sternhure, schrie die andere gantz zornig, ich schlage dir die schlüssel um den kopf Zend. a Zendoriis teutsche winternächte (1682) 576; du diebshure! du henckermäszige hure! du sternhure! du galleehure jungfer Robinsone 72. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sternhut, m.: fingerhüte, deren heut zu tag vielerley arten seind als runde, dreieckigte, mit spiegeln, klar und groben sternen, davon theils oben rund seind, theils, welche man sternenhüte mit knöpfen nennet, oben einen knopf haben Marperger kaufmannsmag. (1708) 44. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sternhyazinthe, f., scilla amoena, die schöne meerzwiebel Holl pflanzenn. (1833) 246a; Nemnich wb. 573. als name in der fruchtbringenden gesellschaft: der angenehme, der sternhyazinth, im anblikk und geruch Neumark palmbuch (1668) 267.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sternick(s)el, subst.: als hat vielen geeckelt ... vor artznei, brodt, cäse, ... fette butter, geronnene milch, häne, ingwer ..., pirnen, äpffel, quellthiere oder fische, rosen, sternieckel ..., tauben Prätorius anthropodemus plutonicus 1 (1666) 406; möglicherweise dazu: wiederum eine kleine art blaue (pflaumen), die der gemeine mann sternickelgen nennet Chr. Gerber wohlthaten gottes (1709) 1, 903; bei Frischbier in anderer form (sternicksel u. ä.) bezeichnung der brombeere oder erdbeere preusz. wb. 2, 370a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sternick(s)el, m., auch stornick(s)el u. ä. (s. teil 10, 3, 421), stirnnickel (s. u.) 'schlag gegen die stirn, ins genick', auf dem östlichen kolonialboden zu hause. in der ersten silbe steckt nach den ältesten bedeutungsangaben (s. u.) und verwandten bezeichnungen stirn, vgl. stirnschnupper schneller gegen die stirn elsäss. wb. 2, 503a; stirngnaupe schlag, stosz auf die stirn (beleg aus dem 17. jh.) schwäb. wb. 5, 1778, als sternsknaup, sternsknapp bei Kehrein Nassau 390: talitrum ein knippchen oder sternickel Trochus prompt. (1517) d 3b; talitrum, percussio quae fit digitis complicatis in condylos ein sternickel n 3a; talitrum ein knippichen an die stirn, ein sternickel Joh. Starck lex. lat. germ. (Goslar 1620) 204. daneben begegnet in den östlichen mundarten die form sternicksel : sternicksel stosz gegen den körper Betcke Königsberg 59; sternniksel ein schlag ins genick Hennig preusz. wb. (1785) 264; Frischbier preusz. wb. 2, 369; 370; so auch, freilich in anderem sinne: auszerdem haben sie ihm (dem gesandten) die Anne (orden) um den hals gegeben, während er irgend einen sternnixel erwartete Bismarck briefe a. s. braut u. gattin 412.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sternig, adj., auch sternicht, das im 18. jh. noch geläufig ist, ahd. sternacht: helina ... getophote mit sternahten ougon amictus ... stellantibus oculis interstinctos Notker 1, 741 P.; und deu sehs stükke die sich anvahen von dem wider und enden sich mit der juncfraun, die haizzen die siben ohsischen oder die siben sternigen zaichen, dar umb daz sie sich gegen deu siben stern naigen, die der wagen haizzen oder die ohsen Konrad v. Megenberg deutsche sphära 20 M.; in anderer bedeutung

[Bd. 18, Sp. 2499]


bis in die gegenwart üblich: sternicht, voller sternen stellato Hulsius (1618) 239b, namentlich als epitheton zu nacht und himmel:

(der kreis des himmels) sich sternig wider biget
nachs himmels mittelpunct
T. Hübner siebentageszeit (1661) 169;

Orions sternicht gurth
heckt nicht nur wunderzeichen
Lohenstein Epicharis (1685) 28;

die nacht ist stille, friedsam, blau, sternig und mondhell J. W. Petersen Ossian (1782) 102; in sterniger heitre des abends Voss s. ged. 3, 62; ein sterniges marienkäferlein Rückert w. 3, 116. aus mundart und sondersprache: sternet, sternig (vom rindvieh) mit sternartigen flecken gezeichnet Unger-Khull steir. 575a; zu stern glück: seitdem war aller hexerei abgeholfen und der bauer mit seinem vieh wieder 'steanig' Reiser Allgäu 1, 196; sternig besoffen, betrunken Train chochemer loschen 121b, s. 4stern. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sternisch, adj., nur im bereiche der sterndeutung, sternmystik und sternphysik gebräuchlich: darauff folgt nuhn, daz der himmel dem hirn sein eigen feuchti gibt, dieselbige feuchti ist ein sternischer wein Paracelsus opera (1616) 2, 178B; vermischung der sternischen spermatum 2, 97B; sternischen bawleuthen und künstlern 2, 256C; bei J. Böhme in der ihm eigenen auffassung, s. o. sterngeist: da man allezeit in solchem wachsen oder leben eine elementische, wesentliche krafft und dan eine überelementische, sonnische und sternische krafft verstehet, da die sonnische und sternische mit ihrer starcken gewalt mit der elementischen ausdringen schr. (1620) 4, 62;

auch die sternische verbrüdrung trügt,
doch uns freue eine weile nun
der figur zu glauben. das genügt
R. M. Rilke ges. w. 3, 323.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sternitzel, n., tüte, nur vereinzelt neben starnitzel (s. d.) und ursprünglichem scharnützel (s. d.): was die consistenz dieses pulvers ... anbetrifft, so wirt solches in blauen sternitzeln mit dem petschafft des herrn dispensatoris versiegelt Breslauer sammlung von natur- und medic.-geschichten 3, 573.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sternjahr, n., annus sideralis, die zeit, während welcher die sonne zum selbigen stern oder zum selbigen punkte eines sternbildes zurückkehret Bürja gröszenlehre (1799) 230, doch auch für weit gröszere zeiträume: wer erkennet hierinn nicht das grosze ägyptische sternenjahr, die canicularperiode Herder 24, 544 S.; das grosze sternenjahr, in dem durch viele jahrtausende in der fortrückung aller zeichen dieselbe ordnung wiederkehrt, hat in seinem beginnen dasselbe horoskop Görres ges. schr. 3, 354. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sternjunge, m., gleichbedeutend mit sternsinger (s. d.) Hübner lex. 4 (1828) 409. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sternkalender, m.: ein den ägyptischen himmelsbeobachtungen entnommener ... sternkalender ..., welcher den auf- und untergang der namhaften gestirne nach kalendertagen bestimmte Mommsen röm. gesch. 3, 550. —