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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
pfifferling bis pfifzig (Bd. 13, Sp. 1697 bis 1699)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) pfifferling, m.
1) was pfefferpilz, pfefferschwamm (heiszen wol pfifferling umb des heiszen geschmacks willen Bock kräuterb. 309a), ahd. phifera f., boletus (10. jh.), spätahd. phifferlinch, mhd. pfifferlinc und pfëfferlinc Graff 3, 330. Lexer 2, 233: die (schwämme) haiʒent etleich ze latein boletos und haiʒent ze däutsch pfifferling. Megenberg 402, 2;

(es freut mich) vor jenem walt nâch pfifferlingen klouben
mit einer meit. minnes. 3, 307a.
Wolkenstein 30, 2, 9;

pfifferling, pfefferling, boletus, fungus Dief. 78a. 252c; gäler kleiner pfifferling, boletus Maaler 317c; gelber, weiszer pfifferling, agaricus cantharellus, piperatus Nemnich 1, 105. 411. Nürnb. kochb. (1712) 679; gewisse bittere schwammen, die man in Österreich pfifferling nennet. Hohberg 1, 478a (auch allgemeiner name der schwämme Höfer 2, 324); ein pfifferling ist ein nachgültig speisz. Keisersberg sünden des munds 4b; im ist vergeben worden in einem vergiften pfifferling oder prätling. Aventin. 764, 14, vgl. 849, 16;

[Bd. 13, Sp. 1698]


(als ich) im wald mich von der strasz abschlug,
der pfifferling fand ich genug.
H. Sachs 3, 573, 7;

ein pfifferling in einer nacht gebohren.
Morhof ged. 71.


2) übertragen nach der ähnlichkeit (mit dem gelben pfifferling) der menschenkot Frisch 2, 53b. Lexer kärnt. wb. 24 (auch als schelte): und der teufel führt in miten (mit dem) finger grad in'n pfifferling nein. puppenspiel vom dr. Faust 29 Schade, vgl. DWB morchel 3. thierisches excrement Schm.2 1, 423: das ist ein anderes korn, sprach die müllerin, da sie in einen mauspfifferling gebissen hatte. fliegenwadel 127.
3) bildlich (wie dreck, quark und anderes) etwas unbedeutendes, wertloses: das im sacrament ... eitel pfifferling und morhen weren. Luther 3, 285b;

aber sie achten diese ding ..
viel schlimmer als ein pfifferling.
Ringwald ev. Gg 8b;

seit ihr wol mehr dan pfifferling?
Weckherlin 498;

sehe nicht, wer mir vor mein reisen einen pfifferling giebt. Weise erzn. 38 neudruck; ich will des todes sein, wenn sie einen pfifferling auf dein geschwätze giebt. Sturz 2, 202; nicht wahr, herr pfarrer, eines menschen leben ist doch kein pfifferling? Lenz 1, 275;

strich drauf ein spanne, kett und ring,
als wärens eben pfifferling.
Göthe 12, 146.

als starke negation: von .. deinen poltergeistern habe ich den pfifferling gehabt. Immermann Münchh. 3, 234, besonders zur verstärkung der negation dienend: gäb ich dir nit ein pfifferling darumb. Keisersberg has im pfeffer Aa 3b; sie geben nicht ein pfifferling umb ... der einsidler hrinen kleid. Fischart bienenkorb (1580) 199a; so waist und hört man von den ... reichsvölkern nit ain .. pfüfferling. S. Bürster 242; so gelten alle tugenden zusammen nicht einen pfifferling. Weise comöd. 165; ich gebe keinen pfifferling drum. Klopstock 12, 117; dasz ihr euch um nachwelt und wahrheit nicht einen pfifferlings werth bekümmert. Hamann 4, 146; das facit — diese welt keines pfifferlings werth. F. Müller Faust 21, 15 neudr.;

das ficht mich nun alles
keinen pfifferling an.
Göthe 40, 121;

mir gilt er (der verstand) keinen pfifferling.
Platen 4, 87.


4) zusammensetzungen pfifferlingsbraterin Fischart groszm. 83. Garg. 273a; pfifferlingkern (markfleisch des pfifferlings) fastn. sp. 369, 1; pfifferlingküchlein Nürnb. kochb. (1712) 1118.
 
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pfifferstiel, m. stiel des pfifferlings, zur bezeichnung von etwas ganz wertlosem Frisch 2, 53a. Schm.2 1, 423:

wir hetten gern der pfenning vil,
da gab man uns der pfifferstil
wol in dem grunen walde.
Liliencron volksl. 227, 11 (vom j. 1502).


 
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pfiffi, n., schweiz. was pips (s. pfiffis, pfips) Stalder 1, 162, das pfiffe Maaler 317c, pfüffe Denzler 221a: das pfiffi ... vertreibt man inen (den pfauen) wie den hennen. Heuslin Gesners vogelbuch 400; er machte bei diesem allem ... fast augen wie die hühner, wenn sie das pfiffi haben. Gotthelf schulm. (1859) 1, 128.
 
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pfiffig, adj. das pfiffi habend (s. pfifzig, pipsig): so die hner stark genug geworden sind, sol man acht haben, dasz weder sie noch die mtter pfiffig werden. Heuslin Gesners vogelb. 196, pfipfig Mynsinger 38. — der pfifig, pituita Dief. 439a; er hat den pfipfig. Frank sprichw. 2, 72a.
 
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pfiffig, adj. und adv. erst bei Adelung nach pfiff 3, auf pfiffe sich verstehend, fein und schlau, verschlagen. das wort ist als fiffig auch ins dänische gedrungen, s. P. E. Müller dän. synonymik (1829) 1, 269.
1) adjectiv.
a) prädicativ: wie kindisch! wie pfiffig, wie boshaft zugleich (ist pastor Göze in seiner entgegnung). Lessing 10, 180; pfiffig genug ist die etymologie der sirenenpfeife, noch pfiffiger die anwendung. Voss antisymb. 1, 320; die rache ist pfiffig Schiller 2, 290 (räuber, trauersp. 4, 8); o! sie sind pfiffig, so lang sie es nur mit dem kopf zu thun haben, aber sobald sie mit dem herzen anbinden, werden die böswichter dumm. Schiller 3, 374 (kabale 5, 1); sie scheint ebenso pfiffig als gefährlich. Klinger theater 2, 36; die kunstgriffe der mechanik, die auch immer gescheiter und pfiffiger werden. Göthe an Zelter 583 (5, 20).
b) attributiv: ein pfiffiger patron Göthe 12, 109, kerl 42, 6, schelm Hermes Soph. (1776) 1, 559; unsere pfiffige schöngeister Schiller 2, 376; pfiffiger weise etwas thun. J. Paul uns. loge 1, 100; mit einem viel pfiffigeren zuge ... trug er durch seine diplomatische vermittelung ... zur milderung der (schroffen) ansichten bei. Gutzkow ritter4 4, 231;

[Bd. 13, Sp. 1699]


man rühmet, ihr wäret der pfiffigste mann.
Bürger 66a;

das ist der pfiffgste von deinen pfiffen.
Platen 2, 91.

substantivisch: so was pfiffigs erwartete ich nun wol. Hermes Soph. 3, 194.
2) adverb: ich weisz, was ich weisz, sagte der knecht pfiffig. Scheffel Ekk. 282;

mit pfiffig gerunzelter brau!
Freiligrath (1870) 2, 200.


 
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pfiffigkeit, f. das pfiffigsein, eine pfiffige handlung:

(so etwas) will ausgeführt sein, wies erfunden ist:
mit aller pfiffigkeit, gewandtheit.
Lessing 2, 271 (Nathan 3, 4);

legt euch nicht auf das fach der politischen pfiffigkeit, seid deutsch und ehrlich. H. Heine 9, 221; sie haben nichts als bornirte pfiffigkeit. Auerbach ges. schriften 15, 82; plur. alle pfiffigkeiten der diplomatie, sophistik. Rohde bei Göthe 60, 68.
 
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pfiffikus, m. pfiffiger patron, schlaukopf; aus pfiffig mit lat. endung gebildet, zunächst wol studentisch:

Franz war ein stück philosophus
und nebenbei ein pfiffikus.
J. F. Kind ged. (1808);

ein alter pfiffikus weisz alsbald, was an der sache ist. Gotthelf Uli d. pächter (1859) 75; der wirth, ein pfiffikus, erkennt den fürsten sogleich trotz seiner verkleidung. Auerbach ges. schriften 18, 51.
 
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pfiffis, m. n., alem.-schwäb. was pfiffi (s. pfips, pips) Schmid 61: so sie (hühner) das pfiffis gewunnen, so wächst inen ein weiszes häutlein hinden an der zungen. Heuslin Gesners vogelb. 196; andere befeuchtigen ihnen den schnabel innenfür mit warmem menschenharn, und halten ihnen (ihn) so lang zu, bisz dasz sie den pfiffis zur nasen herausz trucken. 197; übertragen: die (tochter des bauern) hat der knecht .. in die kunkelstuben gefürt, wie dann im landt zu Schwaben also ein gueter, löblicher brauch ist, dardurch mannichmal den jungen döchtern ... der pfiffis genommen wurt (deflorantur). Zimmer. chron.3 4, 9, 24. ahd. pfiffiz, fiffiʒ und pfipfiʒ (s. pfips), pfiffes Dief. 439a (15. jahrh.).
 
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pfifflen, s. pfiffeln.
 
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pfifsen, n. was pfiffis: die hner haben nach acht tagen das pfiffsen kriegt. Thurneiszer von wassern 297.
 
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pfifzig, adj. was pfiffig 1, pipsig: ein pfifziges hn. Keisersberg has im pfeffer a 3a. post. 3, 66b, pfüfzig 4, 30a.