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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ragenöhrlein bis rahm (Bd. 14, Sp. 61 bis 62)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ragenöhrlein, ragöhrlein, n. steiföhrlein (vergl. DWB ragen 2); vom hasen und spottname desselben:

(der bauer) schwur dem armen hasen den todt:
du ragenöhrlein du must sterben.
H. Sachs 4, 3, 86c;

auch vom esel: wie die hasen mit sorgen schlafen, und die esel mit sorgen saufen, denn sie dörfen die gosch nicht recht inns wasser stoszen, förchten sie netzen die ohren, so lieb haben sie jhre schöne ragörlin. Garg. 213a; ragörle (anrede an den esel). groszm. 42.
 
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ragensterz, m. steifschwanz; als zeichen von kraft und übermut an thieren und darum für diese eigenschaften selbst:

der merz,
der euch (flöhen) recht störzt den ragensterz.
Fischart flöhhaz v. 3470.

[Bd. 14, Sp. 62]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ragezahn, m. hervorragender zahn; beiname eines mit solchem versehenen: ragezahn, bronchus, qui dentes exsertos et eminulos habet. Stieler 1506.
 
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ragtodt, adj. steiftodt: (der esel) walzt sich um, streckt die füsz empor und thut die augen zu, anderst nicht, dann were er ragtodt und gestorben. esels adel (1617) 46. vergl. DWB rag und DWB rack todt, racktodt unter rack sp. 33.
 
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ragwurz, f. die pflanze orchis in verschiedenen arten: orchis bifolia, zweiblättrige ragwurz, orchis latifolia, breitblätterige ragwurz, orchis maculata, gefleckte ragwurz u. s. w., vergl. Nemnich 3, 779—783, ragwurz allein heiszt vorzüglich orchis morio; ragwurz unter den kräutern die im junius am besten. Sebiz 57;

er felscht nieswurz und encion,
geit peterlein für ragwurz hin.
H. Sachs fastn. sp. 2, 5, 133;

der name ('steifwurz') weil die pflanze als mittel zur hebung der mannheit gebraucht wurde: der parisischen frawen apotekerin weisze bein bewegen on rag- und stendelwurz die sinn, wann sie auf der leiter ein büchsen langet. Garg. 77b.
 
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ragwurzel, ragewurzel, f. orchis bifolia. Nemnich 3, 779.
 
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rah, rahe, f., in früherer schreibung auch raa, segelstange, mhd. rahe, stange überhaupt und segelstange (Lexer wb. 2, 335), mnd. râ, segelstange Schiller-Lübben 3, 410a, bei Kilian rae, rha, rah, antenna, lignum transversum in malo, cui appenduntur vela als sächsisch; uns ist der schifferausdruck auch aus dem niederdeutschen geläufig geworden:

drinnen erhob er den mast, mit der kreuzenden rahe gefüget. Odyss. 5, 254;

weit auch entfloh die rah und das flatternde segel ins meer hin. 318;

die see geht hoch: tritt deine wallfahrt an!
lasz von den raan
die segel fallen, lasz die wimpel wehn!
Freiligrath dicht. 1, 22:

auf den raan, auf den laffeten
sitzt die mannschaft, wie gebannt. 52;

Wieland braucht das wort männlich:

die ruder ganz mit silber überzogen,
die segel purpur, gold die stangen sammt dem rah. 18, 159;

da steht auf einem elefanten
ein himmellanger mohr
mit einer keule vor ihm da,
fast dicker als der grosze rah
des gröszten schiffs. 330,

offenbar auch in unkenntnis der bedeutung des wortes, er nahm es für mast. bei der Isar-floszfahrt heiszt die rahen, rachen das holz oder die stange, welches die bäume eines flosses oder waldschragens nach der quere verbindet; sonst bairisch auch ein holzmasz. Schm. 2, 81 Fromm.
 
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räh, rähe, adj. steif, gliederlahm, von pferden, nebenform zu räch sp. 13: beulengeschwollenen rähgerittenen bockenreutern. Garg. 61a; so es die fordern füsze auswärts wirft, und nicht auf den fordern theil des horns, sondern auf die fersen nidersetzet, so ist solches pferd einmal rähe gewesen. Hohberg 2, 173a; item so ein pferd hart geritten oder zu rähe wäre. 186b. bair. ræh, steif, vom ochsen, ross u. s. w. Schm. 2, 80 Fromm. vergl. auch DWB rehe.
 
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rahband, n. ein kurzes tau zur befestigung des segels an die rahe.
 
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rähe, f. und n. steifheit, gliederlahmheit bei pferden: rähe, rehe, röhe, ist eine pferdekrankheit, die sonsten auch das verfangen oder verschlagen genennet wird. sie ist dreierlei, und entstehet entweder vom futter, oder vom wasser, oder vom winde, und wird dahero entweder die futterrähe, wasserrähe oder windrähe genennet. öcon. lex. 1956; bei Hohberg theils fem., theils neutr.: für alles rähe, es sei vom wind, futter oder wasser. 2, 229a; für alle rähe. ebenda.
 
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rahm, m. sich ansetzender rusz, schmutzkruste. mhd. râm und rân, besonders den schmutz vom metall der rüstung bezeichnend; ahd. râm, wie aus dem adj. furva raamac, ramac Steinmeyer-Sievers 1, 148, 32 zu schlieszen ist (die form hramac ebenda 1, 149, 32 beweist nicht für hrâm, weil die betr. glossen hr für einfaches r mehrfach setzen). das wort ist auf das hochdeutsche sprachgebiet beschränkt, jetzt nur noch in mundarten lebend (bair. râm und rôm, ansatz von schmutz, rusz Schm. 2, 88 Fromm.; tirol. rm, rm, rusz, schmutz Schöpf 530; kärntn. ramme und rûme, schmutziger ansatz, streifen an der haut, besonders von rusz, auch ansatz der kochgeschirre beim kochen von mehlspeisen Lexer 203, vergl. auch rahmig; schles. râm, rôm,

[Bd. 14, Sp. 63]


rusz Weinhold 75b), und der älteren sprache besonders in einem sprichwort geläufig:

wer sich an alte kessel reibt
der empfahet gerne ram.
Uhland volksl. 334;

warum rückt er solch hundert tausent gülden dem nicht auf, der noch lebt, und auch wol drumb weis, und jm freilich wol antwort gnug geben würde. das leszt er wol, er fürcht, er möcht ram fahen. Luther 6, 31a; so sol sich (ob gott wil) jre hohe kunst an den alten kessel reiben, und den rechten ram fahen. 8, 5b; ich meine er solt an laufen und rham fahen. 59a; (er) merket, das der neue patron des röm. stuls rham gefangen hatte. Mathesius Luther 41a; wie er dem rohen gesindlein das maul mit der schrift verstopft hatte, schicken die phariseer einen rabbi aus, der fehet auch rahm an disem alten. hist. v. Jes. Chr. 1, 98b; wer sich an alte kessel reibt, der empfahet gern den ram. Fischart groszm. 107;

ein alter kessel ohne rham (ist wider natürliche art).
B. Waldis Esop 4, 93, 86.

vergl. dazu eiserrahm th. 3, 376, und eisenrahm 373, was als name eines eisengrauen schuppigen und fettigen eisenerzes noch lebt: eisenrahm, eisenglimmer Jacobsson 1, 567a.
In der form raum, die wol in der formellen mischung mit dem folgenden worte ihren grund hat: jr schmotz und raum an henden ist jn ein gröszere ehr, dann ein guldiner ring. S. Frank sprichw. 2, 174b, wofür Agr. spr. 233a jr schmutz und roum an händen; und als rohm: das ja die alten sinnreicher sein denn die jungen, daher ein gemein sprichwort gehet, man sol sich nicht an alte kessel reiben, man fehet sonst rohm. Luther 4, 491b; mein trotz aber heiszet der herr, an den lasz ich sie sich reiben, ich meine sie sollen rohm fahen und sich stoszen an den eckstein, das sie daumeln und zerschmettert werden. 5, 51a.